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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-17 · Heft 1798 (17.2.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1798 (17.2.1924)
Date
1924-02-17
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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>>«„>» WW», WWWWWM WWWM «ie« Wien. Sonntag Wiener Morgenzeitun». 17. Februar 1924 Nr. 1798 Verkehrsbureau IX. Hdrlqasse Nr. 13 Telephon 16-2-26 eewährt Hypothekarkredite in jeder Höhe hill gst und sehnet) auf Häuser, Villen. Landwirtschaften, Industrie- Objekte etc., sowie Warenkredite an erstklassige Kaufleute Vorschüsse sofort 5015 Achtung der Berttms. Millerands Ansprache an den Botschafter Hoejch. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 16. Februar. Präsident Millerand hat heute nachmittags den deutschen Betscha'tcr v. H o e j ch, der ihm seine Beglaubigungs schreiben überreichte. in offizieller Audienz empfangen. Präsident Millerand sagte in seiner Antwertred?: „Ich freue mich, daß die Wahl der deutschen Regierung für die Nachfolge des vermiedenen Tr. M.yer als außerordentlichen und bevollmächtigten Botschafters aus einen erfahrenen Diplomaten gefallen ist. der sich bereits als Geschäftsträger in Paris Anerkennung und Würdigung zu verschaffen verstanden hat. Es ist in der Tat hoch st wünschenswert, daß jener, -dem die Aufgabe zufällt, die Besprechungen mit der Regierung der Republik unter heiklen Umständen fortzuführen/ von dom Augenblick seines Amtsantrittes an über die Gedanken und Wünsche Frankreichs persönlich unterrichtet fei. Ihr Aufenthalt unter uns ha-t Ihnen ermöglicht, sich von ihnen volle Rechenschaft zu geben. Der Anfang dieses Jahres hat mir Gelegenheit gegeben, sie öffentlich kundzugeben. Sie resümieren sich in die vier Worte: Die A ch t u n g d e r Verträge. Hinter dieser Formel, die alles sagt, verbirgt sich'keinerlei Hintergedanke. Im Bewußtsein der Größe der in Frage stehenden Interessen sowie der Solidarität der Völker sind die Vertreter Frankreichs gleichzeitig entschlossen, nichts von den Rechten aufzugeben, die sie zu hüten haben, und im w e i t e st e n Geiste der Versöhnlichkeit alle Lösungen zu prüfen, die deren Achtung verbürgen. Wenn es sich die französische Demokratie versagt, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Völker einzumischen, kann sie nicht umhin, in ihrem Interesse wie in jenem der Welt denFortschrittunddenSiegderGrundsätze zu wünschen, denen sie anhängt. Tief friedlich, hat sie an dem Tage, wo sie dazu gezwungen wurde, gezeigt, daß sve z u a l l e n Opfern bereit ist. um mit ihrer eigenen Unabhängigkeit die Freiheit der Welt zu verteidigen und zu retten. Ihr glühendster Wunsch ist. daß eine so g r a u s a m e Prüfung ihr fortan und für immer erspart bleibe. Die Aufrichtigkeit ihrer Gefühle und die Glut ihrer Wünsche waren dazu verurteilt, unfruchtbar zu bleiben, wenn sie nicht erwidert würden." Die Anerkennung Eowjetrnßlunds. Christiania, 16. Februar. (Wolfs.) Die Aktenstücke über die de jure-Anerkennung So w jctru ßl a n d s durch Norwegen wurden heute unterzeichnet. Der Chef der norwegischen Handelsdelegation in Moskau soll als norwegischer Geschäftsträger fungieren, bis eine endgültige Regelung der Vertretung Norwegens in Rußland getroffen ist. Gleichzeitig wird eine russische Note veröffentlicht. in der die Souveränität Norwegens über Spitzbergen anerkannt wird. Demnächst wird eine norwegisch-russische Konferenz zusammentreten. um eine endgültige Regelung der bisher ungelösten Fragen zu treffen. Amerika mahnt. 7,5 Milliarden Dollar. Paris, 16. Februar. Nach der „Chicago Tribüne" werde auf Grund der Einberufung der amerikanischen Schuldenfundierungskommission aus Montag angenommen, daß an Italien, Frankreich und die anderen europäischen Länder alsbald eine Mahnung ergehen werde, sich um die Konsolidierung der Kriegsschulden und der rückständigen Zinsen zu bemühen. Insgesamt handle es sich um 7,5 Milliarden Dollar. Die Tatsache, daß die Einberufung der Kommission mit Zustimmung des Staatsdepartements erfolgt sei, werde als Anzeichen dafür betrachtet, daß man nunmehr die Zeit für gekommen erachte, die europäischen Schuldner um Mitteilung ihrer Absichten zu ersuchen. An neuer Panamaskandal in Amerika. Marineminister Denb'y neuerlich kompromittiert. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) New-Jork, 16. Februar. Der bekannte Eisenbabnkonig von Alaska, John B a n l i n e, hat sich an den Präsidenten Co o l i dge mit einer Anfrage wegen widerrechtlicher'Bergebung größerer Kohlenbrennereien in Alaska gewendet, woraus sich wiederum eine Affäre wie die Petruleumangelegenheit zu entwickeln scheint. Tie Beschuldigung trifft auch diesmal den Marineminister Den by und den Miuiste'r 'des Innern Fall als Hauptbeteiligte. . ' . . Die Beschuldigungen gegen Harding voll« . ständig grundlos. Washington, 16. Februar. (Tel., d. „Wiener Morgenzonung") Die Anklagen, die der New-Uorker Bankier Van der Lip gegen das Andenken des Präsidenten Harding erhoben hat, sind nach seiner Vernehmung vor der Untersnchungskommi|sion in nichts zerflossen. Van der Lip mußte sich gefallen lassen, als absichtlicher Lügner bezeichnet zu werden. Gegenüber seiner Behauptung, daß Harding für den Verlaus seiner Zeitung „Marion Star" mehr als 600.000 Dollar erhalten habe, ist endgültig sestgestelli worden, daß die Kaufsumme 273.000 Dollar betrug. Aiislösurm der Auvschtina? Belgrad, 16. Februar. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitnng") Im Parlament kursierten heute Gerüchte, wonach Ministerpräsident P a s i c beabsichtige, die Skupschtina aufzulösen und Neuwahlen auszuschreiben. Von oppositioneller Seite wird dieser Entschluß damit zu erklären versucht, daß die ohnedies geringe Parlamentsmehrheit infolge der Taktik der deutschen Partei noch geringer geworden sei, und die Regierung gegen die einheitlich auktretende Opposition nur mit noch größeren Schwierigkeiten als bisher zu kämpfen hätte. Konseren; der baltischen Staaten. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Marschau, 16. Februar. Heute wurde die Konferenz der baltischen Staaten und Polens eröffnet. An der Konferenz nehmen die Außenminister Finnlands, Estlands, Lettlands sowie Polens teil. Zum Vorsitzenden der Konferenz wurde der polnische Minister des Aeußern, Graf Z a m o y k i, gewählt. Er betonte in seiner Eröffnungsansprache, daß die jetzige Konferenz den Zweck habe, einen Gedankenaustausch über die gegenwärtige internationale Lage zu ermöglichen und die Mittel ausfindig zu machen, die geeignet wären, die gemeinsamen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Bestrebungen derartig zu gestalten, daß sie für jedes Land fruchtbringend würden. Der estländische Minister des Aeußern, Ackell, erwiderte, daß alle baltischen Staaten den Frieden anstreben und sich über die Notwendigkeit eines engeren Zusanvinenarbeitens mit Polen vollkommen klar seien. Zuaoflawien und Italien. Belgrad ratifiziert am Montag. (Eigenberlch» der „Wiener Moroenzeitung".) Belgrad, 16. Februar. Da der Minister des Aeußern N i n c i c von seiner Erkrankung wieder hergestellt ist. wurde die Ratifizierung des Fiumaner Abkommens auf die Tagesordnung der Montagsitzung der Skupschtina gesetzt. Die Verhandlung der Frage ist um so dringender. da die italienische Regierung einer Verlängerung des Termins der Ratifizierung nicht zugestimmt half Salamon Schabes IfcO Fleischhauer ^2 XX. Jägerstraße 20 empfiehlt den P T. Kunden frisches« tüpiüch geschlachttetos prima Rindfleisch zum Preise von K 20.OOO bis K 24.000 tpu Bayer» soll den Ausuahmsrustand ansyebe»! (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 16. Februar. Me Ihr Korrespondent erfährt, hat der Reichskanzler mit der bayrischen Regierung Verhandlungen über die Frage der Aufhebung des Ausnahmszustandes in Bayern eingeleitet. Verspätete Anklagen. Berlin, 16. Februar. Wie die Blätter melden, ist auf Antrag des Reichswehrministers Dr. Geßler und auf Anweisung des Iüstizministers Emminger geizen den verantwortlichen Redakteur des „Vorwärts", Reutet, ein Verfahren wegen Landesverräte's eingeleitet worden. Das Delikt wird ht einem Aufsatz in der Weihn a ch t s n u m m e r des „Vorwärts" gefunden, worin die Beseitigung des Ausnahmszustandes gefordert wird. Auch die „Welt am Montag" und die „Frankfurter Zeitung" sollen diesbezüglich unter Anklage des Landesverrates stehen. Bäurische LandtagrwMen am 8. April. München, 16. Februar. Wie in Parlamentarischen Kreisen verlautet, ist als Termin für die bayrischen Landtagswahlen der 6. April in Aussicht genommen. oft wir ihn verhaften, müssen wir ihn auf höheren Befehl f r e i l a s s e n." Ueberall in Posen prangen juden hetzerische Plakate, in denen zu Morden an Juden aufgefordert wird. Sogar an den Mauern der Posen er Sy' nagoge waren solche Plakate angcklcbt. Antisemitische Bodenreform. Budapest, 16. Februar. (Tel. d. „Wr. Mor^uzeituug".) In der Fr e i tags i tz u ng der ungarischen Nationalversammlung wurde im Verlaufe der Spczialdeba-tte über die Bodenreform von zwei christlichen Rednern auf die antisemitische Tendenz einer Bestimmung der Bodenreformncvelle hingewiesen die wchl äußerlich sehr harmlos und gerecht aus sieht, in Wirklichkeit jedoch ein ganz schamloser Judenparagraph ist. In diesem Paragraphen '(§ 24) wird bestimmt, daß Grundbesitzern, die ihr Gut in den Kricgsjahren verkauft haben, das Recht zustehen soll, dieses Gut im Enteign»ngsWege wieder an sich zu br-ngen. Diese Bestimmung ist jedoch so unklar, daß die Behörde es immer in der Hand hat, die Restituiernng des im Kriege verkauften Gutes dann durchzuführen, wenn der Käufer ein Jude war. Abgeordneter Gaston Gaal sprach in sehr scharfem Tone gegen diesen Paragraphen, der in krass« ster Weise unter den Landesbürgern je nach ihrer konfessionellen Zugehörigkeit so tiefgehende Unterscheidungen sestlege. Was ist das für eine Rechtsordnung — rief Gaal aus —, die es gestattet, daß "Leute, die ihren Boden im Krieg verkauft haben, jetzt «den neuen Eigentümer von Haus und Hof vertreiben dürfen, wenn er zufällig Jude ist. Es fei unmoralisch, jemanden, der vor Jahren einen Besitz rechtmäßig erworben hat, diesen einfach wieder abnchmen zu können. Diese Bestimmung bedeute die völlige Nullifizierung aller geltenden Rechtsgrundsätze. Jin Namen der Rechtsordnung beantrage er die Streichung des § 24. Im selben Sinne sprach nachher Graf Josef K a r o l y i, nachdem er vorausgeschickt hatte, daß er einer Partei angehöre, die auf der Grundlage des positiven Christentums steht. Auch er stellte fest, daß dieser Paragraph, wenn auch uneingestanden, tatsächlich einen antisemitischen Charakter hat. Die Anwendung derartiger Mittel sei selbst im Dienste des Antisemitismus unstatthaft. Man dürfe nicht Ue Gebote der Rechtssicherheit einer, Augeublickskonjunktur untevordnen. Durch diesen Para-, graphen werde eine Rechts-Unsicherheit geschaffen, die ein; gefährliches Präjudiz für die Zukunft bedeutet. Heute geht es gegen die Juden, und es kann eine Zeit kommen, wo auf Grund dieses Gesetzes die Forderung gestellt wird, daß alle seit 1919 (seit dem Beginn des Horthy-Regimes, d. Red.) bis zu einem gewisien Zeitpunkt erworbenen Güter an die früheren Eigentümer zurückzugoben seien. Auch er nmsse für die Streichung dieses Paragraphen eintreten. Unter dem Eindruck dieses zwei Reden erklärte sich 'der Ackerbauminister wohl bereit, die Fassung des Paragraphen zu mildern, doch ist der neue Text womöglich noch dunkler und dehnbarer als der frühere. Die antisemitische Tendenz des Paragraphen ist geblieben. Neue Mißhandlungen von irnden in Vasen. Lodz, 15. Februar. (I. T. A.) Soeben ans Posen eingetrofsene jüdische Kaufleute berichten, daß sie in der Nacht von Freitag auf Samstag in Posen, wo sie in Geschäften weilten. von den dortigen sogenannten Fasz i st e n (lies: Straßenrändern) unter Führung des b-e- ' rüchtigten Jan Sekret arczik, über dessen Treiben bereits mehrfach berichtet wurde, und des Pofener Stadtverordneten Notkowiez furchtbar mißhandelt wurden. Insgesamt wurden ze h n Juden, durch schwere Hiebe mit Holzknütteln verletzt. DerLodtzer jüdische Fabrikant Glück stein mußte ins Spital überführt werden, wo man ihm die schweren Kopfwunden zunähte. Die Polizei verhielt sich vollkommen passiv. Als einer der Mißhandelten im Polizeikommissariat. anfragte, weshalb die Juden keinen Schutz erhalten, wurde ihm erwidert: „Wir sind gegen Sekre 1 arczik machtlos. So Znland. Da« Hakenkreuz an der UnlverMt. In dem nationalsozialistischen Wochenblatt (das wir in der Vorwoche bei einer frechen Fälschung erwischt haben) teilt ein gewisser Sepp Payer mit, daß der a k a d c m i \ d) t Senat der Wiener Universität am 20. Dezember dem Vollzugsausschuß der deutschen Studentenschaft brieflich mitgeteilt hat, er habe die folgenden Beschlüße gefaßt: Die Kammer der deutschen Stndenientschaft bis zur Erfassung des Stuidentenrechtes als Vertretung der aus Grund der Zugehörigkeit zum deutschen Volke und der deutschen Muttersprache organisierten Studentenschaft auzuerkennen. Auszusprechen, daß schon in der Verlautbarung des akademischen Senats im verga Agenten Jahre betont wurde, daß die Maßregeln auch getrof'en werden, um den deutschen Charakter der Universität nach wie vor zu wahren. Diese Verlautbarung hat folgenden Wortlaut: „Mit Rücksicht darauf, daß die Vorbildung urtö das Kulturniveau der aus den osteuropäischen Staaten stammenden Hörer zumeist den hier gestellten Anforderungen nicht entsprechen, und daß durch di« übermäßig große Zahl der Hörer der deutsche Charakter der Universität g efährdet erscheint, haben sich die Dekane der fünf Fakultäten über Aufforderung des akademischen Senats auf einen gleichartigen Vorgang bei der Aufnahme von Hörern aus jenen Staaten geeinigt, der den ausgesprochenen Bedenken Rechnung trägt. Außerordentliche Hörer sollen aus den genannten Staaten nicht zugelassen werden. Bereits anfgenomniewc außerordentliche Hörer werden nach Ablauf der gesetzlichen Frist von zwei Semestern nicht wieder ausgenommen. Als ordentliche Hörer werden nur Absolventen von solchen Gymnasien und mit solchen Zeugnissen inskribiert, welche Schafwollrips für Kleider u.Kostüme 130 cm breit Mrthur Qrün nur I.Adlergasse 5

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