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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-17 · Heft 1798 (17.2.1924) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1798 (17.2.1924)
Date
1924-02-17
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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m. rrw f * - Mett, Sonntag angeschlossen sein iverden. Ich habe nicht die Absicht, jene Kla^eln, welche als M in de rh e i 18 kl a u seln bekannt sind, hier nochmals au Anzählen und zu zeigen, welchen Wert ste für diese Millionen Juden repräsentieren Leider werden die feineren Minderheitsrechte der Juden ldurch den Kamps um die Primitiven immer mchr verdrängt, so daß wir nur wenig dazu kommen, für die nationalen Feiichev:en M kämpfen, und noch immer an der Schwelle der omfachsten Menschenrechte unsere Fnrd-runqen wiederholen müssen. Ja, oft genug sinken wir dazu herab, von der Welt das Zugeständnis erhalten zu müssen, >daß sodensalls dos nackte Leben unantastbar sein muß. Es <M ein trauriges .Kapitel, welches für alle Zeiten in der Geschickte der Menschheit ein Kapitel der Schande bleiben wird. Das ist Wiener MornenzeitunA. »arte: 17. Februar 1924 Seite 5 das Kapitel der Pogrome, deren Bckämpfuua selbst eine gewisse Entwürdigung entbält. Welche. -2<lm>aeh ist es, daß überhaupt Demonstrationen. Massen^ demonstrationen. wie >znm Bei'viel die Si raßendemonstration von Hnnderttansenden amerikanischer Inden, überhaupt noch eine N o t w e n d i g k e i t mr Verteidiglmg des iüdischon Lebens biil^ den. Welche Entwürdigung bedeutet es, daß wir Schriften heran soeben müssen, nm *it jzeiaen, wie mchttüdM'- wilde Mallen über zahllose jüdische Geinn-den herwlleu und Zehutansendc von Morden beoeben. Man sollte glauben, daß die Nichtjuden einen größeren An-"ß baben, gegen solche Taten ein Geschrei zu erbeben. Gleichwohl zwingt uns von Zeit zu Zeit die ungeheuerliche Sorge vor der einfachen physischen Vernichtung unseres Volkes auch dazu. Mir wollen es nickt leugnen, daß unser lautes Rufen, obzwar es anck uns selbst zuwider ist und uns am meisten ^zuwider sein soll, tatsächlich Erfolae gehobt hat. Jur die Dauer wird jedoch d-ioses Instrument abgestunrpft. Auch dieses muß einmal abgelöst werden durch eine Instanz, der gegenüber kein Staat der Welt Worte der Rechtfertigung finden kann, sobald von Pogromen die Rede ist. Der Völkerbund muß gegen Kollektivmorde austreten. Was er in bezug auf die Armenier schon anläßlich seiner ersten Vollverfaurmlung aetan hat, ist jedenfalls ein Präzedenzfall für sein Eingreifen in Khnlicken Fällen. Es gibt noch ein anderes Gebiet, das das jüdische Volk formell in eine bestimmte Beziehung zum Völkerbund bringt, dasjenige Gebiet, welches vom historischen Standpunkt für uns das wichtigste ist: das Palästina-Mandat, welches zwar der britischen Reqierung vom Völkerbunde übergeben ist, über dessen Ausführung jedoch der Völkerbund Berichte zu erbalten bat und eine gewiss« Kontrolle besitzt. Schon unmittelbar nach der Bestätigung des Palästina- Mandates durch den Völkerbund, die am 24. Juli 1922 erfolgt ist, beschäftigte sich die vom Völkerbund eingesetzte ständige Sektion für Mandate unter dem Direktor v. Rappard mit der Situation in Palästina und arbeitete zu dem Zweck einen eingehenden Fragebogen aus, der in Form einer Enquete den ganzen Komplex der auf dem Boden Palästinas erstehenden Probleine einschneidend berührt. Die Auskünfte, welche von der Mandatarmacht verlangt werden, beziehen sich ans die Entwicklung der einheimischen arabischen Bevölkerung, auf den Verlauf der jüdischen Einwanderung, auf die viel umstrittene Jewish Agency, ans das Problem der VerfassnngSgeWährung usw. Alles was in den zahlreichen Paragraphen des Mandates sestaelegt ist, wird somit einer tatsächlichen Prüfung, unter Berücksichtigung der konkreten Verhältnisse, wenn auch nur in Form von Problemstellung unterzogen. Da zudem eine veranlwertllche Mandatskommission beim Völkerbunde wirkt, so ist vorarismsehen, daß der Völkerbund sich noch bäufig durch seine Instanzen mtt den Fragen Palästinas beschäftigen wird. Insbesondere kann diese Beschäftigung für das jüdische Volk von maßgebender Bedeutung werden, wenn die Zeit hevanreift, da die Bevölkerung Palästinas die Ablösung des Mandates durch Schaffung einer sich selbst verwaltende» Gemeinwesens fordern wird. Denn im Mandat selbst ist für Sie Zukunft ein solcher Zeitpunkt vorgesehen, wenn nämlich die Mission des D-andates, darunter die Schaffung eines jüdischen Nationalheimes in Palästina, erledigt sein wird. Die Mandatarmacht hat zwar darüber zu bestinnnen, ob die palästinensische Bevölkerung zum Uebevgang herangereift sei, eS ist jedoch klar, daß der Völkerbund in der Zwischenzeit sich wiederholt damit befassen wird. Man sieht also, mit welch starken Fäden das Judentum mit dem Völkerbund verbunden ist. Jede vorbereitende Tätigkeit unsererseits auch auf diesem Gebiete ist aber auch schon in der Jetztzeit eine dringende Notwendigkeit. (Lebhafte Zustimmung) Es ist unmöglich, in Form einer Rede alle Gebiete und Aktionen zu überschauen, an denen das jüdische Volk interessiert ist. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, umso mehr, da ich das Interesse deS jüdischen Volkes am Völkerbund nicht allein vom Gesichtspunkt« dieser spezifischen Beschlüsse und Aktionen betrachte, sondern der Gesamtinhall des Völkerbundes mit seiner Tendenz ist im tiefsten Grunde ei« heiliges Interesse der jüdischen Volksseele, wenn diese Tendenz immer geläuterter und edler sich entfalten wird. (Lebhafte Zustimmung.) Um den Völkerbund herum beginnen sich zu gruppieren, ohne mit ihm in eine gewisse Verbindung zu treten, alle die zahlreichen internationalen Organisationen für internationales Recht, für humanitäre Zwecke, für Verbindung und Aussöhnung VERSTEIGERUNG GEMr LD U. AQUARELLE AUS HOCH ARISTOKRATISCHEM BESITZ ' 'bst Beiträgen aus Privatbesitz. Ferner Zeichnungen aus dem Nachlasse W. Brozik. BESICHTIG I.N« M> heule bis 21. Februar 1924 (10-6 Uhr) ln AUKTION: 22. und 23. Februar 1924 (3Uhr) LEO SCHIDLOF’* KUNST AUKTIONSH AUS Telephon 6730!» „ad 07230 WIEN, I. TUCHLAUBEN 8 Telegrammadresse: SCHIDAUKTION aller Volker, für Hilfe an die von Katastrophen betroffenen Teile der Menschheit (wie die grandiose Hilfe gegen Hunger) oder an die Millionen Flüchtlinge n>w. Auch mit diesen Organisationen kommt das Judentum ans vielen Gebieten in eine sehr nahe Berührung, wobei verschiedene Instanzen oder Beauftragte d des Völkerbundes mit den betreffenden Missionen betraut sind. Es entwickelt sich auf diese Weise eine direkte Anteilnahme der Inden oder ihrer Zentralorganisation an den internationalen Aufgaben. Indirekt bleibt nur die Beziehung des jüdischen Volkes zum Völkerbund selbst, ein Zustand, der nach einem Ausweg geradezu drängt. Es geht nicht an, daß die Stimme des jüdischen Volkes nicht unmittelbar zum Völkerbund hinübertönen kann. Dies gilt tvie bei den Kardinalpröblemen der Gesamtmenschheit, so auch für die Fragen, welche das jüdische Volk als solches betreffen. (Stürmischer Beifall.) Die Ausführungen beider Redner wurden mit Begeisterung ausgenommen. Die stürmischen Ovationen, welche ihnen dargebracht wurden, zeigten, daß die Versammlung den Gedanken der Gründung einer jüdischen Bölker'bundkiga voll erfasst hatte. Zahlreiche Anmeldungen zum Beitritt wurden dem Präsidium überreicht. Noch längere Zeit nach der Versammlung wurde von den Teilnehmern das bedeutsame Ereignis besprochen. An die Veranstaltung schloß sich die Kon st it u i e r u n g d e r j ü d i s ch e n Völkerbundliga für O e st e r r e i ch. Zum Präsidenten wurde Oberrabibiner Professor Dr. Z. P. CHajes, zum Vizepräsidenten der Direktor der Wiener Universitätsbibliothek i P. Hoftat Professor Dr. Fr a n k f u r t e r gewählt. Dem Vorstande gehören weiters hervorragende Vertreter der Wiener Iudenschast sämtlicher Parteischattierungen und -Richtungen an. Die Liga wird schon in den nächsten Tagen ihre Tätigkeit beginnen. Sie Mentlicke Meinung Nordamerikas und der Völkerbund. Republikanische Kreise für den Völkerbund. Während bisher das Verhältnis Amerikas zur Frage des Eintrittes der Vereinigten Staaten ln den Völkerbund von der anfänglichen Gegnerschaft sich zu einer gewissen Passivität gewandelt hat, beginnt besonders in der letzten Zeit in dar öffentlichen Meinung der Vereinigten Staaten sich ein Umschwung in positiver Richtung zu vollziehen. Vor kurzem schrieben „New Dork Ti me§" einen bemerkenswerten Artikel zmn Völkerbundproblcm, welcher ziemlich scharf gegen die offizielle Stellungnahme zur Frage des Eintrittes Amerikas in den Volkerbund polemisiert. Da „New 2)ork Times", das Organ des einflußreichsten Teiles der Intelligenz in den Vereinigten Staaten, welches im allgemeinen stets die Anschauungen der jetzt herrschenden republikanischen Partei vertritt, jetzt für den Völkerbund eintrrtt, spricht dies ziemlich deutlich für die U m st e l l u n g der offenlichen Meinung Nordamerikas gegenüber dem Völleobundproblem. im Warenhaus rSchiffmann Wien, II Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 Nachstehend einige Beispiele: f Barchente und lMaichwaren| Wäscheflanelle.. per Meter R 12 800 Velourbarchente . ... per Meter 18900 K 1*9<>0 Wäschebarchente ...... . per Meter R 10500 Fr an zßslsche Wasch veloure. 80 cm, p. Meter R 87.800 Etamtne, grosse Auswahl, weiss und ffirbig, per Meter R 14 000 Seidencloth, alle Farben . ... per Meter K 85 000 Blaudruck.per Meter R 18*0© Jackenfuiter, neueste Muster. . per Meter K 84.500 j Ifeawcnwäiche und Wirkwaren \ Garnituren. Hemd und Hose . 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Statt eine nicht ernst zu nehmende weltpolitische Agentur zu sein, wie Präsident Coolidge ihn neulich zu nennen beliebte, scheint im Gegenteil diese Institution an Bedeutung jeden Tag zuzunehmen. Gewiß kommt der Völkerbund für die Vereinigten Staaten nicht in Betracht. Aber davon abgesehen, ist er ein Anfang, in dem für den Rest der Welt mehr Hoffnung begründet liegt als je zuvor. Für Deutschland erscheint er heute als die letzte Rettung vor der Verzweiflung. Sollte der Völkerbund in der Lage sein, für Deutschland auch nur annähernd das zu sein, was er für O e st e r r e i ch getan bat, so würde sein Prestige und seine Macht in den Augen aller Völker sich derart erhöhen, daß die kleinliche Nörgelei, mit der er von gewissen amerikanischen Politikern verfolgt wird, sich so lächerlich machen würde, daß man endlich davon absehen müßte. Der Tag wird kommen wo republikanische Politiker, ja wo selbst die republikanische Verwaltung in Washington diene rvöse A n g st überwinden werden, als dürfte man dem Völkerbund überhaupt -keinen guten Kern anerkennen. und wo sie ihn an sehen werden als das, was er ist, nämlich als ein höchst wohltätiges Vermittlungsorgan, durch das der gute Wille und die Hilfsbereitschaft und die auf Frieden drängenden Instinkte von Männern und Frauen in der ganzen Welt am besten ausgedrückt und wirksam gemacht werden können." Ir, der amerikanischen Presse und Oeffentlichkeit wird jetzt vielfach die Frage diskutier-. wie die Aut or ität dcs Völkerbundes zu stärken wäre. In dieser Beziehung ist bemerkenswert, daß das Novemberheft der von der „American Association for Intcrnational Conciliation" berausgegebene Schriftenreihe unter dem Titel „Ist der Völkerbund zu retten'?" cmcansjührl'che Untersuchung von Professor Sir Charles Wa l st o n bringt. Walston hat es sich seit langem zur Aufgabe gesetzt, die Vereinigten Staaten für den Völkerbund zu gewinnen. Und auch feine jetzige Schrift beantwortet die Tit-lfrage mit ,^Ja", allerdings unter der Bedingung, daß die Verfassung des Völkerbundes modifiziert und er mit einer bewaffneten Polizeimacht ausgostattct werde, so daß er über eine eigene Ex?« k u t i v g e w a l t verfügen kann, um seine Entscheidungen, wenn es nötig ist. auch selbst zu vollsttecken. An dieser Schrift Walstons ist nun das Bemerkenswerteste, daß der Rektor der Columbia-Universität und Präsident der Carnegie-Stiftung Professor Nikolas Muray B u t l e r die Vorrede dazu geschrieben hat. Butler, welcher der intimste politische Freund des verstorbenen Präsidenten H a r d i n g war, hat als Anhänger des rechten Flügels der republikanischen Partei sich bisher immer gegen dm Gedanken der Beteiligung Amerikas am Völkerbund schroff ablehnend verhalten. Seine Vorrede ist wohl vorsichtig, aber sie tritt doch für die Schrift und die Tendenz, die sie verfolgt. ein. Dies -st sicher ein Zeichen der Zeit, welches daraus hinweist, daß der Völkerbundgedanke auch in Amerika Fuß saßt. Deutschland und Rußland dürften in absehbarer Zeit dom Völkerbünde angehören; nähert sich ihm indessen auch Amerika, so kann das hohe Ziel, das der Gründung des Völkerbundes zugrunde lag und welches durch die politischen Verhältnisse verschoben wurde, zur Durchführung gelangen: der Völkerbund als Vereinigungaller Nationen und Staaten. Madrassvorhänge, 2 Teile, eint» Draperie 175.000 148X00 K 195 000 Halbstores. 98.000, 75 ooo K 49 000 Laufteppiche.. .30000 K 97 800 Bettgarnituren.348 000 K 875 OOO Doppeldecken, Tüll und Batist..K 198 000 jMerrenwassctie und Modeartikel 49 800 au 8oo 19 800 98 000 5 900 7 900 9800 185.000 Modehemden .R Kretonhemden. R Unterhosen ........ 39.000, 29.000 R Flanellpyjamas.R Krawatten, gestrickt. 9.800 & Wintersocken .• . . . . 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