Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1787 (6.2.1924)
- Date
- 1924-02-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette S Men, Mittwoch Wiener Mor-ienzeiluns. 6. Februar 1924 Nr. 1787! Die Adresse der jüdischen Delegatiyn au König Hussein. Jerusalem, 1. Febmwr. (I. T. A.) Die jüdische Tele-, Sattem überreichte während. ihres Besuches dem König Hussein am 27. Jänner folgende Adresse: „Wir erlauben uns, Ew. Majestät unsere achtungsvollen Grüße zu entbieten. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß die von altersher durch eine gemeinsame schöpfe rische K ültur ' verbundenen beiden 'großen semitischen Völker in der Stunde ihrer nationalen Wiedergebürt .die Bottvendigkeit der Verbindung ihrer Hebensi'nteressen in gemeinsamer Arbeit einsehen »werden. Das jüdische Volk wünscht,. mit..der.arabischen Bevölkerung in einem guten E i n v e r n e h m e n und gegenseitiger Achtung zu leben, damit durch -vereinte Anstrengungen -die gemeinsame Heimat in ein blühendes Land verwandelt werde, dessen Ausbau jedem Teil seiner Bevölkerung eine ungestörte' nationale Entwicklung sichert. Der Wunsch des jüdischen Volkes, mit dem arabischen Volk gemeinsam an der Wiederarfflebung des Orients zu arbeiten, würde inder folgenden' Resolution des 13. Zionfftenkongresses vom Jahre 1923 autoritativ ausgedrückt: Der Kongreß sieht in dem Erwachen des Orients einen der wichtigsten Faktoren in dem Wiederaufbau der Welt. Das jüdische Volk, das jetzt mit dem Aufbau seiner nationalen Heimstätte beginnt, ist entschlossen, alle seine geistigen, moralischen und nationalen Kräfte mit dieser' erst in der Entwicklung begriffenen, jedoch an Energien nach Möglichkeiten so reichen Welt zu verbinden, und m i t der Bevo lk erung, deren Schicksal es teilt, in einem gleichberechtigten Verhältnis, in enger Verbindung . und befruchtender Interessengemeinschaft zusammenzuarbeiten. - .Weiter erklärtes der Kongreß noch, daß „die Rechts rller Gemeinschaften in Palä stin a unter allen' Umstanden als gleichheilig angesehen werden". In diesem Geiste der Zusammenarbeit und des guten Willens gegenüber unseren arabischen St am m e sbrüdern soll der Entschluß des jüdischen Volkes, sein nationales Heim zu errichten, zur Ausführung gelangen. In Verbindung, mit den oben zitierten autoritativen Veröffentlichungen, möchten wir Ew. Majestät Ausmerk-' samkeit noch, aus die nicht aibzustrertende Tatsache lenken, daß. Palästina einen einzigartigen Platz im Herzen des. jüdischen Volkes eimrimmt: .durch dessen historische Be'rbunderchett mit diesem Land, durch die Liebe, des, jüdischen Volkes für dieses Land, durch seinen Willen, es wieder ausxudauen, durch seine Arbeit in^tziesM Lande und jetzt auch , noch durch die internationale Unerckennnng.. Außerdem" glauben wir noch, daß die Harmonie und Pas gute Ein-, vernehmen zwischen Juden und Arabern in Paläftinasich' als ein positiver und wer voller Faktor in der allgemeinen. Wiedecherstellung der einstigen Fruchtbarkeit auch der benachbarten Lander erweisen, wird. - Indem wir dieser Hoffnung Ausdruck-geben, embieten wir Ew: Majestät unsere respektvollen Wünsche für eine lange und fruchtbringende Regierungszeit." Während ihrer Besprechungen Nnt König Hussein hatte' bte jüdische Delegation' auch Gelegenheit, dem König eine' Fnterpretation der Balsour-Deklaration §u geben. Hussein und sein Sohn Emir Abdullah' nahmen diese Interpretation verständnisvoll aus. bestanden jedoch aus einer formellen Anerkennung der politischen Rechte der arabischen Bevölkerung in Palästina. Beide gaben dem 'Wünsche Aus-' druck, daß die j ü b i sch e Bevölkerung her ganzen. Welt den. ft t abi s.che n'.'P rodle 6r e. n ihre Aufmerksamkeit. und' U n terst utzü n g zuwenden möge. Emjr Abdullah fugte. diesen Erklärungen noch hinzu, daß die in Palästina., lebenden Araber ihre Wünsche den Interessen der in a nderen Teilen -der arabischen Halbinsel lebenden -Araber angle i chen sollten. ' ' ' °' Tie Sachverftändigen-Kommiffionen. iEigestdienst der „Wiener Morgenzeitung" s Berlin, 5; Februar. Die „B. Z." berichtet:.Der Bwkehr -er Sachverständigenausschüsse mit den „bisher gehörten Auskunstspersonen. Vertretern der Regierung und der Finanzweü, hat sich in so sachlich einwandfreier, und g - 'e &>*» w^r die Verweigerung irgendeiner Auskunft, noch, auch die Erteilung, und ^Beobachtung von Regierungsinstruktionen überhaupt. nur in Frage kommen könnte. Wir glauben zu wissen, daß. die über die einschlägigen Bestimmungen genau orientier-- ten und im besten Sinne des Wortes. sachvevständi'en Komiteemitglieder bei ihrer Fragestellung keine der vernommenen Personen etwa in Verlegenheit gebracht haben, das B"a n kge he i m n i s oder dergleichen zu verletzen, daß . aber aus der anderen Seite auch.keine Fragen unbeantwortet bleiben mußten. Cs darf festgestellt wer- . den, daß die Arbeiten der Ausschüsse ohne jeden Zwischenfall rüstig sortfchreiten und daß von irgendwelchen Verstimmungen oder Schwierigkeiten nicht 'd'ie. Rede sein kann, . Ter zweite Sachverständlgenausschüß veröffentlicht folgendes Eommunique: Die Aufmerksamkeit des zweiten Sachverstandigenausschusses ist aus Presstäußerungen gelenkt worden, nach welchen die Ende dieser Woche erfolgende Abreise des Ausschusses aus Berlin dadurch verursacht werde, .daß die deutsche Regierung nicht imstande gew.sen fti, Fragen, d:e die deutschen Auslandsguthaben betreffen, pl beantworten. Diese Mitteilungen entsprechen in keiner Geheime Waffenlager ln Bayern. Kahr und die Rationalsozialiften. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 5. Februar. Wögen, Veröffentlichung eines Briefes des Hitler-Leutnants Götz an GssipMvnasgenossen über den Novemberpuffch.in München wird von der bayrischen Regierung die Einleitung eines Hochverrats- 'v erfahrensg ege n d e n „B o. r war t s" augestrengt. Der „Vorwärts" berichtet: In bayrischen Regierungskreisen -wird daraus hingewiesen, daß durch die Bekanntgabe dar Mitteilungen von gehei-menGewehr- und Mun i t.i o n s.b estände n ein,glatter Landesverrat begangen worden sei, der nicht ungeahndet bleiben könne. Tatlache' sei auch, daß sich bayrische Stellen sofort mit der .Reichsregierung ins Einvernehmen gesetzt hätten. . In dein Brief, den Leutnant Götz an einen Freund namens K r a tz k e richtet, heißt es: ' i . Untorwogs ruft nvich Befehl zum Regimentsführer. Mit versiegelter Order soll ich im St. Annen- Kloster antreten, die Straßen sichern und ans Befehl warten. Ich rücke aTn'.o ab und sperre die Straßenzüge, wie befohlen, ab, gehe zu dem . Käpüzinerklosterprior und übergebe befehlsgemäß das versiegelte Schreiben. Der öffnet, liest, und begrüßt mich' stürmisch, führt mich durch - endlose, lange Kellergängr. durch Gräbst a t t e n u -n d Kat a k o m b e n an «ne Mauer und sagt: „Hier lassen Sie öffnen!" Ich lasse Leute mit Pickeln und Schaufeln komMn, breche eineanderthalb' Meter starke Mauer auf und -rhabe vor mir ein Riesengewölbe mit, wie sich «später ovgab, 8570 tadellosen Gewehren. -. Sie wegzutransportieren war zunächst unmöglich, da mir trotz meiner 4M. Mann keine genügende Anzahl dazu übrig blieb. Aus Ansovd.wnng bskam >ich drei Kompagnien von sw ■ I. TJRATiNBRHOf 2 (Gtabtn Versuchen Sie unseren Weise, den Tatsachen. Der Ausschuß uatte ursprünglich gehofft, -daß er seine Berliner Untersuchungen gegen Mitte dieser Woche werdebändigen können. Ein Teil -des -vorzubereiten-den Jnsornmti-ons mat-erials ' erforderte jedoch unvermeidlicherweise längere Zeit, als erwartet -worden ivar.:Tatsächlich ^hat-der Ausschuß sowohl seitens der deutschen Regierung als auch seitens der Banken jede nur nrögliche- .Unterstützung'gefunden. Der Ausschuß 'benützt gleichzeitig ..diese Gelegenheit zu -erklären, daß in dem von den; Banken zur Verfügung gestellten Zahl-enma 1 er-ial die Namen '.auswärtiger-'Kunden weder erbeten, noch bekannt-gegeben! worden sind.. Ter Ausschuß, hat es nicht für nötig gehalten, .irgendwelche^' Un-teMchungenanzusbe-llen, die das BankjtzcheiM-is verletzen.' - " ' Oberland unterstellt und vierzehn Lastwagen mit Anhängorn. Nun gab es ein herrliches Bild! Durch endlose Gänge und zwei Stockwerke (unter der Erde!) wurden nun die Gewehre durch Ketten von Mann zu Mann gereicht, durch Gänge und Treppen bis auf die Straße M den Lastwagen. Lautlos ging alles! Am Loch, aus dem die Gewehre geholt wurden, standen Kapuzinermönche mit Pechfackeln, und drinnen arbeiteten schweißüberströmt( im magischen Licht meine Leute. Es war ein -unvergeßliches Bild! Di« Gewehre waren von der Einwohnerwehr, und der schriftze iliche Befehl, dieise Gewehre zu holen, war unterzeichnet: Dr. v. Kahr! Also er hat urvs zuerst noch k> ewaffn? 1s Hnd wenn cr später behauptete, er hätte uns entwaffnet, so muß es heißen, er hat einen Teil söiner GM»ehre wiodergeholt; denn Von uns hatte keiner eine eigene oder der Partei gehörige Waffe bdbri! Wir arbeiteten rasend, und doch dauerte es bis morgens halb 6 Uhr, bis das letzte Gewchr verladen war: Die drei Oberlandkompagnien ließ ich abvücken und rasselte mit vier-. zehn Wagen durch die Stadt, trotz der späten oder frühen Stunde jubelnd begrüßt. Am Zicll angekommen, erhielt ick> Befehl, mit neuen sechs Wagen und der Kompagnie Munition zu holen. Di-ctze bekam ich in der Dresdner Bank aus. den Stahlkammern, die nicht weniger als 3300 Kisten enthielten und ganze Keller ausfüllten. Meine Wagen mußten viermal fahren, bis alles weg tvar. Der ganze Keller war em riesiges Heerlager. Die Jnsanterieschub? rückte geschlossen mit allen Offizieren an und trat in die Reihen ein. Teile der Reichswehr kamen mit Waffen,- Autos aller Art,. Fahrzeuge kamen, von auswärts kamen Lerrte aus Autos mit Maschinengewehren, Mlnenwersern, Geschützen usw." Irr amerikanische Prtroleumskandal. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Washington, 5. Februar. Die Untersuchunigskommüssio«' Wer die Pe t r ö l e u m a f s ä r e, deren Kompetenz von dem früheren Jnnemninifter Fall bestritten wird, hat erklärt, - sie werde demnächst auf gesetzlichem Wege eme Erweiterung ihrer Kompetenz zu erreichen suchen, um Fall zur Zeugenaussage zwingen zu'können. Sollte -dies nicht, -rnöglich' sein, dann werde die Angelegenheit wahrscheinlich einer eigens zu bilden'den großen - Jury unterbreitet. werden. Söllten die gegen Fall erhobenen Anklagen sich al^ richtig erweisen, 'dan-N müßte Fall nach ,° den bostchenderr Gesetzen zu einem Jahr Gefängnis und 1000 Dollar Geldstrafe Vevuvtevlt werden. Der Untersuchungsausschuß iat der Petrolenmassäre hat - die Leitung der Ehas.-Nationalbank in New-Äork mit der Aufforderung Vovgeladeu, ihre Bücher zur Einsicht vorzulegen, aus welchen sich die Geldverfügnngen des Erd- . Amagnaten Sinclair ergeben, die dieser in der Zeit seiner. - Unterhandlungen mit dem früheren Minister des Innern Fall toegen Vevpachtung der Oelsetder getroffen hat. Man lcrwartet von der Aussage der Bankbeamten neue sensationelle Enthüllungen. Smol-air selbst hat . aus Paris, wo er sich gegenwärtig aushäü, telegraphisch die Mitteilung geschickt, daß er sich am Mittwoch nach New-Nork einschiffen werde undbereit fei. vor der Untersuchungskommiffion auszusagen.. ’ . / LeutWand zu veüere« BerhaudlMgea «lt Frankreich bereit. 'Berlin, o. Februar, (Dcl.ÄkömP.) Gegenüber Behaustt-ungen französischer Blätter, die aus Grund der Rede S t rs-em a n n s berichteten,' die -deutsche Re'gi-erimg wolle die -dmisch-fta-nzösischen' Bech'aMungen nicht weiter fortsetzen, - -wird' in ^ständigen Berliner' politischen Kreisen erklärt, daß es sich '-dab-.ü 'unt grundlos« ftünz-ösifche Konrbinationen handle. -Man» denke nicht daran, die Mühsam an gebahnten Verhandlungen 'mit der französischen Regierung nunmehr wieder aulfzu-- geben.; Der 8epar«lüsm«s in Hamover. . . (Eigendienst.der „Wiener Morgenzeitun^.) - Lamburg, 5. Februar. Innenminister Dr. I a r r e s erklärte gestern >auf einet V t r sammlung der D e u tscheu V o l k 8 p a r t e.-i, in Harburg,-die deutsche- Regierung ' sehe in den Bestrebungender Deutsch-Hannoveraner feine groß e Ge f a h r für das ganze Deutsche Re i.ch. -Er. habe die - deutsch-hannoverischen Führer gebeten, v o n.- e i n e r A b ft. i m m ung -A-b st and z u n e h->. me rr,, doch hätten sich diese dazu - w e u ig geneigtge-' z e i g t Wilson» Beisetzung. (Eigendienst der,Wiener Morgenzeitung".) Rew-Nörk, 5. Februar. Es ist nunmehr festgesetzt, daß die Beisetzung Wilsons'mo'rgen stattfinden wird. Die Beisetzmrg ersolgt an einer Stätte von wunderbarer Schönheit in den Gewölben der in Bau. befindlichen St. Peters und Pauls- Kathedrale' des Bischofssitzes Mount'Saint Albans auf den .Höhest westlich von Washington. Dort wird er in aller Stille ohne' feierliches Gepränge beigesetzt werden. Er erhält die wündewollste Ruhestätte, die je' einem Staatsmann zuteil geworden ist. Rublaub« zentraiexekutwe. > Zweikammernshstem. Wossta«. 5. Februav. Die auf dem zweiten Unionskongreß gewählte Zentralexekutive der Union der Sowjetrepubliken besteht gemäß dpr UnionSversasiung auS zwei Kammern. Erstens auS dem U n i o n S r a t von 414 Mitgliedern proportional der Bevölkerungszahl der Sowietrevubliken und zweitens auS dem N a t i o n a l r a t von 100 Vertretern der 32 Republiken und autonomen Gebieten. D as Präsidium de r Zentralexekutive besteht auS 21 Mitgliedern, nämljch je 7 Vertreter des UnionSrateS und deS Nationalrates, und 7 vom Plenum beider Kammern gewählten Vertretern. Den. Vorsitz führt K a l i n i n (R. S. F. S. R.h P e t r o w r 11 lUkraine), Narimanow (Transkaukasische Föderation), Tscherwiakow ^Weißrußland). Der neugewählte Sekretär. der allrussischen Zentralexekutive ist K i s e l e w. Deniselo» tritt zurück. (Eigendienst der Wiener Morgenzeitung".) Athen, 5. Februar. V e n i s e l o s. hat endgültig U*. schlossen, zu beimifsioniiren. und als seinen Nachfolger den. gegenwärtig Justizmimster Kafandaxis bezelchne-t. Wahrscheinlich wird auch der ÄußMMinister Rufsos feine Demission geben. Die Veränderungen int Ministerium werden der Nationalv-ersamm'liUNH in ihrer nächsten Sitzung bekanntgegeben werden. Veniselos wird Inder Nähe von A t h e rl seinen Wahnsitz wählen. Athen, 5. Februar. Der konservative Minister Kasandaris hat das Mandat des Regenten, ein neues Kabinett zu bilden, angenommen. Er wird morgen die Kabinettsbildung versuchen. Die Minister M i h a l a k o p o p u l o s, R u s s o s und Falalas werden an dem Kabinette nicht teilnehmen. ' Im Laufe der heutigen Versammlung der konservativen Partei erklärte K a s a n d a r i s, man müsse die Volks a bstimmung durchführen, damit die Absetzung der Dy- '»^stie endgültig und für immer unwiderruflich geschehe. '