Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-02-12 · Heft 1793 (12.2.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1793 (12.2.1924)
Date
1924-02-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980876--17769-3004785
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Kr. 1793 Wien, Dienstag drohender Streik der engl:'"ha AoSarbeiter. London, 11. Fobmar. Nach MätitevuMkmegM Häven iie Dockarlberter, die aut nächsten Samstag in den An8stand zu treten drohen, das Angebot der AEeitgeber, eine Lohnerhöhung von einem Schilling und mög^ Kcherwevse von andevthaW Schilling Pro Tag statt der gefolgerten zwei Schillinge zu gewähren, ab gelehnt. 9er englische Fluaurbemter für Polen abgereift. Warschau, 11. Februar. (P. T. A.) Hitton Uoung har gestern Warschau verlassen, um sich über Danzig nach England zurückzuhegeben. Vor seiner Mreise hat Houng der polnischen Regierung sein Memorandum über die Finauzqyge Polens überreicht. «ar dem polnischen Parlament. Di« Neuwahlen in die Kultusgemeinden. — Die Rechtsbeschränkungen der Juden aus der Zarenzeit. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 10. Februar. Der Finanzausschuß des S « n a t e s hat in dritter Lesung die Bndgetkapitol Kultus unb Unterricht angenommen. Bei dieser Gelegenheit ergriff Senator ©t. Rotten streich das Wort, um die Wünsche der jüdischen Bevölkerung Polens vorzulesen. Die Rvgieruugssubvention Von 10.000 Goldgulden für die jüdischen religiösen Institutionen lehnen die Juden ab, weil diese Summe, die für die nrehr <üs drei Millionen Seelen betragende jüdische Bevölkerung ausgeworfen wird, eine Verhöhnung darstelle. In den jüdischen Aultusgemeinden fungieren bis heute Regierungskommissäre, die von den Bezirkshauptleuten ernannt wurden. Diese Regierungskommissäre haben kein Verständnis für die Angelegenheiten der jüdischen Bevölkerung. Unterrichtsminister Miklaszewski erklärte, dag schon in kürzester Zeit Neuwahlen in die jüdischen 'Kultusgemeinden ausgeschrieben -tverden. Die Neuwahlen sollen noch vor den Ostern in Galizien und Kongreßpolen vorgenonrmen werden. In der letzten Sejmsitzung motivierte Abg. Hartglas M Namen des Jüdischen Klubs den Dringlichkeitsantrag betreffs Aufhebung der Nechtsbeschränkungen der jüdischen Bevölkerung, die noch aus der russischen Zeit stammen und bis.zum heutigen Tage ihre Rechtskraft bewahrt haben. Alle bisherigen Anträge der jüdischen Abgeordneten in dieser Angelegenheit wurden nicht berücksichtigt. Es wurde zwar ein entsprechendes Gesetz von der Regierung ausgearbeitet, doch dieser Entwurf wurde von der Regierung selbst wieder zurückgezogen. Noch vor drei Jahren erklärte der polnische Gesandte in New-Uork, Fürst Lubom i r s k i, daß Polen alle Beschränkungen der Mischen Bevölkerung kassiert habe. Bor einigen Monaten wieder erklärte General Haller vor den jüdischen Korrespondeltten dasselbe. In Wirklichkeit ist alles beim alten geblieben. Die Dringlichkeit des Antrages wurde vom Sejm abgeleihnt, wobei zu bemerken ist, daß auch der freiheitliche Sejmklub Wyzwolenie. mit den Antisemiten stimmte. Sie Konferenz der baltischen Staaten. Warschau, 11. Febvimr. (Tschecho-Mv. Pveßburcan.) Die KonsevöNtz der baltischen Staaten unid Pollens findet am 16. d. in Warschau statt. Am 15. d. troffen bereits die Außenminister der baltischen Staaten foftvie die irr Helsingsors, Riga und Reval akkreditierten polnischen GesaMen «in. ' .^ Wiener Morgeirzeitutig. r " Sie Parlamentswahlen in Kanmthorußland. (Eigendienst de.: „Wiener Morgelizeitung".) Prag, 11. Februar. Die Wahlen in Karpatho-- rnßland sind nunmchr endgültig für den 16. März -festgesetzt. Karpatihovußlalnd wählt, wie bereits berichtet, 9 Abgeordnete und 4 Senatoren. An der Abgeordnetenwahl werden 290.000 Wähler nud an der Senatslvahl 237.000 Wähler teilnchmen. TTTT TT*' Samstag den 16. Februar 1924 unr halb 8 Uhr abends im G e w e r b e v e r e i n, l. Eschenbachgassi 11 Versammlung mit dem Thema: Her Völkerbund y.die Zuden' st Cb»»: Lberradbinrr Sr. Aales. 9r. Leo Generalsekretär des Camitb» dr» NUkyTeßk, Delegation» jiliveS in P a r i 6 Huffein gegen die extremen Fordemngeu der pMftineMche« Araber. Jerusalem, 9. Februar. Mo.) Wie der Korrespondent des „Doar Hajom" in Amman aus sicherer Quelle erfahren 'haben will, hat die Denkschrift der palästinensischen und sh rische n Arabe r infolge ihrer extremen Forderungen auf König Hussein ' einen schlechten Eindruck gemacht. Dieser seiner Unzu- , „ friedvuheit habe König Hussein in verschiedenen Gesprächen mehrfach Ausdruck verliehen. .Hauptforderungen dieser Denkschrift sind: Fortsetzung der Ablehnung des Mandats, Proklamierung der arabischen Konföderation mit Einschluß von Syrien und .Kassierung der Staatlichkeit des GroMbano». Es ist pt bemerken, daß dieses Memorarldum, das im ganzen fünf oder sechs 11 n t e r f ch r i f t e n trägt, von einer B e r s a m m l u n g von etwa d r e ißig Personen versaßt worden ist, die fast alle a'bgesetzte Beamte und Leute msit dunkler Vergangenheit sind. Es fällt auf, daß der Präs ident.der A r a b i s ch e n E x e k n t i v e, M u s a K a,z i m Pascha, dieses Memorandunr n ich t mitunter fertigt hat. Es zirkulieren Gerüchte, daß er sich Aar g e g e n die in diesein Memorandum niedergelegten Absichten ausgesprochen har nnd gemäß den Wünschett König Husseins einen dermittelirden Standpunkt einllintnlt. In M Umgebung König Husseins herrscht die attgemciite Meinung, daß diesem Memorandum keine politische B e d c n t n n g beigemosien werdet! solle, weil die Mehrzahl der Forderungen nicht einmal zum Teil durchführbar ist, und weil die Ueborreicher der Denkschrift und die Uniterfertiger tticht als Vertreter der arabischen Nation angesehen werden können. Rücktritt weiterer Beamter der palästiaenft« scheu Regienms. London, 10. Februar. (Ziko.) Wie ,,T i m e s" berichten, haben außer Dr. R i ch m o n b mit? Mr. P h i l b y noch fosgeil-de englische Beninte der patästiuenstschen Regierung resigniert: Mr. A d a m s, Direktor des palöstiuensischeir Museums, und Mr. B a u m a u, Sekretär für ErziehnngÄveseu. 12. Februar 1924 Sette .) 9er Pattkau und PMftiua. Rom, 10. Februar. (I. T.. A.) Wie offiziell mitgetoil wird, ist der Erzbischof von Westmiuster, Kardinal B o u r n o, ank 4. d. vom Papst empfangen worden, demer üher die für die Öfterst unter der Führung des Kardinals , geplante Pilgerreise englischer Katholiken berichtete. Der Papst setzte dem Kardinal ausführlich die Haltung des Vatikans in den mit Palästina zusammenhängenden Fragen auseinander und bat ihn, ihm nach seiner Rückkehr von der Pilgerfahrt ausführlichen.Bericht über die Lage in Palästina zu erstatten. Auch mit.dem Kardinal- Sekretär Gasparri hatte Kardinal Bonrno über Palästina-Fragen chic Unterredung. 9t. Rupplu Besen den „Soor Hasom". New-Nork, 9. Februar. (I. T. A.) Das Mitglied bft Zionistischen Exekutive, Dr. Artur Ruppin, der hier im Interesse des Keren Hajessod und der Paläsbvne Land Deve^pment Company weilt, hat das Zionistische Bureau in Jerusalem ersucht, in fernem Muren gegen die hebräische Tageszeitung „Doar Hajom" ein Verfahren einzuleiten, - da chn die Zeitung in verschiedenen Artikeln beschuldigt hat, daß er während des Krieges ihm an-dcrtraute H i l f s g eld e r mißbrauchl-ich verwendet habe. Wie bekannt, hat die Zionistische Exekutive in Palästina vor einiger Zeit diese Beschuldigungen scharf zurückgewiesen und Dr.-Rnppin das Vertrauen ausgedrückt. Inland. Sozialdemokraten und Kultusgemeiade. Die „Arbeiterzeitung" schreibt gestern unter der Mar^ „Zionistische Phantasie": „Das zionistische Blatt erzählt, der sozialdemokratische Parteivorstand habe sich mit den nächsten Wahlen in die — jüdische Kultusgemcinde beschäftigt. Das ist natürlich nichr wahr und ausschweifendste Phantasie hat da die Feder eines Zionisten gelenkt." Dieses Dementi sieht. sehr scharf und gesinnungstüchtig aus. Es trifft aber doch daneben. Wir haben berichtet, daß der sozialdemokratische Parieivorstand zu gestimmt hal, daß für die kommenden Neuwahlen in den Vorstand der jüdischen Knltnsgemeirrde eine Liste sozialdemokratischer Juden kandidiert und von der Partei direkt unterstützt werden wird. Diese unsere Nachricht wird durch die Ztveideut-igkeit der „Arbeiterzeitung" nicht getroffen und wir sind nicht in der Lage, auch nur ein Wort dmi unserer Meldung zurüchunehmen. Unsere Mitteilungen basieren auf Informationen van sozialdemokratischer Seite, die dem Partetvorstand sehr naheste-ht;. um Meuiglrungen zu entgehen, haben wir diese Information in Anwesenheit zweier Zeugen schriftlich sestlegen lassen. Wir tviederholen also: Der sozialdemokratlsche Parteivorstand hat beschlossen, daß die Sozialdenwkraten unter dem Titel „Bereinigung der sozialvcmvkratischen Inden" in den Kultuswahlgang gchen. Solange der sozialdemokratische Parteworstand sich, nicht zu einenr Dcnienti dieser Nachricht herberläßt, bleiben.die Behauptungen unserer Gewährsmänner aufrecht, und die Phantasienotizcn d^ „Arbeiterzeitung" —- bleiben Phantasien. Sie neuen Wiener Gemeindesteuern. Die B u u Vesregier it u g hat bereits einen«. Tei> der.vom Wiener Landtag 'befchlossenen Steuergesetznovellen die Zustimmung erteilt, und zivar der Haus Personalabgabe, Hunde abg ab«, Pferdca b g a b e, W asserkraf 1 abga b e, bem Gesetz über die Ka nz le itarc-n und de-m über die Augen s ch e i ntaren. ßrnst Tollers „Hmkemann". Tonntagvormivttags-Aufführung im Raimund-Theater. Wie traurig die Dertvirvung iit den Köpfen, daß dieses Stück bei jungsn Menschen wütenden Haß weckt, daß sie diese rein.«, gütige, in Qual des Mitleidens gezeugte Dichtung ein ,/Schandstück" mnnen können! Hinkemann, der deutsche Arbeiter, kam verstümmelt aus dein Kriege. Sein Weib ist jung, gesund. Geschlechtshmrger, physischer Ekel vor dem Verstümmebten streiten mit der Liebe zu dem Lebensgefährten, dem Meuischen — der nicht mehr Mann ist. Für seinen Januner hatte nieniand Verständnis. Auch die sozialdenrokmtischen Arbeitsgenossen nicht. Einer von ihnen, der robuste Weibennel'isch Großhahn, schüttelt sich vor Lachen, wie er hört, was Hinkeniann geschah und hat nnt Frau Hinkemann leichtes Spiel. Der traurige Held bet Tragödie verdingt sich einem Budenbesitzer. Arbeitslosigkeit und das Bedürfnis, seinem Weibe Geld zu bringen, da er es doch sonst nicht erfreuen kann, veranlassen ihn, in der Bude des Ausrufers sich als Ratten- und Mänsefresser zu zeigen. (Diese Ueberspitzung ist allerdings zu gräßlich und übersteigt die Grenzen des ästhetisch Zulässigen. Toller mußte Hiickemann nicht just Rattenblut triniken lassen. Seine Erniedrigung hätte anders gezeigt wevden können. Aber man be-gveifo: Ein seit Jahr «nid Tag im Gefängnis Schmachtender hat dieses Drama geschrieben.) Von Grauen geschüttelt, geht Hinkemann in die Schenke, um don Gaumen nach dem Rattenmahl mit Fusel zu waschen. Aussprache mit Genossen. Einer von ihnen ist der typische. Versammlungsredner. Der Mdert, wie alles aufs beste bestellt sein wird in der neuen Ge-sellschaftsordnung. Aber Hinkemann, durch sein Leider« erschreckend wissend geworderr, sagt ihm: „Da, wo eure Heilmittel aufhörer«,da fängt unsere Not erst an; da steht der Mensch allein; da tut sich ein Abgrund auf, der heißt: ohne Trost; da wölbt sich ein Himmel, der heißt: ohne Glück; da wächst ein Wald, der heißt: Hohn und Spott; da brandet ein Meer, das heißt: lächerlich; da würgt eine Finsternis, die heißt: ohr«e Liebe..." GroHahn, der sich in der Zwischeritzeit an Frau Hirckrmanu gütlich getan hat, immut au der Diskussion teil, ist über das Eunuchentnm feines Freundes rwch immer höchst amüsiert und sagt ihm, so zroischenburch, daß Frau Hinkemaun während der Produktion ihres Gatten in der Praterbude herzlick) gelacht hat. — Sie hat natürlich nicht gelacht (das Publikum weiß, daß sie sich weigerte, mit Großhahn in die Jahnuarktbude zu gchen), und es ist die dichterisch wevtvollste Szene, da das Weib zu ihrem Maun zuriickkchrt und alles auf sich nirnmt, auch jene Lüge ihres sattgewordenen Beifchläfers, um Buße zu tun und den« Märtyrer iit demütiger Liebe zu dienen. Wunderbar, wie die Einfache plötzlich mit dem Instinkt des Weibes erkennt, daß es falsch war, die Intrige nicht zu zerreißen, Hinkemanns Antlitz faßt und ihm in die Augen spricht: „Du willst dir ein Leid antnn! So höre doch, ich Hab'-gar nicht gelacht! Ich bleib' bei dir! Immer!!" — Ein Augenblick der Glückseligkeit für beide. Grete Hinkemann flüstert: „Sommer wird sein und Stille im Waild... Sterne und Gehen Hand in Hand..." Ihr Mann aber entwindet sich ihren Armen und ergänzt: „Herbst wird sein und Welken im Laub... Sterne... und Hatz!... und Faust gegen Faust!..." Da schluchzt das Weib auf, weiß alles und konmu ihm durch einen Sprung aus dem Fenster zuvor. — Für Hinkemann bleibt der Strick. * „Diese Zeit hat keine Seele; ich hob' kein Geschlecht: ist da ein Unterschied?" hatte Hinkemaun resümiert. Die reisigen Manipel der Protestler, welche diese Anffühmug stören kamen, waren SeMinge eines seelenlosen, perversen Geschlechts. Was rennt das Volk, was wälzt sich dort... Das find die Herren Studenten. Sic haben sich-nach der Samstagkneipe opservoll schau um die zehnte Movgensttrnde ans den Federn bcniüht, um zu verhindern, daß einer die Liebe kündet. Wundervoll in ihrer wefcnhasten Prägnanz die JnsKni-erung der Tragödie durch Renato M o rdo und die Hingabe der mittvirkenden .Amstler. Die vorgenonunenen Kürzungen sind zu billigen. 9dur die Szene mit Hinkcmanns Mutter, die uns für die Entwicklung der Handlun.g unentbehrlich scheint, hätte bleiben müssen. Wilhelm Klitsch hat noch niemals so einfach menschlich, so beztvingcnd echt gespielt wie diesmal, Trude W e s s c l y erschütternd als Grete Hinlkemaon (unvergeßlich die Gebärde -der Trauer in Not und Lust,'in Sehnsucht und Erfüllung), prachtvoll Hugo Werner-Kahle in der Rolle des Tritten und alle anderen voll Verdienst. lieber die Vorgänge während der Matinee bat unsere gestrige Mittagsausgabberichtet. Otto Abele s Scnafwollrips für Kleider u. Kostüme 130 cm breit K Ql HIHI Arthur Qrün C II uCl.UUU n u r I. Adlersass« W

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.