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Wiener Morgenzeitung · 1924-02-14 · Heft 1795 (14.2.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1795 (14.2.1924)
Date
1924-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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■*+q vrm /u-- ggratt, Donnerstag - 6 Am Si as de« 16. Februar 1924 um halb 8 Uhr abends tat Gewerbeverein, I. Eschenbachgasse 11 Bersammlung , mit dem Thema: .Der Völkerbund ». die Juden' R«d»°r- SberraMner Lr. Wales. Ir. Leo GeneralsekretSr d«S ComittS drS SmJljlHlr D«iegatto«S jniveS in Paris IlepElneuM-WWeIelegatloninAmma«. Kandidatur Emir Abdullahs als König von Palastirra. Jerusalem, 11. Februar. (I. T. A.) Sir Herbert Samuel uicb Lady Samuel sind zusanmteit mit den Mitgliedern der jüdischen Delie-gation, Oberrabbiner Jakob Meir, David V-ellin und Colonel F. H. Kish, aus Amman, wo sie Mste König Husseins waren, wieder , nach Jerusalem zurückgekehrt. Die Unterhaltung mit beit arabischen Vertretern bewegte sich aus politischem Gebiet in sehr zurückhaltenden Formen und führte auch zu keiner endgültigen Verständigung. In klaren Umrissen wurde nur von einer einzigen Angelegenheit gesprochen. Die Mitglieder der t r a n s j o r d a n is ch e n Regierung machten den Vorschlag. Emir A bdullah zum König von Palästina auszurusen. Die jüdischen Delegierten erklärten daraus, ein solches Vorhaben könne vom jüdischnationalen Standpunkt nicht unterstützt werben. Zwischen König Hussein von Hedschos utvd dein brittischen Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel sind direkte Verhandlungen über den anglo-arabischen V ertrag im Gange. Die zwei Tage, die Sie Herbert Samuel in Amman verbrachte, sollen fast ausschließlich solchen Besprechungen gewidmet gewesen fein. Colonel Stzmer - Nachfolger Philbys. Jerusalem, > 11. Februar. <J. T. A.) Man nimmt hier an, daß der Gouverneur, des Novddistrikts (Haifa) Colonel -p. S. S y m e s als Nachfolger des zurücktzstretenen Majors Lt. John Philby zum britischen politischen Beamten bei der irrmsjordanischen Regierung ernannt werden wird. Ile gesetzliche Freitagsruhe in der Mrkel in Kraft. Kvttstantinopel, 10. Februar. (I. T. A.) Die hiesigen polizeilichen Hauptämter geben bekannt, daß der jüngst in der Angora-Versammlung angenommene Gesetzentwurf über die Festsetzung des Freitags als des gesetzlichen Ruhetages in der ganzen Türkei schon in dieser Woche in Kraft treten wird. Alle Läden, Bureaus und Schulen, mohammedanische, wie nicht mohammedanische, müssen am Freitag geschlossen sein. Auf den von der jüdischen Gemeinde eingereichten Protest gegen das Gesetz, durch welches jüdische Schulen und Geschäfte <m zwei Tagen der Woche, am Freitag und Sonnabend, zu schließen gezwungen sind, ist noch keine Antwort erteilt worden. Kommunistische Zeitungen in Palästina verboten. Der High Commifsioner Sir Herbert Samuel hat die Einfuhr folgender kommunistischer Zeitungen nach Palästina verboten: ..Ernes", „Prawda" und „Jswestia", alle in. Moskau. , , 3«llmd. Ceiyel gegen die österreichischen RaffenschWer. Die Korrespondenz Wiener Nachrichten teilt mit; Kürzlich sprach eine Abordnung der „Union österreichischer Inden", bestehend aus dein Präsidenten Dr. Or nst e i u und dem Sekretär Fleischer, beim Bundeskanzler vor. Die Audienz diente in erster Linie der Anssprache über die Wahrung der staatsbürgerlichen Interessen der österreichischen Inden, insbesondere über die Auslegung des Artikels 80 des Friedensvertvages bezüglich des O p t i o n s r e ch t e s der Inden. Bundeskanzler Dr. Seipel erklärte, daß für ihn einzig und allein das Persönliche Bekenntnis maßgebend fei, und daß die Rassentheorie seiner wissenschaftlichen Ueberzeugnng widerspreche. Die Alpine - die gekränken Konsular- I akavemiker und Herr Mazanec. Die Erörterung der Bndgevkapiteil „Handel und Verkehr" nahm gestern im Finanzausschuß die ganze Beratungszeit in Anspruch und drehte sich vornehmlich um den drohenden Bank b c amtenstreik und die Bctriebseins ch r ä u k u n g e n beider Alpinen. Schon die erste Reduerin, die nach dem Handelsminister — dessen Ausführungen wir im volkswirtschaftlichen Teile dieses Blattes wiedergeben ' tPicnet Morgenzeitung. zu Worte kam, Frau Freundlich, verwies aps den Zns-anunenhang zwischen der Betriebsstillegung bei der Alpinen Montangeftllschaft und der Forderung nach Abbau des Achtstundentages. Frau Freundlich erinnerte daran, daß tat Ehrenbelerdigltrigsprozeb Stolper gegen Bekessh Herrn Bvkessy vorgeworfen wurde, er habe von der Alpinen Montangesellschaft, beziehungsweise von ihrem wichtigsten Aktionär Castiglioni mehr als eine Milliarde dafür schalten, daß er nicht gegen die ungeheuren Syndilkatsgewinne, die anläßlich einer Neueminission bei der Alpinen gemacht Wunden, Stellung genommen habe. Ein Unternehmen, das dazu imstairde ist. dürfe sich nicht darüber beklagen, daß es nicht über die nötigen Mittel verfügt, um seinen Betrieb aufrecht zu erhalten. Anläßlich der letzten Emmission soll Castiglioni allein 362 Milliarden an.Syndik a t s g e w i n n e verdient haben. Daraus gehe hervor, daß die Gesellschaft nicht in wirtschaftlicher Not zur Stillegung ihres Betriebes schreiten mich, foitdern daß hier einfach die Tendenz vorliegt, die Zugeständnisse in bezug ans die Arbeitszeit, die in Deutschland erreicht worden sind, auch aus Oesterreich auszudehnen. Dr. Eisler teilte mit, daß sich die Hörer der Konsüiaratadrmie darüber gekränkt fühlen/ daß er sie in seiner Rede am Vortag als exotisch bezeichnet habe. Sie hätten sich darum heute in größerer Zähl vor dem sozialdemokratischen Klublokal versammelt'und verlangt, er möge ihnen Satisfaktion geben. Redner richtete an die Leitung des Budgetausschusses das Ersuchen, der Direktion der Konsularakademie nahe zu legen, sie möge ihre Hörer daihin instruiereu, daß, die Beschwerden von Ausländern nach den Gebräuchen der zivilisierten Welt durch die akkreditierten Vertreter der betreffenden Staaten de: Regierung zu unterbreiten sind, wenn die Regieung verfassungsmäßig die Möglichkeit hat, diesen Beschwerden abzichelsen. Es ist aber ganz unmöglich, daß ein Ausländer eine Art Selbsthilfe versucht, die auch einem Jnläitbcr nicht zustcht. In Besprechung der Zustände bei der Alpinen Montangesellschaft fragt Dr. Eisler, ob der Minister dem Ausschüsse den Wortlaut der Abmachungen der Alpinen mit der tschecho-slowakische« Eisen- ' industrie zur Kenntnis bringen könne. So lange dieser Vertrag nicht vorliegt, sei die Behauptung gestattet, daß die Alpine den Kampf gegen den Achtstundentag zu einem Vorwände macht, um eine planmäßige Schädigung der österreichischen Industrie zu inszenieren, die sic Ms Grnpd von Abmachungen mit der Tschoch-Slwvakei vornimmt. Man möge von der Alpinen Rachweisun?en. verlangen, wieviel bei der letzten Kapitalserhöhung eingegangen ist, wcchin dieses Geld kam; sie möge Nachweisen, daß man mit 256 Milliarden Schiebergewinn nicht solche Investitionen hätte durchführen können, daß die Produktion der Gesellschaft auch bei Ausrechterhaltung des Achtstundentages vollkommen konkurrenzfähig bleiben konnte. Im Kamps gegen den Achtstundentag habe sich zur Alpinen die Veitscher Magnesitgesellschaft gesellt, die durch die Namen Castiglioni nnd Basel, die beiden größten Börsengewinner, repräsentiert wird. Abg. Dr. Ellenbogen verlangte, daß.der Vorsitzende des Ausschusses gegen das unglaubliche Vorgehen der KonsiiLarakadennker gegen den Abg. Dr. Eisler Stellung nehme. Der Vorsitzende erklärte, die Beschwerde den Präsidenten des Hauses zur Kenntnis bringen zu wollen. Mg. Staret besprach das Wohnungselend in Wien und Niederösterreich und kritisierte eine Reihe von Schiebungen mit ausgelassenen Ministerialgebäuden. So sei das Gebäude der Steuersektion der monarchistischen Nordisch-österreichischen Bank überlasten worden, weil, dem Vernehmen nach, der Ersparnngskomnristär Hornik ein sehr guter Freund des Präsidenten dieser Bank, des ehemaligen Ministers Czapp, ist. Der Ersparungskommissär habe weiters. Ministerialgebäude der Burgenländischen Bank und der Aktiengesellschaft für Eisenbahnbedarf überlasten, iin ehemaligen Justizministerium wurden sogar H a k e n k r e n z l e r v e r e i n i g u n g e n untergebracht. Von den Räumen des ehemaligen Ernährungsamtes wurden drei dem Dr. Mazanec, dem ehemaligen Leiter des Amtes, als Wohnräume zugewiefen, die übrigen zehn der Westen A.--G. Diese Schieberei hat sich zwischen dem Dr. Mazanec und dein ihin unterstellten Präsidialisten Dr. Stoiber abgespielt. Ersparungskommissär Dr. Hornik gab zu, daß die Vergebung der Räume des Bolksernährungsamies nicht ganz einwandfrei erfolgte: übrigens sei die Angelegenheit bereits bei Gericht anhängig. Mit Fetdmarschälleutnant Czapp, den er von früher nicht kannte/habe er überhaupt nur einmal gesprochen. Die Beratung wird heute fortgesetzt. Sie Wüsche Automobilste««. Die Bundesregierung hat gegen die PuÄiMrung des rin Dezember 1923 vom Wiener Landtag beschlossenen Gesetzes über die Erhöhung der Au 1 oinobilsteuer keinen Einspruch erhoben, so daß das Gesetz sofort tat Landesgesttzbtatt für Wien kundgemacht werden wird. . Damit wird für Wien eine; Autmnobilsteuer eingefiiyrt werden, die das Zehnfache der bisherigen Steuer ausntacht. 14. FebÄlar 1924 9 Verkehrsbureau IX. Hörlgais« Nr. 13 Telephon 16-2-30 gewährt Hypothekarkredite in jeder Höhe billigst und schnell auf Häuser, Villen, Landwirtschaften, Industrieobjekte etc., sowie Warenkredite an erstklassige Kaufleute. Vorschüsse sofort 3oiß Tagesbericht. Ler Mische Natioualsondr erbberechtigt. Das Testament Lottis Rosenblum. Dir Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Low don, «worin dem Testament Mr. Louis Mosen bl ums zuigunsten einiger jüdischer Institute, und vor allem des Jüdischen Nation« lfonds, volle G ü l t i g i c i t zugesprochen wird, ist für den Ausbau Palästinas von ansehnlicher Bedeutung. Voraussichtlich werden aus dem Nachlaß nunmehr folgende Beträge ihrer Bestimnmng .zugeführt werden: Einem jüdischen -KnabenwaistrchanS mit hebräischer llmmiichtssprache, als welches das Jew's Hospital und Orphan Afylum in Norchwood (London) ausevsehen ist, zirka 4000 Pfund; der hebräischen Universität in Jerusalem 1000 Pfund; dem Iüvischeu Nationalfonds zirka 25.000 Pfund. Diese Stemme von 25.000 Pfund wird die größte sein, die bisher «dem Jüdischen National.son.ds ans einer testamentarischen Zuwendung zukormtit, auch nach der Stiftung eines Anonymus in Mesopotamien von 35.000 Pfund, die größte Zuwendung überhaupt. Die richterliche Entschvidnitg spricht dem Jiddische« dtationalsonds das Legat zwecks Verwendung zunächst für die A-istsiodLmg von Vevivandten des Testators, darüber hinaus jedoch auch für die ölige m e inen A n s g a ü e u des Fonds zu. Das Urteil schließt die grundfätzlichc Entscheidung m sich, daß der IiMcke Nationaft^' seinen Statuten und bisherigen Betätitzitmg/ nach englischem Recht erbberechtigt ist u«nd daß die ihm zugebrachten Testamente und Stiiftntvgen rechtsgültig sind. Die Orgatnsation des „Louis Rosenblnm-Fond'ö" Wird in einer solchen Weise erfolgen, daß sie auf die Schaffung ähnlicher Familienstif-tungen anregend und vorbildlich wirkt. (Zrko.) i Tutanlhamon «HAt Nutze. Unterbrechung der Ausgrabungen in Luksor. Luksor, 13. Februar. Infolge von. Differenzen zwischen dem Archäologen Carter und dem ägyptischen Ministerium stad die Arbeiten im Grabe Tutankhamons auf mtbe stimmte Zeit unterbrochen worden. Die letzten Ausgrabungsteslütate. Als gestern der Deckel des Sarkophages gchoben wurde» kamen mehrere prachtvolle, sehr gut erhaltene, Leitrtücher hervor, die den sigenllichen Gräbschrein zudeckten. Sie verhüllten die goldene Nachbildung des Gesichtes des darunter ruhendett Pharaos. Darüber lag die ägyptische Königskrone mit einem Schlangenomament. Die Mumie hatte in den'gekreuzten Händen ein goldenes Zepter. Dabei lagen natürliche Bltrnren; die sonderbarerweise noch so frisch waren, als ob sie erst in dos Grab gelegt worden wären. Der eigentliche Sarg, der erst später geöffnet werden soll, ist drei Meter lang und gänzlich mit schwerem Golde verziert. Er ist sehr gut erhaltett, nur am Fußettde stad die Farben ein wenig verblaßt. Weibliche Aratzraräuber. Berttu, 13. Febmar. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Heute nachts haben sich in Berlin zunt ersten Male w e i blicheStraßenräuber g^eigt. Als kttrzrtach Mitternacht ein 30 Jahre alter Arbeiter in angetrunkenem Zustattde s7ch nach Hause begeben wollte, wurde er plötzlich an einer Straßenecke von sechs Frauenspersonen, überfallen und übel zugerichtet. Er konnte sich der Angretferiunen nicht erwehren und rief verzweifelt um Hilfe. Als aus seine Rufe Passanten herbeieilten, ergriffen ■ die Räuberinueu die Flucht und ciükamen. Der Ueberfallene trug schwere Verletzungen arn Kopse davon. Mr tleinften Famen Ser Ratnr. EiMicke in Welten, die rsur wetsig über die Fachkreist bekannt sind', vermittelte ein. Vortrag, den Dozent Etva.d Schild am Dietrstag abetchs int Jndnstrielletchaus hielt. An 'Hand zahlreicher 'Mkrophotagraphien führte der Bortragende die Zuhörer tmrch die Wn-irderivelt des Nlikrostopes. Die Erreger gefürchteter Kranfheiten wechselten mit Fäulnis bewirkenden Baktorien ab und gaben etnere UebeMick über den Formenreichtum: dieser „Pflanzen", deren Individuen aus einer einzigen Zelle besteherr und oft nur wenige tausendstel Millünewv groß sind. Besonders bemerkenswert ist die Bewegung dieser Baßteriett: Einige Arten verfügen über ein „Pelzwerk", -da's aus einer Unzahl femster Härchen, den genannten Geißeln, besteht, mit denen sie in der Kulturflüssigteit schloün^men. Andere Bilder zeigten verschiedettc Diatomeen, die in ihren Körperchen Kieselsteine ausspeichern und wunderbar seine und gleichmäßige Zeichnrntgen in Diesem Panzer haben. Am.Meeresboden, sammeln sich die Skelette dieser abge- Damentuth für Mäntel und Kostüme 154.(1 5

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