Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1798 (17.2.1924)
- Date
- 1924-02-17
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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t i / 8 _Wien, Sonntag_Wiener Moxgenzeitung._ ' bin vol tc Gewähr Weit, txift st« den für das StMumsolche Revision kann ober nur dann durchgefi'chrt werden, wenn an unserer Universität Mellten Ansorderunyen entsprechen/' 17. Februar 1924 Seite 7; Man must bedenken, daß diese Mr-rz-oit überhmlpt 'nicht bestehende Kammer nicht die Vertretung aller Stu- ' tzenten. ja. nicht einmal aller deutschen Studenten ' darstellt. Sie ist von den organisierten nationalen Verbindungen und Vereinen gewählt, die nur eine verschwindende , Minorität in der Hörerschaft sind. Durch den Beschluß des , Senats erhält dieser Ausschuß offiziellen Charakter. Das ist eine wenigstens eindeutige Stellungnahme des über den Par- * teicri stehenden Senats gegen die Mehrheit. Der Beschluß der fünf Dekane ist ein glatter Bruch des Friedcnsvcrtrages und fordert übrigens auch zu Repressalien ' der Oststaaten heraus. Was die „hier gestellten Anforderimgen" ' anbetrifft, so ist auf die seltsame Poftuvanschitz-Geschichte in Graz zu verweisen, die gezeigt hat, daß «in Couleurstudent wohl keine Kenntnisse, aber ein Band und ein Ehrenwort haben muß. »och immer das Wiener Krematorium. Wie in christlichsozialen Kreisen verlautet, will sich die Bundesregierung mit tow letzten Entscheidung des Bersassungsgerichtshofes in der tffrage des Wiener Krematoriums nicht Anfrieden geben. Die Gemeinde Wien hat bekanntlich den Auftrag der Bundesregierung an den Bürgermeister, das Krematorium zu schließen, in der Werse unwirksam gemacht, daß der Gememdevat seinen Beschluß, das Krematorium weiter zu betreiben, wiederholte. Die Regierung bcha-uptete nun seinerzeit, daß der § 36 des Wiener Genreindestatuts, auf den gestützt der Gemeiüde-rat die Verfügung der Bundesregierung unwirksam machte, verfassungswidrig sei. Da sie mm mit ihrem Begehren vom Verfassnngsgerichtshof abgewiesen und der § 35 von diesem Gerichtshof als nicht mit der Verfassung im Widerspruch stehend erkannt wurde, will die Regierung di« Berfassungsmäßigkeit dieses Paragraphen nur in Fragen, di« ausschließlich in den Wirkungskreis der Gemeinde fallen, anerkennen. Sic geidenkt darum, beim Versassnngsgevichtshof neuerdings ome Beschwerde ernzubrrngen, in der di« Frage aufgeworfen wird, ob nach der Verfassung die Vorschriften über die Bestattung von Leichen in die Kompetenz des Bundes fallen und ob daher aus diesem Aufsichtsrecht des Bundes auch ein Verbot des Krematoriumbetriebes abgeleitet werden könne. Ile Befreiungstare der Achecho-Ilowalrk. Keim Mitwirkung Oesterreichs an den Reparationsberechnunge». ' Die vom tschecho-flowakischen Außenminister Dr. Bsuesch vor wenigen Tagen neuerdings anfgerollte Reparationsfragc erregt in politischen Kreisen Oesterreichs größte Aufmerksamkeit, da von der Rcparationsfrage auch die Interessen Oesterreichs sehr stark berührt werden. Wie aus informierten Kreisen verlautet, repräsentiert das auf Grund des Artikels 308 des Frredensvertvages und der analogen Bestimmungen des Trianoner Vertrages abzuleistende Staatsvermögen Oesterreichs und Ungarns zusammen einen. Wert von mindestens 45 Milliarden Goldkronen, von diesem Staatsvemrögen können die Nationalstaaten allerdings bedeutende Abzüge machen, u. zw. für die auf diesem Vermögen Lastenden Schulden, ferner für di« Beitrage, welche die auto- I nomen Körperschaften zu diesem Vermögen geleistet haben. Die vom tschecho-ftowakischen Außenminister in seinem Expose genannten Ziffern bleiben weit hinter den wirklichen Wertziffern zurück. Die Tschecho-Slowakei hat etwa die Hälfte dieser Ablösungssumme zu bezahlen. Sie darf auch auf das Konto Reparationen keine Gegenfordennsgen stellen, da sie sich laut Beschluß der Repamtionskommission mit Oester- .reich nicht im Kriege befand. ’ Der Unterausschuß der Reparationskommission hat bis 'jetzt mehr als die Hälfte des von Oesterreich abgetretenen > Vermögens bewertet, aber seine Bewertungsresultate nicht mitgsteikt. ES liegt daher die Vermutung nahe, daß aus politischen Rücksichten die Endziffern über die Mpfe der i österreichischen Vertreter hinweg verhältnismäßig niedrig festgesetzt wurden. Infolge dessen ist es nicht ausgeschlossen, daß die österreichisch« Regierung die weiter« Mitwirkung ihrer Vertreter bei den Berechnungen nicht konzedieren wird, damit es nicht heißt, daß dir Bo« Rechnungen im Einverstänidnis Oesterreichs durchgeführt worden feien. Die Auffassung maßgebender Politiker geht dahin, daß diese die Existenz Oesterreichs so tief berührende Frage nur im Sinne der Bestinrmungen der Friedensvevtrages loyal durchgeführt werden kann, wobei Oesterreich nach Artikel 206 eigentlich noch ein Aktivum blichen müßt«, zumal dieser Vermögen die Reparationsverpflichtungen Oesterreichs weit übersteigt. Dabei ist noch zu erwähnen, daß zu diesem . Vermögen auch di« Forderungen (Sdeucrrückstände der Tschecho- , Slowakei usw.) zu zählen sind. Es ist Wohl richtig, daß idie Dschecho-Slowcckei bei Durchführung dieses Artikels des Sairvt- Gerntaiwer und der analogen Bestimmungen des Triananer . Vertrages zusammenbrechen müßte, mrd daß deshalb eine alle Vertragspartner, also auch Oesterreich, in tri« Abänderung einwilligen. Oesterreich, ■ so wird versichert, würde einer A bä n d e r n n g nie z u st i m m e n, bei der man den Artikel 208 zugunsten der Tschecho-Slowakei ändern, die arideren ruinösen Bestimmungen aber aufrecht lassen würde.. Oesterreich stehe in dieser Frage nicht isoliert da, seine Jinteressen seien feine Sonderintevessen, sondern decken sich mit jenen der anderen maßgebenden Staaten. Zionistisch» Sektion Landstrasse Heute Sonntag dm 17. Februar, halb 11 Uhr vormittags im IJiwen-Kino, 111. Löwengasse 33 SCHEKEL- UND PROPAGANDA- MEETING Referenten: Dr. Josef Lmomlms, Dr. Isidor Rlabtr, Dr. Artur Rundt Eintritt frei! Tagesbericht. 8Ä suche... Von Klara Mautner. Arrdere, vernünftigere Menschen suchen tanbene-ier,große Perlen, den Griffel, mit dem Schiller seine erstell Schreib- Übungen vollführte, Cavlyles letzten Spuünaps oder ähnliche, leicht erreichbar« und für den Alltag unentbehrliche Gebrauchsgegenstäude. Ich habe mm Ziel höher gesteckt. Neben den Pflanzen, denen ich nachjage, ist die blaue Blume der Romantik häufig wie ein Löwenzahn im Mai. Denn ich suche den Bewohner Wiens, er sei männlichen oder weiblichen Geschlechts, der nicht an der windigsten Stelle der Stadt wohnt. Nach diesem Wundervogel in meiner näheren Umgebung zu forschen, wäre von vornherein ein gänzlich aussichtsloses Unternehmen. Demi wenn ich in aller Harmlosigkeit und strenge an die Wahrheit gebunden zu erzählen beginne, daß der gestrige Sturin bei geschlossenen Fenstern unsere Vorhänge flattern macht, so fährt meine Freundin wie van der temperamentvollsten Tarantel gestochen auf: ,Mind! Du willst wissen, was Wind ist? (Berge der Verachtung wälzt dieses „Du" auf mich.) Bei uns hat er das Feuer im Herd ausgeblasen, das noch gar nicht gebrannt hat, und den Laufteppich umgedrcht. Unser Nachbar, ein großer, starker Mann (seine Größe und Stärke ist von außen jedenfalls nicht wahrnehmbar; aber das kommt ja vor, daß man jemanden nicht ansi-cht, wie groß er gewachsen ist), ist umgeworfen worden, wie er aus dem Haus getreten ist und hat sich einen unheilbaren Bruch des Regenschirmes zugezogen." Majestätisch richtet sich Tante Henriette auf. „Das ist noch gar nichts", spricht sie feierlich, und erzählt von ihrem Spezialwind. Man fühlt sich auf die einsame Haide am Nordmeergestade versetzt, meilenweit keim ander« menschliche Siedlung, der Sturm heult ums Haus-Leider wohnt meine Tante in der Lilienbrnnngasse. Aber das macht nichts. Die enge Gasse wirkt ,Me ein Schlot". Wo sich die Schlotigtkeit nicht aufrechthalten läßt, da ,^-idht es von der Donau herüber", auch wenn sie gute zwei Kilometer entfernt ist, und auf einem eventuellen freien Platz gäben sich Winde aus sechs Weltrichtungen Rendezvous. In meinem Bekanntenkreis ist es also aussichtslos. Aber Wien ist groß. Eine leise Hoffnung flüstert trotz allem: vielleicht gibt es doch einen Menschen in dieser Riesenstadt, der nicht am windigsten Platz wohnt, einen einzigen-, Ferner such« ich di« Mit telst andsfrau, die ihre SMenstriunpfo in schöner FreiwilliMt trägt. Nati'rrlich tragen ja alle Seidenstrümpse. Wer — entweder, weis ihre sämtlichen bürgerlichen Fnßsutterale gerade an diesem Abend solidarisch „auf Fransen" gegangen sind oder weil ihr Mann ,charauf besteht" oder weil der Vater aus Belgien Se-idenstrümpft mitgebracht hat, die Überhaupt nichts kosten", so daß es ein Gebot der Sparsamkeit ist, die seidenen Strümpfe anzuziehen und die anderen zu sparen. Denn bekanntlich vertragen Seidenstrumpfe das Liegen im Kasten nicht. Sie werden davon mürrisch. Auch suche ich jenen charaktervollen Mann aus gcbiWeten Kreisen^ der mir nicht erzählt, daß .Direktor" ein jüdischer Vorname ist. Ich weiß das nämlich schon. Bitte aus dieser Wehleidigkeit keine Schlüffe auf den Titel meines Mannes zu ziehen. Sie sind falsch, wie schon auS meinem nächsten Iagdziel hervorgeht. Denn ich fahnde auch nach «i n e n P a t i e n t e n, der den Arzt nicht „so rasch wie nur möglich" (auch: „sofort" oder „äußerst dringender Fall") beruft. Der atemlos herbeieilende» mit Magenschlauch für die Vergiftung, Kampferspritze für den Herzansall und Gesichtsmaske für die Verbrühung bewehrte So-rasch-wie-möglich-Artzt findet dann nreistens zwei Wimmerln, die seit vierzehn Tagen bestehen und nicht besser werden wollen, so daß man „doch" gemacht hat-Weiter suche ich nach einem Mitbürger, der seekrank wird, toenu das Schiff schaukelt. Einfach und schlicht seÄranik. Denn wenn meine höher See, bei der lieberfahrt von Fiume nach Abbazia ode: von Triest nach Miramare erlebt haben, dann ergäben sie 'de« Gericht immer: „Das ganze Schiss war seekrank. Ich und de; Kapitän, wir waren die Einzigen, die nicht-Einzig« kenne ich genug. Ich möchte einmal einen von tont „all« anderen" sehen. Schließlich frühe ich rwch jenen. Dok tor der gesamten Heiltu uüe, der noch nich? entdeckt hat, daß „am Ende die Italiener im Sommer auch mch! Italien verlassen", woraus man schließen darf, daß man auch im August in Palermo oder Catania wicht unbedingt gedörrt wird, woraus sich der weitere Schluß ergibt, daß es — sch« aus Ersparnngsrücksichten wegen der kurzen Reise — das einzige Richtige ist, die „Hundstagc in Syrakus" zu verleben 105 Prozent -der Wiener Aerzteschaft sind zu diesenr durchaus originellen und von den schönsten Aevztewitzen garnierten Entschluß gelangt, und es wäre sehr schön, wem: trotzdem der Gesuchte auftauchen wollte. Der könnte dann nämlich meine» Mann während unserer Italienreise vertreten. Ganz zuletzt suche ich noch jenen dreimal gesegneten Feuilleton-Redakteur, der mir kein telephonisches Donnerwetter schickt, weil mein Artikel „schon miede' einmal" uni 12*5 Zeilen zu lang geworden ist. Es steht geschrieben: suchet, so werdet ihr finden — nich wahr, Herr Doktor? Re MM der Mett. Von Rudolf Hundt. Als vor Jahrtausenden viermal gewaltige Inlaudeismassen aus dem hohen Norden bis in die Mlttalg.'bi-rg: Deutschlands vordrangen, da war toer Schritt vom Die tische n-affen zum diluvialen Affenmenschen schon getan. Cr«! lebte in der diluvialen Eiszeit im eisfrei geblisbenen Gebier Europas schon der Mensch und er zog dem Eisvand immei nach, als er verschiedene Male nach Norden zuvückschmotz. Die damals lebende Nemtdertalrasse war primitiv, viel einfacher als die jetzt lebenden Bewohner des Urwaldes von Sumatra. Sie mußten als Jager Nomaden bleiben unk befrfe im: nt-nv S-ainschlagerrs. Erst an dev Gräbern der üteandertalrnenschen aus dem letzten Entwicklnngsstadinm der Neandertalrasse in Sndfrarvkveich konnte *’''nton. daß sie außerhalb des eigenen Jchs ein Es, die Umwelt fühltm, denn ft« fetzten sich in ihren einfachen religiösen Vorstellungen schon mit ihm auseinander; wie aus der Art der Bestattung des Moustieremtenfchen geschloffen werden kann. dkber -irgendeine Mnstlerische Betätigung außer der Feueristeintechn-ik -kannte der Moust-ieremensch noch nicht, denn weder Gravüren. Malereien, noch vlast'csche Studien sind bis jetzt -aufgefnnden worden. Und wenn man die oft künstlerische Gestaltung der Steinwertzeuge -der äliesteu Steinzeit nicht als Kunst ansicht, dann lebte der Neander. taler noch jenseits jeder Kunstbetätignng. W aber in der Bcckltreenzeit, die der letzten Neander» talmenschenraffeirzeit, dem Moustierien folgte, eine neue Menfchenmsse aus noch unbekannter Heimat von denr zum letzten MM aus dem Norden nach Süden Vvrdvingenden Eisvand nach Süden in den eiszeitlichen Siedlnngsraum der Neandertaler emtoa-ttberte, da fetzte eine , hohe Knnstentwicklung em, deren Träger die Aurignacvaffe ist. Ganz anders als -das Aeußere der Mouftisreinenscheit in das Ansseben der Anvignaemenfchen. Glich der Reandertaler noch mehr dem Menschenaffen m't Unterkiefer ohne Kinn, rmt stiehetwe-r Stirn, langen Armen, kurzen Beinen so ähnelt der Aurignacmenfch dem Europäer mit seiner gewölbten Stirn, dem schon ausgebildetrn K'N» und den proportionierten Gliedmaßen. Sein Schädelbau erlaubt den Schluß, daß der Anrignaemensch sich schon einer einfachen Sprache zur Berständi-Mug bediente. In der Kunstbetatigung des Anrignacmenschen, der vor 40.000 bis 50.000 Jahren in Mitteleuropa lebte, kann man folgende Entwicklung der Mal-ereilechnA beobachten. Zuerst zeichnete man einfache Konturen, dann versuchte anan Schmffen. Als tnan den Rötel Äs Farbe erkannte, legte mau die Malereien zunächst Mffig in RiM an, wischte darm, um plastische Wirkungen zu erzielen, Uebergänge in die Farbflächen hinein. Zunächst waren die Malereien noch steif, dann kam dirrch die vollkommenere Technik kinematographifches Lebrn hinein. Seine Motive nahm der Aurignacmensch meistens aus der Tierwelt. Seltener gestaltete er sich selbst und dann nur das Weib, an d'm er massige Formen mit Betonung des Sexuellen darstellte. Später, als die Ku-nstbe-Mgung sich aus dem Naturalismus zum Expressionistischen hin ent* wickelte, tvar ihm der M-enisch ein gesuchtes Motiv, das er in allen '"öglichcn knappsten Gesialwngen ausweriete. Ms der Anrignacmensch in Mitteleuropa erschien, da irof er auf den Neandertaler, vermischte" sich in schweren Kämpfen mit ihm und eine neue Menschenrasse von Negerthp entstand, welche die Kunstendvicklung ein gutes Stück :trag« unausweichlich sei; «ine me Konkur$mas$e..Warenhau$deiZentrum$ Franz Josafs-Kai 13 WIEN I. Adlergasse 9 Botel itn billigen Verkauf d«r aus England stammenden Kleidepsto^fe in den nächstfolgenden Tagen fort. Preise sind, wie bekannt, wegen des noen vorhandenen grossen Lagers neuerlich herabgesetzt worden,, und bitten wir das p. L Publikum, zwecks Besichtigung dieser ausserordentlichen Angebote unsere Geschäftslokalit&ten in der Zeit von 8 Uhr früh bis 6 Uhr abends zu besuchen. Es besteht kem Kaufzwang! Wir führen nebenstehend folgende Preise als Beispiel unserer Billigkeit an: Schwedenplatz 1 Diverse Posten englischer Stoff© für Herrenanzüge, Damenkostüme, Schösse von K 45.0000 00.000, 70.000. 80.000, 00.000 und 100.000 per Meter. 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