Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1784 (2.2.1924)
- Date
- 1924-02-02
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite i~4 __Wien, Samstcrg__ Wiener Morften^eitunft. AUe Arten non Kommandite der Kroatischen Eskomptebank. Agram Kredit, an« Wien, I. Seitzergane 4 *S=r Telephone: 60-4-82, 60-4-93. 63-4-85. 64-4-42. 68-4 78. 69-4-82 10405 Telegrammadresse: Frapobank Kommandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Literatur HeüräWe Mato-Aebersetzungen. Der eigentümliche Gang der jüdischen Geistesgeschichte krachte es mit sich, daß von den zwei größten Denkern der griechischen Denker, Plato und Aristoteles, nur der letztere auf dem Umwege der arabischen Philosophie durch Uebersetzungen in die ältere hebräische Literatur Eingang fand, während Plato, der dem Geiste des biblischen Judentums verwandter ist als der mehr europäisch-wissenschaftlich gerichtete Aristoteles, keinen direkten Einfluß auf die jüdische Geistesentwicklung ausübte. So scheinen hebräische Plato-Uebersetzungen überhaupt, soweit sich dies noch Nachweisen läßt, erst der jüngsten Zeit anzugehören. Daß derartige Uebersetzungen angesichts der großen Distanz der Sprachen und der Kulturen ein Wagnis darstellen, liegt auf der Hand. Aus der in bezug auf das Uebersetzen ebenso wagemutigen als wenig geschmackvollen Haskala-Zeit stammt bloß eine Phädonübersetzung von Jesoia Beer-Bing aus Metz, und zwar noch aus dem Ende des 18. Jahrhunderts, doch handelt es sich hierbei nicht um den Platoschen sondern um den Mendclssohnschen Phädon. Das Buch erschien im Verlage der Berliner „Jüdischen Freischule", der ältesten Wiegenstätte der Aufklärungsliteratur. Nun hat im Zuge der regen Uebersetzertätigkeit, welche durch den bekannten Sthbel-Verlag angeregt wurde, der in Wien lebende Zebi Diesendruck die Uebertragung mehrerer Dialoge unternommen, von denen der „P h ä d r u s" - vor kurzem erschienen ist. Vielleicht war es nicht ganz glücklich, gerade mit diesem Dialog zu beginnen, der sowohl durch sein rhetorisches Material als auch durch seine mythenartigen, poetischen Stellen besondere Schwierigkeiten bietet — wie er ja einer der schönsten, aber auch in bezug auf seine Stellung zu den anderen Schriften Platos der umstrittenste ist. Der Uebersetzer hat denn auch in einer Einleitung, welche nahezu dem halben Dialog an Umfang gle'chkommt, in geistreicher Weise nicht bloß die vorliegenden Anschauungen über Stellung und Haupttendenz des Dialogs (letzteres wohl ein überflüssiges Philologenproblem!) zusammengetragen, sondern auch seine eigene Anschauung begründet, welche an die Dreiteilung des Dialogs anknüpft und das Fehlen gewisser Charakteristika der übrigen Dialoge, Verwandtschaften mit dem „Timans" und anderes für Anzeichen einer Altersschrift erklärt. Ob es gerade die richtige Einführung in den platonischen Geist ist, die Leser mit alten und neuen wissenschaftlichen Konjekturen in weitem Umfange bekannzumachen, bleibe dahingestellt. Die Uebersetzung als solche zeichnet sich durch großen sprachlichen Reichtum aus, welcher es dem Uebersetzer ermöglichte, unter Benützung des hebräischen Sprachmateriäls aus verschiedenen Entwicklungsepochen in subtiler Weise sich soweit als möglich dem Originaltexte anzupassen. Stellenweise ist ihm dies auch vortrefflich gelungen; doch reicht die Methode der möglichsten Wortanpassung nicht aus, um auch an dm von einem hohen Schwünge beseelten Stellen den wunderbaren Eindruck des Originals nachfühlen zu lassen. Zu dem „Phädrus" bereitet Diesendruck für die nächste Zeit auch den „Gorgias", den Dialog über die Beredsamkeit, und den „Staat", das mächtige Gipselwerk der Platoschen Weisheit, vor. Außer den genannten Dialogen wurde noch das „Gastmcchl" von B en Isr ael und der „Entyphron" von A. Simon übersetzt. Erstere Uebersetzung soll in Palästina erschienen sein, letztere ist in einer der jüngsten Nummern des „Haschiloach" enthalten. Dieser Dialog „über die Frömmigkeit" ist einer der frühesten und gehört zu den -in eigentlichem Sinne sokratischen Dialogen, deren Typus hier nur erst in einfachster Form, wie im bloßen Entwürfe, angelegt ist. Die Uebersetzung ist in ihrer Leichtflüssigkeit vollendet zu nennen. Ein gleiches Lob gebührt auch der Einleitung, welche in mustergültiger Weise eine Einführung in Zeit und Geist des Sokratismus bildet. E. M. GeriMzsaal. ..Aus dem Sattel gehoben und bis zum erste» Stock tzeworfen." Ende November v. I. hatte eine nächtliche Autoraserei und deren Folgen großes Aufsehen erregt. Ter Wauffeur Johann Greil kehrte von einer Schwarzfahrt aus dem Liebhartstal, mit Frau und Verwandten auf dem Wagen der .Kärntnerischen Stahl- und Eiscnwerksgesellschaft zurück. Es war in der O t t a k r i n g e r st r a ß e, an einer, breiten Stelle, und mondhelle Nacht, als plötzlich das Pferd des diensttuenden Rahonsinspektors Lorenz Br an dl vom Auto Greils, der auf der falschen rech ten Seite, ohne H.'5ben'i"nale dahinsaufte, angefahren wurde, sich Überschlag und einige Meter weit geschleift wurde. Brandt selbst wurde, wie er sagte, „aus dem Sattel gehoben und bis zum ersten Stock geworfen" und fiel hinter dem Auto nieder. Er sei 40 Tage dienstunfähig gewesen und könne einen anstrengenden Dienst überhaupt nicht mehr leisten,'was seine Karriere und seine materiellen Verhältnisse ungünstig beeinflussen werde. Brandt verlangte 20 Millionen Schm er zensgeld, Zulanment^ang usw. Ebenso machte das Aerar Ersatzansprüche für das Neitvfcrd. Gestern hatte sich der Chauffeur Greil vor dein Bezirksgericht Fünfhaus zu verantworten, wo er vom Bezirksrichter Dr. Kseltner zu emer Arreststrase,,von vier Wochen verurteilt wurde, weil Er auch die primitivste Vorsicht und jede Achtsamkeit außer Acht gelassen habe. Mit den Ersatzansprüchen wurden die Prwatbeteürgten auf den Zioilrechtsweg verwiesen^ Volkswirt. Gestempelte Krone --- 0.0081'/, kentlmer. Auszahlung Men --- 0.9081'/, kentlmes. In Zürich notierte 1./2. Bl.fi. die österr. gestempelte Krone . » 6 « 0.0081V, 0.0081«4 die österreichische Krone . . » » » 0.0081«/, 0.0081'/, die tschechische Krone .... 16.66 16.63V* die Mark.pro Milliarde Holland.......... 215.90 215.90 New-?1ork ......... e 576.50 578.50 London 24.8b 24.70 Paris «.»«»,»».» 26.95 26.75 Mailand. . . . » 25.17 25.12 Belgrad........ 6.70 6.63V* Bukarest ...... V . . —.— 2.94 Sofia. 4.14 4.15 0.0204 0.0204 Warschmr ........ e Frankreich» Schulden. In der Tsuffch-fvanzSsffchen Wivtschaftskorvespondenz veröffentlicht soeben Prüf. Gilde Von der Pariser Universität einen Avdikel über die öffentlichen Schulden Frankreichs. In seinem wesandlichm Inhalt besagi er: Bor dem Kriege stand Frankreich mit seiner öffentlich-en Schuld an der Spitze von allen Ländern der Weilt: ungefähr 30 Milliarden Frauken. Wenn die englische Schuld insbesondere von 700 Millionen Pfund im Jahre 1914 auf jetzt mehr als 7 Milliarden Pfund gestiegen ist, sich allst verzehnfacht hat, so Hai sich Vre fran§ösische mehr als verzehnfacht, da sie schon 400 Milliarden Franken überschritten hat. Die Ausgaben der fünf Krie-gsjahve brachten schon die ösfeMiche Schuld von 25 auf 171 Milliarden; das war die Zähl Ende 1918. Sie stellte säst ausschließlich KriegsausAatb-en dar, denn die Zivilausgaben der Budgets waren durch die Erträge der Steuern nahezu gedeckt worden. Mer seil 1918 ist diese Schuld um alle Defizits der Jahre 1919, 1920. 1921 und 1922 gewachsen, das heißt um 213 Milliarden, die zunächst die „von Deutschland Wiede reinbringbaren Ausgaben darftellen, nämlich die Ausgaben für die Wivderiherstellunig der befreiter!, zerstörten Gebiete, für Pensionen an die Kviegsbschädigten oder ihre Familien. Wenn man die beiden Zahlen 171 und 213 ätzdiert, kommt man zu insgesamt 384 Milliarden Ausgaben, die durch Anleihen gedeckt worden mußten. Mer die Schuld ülberlschvsitet gegenwärtig i&eibemeiiö diese Summe, und zwar aus zwei Gründen: erstens weil die inneren Anleihen sämtlich stark unter pari ousgegelben wurde«. Vas heißt der Staat hat sich zum Schuldner einer weit höheren Summe bekannt, als er tatsächlich erhalten hat (122 Milliarden für 86 oingezahlte Milliarden); zweitens, worl die äußere Schuld, die er ausgenommen hat, äls der Franken noch nahezu pari stand und die sich damals auf 35 Milliarden Frauken belief, heute infolge des Sleigens des Dollars und des Pfundes reichlich dreimal so groß ist und nach dem jetzigen Wechselkurs 120 Milliarden Franken amsmacht. Aber zu dieser Summe müßte man noch hinzurechnen: 1. Die Anleihen für die Wi^decherstellung dor befreiten Gebiete, die zwar nicht vom Staate seilbst ausgenommen wurden. für die aber der Staat Haftel. Sie überschreiten schon 30 Milliarden Franken. 2. Die von vor Bank von Frankreich den veMmdeien Ländern während des Krieges gewährten Darlehen, für die der Staat der Bank gegenüber Bürge ist: ein wenig mehr als / 4 Milliarden Franken. 3. Die Zunahme der äußeren Schuld durch Nichtzahlung der Zinsen: jährlich 5 bis 6 Milliarden Franken. Die endgültige Aufrechnung bringt also die Gesamtsumme auf mehr als 400 Milliarden. Urtb das ist noch nicht alles! Denn die Wiedechorstellung der befreiten Gebiete ist erst zur Hälfte erfolgt, und da ferner die sogenannten wiedereinlbmngbaren Ausgaben von Deutschland in Wirklichkeit nicht . Wirkereinbrin'Aar sind, wachsen die Zinsen die der französische Staat zahlen muß, von Jahr zu Jahr. Angenommen -also, das Wiedecherstellungswerk sei um 1930 vollendet, so wird zu diesem Zoitpunlkt die öffentliche Schuld vermutlich 600 Milliarden erreicht haben. ' Allerdings müßte man diesem Paissivum die Schuldforderungen Frankreichs gsgenülbevstellen, die aus den Darlehen des Staates an die Regierungen der Verbündeten Länder während des Krieges sbaunnein, aber die Gesamtsumme üibersteigl nicht 16 Milliarden Franken, und außerdem haben diese Schuldnovstaaten (Rußland, Belgien. Jugoslawien, die Dschecho-Slowakei, Polen, Rumänien usw.) sämtlich (mit Ausnahme von Belgien) eine stark untoriwerdige Valuta und sind wenig zahlungsfähig. Rußland erscheint hier mit 6 Millivvden,Franken: da'bei handelt e3 sich nur um Kriegsanleihen und nicht um die VorkrkgSMl'eihen, deren Summe viel. Häher ist, 2. Februar 1924 YK. 1784, r DURCH DIE BANKENWELT t®i. 62 332 Wien, I. Rotenturmstraase 19 Tel. 62332 Fides, Treuhand- Bank O. m. b H. " Fel-: 61-3*20, » 1»* Tel.: 61-3-20, 51-2-24,64-0-72 «• NeUIOfgaSSe 17 61-224. «4-0.72 Bankhaus Frankl & Huttrer Wien, IX« Hörigasse 4 Telephon 13.040 Telephon 16.234 Bankkommanditgessilsthaft Frenz pollast Wien, I. Seitzergasee 4 'Ecke Bognerg. beim Graben) Telephone: 60-1-82. 60-4-93. 63-4-85. 64-4-48. 63-4-78, 69-4-82 Telegrammadresse: Frapobank Allgemeine Industriebank vormals: Filiale wie_ oer Böhm. Xndnstrlat-B&nk Telegramm-Adresse: Indnsbank Tel. 05-8-07,65-4-35, 65-4-36Serie,68-5-7ö Wechselstuben I n VH e n: I. Hoher Markt 7, lv. Wiener Hsnntstrasee 31 VII. Kalserstrasee 48 Wien» 1. Dr. Karl Luenerp1ate 4 (I. Ebendorferstr» 6) Telegrammadresse: Hollandbank Wien / Tel.27-6-25 Serie Austro - Holländische Bank ank-u. Kommissionshaus Georg Anningei* & Co» I. Walfischcra<?s 8 Telephon 77-5-10 Serie BisÜH. Slohaf y n Wien. I. Maria Thereslenst fasse 10 Telephon 11-4-60, 11-4-61 C n BANK- und WARENöcnenKei &\^o.koyimission$haus Wien, I. Wipplingerstr. 19, Telephon 60-1-57, 68-3-60 Durchführung sämtlicher Banktransaktionen Wiener Handelskreditbank A.G. Wien, I. Wippilngershasse 23 Telegrammadresse: .Haoredo“ Telephon 64-5-65 Serie Expositar: I. Sohottenrln? 13 a — Telephon 69-3-14 Freilich hat Frankreich eine ander« Schuldsordevung, die >m der Tat, wenn sie bezahlt wird, den Betrag der französischen Schuld sehr vermindern würde, nämlich die Schuldstrderuug an Deutschland. Bekanntlich hatte die Londoner Konferenz die Gesamtentschädiignng auf 132 Milliarden Golidmaxk festgesetzt, davon 32 Prozent (das höiht 68 Milliarden) für Frankreich. Nach dem gegenwärtigen Wechselkurs bedeuten diese 68 Milliarden Goldmavk ungefähr 280 Milliarden Franken, also eine Verringerung der französischen Schuld um die Hälfte. Aber man muß -beachte-n, daß diese 68 Milliarden Mark, selbst wenn sie bezahlt werden sollten, nur in gestaffelten Jahresraten im Lauise von 3g und vielleicht 5g Jahren eingeheu würden, so daß ihr gegenwärtiger Wert nur mit einem viel geringeren Betrag, vielleicht mit der Hälfte, eingesetzt werden dürste. Nuu braucht aber ^Frankreich diese Zahlungen sofort, da die Vollendung des Wiederaufbaues dringlich ist. Welche Last bedeutet eine solche Schuch im Verhältnis zum Nationalreichtum für Frankreich? Man muß sie nicht als Kapital berechnen, weil der Staat nie verpflichtet ist, das Kapital zurückzuzahlen, wenn es sich uni eine fundierte Schuld handelt, sondern als Zinsen. Aus vevschielsenen Gründen überschreiten die Zinsen der öffviEichen Schuld (nach dem Haushaltsplan für 1923) mich nicht 13,2 Milliarden Franken ohne Tilgung; aber sie dürften zweifeNos schließlich auf 20 oder 25 Milliarden steigen, je nachdem Deuts,chland mehr oder weniger zahlen wird, oder je nachdem die Vereinigten Staaten und England sich mehr oder weniger anspruchsvoll zeigen werden. Wer selbst wenn wir bei der unzureicherden Zahl von 20 Milliarden Franken als dem in wenigen Jahren erforderlichen Zinsenlbetrag der öffentlichen Schuld blei-ben und sie der Zahl, die das Gesanrteinkommen Frankreichs darstellt, gegenülborstellen, erscheint das Bechältnis erdrückend. DaS franKösffche Volkseinkommon wurde vor dem Kriege a^uf 35 Milliarden Goldfra-nken geschätzt. Soll mv-- glaubdU, e§ habe im Verihältnis der Entwertung des Popievsranken zugenommen, was für das Gesamte:nkomnren der Franzosen auf 110 bis 120 Milliarden auslaufen würde? In diesem Falle würde die Zinfenlast der öffentlichen Schuld 18 bis 20 Prozent ausmachen. Indes diese Schätzung ist noch sehr optimistisch. Uitö) vor allem darf man nich>; vergessen, daß das Verhältnis der Zinsen der öffentlichen Schuld zum Volkseinkommen stärker oder schwächer wird, je nachdem der Franken steigen oder sinken wird. Wenn der Franken aus den Stand der Mark, des Rudels oder selbst nur der Krone fällt, wird das Güivich; der Schlitld sicher leicht werden; wenn aber umgekchvt der Franken wieder auf den Stand des GoAfraacke»