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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-19 · Heft 1800 (19.2.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1800 (19.2.1924)
Date
1924-02-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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trrtitev Mvrftenzelr«nA. rs. Fedruar 1924 Ar. 1803 Roßbach in Men verhaftet. Zusammenschlnb der Hokepkrey-lerornanlsationrn. — Sie östeereichischen Reservetrnppen. Sie militörische Srgonifotion der Nationalsozialisten. pftre t ' ' TMN, Mensivq -; und auch zu Kahr und seinen Freunden sehr tntticfe Bezkehunaen anknüpfte. Es ist verstäMich, daß das amtlich« Bayern alles aufbietet, um den bevorstehenden Hitler-Lndendorff-Prozeß zu einer harmlosen Affäre herabzudrücken. Ein Angeklagter nach dem andern wird in Freiheit geletzt und mit Pah und Seaen inS ^lnsland geschickt, um hier'un-aestörl wirken zu können. So kam Herr Roßbach nach Wien, führte hier das große Wort bei der geheimen Taanng der Hakenkreufler und wurde (Herr Frank ist. zufällig krank) von der Wiener Polizei eingesperrt. So tritt setzt Kahr zurück, wird aber nichts aussagen. weil die Amtsverschwiegenheit sich zur rechten Zeit einstellen wird. Weiterer Stirn des sranMchen Francs. Parts, 18. Februar. (Tel.-Komp.) Das Pfund Ster- Kng ist heute zum ersten Male mit mehr als 100 Franken bezahlt worden. Für 100 'Slbw-cher Fr^-^n mußten 406 französische Hcgebcn werden. Dieser neue Rekordsturz hat beim Publikum größte Bestürzung hervorgerufen. Die Kursnotierungen der Banken waren Von großen Menschenmengen belagert. Sie SachperstSndigeir-Komiteer. kEigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 18. Februar. Die Sachverständigenkomitees traten heute vormittags im Hotel Astoria zu ihrer ersten Sitzung nach, ihrer Rückkehr in Paris zusammen. Das zweite Komitee, daß sich mit der Feststellung der aus Deutschland ausgeführten Kapitalien zu befassen hat, trat um 10 Uhr unter dem Vorsitz Mac KennaS zu einer kurzen Sitzung zusammen und wird morgen weiter beraten. Das erste Komitee, das sich mit dem deutschen Reichsbudget und der Wähimkigsstabilisierung zu befassen hat, hielt unter dem Vorsitz des Generals Daves eine- Sitzung ' ab. Vorerst wurden , die Bedingungen geprüft, die notwendig sind, um das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und den Ausgaben des Deutschen Reiches herzustellen.. Sodann wurde die Möglichkeit besprochen, jenen Ausgaben, die durch die laufenden Einnahmen zu decken sind, auch einen Teil der Reparationszahlungen anzuschließen. Der Unterausschuß des ersten Komitees trat nachmittags um 3 Uhr zu einer Sitzung zusammen, in deren Verlauf Reichsbankprasrdent Dr. Schacht Aufklärung über die Schaffung einer deutschen Notenbank gab, di« durch Golgedeckte Banknoten ausgeben soll. In. der Nacht auf Sonntag wurde hier der von der | Stpatsanwaltsckxfft München wegen Hochverrates steckbrüsi j ich verfolgte Oberleutnant Gerhard Roßbach von Beamten der Wiener Polizei verhaftet. Rrßbach ist in den 'etzten Tagen mit Benützung eines auf den Namen Erwin Richter, Schauspieler, lautenden Reisepasses nach Wien gekommen. Er wird, wie-die Korrespondenz Wilhelm berichtet. nach Abschluß, der polizeil'chen Erhebungen -wegen I>er steckbrieflichen Verfolgung sowie wegen Benützung falscher Ausweispapiere dem Landesgcrichte in Strafsachen emgeliefert werden. - Hierzu erfahren wir: Die hiesigen Hakenkreu-'.ler hatten 'ür Sonntag eine große Konferenz der Reichsparteileitung einberufen, zu der auch Delegierte aus der Tschecho-Slowakei und Bayern erschienen waren. Diese Konferenz beschäftigte sich hauptächlich mit parteiorganisatorischen Fragen, über welche neben, dem Parteiobmann Schulz der Gewerk,'chaftsobmann Galtermaher.und Pr:f. Dr. Suchenwir 1 h referierten. Ueber die Jugendbewegung berichtete Bauer, über den Schutzbund Ondrecka. Es wurde festgestellt, daß die nationalsozialistische Bewegung in Oesterreich seit den aligelauftnen Rationalratswahlen einen Zuzug auS dem deutschnationalen Lager zu verzeichnen hat, der sich in einzelnen Bezirken derart austzvirkt«, daß ganze bisher g r o ß d e u t s che Ortsgruppen in ihrer Gäyze dem nationalsozialistischen Lager sich zuwendeten. Parteiobmonn Schulz zog daraus den Schluß, daß die nationalsozialistische Bewegung in Oesterw'ch in die Lage versetzt sei, eine aktivere Politik als bisher zu sichren. Dieser Ansicht schlossen sich auch die Vertreter Bayerns an. . Oberleutnant Roßbach war mit besonderen Direktiven zur Wiener Konferenz entsendet worden, um zunächst einen Zusammenschluß aller kampfbereiten völkischen Elemente herbeizusiihren, wie ein solcher eben jetzt in Bayern zustande gekommen ist, Roßbach hat es nämlich verstanden, zwischen den bisher gegnerischen Gruppen der Ehrhardt- B r r a a d e und den .^.akenkrerk-^^ H i 1 l e r s ch e r Couleur ein gemeinsames taktisches Programm herzustcllen, das in gesteigerten Tätigkeit in Süddeutschland bestehen soll. Gerade den gegenwärtigen Zeitpunkt hält man in Bayern für besonders günstig, um wieder einmal aktiv vortreten zu können. Die Aufhebung des AusnahmSzustandeS im- Reiche kommt den Völkischen höchst ungelegen, da er ihnen daS Fischen im Trüben besonders erleichtert hat. Die Wendung der Dolitik in Bayern, die nach Kahr Intentionen bedenklich zur Monarchie segelt, bedeutet für sie das Alarmsignal. Tie Lehren des Hitler-Butsches veranlassen nun die Völkischen, sich ein starkes Reservoir von Reservetvuppen zu schaffen. Und für dieses Reservoir ist die ö st erreicht» sche nationalsozialistische Bewegung in Betracht genommen. Die bisher bestandenen lokalen Terrorformationen, von denen die Roßbach-Gruppe die größte war. wurden zu diesem Behuf« auf Münchener Weisung zum Gesamianschluß an den Vaterlandischen Sch u tzbund bewogen. Oberleutnant R7ßbach sollte nun in Wien die Uniorgamsierung dieser militärischen. Organisation in eine . schlagkräftige Kampstruppe vornehmen. Nach seinen Plänen sollte diese militarijche Formation zunächst in zwei Gruppen zerfallen. Gruppe „A" hätte alle kombattanten Elemente umfasien sollen, während die Gruppe „D" aus einer technischen Abtellung, einem Train und Sanität zu bestehen hätte. Die Gruppe „A" sollte in Regimenter mit Kompagnien zerfallen. Die sonntägige Konferenz beschäftigte sich in ihrer vertraulichen Sitzung mit diesen Organisationsplänen. Der Ausführung dieser Absicht' machte die Verhaftung Roßbachs durch die Wiener Polizei vorläufig ei« Ende.. An der Konferenz beteiligten sich außerdem als Vertreter der Tschecho-Slowakei Abg. Knirsch und der Parteisekretär Krebs, die über die Lage, der Partei in de« SÜdetenländern berichteten. Diese Gruppe hätte für die kommende Mion den wirtschaftlichen Nachschub übernehmen sollen. Sie Separatisten Verlusten die Pfalz. lEigendienss der „Diener Morgenzeitnng".) Frankfurt, 18. Februar. Die Separatisten haben in der .chmzen Pfalz die rheinischen Fahnen von den öffentlichen Gebäuden entfernt und ziehen sich gänzlich zurück. Der Vorsitzende des pfälzischen Kreisausschujsehat eine Kundmachung veröffentlicht, die das Ende der Separätistenherrschaft bekannlgibti Die vorläufige Regierung wird durch Regierungsrat Tr. Staegler, Oberregierungsrat Jakobs und Regierungsrat Born gebildet Dr. Staegler hatte eine Unterredung mir dem französischen Oberdelegierten der Pfalz General de Metz. Es wurden Maßnahmen besprochen, um die verwaisten' Verwaltungsstellen wieder zu besetzen. Das Spezialkomitee der interalliierten R Hein land kommt ssion hat heute die Pfalz verlass en, da die ihm übertragene Mission erfüllt ist. Sie Mission de« amerikanischen Marine- Ministers. Der Oel- und Kohlenskandal. Washington, 18. Februar. (Reuter.) Der Staatssekretär der Marine Denby bat se'ne Demission gegeben, Präsident C o o l i d g e hat sie angeno m m e n. (Der Rücktritt Tenbvs hängt mit dem Oel- und Kohlenskandal zusammen. Beide Amelegenheiton haben die republikanischen Politiker schwer kompromitiert und sind in ihren Folgen mit der Demission Denbys und Falls nicht abgeschlossen. Sir rumstnisch-russtschM Brr-anMnzen. Bukarest, 18. Februar. (Tel. der „Wr. Movgenzei« kung".) Wie in hiesigen Politischen Kreisen verlautet, wird als Vertreter Rumäniens bei den kommenden Verhandlungen mit Rußland, die anfanqs März in Wien beginnen werden, der frühere Handelsminister Bastle Sassu fungieren. Vonng über die polnische» Finanren. lEigendienst 0'r „Wiener Morgenzeitung".) London. 18. Februar. Der engsische' Finanr^ck>''erständr-ge für Polen, Mr. A o u ng, der soeben nach London zurückgekehrt ist, erklärte in e-inem Interview, P. len versuche zu vieles und zu schnell: die Folge davon sei, daß die polnischen Finanzen in das Nebel der Inflation in akuter Form aeraten seien. Es sei kein Grund, daran zu zweifeln, daß schließlich doch ein Erfolg erzielt werden würde; denn Polen habe große Vorteile im Vergleich zu Oesterreich, Ungarn und Deutschland, da es keine Neparationsverpflichtungen habe. Wechsel in der vertretnnn Polens beim Bölkerbnnd? (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 13. Februar. In parlamentarischen Knien verlautet, daß Prof. S. Aszkenazy, der frühere Berl i ch für diese Stelle m Aussicht genommen fei. Wie be> Versuchen Sie unseren seidenen l TRAT7NERHO* 2 (Graben formt, hat Aszkenazy, als die Koalitionsregierung Mtos ihr Amt antrat, demissionieren müssen, da er von WitoS' nationaldemokvatischen Koalitionsgenossen' a>ls Jude auf daS schärffteb e k ä m p s t wurde. Srnerai Sikorski — polnischer Krieg-Minister. Warschau, 18. Februar. (Tel."der „Wr. Movgenzei« tung".) Ter Staatspräsident hat gestern an Stell« deS z'.»- rückgetretenen Kriegsministers General Sosnkowski General- Sikorski zum Kriegsministzer ernannt. General Sikorski hat heute bereits sein Amt angetveten. Sar Fiume-Mkommenvor dem lngoflalvische« Parlament. Groq, 18. Februar. Die „Tagespost" meldet au8 Belgrad: In dr heutigen Sitzung der Skupschtma, der sämtliche Mitglieder der Regierung und dos diplomatisch« Korps beiwohnten, hiebt Minister des Aeußern Nineie sein Expose, worin er darauf hinwieS, daß ohne ein Uebeteinkommen in der F i u m a n e r Frag« ein freun-Vchaftliches und herzliches Zusammenwirken sowie gutnachbarliche Beziehungen mit Jta- >l i e n nicht möglich, gewesen wären: Das polnische Abkommen mit Italien bedeute den,Abschluß der ersten und den Beginn der zweiten Phase im Leben Iuooflawieus. Die Regievungsmohrh it begleitete di« Rede des M-inisters d«S Aeußern mit stürmischem Beifall, während^ die Opposition wiederholt Zwischenrufe machte. Die Sitzung wurde nach einer Unterbrechung um 4 Uhr nachmittags wieder ausgenommen Die' Ahstimmung erfolgt in der morgi'gen Sitzung.. Sie nngarische demokratische Selegaiion in London. -. London, 18. Februar. (I. T. A.) In einem Gespräch mit dem. Londoner I. T. A.-Bertreter erklärten die soeben aus London abgereisten Mitglieder der ungarischen demokratischen Delegation, Expremier Abg. Julius P e i o l, Ernest G a r a m i und Prof. Rustem V a m b e > y : Die B-'völkcrung Ungarns verabscheut, und haßt die-Machenschaften uivb die terroristische Tätigkeit der Erwachenden Magyaren. Auch die Bauernschaft bcsindet sich in vollkommener Ueberern» stimmung mit den demokratv chen Parteien. Denn das Doll überall in geheimer Wahl wählen könnte, würde« die detno» kratischen Kandidaten di« Mchcheil der Stimmen' bekommen und das H o r t h h - R e g i m e konnte leicht beseitigt' weüdeni Aus die Frage nach der Stellung der demokratischen und sozialistischen Parteien in Ungarn zu der jüdischen Frage; erklärten di« Delegierten, daß sie keine besondere Stellung zu der jüdischen Frage 'einnähmen: Sie betrachten die Juden als vollwertige, Bürger ' und hegen gegen niemanden ein religiöses Vorurteil Die Wiederaufrichtung einer demokratischen Regierung in Ungarn würde der jetzigen Ungerechtigkeiten gegen die Juden ein Ende machen. Ueber die jüdischen Abgeordneten Paul S a n d o r. Exminimster Wilhelm V a z s o n y i und Bela Fabian äußerten sich die Delegierten dahin, daß sie sie nicht als jüdisch« Führer betrachten, sondern als Führer der demokra-tischeu Partei.. Wechsel im tschecho-flowaNschen Postminifterinm. Prag. 18. Febr. (Tchecho-slow. Preß-Bur.) Der Mim'stSl für Post und Telegraphen Tucny hat aus GesundheitS, rücksichten demissioniert. Der Präsident der Republik hat den Minister Franke mit der Leitung des Ministerium^ für Post und Telegraphen betraut. Inland. Sie Lerhehnng der Mittelschnikngend. Da die reaktionären Parteien in Oesterreich seit dem Umstürze nur mehr geringen Zuwachs aus den im Erwerbsleben stehenden jüngeren Leuten haben, sieht es mit dem jungen Nachwuchs für sie recht windig aus und sie trachten deshalb, bei den Studierenden Boden zu gewinnen. Die Hvch« schulen waren in erster Linie dazu auscrsehen, btekruten für die Heerlager der nationalen und klerikalen Reaktion zu liefern. Damit aber die jungen Leute schon wohl präpariert an die Hochschulen kommen, wird die p l a n m ä ß i g e B e r h e tz u n g der Jugend nun schon seit Jahr und Tag in den Mittelschulen in Formen betrieben, die ans diesen Erziehungsanstalten Werbe!aderS für die Ha.k^nkreuzlerei macht. Es wird nötig sein, einmal in die.verrotteten Zustände an den österreichischen Mittelschulen hineinzuleuchten, wo halbwüchsige Jungen Leiter von terroristischen Schülerorganisationen sind, die sich vor allem gegen die jüdischen Schüler, aber auch gegen die jüdischen Lehrer richten, Innige Fäden spiftnen sich'zwischen dresen Schülerorganisativnen und den h a t e n k r e u z l erischen Lehrpersonen, und es/ist gar nicht-zu selten, daß Lehrer uitf» Schäler in derselben nationalen Pennalie beisammen sitzen, sich als Bundesbrnder duzen, gemeinsam auf die Juden schimpfen und sich auch gemeinsam alkoholisieren. Ist es doch sogar vor einigen Wochen vorgekommen, daß ei«

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