Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1798 (17.2.1924)
- Date
- 1924-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Mociationen für den Frieden wurde zur Propaganda siir den Völkerbund. Wenn man von der Friedensbewegung als solcher absieht, so könnten von allen offiziellen Unternehmungen bis zu einem gewissen Grade nur iwch die internationalen Haager Konferenzen als Vorläufer des Völkerbundes bezeichnet werden. Hingegen wurde von den eigentlichen hadern die sehr reichhaltige Propaganda der Idee des ewigen Friedens, welche schon seit dem 18 .Iahrbnndert in philosophischen Schriften und in rechtspolitischcn Abhandlungen betrieben wurde, bis zur Friedenskonferenz ebenso als'Nt"' anfgefaßt, wie es mit jenem prophetischen Appell der Fall war, der in der Mitte unseres Volkes vor 2700 Jahren in prophetischer Verzückung erklungen war. Als aber die Zeit kcim, da man ernstlich an die Verwirklichung dieses Ideals trat, da wurde die erste Quelle Mlig vergessen. Die Tatsache, dass das Friedensideal in so herrlichen und klaren poetischen Worten von den jüdischen Propheten wiederholt in die Welt a's Befreiungsruf hinausposaunt w'"' den ist. wurde sogar meist dort überl-ehen. wo sonst alle möglichen auch noch so zweideutigen Aktionen und Bewegungen zugunsten eines Friedensbundes ausgegraben und mit großen Lobsprüchen der Vergessenheit entzogen werden. Die Autorschaft des jüdischen Weltfriedensgedankens befindet sich in derselben Ausnahmesituation, wie der Träger dieses Gedanken? selbst inncrbalb der Völkerfamilie, frifrcr1 ' wird noch der Geschichtsschreiber kommen, der auf einen kosmischen Standpunkt sich stellen und der Wahrheit zur Ehre auch dasjenige Dokument benützen wird, welches bis heute der Menschheit nicht unbekannt geblichen ist, nämlich die Bibel, die bekanntlich auch heutzutage jährlich in Millionen Exemplaren verbreitet wird. Wollten die Stifter des Völkerbundes uns gerecht werden, so hätten sie den Pakt mit einer Deklaration beginnen sollen, in welcher der historische Zusammenhang zwischen der Idee seiner Existenz und dem Prophetentum fe st gelegt würde. Diese Festlegung wäre ebenso echt, wie die Deklaration über den hi st ori scheu Zusammenhang unseres Volkes mit dem Lande Israel. Daß die Autorschaft des im Völkerbund verkörperten Weltfriedensgcdankens so selten an unseren Namen gekniip'' wird, wird an sich auf unsere Beziehung zum Völkerbund ein« Wirkung nicht ausüben. Gar manche ethische Idee, welche unser Volk mit feurigem Temperament der Welt übergeben hat, ist G e m e i n g u 1 geworden, ohne daß unser Aposteltum anerkannt wird. Bedenklich ist es nur, daß eine solche Erscheinung daran erinnert, wie weit wir noch immer von wirklicher Völkerverbrüderung entfernt sind. Wir müssen aber dessen eingedenk sein, daß die reine Idee der Völkerverbrüderung noch einer ganzen Aufeinanderfolge neuer Läuterungen und d entschiedenen Befreiung von all den künstlichen Zusätzen und Kommentaren bedarf, welche das Wirken traditioneller Machtsaktoren bald aus Gewohnheit, bald aus Nichtverständnis ihrer eigenen Interessen hinzngesellen möchten. Der Völkerbund ist vorläufig nur eine werdende Körperschaft und noch nicht die vollkommene Verwirklichung des Dölkevb'mdgedankens. Diese ist noch im Werden. Was er heute noch nicht erreicht hat, nämlich jenes Jesaia-Ideal, wird er im Verlause von Jahrzehnten erreichen, wenn von allen Seiten mitgeholfen wird. Man denke nur daran, wie sich die Sachlage ändern wird, wenn in allen Ländern die demokratischen Elemente stärker und einflußreicher wären. Kommen diese dann in immer größerer Zahl in den Apparat des Völkerbundes, so wird der ethische Gehalt der größten internationalen Schöpfung immer maßgebender werden. Es ist eine merkwürdige Erscheinung, die sch wiederholt im Völkerbund beobachtet habe: bei weitem'nicht immer siegen gerade die edelsten und reinsten Vorsätze und Gedanken. Immer aber wirken ihre Vertreter auf die Versammlung am stärksten. Wenn wir Juden uns die Frage vorlegen, was wir vom Völkerbunde zu erwarten haben, so dürfen wir zunächst diese Frage nicht engherzig stellen und uns nicht von Vorneherein darauf beschränken, feststellen zu wollen, ob wir unmittelbar bestimmte Vorteile vom Völkerbund für unsere Situation erzielen können. Wir müssen zunächst besten eingedenk sein, da wir als Teile der Menschheit an sich an einer moralischen und sozialen Hebnng und an einem ständigen Fortschritt der Menschheit ebenso wie die anderen interessiert sind. Wir müsten aber des weiteren in Betracht ziehen, daß alle unsere rechtlichen Ansprüche, sei —!*?*?•* wi'ffifflf. Seit 1. Nnnrr IM: 28 ZMPIähe in Wien, tLql.Nenausstelluimcn, zahlreiche Klubs in Gründung Cviekreqelsi tind Prospekte durch die Hofbillarvsabnk Seifert, Wien, V. es mit Bezug auf die Besserung unserer momentanen Situation, sei es mit Bezug auf die Schaffung einer historischen Heimstätte nur dann zu verwirklichen sind, wenn die allgemeinen Tendenzen der Menschheit in der.Richtung nach einem höheren Ideal gehen. Nur in den Zeiten, in denen von einem völligen Umbau der allgemeinen Verhältnisse die Rede sein kann, nur dann, wenn die Geists überhaupt über das tägliche Dasein hinauszuschauen vermögen, und an nationale oder soziale Gerechtigkeit zu denken beginnen, nur dann gelingt es, auch p unser' Recht aufs Dasein Verständnis zu finden. Es ist kein Zufall, daß sowohl die Idee weitgehender Minderheitsrechte als das Streben nach einem national-jüdischen Heim in den Jahren 1917 bis 1919 bei einer so großen Zahl von Politikern, Senkern und selbst Männern des praktischen Lebens Verständnis und Zustimmung gefunden haben. Ich zweifle sehr, ob wir Juden in normalen Zeiten ein so großes Interesse hätten erwecken können, wie es in dieser Epoche der Fall gewesen ist. Während wir damals eine Fülle von Svmpathiekundgebungen in Amerika, in England, in Frankreich und Italien, in großen Kreisen der zentraleuropäischen Länder und in auffälliger Weise in verschiedenen neutralen Ländern, wie Dänemark, Schweden, Schweiz gefunden haben, nehmen wir seit einiger Zeit einen Wandel wahr, müsten wir eine Abkühlung gegenüber unseren Forderungen auch dort konstatieren, wo man es kaum erwartet bätte. Umso wichtiger, umso entscheidender ist es für daS Schicksal unserer Zukunft, daß eine Instanz sich erhalten hat und noch ansgebaut wird, welche grundsätzlich noch immer dieselben Ideen der Gerechtigkeit auf ihre Fahne schreibt. Der B^erbund bleibt nach wie vor dasjenige Institut, welches die bekannten G sätze verficht, wie sie M klarsten im allgemeinen in den Forderungen des verstorbenen Präsidenten Wilson formuliert waren Daß von einzelnen Regierungen immer wieder Versuche gemacht werden, durch Kommentare diese Grundsätze zu umia^en. und durch verschiedene Kombinationen bei den Mschlußfass,ingen auch Er'olge erzielen, spricht gegen das Institut cllS solches ni^. den Wert des Völkerbundes einzuschötzen, darf man nicht einen Ver"' zwischen dem Ideal und den Leistung.» des Völkerbundes ziehen, sondern einen Vergleich zwischen den Errungenschaften des Völkerbundes auch in seiner jetzigen Form und der etwaigen Situation ohne dieses Institut. Das Judentum verlangt nur Jnnehaltung jener prinzipiellen Grundlage, auf die der Völkerbund für di« gesamte Menschheit sich gestellt hatte. Darin besteht unsere Stärke. Tatsache ist es. daß der Völkerbund fortwährend auf Probleme stößt, welchauch unser Schicksal zu regeln berufen sind. Im Pakt, der bei der Gründung des Völkerbundes als 17. Februar 1924 ~ Nr. 1798 'Verpflichtung für sämtliche Mitglieder festgesetzt ist befinden sich eigentlich tutt vier Momente, die sich auf. die Erhaltung des Friedens, auf die Beziehungen der Staaten gegeneinander, auf die Abrüstung und auf die Jnnehaltung der ge'chlostenen Verträge beziehen. Wohl über ein Dutzend Paragraphen beschäftigt sich mit den Garantien zur Vermeidung weiterer Kriege, mit dem Streben nach Abrüstung usw. Von Minderheitsrechten, die geschützt werden sollen, ist an sich in diesem Pakt kein Wort verzeichnet. Gleichwohl sah sich der Völkerbund schon von Anbeginn an veranlaßt, eure Sektion mit einem eigenen Sekretariat zu schaffen, welche mit den Fragen der Minderheitsrcchte sich zu befassen har und immer vergrößert werden muß. Hier beginnt bereits die Berührung mit der Judcnfrage auf Schritt und Tritt. Es ist unser Stolz, behaupten zu können, daß diese sogenannten Minderheitsrcchte, von denen man so oft hört und die für das Dasein von mindestens 80 Millionen Menschen von ent' cheidender Natur sind, überhaupt den Inden zu verdanken sind. Während der Friedenskonferenz sin-d es überhaupt nur die Juden gewesen, welche die Forderungen de» Minderheiten, und zwar sämtlicher Minderheiten, gegenüber jenem eigenartigen und sehr mächtigen Tribunal formuliert und vertreten haben. Wären die Juden im Sommer 1919 nicht mit ihren Memoranden und ihren unausgesetzten Unterhandlungen zur Sicherung der Mindcrheitsrechte gekommen, so ist es sehr wahrscheinlich, daß die betreffenden Klauseln weder in dem Vertrag von Versailles, noch in den weiteren ihre Festlegung gesunden hätten Es gibt bereits eine ganze Anzahl von wissensä-aftlichc'n Untersuchungen und persönlichen Berichten von Teilnehmern an der Friedenskonferenz in französischer und englischer Sprache, welche diofe Tatsache konstatieren müsten. Aus jener Zeit ist uns kein irgendwie bedeutsames Memorandum bekannt, das vor der Friedenskonferenz diese Forderungen vertreten hätte und nicht jüdischen Ursprungs gewesen wäre. DaS wichtigste Dokument, das ein bleibendes Denkmal der Kampfe des Judentums um sein Recht und seine nationale Existenz darstellt, bleibt sein denkwürdiges Memorandum, welches im Namen von zwölf Millionen Juden das Komitee der jüdischen Delegationen im Frühling 1919 der Friedenskonferenz überreicht hat Der Völkerbund wird aber unwillkürlich dazu gedrängt, innerhalb seines Apparats eine spezielle Instanz zu schaffen, nicht nur eine Svktion des Sekretariats, sondern eine verantwortliche Kommission aus Mitgliedern des Völkerbundes, die in ständiger Arbeit die Konflikte untersuchen soll, welche aus der Situation der Minderheiten sich ergeben. Denn bis jetzt obliegt diese Ausgabe, das heißt die Entscheidung über die Berechtigung oder Nichwerechtigunn einer Minderheitskla-ge, dem Völkerbundsrat selbst. Da nun die realen Vorgänge gezeigt haben daß der mit allsL Angelegenheiten beschäftigte und vielfach üoerbürdete Rat nur in beschränktem Maße dieser Aufgabe gerecht werden kann, so waren die Anhänger eines konsequenten und regelrechten Schuhes der Minderheiten aus die Idee gekommen, von dem Völkerbund die Schaffung der erwähnten Spezialkommission zu fordern. Während der dritten Vollversammlung, die im September 1922 in Gens tagte,( war diese- Problem dasjenige, welches Wochen hindurch in einer großen Kommission die Geister leidenschaftlich erhitzte und zugleich in aller Deutlichkeii zeigte, wie sehr noch heute auch im Rahmen des Instituts für Völkerverbrüderung und nationalen Frieden die alten Kampfmethoden noch nicht ausgemerzt sind. Es waren einige wirkliche Idealisten, wie M uvr a y. C e c i l, Nansen ü. a., welche mit aller Energie die neue Forderung vertraien. Infolge de'' star^n Gegnerscbast konnte aber aus den von Murray ausgestellten Schutzmaßnahmen nur ein einaeschränkies Kompromiß herausgeschält werden, was bei späteren Tagungen zu einer Fortsetzung der gleichen Bestrebungen führen wird. (Der Redner erörterte eine Reihe von Einzelsällcn, wo die vom Komitee der jüdischen Delegationen aufgeworfenen Probleme des Minderheitsrechtcs zu lebhaften Auseinandersetzungen im Völkerbund führten. Wir kommen auf diese interessanten Ausführungen geloIentlich noch zurück. Anm. der Red.) Von den Juden der ganzen Welt sind schon heute zirka acht Millionen an die Entwicklung des Völkerbundes gebunden. Weitere Millionen werden noch hinzukommen, sobald einige Staaten, die im Konzern des Völkerbundes noch fehlen, diesem Mai die Araberin. Bon R. Ben-Shem. Auf dem Wege von Jerusalem nach Dilb, hinter Moza, wo die Serpentinen sich zwischen Felsen, Weingärten und Olivenhainen schlängeln, wandelte an einem schönen Frühlingsmorgen eine heiße, Helle, belebende Sonne. Die Luft flimmerte, doch sie war trocken und trieb keine Schweißperlen aus die Stirnen der zwei jungen, kräftigen Gestalten, die froh und sorglos die Höhe emporstiegen. Ihre Gesichter waren frisch und braun. Eine weiße Kesijah (beduinisches Kopftuch) deckte den schwarzen Lockenkopf des Jungen. Braune, offene Hemden zierten die beweglichen Körper der beiden. Sie waren barfuß, die Schuhe hatten sie über den Rücken geworfen. Fröhliche Lieder, Marschlieder und monotone, arabisch klingende Arbeitslieder hatten sie auf dem Wege begleitet. Jetzt schwiegen sie. Der Ausstieg war steil. Sie faßten einander bei den Händen und leicht und schwungvoll trugen sie die jungen Beine. Ein Chaluz und eine Chaluzah. Da erblickten sie eine Gruppe. Auf einem steilen schmalen Pfad voll Geröll nnd Dorngestrüpp, der zwei Serpentinen verband, ritt auf einem kleinen, dürren Esel ein Araber. Seine Füße reichten fast zur Erde. Das Eselchen ging müde und keuchte. Immer wieder blieb es stehen. Ter geduldige Araber wartete ruhig und schweigend, dann stieß er ein unsanftes „Jallah! Jallah'" aus, das ein Fußtritt oder Stockschlag unterstützte, das ebenso geduldige, orientalische Eselchen setzte wieder seine langsamen, gemessenen, monotonen Schritte und der Körper des Arabers begann wieder ruhig hin und her zu schaukeln. Hinter ihm ging sein Weib, Leilah, groß und mager. Ihre Haltung war gerade und aufrecht. Ein großer, schwerer Sack lag aus ihrem Kops. Auf ihrem Rücken hing in puihu Tuch, dessen Ecken um die Stirn gebunden waren, eia Kind, Sie ging langsam und schweigend. Mit einer Hand unterstützte sie oft die Rückenlast, das im Tuche liegende Kind, die zweite hielt sie bei best Hüften, um sich das Gleichgewicht und die Haltung zu erleichtern. Jedesmal, wenn der Esel keuchend stehen blieb, hemmte sie ihren Schritt, harrte ruhig und geduldig. Kein Seufzer, kein Stöhnen. Fast automatisch schritt sie weiter, wenn des Esels Wille oder des Herrn Stock den Zug wieder in Bewegung setzte. Fester drückte der Junge die Hand des Mädchens. Sie waren so frisch, so fröhlich, so voll Liebe. Alles ringsum war schön und erhaben. Und dieses Bild der Sklaverei, des Elends, der Lieblosigkeit und Roheit! Er ließ des Mädchens Hand los nnd lief auf den Araber zu. Erschrocken hielt et den Esel an. Gespannt blieb das Weib stehen. In seinem schwer verständlichen Arabisch wollte der Junge dem Manne das Unrecht, das Verbrechen seinem Weibe gegenüber Norwegen. Er forderte ihn auf, vom Esel zu steigen und das schwerbeladene Weib seinen Platz einnehmen zu lasten. Beklommen stanp der Araber da. Die Frechheit und die Jugend des Europäers machten auf ihn Eindruck. Aber das orientalische, in Unterwürfigkeit und Ehrfurcht vor dem Manne erzogene Weib empörte sich. Sie überschüttete den Burschen mit zornigen Worten. „Es geht niemand an. was ich we. Ich würde den Esel auch nicht besteigen, wenn der Mann zu Fuß ginge. Hinter dem Esel meines Mannes ist mein Platz." Jetzt erst stimmte der Araber seiner besseren Hälfte bei mit F.üchen und Schimpfwörter! gegen den jungen, unerfahrenen, nun verblüfften Europäer. * Immer und immer wieder kamen die armen Araberfraucn des kleinen, elenden Dorfes Beth-Nakubah in dir weilen, nnbczäuntcn Flächen DilbL, um die abgcsallenen Oliven aufzu'esen. £''' stec'wn sie in ihre weiten Blusen und brachten sie den zu Hause faulenzenden Männern. Ost, wenn sie in der Ferne keinen Laut vernahmen, und sie sich ans den Fenstern der Kwuzahbaracke nicht beobachtet wähnten, schüttelten sie einige der Bäume, um die so notwendige LebenSfrucht in Fülle einheimsen zu können. Aber die Kwnzah, der die Fläche gehörte, war nicht gewillt, die Oliven ihrer Bäume in die Hütten Beth-Nakubahs übertragen zu lassen. Und eines Tages nahm man einige der Weiber fest und führte sie mit strenger Miene in die Baracken zum „Wakil" (arabischen Führer). Der Schrecken der Araber war groß. Von ihrem am Hügel gelegenen Dorfe sahen sie die Parade an. Alle stürzten zum Dorfesende und füllten die Luft mit Schreien, Lärmen und ohrenbetäubendem Geheul. Aus dem Dorfe wagten sie sich nicht hinaus. Und seit damals trauten sich auch die Araberinnen nicht, in den ungezännten Hainen Oliven zu sammeln. Die Abendluft streckte sich ans die matten Glieder des verschwindenden Tages und die Sterne schickten sich an, ihre Plätze am Himmel einznnehmen. Da erblickte der Kwnzah- Schomer eine geduckte Gestalt neben einem Olivenbaum. Leilah klaubte Oliven. Sie hörte ihn und erschrak. Ihr Gesicht wurde bleich. „Es tut nichts," sagte er zitternd. Sein junges, glühendes Auge und seine verlangenden Sinne halten plötzlich nicht die Diebin, sondern das Weib erblickt. „Es tut nichts," sagte er und streichelte ihren Arm. Sie stand unschlüssig nnd verzweifelt. „Wo sind die Oliven?" fragte er und haschte nach den in ihrem Busen verborgenen Oliven. Sie schob seine Hand weg. Aber die erhitzte Jugend schwieg nicht. „Kannst viele, viele Oliven nehmen!" sagte er und schob die Hand näher. Da machte sie einen Ruck nach rückwärts und ein Blick aus zwei schwarten, tieftn Augen traf ihn. Ein Blick voll Verachtung und Selbstbewußtsein. . Er erbebte. Eiligst bat er sic, zu gehen.