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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-19 · Heft 1800 (19.2.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1800 (19.2.1924)
Date
1924-02-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wk«t«! - - 'IS. iqgj ~rg~ '&* «r Bor völligem SMftavd des Bankbetriebes. 8« alle» Sanken wird gestrew. - «ach die Rationalbant und der Gironnd1kaffea»rrei» einbezogen. - Sie Mhaltnog der SSrse in Frage gefteU. WWs1'-’ " w gfa, Sfetfefag_ Vymnasiast seinen Lehrer zum Duell forderte rrnd dieser die Forderung annahm. Die ganze Geschichte soll jetzt in ein System gebracht werden. Dm Vorwand bietet die angebliche Berjudnng der Mittelschulen. Es ist notwendig, von vorncherein darauf hinzuweisen, daß die Hetze nicht von der Schuljugend, sondern von einigen außenstehenden Drahtziehern, selbstverständlich auch von einer Reihe von Professoren in die Schulen getragen wird. Angeblich um der deutschen Jugend die deutsche Mittelschule zu sichern, haben sich die deutsche Studentenschaft, die deutschen Mittelschülerverbönde und die deutsche Fachstudentenschaft zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Am Samstag hielt diese Gemeinschaft im Festsaale des DeutschenSchulvereines, der noch immer jüdische Mitglieder hat und bei Juden kräftig schnorrt, eine Versammlung ab, in welcher der Vorsitzende, ein „diplomierter" Kaufmann namens Korber, erklärte: Unsere Lehrer sollen sich nicht fürchten müssen, deutsche Geschichte, deutsches Heldentum vorzutragen, weil ihnen der Großteil der Klasse höhnisch entgcgengrinst. Die anderen Redner klagten sogar über angeblicher! Terror, dem die arische Minderheit durch die jüdische Mehrheit in den Schulen ausgesetzt sei. Es ist das alte Spiel, das hier getrieben wird. Man klagt über den Terror der anderen, um ihn selbst zu üben. Das Gift des Judenhasses wird in die ausnahmssähigen Gehirne der jungen Leute geträufelt und die Folgen sind, daß aus den österreichischen Mittelschulen Rowosads hervorgehen. Die Frdge: nationale oder allgemeine Schule, wird nicht von Pennälern gelöst werden, die Austragung dieses politischen .Handels werden wohl die Vertreter der Leute besorgen müssen, die für den Schulaufwand auftommen und ein pädagogisches Gewissen haben, das es ihnen verbietet, in den politischen Kampf, der fa bekanntermaßen der Charakterbildung nicht zuträglich ist, Kinder hineinznschleppen. Die Judenschaft hat eine Auseinandersetzung in der Schulmrd Unrerrichtsfrage nicht zu scheuen, wünscht aber, daß der Kanrps um die Schule weder unter Mitwirkung der schulbesnchenden Jugend, noch ans ihrem Rücken ausgetragen lverdc. Die Abgabenteilimgsmwelle. Lein am Schlüsse der.Länderkonfereuz gegebenes Versprechen einlösend, hat Bundeskanzler Dr. Seipel bereits an« Samstag mit den Führern der pzialdernokratiMn Opposition Fühlung genommen. Gestern fand abermals im Parlament eine Beratung des Bundeskanzlers mit den Bevollmächtigten der Wiener Geureinderatsmehrheir, Stadtrat Breit ner und Dr. Da n n eb er g, in Anwesenheit des Finanz-Ministers Doktor Kienböck statt. Man glaubt, daß in dom Streit um die AbgaLLNteilungsnrwelle, der nun schon seit Jahresende die parlamentarische Arbeit homnrt, vielleicht ein Ausweg/n der Richtung gesunden iverden wird, daß sich der Landtag von Wien bereit 'finden wird, bei der neuerlichen Verhandlung der Wohnbausteuer einige der zu hoch gegriffenen Abgabenfätze entsprechend den Wünschen der Regierung z u e r m ä ß i g e n, und daß dann die Bundesregierung gegen einen neuerlichen Beschluß des Gelnoinderates keinen Einspruch erheben fyrab. Gleichzeitig wird der Bundeskanzler selbst in persönlicher Aussprache mit den Führern der Opposition auch Garantien für eine Stvtigleit der zwischen dem Bunde und den Ländern und Gemeinden bestehenden steuerlichen Abmachungen geben , Di- Besprechungen werden heute fortgesetzt. MÄerholmg des Wohnbaufteuersesshe». Im Finanzausschuß des Wiener Landtages berichtete gestern amtsführender Stadtrat Breitner über den Einspruch der Regierung gegen die Wohnbausteuer und beantragte, das Gesetz neuerdings unverändert zu beschließen. Er begründete diesen Antrag unter anderen! damit, daß um 18.000 Objekte von den 605.000, die es in Wien gibt, von der erhöhten Wohnbausteuer betroffen werden. Davon fällt der größte Teil in die Zinskategorie von 3000 bis 10.000 K-, in der es sich um jährliche Erhöhungen der Wohnbausteuer von 750 000 bis fü nf Millionen Kronen handelt, was gewiß bei den au und für sich sehr geringen Mietziusleistungen keinen Anstoß zur Teuerung ge'ben kann. Die darüber hinausgchenden 360 Bctriebsstätten aller Art stellen so große Geischäftsunternehungen dar, daß auch da eine Umlegung der Steuer aus die Preise nicht von nennenswerter Bedeutung sein kann. Von einer wesentlichen Auswirkung der erhöhten Wohnbausteuer könnte allenfalls nur bei den großen Hotels gesprochen werden, die noch durch die Fremdenzimmerabgabe eine Sonderbelastung erfahren. Hier besteht aber von vornherein die Absicht und auch die Möglichkeit, dort, wo wirklich eine zu starke und nicht gut überwälzbare Steigerung cintritt, durch die ohnehin elastisch geformte Fremdenzimmerabgabe die notwendige Korrektur vorzunehmen. Bej der Abstimmung wurde der Beschluß, das Gesetz unverändert zu wiederholen, mit den Stimmender M e h r h e i t a n g e-- n o m m >e n. Verkehrsbureau IX. Hörlgssse Nr. 13 Telephon 16-2-20 gewährt Hypothekarkredite in jeder Höhe billigst und schnell auf Häuser, Villen, Landwirtschaften, Industrie* Objekte etc., sowie Warenkredite an erstklassige Kaufleute. Vorschüsse sofort Eol5 'Der Ausstalld der Bankbeamten mrd «der Gehilfen hat gestern 'bei der Anglobank, der Depositenbank, Berkehrsbank und Unionbank begonnen. Bisher stehen über 5000 Beamte und ungefähr 1500 Gchilfen im Streik. Die Arbeitsniedevleigurlg erfolgte bei diesen vier Instituten nickst nur in Wien, sondern auch in den Provin zfilialen. Mit Ausnahme eines kleinen Zwischenfalles bei der Berkchrsbank, wo die Beamten versuchten, einen Direktor-Stellvertreter an seiner Arbeit zu behindern, ereigneten sich, nirgends irgend welche Reibungen. Die vier vom Streik getroffenen Großbanken sind stillgelegt. Bor den Toren stehen Streikposten Die Direktoren und Divcktoren-Stellvevtreter, von denen jede Bank an 30 hat, versuchen, den nllernotwendigsten Beirieb durchpchühren. Die Situation wurde verschärft, als der Barrkenverband an den Reichsvevein der Bank- und Sparkasseubeam-ten folgendes Ultimatum richtete: „Durch die von« Neichsverein der Bank- und Sparkassen-- beamten--Oesterreichs und vom Bund der Bank-- und Sparkasscngchilsen der Republik Oesterreich durch Streik erzwungene SMegung von vier der größten Banken, die dem Kollektivvertrag als Partner angeboren. ferner durch die einseitige Erklärung -des Uoberstnudenstreffs und die leigenmächtige Am'.ullierung der bestehenden Dieustzeiteneintcilun-- gen auch «in allen übrigen Banken ist die kollektivivertraglich ver-ein-barte Dieustpragmatik und der DiMtvevtrag von Ihnen gebrochen mh einseitig a ußer K r a f t g e f e tz r wordmr. Wir fordern Sie auf. Ihre obgenanuten, gänzlich tmgerechtseutigten Maßnahmen bis spätestens heute Montag, 18. d., 6 Nhra'bndZ,en«znstcllen M'.-d dies dorn Präsidien des Bankenverbaudes spatHtens bis zu -diesem Zeitpunkte mitzuteilen, widrigenfalls Nur vorbehaltlich aller sonstigen Konsequenzen zu mrsere-m Bodau-eru «Lnötigt sein würden, Dienstag früh mit Aussperrungsnr'atznahmen vorZr:- gehen." Das gleiche Schreiben hat auch der Bund der Bastk- und Sparkasseugchilsen Inhalten, und auch die BetriebsrätL der vom Streik nicht betroffenen Bankerl wurden durch ihre DirÄtoren von diesen: Ultimatum verständigt. Das Präsidium des Reichsvereins der Bankbeamten 'fjat den Zeillralverband und die Streikleitung sofort zu einer Sitzung einbernsen, um Zn der durch dieses Schreiben geschaffenen Situation Stellung zu nehmen. Eine Kundgebung des Reichsbereines. Als Ergebnis der Beratung wurde folgende Mitteilung veröffentlicht: Als Antwort arrs die Aufsordevung des Banwn-- derbandes, die Stillegung der vier Banken cinZufiellen, ha: die Streikleitung den Beschluß gefaßt, allen angedrohten Maßnahmen gegenüber bei den bisherigen Anordnungen zu verbleiben. Un: diese Stunde liefen bereits Berichte ein, wonach die Direktionen ihren Betriebsräten den Aussperrungsbeschlutz, wirksam mit morgen früh, d. i. Dienstag, verkünden. Daraufhin wurde zu den bisherigenBefchlüssen auch weiters mit Stimmeneinhelligkeiit der Eintritt der Gehilfen der Nationalbank in den allgemeine» Streik verfügt. Kennen Eie schon die grandiose Wirkung des Franzbranntwein? Feder Gesunde m* jeder Kranke wird es Ihnen bestätigen, dass die denkbar beste Wirkung durch Franzblanntwein mit Menthol erzielt wird Ueberall erköltlick Liana-Lranzbranntwei« Prodnktions Ses. WIEN, II. PRAG, rill. Engcrihströssc 189 Litten, Drahobeljova 1078 Bezüglich der Prokuristen tlnd Oberprokuristen, die von de» Aussperrungsmaßnalstnen ausdrücklich ansgenvmmen würdest hat die SlreMeitnng nachstehenden Beschluß gefaßt: „Die vom Streik bisher nicht getroffenen Banken Hube» eine teilweise Aussperrung der Angestellten ungeordnet. Die Streikleitung verfügt, daß alle je«/ Angestellten, einschließlich der Prokuristen und Oberproknriste n, die von der Aus sperrung ausgenommen w u r d c tr, m i L >d e m Z e i t p n n k te d Aussperrung in dv« Streik z u t x c t c u I) a *b e u. Jede Dienstleistung eines dieser AngLstellten würde von der gesamten Beamtenschaft, wie auch von der OrganisatisnS< int.rmg als Strpitzbrnch behandelt werden. Die in den e-rnzvlnen Justitmerr ^daraufhin abgchaltenen Vevjammlwngen der Prokuristen und Oberpvokuriften haben zufolge dieses Beschlusses den Aivschluß^ au die im Ausstaud bs» sistdlü^n Angestellten vollzogen. Für heute ist demnach m4r erstem vollständigen Stillstand des BauLverkehres zu rechnen. ^Der Rcchrsanwalt der OrAanisat.ion/Dr. I. Freund« sich, hat dem BarckenverbanÄ in den: Schreiben mitgetÄlt, daß eine Abänderung der DiensiPraMatik und' eine Aushebung denselben nur mit Znstiurmung des Betriebsrätrs möglich sei. Mangels dieser Voraussetzung hat sich denrnach an der Geltung der Dienstpragmat ik nichts >geäuidert. Heute u.tst 11 Uhr vormit-tags findet, in der iBoltshalle nnd am Rachansplatz ein Meet ing der streike»Äen und ausgesperrten Bankangestellten stall. Aus den Streiklagern der Bankbeamten. In fÄntlirhrn vier StreMokalett (Olympiasäle, Reichs Hallen, Hotel Post und Hotel National) wurdest ge-sllru vormittags BersamMlungen äbgeihaLtcn, dir ' massenhaft besucht waren. Ja oiner Derfammlung tellle der Sekretär -des Reichs- Vereins, GeuAindrM't S ch «r i d i, mir, daß ein S t r e t kfonds von 80 Milliarden vochanden fei. Die Gruppeu streuten von einem StveÄlokcü zum anderen.- Mehr als 3000 Personen waren in den Kvischrn den einzelnen Lokalen lvezenden Straßen in Bewegung, wodurch das StraßenHW gestern oiu fchr lebendiges Gepräge erhält. Die Versammlungen verlausen vollkommen vtchig. In den Rorchshallen werden Speisema r k en für allemftchende Beamte, die. durch die Sperrung drr Dankküchrn am meisten getroffen sind, ansgestilt, und der Dirm. für die einzelnen Angestellten ängeordnet. . Aussperrung beim Giro- und Kaffeuverein. sDie wir hören, ist such beim Giro- und'Kassenverein dir Aussperrung erfolg:. Kein Deviseu-Clearing bei der Nationatbauk. Die Direktion der österreichischen ZLationalbmrk teilt in«. Grnvernchmen mit dem berufenen Ministerium für Finairzeu mit: Infolge Ausdchnung des BanZbecyntenstreiks Ms die Oefterreichische Naitonal-bank kann der der Abwicklung des Devisenvevkehrs dienende Clearing ab 19. Februar nicht mehr st a t t s i n d e n. J-nfolgedessen ist von diesem Drge an die FeststeNung von Clearing-Kursen unmöglich und der An- und Verkauf von Valuten im Wechselstubenverkehr unzulässig. Der Kajsatag für die Freitag den '15. und Acontag den 18. d. stattgchabten Clearings wird bis auf tveiteres verschoben und der Tag an dem die Abwicklung der in diesen Clearings cobgeschlossenen Geschäfte stattzufinden hat, wird rechtzeitig bekanntgegsben. Wahrscheinliche Schließung dev Börse. Der Ausbruch des Bankenftreiks hat ästch die Frage des Weiterfunktionrerens der Börse anfgerollt. In der gestrigen Sitzung der Börsenkammer wurde die . Frage besprochen und der Beschluß gefaßt, vor-Iä»vftg die Börse werter abznhMen. Es herrscht auch bei der Börsenkammcr der entschiedene Wille vor, nur im ä u ß e r st e n F a l l e von - der Abhaltung des Börsengeschäftes abzustehen. Mittlerweile äst die Ausdehnung des Streiks auf die N a t i o n a -l b a n k und ans den Giro- und Kassenverein erfolgt. Jnfolgedesien ist es schon technisch nicht mehr möglich, ans die Dauer den Börseverkehr auftecht zu erhallen, da ohne den Giro- und Kassenverein eine Abwicklung der Börsengeschäfte fast unmöglich ist. Es wird.der GeffhöslLverkchr eventuell nur so möglich sein, daß von den bisher üblichen. Kreditgeschäften Abstand genommen und reine Kassengeschäfte abgeschlossen werden,' ein.: Borga::g, der auf die Dauer nicht durchführbar ist,' da bei Schließung der Börse auch der Geldverkehr vollkommen unterbunden ist. Eine Kundmuöhung des Bunkenvevbuudes. Die vom Streik betroffelren Banken haben einen Appell an dir Einsicht des PMikums gerichtet, und tvetrden sich mit der Bitte um Geduld namentlich auch an die Industrie. Infolge des Streiks fehlen die geoigueten Hilfskräfte. Direktoren und Direktoren-Stellverlrotcr sind bemüht, den Verkehr. gleichwohl nach Tunlichkeit -llrdellos abMvickeln. Sthafwollrips S51M 3:tz&£.5

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