Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1796 (15.2.1924)
- Date
- 1924-02-15
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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m. rrcm Wien, Frektag Wiener Moraen-ieituns. Film und Kino. „Die unmögliche Frau." Sehr geschickt wird in diesem Film, dem der gleichnamige Roman von Katerjohn und Hearth zügrunde liegt, das Problem der „unmöglichen Frau" aufgerollt. Außerdem werden hier die einzelnen Charaktere der handelnden Personen scharf Umrissen und ein durchaus logischer Aufbau des Geschehens komplettiert noch die Erfüllung aller Anforderungen, die man an das Buch eines Gesellschaftsdramas stellen kann. Vetters finden sich hier noch zah'roiche Möglichkeiten zu augenfälligen Effekten, die. von der Regie richtig erfass, in Verbindung mit dem durchwegs ausgezeichneten Spiel der Darsteller amen Film ergeben, der in dieser Hinsicht nich's zu wünschen übria läßt. um so mehr, als eine äußerst reiche Ausstattung einen Rahmen bildet, der auch schwächeren Leitungen unbedm^ten Vnblikumsersola gesichert häffe. Gloria Swanson spieF die Hauptrolle, die unmögliche Frau. die unschuldig, ia aufopfernd ihr Schicksal, die Schuld eines anderen, trägt Es ist hier eigentlich zum erstenmal der Fall, daß wir eine wirklich ernst zu nehmende Leistung dieser viel besprochenen und viel karikierten Schmffpielevin schm. Wir haben bis jetzt nur Starallüren in dem Rahmen verschied'ner Handlungen von ihr kennen gelernt, und um so erfreulicher ist diese wirklich ernst zu nehmende Lüftung. die sie hier bietet. Gewiß. es muß zugestanden werden, daß diese Rotte, die von einem mehr mondainen als wirklichen Märtyrertum getragen wird, für jede Frau äußerst dankbar ist. Aber trovdem, sie hat hier Momente, die über den.Durchschnitt in solchen Fällen weit hinausgeben. Sie versteht es. Rührung zu erzeuaen. die nicht vom Geschehen allein, sondern auch von ihrem Spiel ausgeht. Diese Rolle ist wirklich eine geschlossene künstlerische Leist mg. Sehr gut ist ihr Partner Konrad Nagel. Er versteht es. dem jungen, vom Weibe noch unverdorbenen Schriftsteller Jugendfrische und gesunde Naivität glaubhaft zu geben. Sehr on+ ist auch Robert C a i n in der Rotte des Galten, eines Schwächlings. der ganz und gar von den schädlichen Einflüssen feiner Geliebten geleitet wird. Eine Figur, die ganz kunstlos — das heißt mit sehr viel Darstellungskunst — im täglichen Leben wurzelt. Auch die übrigen Darsteller kleiner und kleinster Rollen sind vorzüglich. Her Fox-Film dieser Woche i OMiM&M lANmrMwm Der Fox-Film dieser Woche Sensalionelles Autorennen des bombten TOM MIX In vier Akten — ab 15. Februar zu sehen in: Vom 15. bis 18 Februar: Ifa Palast, Flieger-Kino, Palast-Kino, Imperial-Kino Vom 19. bis 21. Februar: Haydn-Kino, Lichtspiele Wienzelle, Busch Kino, Gartenbau Kino, Löwen-Kino Vom 22. bis 25. Februar: Theater-Kino, Kalvarienberg Kino. Wallenstein- Kino, Weltbiograph IX, Votivpark-Kino Vom 26. bis 28. Februar: Kruger-Kino, Helios Kino, Lichtspiele Mariahilf j Vita -Filminiustrie: A. <3. [ Wien, VII. Bezirk, NeuSaugasse Nr.1 Fabrik Rosenhügel 15. Februar 1924 Seite 11 '■ In Vorbereitung: |L’ IMAGE | (Das Bildnis) ■ Regie: Jacques Feyder ■ Hauptdarsteller: * a K m; Frau Arlette Marchal; : Herr Malcolm Tod : fl. ■ ■ ■■■■■■■■■flamm» ■■»■■»■■■■■■■■■■■■■»» Wunderbar sind die Aufnahmen der in Monte Carlo spielenden Szenen und erstklassig die technisch vollkommene Photographie, der eine ausgezeichnete Beleuchtungstechnik zur Seite steht. „Die Königin von Moulin rouge." Ein junger Künstler, ein Geigenspieler^ dessen Spiel noch der seelischen Tiefe entbehr:, füll diee du^ch einen tiefgehenden Schmerz erhalten, indemman mit seiner Geliebten oder Braut, ihre genauere Eigenschaft ist nicht herauszufinden, herumexperimentiert. Erfolg: Großer Seelenschmerz, das Finden der seelischen Tiefe, Schwimmkunststücko in der Seine und natürlich — der Film ist ein amerikanisches Produkt — glückliches Ende Kann sein, daß diese Handlung psychologisch sehr interessant ist. visuell nimmt sich dieses Problem n-cht sehr günstig aus, wird, sobald sich Details zeigen. percknotet und auch nicht durch die sehr reichhaltige Titeffistreparabel Und trotzdem — der Film als solche«, ist gut, ist besser, als man es seinem Inhalt nach e-rwarien dürfte. Dies ist in erster Linie d.r hochklassigen Regie znzuschreiben. d«e sich zwar nicht in die Handlung restlos hinein, aber doch mit dieser sehr günstig abfindet. Weiter durch' dff ausgezeichnete Darstellung, auf deren Kosten man die Mängel und überbrückten Unannehmlichkeiten der Handlung — wir finden hier immer mi'1 Zugeständnisse und nie Lösungen — gern vergißt. In erster Linie ist dies Martha Mansseid zu danken Ihr Tod, den sie durch schwere Verwundung-n bei einer Atelieraufnahme kürzlich fand, wird bestimmt eine ichwer auszufüllende Lücke hinterlassen Sic weiß das junge, unerfahrene Mädchen. das hilflos, eben aus der Provinz gekommen^ allen Fährlichkeiten - dSv : Großstadt. ausgosetzt - ist. lebenswahr-..und.gleichzeitig ergreifend zu spielen. Außerdem ist sie. aucheine vorzügliche TäMpin, die auch auf diesem Gebiet über große Gestaltungskunst ver'ügte. Und. sie war auch sehr -chön und wirklich anmutig. Sehr nett ist auch Josef Stricker in der Rolle des jungen Künstlers, und gut wenn auch hie und dc. n cht frei vm. unnatürlichem Pathos Henry Har mann als sein Lehrer. Auch-die übrigen Darsteller sind sehr gut und selbst die Komparserie besteht ans sehr gut ausgewählten und markanten Typen, Wundervoll sind die Aufnahmen von Paris und dem- Moulin rouge, die eine ausgezeichnete Photographie plastisch bringt. „Bavu." Wenn es einen Beweis dafür bedarf, daß ein Film mit einer minimalen Handlung, nur von ausgezeichnetem Spiel getragen, den Anspruch ans sehr gute Klassifizierung erheben kann, so bietet ihn dieser. Von einer Handlung kann hier kaum g sprachen werden. Es ist eigentlich mir eine kleine und kurze Episode aus der russischen Revolution,' die dem Film zugrunde liegt. Aber sie gibt ungeheure Möglichkeiten für Regie und Darstellung. und diese sind hier restlos und wirklich künstlerisch bis zum letzten D tail ausgenützt. Eines zeichnet durchwegs das ganze Ensemble aus. Die Darstellung der hier spielenden Personen hätte von wirklichen Russen nicht naturgetreuer und besser dirrchgeführt werden können. - Besonders zu erwähnen ist der Darsteller des Babu, eines Hufschmiedes, der zum Führer einer entfesselten Horde wurde, die in der Revolution nichts anderes sieht, als eine willkommene Gelegenheit zu Mord und Raub. Es ist eine scheußliche, vi-ehifch-g,'meine Gestalt, die er hier schafft. Ein hrutclles Raubtier, dem der Zufall eine menschliche Gestalt und Sprache lieh. Alles andere in dieser breitschrotügen Fleischmasse ist nur von Instinkten oem.'dnftcr Art auSgefüllt. Und es ist gewiß kein kleines LkUuststück, diese Figur in dieser Art so markant und treffend zu zeichnen. Ihm gegenüber steht die schlanke Figur eines Nipischen Liebhabers, der trotz ausgezeichneten Spieles und seiner sympathischen Erscheinung von der wundervollen Charakterdarstellung des anderen ganz in den Hintergrund gedrängt wird. Ausgezeichnet sind die beiden Darstellerinnen, die sich vollkommen der krassen Handlung anzupassen wissen. Debr gut gelungen sind auch die Aufnahmen der Flucht in den Schlitten, die von wirklicher Spannung erfüllt sind. Alles in allem genommen, ein Film, der bedauern läßt, daß so viel wirkliche Kunst ans eine io schwache Handlung verschtvendet wurde. Denn, was die Darstellung anbelangt, muß er bis in die kleinste Episode künstlerisch vollkommen genannt werden. _ „Der Dämon der Landstraße". Es ist dies kein blutgieriger Räuber und Mörder, sondern nur ein Cowboy, der lein Reitpferd mit einem Auto vertauscht hat und schließlich bei einem Autorennen den ersten Preis erringt unld damit die Hand der Tochter des Fabrikanten, dessen Marke er zum Siege führte. Es ist dieser Film ein amerikanisches Sensationsschaufpiel mit ausgesprochenem Lustspielcharakter, eine ansgez-sichnete Komödie mit wunderbaren Bildern eines Autorennens, die gewiß den verdienten Erfolg zu verzeichnen haben wird. Personalnachrichten. Herr Jacques Bacherach wurde von der Sascha-Filmindustrie als Dramaturg zur Bita- Filmindustrie engagiert. An seine Stelle bei der Sascha tro^ Herr Erwin Rainer. _ Die Filme der Woche. „Der Knochenbrecher von Oklahama". —- „Die kleine Dame". — „Der rote Reiter". — „Auf der Suche nach Eltern". — „Der Dämon der Landstraße". — „Die Armut der Reichen". — „Der kleine Bettclmusikant". CENTRA1-KINO Ä Kd heute bis 18. Februar Auf der Suche nach EEIern Der Film, der bisher die ganze Welt entzückte und das übrige Schlagerprogramm Beginn: 8/45, 7«9 Uhr Der Film, der bisher die ganze Welt entzückte und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4, ‘46. 7, '/?§ Uhr Ab heute bis 18. Februar Huf der Suche nach Eltern —LÖWEN-KINO Ab heute bis 18. Februar Huf der Suche nach Elfern Der grösste Film der Saison u. das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: */<5, */??, V«9 Uhr Kmo-Orchester unter Leitung des Kapellmeisters Rümeth ROTENTURM-KiNO WIEN, L, FLEISCELMARKT 1 ZM- Ab heute bis 18. Februar Huf der Suche nach Eltern Die grösste Sensa ion der Saison und das übrige Schlagerprogramm Beginn der Vorstellungen: 4 */.6, /;8 and */t9 Uhr Beeleitm sik einer erstklassiRen Künstlorkapelle riwiiewir—fT‘,riillMM—1 Copyrig'h 1928 bv Nachdruck verdolk». Deutsch-OesterrelchUcher Verlag, Wien. LI. Fvntztzung. Die Heimatlose«. Von Wilma Vukelich. Daniel aber stand da» als wollte er geheime Beziehungen aufdecken. Etwas Bekanntes klang an sein Ohr. Eine Lösung lag ans feiner Zunge; nur war es ncch allzu, dunkel in ihm, ncch fand er den Faiden nicht, der aus all dem Wirrsal herausführte ans Licht. Lajos in der unterbrochenen Rednerpose — Napoleon nach der Schlacht von Waterloo erschüttert, aber keineswegs besiegt, wollte eine ganze Meute von Gegenargumenten loslassen. als Alfred, der Fenyö kannte und wußte, daß dieser niemals wehe tat ohne tiefere Ursache, sich ins Gespräch mischte: „Meister! Erklären Sie sich! Sie sprachen von jüdischem Temperament. Was hat das zu tun mii einer Sache, die rein menschlich ist und menschliche Ziele verfolgt? Sie wissen so gut wie wir: die Idee steht über der Konfession." „Natürlich über der Konfession!" Der Apostel sprach mit gerunzelter Braue, und sein Gesicht schien blasser als zuvor. „Aber sie steckt im Geiste der Rasse . . . und darauf kommt es an. Ans die Rasse! Auf das Blut! Verstehen Die mich nun?" — Nervös dreht er die Zigarette zwischen den Fingern hin und her und machte wieder eine. Pause. Wie sag' ich's euch nur? — Teilnahmsvoll blickte er öen Jünglingen in die aufgeregten und gespannten Gesichter. „Die wollen im Namen Ungarns wirken. Und sind!In»den. Dies halten Sie für eine nebensächliche Erscheinung. Tenn die Juden sind emanzipiert und haben sich durch ihre rege und nützliche Tätigkeit im Laufe des letzten halben Jahrhuu'deris sicher das Recht erworben, Ungarn genannt zu werden. Dies ist eine Tatsache, über die tiJiic weiter nicht streiten wollen. WaS aber ist bei dieser Tatsache heräusgekommen? Was für den Wirtsstamm, Ivas für das ausgepflanzte Reis selber? — Ungarn hat seine moderne Kultur. Seine Welt- und Ueberkultmr sogar. Jedoch aus welchen Wurzeln erwuchs ihm diese? Aus gar keinen, sag« ich euch. Denn diese Kultur ist ein uns anfge- PfroPftes Reis, das aus unseren Säften lebt und exotische Schenffriebe treibt ... Glauben Die mir nicht? . . . Bitte, schauen Die sich mn! Wo finden sie Ungarn in dieser modernen Kultur? Juden sind die Architekten, die bei uns nationale Kunst machen. Inend unsere Aerzte und Advokaten. Unsere Presse ist jüdisch und fälscht hmffische Ansichten ins Magyarische. Jüdische Schriftsteller repräsentieren die ungarische Moderne im Ausland, kleine jüdische Mädchen tanzen Tschardasch auf allen Auslands- und Jnlan'dsbühnen, in den Varietes und in den Bars als Vertreterinnen ungarischen Temparemen-ts.' Die Musik wird Uns von jüdischen Virtuosen vermittelt, die Kritik aber urteilt in jüdischem Geeiste. Eigentlich hätte ich mit der Politik beginnen müssen. Oder mit unserem wirtschaftlichen und finanziellen Leben. Aber ich will nicht Gift und Galle speien. Ich will mich an jene halten, die im guten Glauben handeln, die Schädlinge sind gegen ihr Wissen und gegen ihren Willen. Die ungarische Kultur machen wollen, gleich euch, und nicht dafür können, wenn sie fälschen müssen, . .. ihr Fluch ist's, so wie es der unsere ist. . .!" Atemlos hatten die Bündler zugehört. Was sprach der dv? Das war ja unerhört, war Frevel und Verrat! Lajos keuchte fast in seincnr verhaltenen Zorn! „Herr! Sie sind ein Antisemit. Das kennt man ja. Ihre Ansichten sind durchaus nicht originell. Was wollen Sie tun, tvenn wir Juden begabt sind, agil und über eure Köpfe hinweg vorwärts kmnmen!?" „Ruhig, junger Mann!" Fenyö sagte das mit einer Gebärde voll Schmerz und Würde, und' sein Blick widersprach dem zürnenden Rollen seiner tiefen Stimme. „Ja, was könnt ihr auch dafür, daß ihr agil seid und den Drang habt, euch auszudehnen, und seid doch verdammt, euren Samen in fremden Gärten anzubauen, wo er aufgeht, geil wuchert, exotische Früchte treibt und die Heimatfvüchte erstickt? Was gehi's euch an, daß auch wir, die weniger agll. wen'iger expansionsbedürfttg sind, wachsen wollen, reifen, schön blühen und gesunde Früchte tragen, a-rrf unsere Art, nach unseren Gesetzen!? Daß ihr uns vernichten müßt, die ihr uns zu lieben vorgcbt^ das ist euere Tragik. Daß wir euch ließen, daß w:r euch lassen mußten — es ist die unsrige. Es ist unser Leichtsinn, das Unbekümmerte unseres Wesens, das sich daveinsindet, andere die Goschäste besorgen zu lassen, well wir doch alle geboretie Herren sind... ein Herrenvokt wir Magyaren, dem die noble Geste nun einmal im Blute steckt. Uns bleiben ja immerhin unsere Zigeuner, die uns das Lachen und Weinen lehren. Tie Pferde bleiben uns, die Karten und der Wein. Und unseren Weibern bleibt die Kirche und ihr ewiges Seelenheil, (Forts. solgt.j