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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-16 · Heft 1797 (16.2.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1797 (16.2.1924)
Date
1924-02-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener MoraerrzeltnriA. le. Mvruar 1^4 SCv# Xlifii Aus dem Hakenlreuzsumpf. Ile Fmergkocke als Signal m llndenanrschreilnngen. — Ane merlwlirdige Anklagerede. - Ile Angeklagten aus freien Fuh gesetzt. beite S Wien. GamStag Leo MoMn. Seit einigen Tagen weilt Leo Motzkin, der Generalsekretär des Parker Comite des Delegations juiveS, in Wien, um hier die Vorbereitungen für die Gründung einer jüdischen Vvlkerbundliga zu treten. Diese Verarbeiten hatten, dank der Initiative des durch Motzkin vertretenen Komitees der jüdischen Delegationen und der Mitarbeit bedeutender Peuönlichkei en de: Wiener Judcnschast, vollen Erfolg, so daß bereits heute abends im Festsaale des Ge,verbevereins. 1. Be',., Eschenbnchgassse 11, die konstituierende Versammlung stattsinden wird. In dieser hält Obcrrabbiner Dr. Chajes die Einleitungsrede, das Referat wird von Leo Motzkin e stattet. Leo Mohkin ist seit langer Zeit ser zählt je)t 67 Jahre) in der jüdischen Bewegung hervorragend tätig. In Rußland gebürtig, kam er in früher Jugend nach Deutschland und begründete im Jahre 1889 zusammen mit N. Syrkin und Tr. Lurje den ersten iüd'ich-nationalen Studentenverein (Verein russisch-jüdischer Studenten) in Berlin. Aus den Reihen die er Studenten gingen dann die bedeutendsten zionistischen Führer des osteuropäischen Judentums, unter ihnen Schmarjahu Lewin, Tschlenow, Dr. Eh enpreis, Dr. Thon u. v. a., hervor. Schon damals hat Motzkin eine sehr erfolgre'che publizistische und propagandistische Tätigkeit für den Gedanken der jüdischen Wiedergeburt in Palästina entfaltet. Nach dem Auftreten Herzls schloß er sich dem politischen Zionismus an. Vor dem zweiten Kongreß (1898) wurde Motzkin mit der Mission betraut, den Zustand der jüdischen Kolonisation in Palästina zu studieren, worüber er auch dem Kongreß einen eingehenden Bericht erstattete. Seit dieser Zeit steht Motzkin in der zionistischen Bewegung in erster Reihe. Dem Aktionskomitee gehört er seit 1911 an. Er gehörte auch zu den aktivsten Mitgliedern, der seinerzeit von Dr. Chaim Weizmann begründeten demokratischen Fraktion, deren Programm er ausarbeitete. Eine bedeutende Rolle fiel Motzkin während des letzten Krieges zu. Als Leiter des Zionistischen ÄureauS in Kopenha gen hatte er ein besonderes Verdienst um die Ausrechtcrhaltung der Organisation. In Schweden organisierte er auch eine großzügige Hilfsaktion für die notleidende Judenschaft in den kriegsbedrohten Gebieten. Er wurde auch mit den Vorarbeiten für den Friedenskongreß betraut und gab eine Schrift „Die Judenfrage der Gegenwart" heraus, in der er ein ungemein zahlreiches Aktenmaterial zur Judenfrage und ihren Problemen, die auf dem Friedenskongreß aufgerollt werden sollten, veröffentlichte. Nach Kriegsschluß wurde er zum Generalsekretär des von Vertretern der Nationalräte sämtlicher Judenschaften Osteuropas gebildeten Comites des Delegations juives bestellt und hat als solcher unvergängliche Verdienste bei der Behandlung der Judenfrage auf dem letztenFriedenskongreß erworben. Als Generalsekretär des Comite des Delegationjuives hat Herr Motzkin auch während der Tagungen des Völkerbundes in vielen Fallen die Judenfrage in den osteuropäischen Ländern aufgerollt und im jüdischen Interesse interveniert. Zu erwähnen ist, daß es seinen Interventionen gelungen ist, für die M e m e l e r Judenschast die Gleichberechtigung, zu erlangen wie auch zur Klarstellung der Minoritätenfrage in Lettland und Litauen beizutragen. Im Jahre 1921 ist über Initiative Motzkins di« erste jüdische Welthilfskonferenz, deren Präsident er ist, einberufen worden, und dank seinen Bemühungen wurde die Koordinierung sämtlicher jüdischer Hilfsorganisationen zustande gebracht. Außer der zionistischen, hat Motzkin auch eine sehr rege publizistische Tätigkeit entfaltet. Zu seinen bedeutendsten Werken zählt das vor kurzem neu erschienene zweibändige Werk über die Judenpogrome in Rußland, in dem Motzkin in ungemein sachlicher Weise die Geschichte der jüdischen Pogrome in Rußland seit den achtziger Jahren bis zum Kischinewer Pogrom dargestellt hat. Motzkins unermüdliche Arbeit für das Judentum stellt ihn in die vorderste Reihe der Männer, denen der Dank des jüdischen Volkes gebührt. . Vertrauensvotum für Palmare. (Eigendienst vcr „Wiener Morgenzeitung".) Paris, 15. Februar. Die Kammer hat in ihrer heutigen Sitzung über Verlangen des Ministerpräsidenten und des Finanz Ministers, die die Vertrauensfrage stellten, mit 330 gegen 242 Stimmen den Abänderungsantrag Bonnefous abgelehnt, wonach 80 Millionen Titres zu. 50 Franken begeben werden sollen, die binnen 20 Jahren zum Nominalbetrag zu tilgen wären, wobei die Verzinsung durch Prämien von 500 bis 100.000 Frauken ersetzt würde. Ministerpräsident P 0 i n ca r e erklärte, es handle sich nicht darum, eine Frage des Staatsschatzes zu regeln, sondern in Zukunft das Gleichgewicht des Budgets der von Deutschland zurückzuerstattenden Ausgaben durch Deckung der ständigen Budgetausgaben mittels st a n d iger Einnahmsquellen zu sichern. Die Kammer verwarf ferner mit 372 gegen 195 ©tim* men über Verlangen' der Regierung den Abänderungsantrag Uhry, wonach die Geschäftsleute und Industriellen zur Anmeldung ausländischer Devisen verpflichtet sein sollen, und mit 405 gegen 105 Stimmen den Abändevungsantrag Aubriot, der eine außerordentliche und progressive Besteuerung in der Form, der Abführung.des Einkommens von einem oder mehreren Arbeitstagen je nach der Größe des Einkommens vorsieht. Deputierter Castel (soz.-rad.) begründetsodann einen Abänderungsantrag aus Einführung einer Ver- Aus Berlin berichtet I. T. A.: Bor der Strafkammer zu N 0 senbcrg send vor kurzen: die Verhandlung gegen 16 Personen statt, die an den bekannten Jndenausschreit u n g e n am 8. November vorigen Jahves in Fre y st u b t teilgencnnmen haben. Die Beweisaufnahme ergab, baß um die sechste Abendstunde des genannten TageS plötzlich die Feuerglocke in Freystadt läutete und im Nu eine nng-heure Menschenmenge zusammenströmte, unter der sich auch die Angeklagten befarw.m. Den Anfang machte die Menge bei dem Lkoufmann Markowski, wo die Echmifenstcr emgeschlagrn und der an den Hof angrenzende Warenspelcber mn Miliiarröcke, Stiefel nsw. beraubt wurde. Aus der Menge tönten h'n und wieder die Ruse wie: „Heraus mit den Juden!" und dergleichen. Durch den Tumult in Aufreanng versetzt, hat der jüdische Kaufmann Schier aus einen: Fenster des Dachgeschosses se-nes Wohnhauses zwei Schreckschüsse abgefeuerl. Das steigerte die Wut der Tumultanten und nun zertrümmerten sie die Tür des Schierschrn Hauses, nachdem sie vorher das Schaufenster zerschlagen hatten. Oberstaatsanwalt T r i n t kam in seinem Plaidoyer zu dem Schluß: Um eine antisemitische Hetze, ähnlich den Pogromen russischer Art, handle es sich nicht. Die Not der Zeit und die persönliche Not der Angeklagten, die durch wuck)erische Gebaren «cmfoereizt worden feien, haben den Aufruhr entfesselt. Daß es sich hierbei um jüdische Kausteute handle, sei zufällig, toeil eben das Gros der Freystädier Geschäftswelt in diesem Falle Inden seien und solche waren, von denen in der Bevölkerung Wucher behauptet würde. Den fünf Angeklagten, die während des Tumults einige Stellen aus dem Ehrhardt-Lied sangen, sei zu glauben, daß sie es nicht taten, um aufreizend zu wirken. Mit scharfen Worten wandte sich der Oberstaatsanwalt sodann gegen die Schüsse des Juden Schier. Der Gerichtshof erkannte nach einhalbstündiger Beratung gegen die Angeklagten Klawon, Bogdcm, Grabowski und Tischmann auf die Mindeststrafe von je «einem Jahr Gefängnis, gegen' Bieber, Kaiser, Liedtk«, Kle'st, Kolbe, Lubrncru, Prange und Roßbach lautete das Urteil auf die Mindeststrafe von je drei Monaten. Sämtlichen Angeklagten, soweit sie verurteilt worden waren, wurde Strafaussetzung mit «einer Bewährungsfrist von drei Jahren zugebilligt, so daß sie straflos bleiben, sobald ihnen innerhalb dieser Zeit kein neues Verbrechen nachgewiesen werden kann.' Ritualmordhetze in Patzer«. München, 18t Februar. (I. T. A.) Die feit kurzem in München erscheinende neue nationalsozialistische Tageszeitung „Völkischer Äutfter" versucht in ihren letzten Nummern, die in Deutschland bislang ungewöhnlich geivesene Rilualmordhetze neu aufzuwärmen. In ihrer Nummer vom 8. d. bringt die Zeitung eine Schilderung über „Das jüdische Blutritual", in welchem gesagt wird, der Jude sei fest überzeugt, ohne den Genuß des Blutes seiner Wirtsvölker bei diesen sich nicht behaupten, geschweige denn sie restlas aussaugen zu können. Die Zeitung gibt di« folgende Schilderung eines ihrer „wissenschaftlichen" Mitarbeiter: „Bezüglich des Rituales fei hier nur bemerkt, daß es öuf jede Weise geheim gehalten und nur jeweils der geeignetste Sohn vom Familienoberhaupt eingeweiht werden soll, daß als Opfer tunlichst jugendliche Personen männlichen Geschlechts vor Eintritt der Pubertät gesucht, daß diese zunächst' langen, qualvollen Martern, zum Beispiel durch Aufhängen an den Bäumen oder durch Kreuzigen, auSgesetzt werden, worauf ihnen das Blut durch Oeffnen der Arterien an verschiedenen Körperteilen biS auf den letzten Tropfen Finanzminister de Lasteyrie verlangte die Abtrennung «des Entwurfes, da er nicht genügend erwogen sei, und stellte die Vertrauensfrage. Die Abtrennung wurde hievcmf mit 353 gegen 201 Stimmen angenommen. Frankreich» Gelbbuch. Kein Einspruch Englands. London, 16. Februar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung.") Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" benachrichtigte Mac Donald P 0 i n c a r e, die englische Regierung habe gegen die Veröffentlichung des neuen französischen Gelbbuches über Frankreichs Sicherheit nichts einzuwenden. Poincare, der in dem Gelbbuch einen Ueberblick über sämtliche Etappen dieser Frage während der Friedenskonferenz zu geben beabsichtigt, hält das Buch, in dem die französische Politik sehr gut verteidigt werde, für ein erstklassiges politisches Dokument. Sine Anschuldigung gegen Harbins. Der Verkauf des „Marion Star". Washington, 15. Februar. (Tel. der „Wiener Moigenzeitung".) Der New-Dork^r Bankier van der Lipp ist vor die Unkrs-uchmlgskvmm'lffion des Senats berufen worden» weil er seinerzeit dem früheren Präsidenten Harding di« Zeitung „M a r i 0 n S t a r" für 10 0.0 00 Dollar abgekauft hat. Diese Summ« wird als v i e l z u h 0 ch angegeben, und man fragt sich,' ob Nicht auchHarding in irgend welche unlautere Manöver verwickelt gei Wesen sein könnte. entzogen wird, daß ferner dieses Blltt. das in den Synagogen und auch von herumreiscuden Inden um schweres Geld verkauft wird. zur. Beimischung in die ungesäuerten Brote, zum Besprengen der Speisen, znm Bestreuen der Wunde bei der Bcschnoidnng, zur Würzung deS EieS, das die hebräischen Brautleute bei der Trauung verehren, zur Heilung von Krankheiten, zur Beschwörung Verstorbener bei yestattunaen usw. gebraucht wird, daß also Wohl der gesamte hebräische Kult von diesem Bli^ritual durchsetzt ist, im Blutgchermnis ausgeb:. Hierbei stehen das Purim- und da- Passahfcst au erster Stelle. Dieser llnlstand erklärt auch Wohl zum Teil das spurlose Verschwinden so vieler Kinder gerade um die Zeit der jüdischen Ostern. Bemerkt sei noch, daß dieses Opferblut nur «auf die Dauer von sieben Jahren als wirksam erachtet wird, weshalb in dieser Frist der rituelle Blutgenuß zu erneuern ist. Grund genug, die Juden nicht nur auszuweisen, sondern sie angesich's ihres feit Jahrtausenden verübten rituellen Vampirtums vor unerhörter und unüberbietbarer Scheußlichkeit aus der Menschheit auszuschließen? Diesen Artikel versieht die Rodaktion mit der folgenden Bemerkung: „Mr kennen den Verfasser als einen.Maim, der eigene, aber sorgfältig überprüfte Wege geht. Mit den Einzelheiten der Abhandlung können wir uns nicht restlos (sic!) einverstanden erklären, besonders nicht mit dem Schlußsatz. Im übrigen hoffen wir, daß die Abhandlung unseres Mitarbeiters zu einem fruchtbaren Gedankenaustausch über, die bmrkl» Frage des Ritualmordes führt." Ae LrganiMon Konsul. Berlin, 16. Februar. (I. T. A.) Das Ermiltlungsverfahren gegen die Organisation Consul, da's im Berlau.se der Voruntersuchung im Rathenau-Prozcß gegen zahlreich? Mitglieder dieser Bewegung eingeleitet worden war, ist nach mehr als einjähriger Tauer zu seinem Abschluß gekommen. Aiwenblicklich schweben Erwägungen darüber, ob der Fall dem Staatsgerichtshof überwiesen oder au die ordentlichen Gerichte abgegeben werden, soll. Nach Entscheidung dieser Frage dürfte dann gegen di« 40 Beteiligten die Anklage wegen Geheimbö«- de!ei schoben werden. Sie Wiener Roßbach-Nruvve angeblich aufgelost. Die „Wiener Nachrichten" melden: Der Leiter des „Vaterländischen Schutzbundes", der Kampforganisation der österreichischen Nationalisten, Oberleutnant Schale!, ist von der Leitung dieser Organisation zurückge treten. Die Gruppe „Roßbach", welche bei verschiedenen Anlässen von sich reden gemacht hat, in letzter Zeit aber bei der eigenen Partei in Verruf geraten war, hat sich auf- Sberst Bauer — militärischer Instruktor für Wim. Wie wir erfahren, wird Oberst Bauer, der sich trotz steckbrieflicher Verfolgung durch die deutschen Behörden Wege» Beteiligung am Kapp-Pütsch unbehelligt hier aufhallen und so an der vöMschen Bewegung Mitarbeiten konnte, in nächster Zeit Wien verlassen. Ihm nahestehende Freunde teilen mit, daß er von der chinesischen Regierung mit einem Monatsgehalt von 8V0V Dollar zum militärische- Experten berufen worden sei. Kein englisch-deutscher ssnrbftossMomme«. London, 15. Februar. Der Plan eines Abkommens zwischen der englischen und deutschen Farbstoffindustrie ist gescheitert. Ae SnWatiichnng der deutschen Reichsbahn. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 15. Februar. In einem Erlasse an di« Beamten, Angestellten und Arbeiter der deutschen Reichsbahn gibt der Verkehrsmini st er bekannt, daß die Reichsbahn von heute ab ein selbständiges Unternehmen ist. Die Geschäfte des Unterm>hmens werden bis aus weiteres unter Aufsicht und Leitung «des ReichisverkehrsMinisters geführt. Nach einer offiziös n Mitteilung bereitet der Reichsverkehrsminister eine weitgehende Dezentralisation in denjenigen Ve.waltungszweigen vor. die dazu geeignet sind. Von Bayern wird das bayrische Rc': selbst verwaltet werden. Dieses Entgegenkommen an Bayern hat die preußische Regierung zu der Ekrlärung veranlaßt, daß sie für Preußen dieselben Rechte in Anspruch nehmen wolle. Ae Unrnheu in Pirmasens. Pirmasens, 15. Februar. (Wolfs.) Die Zahl der bei dem Blutbad nms Leben gekommenen Personen wirb auf 20 geschätzt. Taru-nter befinden sich 16 Separatisten und 4 Zivilpersonen. Ein Teil der noch hier anwesenden Separatisten wurde gestern abends unter französi« scher Bedeckung in Automobilen aus der Stad fördert. Ein weiterer Teil befinde sich noch bei d'

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