Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1803 (22.2.1924)
- Date
- 1924-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gen* 2_ Freitag Hughes hofft auf Verminderung der Rüstungen. (Eigendienst der „Wi-nei Morgenzeitung".) Washington, 81. Februar. In einem Brief, den der Staatssekretär Hughes an das Kongreßmitglied Fish ge», richtet hat, beschäftigt er sich mit dem Borschlage England-. Frankreich. Italien, Deutschland und Japan zu einer Inter« nationalen Konferenz zur Besprechung einer weiteren Verhinderung der Rüstungen einzuladen. Hughes bezieht stch auf di« Stellungnahme deS Präsidenten Cooli-dge in dieser Angelegenheit, der bekanntlich erklärt hat, daß die Zeit einersolchen Konferenz noch nicht gekommen sei aber er spr che die Hoffnung anS, daß in nicht ferner Zeit die europäischen Mächte zu einer Verminderung ihrer Rüstungen in großem Maßstab schreiten würden. Hughes erwähnte dann den Vertrag von Saint-Germain über den Handel mit' Waffen. Die amerikanische Regierung habe eS für unmög'ich gehalten, die en Vertrag zu ratifizieren, da eS sich hier nicht um ein? Rüstungsbegrenzung gehandelt habe, sondern im Gegenteil, der Vertrag habe den Zweck gehabt, die Mächte, di«, ihn unterzeichnet haben, mit so. viel Waffen zu versorgen, a!S sie für notwendig gehalten hätten. Sine Lemonftrattonsfabtt italienischer Kriegs- Wffe. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 21. Februar. Die „Tri-buna" meldet, baß anfangs März von Spezia aus bas italienische Kanonenboot ,,Giarunn-i" und ein Tcupado-boot zu einer Fahrt auSlaufen werben, die über Konsta.nt>':nopel, Konstanza, Rustschuk nachBelgrad und Budapest führen soll. Von/Budapest wirb das Kanonenboot nach Preßburg, Wi< n, Passau und Rogenkburg weit-erfahren. In Ma u t-' hausen wind die Mannschaft auf den Gräbern der dort' beendigten italienischen Kriegsopfer Kränze ni>-verlegen. Neide Schiffe, so schreibt b:r „Tribüna". bringen „d e n italienischen Kolonien in den Donaulandern den Gruß des Vaterlandes". Die Pfalzsrape. Ausführungen des Reichsministers Horste im Reichstag. Berlin, 21. Februar. In Anwesenheit des Reichskanzlers und der Reichsminister beantwortete der Minister für die besetzten Gebiete H o e f l e im Reichstag die gestrige Pfalz-Interpellation. Der S e Pa ra t i 3 m u S als solcher, sagt< der Minister, dürfte?nt. 9t $ e l n 1 c n b endgültig erleb t g t fciix. Aber.dennoch seien im Rhcinland 1.40.000 Mann Besatzungktrnvpen. neue '^ldrr werden jeden Tag angefordert, - die Persönliche ünb wirtschaftliche Freiheit werde auf baS schwerste un.terdr-'lckt und die Presse geknebelt, 140.000 Ausgewiesene dürfen nicht zurückkehr^n, über 1500 Gefangene seien n-ch imnur nicht frei. Tie englische und italienische Presse 'habe offen ausgesprochen, daß Frankreich den Separatismus begünstigte. Tie französische Regierung lehne jede Diskussion ab. In der ganz-n Frage könne man eine immer st r i q e n d e Aktivität der Franzo'en erkennen. B's.mdws festgenagelt müsis werden, daß die deutsche Ger chtSbarkc-it den H"chverrätnn S m e e t S und Tor t e n nicht beik"inmen konnte, weil die Nheinlandskommission sie deckte. Di« weitere Aussprache wurde sodann auf morgen vertagt. Die deutsche Eolbiroterchanf. Berlin, 21. Februar. (Tel. d. „Wiener Monoewzeitung".) An der hruiigen Börse verlautete, die Gol>d« Notenbank wüvde bereits am 15. April ihre Tätigkeit aufnehmen. Als Sitz der Ban'k sei Z üri ch in Aussicht genommen. Ihr Kaptal werde sich aus Krrd'ten der Schweiz. Hollands und Englands zusammensetzen, di« durch das RerchS-bankgoVd verstärkt würden. Der Sachverständigenausschutz. Paris, 21. Februar. Ter erste ^achverständigenauSschuß nahm heute Kenntnis von den Berichten der beiden Unterausschüsse über den Statutenenttvürf der zu gründenden Gold emission.s bank undr’f*r d-s d'"llck>« Budget für 1!>74—1925. Ein Unterausschuß hörte Sachverständige über die Vorteile und Nachteile der Scl-a"ung von Monopole für Tabak. Zündhölzchen und Alkohol an. Ter z-tvoite. Sachrsr.ll " vdi ' ch>' ß ^'ir di« deutsche Ans-landsguthabe-n setzte die T'islusfion über seinen Bericht fort. BaUrMe pm 6, Vprll. München. 21. Februar. Der Landtag hat in seiner heutigen Plenarsitzung den gemein amen Antrag aller Parteien einstimmig angenommen, an die CtaotSregierung daS Ersuchen zu richten, die L a n d t a g s n«u w a h l e n auf den k. April festzusetzen und den Landtag ab 6. April aufzu lösen. Die noch zu erledigenden Arbei.cn seien in kürzester Frist'rbzuschließen. Die ttmtliilcnflfsleit M"nrer. Annahme deS Vertrages in Rom. Rom, 21.- Februar. Im Ministerrat berichtete-M ussoliini über die Vorgeschichte des Vertrages mit Jugoslawien, den er auf der KönftreUz von Lausanne in einer Besprechung mit Nineie bereits in dieser Gestalt vorberaten habe. Er betonte, daß der Freundschaftsvertrag k e i ne militärische Klausel enthalte. Die Linie -er friedlichen Ausbreitung Italiens liege im Osten, da im Wiener MorsterrzettunA. 22 Februar 1924 Rr. 1808 Autonome Wische Kolonisation am Schwarzen Meer? Sine Studienkomission der Sowjettegterung. Wie bereits berichtet wurde, propagiert der russische Direktor deS Joint, Dr. Rosen, die Errichtung von jüdischen Koloni-.'n auf.der Halbinsel K r i m. Im Zusammenhang mit' diesem Projekt wind nun, wie I. T. A. auS Moskau berichtet, von seiten der Regierungskroise lebhaftes Interesse einem Plan entgegengebracht, den A b r a m B r a g i n der Organisator der allrussischen landwirtschaftlichen Ausstellungen in Moskau in einem Memorandum an die Rogierung entworfen hat. Dieser Plan befürwortet eine auSgedchnte jüdische Kolonisation auf der nördlichen Krim und in den benachbarten Distrikten in der Ukraine mit dem Ziele, aus diesen Gebieten ein autonomes jüdisches Sledkungsgebilde unter selbständiger Verwaisung zu machen. Di« Kolonisation dieses Gebietes soll nach BraginS Plan durch lüdifche landwirtschaftliche Arbeit erfolgen. In das Gebiet fallen auch einige Städte, wie Odessa, Cherson und Nikolajew. Nach BraginS Plänen soll sich dieses KolonifationSgebiet biS zum Schwarzen Meer erstrecken. ES umfaßt 14 Millionen Deßjatinen Ackerland, darunter stich zwei Millionen Deßjatinen Staatsgut. Für die- Bedürfnisse der jüdischen Bevölk:rung würde vorläufig eine Million Deßjatinen genügen. Die gegenwärtig auf diesem Gebiete, das nur zu kaum einem Drittel besiedelt ist, wohnhaft« jüdische Bevölkerung zählt zirka eine Million Seelen. Die Autonomisierung deS Gebietes würde nach BraginS Plan erfolgen, sobald sich die jüdische Kolonisation hinreichend entwickelt hat, war nach Bragin bis 1927 der Fall sein wird. Die Negierung hat, wie I. T. A. weiter erfahrt, im Jänner 1924 eine Sonderkommlffion eingesetzt, WM.« diesen Plan prüfen, seine Einzelheiten auSarbeiten und ihn später r.-ali-iieren soll. Der Kommission gehören an: Ter Vorsitzende deallrussischen KonzessionSlomiteeS Piatakoff, der Vorsitvnde des ZentralkontrollkomiteeS der kommunisti chen Partei M. Kubische ff, der Volkskommissar für Landwirtschaft S m i r n o f f, der stellvertretende Kommissär für nationale Minderheiten B r o i d o, ferner «kn Mitglied der jüdich?n Sektion und ein Mitglied deS Bund. Angeblich haben die angesehensten Mitglieder der Sowjetveaierung, unter anderem Käme new, Trotz ky, Tschitfcherin und Bucharin. sich für den Plan ausgesprochen, von dem Ge«/ danken ausgehend, die Schaffung eines jüdischen autonomen Territoriums in Rußland, sei geeignet, daS jüdisch« Problem in Rußland, dessen Vorhandensein, nicht geleugnet werden kann, einer Lösung näher zu bringen. Sine deutsche Sowjetrepublik in S. S. 6. 9t (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Moskau, 21. Februar. Die autonome deutsche Wolgaregierung wurde durch Beschluß des Sowjets der Volks-, kommissäre zu einer autonomen Republik erhöht. Diese wird 14 Bezirke umfasten. DaS Zentrum der Verwaltung wird die Stadt Pokrowsk sein. Die neu« Republik' w'rd autonome V lkskommissariate mit Ausnahme der Volkskommissariate für auswärtige Angelegenheiten und deS. Außenhandels erhalten. Westen feste Staatengebilde liegen, wohin Italien nur Arbeiter entsenden könne und auch dies« nur auf Widerruf. Mussolini stellte fest, wenn d'A n n u n z i o sein Fiume- Unterneb-men nicht gewagt bätte, hätte Fiume heute-nicht italienisch sein können. Die P r o k l a m a t i o n derUnabhängigkeit Fium e s werde am 2. März dort in Gegenwart des Königs erfolgen. Der Ministerrat nahm hierauf einstimmig daS Abkommen an. ferner wurde ein Dekret beschlossen, wonach an'diesem Tage überall' nationale Feierlichkeiten 'angeordnet werden.' Es wurde ferner 'die Gvenzrcgulienckg gegen die Schweiz gen'ebm^gt sowie betreffend den M i e t e r s ch u h ein Dekret beschlossen, wonach die Präfekten die Besitzer von leerstehenden Wohnungen und^, Geschäftslokalen auffordern sollen, binnen zwei Monaten %i« Räumlichkeiten zu vermieten. Das Dekret gilt nicht Kurorte und Sommerfrischen. Ungleich wurde die Aufhebung der Kündigungen bis zum 31. Dezember 1924 genehmigt. Las ArbestMogramm der SkuvMina. (Eigendienst der „Diener Morgenzeitung".) Belgrad. 21. Februar. DoS Arbeitsprogramm der Skupschtina umfaßt in der nächsten Zeit eine Reihe von Vorlagen über die endgültige Regelung der Beziehungen zu Italien und d.'n Grmzvcrkehr. ferner über den italienisch-si'djlawitchen Handelsvertrag, der jetzt beraten wird. Ferner soll auch die Ratifizierung des Abkommens über die Freizone in Saloniki vor die Skupfchtina kommen. Von i n n e r p o l i t ischeu Gegenständen wird die Skup'chtina das Budget, daS Invalidenvielleicht auch das Preßgesetz sowie daS Gesetz über die Gründung der Landwirtebank zu erledigen haben. Lar neue sranMche Wahlgesetz angenommen Zwei Vertrauensfragen. Parks, 21. Februar. (HavaS.) Der S e n a i hat. nachdem Roineare die Vertrauensfrage gestellt hat!«, die Rückkehr zum Arrondiffementwahlfystem mit 150 gegen 134 Stimmen abgelehnt. In der Kammer bearündete Laffont ein Amendement betreffend die Errichtung eines Staalsmonopols für die Petroleumeinfuhr. Finanzmmi''ter Klotz ver'anate die Neberweisung diests Antrags an eine Kommission und stelle die Vertrauensfrage. Der Antrag wurde mit 367 oe^en 178 Stimmen abgelehnt, worauf Lass-nt sein Amendement znrückzog. Schließlich wurde Artikel 36 betreffend die Aufhebung deS Staats- Monopols awf Zündhölzchen mit 46s gegen 178 Stimmen angenommen. An weiteres Lpfer drr ksougrader Mrder. Budapest, 21. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung") Bei dem Bombenattentat in Csongrad wurde auch der Zigeunerprimas Blasius Farkas, der mit seiner Zigeunerkapelle gerade zum Tanz ausspielte, durch ein Sprengstück schwer verletzt. FarkaS wurde erst einige Tage im Csongrader Spital gepflegt und dann nach Budapest gebracht, wo ihm ein B e i n amputiert werden mußte. Die Aerzte hoff- ‘ten, mit dieser Operation Farkas am Leben zu erhalten, doch trat plötzlich Wundfieber ein und FarkaS ist vorgestern seinen Verletzungen erlegen. Lemiffiou der uuuurii»«« ffErmiMer«. Die finanziellen Notverordnungen mit 95 gegen 37 Stimmen gutgeheltzen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 21. Februar. Iwstizminister Emil Nagy, der gegen die Finanzmaßnahmen der Regierung im Kabinett und auch vor der Osfsetrtlichkeit Stellung genommen hatte, hat seine Demission eingereicht; er begründet ste in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten damit, daß er der Verantwortung für das Gesetz über bk^ ZwangSanlei h« nicht übernehmen könne, ^ie- De- ' misiion Na,ihs wurde zur Kenntnis - genommen. Minister- ' Präsident Bethlen übernimmt provisorisch das Justiz- Portefeuille. In der Sitzung deS Finanzausschusses hat Bethlen den Artikel 4 aus der Borla.ge Kallaps über die Zwangsan- ' leihe ausgeschieden und erklärt^ daß diese Vorlage der Ra-- tionalver'ammlung in neuer Form als selbständiges Gesetz vcrgelegt werde. Durch d esen Schachzug hat sich Berhlen wieder daS Vertrauen der Mehrheit zurückgewonnen und seine ' Position gestärkt. Er ist aber noch weiter gegangen und hat in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung die Vertrauensfrage gestellt. Der Abgeordnete der Regierungspartei Berktz, der über die Ursache der Veröffentlichung der Notverordnungen interpellierte, wiedie ' Berechtigung dieser Notverordnungen nach. „So oft vem Lande eine Gefahr drohe", sagte B e r k y, „zeigen sich die Hyänen, welche durch alarmiewnc« Gerüchte daS! Volk beunruhigen und sich selbst bereichern." Die SoLialisten protestierten lürinend gegen die Bezeichnung Hyänen, . so daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. Erst nach längerer Zeit-konnte Berky seine Red« fortsetzen. Unter allgemeiner Aufmerksamkeit und Spannung antwortete Bethlen auf diese Interpellation. Er verteidigte das Vergehen der Reg'erung und verwies darauf, daß gewisse Kreise absichtlich alarmie'.onde Gerüchte verbreiten. Bethlen schilderte dann, daß d'e Negierung zu Notverordnungen greifen mußte, um d e Katastrophe zu bannen. Jede andere Reg'erung hätte auch nichts anders unternehmen können. Diese Frage machte Bethlen zur KabinettSfrage. Die Antwort des Ministerpräsidenten wurde hierauf in namentlicher Abstimmung mit 95 gegen 37 Stimmen zur Kenntnis genommen. Der Spitzel der uunarkscheu Putschisten der« hastet. München, 21. Febrtiar. (W^-lff.) Ter Handlungsgehilfe Fritz D o e h m e l, der unter dem Verdacht eines in Esten begangenen Landesverrates den der ReichZanwaltfchaft gesucht wird und der in dem Bu'dapester Prozeß gegen Ulain und Genosten ein Nolle aespiclt hat, ist an der bayrischen Grenze verhaftet und nach Leipzig überführt worden. ^_ Ae politische Orientierung der polnischen Kabinetts. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau» 21. Februar. Obwohl die Demission deS bis» herigen KrtegSmimflerS SofnkowSki bereits fett längeres Zeit erwartet wurde, fqju sie im gegenwärtigen Moment dpH ziemlich überraschend. Roch mehr überraschte eS, daß General . Sikortki als 'Krieg-minister in» Kabinett Grabski ring»