Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1787 (6.2.1924)
- Date
- 1924-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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UfazeTmnwiwKttOO Wien Zum Abholen in der Expedition, Il^Taborstr. 1 -3, '»der in einer Verschleimst eile (Trafik 1 monatl. K 35.000 Strassenverkaof in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt,I.Bez.( Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien n, Oesterr. monatl. K 35.000 Ts,c h r e ho-8 1 owa k e i: Mon. K 18. iueoslawien: Mon. DiriarßO. Polen' Mon. osterreich. Kronen 30.000, Deutsch!.* Mon, Geldmarkt—, Frankr., Belgiern Mon. Frcs. 12 tMT NacbcahloNfeo hei Preiterhöhunsreu Vorbehalten Nr. 1787 Wiener u Wien. Mittwoch. 6. Februar 1924 Oie da sterben wenn sie lieben CrÄäösiäT^/r Po'8n:poIn.Ht 200-001 Italien: Monatl.' 12 lite» Rumänien Mon. 130 Bulgarien Mon. 80 Lewa» S c h w eit und das übrige Ausland monatlich Fres. 4 Redaktion u, Administration Wien, II., Tahorstrassel—S Telephone: 44-0-38,43-3-19, ab 6 Uhr abds.19-483,25?282 Tel.- Adr.:„M»rxentaükML^ Wien Oösterreichisches Postspar* kassen-Konto Nr. 150.693 0. Jahrgang Sie Rüftuugssremde. —y. Wien, 6. Februar. Moskau Md Rom. Die Persönliche Aussprache zwischen Mae Donald Lnd Poincare ist einstweilen verschoben worden, wohl mit Rücksicht auf die Tagungen der Parlamente, die die Anwesenheit der Premiers erfordern. Doch hat der englische Ministerpräsident dem Pariser britischen Botschafter in längerer Unterredung Austlärungen über seinen Standpunkt zu den schwebenden weltpolitischen Angelegenheiten gegeben und hat damit einen bedeutsamen Meinungsaustausch mit Paris begonnen. Das englische Kabinett hat die Frage der Einberufung einer großen internationalen Konferenz von neuem erwogen. Endgültige Beschlüsse sind noch nicht gefaßt worden. Dies wäre auch kaum zu erwarten, da einer solchen Stellungnahme erst eingehende Verhandlungen mit den beteiligten Staaten vorangehen müssen. Doch hat das englische Kabinett in gewissem Sinne bereits seine Haltung zu erkennen gegeben. Es hat den vom Ministerium Baldwin übernommenen Plan, die Arbeitslosigkeit durch den Bau von Kriegsschiffen zu lindern, verworfen. Das war nach den programmatischen Erklärungen der Arbeiterführer wohl zu erwarten, ist aber doch ein sehr erfreuliches Signal in einer Zeit, von derder Rüstungswahnsinn wieder Besitz ergriffen hat. Obzwar noch nicht zu erhoffen ist, daß auch andere Mächte dieseni Beispiel folgen und die Sanierung der Weltwirtschaft durch pro-' duktive.Arbeit anstreben werden, wird doch das militaristische Fieber ein wenig gehemmt. Es wird ein sehr deutlich hörbarer Appell an die Böller gerichtet, den diese wohl verstehen werden. Dieser Beschluß des englischen'Kabinetts hat wenig' Beachtung in der Weltpresse gefunden. Dies ist bei der Genauigkeit, mit der jetzt jedes Wort der neuen Männer verfolgt und verzeichnet wird, auffallend, aber doch aus per Einstellung dieser Presse erklärlich, die es vermeidet, pie mächtigen Generale die hochadeligen Diplomaten und die Kanonenfabrikanten zu reizen und darum gerne alles unterdrückt oder bagatellisiert, was diesen Beherrschern der Welt wider den Strich geht. Die Arbeiterregierung, deren Amtsantritt das größte und nachwirkendste politische Ereignis seit dem Wiener Kriegsrat vom Sommer 1914 darstellt, erfreut sich geringerer Sympathie, weil ihre Tätigkeit darauf abzielt, der internationalen Verständigung den Weg zu ebnen. Sie will eine direkte Aussprache der Staaten herbeiführen, somit, das Werk, das Lloyd George in Genua fallen lasten mußte, wieder aufnehmen, aber unter gründlich geänderten Vorbedingungen. Seit Genua ist der Verfall Deutschlands, den dort noch Rathenau bremsen konnte, zur Tatsache geworden, aber auch Frankreichs Wirtschaft ist nicht verschont geblieben. In der kleinen Entente ist eine Umgruppierung eingetreten, die das Schwergewicht 8er Balkanpolitit nach der italienischen Seite hin verschoben hat. Frankreich hat es versucht, diesen Echcc. durch Militartredite an die Kleinstaaten wettzmnachen, ist aber auf den Widerspruch Englands gestoßen, das darin eine Verletzung des sonst sakrosankten Versailler Vertrags erblickt. Alles drängt einer Neuordnung zu und cs scheint, daß die Labour Party nur mehr den psychologisch günstigsten Augenblick zur Ergreifung der Initiative abwartet. Der rusiisch-italienische Handelsvertrag Mt unterzeichnet. (Eigendienstder „Wiener Morgenzeitung".) Rom, o. Fe bruar. Zn dem Aufschub der Unterzeichnung des italienisch-russischen Vertrages wird gemeldet: Der Auffchub in letzter Stunde ist infolge eines Telegramms aus Moskau erfolgt. Auf die Mitteilung des Sowjetdelegierten Zordansky, daß die bereits anveraumte Unterzeichnung auf « n bestimmte Z e i t verschoben werden müsse, weil die ume russische Regierung de» Vertrag noch im Wortlaut prüfen wolle, sprach Mussolini seine Ueberraschung über diesen unvorhergesehenen Auffchub ans, da niemals die Rede davon gewesen sei, den Text nach Moskau zu schicken, den man dort sehr gut kennen müsse. Wie der Sonderkorrespondent des „Corriere della Sera" aus Moskau berichtet, wird als Grund für die Nichtunterzeichnung des Handelsvertrages in politischen Kreisen angegeben, Rußland sei nach der Anerkennung durch England nicht mehr gehalten, Italien jene Vorzugsbedingungen zu gewahren, die dieses verdient hätte, wenn es als e r st e r En t e n t estaat den Weg znr WiederauMhme der diplomatischen Beziehungen gegangen wäre. Die Sowjetregierung versuche sich mit der Behauptung zu rechtfertigen, Italien habe im letzten Augenblick Ansprüche erhoben, die zuzugestehen, die Sowjetdelegation in Rom nicht znstLndig sei. Mnsvruch knglaudr gegen dm mUchitalienischen Handelsvertrag. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 5. Februar. Die EMär-ung des russischen Kommissärs in Rom, daß er nicht in der Lage sei, den Vertrag mit Italien sofort zu unterzeichnen, da seine Regierung ihn nochmalszuprüfen 'wünsche, ist gestern erfolgt. Gleichzeitig scheinen von englischer Seite in Rom Bedenken gegen den italienisch-vussischen Vertrag vorgebracht. worden zu se-m. „Daily Telegraph" meldet, daß schi-ffahrtstechnische Bestimmungen des Vertrages, lbesonders über die Küstenschissahrt im Schwarzen Meere, einen Verstoß gegen die Abmachungen zwischen England, Frankreich und Italien rm Haag und-in Genua darstellen, wonach keiner der Alliierten versuchen soll, von Rußland Zugeständnisse zu erlangen, die die. Rechte, und ' Ansprüche der anderen Alliierten beeinträchtigen könnten. v Stnrmszenen m der Nationalversammlung wegen -er ammllietten Debrecziner Ersatzwahl. (Eigendienfi der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 5. Februar. Der Zentralausschuß vou Debreczin hatte kürzlich die int dritten Bezirk dieser Stadt stattgesurrdene Wahl zur Besetzung des vakanten Mandats für die Nationalversammlung in durchaus ungesetzlicher Weise annulliert, um euren Wahlsieg -er Oktobristen zu v e r h r n d e r u. Dieses Verfahren des Wahlausschusses kam heute in Form einer Interpellation vor die NationalvevsanmÄung. Der Mgeordnete Ruppert richtete mit einer längeren Motivierung die Frage an den Minister des Innern, o!b er geneigt sei, die ungesetzliche Entscheidung des ZentralauÄschusses albz-nändern. Wahrend der Rede Rupperts kam es zu stürm rschen Szenen, als dieser die Erklärung niachie, daß die Öffentlichkeit nicht mehr darauf vertrauen könne, daß jedes Mitglied der Regierung ein Gentleman sei. Vmn Vorsitzenden ausgefordert, zu erklären, wie er diesen Ausdruck gemeint habe, antwortete er, die Debrecziner Vorgänge seien geeignet, in chm die Neberzeuaunci wackMrufen. daß der Minister des Innern kein Gentleman sei. Wegen dieser Erklärung entstand bei der Mehrheit ein ohrenbetäubender Lärm. Die Parteien über-' schütteten einander mit heftigen Beleidigungen, und ohne daß die Opposition es wahrncchm, fragte der Vorsitzende das Haus, ob es den Abgeordneten Ruppert wegen.der groben Jnsultierung an den .. ' JmmmrMsausschutz weisen wolle. Die Mehrheit erhob sich und entsetzt kam die Opposition dahinter, worum-es sich handle. .Jetzt war die Reche der Empörung an sie gekommen, und da der Lärm unbezähmbar schien, sah sich der Vorsitzende veranlaßt, die Sitzung zu suspendieren. Während der Pause stürmten alle in die Mitte des Saales und versuchten sich gegenseitig von der G e s e tz w i d r i gfeit des Beschlusses zu übe^eugen. In der wiedeveräffne-- ten Sitzung entspann sich eine Geschäftsordnung^- de batte, die sich so lange hinzog, bis der Vorsitzende einen günstigen Augenblick wachrnahm, um die Sitzung zu schließen. . i Gelingt ihr Plan, so würden die Quellen der Verhetzung und der Kriegslüst verschüttet werden, die bislang den Zugang zu einer sozialen Erfassung der Menschheitsfragen gesperrt halten. Das ist den zu einem weltumfassenden Konzern vereinigten Interessenten der Vergiftung wohl bekannt und darum erfährt der Leser, daß Mac Donald dem König die Harch geküßt habe, mit. genauer Ausmalung des Zeremoniells, darum hört er, den Widersinn, daß Rußland mit der Anerkennung durch England unzufrieden sei, darum erzählt ihm die Presse dieses Konzerns — wozu natürlich die Wiener „Neue Freie Presse" gehört —, daß die Arbeiterregierung nicht willens sei, in dem so beliebten Horthy-Staat Ordnung .zu machen. Der tatsächlich gemachte Vorstoß der britischen Regierung gegen den Militarismus, der den Beginn einer völlig neuen Orientierung der Weltpolitik bedeutet, verschwindet in dieser Orgie der Fälschung. Aber die Wahrheit ist doch stärker. Sie läßt sich weder vertuschen noch verschweigen. mmmmmmmmmmmmmmmmmammmmmmmmmmmmmammmmm Mac Zonaldr Erklärung. (Eigcndienst der „Wiener Morgenzeitnng") London, 5. Februar. Das Hauptinteresse wendet sich dein Bericht des Premierministers zu, den dieser unmittelbar nach Wiedereröffnung des Parlaments erstatten wird. Dieser Bericht wird eine Darlegung der Politik der neuen Labour-Regierung in Verbindung mit einer Beleuchtung 'der inneren und äußeren Angelegenheiten enthalten. Ter wichtigste Teil ist die von Mac Donald persönlich versaßte Betrachtung der jetzigen Lage in Europa und ihre Beurteilung gemäß der Richtlinien der Laboür.Regieruug. Interne Erfolge. London, 5. Februar. Die internen Arbeiten der Regierung machen gute Fortschritte. Ein beträchtlicher Erfolg ist Ws. daß es gelungen Ist, für die Agrarreform die Unterstützung des LordBledislane zu gewinnen. Ein bedeutender konservativer Agrarier erklärte bfsentlich, daß er die Pläne de'' Regierung im Oberhause unterstützen werden. Schwedens Unzufriedenheit mit dem Mllsrhnnde. Ursache: Der .ureiselhafte Geist des Bundes. Stockholm, 5.- .vc&rtiar.*, (Sei. der „Wiener Morgen» zeitung") In maßgebenden Kreisen herrscht große Unzufriedenheit mit dem Völkerbunde, die auch in einem Ministerrate zum Ansdruck kam. Staatssekretär Trygger gab bei der Erörterung der schwedischen Außenpolitik. die Erklärung ab, die Mitgliedschaft beim Völkerbund bringe für Schlveden nur Verpflichtungen mit sich, ohne eine Hilfeleistung zu garantieren, da der G e i st von dem der Völkerbund beseelt sei, sehr zweifelhafter Natur sei.