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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-21 · Heft 1802 (21.2.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1802 (21.2.1924)
Date
1924-02-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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'&!! t S 2t. ftc&rtwt f924 Nr. 1808 Las Ergebnis der Intervention Nr. Seipels: klnietzuna einer sechsgliedrigen Komitees. — Weitere Verhandlungen. — Ler dritte Stteiftag. Wilson und Louis Brandeis. Josef P. Tumultv. -er Sekretär -es soeben verdorbenen Expräsidrnten Wilson. wr'H r bereits zu t>er Zeit mit Gnt arbeitete, als Wilson Gottverneur in Newftersey war. machte einem Vertreter -er ft. T. A. in N«M k).'rk e'ne Reibe von M'"e'lurg«n über WilsonS Verhältnis zu dem bekannten Richier des Obersten Gericktk-hrftS Louis Brande iS, dem jiidisch-amerikanifchen Führer, mit welchem Wllsm erae Freundschaft verband. Brandeis war einer der wichtigsten Ratgeber Wilsons während und such nach dem Kriege u.nd W.'ls-on legte großen V rt darauf, vor den wichtigsten C.rtscheid?u'en Vrandeis' Rat: ein.zuholen.. Tunuchth erzählt, was bisher in der Oefsentlich'eit nicht bekannt wurde, daß Wilson B r a n d e i s z u m a m e. eikanischen Bevollmächtigten für die Frieden s v er ha n d l u na e n in Versailles ernannt hatte. Diese Ernennung konnte jedoch nicht aufrecht erhalten werden, weit dor Präsident des Obersten Ger chtshofeS Brandeis keinen Urlaub infolge Arbeitsüberlastung >eim Gericht gewahren wollte. , Bekanntlich hat Wilson die Ernennung BrandeiS' zum dichter beim Obersten Gerichtshof durchgeseht. Weite Kreise opponierten gegen die Erri""nung eines ft u d.e n für einen!o Verantwortu-nakvollen P sten. Angesichts dieser Oppo» ät-ion sandte Wilson an Senator Culberson einen Brief, in welchem er sagte, die Opposition g'gen die Er- Nennung Brandeis' nehme an der Zugeb-origkeit des Richters zum Judentum Anstoß, doch er. Wilson, b e st e h e auf >ieser Ernennung, weil das Land einen Mann von solcher Lauterkeit der Gosinnung gerade am Obersten Gerichtshof brauche. Tumulth erzählt, auch eine Episode, die besonders charakteristisch dafür ist. wie der Prciisi-eri Brandeis' Stellung in jed^r Weise stützte. Es war auf einem Diner be m Sekretär Mae Ador. zu welch m auch der Rickter Vrandeis eineeladen war. Die 'Ernennungsfrage war damals gerade aktuell. Es war dem Präsidenten bekannt, .daß verschiedene Richter'des Obersten Gerichtshofes besonders stark gegen Brandeis opponierten. Der Führer dieser Gruppe, der ebenfalls anwe end war. suchte geflissentlich, Vrandeis auszuweichen. Ta nahm Präsident Wilson Vrandeis beim Arm. führte ihn 'zu dem Richter hin und sagte: -„Gestatten Sie. daß ich Ihnen Ihren Zukünftigen Kollegen auf der Richterbank vorstelle." Dem Präsidenten hat die Verlegenheit des Richters großes Vergnügen bereitet. Nach Tu-mutths Darlegungen war übrigens' Mfon der festen Ueberzeugung. daß die Bewegung auf Beschränkung der Einwan de ru ng an tijüdichen Charakter habe. '. knglands Luftverteidigung. Kne Friedensrede des Unterstaatssekretärs für Lustschissfahrt. London, 20. Februar, In der Debatte, über die Luftverteidigung Englands erklärte der frühere Luftfahrts- Minister Haare in Begründung des von.ihm eingebrach-- ten Antrages, der Vergleich der britisch, n Luftstreitmacht mit der größten i n E u r o p a, der f r a n z ö s i s ch e n, stelle keinerlei verhüllte oder unverhüllte Andeutungen eines Bruches der glücklichen Beziehungen zwischen beiden Staaten dar. Die internationalen Konferenzen seit dem Kriege seien ein Fehlschlag gewesen, weil der Boden nicht genügend vorbereitet war. Kein Teil der Oeffenll'chkit des Landes' könne mit. Gleichgültigkeit die Tatsache hinnehmen, daß die Hauptstadt des bri!ischen Reiches und die Küste Englands in einer so verwundbaren Verfassung gegenüber der furchtbarsten aller Modernen- Angriffs Waffen des Krieges seien. England habe jetzt etwa 8 0 F r o n 1 m a s ch i n e n, die endgültig für den Heimatschutz bestimmt seren. Frankreich verfüg« im gegenwärtigen Augenblick über etwa 1000 Frontflugzeuge. Während des Krieges habe die größte Maste von Bomben, die je aus England mnerhalb eines einzigen Monats geworfen wurde, 12 Tonnen betragen. Achthundert Flugzeuge könnten 170 Tonnen im Lause von 24 Stunden auf Londn werfm. Redner trat zum Schlüsse für die Entwicklung der zivilen Lustschisfahrt und des zivilen Fluozeugwesens ein. Der Unterstaatssekretgr für Luftschiffahrtswesen. Leach erklärte in seiner Anvwortrcde, die Nationen, die sich am meisten vorbereitete n. bekämen die meisten Kriege. Tie beste Waffe sei eine gerechte Sache. Wenn die B ö l k er F r i e d e n w o l l- 1 e n» so müßten sie sich für den F r i e d e n vordere iten. (Beifall bei der Arbeiterpartei). Tie au gen bl 'ckliche Regierung bereite sich auf den Frieden vor und so seien gegenwärtig keinerlei Veränderungen in der- Politik der Regierung bezüglich der Pläne zur Arttdchuung des. LustfahrtwesenS beabsichtigt. Tie Negierung würde eine neue Washingtoner Konferenz für die L u f t st r e i t k r ä f t e begrüßen und alles tun, was in ihrer Macht'liege, um eine derartige Konseven-z möglich zu' machen. Kenworthy erklärte, durch die ganze Debatte ziehe sich der Gedanke, baß England sich in" der/ Lust gegen Frankreich' bewaffnen müsse., Tas einzige Mitlet'sei ein« a k lg e m e i n e A b r'üstu n.g und eine, int e r na t i o n a le Polizei streit macht. Wenn'man einen neuen Krieg beginne, würde sich das Volk in Verzweiflung erheben und das gegenwärtig Oe* stllfchajtrsyslem stürzen. Gestern mittags trat im Bundeskanzleramte unter dem Vorsitze des Bundeskanzlers Dr. Seipel die Konferenz zusammm, die von der Regierung einbrrufen woÄen war, um tzi der Angelegenheit des Bankbeamtenstreiks eine Annäherung zwischen den Banken und ihren Beamten herbcizuführen. Außer den Vertretern der Regierung waren ungefähr zehn Direktoren der führenden Institute, ferner die Führer der Streikenden mit dem Abg. Allina an der Spitze erschienen. Nachdem der Bundeskanzler in einer Ansprache den Zweck seiner Intervention nochmals anseinandergesetzt hatte, wurde sofort in . die Beratungen eingegangen. Ju parlamentarischen Kreisen verlautet, daß sich die . Verhanvliirige« zwischen den, Bankenvertretern und den Bankangestellten- Vertretern beim.Bundeskanzler Dr. Seipel sehr bewegt . gestalten. Die Vertreter der Bankangestellten hielten vor diesen Verhandlungen eine Sonderkonferenz ab, in der sie beschlossen haben, sich ... gegen jedes Zugeständnis auf dem Gebiete der Arbeitszeit und -teilung auszusprechen, ferner Bundeskanzler Dr. Seipel nicht alS Schiedsrichter, sondern lediglich als Vermittler zu betrachten. Die Verhandlungen, die wegen der für 3 Uhr anberaumten Sitzung des Nationalrates unterbrochen wurden, wurden um 6j U h r. w i e d er. aufg e.n o.m m e n. Trotz der erregten. Stimmung, die während der Verhandlungen zutage trat, wird die Lage optimistisch betrachtet, doch wird angenommen, daß vor Ende dieser Woche kein Einvernehmen zu erwarten ist. Wenn die von den Banken verlangte Verlängerung der Arbeitsstunden zugestanden werden sollte, werden die Angestellten Konzessionen materieller Natur in Form von außerordentlichen Nachmittagsdienstzulagen und einen Ersatzruhetag für die Verlegung deS Dienstes in die Abendstunden verlangen. Einsetzung eines sechsgliedrigen Komitees. Die gemeinsamen'Besprechungen zwischen den Vertretern des Bankendechandes sowie der Bankenvereinigung einerseits und des Re ichsvereines der Bank- und Sparkassagehilsen Oesterreichs sowie des Bundes der Bank- und Spar'assagehilsen . der Republik , ande.-erse'.ts nahmen gestern v r-nittags unter Bars tz 'es Bim' eVa-zlers ihren Anfcng und wurden nach mehrstündiger Unterbrechung in den Abendstunden fortgesetzt. In eingehender Wechselrede legten beide Teile ihren Standpunkt dar, wobei der Gang der Verhandlungen, - die vor Ausbruch des Konfliktes zwischen den Banken und ihren Angestellten geführt worden waren, zum Ausgangspunkte für die Feststellung der Grundsätze genommen wurden, die einzuhalten sich beide Gruppen für verpfl'chtet erachten. Da die Streitpunkte noch einer weiteren Abgrenzung bedürfen, schlug der Bundeskanzler schließlich beiden Teilen vor. je ein sechsgliedriges Kom i t e e zu wählen, die beide im Läufe des heutigen Tages daran gehen sollen, zunächst in getrennten Besprechungen mit dem Bundeskanzler. de Unterlagen für eine weitere gemeinsame Beratung zu schaffen. Als erste Voraussetzung dafür, daß diese Beratungen zu einem günstigen Erfolge führen können, bezeichnet der Bundeskanzler in einem A p P e t l, den er an beide Teile richtete, eine gegenseitige Zusicherung, daß während der Dauer von Derhandlunzei alles vermieden werde, was zu einer Verschärfung des Konfliktes führen könnte. Insbesondere verlangte er, daß während der Dauer der Verhandlungen die Banken nicht mit Kündigungen oder Rangsentziehung Vorgehen, und andererseits die Angestellten sich jeder Behinderung etwa sich zum Dienste meldender Angestellter durch Gewaltakte oder Insulten enthalten. Vollständige Einstellung der Notendruckerei. Di« Ausdehnung d"s Streiks bei der Nationalb ink hat . auch zur völligen Einstellung des B e 1 r i e b e s in der Notendruckerei geführt, deren Arbeiter die Arbeit r>«derlegten. Das Gebäude in der LaNdhansgasse, wo 'ich die Dir^k wir der Notendruckerei befindet, ist durch Streikposten bewacht, die den Emtritt verhindern. Dasselbe gilt auch für die Notendrückerei in der Herrengasse. Versuchen Sie unseren seidenen 'm 1.7RÄ7 7NERHOB 2 (Gruben DaS Direktorium der Nationalbank hat sich bereit» mit der Frage befaßt. Die Kassendienfteinteilun^ bei den Danken, Der Dankend er band hat vom Nicdcrösterreichischcn Gewerbeverein eine.Mitteilung erhalten, worin dieser auf di« No'" verweist, den Pari-eienverkchr der Krcdit'nstitu'e an den Nachmittagen der Werktage zu ermöglichen, was jedoch ke'ne irgendwie ins Gewicht fallende Verlängerung der tatsächlichen Arbeitszeit bedeuten nrüßte. Das Gremium der Wiener Kaufmannschaft hat sich gleichfalls cm den Vankeuverband mit einer Zuschrift; getvendet, worin er auf ein Ersuchen vom 1. März 1920 derweist, wonach Einrichtungen zu treffen wären, daß bsi den . Danken von der Kaufmannschaft Geldumlagen auch n a ch 1 Uhr entgegengenommen werden können. Das Gre- : mium bringt das Ersuchen der gesamten Kaufmannschaft noch-; mals in Erinnerung, damit diesem immer wieder auftauchen-- den Wunsche der Kaufmannschaft entsprochen werde. Die Prokuristen gegen die Streikbrecher. . ' Die Prokuristen, Oberprokuvisten, Borstände und Bor»! stand-Stellvertreter sämtlicher Banken hielten gestern abends eine Versammlung in den Reichshallen ab, di« von'mehr als tausend Personen besucht war. Wie wir erfahre«, wurde einstimmig eine Kundgebung beschlossen, in der die Verurteilung der wenigen Streikbrecher einmütig auSgesprüchen wurde, und der Antrag angenommen, im Streik auszuharren und den Kollegen nicht in den Rücken zu fallen. Demonstration vor der Zentralbank deut» scher Sparkassen. Gestern früh kam es vor der Zentralbank deutscher Sparkassen am Hof, wo Vrokuristen Dien^ tun, zu einer große« Demonstratio,». Es versammelten sich dort einige hundert Streikende und brachen in stürmische Vfiurnfe und m Rufe wie „Streik-. brecher", „Lumpen", „Verräter" usw. aus. Die Wache, schritt ein und es kam zwischen den Demonstranten, und der Wache zu heftigen Auseinandersetzungen, worauf dann der Präsident des Reichsvereines der Bankbeamten und Abg. Allina gerufen wurden, die durch beschwichtigende Ansprachen die Demonstranten beruhigten vsef sie veranlaßten, sich zu zerstreuen. Eine Kundmachung der Streikleitung. Von der Streikleitung wird uns geschrieben: DaS Bild deS AuSstandeS ist unverändert geblieben. Nach wie vor steht die Beamtenschaft, einschließlich der Oberbeamt-n, lückenlos zur Parole der Gewerkschaft. Der Streikpostendienst vollzieht sich schon deshalb ohne Reibungen, weil nirgends Ersuche unternommen werden, die Arbeit anzutre'en mt*> infolgedessen es auch an jeder Notwendigkeit fehlt, Arbei'swillige irgendwie zu refointmieten. Die Nachricht, daß sich Prokuristen in den Banken zum Dienste melden otoejc Austritte aüs der Gewerkschaft erfolgt sind, ist erfunden. Außer den acht Streikbrechern^ in der Zentralbank der deutschen Sparkassen, die auch ihr Nachtquartier in diesem Institute aufgeschlagen haben, ist eS lediglich in einer Großbank zum Dienstantritte einiger Öberprokuriften gekommen, di« jedoch an dem Bild de» geschlossenen AuSstandeS nicht daS Gevinast« zu änd.wn vermögen. ES ist auch unrichtig, daß der eingerichtete Notdienst ein auch pur bescheidenes Funktionieren deS Geld- Verkehres ermöglicht; wahr ist vielmehr, daß der Notverkehr auch nicht den bescheidensten Anforderungen gerecht werden kann und daß die Streikleitung zum Zwecke der Besorgung einer dringenden industriellen Transaktion (Lohnanszahlung. in einem großen Jndustviekonzern) besondere Hilfskräfte freigegeben hat. Aus den Provinzstädten wird der Streikleitung; fortlaufend die klaglose Ausführung aller Anordnung:» berichtet. In den StreMokalen in Wien herrscht m u st e r g ü ltige Ordnung.. Die im AuSstand stehende Beamtenschaft ist von fester Zuversicht erfüllt. Eine Kundgebung der Handelskammern. Eine gestern abgehaltene Präsidialkonferenz der Oester« reichischen Kammern für Handel, Gewerbe und Industrie hat über Antrag mehrerer Kammern einhellig nachstehenden Beschluß gefaßt: Die Präsidialkonferenz der österreichischen Kammem füt Handel, Gewerbe und Industrie erklärt, daß die Verlange» rung der Kajsastunden der Banken eine alte, I im allgemeiuen volkswirtschaftlichen Interesse gestellte Forde.' rung von Handel, Gewerbe und Industrie darstellt, der sich . die Bantteitlnlgen nun qllomodiert Haben. Die Präsidialkonfe.. renz gibt der bestimmten Erv'arUulg Ausdruck, daß diese Ford:, rung aller Kreise von Handel, Gewerbe und Industrie l.n> endlich Verwirklichung finden-werde.

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