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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-16 · Heft 1797 (16.2.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1797 (16.2.1924)
Date
1924-02-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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ßSzeTnrnnmer K1200 Wien: Zum Abholen in der Expedition, n„ Tabor str. 1-S, oder in einer Verschleißteile (Trafikl monati, K 85.000 Strassenverkauf in Wien därch die Kolporteure der Firma Go!d«chmiedt,I.Bez„ Wolizeile 11. Mit Poshrersand fSr Wien n. Oestenr. monati. K 35.000 Wiener PoTen:poln.m 200-000 Italien: Monati. 12 Lire, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz and das übrige Aasland monatlich Fres. 4 Redaktion n. Administration Wien, n.,Taborstrassel—3 Tschecho-Slowakei: Mon. K 18. logoslawien: Mon. Dinar 60. Pole n: Mon. Ssterreich. Kronen 30.000, Dentschl.: Mon. Goldmark 4.—, Frankr., Belgien: Mon. Fres. 12 DSU" N• «k*«hI■ ■ jr• a "W»D bei Prci«orbobnR]TM «•rbehaUm WIM Telephonat 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds. 19-483,25-282 Tel- Adr.:„Morganzaitang“ Wien KU Oesterreiehisches Postspar* kasaen- Konto Nr. 150.693 mmmmmmammmmmma» Rr. 1797 Wies. Cmsjtng, 16. Februar 1924 6. Zahraaug Las krgebnis der Sachverftöndigen. Re«« Seh«tel der Steuer« tragen die Smlte« BevölkemngsWchte«. — bin ««erklärlich hoher Heererbndget. — Wiederaufnahme der MilitärfonttoHe? (Eigendieust der „Wiener Rorzei^eit«»^.) "'M Paris, 16. Februar. Die Experten der Sachverständigenkommission, die aus Berlin nach Paris zurückgekehrt sind, haben bisher öffentlich keinerlei Erklärungen über ihre Tätigkeit abgegeben. Auch offizielle Kreise hüllen sich in Stillschweigen. Nichtsdestoweniger ist Ihr Korrespondent in der Lage, aus französischer Quelle einige Angaben über die wichtigsten Ergebnisse der Erhebungen der Sachverständigen z« machen. Einen Hauptpunkt findet die Jeststellnng, daß neun Zehntel des gesamt»« deutschen StenerertragnisseS von den Srnben Bevölkerungsschichten getragen werden, während der Mittelstand und die reiche» Klassen kaum ein Zehntel der gesamte« Steuerlast bestreite«. Namentlich die Großindustrie und in erster Lkrie die metallurgischen Betriebe zahle« sosusage» gar keine Stenern. Sine andere Tatsache, welche ebenfalls die englische« und amerikanische» Experte« sehr Axrrascht hat, ist die Höhe der Die Gesamtheit der HlnSgaben, die dad Deutsche Reich zurzeit für sekie TrnpPen vorficht, repräseutievt, i« Dollar ««gerechnet, eine« > hichemn Betrag, cklS das gesamte französische ' MilitSÄudget. Bon französischer Seite verlautet auch, daß in der nächste« Sitzung deSBölkerbuudratesamIV. März der Vertreter Großbritauuiens einen Antrag ans Wiederaufnahme der Mllitärkontrolle in Deutschland stellen wird. Dieser Antrag würde sich auf Artikel S13 der Frieden-Vertrages stützen, welcher kantet: Solange der Frieden-Vertrag in Kraft besteht, verpflichtet sich Deutschland, jede Kontrolle -es Völkerbundes zuznlaflen, welche vom Bölkerbnndrat mit Stimmenmehrheit beschlossen wird. Andererseits hat B r a « d i ug, der schwedische Vertreter i« Bölkerbnndrat, dieser Tage einen Antrag eingereicht, die p 8 « d i g e g e m i s ch t e K o m m i s s i o « des Völkerbundes, die sich mtt der Abrüstung beschäftigt, mit der ständige« Rilitärkommisfion in eineeinzige K o m m i s s i on z u verschmelzen. Die Kommission soll nach dem Anträge ausschließlich aus Zivilpersonen zusammengesetzt sein, während Wlitärpersonen lediglich al§' Sachverständige und Beisitzer zuznzichen wäre«. * Paris, 15. Februar. Die Sachverständige« sind' gestern abends in.Paris angekommen. Die Delegation führte ein umfangreiches Aktenmaterial mit sich. Weitere Dokumeu-te werden heute mit dem diplomatischen Kurier erwartet. Mehrere englische, italienische und belgische Delegierte haben sich nach London, Rom und Brüssel begeben, um ihren Regierungen Bericht zu erstatten. Dem „Gamlois" zufolge erklärt man m den Kreise« der Sachverständigen, daß Deutschland in der Lage wäre,. Reparationen zu zahlen. Dazu müßten aber mehrere Vorbedingungen erfüllt werden. Vor alkm sollten im Osten neue Märkte für die Ausfuhr geschaffen und die wirtschaftlichen Hilfsquellen der besetz t< n G e b i e t e der deutschen Verwaltung wieder -im* terstellt werden. Außerdem sei die Schaffung der Goldnotenbank notwendig. Diese Bank sollte ihren Sitz in Deutschland .haben. Ihr Aeberwachungsvat müßte Zu gleichen Tollen aus -deutschen und neutralen Fma-nAleu-ten zusammengesetzt sein. Die Goldnotenbank würde zunächst für drei Milliarden Goldnoten ausgeben, die zur Hälfte gedeckt seien. In dem Rkaße, als Deutschland sich erhole, würde -die Deckung aus 33,33 Prozent herabgesetzt werden wie in den übrigen hochvalutavi scheu Ländern, so daß die Banknotengirbulatiou auf 4,5 Milliarden Goldmark erhöht werden fimnte. Innerhalb der Bank würde eine besondere Abteilung für die Finanzierung der ReParationsschulLvn gsfchasfe» -werden. Wir hst Sttnser zm Mdrrssg der Rot beigetragen? Eine amerikanische Anfrage. . Berlin, 15. Februar. (Tel. der „Wiener Aiorgem zeitirng".) Das amerikanische Hilfskomitee des General A l l a n hat, wie die „Vossische Zeitung" berichtet, bei seiner Berliner Vertretung angefragt, was dev Großindustrielle Hngo Sti«nes bisher zur Linderung der deutsche« Not getan habe. ES wird dabei die Erwartung ausgesprochen, daß der Berliner Beauftragte des Komitees umgehend erschöpfende Antwort auf die Frage erteile. Die Erkenntnis. —y. Wien, IS. Februar. Poincare wird mit Violen parlamentarischen Kämpfen das erreichen, waS ihm durch seine Politik gegen Deutschland nicht gelungen ist: dem französischen Volk den Abscheu vor Versailles beizubringen. Der psychologische Grundpfeiler dieses Friedens und der Ruhrpolitik war, daß Deutschland alles zahlen werde. Dieser Pfeiler ist geborsten. Die fiskalischen Gesetze, die Poincare unter dem Aufgebot seiner ganzen Autorität in der Kammer durchsetzt, werden jedem einzelnen französischen Bürger zum Bewußtsein bringen, daß Frankreich zwar zu den Siegern gehört, aber doch den Krieg verloren hat. Unter der Steuerschraube schwinden alle Illusionen und die Zeiten deS Steuerdruckes find die Zeiten bitterer Selbsterkenntnis. Deshalb verfolgt man in der ganzen Welt die Entwicklung der inneren Politik Frankreichs mit dem größten Interesse und mit den stärksten Hoffnungen, daß auch für Frankreich die große Wa«dlung beginnt. Seit 1918 war die französische Politik von dem Streben beherrscht, alles zu unterlassen, was ein vom Krieg so schwer heimgesuchtes Volk daran erinnern müßte, daß zum Aufbau Opfer notwendig sind. Man nährte die Suggestion, daß Frankreichs Wiederherstellung nicht durch Steuern, sondern durch Sanktionen erfolgen werde. Da8 war das einzige Mittel, um. den nationalen Block, die Mehrheit Poincares, bei der Stange zu halten, ein Kongjlomevat, dessen einziger Kitt daS Bekenntnis zu den Reparationen war. Das Defizit des fwnzösrschen Budgets würde maskiert durch dir von Deutschland hereinzubringenden Ausgaben, bisfichnach dem großen Äeg an der Ruhr erwies, daß tatsächlich die Henne, die vielleicht einmal bei entsprechender Kontrolle goldene Eier hätte legen können, ans Verhungern kam. Der Effekt war der Sturz des Franken. Damit ist das System PoincareS bloßgelegt. In den letzten Jahren war Frankreich der Mittelpunkt der europäischen Politik. Aber es war nicht eine Politik, welche den großen ftanzöfischen Traditionen der Demokratie entsprach, sondern eher sich den Sonnenkönig als Vorbild genommen hatte, der sich ganz Europa zu Vasallen machen wollte. Die neuen Staaten sollten für den Machtgedanken der französischen Generale die Reservoire biiden, aus denen die militaristische Reaktion ihre Mittel schöpfte. Welche verheerenden Folgen diese Tendenz sür diese kleinen Staaten gehabt hat, zeigt die Entwicklung Mitteleuropas und lehrt vor allem die rasche Abkehr Jugoslawiens, daS sich lieber mit seinem alten Gegner Italien versöhnt hat, um nur auS der gefährlichen Nachbarschaft der - Seche fortzukommen. Frankreich selbst hat seine Währung entwertet und seine internationale Stellung geschwächt. Im Innern zeigen sich die Ansätze einer geschlossenen Opposition, welche mit voller Kraft dieses System bekämpft und den Friedensgedanken durchsetzen will. Man kann natürlich heute noch nickst sagen, welches Resultat die Kammerwahlen haben werden, aber doch bestehenbereits ansehnliche Widerstände, die sich nicht mehr so leicht ausschalten lasten. Die Wirtschaft ist für die Dauer doch stärker als alle Diplomatie und sie unterstreicht rücksichtslos alle Fehler. In Frankreich hatten die FochS geglaubt, den normalen Gang der inneren Entwi«Aung durch Kriegsfiolitik, durch Fahnen und Musik beeinflussen zu können. Dadurch wurde Frankreich, das Land der Menschenrechte, die Hoffnung aller Reaktion. Die letzten Reste des im Krieg niedergeworfenen Ancien rvgime sammelten sich in Paris und trugen ihre Spitzeleien und Intrigen in die Salons und Couloirs. In Ungarn lebte der Horthy von der Protektion dirftS Frankreichs; die Münchener Hakenkreuzler, die für Poincare Deutschlands Einheit zersprengen wollten, holten sich aus Paris Geld und Instruktionen; in allen europäischen Zentren siedelten sich französische Agenten an, die sich in alle Händel mischten. Der Sturz des Franken öffnet dem französischen Wähler die Augen und zeigt ihm, was in seinem Namen versucht wurde. Dieser Sturz ist eine Folge der Ruhrpolitik und rin Zeichen zur Einkehr. .. . ' . Sie 8aio«t>9leiiet«ttg vollkomme« «»«bhönsig von derZntermtiouale. Eine Erklärung Lord Parmoors. London, 15. Februar. Im Oberhause sagte gestern Lord P a r m o o t in Beantwortung dieSbHiiglicher Reden Lorv EhärnwoodS und des Herzogs von Northum b e r l a n d, der Premierminister habe bereits erklärt, daß die Arbeiterregierung von der Internationale dollkomme« unabhängig sei. Die Abeiterpartei werde zu der in ihrem Wahlprogramm enthalte«e n P o! i t i k stehen. England ««d Mtzl««v. M K' Die Frage der englische« Konsulate. üß* (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Loudo«, 15. Februar. Im Unterhaus gab im Lause der Debatte^ Staatssekretär P o n s o n b h auf die Frage des Abg. Kenworthy über die konsularischen Vertretungen Englands in Rußland, folgende Erklärung ab: Der ganze Fragenkomplex unserer, konsularischen ' Vertretungen in Rußland wird gegen-. wärtig beraten und aus diesem Grunde kann ich noch keine vollständigen Aufklärungen geben. Gegenwärtig befinden sich Vertretungen in Leningrad und Wladiwostok. Wir planen, diese Stellen in Konsulate umzuwandeln. Falls die fische Regierung ihre Zustimmung gibt, werben General' k o n s u l n in Moskau und Odessa und andere Konsular« beamte in Tiflis und Charkow sofort ernannt werden. Auch Archangelsk ist in Aussicht genommen, sobald der Hafen eröffnet wird. Nach den Gesetzesvorschrifteu werden sämtliche Konsuln englische Bürger sein. .....f... Mac Tonalds Srkrasksnz. London, 15. Feibmar. ' (Tel. der ,Wiener MorgsnzeitMg".) Die „Times" teile.« mit, -daß M a c D o nal d <rn Neuritis erkvcvM ist. Bar de« «re» der esMches «ockardetter. London, 15. Februar. (Reuter.) Die Verhandlungen zur Beilegung des Dockarbeiterlonflikts sind abgebrochen «worden. Es ist nunmehr sicher, daß es zum Streik kommen wird. . . Sie ameMnische« For-er«»grn an S«ropV (Eigendienst d^r „Wiener Morgenzeitung".) Washington, 15. Februar. Die Schuldenifunbierungskommission wurde aus, M o n t a g nach Washington berufen, um die Frage -der Liquidierung der europäischen Kriegsschulden an di« Vereinigten Staaten neuerlich zu prüfen.

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