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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-22 · Heft 1803 (22.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1803 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ip-' /WA' AI, Yv i/t > £ü>s«ImnnnierK1200 Wien; Zum Abholen in der Expedition, ILTahorstr. 1 -3, oder in einer Verschleisstelle Slrafikl monatl. K 35.000 brassen verkauf in Wien düreh die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. ßezH Wollzeite 11. Mit Postversand fSr Wien u. Oesterr. monatl. K 35.000 Tscheeho-Slowakei: Mon.K 18. Jugoslawien: Mon. DinaröO. Polen: Mon. osterreich. Kronen 30.000, Deut sc hl.: Mon. Goldmark 4.—. F r a n k r„ B e Ijfien: Mon. Fr ca. 12 UM* Naobxatilaar*» "«SO bei Prei*erb31)ua?ee trarbthaltaa Rr. 1803 Sauierungskritik. —y. Wien, 22. Februar. ES stehen neue Schwierigkeiten und neue Lasten bevor. Darauf bereitet der Bericht des Generalkommissärs Zimmerman über die Sanierung vor. Die Leistung, die die Bevölkerung Oesterreichs zu vollbringen habe, setze einen völligen Umschwung in ihrer Denkart und ihren Lebensgewohnheiten voraus und fordere die Rückkehr zur Sparsamkeit und Einschränkung. Was diese letzteren Begriffe anbelangt, so wäre zu sagen, daß auch die erste Etappe der Sanierung von der Genußsucht der Bevölkerung wenig merken ließ. Die Schieber und Geldjongleure, die durch ihren Ueberkonsum unangenehm auffallen, sind nur ein sehr geringer Teil der städtischen Bewohnerschaft, und die Kritik des Generalkommissärs nimmt eine unverdiente Generalisierung vor. Die schweren sozialen Kämpfe, die er so ausführlich hervorhebt und die sich in der Staatsbeamtenschaft vollzogen, sind ein sehr lautes Gegenargument, und die Tatsache, daß der letzte Teuerungsindex bereits den Höchststand der Zeit vor den Sanierungsreisen des Bundeskanzlers überschritten hat, läßt den Vorhalt des Konsumfiebers als zu Unrecht erhoben aufscheinen. Es gibt allerdings eine Schichte der Bevölkerung, die unter den Lasten der Sanierung wenig gelitten hat, weil sie von der Teuerung lebt und die Preise der lebenswichtigen Artikel unter ihrem Diktat hält. Das ist die Bauernschaft, aber diese Klasse ist im Besitz der Macht. Sie regiert und wacht mit schärfster Aufmerksamkeit darüber, daß ihre Anteilnahme an dem Wiederaufbau stets hinter der der städtischen Konsumenten zurückbleibt. Sie sieht der Generalkommissär nicht und darum kann sein Bericht in diesem Teile nicht das wahre Bild geben. Was der Generalkommissär der Regierung und dem Parlament zu sagen hat, läßt sich in einen einfachen, kurzen Satz zusammenziehen: So hat sich der Völkerbund die Sanierung nicht vorgestellt. Der Generalkommissär hat nur eine präzise umschriebene Funktion, die der materiellen Kontrolle der Kredite und der Konstruktion des Staatshaushaltes. Eine moralische Aufsicht hat er nicht auszuüben und aus diesem Umstand ergeben sich seine Beschwerden. Ter Staat kann nur bis zu einem gewissen Grad saniert werden, nämlich so weit, als dies die allgemeine Entwicklung Europas gestaltet. Zum zweiten aber kann die Sanierung selbst in diesem Ausmaß, nur ein Ergebnis des Zusammenwirkens politischer, sozialer und psychologischer Elemente sein. Ihre erste Voraussetzung ist der gute Wille, das Einverständnis aller Schichten, die Last zu möglichst gleichen Teilen im Verhältnis der Leistungsfähigkeit zu tragen und alles zu unterlassen, was den einen oder anderen Stand zugunsten der anderen benachteiligt. Nun ist Altruismus eine im wirtschaftlichen Kampf ums Dasein seltene Erscheinung und es gibt keine Parte: oder Klasse oder Schichte, die aus freien Stücken auf deu Kuhhandel verzichtet oder darauf, die eigenen Zahlungen von einer anderen leisten zu lassen. Den Ausgleich zu finden ist Sache der Regierung und hierin fehlt es. Die Regierung ist ein Koalitionsausschuß von Parteien, die in ihren letzten Zielen 'diametral auseinander gehen, sich aber doch zusammengefunden haben, um nach der großen Zeit, die sie gemeinsam veranstalteten, den Katzenjammer von änderen bezahlen zu lassen. Sie stehen dem Bauerntum in Geist und Tat nahe und teilen mit ihm den Haß gegen die Großstadt, die sie verabscheuen, weil sie ein Sammelpunkt der europäischen Kultur ist, gegen die d:e Ländlerei Gift und' Galle speit. Sie ist von jüdischer Kraft mitgeschasseu worden und trägt, nicht zu ihren! Sä-aden, selbstverständlich auch, die unverwischbaren Spuren dieser Arbeit. Dafür muß das Judentum als ein vorwiegend stä>dtiscl)es Element bestraft werden und mit ihm die' Stadt überhaupt. So vollzieht sich die gesamte Sanierung aus dem Rücken der städtischen Volksschichten und unter diesen wieder besteht das Bestreben, die Last des Wiederaufbaues zum Ort des geringsten Widerstandes zu verschieben. Die indischen Kaufleute müssen zahlen, daß sich ihnen die Knochen biegen, für den Bund, für das Land und für die Städte. Im Nationalrat find sie nicht vertreten und können sich nicht wehren, im Wiener Nathans geht die Majorität rücksichtslos den gleid>cn Weg und baut ihre Wirtschaft auf der jüdisclM Steuerleistung auf. Die Quittung ist dany das Hakenkreuztum in Schule und Amt. Von diesen. Dingen aber spricht brr Bericht gn den Pöllechnntz nicht« j&T* (Großmutter»* «“■*** Liebling) v^aoaart P8’en!poMi2QO.DO0 Italien: Monatl. 12 1 irs, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweix und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, Taborstrassei—*3 Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6Uhrabds. 19-483,25-282 Tel- Adr,:„Morgenxeitnng* Wien Oesterreiebiaehes PoaUpar* kassen- Konto Nr. 150.69 Wien. Freitag. 22. Februar 1924 8. sahrzaag der an Sowjetrußland Anerkennung der Schulden, Wiederaufnahme der Sinsemahluugeu. SntschSdigung für alle Verluste. Meistbegünstigung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 21. Februar. In hiesigen politischen Kreisen verlautet, daß bei der gestrigen Unterredung Mae Donalds mit Rakovski auch die Forderungen der englischen Industrie an Sowjetrußland besprochen wurden, die der Verband der englischen Jndnstrie dem Premierminister in einem Memorandum mitgetcilt hat. Demnach verlangt der Verband, daß den k o m m e n d e u V e r h a n dlunge» mit Rußland auch Vertreter der Industrie zu gezogen werden, damit diese die Rechte der englischen Industrie vertreten könnten. England müsse von Rußland fordern, als meistbegünstigte Nation anerkannt zu werden. Weiters werden folgende Bedingungen gestellt: 1. Anerkennung der Haftbarkeit der Sowjetregierung für alle Schulden, die die früheren russischen Regierungen gegenüber engli chen Staatsbürgern oder der englischen Regierung gegenüber eingegangen sind. 2. Wiederaufnahme .der Zinsenzahl » n g mrd Entschädigung fUt" ausgefallene Zinsen aus diesen Schulden. 3. Befriedigendes Angebot zur Tilgung dieser Schulden. * 4. Anerkennung der Verpflichtung der Sowjetregierung, englische Staatsbürger, die durch die Revolution zu Schaden gekommen sind, zu e n t s ch'8 d i g e n. 5. Abschluß eines Uebereinkommens über die Regelung die'er Forderungen und Aber die Sicher» stellung der Auszahlung der entfallenden Summen. 6. Errichtung eines englisch-russische» Clearingamtes zur Abrechnung der Privatschuldev von Engländern und Russen. Wie Ihr Korrespondent erfahrt, wird die englisch« russische Konferenz am 2 5. Marz in L o n d o n eröffnet werden. England wird durch den ständigen Sekretär. i«; Handelsamt Sidney C h a i m a n sowie durch den.Chef der russischen Abteilung im Foreign Office Gregory vertreten '-ein. BeMeutÜchung der englisches Lorklegi« ' Dofamente? Eine sensationelle Ankündigung Pousonbys. , London, 21. Februar. Im Unterhause machte auf eine Anfrage des Abgeordneten Morel der UntersimltssekreÜit im Autzenamt Ponsouky die aussehenerr^endc Mitteilung, die englische. Regierung sei in Erwägunge» M Aber eingetrete», in vwlchqeHörmHch^elne VxkäiM*. lichung der englischen am t l ich e n D,o,Hv me»te, die sich auf die unmittelbare BorkriegSzeit beziehen, ermöglichen laste. , Man vermutet, daß M o r e l . Me Anfrage, wenn nicht auf direkte Veranlassung des AuhenamteS, so doch nach dessen vorheriger Berstaudignng im Unterhaus gestellt hat. u einer Bon 8'|i Matten nul 5 Matten Mttnatf. Brüssel, 21. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgenzertung".) Ministerpräsiendt T h e u n i s hielt in der Kammer eine Rede, in der er aus die seit dem Waffenstillstand geleistete Wiederaufbanarbeit und aus die Besserung der Handelsbilanz hinwies. Der Ministerpräsident erklärte weiter, Deutschland schukde Belgien noch 8,5 Milliarden Goldmark. Belgien würde, um zu einem Abschluß der Frage zu gelangen, seine Forderung auf sünf Milliarden ermäßigen. Im ordentlichen Budget für das Jahr 1924 sei das Gleichgewicht wieder hergestellt. Ser IMrbeiterstreik beigelegt. (Eigenvienst dcc „Wiener Morgenzeitrmg".), London, 21. Februar. Heute um 3 Uhr morgens wurde vom' Arbeitsministerium belanuigegeben, daß im Dockarbeiterstreik die von der Regierung unternommene Vermittlungsaktion zu. einem vollständigen Uebereinkommen geführt hat.. Das Aebewmkommen bedarf noch der GenahmigUiNg der heute abends zusammeutveteniden Delegiertenkonferenz der Dockarbeiltier. Unmittelbar nach der Beschlußfassung der Delegierten' wind die te l e g ra P h t s che Order• zur Wiederaufnahme derArbeit erteilt wenden. Die' EiniguUtz' im Streikbedeutet einen vollen^ Erfolg -der Regi.eru.ng, Die Docker erhalten eine sofortige wöchentliche Lohnerhöhung von einem Schilling und etwe solche von zwei Schilling vom.-1. Mai-an. Ferner ist bestimmt worden, Paß keine Maßiegelnugeu der St redenden Vorgenommen werden dürfen. - V Die Vereüldarung aögelehrM New - Castle, 21. Februar. (Router.) Die Dockarbeiter habe» »int EuWießunßegen die zutzandegelommene Betreffs der von Deutschland zurückzuzahlenve« Ausgaben erllärte Theunis, die Regierung werde vorläufig vom Lande die notwendigen Opfer verlange«, jedoch keineswegs zugebrn, daß Deutschland gar nichts zahle. Die gegenwärtige Finanzkris« sei derart nutz e.re ch tsertigt, daß sie nicht langer andauern könne. CS sei ruchlos, zu sagen, auch der Franken Kunie die abschüssige Bahn der Mark hinabgleiten. Die Mark sei deswegen zugrunde gegangen, well die d e n t s ch e R egierung ohne U nt erlaß zur Notenpress< ihre Zuflucht genommen habe. Vereinbarung angenommen. Sie verlangen .vom Zeit» punkte der Wiederaufnahme der Arbeit an eine Erhöhung um zwei Schilling. Ern KohLenarLeiLerstrerkr London, 21. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgen* zeitung,,.) Am 17. März droht eiin Koh! enarbeiterstreik, da an die st m Tage die Kündigiungssvist für das Lohnabkommen abläuft. Die Rechtsbeschr'iinkungen der Faden in Polea. Warschau, 21. Februar. (P. T.-A,) Die juristische Kommission des Sejm befaßte sich heute neuerlich mit der Frage der A u s e b u n g j e n e r R e ch t s b e s ch^ r ä nkungen, die hinsichtlich der Juden ehemaliAN r"ssischen Grbiete Polens noch geblieben sinv. Kommission ivählte eine Un-terlommissionzur Prüfung aller noch, bcstehenden vechilichen Beschränkungen fremder Nationalitäten und. nahm eine Emschlteßung an, in der die Negierung ausgesordert wird, in 14 T a g e n einen Gesetzentwnrs betrefsend die Aushebung, aller noch bestehenden nationalen uni *. konsessionrllcu Beschräntun-e» im Sq« omznbvins»«.

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