Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1784 (2.2.1924)
- Date
- 1924-02-02
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Wiener MoraenzeiLuns. 2. Febnurv l92^k Seite 5 Reattion und Judenhaß. Ler antisemitische Ring. Mist, der das erste Exemplar der „Geheimnisse der Weisell Nr. 1784 Wien, Samstag f-^T"- Pietät innerhalb des -gesteckten Rahmens wahren und pflegen, aber unabhängig davon hat sie all das zu evjverben, N>rs ihre Entwicklung .in der Welt- Konkurrenz sichert. . Hierzu kann nur kulturelle und soziale Arbeit nach europäischem Muster führen. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Arabern ein Programm zu geben. Die Lebensfähigkeit ihrer Nation wird hoffentlich den führenden Mann hcrvorbringen, der das BE ans asiatischer Veri;iachlässigung in jeder Beziehung zu neuem Leben erweckt. Wenn die Araber auch über eine promeiheische Seele und über hundert Arme des BviarcuZ verfügen würden, Mnten sie diese 'Aufgabe nicht ohne fremde Hilfe lösen. Sie muffen eine rationelle Landwirtschaft Mit den erforderlichen technischen Hilfsmitteln. Industrie gud Handel mit der hierzu nötigen Fertigkeit organisieren,! sie haben das Unterrichts wesen zu regeln, eine dies alles sichernde Verwaltung zu schaffen und die Grundbedingung des Fortschrittes: Kapital und Kredit sick' zu sichern. All das bleiben Utopien, wenn kein neuer arabischer Geist, nach innen und außen wirkend. erwacht. Die den Lauf der Geschichte lenkende Hand stellt dem Araöertum wieder die jüdische Kraft wie einst zu ihrem Reovgamsievungswerke zur Verfügung, Wer regiert in Nahem? (Bon unserem Münchner Berichterstatter.) ■ Wifin glaubt gewöhnlich, Kahr sei der eigentliche Träger der Macht in Bayern, nachdem Heim, der franzoserw freundliche „Hochverräter", entthront und außerdem von dem Posterr des Führers der bayrischen Volkspartei offiziell zurückgetceten ist. Nach außen hin ist er es tatsächlich. Man weiß es in Bayern gar nicht mehr, daß es eine Regierung Knilling-Schweyer-Os Wald gibt, aber Kahrs Macht bekommt alles, was Opposition gegen ihn ist, sehr deutlich zu spüren. Und dennoch: So mächtig, wie dies scheint, ist er nicht im entferntesten. Man kann saZen, seine Macht ist materiell und ideell beschränkt. Morgan Sonntag don 3. Februar, 10.Uhr vorm'ttag# Im Heimatkino, IX. Porzeilang. 24, Vorführung des neuen PALÄSTINAFILMS des JÜDISCHEN NATIONALFONDS Gesangsvortrag: Oberkantor Postolow Am Klaviers Chordirigent D'mltrowsky Festliche Karten an der Kasse Materiell hangt er sehr von den B a t e r l ä n d i 5 ch e n Verbänden, deren Ehrenpräsident er ist, ab, außerdem von den Führern und Unterführern der Reichswehr und der Schupo. Alle machen ihm das Leben gründlich schwer, denn politisiert sind sie alle, und die Frage der Gefolgschaft für Kahr wird sozusagen von Fall zu Fall erledigt. So galt beispielsweise der Bund „Bayern und Reich", der besonders-stark auf dem Lande vertreten ist, als die eigentliche Leibgarde der Kahrschen Macht und Politik. Heüts' ist sie so zweifelhaft wie die anderen. Die meisten Mitgliedev wollen von ihm so lange nichts wissen, als seine Rolle vom Hitler-Putsch und vorher sich als einwandfrei erwiesen hat. . - . Z d e e l l ist Kahrs Macht erst recht begrenzt. Man muß sich immer vergegenwärtigen, was. man nach seinen verblüffenden. Aeußerlichkeitserfolgen vielfach vergessen hat: Kahr ist. ein routinierter Beamter, mehr nicht. Ein Politiker achtbaren. Formats war er nie und sein geistiger Wuchs ist gewiß nicht hoch gediehen. Wird em solcher Mann durch eine Zufallskonjunktur tu eine politische Rolle hmeingedrängt, so: ist es/natürlich, daß er sich nach Führern-und Beratern - umsteht Außer den Häuptern der Reichswehr, der Schupo, der -Vaterländischen Verbände, die man älü geistige Bjerater.- Nicht recht zählen kann, weil sie mehr Gehorsam als Einsicht, von ihm verlangen, folgt er anderen Führern:' Dem ehemaligen Kronprinzen Rupprecht, .bettt Kardinal Faulhaber. Kahr gehört zu jener Sorte von Monarchisten, ocuf.u die Monarchie vielfach einen Gefühlswert bietet. Er hat über die Tauglichkeit dieser Staatsform sicher so wenig nachgedacht, wie .er dem so heiß gehaßten Marxismus ein ernstest Studium gewidmet hat. Alles ist bei chm aust der; B o r flu f e de s Intellekts stehen geblieben: beim Gefühl dev'..Zuneigung oder der Abneigung. Anders ist feilt maßlostörichtes Bekenntnis vom höchsten Gtückstag, den ihm/diel Krönung Rupp rechts zum König bereiten würde, nicht zu verstehen. Der ehemalige Kronprinz Aus Paris wird uns berichtet: In einer Versammlung der „Russischen Liga zur Bekämpfung des Antisemitismus" hielt der bekannte russische Publizist Umversitätsdozent B. Mirsky einen Vortrag über die „jüngste Entwicklung der rusiisch-amerikanischen Literatur". In den letzten Jahren, führte Mirskh aus, ist die russisch-antisemitische Literatur dank der moralischen u n d f i n a n z i e ll t n Unterstützungen aus französischen und deutschen antisemitischen Quellen ungewöhnlich fruchtbar gewesen. Die russischen antisemitischen Publizisten können in drei Kategorien geteilt werden. Die wichtigste unter ihnen ist die München-Be lgrader Gruppe, de sich die Wiederherstellung des Monarchismus mit Hilfe großzügiger Juden Massakers zum Ziele gesetzt hat. Oberst Binders, der Führer dieser Gruppe, widmet seine ganze publizistische Tätigkeit ausschließlich der Durcharbeitung seiner Idee, die aus eine Niedermetzelung Mer Juden der Welt hmausläust. Die zweite, durch den russischen Philosophen Berdiefs vertretene Gruppe befaßt sich speziell mit der Betonung und dem Nachweis der moralischen und geistigen Gefahr, die das Judentum angeblich darstelle. Die Schlußfolgerungen dieser Gruppe von russisch-antisemitischen Theoretikern sind jedoch die gleichen wie die der München-Belgrader Monarchisten/ Auch sie predigen den Massenpogrom. Die dritte, von dem ehemaligen „Times"-.Korrespondenten W i l t o n geführte Gruppe verlegt sich hauptsächlich darauf, den Glauben zu erwecken, daß die russische Revolution das ausschließist also Kahrs geistig-politischer Oriernierungsorl. „Bei allem, was ich rat und tue, schaue ich mit innerem Auge nach dem Manu in Berchtesgaden." Diese Ausschau bringt nun aber den Generalstaatsrommissär durchaus nicht an die erste Quelle politischer Beratung. Kronprinz Rupprscht ist kein Politiker von Originalität; er weiß es und er hat selbst auch wenig Neigung, politische Rollen zu spielen. „Wäre ich auf die althergebrachte Weise König geworden, so hatte man meine Regententätigkeit politisch am wenigsten, zu spüren bekommen." Diese seine Aeußerung ist ganz ehrlich gemeint. Zur Wissenschaft, zur Kunst drängt, es ihn, nicht zur ^Politik. Nachdem die letzten bayrischen Herrscher aus, der.. Wittelsbacher Art geschlagen ivarcu, hätte er als König, wieder die Kulturtraditionen Max des Ersten und Ludwigs des Zweiten ausgenommen. Sein politischer Rargeber ist seine jetzige zweite Gemahlin. Diese 24. Jahre zählende luxem-* burgische Fürstentochter will unter allen Umständen Königin, man sagt sogar Kaiserin, werden. Gegen diesen Wunsch hört sie keine Bedenken an und duldet sie keinen. Einspruch. Der m e h r als se ch z i g j ä h r i g e, R u p p r e ch t folgt ihr; in den Gedanken der Rehabilitation hat er sich durch ihre Bevormundung fest eingelebt. Oeffentlich hält man sich an seine bekannte Versicherung, nur an der Spitze einer jnbelnbeln Bevölkerung als König einziehen zu - woll>n. Zu. seinen Vertrauten spricht er anders, spricht-er vom Recht..ans den Thron, das er nötigenfalls auch erzwingen wolle. Einmal wär es sogar nahe am Putsch. In - per Bch'.Untersuchung zum L e v p r c ch t i u g - P r v z c ßist festgestellt worden, daß Rupprechl am Tage des Begräbnisses seines Vaters, nach der ürchlichen Feier, mit. .se.i.ne-m Einverständnis zum König' ausge rufen wer-den - sollte. Das Korps Oberland hat das mit der -Abgabe -der im Warenhaus . > MrSchiffmann Wien, II. Taborstraße 49 Telephon 47-1-7» von Zion" in Konstantinopel „auffand" und an die „Times" sandte. Um auch in unbefangene Kreise eindringen zu können, versichern die geistigen Vertreter dieser Gruppe jedes Mal, daß ihr Urteil aus Schlüffen von. „unparteiischen Forschern" und nicht von „bestochenen Politikern" fuße. Diese Gruppe steht in Verbindung mit Henry F o r.d und dessen Mitarbeitern, deutschen Ingenieuren in Detroit. Allen drei Gruppen gemeinsam ist ihre Verbindung mit den Reaktionären in den übrigen europäischen Ländern sowie ihre Ueberzeuguug, daß ihr Sieg in Rußland nur dann denkbar sei, wenn die Reattion in der ganzen Welt siegt. GegenrevolutlonSre Provagauda. London, 1. Februar. (Radio.) Die scharf antisozial^ stische „Tally Mail" Veröffentlicht eine sensationelle Meldung ihres Spezialkorrespondenten in Rußland Sir Percival Phillips, der berichtet, daß Rußland am Vorabend neuer Umwälzungen stehe, die. das Land zerreißen, es in Barbarei -zurückwerfen und furchtbare Massaker und Judenpogrome Hervorrufen werde. Die britische Delegation in Moskau sei von Juden belagert, die nach Palästina gehcn wollen. Lenins Tod führe zu einer Spaltung u n d A u f l ö s u n g der kommunistischen Partei. Diese Meldung sieht rn Widerspruch zu NLeldungen, die aus verläßlichen, unabhängigen Quellen in London eingetroffen sind und besagen, daß es zwar im Schoße-der kommunistischen. Partei Meinungsverschiedenheiten . gibt, daß aber die gesamte russische Intelligenz die Opposition gegen die. Sowjets ausgegeben hat und einzig und allein im Jniereffe Rußlands tätig ist. Verkehrsbureau IX. Hörigasse Nr. 13 Telephon 16-2-20 gewährt Hypothekarkredite in jeder Höhe billigst und schnell auf Häuser, Villen, Landwirtschaften, Industrieobjekte etc., sowie Warenkredite an erstklassige Kaufleute. Vorschüsse sofort °<>,5 Erklärung verhindert, im Falle eines Putsches sofort mit bewaffneter Macht nach München einzu rücken' und die.Republik w i e d e r h e r z u st e l l e n. Damals zählte Oberland viele Republikaner in seinen Reihen,.und es bestand die- Taktik, die- Einigkeit der Bevölkerung zwecks Abschüttelung der französischen Tyrannei nicht durch staatsrechtliche Zwistigkeiten zu gefährden. Daß der Monarchist Kahr nüt dem Kronprinzen, der auf Geheiß seiner Frau nun doch auf alle Fälle .König werden will, sich, gesunden hat, ist einleuchtend. ' ' Das Schlußglied oer politischen Regisseure in Bayern, sozusagen der Urquell der Kahrschen Erleuchtung, ist aber auch mit der Gemahlin Rupprechts . noch - nicht erreicht. Dieses wird dargeftellt durch den hervorragenden Kirchenfürsten, Kardinal Faulh aber. Den Protestanten Kahr zöge kaüm eine starte Wahlverwandtschaft zum Münchner Erzbischof. Da. muß ein Zwischenglied eingeschaltet werden, und das ist wiederum die Frau des ehentaligen Kronprinzen. Rupprecht selbst stände die Vermittlerrolle zwischen .Kahr und dem Kardinal schlecht an. Er war früher bei den Klerikalen als „Freigeist", -als' Atheist, sehr übel ungeschrieben, und wenn er unter dein Einfluß seiner Frau jetzt auch . Frieden mit der Kirche gemacht har, ein Frieden von der rechten Art. ist das kaum. In klerikalen. Kreisen traut man ihm immer noch nicht recht. Seiner Gattin traut man desto mehr, sie war also die geeignetste Persönlichkeit für die Herstellung der politischen Linie Kahr und Kardinal. Es ist gut, daß der geistige Einfluß auf Kahr von dieser Seile wirkt. Das Schlimmste bei dein Generalstaatskommissär ist ja sein Mangel an unverdorbenem Liberalismus, einer Eigenschaft, die mit Humanität und Toleranz zuscunmenfällr. Für diesen Mangel hat er sich noch eine Philosophie zurecht gemacht, die aus zwei mißverstandenen Weltanschauungen kommt. Ganz stolz und gewaltprotzend verkündete Kahr vor ein. paar. Monateit: „Die Natur ist nicht auf Frieden, souderrr auf Kampf angelegt/'' Ihm liegt dabei der alle Grieche Herallit' mit seinem ewig trche Werk von Juden sei. Wiliou ist jener Jour¬ I Barcnente und Waschbaren Wäsch eflan*ile> ..per Meter K 1* 800 Zehente' . ... per Meter 18.900 X 1» »00 Wascheöarch ente -. ..per Meter K 10 500 PrantfjlsdieWaschveloure. SO cm, p. Meter K 87 800 ttsmlne. grosse 'Auswahl, weiss und farbig, C i i- „ per Meter £ 14 OOO Seraenclotn; alle Farben . . , . per Meter K 35.000 Blaudruck . . . ■.. per Meter K lÄfcOO Jadkcnfiuter,. «leiseste Muster. . per Meter X 34.500 I bamenwasche und Wirkwaren l , ■Qarnitaien.-, Hemd und Hose . . . . 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