Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1784 (2.2.1924)
- Date
- 1924-02-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feflfc »_SaE«,__ _ * cner Mor^nieUung. 2. Februar 1924 Nr. 17g| ^erbeuteten „Krieg als Later aller Dinge" im Magen. Und von Darwin spukt ihm die mißverstandene Daseinskampf-, theorie im Kopfe. Mit solch einem Feldwebel-Nietzscheanism u s kommt er sich selbst sicher sehr imponierend vor und jedenfalls imponiert er damit den Leuten der Vaterländischen Verbände. Da ist es gut, wenn dieser Sehnsucht nach: untermenschlichen Lebensverhältnisieir der Einfluß eines ikaritat'v gerichteten Geistes entgeqenwirkt. Vermutlich wäre Kahr schon lange dem brutalsten Hitlertum vsrial'en, hätte der Kardinal ihm nicht rechtzeitig, zu verstehen gegeben, daß man bei aller Verpflichtung gegen Nationalismus, Hitler, Ludendorfs, Pittinger, sozusagen noch einige Verpflichtungen an sein Menschentum hat. Ser Wortlaut der englischen Note a« Rußland. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 1. Februar. Der britische Vertreter in Moskau H odgso n hat heute der rusiifchen Regierung folgende Note überreicht: „Ich habe die Ehre, über Weisung meiner Regierung Euere Exzellenz zu unterrichten, daß diese die Union de r f o$ t aI ijft i f e n Sowjetrepubliken als de j u r e-Beherrscher ans dem Gebiete de? allen rusiifchen Reiches (Old Russian Empire) anerkenne. Um die normalen Bed'nonngen vollständig freundschastlicher Beziehungen herzustellen, ist -der Abschluß eines endgültigen praktischen Uebereinkommens notwendig sowie eine Regelung der Fragen, welche damit verbunden sind. In die letztere Kategorie gehört die Frage £>:r bestehenden Verträge. Die Regierung Seiner Majestät erklärt, daß die Anerkennung der Sowjetregierung entsprechend den Grundsätzen des internationalen Rechtes automatisch alle zwischen den beiden Ländern abgeschlossenen Vertrage wieder in Kraft setzt, auch jene, die vor der russischen Revolution zustande gekommen sind. Ausgenommen sind jene, welche widerrufen oder auf andere Weift rechtlich aufgehoben worden sind. Es ist für beide Länder von Vorteil, daß.die Stellungnahme bezüglich dieser Verträge Zug um Zug mit der Anerkennung erfolgt. Techni'ch nicht in Verbindung mit der Anerkennung, aber selbstverständlich von großer Bedeutung sind d'e Probleme der Regelung zu Recht bestehender Forderungen der Negierungen und AlonMcke Sezirlssettion Landstraße Heute den 2. Februar 5 Uhr nachmittags der Bürger eines Teiles gegenüber dem anderen und das Problem der W i e d e r h e r st e l l u n g des russischen Kredits. Es ist auch klar, daß von der Wiederherstc^ung freundschaftlicher Beziehungen in vollem Sinne nicht früher die Rede sein kann, als nicht jede Partei sich zur Pflicht macht, die Propaganda gegen die Interessen der anderen und für einen direkten Umsturz der Einrichtungen einzustellen. Unter diesen Umständen lädt die Regierung Seiner Majestät die russische Negierung ein. sobald als mögl'ch einen Vertreter mit allen Vollmachten zur Verhandlung dieser Angelegenheiten und zur Vereinbarung der Präliminarbedingungen eines vollüäi'.dige'u Vertrages, weicher alle zwischen be'den Länderu 'ckwebenden Fragen regeln soll, zu ernennen. In Zit Zwischenzeir erhalte ich die Stellung eines Charge dll'lf'anes bis -zlx Ernennung e'nes Botschafters und die Ermächtigung. zu erklären, daß di" Regierung Seiner Majeüär:n gleicher Weise erfreut wäre, einen russischen C barge dll'lffaires zu empfangen, der die' Negierung der.Union am Hofe von Saint James vertreten würde. Sumdens Steuerreform. tEigendienst der „Wiener Mnrgenzeitung".) London, 1. Februar. SHatzlanzler Philipp S n ow-?c n ist gegenwärtig mit der Ausarbeitung eines Blaues für eine Steuerreform beschäftigt, da nach seiner Ansicht bis ftlll die unteren Stände Zugunsten der oberen zu stark besteuert werden seien. Die unteren Einkommen so^'en in der Steuer ermäßigt werden, während die oberenum einen Schilling pro Pfund erhöht werden sollen. Außerdem plant der Schatzkanzler die Abhebung der staatlichen Abgaben auf Tee, Kaffee und Zucker. Sparmaßnahmen. Die Sparmaßnahmen. die der britische ^inanrmin'tter öurchgüsühren hofft, umfassen ncb't der Redukti-n in der Admiralität auch. eine .H e r a bm i n d e r u n g des A r m e e st a n d e s, d'e Ersparnisse von zehn Millionen Pfund hereinbringen sollen. Durch d'e Turchiülrung des Abbauprogramms und andere Projekte soll ein Ueberschuß von 25 Millionen Pfund erzielt werden. 1900 Zivilangestellte sollen aus dem Dienst entlrsieir werden. . Abschaffung der LoderNrafe in kngland. (Eigcndieust der „Wiener Morgenzeitung".) London, 1. Februar. Wie verlautet, wird ein Mit- brr -'lrb.Perpartei bei Zusammentritt des Parla- , .inen ^Zetzesvovschlag übevveicheir odm die - x: >vc.iaogeschafft werden soll- Hedschas MüPalästina. Sir Herbert Samuel und Huffel» von Hedschas. Jerusalem, 30. Jänner. (I. T. A.) Der Oberkommisiär für Palästina, Sir Herbert S a m u e l, ist am 22. Jänner von seiner Reise nach Amman, wo er dem König Hussein von Hedschas einen Besuch abgestattct hat, zu rückgekehrt. Ein Gegenbesuch Husseins in I e r u s a l e m, der ursprünglich in Aussicht genomrnen war, dürfte nicht erfolgen, dagegen soll nach den letzten Nachrichten informierter Kreise Sir Samuel in den nächsten vierzehn Tagen abermals nach Transjor« bauten reisen. Hussein selbst ist nach Shnnah, der Sommerresidenz seines Sohnes Emir Abdullah abgcreist, wo, er einige Tage verweilen wird. In Amman hatte Hussein eine Besprechung mit den paläst i n e n s i s ch - a r a b i s ch e n Delegationen, in welcher er unter anderem erklärte, vor Unterzeichnung irgendwelcher Verträge mit den Engländern werde er sich zuerst mit den Arabern P a l ä st i n a s beraten: sein Ziel in bezug ans Palästina sei, dessen Unabhängigkeit zu erreichen. Die palästinensisch-arabischen Delegationen reisen ebenfalls nach Shnnah, wo die paläsi'nensische Frage in Verbindung mit dem Entwurf des Anglo Hedschas-Verträges besprechen werden wird. Diesem englischen Vertragsentwurf hatte Hussein eine Klausel eingefügt, des Inhaltes, daß die Bewohner Palästinas ihre Regierung nach ihren Wünschen wählen können und daß die Unabhängigkeit Palästinas und dessen Berechtigung zum Anschlüsse an den arabischen Staatenbund festgelegt werde. Daraufhin hat die englische Regierung den Vertragsentwurf abgelehnt. Heute steht die Frage dieses Vertrages im Vordergründe der Beratungen Husseins mit den verschiedenen arabischen Telegationen, um so mehr, als die Mehrzahl der Araber für eine vollkommene Ausschließung der Palästina- Frage aus dem Hedschas-Vertrag ist, vor allem wegen der im Vertrage enthaltenen Punkte über die Anerkennung der BalfourDeklaration. Nach der Auffassung des Jerusalemer ..Times"-Vertreters scheint Hussein in Bezug auf den Anglo Hedschas-Bertrag die extreme Haltung einiger arabischer Führer zu mißbilligen. Hier scheint die Brücke zu liegen, welche zu weiteren Verhandlungen zwischen Hussein und Sir Sam>'.wl führen soll. Oberrabbiner Jakob M e i r, David Jellin (der Präsident des Waad-Leumi) und das Mitglied der Zionistischen Exekutive in Palästina, Colonel K i s h, sind bereits nach Amman abgereist, um dort mit Hussein zusammenzutreffen Ihre Abreise erfolgt auf Grund einer offiziellen Einladung des Komas Husiein. .Diese Einladung Husseinan die jüdische Bevölkerung Palästinas ist ganz besonderdurch Sir Herbert Samuel gefördert worden. Der Bruder König Husseins, Nasser Pascha, ist ebenfalls In Amman eingetroffen. Rücktritt des britischen Vertreters in Transjordanien. London, 27. Jänner. (I. T. A.) Nach dem Bericht einearabischen Blattes ist der britische Vertreter in Transjordanien, Major St. John Philby, von seinem Posten .zurückgetreten. Wie das Blatt wissen will, soll sein Nachfolger der frühere politische Ratgeber der Palästma- Regierung, Captain R i ch m o n d, werden. Diese Meldung ans Jerusalem wird durch einen Bericht der „Time s" bestätigt, welche angibt, daß Major Philby durch seinen Rücktritt gegen die Forderungen der arabischen Vertreter aus Palästina uttb Syrien nach Errichtung eines unabhängigen arabischen Königreiches, die sie ihm vorlegten, demonstrativ Protest erhoben habe.- kin Kongreß der sevhardWe« Juden für ValMna-Arbeit. Wie der römische I. T. A.-Vertreter erfährt, soll zu An« fang des Frühjahrs entweder in Rom oder Saloniki ein Kongreß der sephardischen Juden einberufen werden, um über die Form der Beteiligung der Organisation der sephardischen Juden an der Palästina-Arbeit zu beraten. mammammmmm n miu ■■■■■—bi Sin Stfsig Psincurer. Die Kammerdebatte über das Wiederanstanpanama. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitirng".) Paris, 1. Februar. Ein in der heutigen Kammevsitzung » von einem Deputierten eingebrachter Zusatzantrag, jenen Geschädigten, denen über den Betrag der ihnen zuerkannten E n t s ch ä d i g u n g hinaus weitere Auslagen auflausen, dech Berufungsrechi zuzngestchen, wurde auf Verlangen P h i n e a r e s ahgetehnl. Pein care betonte die Notwendigkeit, Ersparungen zu machen und bat die Kanrmer, Einnahmen, nicht aber Ausgaben zu bewilligen. Der Ab- Lnderunasautrag wurde hierauf mit sehr großer Mehrheit a b g e l e h n t. Wie verbeulet, ist Poincare nicht geneigt, die Politik der Pfänder für Frankreichs Sicherheit und für die Erlangung tfon Reparationen zu mildern, außer wenn Kämpen satienen in anderer Hinsicht gewährt werden. Die Antwort ist in freundschaftlichen Worten abgefaßt und enthüll die Versicherung, daß Frankreich ein Zusammenarbeiten mr Lösung der europäischen Probleme tvünsche. Im weiteren Verlauf der Sitzung lehnte die Kammer, nachdem der Ministerpräsident die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 301 gegen 207 Stimmen einen Zusatzantrag des früheren Ministers Klotz ab. durch den eine allgemeine Nachprüfung aller Krieg slieferunaen verlangt wird. ’ lieber Ersuchen Poinca r e s beseht'ß die Kammer mit überwältigerder Mehrheit schließlich, ans dem Sleuerprogramm die Artikel betreffend die durch den Krieg verursachten Sch"den auszuftheideu und nahm sodann diese Artikel in ihrer Gesamtheit an, die (om't einen öeKnideren Gesetzentwurf bilden. DersÄbe wurde unverzüglich an den Senat geleitet. VrkhaMmmv über die Aufhebung des WrsnshMSMAndes. Wahlfreiheit für -ie Neuwahlen. (Eigendienst der .Wiener Morgenzeittmg") Berk'n, 1. Februar. In mehreren zw'fthen dem Reichspräsidenten, dem Reichskanzler, dem R e i ch s w e h r m i n i st e r und dem R e i ch s i n n enmini st e r geführten Besprechungen wurde die Frage der Aufhebung, beziehungsweise Milderung des Ausnahmszustandes beraten. Die endllilt'ae Entscheidung darüber wird nicht zuletzt von der Gestaltung der Lage in Bayern abhängen. . . . Diesen Beratungen felgten mehrere Aussprachen zwischen der Reichsregicrung und den Parteiführern über die Mahsireibeit bei den komm erden NeuwahKn; es \ rde erklärt, daß d-.e kommenden Wahlen nicht u n t e r d e m A u s n a h m s z u stand stattfinden sollen. Die preußische Reaierungskrrse vermieden. Berlin, 1. Februar. (Tel. der „Wr. Mrrgenzeiiilng".) Wider Erwarten hat der prciiß'.sche.Landtag, heute doch die Notverordnung über die Grundsteuer angenommen und damit den . Rücktritt, der preußischen Regierung nnid die Sprengung der gr.ßen Koalition in Preußen vermieden/ Die Verordnu-ng '.o-uvde mit 200 gegen 110 Stimmen angenommen. Dr. Weber, Reichskommissar für die Rentenbank. Berlin, 1. Februar. Staatssekretär Dr. Weber des preußischen Finanzministeriums wurde zum ‘ Kommissär des Reichsrates für die Rentenhank bestellt. Die Tätigkeit der Sachuerffandigen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".') ■ Berlin, 1. Februar. Die Mitglreder des crsten und ztveiten ~ Sachverftändigenausschusfts tratetr im Laufe des heutigen Tages zu mehreren Sitzungen zusammen. Unter anderem wurde vom ersten Sachuerständigenansschuß heute der Generalsekretär des Reichswirtschaftsministerinm^ Crendelburg und andere Beamte des statistischen Roichoamtes empfangen, um über die deutsche.Handelsstatistik der Jahre 1919 bis 1923 Auskunft zu erteilen. Nach den Jnfornmtionen, die dem „8 Uhr-Abendblatt zttfolge ergangen sind, scheint bei der Prüfung des deutschen Budgets von den Sachverständigen die Frage der Erträgnisse der Reichsbahnen in den Vordergrund gestellt zu werden. In diesem Zusammenhang erwähnt das Blatt, daß gerade jener Teil der deutschen TentschrP, der sich mit den Reichsbahnen befaßt und das Budget der Reichsbahnen rn Goldmark berechnet, von den Sachverftändiaen ganz besonders beachtet wird. Der zweite Ausschuß, der sich mit der Kapitalsflucht befaßt, hat seine Unterredungen mit den leitenden Persönlichkeiten der deutschen Hochfinanz fortgesetzt. Die Kommission begnügt sich nicht damit, diese Persönlichkeiten anzuhören. sondern wird sich in den Großbanken auch an Ort und Stelle informieren. Einge solche Besuche sind bereits heute vormittags erfolgt. Schutzhast gegen Zullen in Thffringen. Berlin, 31. Jänner. (I. T. A.) In der Sitzung detz preußischen Landtages vom 28. Jänner, in welcher der kommunistische "Antrag auf. Aufhebung des A u s n a h m s z u st a n d e s auf der Tagesordnung stand, wies der Abgeordnete Dr. Meyer. Ostpreußen, in der Begründung des Antrages besonders auf die Lage in Thüringen hin wo ein jüdischer Arzt acht Wochen lang inSchutz Haft gehalten worden war. weil er ärztlicher Berater der Arbeitersamariterbundes war. Im Mehrkreiskon'.mando 4 ist ein Schntzhastbefehl in der folgenden Weise formuliert worden: „Der Jude N. N. ist in Schutzhaft zu nehmen." \ HMae Angriffe neuen -ghr. München. 1. Februar. (Tel. der „Wiener Morgen» zeitung".) Ja der heutigen Sitzung des Landtages wurden gegen den Generalstaatskommissär v. Kahr heftige Angriffe gerichtet. Der sozialdemokratische Abgeordnete S a e n g e r warf .... ... »»>»»,»«»»»»»»»»«»»»»»»»,»»»! ZIONISTISCHE BEZiRKSSEKTION LEOPOLDSTADT S S_g-xmi? q_._ S S Heut3 ^amstig den 2. Febni-r, präzise S Uhabends jj * im Ca?6 „Stadt Wien/1 II. Bezirk, Taborstrasse Nr. 8 1 - JlG- ■ Herr Dr. Pordes \ „SENSATION SPROZESSE." | Jed»n Samstag zwanglose; S Zu;am .i nxünfte mit Vorträgen. § S Voranzeige: 9. .Februer Vortrag Dr. Löwenherz? unmilgl„»«m«i:Uia»»„i„ulNnilllMnMUiniHUHHUNin||lt><