Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1791 (10.2.1924)
- Date
- 1924-02-10
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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mt ü Wien, SonnraZ Wiener Morgenzeitung. " 10. &1mm 1924 M. 1« Ä Ä ♦ M n 0 P kV I R I < H T « Zum Frühjahr. Das Dichrerwort „ES muß doch Frühling werden^ ist beseligend auch für die Dame. Trotzdem es schneit und wettert, keimt dieser Frühlingsgedanb: in ihr, und um gerüstet zu sein, macht sie sich heute schon Gedanken und Sorgen, grübelt nach Ideen, und wie alljährlich, wiederholt sich auch Heuer, überall wo Damen Zusammenkommen, im Theater, beim Tanztee, auf dem Korso, die halb ängstliche, halb hoffnungsfreudige Frage: „Was lasse» Sg e s i ch als erstes machen?" Wir wollen nicht den Schleier lüften von den Modegeheimniffen der kommenden Frühjahrssaison, sondern uns vorläufig mit ein paar charakterischen Andeutungen begnügen. Zunächst der H u t. Er ist bunt und mit viel Bandaufputz versehen. Die Bänder erscheinen manigfach gefältelt, man komponiert phantasievolt die kompliziertesten Kokarden, eventuell auch Blumen, kann sich aber nur mit übereinander^ gefältelten geometrischen Figuren — Kubismus! — begnügen. ' Es besteht noch die Neigung, auch Strohhüte zu sticken, die allerdings infolge zahlreicher Varianten nie langweilig werden. Unter den bunten Bändern wird das schottische Band eine große Rolle spielen. Das Trotteurkleid wird eine Neubeleburlg oer Rivsstoffinode bringen. Von Farben sieht das satte Blau im Vordergründe, doch werden auch hellere Stoffe zur Geltung kommen. Zimmetsarbe und holzfarbene Töne sind immer noch en vogue. Die Glockenform ist nicht zu umgehen. Als Aufputz dienen Schal- und Bubenkragen. Den letzten Crie bedeutet das bunte Tuch, um Len Hals oder auf den Kleiderausschnitt gelegt, so daß das Ganze einen flotten Charakter erhält. Farbe und Muster richten sich nach individueller Wahl. Bezüglich der K o st ü m e läßt sich sagen, daß die Majcmär weiterhin die kurze kleine Jacke wählen wird. Der Ans^' ist glockig, oer Rock entweder ganz eng oder von den iurieit abwärts in Glocken auslausend. Einen aparten Reiz bietet die Treidlerteljacke, die gleichzeitig als eine Art Baletot benützt wird und speziell für die Frühjahrsireise gute Dienste leisten kann. Burbury und Covercoat bleiben wie bisher der Trost für Regentage. Ter S i u l p h a n d s ch u h bleibt weiter dominierend. Jedoch ist er zum Trotteurkleid nicht mehr mit Fransen, sondern viel strenger geschnitten. Statt der Lederschnalle wird ein Gummidurchzug verwendet, der ein engeres Anschmiegen an die Handfläche und daher auch ein strafferes Ausprägen der Handform ermöglicht. Die Stulpen sind durchlöchert und ausgezackt. Der Stil des Gesamtbildes wird sich gegenüber der f 9 t Mode nicht viel verändern: es bleibt trotz ees glockige- Rockes die schlanke Linie. R. Menczel. Zur Wäschemodr. . geraffter Schürze mit StraKgürtel und wählt dazu ttttett weißen Crepe de Chine-Umhang. Das große Finale sicht sie in einem Chinchillamantel, wie er erstklassiger schon seit Langer Zeit nicht auf einer Wiener Bühne zu bemerke» war. Der dritte Akt bringt ein Trotteurkleid aus zimmebfarbigem Rips, die Glockenform an der Seite kräftig herausmodelliert, noch gesteigert durch die Polarfuchseinfassung. Das Frl. Vese! y konnte sich neben.dieser Pracht behaupten. Im ersten Akt trägt sie ein zyklamenfarbenes BrokaLabendkleid mit Gcaufuchs verbrämt; im zweiten Akt ein Goldkleid, dessen leuchtende Farbe mit dem großen Lilafächer wundervoll kontrastiert, einen Maulwurfsmantel mit langen Fransen, die scheinbar schon zum Absterben verurteilt ' sind. Der letzte Akt bringt ein schwarz-weißes Trotteurkleid. reich gemustert, mit Georgetteärmeln .und Hermelinstola. _ Die schwarze Farbe. Ein schwarzes Kleid ist für je--'. Dame unentbehrlich: als kleines Thealerkleid, als TeeÜeid. als Besuchskleid. Denn es hat seinen ernsten Charakter nur iw-- folge der Tradition, die für den Europäer schwarz Äs Trauerfarbe dekretiert hat. Dieses Schwarz wurde von der Mode übernommen, aber nicht mehr als Trauerkleid, sondern Äs kräftiger, emheillicher Ton neben der Buntheit der Farben, -Re die gesamte Mode zu beherrschen scheinen. Ein schwärzer Alleid wirkt immer elegant und paßt zu jeder Gelegenheit. Man kann übrigens Schwarz auch bloß als Grund on Wahlen und ihn beleben, indem man 'ihn mit bunten Perlen benäht oder überhaupt bunt bestickt. Zum schwarzen Kleid eignet sich trefflich ein bunäer Schuh oder auch ein schwarzer Schuh mit fleischfarbenen Strümpfen. Das schwarze Kleid läßt jed» Frisur, sogar diL extremste, gelten. or. Die Mode im Maskenkostüm. Wir nähern uns zwar dem Faschingsende, nichtsdestoweniger sind einige Bemerkungen über das, was dckv heurige Fasching gebracht hat, nicht ohne Interesse. Tenn es wurden Richtlinien ausgesunden, die vielleicht als Grundelement für die nächste Modeepoche gelten werden. Zunächst sei festgestellt, daß die obl'gaien P'erwt- und Harle inkostünre immermehr verschwinden, was wahrscheinlich mit .der Zurülödrangung der Treivierreltakr-Tänze zusammenhängt. Die festlichen Veranstaltungen stehen im Zeichen der Phantasiekoftüme, die ihre Krönung durch den Phantasiekopfputz erfahren, aus den mehr Ideen verwendet werden als auf das Kostüm selbst. Auch der Domino gehört zu den abgesetzten Göttern: man kann es feinet, Dame verargen, wenn sie ihre prunkvolle Toilette nicht hinter einem Domino verbergen will. Mit dem Domino .sinh' die historischen Kostüme aufs Aussterbeetat gesetzt, ebenso wie die Pagenkostüme und die Allegorien, von denen man geglaubt hatte, daß sie der ruhende Pol in der Moveerscheinungen Flucht bleiben werden. Die individuelle Phantasie mit ihrem großen Spielraum hat die Tradition besiegt. An Stelle dieser sogenannten „Symbole" treten die von östlichen Vorbildern beeinflußten Kostüme, die sich in erster Linie auf die Balltoilette erstrecken. Von entscheidender Wirkung auf diese Geschmacksrichtung waren die Anregungen, die vom Russischen Ballett ausgirrgen. Das russische Ballett, einheitlich im Stil, warf durch seirie reiche, unter altversischem Einfluß stehende Phantastik ■ bk stereotypen Kostnmbrüuche über den Haufen, es modelte oie europäische Ballettschablone um und trat seinen^ Siegeszug an, nachdem es das sonst selbständig produzierende Paris, erobert hatte. Man sieht keine Groteskmaske» mehr, keine Rokokodamen und Schäferinnen, keine Biedech meierpuppen und holden Gretchen — das auf orientalischer Grundlage komponierte Kostüm dominiert. Dazu kommt noch, daß der Kopsputz der östlich orientietten Phantasie die unerhörtesten Möglichkeiten bietet. Selbst die einfachste» Formen können überraschend wirken: der Turban, gewunden, aus buntem Stoff und Perlenketten, besteckt. mit ein paar „Kohinoors" und mit einem Reiherbüschel ist der denkbar günstigste Rahmen für einen Frauenkopf, mag er auch als solcher von der Natur nicht lehr reizvoll aus-- wstattet sein. or. Die Wäschemode ist ebenso wie die der Klerdrw auf der Bühne von Wichtigkeit geworden. Aber die Wäschestücke, die man auf der Bühne sieht, sind es nur mehr dem Namen nach. Sie haben ebenso wie die Kleider dekorativ zu wirken, weshalb sich die. führenden Wäschemodellhäuser nicht darauf beschränken, „Lingerie" zu produzieren, sondern sich bemühen, den TeshaZilles einen solchen Charakter zn geben, daß sie das Wort „Deshabille" gar nicht verdienen. So lieferte beispielsweise der Wäschesalon D. Rosen selb, Kohlmarkt 5, der Frau K o n st a n t i n in „Eifersucht" für den fünften Akt ein fließendes.' leuchtendes Deshabille in Gold, das jede Bewegung des Körpers gestattet, ohne der Anmut zu schaden; darunter trägt die Künstlerin ein der Figur vollkommen angepaßtes Hemdhöschen mit witzigen Spitzensalbeln besät und seitlich in Glocken fallend, wie dies aus der obenstehenden Zeichnung ersichtlich ist. Für Maria Orska („Karussell") lieferte die Firma D. Rasenein Jnterieurkleid aus kirschrotem dünnen Gazp, der mit großen Sammetblumen in gleicher Farbe brochiert ist, toas zum schwarzen Haar und zur weißleuchtenoen Hautfarbe der Trägen» wundervoll kontrastiert. Darüber - trägt die Orska eine Teejacke aus leuchtendem Silberlame mit abgetönten Blumen und grauer. Pelzverbrämung, eine Komposition, die ungeahnte Farbenwirkungen ermöglicht. Was das prinzipielle in der'Wäschemode anlängt, hat sich-'die praktisch denkende junge Frau trotz ihrer kaum zu leugnenden Vorliebe für Luxusmaterial von den - traditionell ' verwendeten einfachen Stoffen, wie Petkalin 'und. Batist/ nicht emanzipiert. Besonders in- Ausstattungen bildet bps letzterwähnte Material, den Grundstock. Wie uns-der Wäschesalon D. Rosenseld mitteilt, hat er insoweit eine Neuerung eingeführt, als er die. schien, sonst nur'aus'Luxus- . material verfertigten Modelle auch beim einfachen und praktischen Material verwendet. . r.' M. - ' : V ■ QrxÄrehenM Modell aus dem Wsschesalo« D. Rose«- st, , feld, 1. Bez^ Kohlmarkt 5. »Die silberne Tämerin." Toilettenscha« i« Earl-Theater. Ein Teil des Damenpublikums ist oft weniger gespannt auf das Werk als auf die Toilettenschau, die jetzt zu. einem, unumgänglichen Bestandteil der Operette geworden ist. Unter Ausstattung versteht man in diesem Fall größtenteils die Mode. „Die silberne Tänzerin" hat in diesem Punkt nicht enttäuscht. Lea Seidl trügt im ersten Akt ein ganz anliegendes Silberlamekleid mit langer Schleppe, gediegen ttt - Material und Schnitt, den dazu gehörigen Cgpemantel ' aus'.Silberbrokat mit grünem Untergrund, wobei der kapuzen--. aptige Kragen vorne-zu binden ist. Im zweiten Akt erscheint ' sie in einem Hochzeitskleid ans weißem Chameüse, großer Ariestaften der Modebericht. Kultm. Wir werden über das von Ihnen angeregte Thema ausführlich berichten, denn das Problem >t>er Schv-nheitspflege darf nicht einstttix, auf-ae'faßt werden. Neben dem rem Modischen spttll die hygienische Seite eine gewichtige Rolle, was übrigens schon im Altertum erkannt wurde. — Spitzer. Erscheint in der nächsten Sonntagsrmminer. SPITZ ER & MARKTS!' n. HOLLANDSTRASSE 1 ATELIER für feitte englische vornehme Damen mode Herrea^arderobe Ko®tüme’ ö u. Strassen-Kleider vornehmsten Genres jo feinster Aasffihnuig Komplette Brautausstattungen WASCHE-SAION nur?,KohlmarldSi Alte Wiese Vollständige Babytrousseaux tJ&ienJ. JÜiMpretmarht 4? ffiobes. Kostumes.J?lanteaum fizqffowm et fowrureß ffeleftm, 3)ie neuesten IM o de Ile in grossen Slbend- und Stilkleidern I.ROTENTURMSTR. /I jeder, Gürtel .» VS« us Guimnit Trikot und elnsleit frans* Sloffffsn