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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-20 · Heft 1801 (20.2.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1801 (20.2.1924)
Date
1924-02-20
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m IOT ‘: ' W'icn, Mittwoch.' /+...—— - 1 fotl war eine ganze Reihe von Gruppen der Metallindustt:: gezwungen, in letzter Zeit cm die Arbeiterschaft wegen Herabsetzung der Löhne heranzutreten. Die Vertreter der Angestellten erklärten unter besonderer Betonung der schwierigen Verhältnisse ihre? Standes, auf.einer Erhöhung der Bezüge bestehen zu muffen. Ueber den Gang der Verhandlungen wird in c-iner am 20. d. stallfindenden Delegiertenv-crfammlung des Wiener Jndrustriellenverbandes berichtet werden, die auch zu deu neuerlichen Lohnforderungen des Metallarbeiterverbandes Stellung nehmen wird. Die meritor-ischen Verhandlungen werden in der nächsten Woche fortgesetzt werden. Die Auszahlung der Februarbezüge ist am Ende des Monats in der gleichen Höhe wie die der Jünnerbezüge vorzunehmen. _ Sie GoldKMbanr. Schachts Verhandlungen in Paris. Paris, 19. Februar. Dr. Schaft hat gestern dem Unterausschuß jes Komitees Dawes seinen Plan über die Schaffung einer Goldkreditbank in Berlin dargelegt, die mit Hilfe einer internationalen Garant i e die Wiederaufrichtung des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft Deutschlands erleichtern würde. Das Komitee Dawes unterzog den Plan einer Erörterung und nahm, ohne jedoch eine Verpflichtung zu übernehmen, eine eventuelle Funktion der von Dr. Schacht projektierten Bank mit der Goldnotenbank in Aussicht, für die das Komitee die Statuten ausarbertet. Die Separatisten heben Geiseln «ms. Landau, 19. Februar. (Wolff.) Nach einer Bekanntmachung der Interalliierten Hkheinlandkom- Mission ist eine Liste von Geiseln ausgestellt worden, die für die Sicherheit der Separatisten hasten 'ollen. Die Wahle» in Schwerin. Schwerin. 19. Februar. Bis heute mittags lagen aus ^03 Bezirken die vorläusigen Wahlergebnisse vor. 80 Wahlergebnisse stehen noch aus. Die Deutschna: tonalen haben bisher 18 Sitze, die Sozialdemokraten 14, die Deuffchvölkischen 12, die 'Kommunisten 8, die deutsche Dolkspartei 4 und die Demokraten 2 Sitze erhalten. Der Demsche Wirtschaftsbund erhält 1 Mandat. Der Landwind, die Republikaner und die Unabhängigen gehen leer aus. Rach dem GenerMaatslommWr StaatrkommWre. (Eigendienst der Wiener Morgenzeitung".) Bayerns Neugestaltung. ' München, 19. Februar. Der Ministerrat hat sich mit der neuen Verordnung über die einstweiligen Maßnahmen züm Schutze der Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe und Ordnung beschäftigt, die infolge des Rücktrittes des Generalstaatskommistörs notwendig geworden sind. Denrnach wird die Vorschrift über die Einsetzung eines Gencralstaatskommissärs und hie diesem erteilte besondere Vollmacht ausgehoben. Für das Gebiet des westrheinischen Bayerns werden zur Ausrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung besondere . Beauftragte der Staatsregierung bestellt. Diese besonderen Beauftragten sind für München der Polizeipröstdem oder sein Stellvertreter. Für die verschiedenen Regierungsbezirke die Regierungspräsidenten. Die besonderen Beauftragten führen in dieser Eigenschaft die Dienstbezeichnung Staatskommissäre. ’ Wiener Morgenzeituns. Bei grossen Zahnschmerzen und schlechtem Mundgeruch hilft DIANA Franzbranntwein mit Menthol als erstrangiges Hausmittel sofort. Die Zähne jener, die Diana täglich als Mundwasser benützen, bleiben gesund undschneeweissJhrMund bekommt keinen unangenehmen Geruch Ueberall erhältlich Diana \mäm\m ProtliHs. WIEN, II. PRAG, VI!!. Engerthstraese 169 Lieben, Drahobeljova 10582 1073 Zataaun»’' Die Staatskommissäre können Verordnungen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erlassen und ihre Nebertretung sowie die Aufforderung und Anreizung zur Uebertretuug zu bestrafen. Sämtliche Behörden des Reiches, des Landes und der Gemeinde mit Ausnahme der Gerichte, Verwaltungsgerichtshöse, StaatsaiÄvalffchaft mrd Militärbehörden sind'verpflichtet, den Anordnungen und Verfügungen der Skaatskommissäre Folge zu leisten. .. : ( Ehrhardt verschwunden. Berlin, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Mvrgen- Zöitung".) Nach einer Meldumg des „8 Uhr-Abendblattes" aus München ist Ehrhardt kurz nach sein«r Aussöhnung mit Ludendorfs aus München verschwunden. Er glaubte. Ursache zur Annahme zu haben, daß ihn die bayrische Regievng auf Grund der Verhandlungen Knillen g s mit Reichskanzler M a r x, verhaften werde. Abberufung des KammManten der eng« Wen Rheinbesatznng? London, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Ätorgeu-- Mung".) Es geht hier -das Gerücht, baß der Komma n d a n t d e s englischen Besatzungs'korps im Rheinland, Godley, abberufen werden wird. An seine Stelle wird wahrscheinlich General Jpensrde treten, der nach dein Kriege die gegenr-sdolutionüre englifchrustifche Expedition in Archangelsk leitete. Zer Joikarbeiterstreil. London, 19. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Das Untersuchnngsgericht, das dorn Ar'beits- 20. Februar 1924 " %c, 5 arbeiterstreiks beauftragt worden ist, hat hsute nachmittags seine erste Sitzung abgehalten. Die Dockarbeiter lhaben erklärt, daß sie das Untersuchnngsgericht nicht als Schiedsgericht aucrteniueu und sich an feine Fordertlngerr -nicht als gebunden betrachten. Im allgenreinen ist die Hoffnung, daß. ein Weg zur Beendigung des Streiks durch ein Eingreifen der Regierung und Einberufung des Kongresses der Trade Union zur Beratung der Frage gefunden werden könnt«, wieder aufgelebt. _ Hughes gegen eine MMnngstonferenr! Washington, 19. Februar. (Tel. der Wiener Alorgen-» zeitung".) Staatssekretär Hughes hat dem Abgeordneten des Repräsentantenhauses Fish in einem Briese mitgeteilt. daß ihn: -der gegenwärtige Augenblick für die Einberufung einer Konferenz für Abrüstungsbeschäutungen in der Marine als ungeeignet erscheine. Um de» Rnmerur klausnr. Polnische Sozialdemokraten treten für Aufnahmsbeschranknngen der Juden ein. — Die Leiden der Krakauer Universität. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung") ' Warschau, 18. Februar. In der letzten Sitzung des Unter i chtsarrsschufsts beim polnischen Senat, in der die Frage der staaÄichen Anerkennung des akademischen Graduierpngsrechtes stir die Warschauer «Handelshochschule verhandelt wurde, beantragde der Vertreter des Jüdischen Klubs, Senator Bodek. der Senat vwge die Regierung auffordern, darauf zu achten., daß die Direktion dieser Handelshochschule bei der Schüleraufnahme bloß die wissenschaftliche Qualifikation der Kandidaten, nicht aber deren Abstannnung, Religion oder Nationalität in Rücksicht ziehen. Senator Bodek begründete seinen Antrag damit, daß bisher bei der Aufnahme in die Warschauer Handelshochschule, die von den industriellen und Handels-- organisaüonen erhalten wird, inoffiziell der Numerus clausus angewendet wurde, was jetzt, wo die Schule staatlichen Charakter erhalte, aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht zulässig fei. lieber direktes Befragen des Antragstellers mußte der bei 'bet- Beratung anwesende Direktor der Schule zugeben, daß der Prozentsatz der jüdischen Schüler sogar kleiner sei als es dem Anteil der Juden an der GefamtbevoAevung entspricht, ,da die Ausnahme in diese Schule von der Ableistung des Militärdienstes in 'der poluischen Armee abhängig sei. Nach der Erklärung des Senators K o n i e w s k i, daß die Handelshochschule weiter eine Private Anstalt bleibe und daher nicht verpflichtet sei, jüdische Schüler aufzun-chrnen, wurde der Antrag Bodek mit allen Stimmen gegen die der jüdischen Vertreter abgelehnt. Auch die Sozialdemokraten stimmten für die Ablehnung des Antrages, was sogar im Ausschuß Aufsehen erregte. Im Unterrichtsausschuß des Sejm wies der sozialdemokratische Deputierte Piotrowski darauf hin, daß die-Krakauer Univerfität seitens des Unterrichtsministeriums schwer vernachlässigt wird. Die Bibliothek erhalt weder Büchern noch Subventionen. B a k a n i« Lehr st ü h l e werden nicht besetzt. Diese Behandlung erfährt die Krakauer Universität deswegen, weil die'Mehrheit ihrer Professoren gegen den Numerus clausus Stellung genommen hat. Diese Methode gegen die Krakauer Universität wurde von dem früheren Unterrichtsminister Glomb-inski inauguriert, dem die Sielministe vium mit der Prüfung der Ursachen. des Dock- Schafwollrips für Kleider u. Kostüme 130 cm breit run nur a. Adlergasse 5 Ae Feldhammer-Borlesung und ihr Publikum. Ob die Rezitationsabende noch deyr Geist der Zeit entsprechen und nicht zu den überlebten Formen künstlerischer Netätigung zählen, ist eine Frage, die nicht ohneweiters mtschieden werden kann. Gerade weil wir nicht mehr allzu!chr auf die „Illusion" oder vielmehr ihre grob-materielle Hervorbringung erpicht sind, gerade weil wir gelernt haben, ins gegebenenfalls auf der Bühne mit einem Mindestmaß an Dekoration und einer geringen Perfonenzahl zu begnügen, gerade durch diese Annäherung an das „absolute Wort", geht ein Teil der Berechtigung für die Rezitation verloren. Auch wird die Notwendigkeit, Gedichte zu lesen, mm so geringer, je mehr sie zum Gemeingut des Volkes geworden lind. Schließlich hört jeder Gebildete Goethes „Prometheus" machtvoller, trotziger, wilder in sich erklingen als irgend ein Künstler ihn zu sprechen vermöchte, wie denn überhaupt die Aufführungen, die wir uns selbst in aller Stille veranstalten, im- Grunde genommen immer die besten, sind. Aber auch >venn man nicht die Ansicht teilt, daß eigentlich nur die Vermittlung der Kenntnis unbekannter Dichtungen oder außergewöhnlicher, der Bühne nicht zugänglichen Rezitationskunst die Veranstaltung von Vortragsabenden vom künstlerischem Gesichtspunkt ausreichend motiviert, so wird wohl darüber Einigkeit herrschen, daß es überflüssig und darum verfehlt ist, die Rede Stauffachers in der Rütli-Szene vom Podium aus zu Gehör zu bringen. Schließlich sind Schiller-Verse keine Bravourarien, die, aus dem Zusammenhang, dem Milieu, der Stimmung gerissen, selbständige Wirkung tun könnten. Allerdings bot diese Riitli-Arie Jakob Feldhammer GelrgevHttt, eine virtuose Technik * zu entfalten und . .die Pracht seiner Stimme, die weichstes Piano und machvolles Forte bringt, zur vollen Geltung zu bringen. Das Programm enthielt nur Gutes und Wertvolles, diente jedoch nicht so sehr der Eigenart als der Vielseitigkeit des Künstlers und erinnerte doch ein wenig zu sehr an Virtuosenprogramme, um voll zu befriedigen. Wollte man vom Schönen das Schönste bestimmen, so wäre es ein Brief Kleists an seine Geliebte und Meister Walters „Tandaradei" (die verschwiegene Nachtigall). Es klang von Feldhammers wundervoller Stimme wie süße weiche Musik. Die Vorzüge des Künstlers, die man von der Buhne her kennt, Lebhaftigkeit, Natürlichkeit und klare Anffassung, wurden ins hellste Licht gerückt. Freilich einer der Vorzüge ist keiner am Lesetisch. Dort kann an Mienen- und Gobärdenspiel nur allzu leicht des Guten zu viel getan werden und es wirkt zumindestens befremdlich, wenn ein Herr im modernen Frack samt weißer Weste und Halsbinde die Hände in die Seiten stemmt und sich weit zurückbiegt, um gegen einen imaginären Himmel, Trotz- und Hohnworte zu schleudern und den „Göttern", die offenbar auf der Galerie versammelt sind, zu versichern, daß er „Menschen nach seinem Ebenbilde" forme. Dieses Uebermaß an mimischer Darstellung, diese halbe Dramatisierung verträgt sich nicht gut mit dem Gedankengchalt des Prometheus und trotz der erschütternden Leidenschaft des Ausdrucks kam man über das „Theatralische" der Auffassung kaum hinweg. Ueber die Ausnahme der künstlerischen Darbietungen zu sprechen, ist schwer. Szenen wie diese haben wir schaudernd bei Moiffi-Änfführungen erlebt und es scheint, daß sich ein regelrechter Feldhammer-Rummel nun einbürgern soll. Da das Parterre nicht voll besetzt war, wurden die „Stehplätze" eingelassen und damit ergoß sich eine Horde junger Mädchen und Bnrschen, lachend, hetzend, drängend, keuchend in die Sitzreihen. Es gab ein Balgen und Raufen um die freien Plätze. So gemütlich wurde es, daß ein Jüngling fröhlich sein Liebchen aufs Knie nahm und sich erst nach einer' Reihe von Nummern, als er von mehreren Seilen nachdrückliche Vorstellungen zu hören bekam, entschloß, diese besser für das Separee als für den Vortragssaal geeignete Sitzweise aufzugeben. Auch sonst fühlte sich das junge Volk anscheinend „wie zu Hause", war freres et cochons mit allen Größen deutscher Dichtkrmst. Nach jeder Nummer gab es ein Gejohle, dessen sich keine indianische Kriegerschar zu schämen gehckbt hätte. Die Mädchen — sehr bezeichnenderweise war auch hier der über wiegende Teil der jungen Enthusiasten weiblichen Geschlechtes .— heulten, kreischten, ttampelten mit den Füßen, kurz, sie legten aus jede mögliche Weise an den Tag, daß sie die künstlerische Weihe der Stunde empfanden.Das war nicht die naive Begeisterung junger Menschen, die nach Ausdruck ringt, sondern es tvar ein Gemenge von Hysterie, Sport und der , Sucht, sich bemerkbar zu machen. Diese absolute und geflissentliche Hemmungslosigkeit wirkte umso peinlicher, als sie nahezu ausschließlich von jungen Judenmädchen geübt wurde. Auf jedem der glatten Gesichter, stand der unbeugsame Entschluß, am lautesten zu schreien. Gegen Ende steigerten sich die Kundgedungen zu wahren Krämpfen — widerwärtig und beschämend. Auch mit jugendlicher Unreife lasten sich Ausschreitungen dieser Art nicht entschuldigen. Diese Wcibchcrr- Raserei ist zu häßlich, ist zu abstoßend,. um beschönigt' oder schweigend ertragen zu werden. Gerade weil Jakob Feldhammers Kunst Anerkennung und Bewunderung verdient, wollen wir nicht, daß er wie ein Zirkusathlet gefeiert werde. Gerade weil, wir ihn schätzen,, müssen, wir mit vollem Nach-/ druck sagen:' wir woll e n keinen Feldhammer-Rummel. / Klara Mautn/

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