Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1786 (5.2.1924)
- Date
- 1924-02-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1786 Wien, Dienstag " ' ^eutungswandol ist hier freilich sehr stark. „Kümmelblättchcn", das bekannte Glücksspiel mit droi Karten, heisst eigentlich gimel, Zahlbnchstabe für drei. „Kaffer", ein einfältiger, ungebildeter Mensch, stammt von kaphar, Dorf, und heißt soviel wie Dörfler. „Maske", Geisichtsverhüllung; stammt von matzwe, Hülle, Schleier. Auch viele deutsche Familiennamen sind hebräischen Ursprungs: Ascher gleich der Glückliche, Elissen gle'ch ben Elia, Eliassohn: Hahn ist kein Hahn, sondern eine Zusammensetzung aus Elhanan, Katz aus Cohen Zedck, Kaufmann ist kein Kaufmann, sondern Kopmann, eme Verkürzung von Jakobmann, Mayer (in verschiedenen Schreibungen) heitzt eigentlich moir. leuchtend, glänzend. Sehr zahlreich sind auch die dem althebräischcu Schrifttum entnommenen sprichwörtlichen R.densarten, die dem deutschen Sprachschatz einverleibt worden find; da ist der Einfluß der hebräii'chen Bibel auf den Geist dar deutschen Sprache unverkennbar. Biele deutsche Kernsprüche, die heute noch der Volksmund gern und häufig gebraucht, sind Bi'belworte. Friedrich Kluge gibt in seiner Deutschen Sprachgeschichte ein interessantes Verzeichnis von deutschen Kernworten, die der hebräischen Bibel entnommen sind. Folgende kerndeutsche Sprüche sind Bibelsprüche: Bloibe im Lande und nähre dich redlich (Ps. 37), Recht muß doch Recht bleiben (Ps. 94), Wer andern oine Grube gräbt, fällt selbst hinein (Spr. 26), Unrecht Gut gedeiht nicht (Spr. 10), Hochmut kommt vor dem Fall (Spr. 15), Wer sich, in Gc'ahr begibt, kommt darin um (Sirach 8). Das Weick lobt den Meister (Sirach 9), Wer Pech angreift, bv'udelt sich damit (Sirach 13), Gowalt geht vor Recht (Hab. 1), Bis hierher und nicht weiter (Hiob 38), Mit fremdem Kalbe pflügen (Nicht. 14), Im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen (1. Moses 3), Seinen Mut an jemandem kühlen (2. Moses 15), Ein Dorn im Auge (4. Moses 35), Sein Herz ausschütten (1. Sam. 1), Ein Kind des Todes (1 Sam. 26), Wider den Strom schwimmen (Sir. 4) Diese von Kluge angeführten Kernworte «und sprichwörtlichen Redensarten könnten noch vielfach vermehrt werden. Nicht jeder, der den Ausdruck „himmelschreiend" gebraucht, weiß es, daß diesem Ausdruck die Stelle 1. Moses 4, 10 zugrunde liegt. Wer Aufwiegler und Marktschroier eine „Rotte Korah" nennt, hat ihnen eine biblische Bez.ichnung aus 4. Mos. 16 gegeben, und wer „das goldene Kalb anbetet", macht sich nach 2. Mos. 32 des Götzendienstes schuldig. Wer von einem „wunderlichen Heiligen" spricht, hat ein Psalmwvrt zitiert, und wer da sagt „Gott gibt's den Seinen im Schlafe", hat einen Psalmvers in ein Sprichwort umgewandelt. Wir sprechen mit dem Propheten Iesaias, wenn wir einen, der in den Wind spricht, einen „Prediger in der Wüste" nennen, und gleichviel, ob wir den Psalm 26 im Gedächtnis haben oder nicht, nach jeder Uebeltat verfehlen wir es nie, unsere „Hände in Unschuld zu waschen". Aber nicht nur Kennworte und Sprüche, auch viele Einzelwörtcr sind der Bibel entnommen. Das Wort „Feuereifer" hat Luther geprägt:!s ist eine wörtliche Verdeutschung d's hebräischen Ausdrucks ,esch kmah" (Zephonja 1. 18). Das kräftige Wort „Lästermaul" ist nach Spr. 3, 4 gebildet, ebenso „Mördergrube" nach Jeremias 7, 11.. Luthers Wortbildung „Sündenbock" lehnt an l Mos. 16 an. S. Meisels. Wien. 5. Ftzbn»ar. * Dr. - Bertold Frischauer gestorben. Der langjährige Korrespondent der „Neuen Freien Presse" Dr. Bertold F r i s ch a n e r ist ln^r im Alter von 72 Jahren gestorben Dr. Frischaucr war der Nachfolger Theodor H.'rzls in Paris und hat dort eine rege Tätigkeit entfaltet, auch während der Dreyfns-Affäre; er wurde auch wegen seiner Parteinahme kür Dreyfus ausgewieseu, kehrte aber bald zurück und blieb dort bis zum Kic^sai,Spruch. Sein Bruder war der Wiener Rechtsanwalt Frischauer. * Keine Entstaatlichung des Telephons. Die MeKunaen, baß die Generaldirektion für Post- und Telegraphenwesen bas Wiener Telephon an eine Privatgesellschaft oder an die Gemeindeverwaltung g b t r e t e n wolle, werden von der Generaldirektion als unrichtig bezeichnet. * Zwei neue städtische Wohnhausbauten. In der letzten Sitzung des Gemeinderatsausschusses für technische Angelegenheiten wurde beschlossen, im Rahmen des Wohnhausbauprogmunnes für das Jahr 19n4 zwei neue große Wohnhäuser aufzuführen. Das erste Gebäude wird auf dem Alsergrund hinter dem Franz - Josefs - Bahnhof mit einem Gesamtaufwand von zirka 14.3 Milliarden Kronen errichtet we.d.'N. Der zweite Wohnhausbau wird in Fünfhaus errichtet und neun Häuser mit 136 Mohn langen umfassen. Die Baukosten betrage:! .12.5 Milliarden Kronen. * Einführung von Schnellgewrächen mit Triest und Ungarn. Boro 1. d. an kommen Schnellgespräche im Vermehr zwischen Wien und Triest sowie zwischen Oesterreich und Ungarn zur Einführung. Diese Gespräche werden vor den drmgeiid-n Privat, sedoch nicht vor den Blitzgesprächen des inländischen Verkehres zur Abwicklung gebracht. Die Gebühr wird mit dem neunfachen Betrage der gewöhnlichen Sprechgebühr berechnet und beträgt für die Einheit von drei Minuten, zum Verspiel in der Relation Wien—Budapest, 228.800 K. * Fünf Millionen Kronen Belohnung auf die Auffindung eines verschwundenen Mädchens. Unter sehr seltzamen Umständen ist vor einem Vierteljahr die 17jährige Jchefme Mazur. Tochter des Südbahnbediensteten Leopold Mazur. 10. Bez.. Laubeplah 4, spurlos verschwunden. Die Vermißte war in der Gemeinschaftsküche „Akagienhof" in der Thurngasie in Stellung. Sie pflegte regelmäßig um 5 Uhr nachmittags den Dienst zu verlassen und zu Fuß nach Hause zu gehen. Am 29. Oktober 1923 lieh sie sich von ihrer Schwester 2000 K.. um heim zu fahren, ist aber seitl>er spurlos Alk Aiihal'spunkie über den Verbleib des Mädchens haben sich bisher als unzuneffend erwiesen. Das mittelgroße, gut genährte Mädchen mit den dunkelblonden haaren durfte das Opfer eines Verbrechens geworden sein. Nunmehr hat ein Fabrikant, bei dem die Mütter der Vermißten beschäftigt ist, einen Betrag von fünf Millionen Kronen für Nachrichten. die für die Auffindung der Tockiter ausschlaggebend sind, zur Verfügung gestellt, und einen Betrag von drei Millionen Kronen für den Nachweis ihres Todes. Auffällig ist an der Vermißten ein schwarzer Punkt am linken Auge. Mitteilungen sind an das Sicherheitsbureau (Direktor Smazal), 9. Bez.. Noßauertände 7, zu rich.eu. * Die Flucht des Bankiers Wasserberger. Seit voriger Woche ist bekanntlich der B a n k g c , ch äftsiu Haber Felix Wasserberger abgängig. Be.j einer Revision wurden im Bureau bloß eine Schvochmaijchvne und Aktien im Wiener MoryenzeUunn. 6. Februar 1924 Seite 5 Werte von bloß einer Million Kronen gefunden. Bis jetzt hat sich erst ein Gläubiger und ein Kommittent als geschädigt gemeldet Die Anzeige des Gläubigers geht dahin, daß Wallerbcrger trotz wi'.derholten Drängens eine Schuld von 1,6 Millionen Kwnen nicht bezahlt habe. Es kann daher von M i lli a rd env er » n t re n nn ge n nicht gesprochen werden. Makserberaer ist in seine Wohnung nicht mrückg.'kebrt. * Kino-Dollar. B"r riniaer Zeit bnfxm hiesige Kinotheater Reklam^bilder für einen . amerikanischen Sensationsfilm verteilt, auf d">en auch das Bhantastebild einer übrigens nicht eristircm>?n B^ukuok' zu 260 Dollar zu sehen war. ^""n-ich ist em iunaer Bursche darauf herein^esallen, der schüchtern am Schaler der Nationalbank Erschien nnd zwei derart aufeinander^kkbk Reklamebikder mit der Frage Vorlage. was die Noten wert seien. Der Bursche wurde^ngehalten und ins Sichevs'estsbnreau, gebracht. Dort stellte stch heraus, " er einen! Gauner cirrfoesefsen ist. der ihm den wertlosen Zettel als Geld aufgeschwazt hat. Nach dem rimi'"' wird gefahndet. * Sektion 18 der Wirtschaftlichen Organisation der Aerte. DK Sektion 18 der Vir'sckwstlichen Organisation der Acrste hält moraen Mittwoch um halb 7 pbr abends 'hr^ Monatsversnunnft'.na im Klubummer?>es Väbrinoer Rathauses ab. Tagesordnung: Neuwahlen in die Gekftonsleitnng. Bericht über den Sand der Kronkeukassenverhandlungen. * Charmschah - Assar - Feier. Die ziou'stische Bezirkssektion BriaiKenau veranstaltet vor kurzem in der Tovn-beee'ne Cham'''cb"h - Assa>' - FeKr. d?e einen sebr aelnnaenen Verlauf hakte. Nach einer Einleilungsrede des Herrn Doktor W /> s d N! " n n. d"" M" r hielt dl'r bekannte Botaniker Dr. Rn bi nowitz einen Vortrag über die Pgsäst'nas. wobei er seine Auslühruna^n d"rch eine Akeihe entzückender Bilder illustrierte. Großen B'stall e'ntekn die Darbietunaen der .KunstKr der Jüdischen Volksbühne, und zwar des Herrn Direktors Deutsch und Frau Weintraub-Graf, wie auch des Herrn Oberf'ti'nrii M o r n s i e vps auch Fräulein Wühl durch ihr klangvolles Harfeuspiel bei. Vermächtnis eines Juden in China für den Nationalfen^s Wie di' ^aläst'nensi'^"'n, veri^'^" ha! ein aus Sibirien stammender Jude in Schanghai, Chaim Zimin e r m a n n. rm Jahr»' 1922 dem jüd scben Nationalwnds 29.000 Goldrubel vermach« und daneben Juwe^n im g'e'cki-n Wert, füir die in Palöstiua Bnden zwecks Gründung einer Kolonie kür dft' Jnd^': onq S^'^rien ni-rdeu 'ollt". Nachdem es mit der Jnstizbehörde in Schanghai längere Zeit Sckwieriakeiten be>, Reaftsierung der Tcstamentsbestimmung p'goben hatte, eirging nunmehr ein Gericht sauftrag, die Edelsteine zu verkaufen und das Gelld an die Kolonialbank in London zu überwei^n. (Ziko) * Ein jüdisches Gymnasium in Reval. AuS Reval wird berichtet: 8. d wird hier ein '"'d-'ch-s Gurnn^sinr,! '.'r^ich eröffnet. Es ist dies daS einzige jüdische Gymnasium in Estland Für das nach den Ato'c.rdcrunaen der modermn Technik er- Sch-ftgebchid» h > d>? R'valer indstme G^^einde ettva 27 Millionen estnische Mark ausgegeben. (I. T. A.) „Der ^uve", eine Monatsschrift, herausaegeben van Dr. Martin Buber. Berlin, NW. 7, Dorotbeenstraße 35. Das er^e Heft des 7. Jabraanaes der Monatsschrift „Der Jude" ist weben erlchienen nnd bat folgenden Jnbaft: Paul Amann: Vo-. kitilche Geaenwartsvrvbleme des deutschen Judentums: Leo Strauß: Raul de Lagarde: Arseb Tartakowerr Zur GeMchte des iüdischen SorialismuS: S. J."Aanon: Ausstieg und Abstieg saus dem Hebräischen Übertragen von Gerhard Schalem); Bemerkungen; Umschau. lNachfokgende Notizen bis m der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez.. Reindorfgasse 42. Heute moderne Versekt^on. Beoinn */,7 Uhr abends. Personalnachricht. Dr. rer pol. Luzanne Rottenberg, Tochter des Herrn Josei Rottenbevg und der Frau^ Leontine güb. Meverboster. bat sich mit Rechtsanwaft D'' J"''"s jun., Präses des A. H.-Verbandes der I. A. B. „Makkabäa" und Obmann der Zionistischen BezirkLsektion für den 1. Bezirk, verlobt. Vereine, VortrUne nnd Versamminnae». Zionistische Bezirkssektion 6.-8. Bezirk. Heute, Punkt 8 Uhr abends, im Sektionsheim, 8. Be^., Bennop^ah 1, Vortrag mit Bi-derdemonstration Dr. Otto Mährischl: „Reiseerlebnisse in Palästina mit besonderer Berücksichtigung der sportlichen Eindrücke." Anschließend künstlerischer Teil. Donnerstag: Palästina-Film. — Kulturgruppe der Zionistischen Bezirkssektion Brigittenau, 20. Bez., Karl Meißlstraße 6... Heute um 8 Uhr abends Beginn des Literaturkurses unter Leituna. des Herrn Prof. Menkes. Anmeldungen für den Vereinschor heute und morgen im Vereinslokase bei Koll. Weinraub zwischen halb 8 und halb 10 Uhr abends. » Nedoutensaal. Am 12.. 14. und 15. d. findet im Redoutensaal der Hofburg das Gastspiel Marv W i g m a n n mit ihrer Tanzgruppe statt. Kartenverkauf ab Donnerstag den 7. d. an den Kassen der Bundestheaterverwaltung, 1. Bez., Bräunerstraße 14. Zionistische Franenorgauisation der westlichen Bezirke Wiens. Samstag den 9. d. in den Lokalitäten der Zionistischen Sektion, 8. Bez., Bcnnoplatz 1, Gesellschaftsabend kAkademie und Tanz). Beginn 8 Uhr abends. Eingeführte Gäste willkonlmen. Gesellschaftstoilctte. Hachnosas Kalla. Verein für arme Bräute für die westlichen Bezirke, 15. Bez., Turnergasse 22 (Tempelgebände). Der Verein hielt kürzlich seine dritte Generalversammlung ab. Dem Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden» Dr. Bertold Kardegg, ist zu entnehmen, daß der Verein im abgelaufenen Jahre fünf mittellosen Bräuten durch Zuwendungen von 10 Millionen Kronen in bürent und AuSstatmng für fünf Millionen Kronen die Ehe emrHidite. Daß bis heute alle einge'ansenen Gesuche günstig erledigt werden konnten, ist der ausgiebigen Unterstützung des Herrn Wibhelm Baltaxe und Frau Berger sowie des Kassiers des Vereines Max Vogelfänger zu verdanken. Die Generalversammlung nahm die Berichte mit Tank zur Kenntnis. Sic ernannte den Gründer de8 Vereines, Herrn Ernanuel Kahn, welcher vor kurzem seinen 90. Geburtstag feiern konnte, zum Ehrenmitgbied. Bei den Neuwahlen' wurden folgende Herren in den Vorstand gewählt: Erster Präsident: Herr Wilhelm Baltaxe; zweiter Präsident: Bernhard Freu nd; erster Schriftführer: Alois Goldstein: zweiter Schriftführer: Heinrich Weiß; erster Kassier: Max Vogelfänger: zweiter Kassier: Max Kohn. Ausschnßmitglieder: Frau Fanny Berger und die Herren Oskar Gold sch m ist, Friedrich Grüner, David Kohn, Philipp K o h n, O!to K o ch und Max "Schön Juristischer Beirat: Herr Dr. Bertold Kardegg. Der Jahresbeitrag für das Jahr 1924 wurde mit 20.000 K. fcstgescht. Gesuche von armen- Bräuten können jederzeit ' an den Vercür, 16. Bez.. Lurrwrgassr 22 (Lempelgebäudc), eingebracht werden. Ein Rohm ^ns der jOriischen Gesellschaft Budapests DieHelmatlofen Von Wilma v. Vukelloh Ziofi Tinqe vor aN,m logen dlesen Moman bemerke,i?we« und kegelnd oirt der Reche ver viele» hervortreien: die icherralchende Kraft, m t der da» soziale Bild einer Urit »nd eine» Kreise? oeerben »nd d>e mibekümmerie Äülindeit und erkchiltternde Ebrltckkell, mik der sein Gegenstand qed, -cht wttd. *Xtue h'ret» Presste“ Pr«is sahoftet K 44.000 in Halblelnwand K 52.000 Zn boxlenen dnrci» jede DnohhAndlnni* oder direkt vom Verla? Dentech-Oe«terretchischer Verlajr, Wien. 1. Ftecheretieie 6 Sfilae und Kunst. „Am Lee«." Akademictheater. Wahrend der Aufführung dieses sehr angenehmen Lust» spAes von Sloboda, das der Referent zum ersten Male sah, dachte er an das merkwürdige Schicksal von Stücken und Autoren. Das Stück hat längst gesiegt, ging auch in Wien über mehrere Bühnen. Der Autor blieb stehen. Da er vor der Rampe erschien, wurde des Werk des schlichten Mannes umso sympathischer. Es muß am Theaterbe^rieb liegen, an den tüchtigeren und rücksichtsloseren Ellenbogen der anderen, daß dieser Arrtor zurückblieb, der bestimmt zu unserem wertvollsten Lustspieltalent zählt. ■ Das Stück hatte wieder außerordentlichen Erfolg. Freilich: Rosa Albach-Retty ist für die Frauenrolle nicht mehr jung genug. Aber sie weiß klug und fein zu Pointieren und ist bei den betveaten Ereignung"n des Schlußakts von vornehmster, eindruckvollster Zurückhaltung. Fred Hennings, den wir seit den „Improvisationen im Juni" sehr lieben, hat in dieser Rolle schtreren Stand. In Wien hat man von eleganter, kultivierter Männlichkeit and"re Begriffe als draußen im Reiche. Er unterstreicht ebenso die nachdenklichen Randbemerkungen wie seine Eleganz nicht sehr „unterstrichen" ist. Dafür trägt seine jünglingshafte, unbekümmerte Frische ihre eigene Note in das Spiel. Man muß nicht fust diq? überkommene Anatol-Schablone.benützen. — Lustig, nur ein wenig zu umständlich Hans Siebert in der Rolle des philiströsen Ehegatten. A „Prftiit Janonrn." Erstausführung in der Volksoper. Es ist bald ein halbes Jahrhundert her, daß Offenbachs „Großherzogin von Gerolstein" und „Prinzessin von Trapezunt", seine ,Lanbergeige" und sein „Pariser Leben" in Wien volle Häuser machten. Allmählich gerieten sie alle in Vergessenheit und nun hat Carl L a f i t e ihre schönsten Melodien in der Operette — in der Volksopersprache heißt es „komische Oper" -- „Fürstin Tanagra" wieder vereinigt und dabei die Musik einer Verjüngnngskur unterzogen. Den leichtgeschürzten Melodien hat diese Transplantation nicht wohl bekommen, manche von ihnen hat bei der Operation Schaden genommen, in der neuen Fassung an Glanz eingebüßt, durch ungünstige Eingliederung gelitten, und das Orchester hat zugleich mit seiner Vergrößerung eine Vergröberung des Klanges erfahre. Zudem ist das Libretto von Oskar Fried mann mit seiner Verul-- kung Ihrer Hoheit, der Duodezherzogin, mit seiner Parodie auf den deutschen Militarismus und die Hofkamarilla nur ein schwacher Abklatsch der „Großhcrzogin von Gerolstein" und da wäre es schließlich einfacher gewesen, statt dieses Serenissimus- Lustspieles aus der Rokokozeit die „Grotzherzogin von Gerolstein" im Original als Faschingsnovität herauszubringen. Die „Fürstin Tanagra", eine Wachspnppe aus dem Panoptikum, will auch durch diL Zufuhr frischen Offenbach- Blutes kein rechtes Bühnenleben gewinnen, woran wohl auch die Aufführung schuld trägt. Eine Faschingopereltennovität mit Opernkraften bleibt ein schlechter Faschingsscherz: Nur Frau Gribl als Schaubudendame trifft den komischen Operettenton, Frau N r s u l e o c als Fürstin singt so wunderschön und humorlos, daß von Ofsenbachparodie nicht viel übrig bleibt, Herr Grosavescu, der prächtige Tenor, der längst in die Staatsoper gehört, müht sich um ein lrrstiges Gesicht, Herr Mayerhofer vom Burgtheater um lustige Wortverdrehungen, Frau Pelz und die Herren Schulz und M a r r o ws k y ergänzten das schwerfällige Ensemble, im Orchester schaltete .Kapellmeister Kraus mit echt Weingartnerscher Gebärde. Und nun noch ein Wort über die Zusammenarbeit Offenbach-Lafite. In unserer Zeit, in der Anitta Berber die Mondscheilisonate tanzt und die toten Tonheroen Freiwild geworden sind, darf Lafite für den Mißbrauch der Offenbachschen Melodien gewiß Milderungsgründe geltend machen. Doch er hat . bereits früher in seinem Singspiel „Hannerl" gegen den Geist Schuberts gesündigt und der Rückfall eines so feingebildeten hochangesehenen Musikers wirkt um so erschwerender und schmerzlicher. flb. Mmd-BSline. „Seid umschlungen, Billionen!" Ein heiteres Stück ans neuester Zeit von Alfred Deutsch-German nnd Armin Friedmann. Zugegeben: es ist Fasching und die Roland-Bühne und wir sind in Wien ziemlich gründlich abgehärtet worden. Trotz alledem kann man sich einer gewissen Entrüstung nicht wehren, wenn man diesen schmählichen Mißbrauch der Bühne mitansehen muß. Sicherlich hat niemand ein „wertbeständiges" Meisterwerk er-nartet, aber auf dieses Jdeenmanko war man denn doch nicht gefaßt. Cs ist sozusagen allen Gesetzen der Naturwisienschaft zum Trotz die absolute Leere. Denn schließlich kann doch der Rollentausch von Milliardär und Würstelmann für eine Faschingsnacht, einschließlich der sich daraus ergebenden Kom-