Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1797 (16.2.1924)
- Date
- 1924-02-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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.fclTW ..Wen, Samstag Drangsalierungen m der ganzen Welt m die Wagschale zu werfen. Der Vortrog des Dr. Löwenherz, der als Auftakt für Ne heute im Gewerbeverein stattfmdende Gründungsver^amm-!«ng, in der Oberrabbiner Dr. C h a j e - und Dr. Leo M o tzkin aus Paris über Völkerbund und Juden sprechen werden, anzusehen ist, übte auf die Arckveftnden einen starken Eindruck aus. Profeffor Nr. Faryuer Loch gestorben. Aus Rew-Aork kommt die Meldung vonr Wlc'ben deZ ivestberühmten Leiters ddr bwlogisckM Abteilung des Rockefttter-tJnstttulS für medizinisch: Forschungen, Doktor iJacques Loeb. Der Verstorbene touvde am 7. April 1859 in Berlin: geboren, tvo er sein-e Mittelschuft und UniversitätLftuidien absolvierte. Loeb setzte dann, seine Süvdicn in München mrd wurde im Jahre 1884 an der Straßburger Univer-- sitäi Zu.ni Doktor der Medizin promoviert. Nach Erlangung des Doktorats war Loeb zunächst als Assistent «des physiologischen Instituts der Universität Würzburg tätig, später 4n glercher^ Eigenschaft in Straßburg. Im Jahve 1690 folgte er einem Nus an die deutsche biologische S-LaÄon in Neapel und schon 1892 erhielt er eine Berufung an die Chicagoer Universität. 1902 wurde er Professor der Phhsiolog'.e an der University os California in San Francisco. 1910 folgte er dem ehrenvollen Ruf des Rockefttter-Jnsti- Luts, die Leitung der biologischen Abteilung dieser Anstalt M übernehmen. Professor Loeb hat eine lange Reihe berühmt gewovdemr wissenschaftlicher Werbe verfaßt, so unter anderem: ,Heliotrop!smus der Tiere". „Vergleichende Gchivnphysiologie", „Dynamik der Lebenserschoinungen", „Untersuchung über U-nMche Pathogeneft". Chemische Eutwicklungserregu-ng des tierischen Eies" und m-chren andere. Das eigentliche Spezialgebiet Professor Loebs bildete die experimentelle Biologie. Eine der größten Leistungen Jacques Loebs, die auch in Laienkreiftn aur ineifteit gewürdigt wurde, war seine Arbeit auf dem Gebiete der künstlichen Befruchtung tierischer Organismen. Durch sorgfältig durchgesAhrte Experimente konnte er Nachweisen, daß 'bei einer Anzahl von niedriger organisierten Scerieren die Befruchtung des weiblichen Eies auch ohne mäMiche Sarnen, lediglich durch Einwirkung von Salzlösungen und Injektionen möglich ist. Es gelang chm sogar auf solche Weift, lebendige Wesen zu erzeugen, die das Larvenstadium erreichten und eine Zeitlang die normalen Lebensfunktionen auftviesen. Nach Abschluß dieser Experintente weilte Jacques Loeh in Europa und hielt über Einladung wissenschaftlicher Kreise m mehreren europäischen Städten Vorträge über sein Spezialgebiet. Damals hieß es auch, daß Professor Loeb eine Bem-- sung an die Budapesier Universitär erhalten sollte und daß die Verhandlungen an der Tatsache scheiterten, daß Jacques Loeb Jude war und seinen Glauben auch um den Preis svner Budapester Professur nicht zu wechseln genest war. Professor Jacques Loeb war ein überzeugungsireuer Jude und hat im jüdischen Leben Amerikas eine nicht unbedeu-- Rolle gespielt. In Amerika rechnete man mit Bestimmtheit damit, daß Professor Loeb, der mit Professor Einstein während dessen Anwesenheit in Amerika die Frage der hebräischen Universität eingehend besprochen hatte, eine Lehrkanzel an dieser Universität übernehmen werde. Die «fttben on den polnischen Hochschulen. Aus Warschau schreibt der dortige I. T. A.-Veräreter: Im polnischen Sejm lhat der Untervichtsminister Miklaszewskr bekanntlich vor kurzem Angaben über di« Zahl der Juden an den politischen Hochschulen gemacht. Die Ziffern wurden bereits in der Sitzung von den jüdischen Vertretern als ungenau bezeichnet. Nun liegen aus zuverlässiger Quelle die genauen statistischen Daten über den Anteil der Juden au der Studentenschaft der Hochschulen Polens vor: An der Universität zu Krakau sind 5256 Studenten 'ittfftÄtt, darunter 1696 Juden (32,3 Prozent); in Lemberg 6016. Studierende, darunter 2643 Juden (33,78 Prozent); in Warschau 8842 Studierende, darunter 2807 Juden (31,7 Prozent); in P o s c n 3330 Studierende, darunter 22 I u d e n (0,7 Prozent). Warschauer Polytechnikum 4322 Studierenve, 637 Iuden (14,7 Prozent); LembergerPolyt e ch n i k u m 2454 Studierende, 329 Juden (13,4 Prozent); Krakauer Bergakademie 120 Studierende, kein Jude; Tierärztliche Hochschule 294 Studierende, 39 Juden (13,28 Prozent); Krakauer Kunstakademie 150 Studierende, 8 I u den (5,3 Prozent); landwirtschaftliche Hochschule 929 'Studierende, 2 Juden; Warschauer Pädagogium 135 Studierende, 3 Juden; W a r s ch a n e r zahnärztliche Hochschule 304 Studierende, 139 Juden (45,7 Prozent). Ae Aursrabnngen in fingoe. @m Beschluß kt ägyptischen Regierung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 15. Februar. Aus Kairo wird gemeldet: Die ägyptische Regierung hat beschlossen, die Fortsetzung der Ausgrabungsarbeiten in den Pharaonengräbern dem Departement für Ausgrabungen im Ministerium des Innern zu übertragen. Die Zugänge zu den Gräbern werden gegenwärtig von starken ägyptischen Polizeiabteilungen bewacht. Die Blätter melden, daß künftighin die Ausgrabungen $« ägyptischen Händen bleiben werden. Wiener äft0tgt«t§tfittit& 16. Februar 1924 Seite« Ae Gehetzten. Von der Mischen Wondmmg. Das Direktorium der Bereinigten Emigration s k o m i t e e s hat dieser Tage in Berlin unter beut Borsitz des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Klee eine Tagung abgehalten. An der Sitzung nahmen unter anderem die Herren Dr. S. T i m k i n, Dr. B r u tz k u s, Dr> Nathan, Wladimir Temkin und Dr. Kreinin teil. Wie der Berliner I. T. A.-Bertreter mitteilt, wurde der Beschluß gefaßt, eine besondere Kommission einzusetzen, die zusammen mit dem Direktorium die für den Sommer dieses Jahres geplante Einberuf ung einer allweltlichen Emigratiorrskonse renz vordere iten soll. Zu dieser Kommission sollen unter anderem insbesondere Vertreter der Gesellschaften „Ort" und „Oft" sowie der Palästina-Aemter hmzugezogen werden. Der Ort der Einigrationskonftrenz 'soll noch bestimmt tverden. In erster Linie kommt Berlin in Frage. 1WV russische Flüchtlinge ohne Landungs- Hafen. Der Gvuverneur von Saloniki, General Lambros, erhielt ein Telegramm aus Konstantinopel, das; ein Dampfer mit 1000 russischen Flüchtlingen aus Now t f|r?# der inKoi st rntinopeliiichtlanden durste, sich aus dem Wege nach Saloniki befindet. General Lambros telegraphierte an die Athener Regierung, er sei aus Mangel an Wohnungen nicht in der Lage, die Ausschiffung im Salonikker Hafen zu gestatten. Das Schiff wurde dann nach Athen dirigiert, wo aber die Landung ebenfalls ungewiß ist. Die meisten dieser Flüchtlinge sind Juden. (I.T.A.) Die Einwanderung nach Amerika. Eine statistische Ausstellung des amerikanischen Einwanderungssekretärs. Nach einer vorn Sekretär des Arbeitsdepartements, James I. Davis, in einet» „Ein Jahrhundert der Einwandernng" überfchriebenen Aussatz der Jännernummer der von dem Arbeitsdeparteruent der Bereinigten Staaken herausgegebenen „Monthly Labour Reviem" gemachten Aufstellung, machen sich die jüdischen Einwanderer in den Vereinigten Staaten am meisten seßhaft. Während der 16jährigen Periode von 1908 bis 1923 find 9,949.740 Einwanderer ins Land gekommen; in 8er gleichen Zeit-» Periode haben 3,498.185 Personen die Vereinigte» Staaten verlassen. „Mehr als die Angehörigen aller anderen Rassen", sagt Sekretär Davis, „zeigen die Juden die Tendenz, Amerika zu dauerndem Aufenthalt zu wählen. Nur 5 Prozent von den eingewanderten Juden v e x? ließen das Land wieder. Die Chinesen dagegen stellen das andere Extrem dar: von ihnen sind in der genannten Zeit 10.914 Personen mehr ausals eingewandert." Während dieser 16jahrigen Periode wanderten 958.642 Juden ein, 52.034 Juden verließen das Land wieder. Die Zunahme beträgt also 906.608. Die nächst»iedrigsts Auswandererzahl stellen die Iren mit 432.668 Einwanderern und 46.211 Auswanderern, gleich 11 Prozent. Die Austvanderung der Walliser betrug 13 Prozent der Eingcwanderten, die der Deutschen 18 Prozent, der Franzosen 21 Prozent, der Engländer 21 Prozent und der Skandinatz»ier 22 Prozent. , Nach dem Bericht betrug die Zahl der in den 25 Jahren (1899 bis 1923) nach den Vereinigten Staaten Eingewandevten 16,929.187, von denen 1,787.866 ober 10,6 Prozent Juden waren. Die größte V o l k s.g r u p p e, die in diesen 25 Jahren nach den Vereinigte» Staaten kam, waren die Italiener mit einer Zahl von 3,761.777 oder 22 Prozent. Die Deutschen stellen die dritthöchste Zahl mit 1,220.987 Einwanderern oder 7,2 Prozent. Die größte jüdische Einivanderung während dieser Periode fand im Jahre 1906 statt. In diesem Jahre erreichte die jüdische Einwanderung die Zahl 153.748. Die niedrigste Einwanderungszifftr weist das Jahr 1919 mit der Zahl von 3055 auf. Die Gesamtzahl der an der Grenze zurückgewiesenen und deportierten Juden war 27.124 oder 1,56 Prozent der Zugelassenen. Bon diesen wurde 21.119 die Zulassung teils ans ärztlichen, teils aus moralischen Gründen verweigert. Laut den Mitteilungen aus europäischen Häfen, weilen infolge der Erledigung der russischen Quote für dieses Jahr au verschiedenen Plätzen etwa 3000 jüdische Immigranten. Mehrere unter ihnen waren schon in Ellis Island und sind von dort wieder nach den Ausgangshäfen zurückgeftndet worden. (I. T. A.) Znsnlto ohne Alkohol. Eine englische Erfindung. (Eigendienst Lee „Wiener Morgenzeitung") London, 15. Februar. Ein Forscher' im Middlesex-Spital hat eine Methode erfunden, nach welcher Insulin, das neue Heilmittel gegen die Zuckerkrankheit, ohne Verwendung von Alkohol gewonnen werden kann. Diese soll eine wesentliche Verbilligung der Herstellung und die Möglichkeit einer Verbesserung des Mittels bedeuten. Feuer ln Maegerszeg. Das Internierungslager beschädigt. Budapest, 16. Februar. Heule vormittags ist eine Baracke ves Internierungslagers in Zalaegerszeg >n Brand geraten. Im herrschenden Sturm fielen einige Funken auf die Des-infizierualgsanlage des Lagers, die vollständig me-> dergebrannt ist. Auch zwei Baracken wurden vom Feuer ergriffen. Die eine Baracke ronniL, nachdem das Dach abgebrannt war. gerettet werden. Um 7 Uhr tont das Feuer vollständig gelöscht. töne weibliche Räuberbande in Amerika. Aus Berlin wird ures Zemelhei: Nach einem NowDorker Telegramm des „Berliner Tageblatt" ist die neueste Sensation auf dem Gebiete des Verbrechens die Aufdeckung einer weiblichen Räuberbande, die sich die „TiLuskopf-Banditen" nennt. Der Bande gehört eine Anzahl von Frauen an, die an Raub- Überfällen, Einbrüchen und Schießereien ierlnehmen. Sir haben schon zu verstehen gegeben, daß sie sich aus die künftigen Versuche der Polizei, ihrer habhaft zu werden, außerordentlich freuen, und richten boshafte Briest an die Deteft tttzs, die ihre Spuren verfolgen. Die Uebeliaten der Bande machen in der OsfftnLlichkeii das größte Aufsehen, Srvloston in einem rumänischen Fort. Bukarest, 15. Februar. Im Ford Rudi nie, das der Phorochemiischen Gesellschaft gehört, hat sich eine große Explosion ereignet. Pier Frauen und zwei Soldaten wurden getötet. Der Generalsekretär im Kriegs- Ministerium, General Mn nennen, ist an der Unglücksstellc eingetroften. Meten in Dalmatien. Rom, 15. Februar. In Zara wurde gestern um 11 Uhr abends neuerlich ein starker Erdstoß verspürt. Der Schaden ist gering. In den letzten dreißig Tagen wurden in Zara vierzig Erdstöße gezählt) ' Erdbeben im Mürztal. Am letzten Mittwoch wurde um 8 Uhr 55 Minuten vormittags einziemlich kräftiges E r dbeben im Mürztal verspürt, das auch die Seismographen der Zeniralanstalt für Meieorologie in Wien' sehr deutlich registriert haben. Das Beben dürfte nicht nur iu der Steiermark, sondern auch im südlichen Niederöstierr-eich gefühlt worden senl. Die Direktion dieses wissenschaftlichen Jnftituw's. richtet neuerdings die drrugende Bitte an alle Freunde ' -.t crd.bcbenkttndlichen Erforschung unseres Hrimatlandev. Be- „Pvrtofrei über amtliche Anfftrdcrur'ch' y-:. jy. i .'i',!. B-Hede Wart«, ehestens ein'ui.'u'.r... Bor dem Mftteft der Bankbeamten. Gestern vormittags wurde in der Anglobank, der Depositenbank, der Benkehrsbank und dsr Unionbank von den Betriebsräten das von uns bereits Mittwoch angekündigte Ultimatum der Angestellten bezüglich des Kollektivvertrages für das Jahr 1924 überreicht. Im Ultimatum wird darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen zwischen dem Bankenverband und dem Reichsderein der Bankbeamten wegen Abschlusses eines Kollektivvertrages für 1921 ergebnislos verliefen, weshalb an die Institute die Forderung gestellt wird, bis Montag früh, 8 Uhr, die Wünsche der Augestcllteu zu beftiedigen, beziehungsweise eine zustimnrende Antwort zu erteilen. Im Falle einer Ablehnung oder einer Verzögerung der Antwort, lehnt der Betrisbsrat jede Verantwortung für die Konsequenzen ab. Da, wie verlautet, di« Großbanken sich ablehnend verhalten, wird der Streik in den vier genannten Banken allem Anschein nach Montag ausbrechen, wenn nicht in letzter Stunde eine Intervention durch den Bürgermeister oder den Finanzmmister erfolgt. Heute um 2 Uhr finden i« der Dolkshall« -des Rathauses und vor demselben Massenversammlungen statt, zu denen die Bankangestellten korporativ, nach den Unternehmungen geordnet, erscheinen werden. In diesen Versammlungen wird einen großen Teil des Referates die B e° sprechu-ng der Syndikatsgewinne der Bankdircktoren emnehmen, da die Angestellten bchaupte», daß eine Verringerung dieser Gewmm die Bewilligung der Forderungen ohneweiters nach sich ziehen würde. Die Bankbeamten der Provinz haben sich. mit ihren Wiener Kollegen solidarisch erklärt. Der Hauptstveitpnukt ist die Frage der Zweiteilung der Kassa st unden. Die Banken erklären, daß es sich hierbei nur um die Wiederherstellung des Vorkrregszustandes handle. Die Angestellten behaupten, daß dies« Zweiteilung zu einer Belastung der Beamtenschaft und zu einer verlängerten Arbeitszeit führe, und hoffen, durch den Streik in einigen Großbanken einen genügenden Druck auf die Unternehmer ausüben -zu können. Der Ueberstundenstreik macht sich bereits vor allem in der N a t i o n a l b a n k und im Girou nd K a s s e n v e re i n stark fühlbar. Die Angestellten beabsichtigen, die Nationalbank aus dem etwa kommenden Streik vorläufig au szu sch a lten, um das Wirtschaftsleben nickzu sehr zu besinflusse». Neue Verhandlungen. Der Bankeuverband hat gestern abends auf das Mi» inatum mit einem Schreiben an den Reichsvevein der Lanrbeamten und den Bund der Bankgehilfen geantwortet, worin er unter dem Hinweis darauf, daß die beiden Verbände die Verhandlungen abgebrochen hätten, zur Aufnahme von neus» Verhandlungen die Einsetzung eines engeren Komitees v o r s ch l ä g t, in welches jed- Partei, und zwar der Reichsverein und der Bund zusammen einerseits und der Bankenverband andererseits, je fünf Mitglieder entsenden soll. Der Zusammentritt dieses engeren Komitees sott heut e unr 10 Uhr vormittags im Sitzungssaalc di'" Wiener Girr- und KassendrromZ c^chc".