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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-31 · Heft 1782 (31.1.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1782 (31.1.1924)
Date
1924-01-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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WWW IIJ!!L.l!l!l|llIJ,IIUlIiJIip mm t '■ Seite 4 Wien, Donnerstag Wiener Moraenzeitnng. 31. Jänner 1024 Nr. 1788 Inland. Serbeffrrnugen im Weubahiwrrkehr mit den NEaritaakn. Das Ergebnis der Budweiser Eisenbahnberatungen. Prag. 30. Jänner. (Tschecho-sl"w. Preß.-Bur.) Die vom 24. bis 27. d. in B u d w e i 8 abgehaltenen internationalen Eisenbahnberatungen, an d-nen Vertreter Oesterreicks, Jugoslawiens, Italiens. Ungarns und der Tschecho-Slowakei teilnahmen, hatten Vereinbarungen über schnellere und direkte Verbindungen im wechselseitigen Transitverkehr dieser Lander für den Fah-rplarr 1924-25 zum Gegenstand. Die vereinbarten Zugsverbindunaen treten am 1. Juni 1924 in Wirksamkeit und bedeuten eine wesentliche Beschleunigung gegenüber dem bisherigen Zustande. Die Verhandlungen über die Mgadentellmq. Die gestrigen Beratungen des Eubkomrtees über die Abgabenteilunasnovclle brachten einen kleinen Fortschritt. in dem Landeshauptmann Dr. Ender seine Anträge in einigen Punkten den sozialdemokratischen Vorschlägen annäherte. Von einer Einigung ist man allerdings noch sehr weit entfernt. Die Beratungen werden heute fortgesetzt. RiedrMerreichlscher Landtag. Gestern führte der niederösterreichische Landtag die Budgetdebatte zu Ende. Die Ickten Budgetkapitel (Gewerbeförderung. Fremdenvorkehrssörderung. Landesstcuern und Abgaben) wurden nach längerer Debatte angenommen. Bei einer Anzahl von Landessdeuern wurden bedeutende Erhöhungen beschlossen, m'n denen das Def'zit in der Wirtschaft des Landes Nicderösterreich aedeckt werden soll. Das Erträgnis der erhöhten Landesgrundsteuer ist mit 87 Milliarden eingesetzt, das der Landesgebäude mit 32 Milliarden. Die Fürsorgeabgabe wird voraussichtlich 65 Milliarden tragen, die Strom- und Gasabgabe 17 Milliarden, die L-andesabgabe von Kraftfahrzeugen fünf Milliarden, die Fi'chereiakgabe 45 Millionen und das Erträgnis aus dm Jagdkarten 1400 Millionen. Vinzenz Mvlik gestorben. Hochbetagt ist gestern der ehemalige schönerianische. Reichsratsabgeordnete Vinzenz Mali! gestorben. Mali! gehörte mit seinem quecksilberigen Wesen zu den charakteristischen Figuren des alten österreichischen Parlaments, in welchem er den Wahlkreis 8 e i b n i tz vertrat. Sein übersprudelndes Temperament spielte ihm bei seinen RoÄen manchen Streich und viele seiner Wippchen sind zu geflügelten Worten gc-worden. Die Spaßvögel im Reichsrat leisteten sich oft den Scherz während er eine Rede hielt, ihm solche Entgleisungen zu soufflieren. Mitten in einer Rede wandte er sich einmal gegen diese Ohrenbläser entrüstet um und sprach die geflügelten Wort«: „Ich weiß es. man will mir schon wieder von hinten ein Kuckucksei in den Mund leaen." Roch berühmter wurde er. als er im Verlauft einer Fehde mit dem deuffchradika''en Abgeordneten Hummer mit einer Hunds-Peitsche bewaffnet ins Parlament kam und Hummer in offener Sitzung züchtigte. Hummer entwickelte sich von diesem Zeitpunkt an zu einem „Staatsmann" und vermied es in der Folge, durch Skandalaffären die Aufmerksamkeit auf sein« Person zu lenken. Fast wäre der Rsme Mali! auch mit der Begründung der österreichischen Republik in dauernde Verbindung gekommen; jedenfalls war er der erste, der in der provisorischen Nationalversammlung den Antrag stellte, Oesterreich zur Republik zu erklären. Äserbericht. Neuerliche krbShuuo des »rotvreifer. Pro Laib um 100 K. — Deißgeback unverändert. Tie andauernde Hausse in den Brotmehlpreisen hat eine abermalige Erhöhung des BrotvreiseS zur Folge. Auf Grund der gestrigen Errechnung der Gestehungskosten gelten in der kommenden Woche nachfolgende Verkaufspreise: N o r m a l l a i b 7150 K. (bisher 7050 K.); E x t r a b r o t 6000 K. (bisher 6200 K.); Weihe Wecken 0300 K. imiverändert); K l e i n g « b ä ck 460 K. (unverändert). Die Affäre Hocheueos. Die Aerztekammer übergibt die Angelegenheit dem Ehrenraie Ter Vorstand der Wiener Aerz e'ammer hat in seiner Sitzung vom 29. d. den Inhalt der von Professor Hochenegg innerhalb der gestellten Frist in Form eiirer Broschüre erteilten Antwort einer en gehenden Prüfung unterzogen und ist zu der einmütigen Auffassung gelangt, daß die von Professor Hochencgg erteile Antwort a l s Nicht ausreichend angesehen werden kann. Al^e'ehen von der Bekanntgabe des genauen Wartlautes der Äeußerungen in der Vorlesung und der Wiedergabe eines bereits im Jahre 1908 von dem damaligen Kammerpräsidenten zum Gegenstand erlas enen Rundschreibens ftwie der Fesistelung, nicht gegen die Gesamtheit der Aerzteschast, sondern nnr gegen eine gewisse Gruppe von Aerzten Beschuldigungen erhoben zu haben, bringt Professor Hochenegg im wesentlichen nut allgemein gehaltene Bemerkungen »ud H inweise vor^ lehntjedoch die Bo rlage GEORGSBAD (CLUSIUSBAD) . IX., Clusluagasse 12 mt neueröffnet tsr Dampf- und Wannenbäder Ruttlschet Dampfbad (einzig in Wien) eingebaut und neu eingerichtet gBF" Für Damen silick die russischen Steinschwitz» bäder jeden Donnert nachmittags geöffnet des ko nfreten Beweismate cials an die Kammer mit der Begründung ab, daß er befürchte, sich durch die Nennung von Namen u§d Daten zu exponieren und persönlichen Unannehmlichkeiten auszuse'en, ohne in der Angelegenheit selbst einen Erfolg erzielen zu können. Der Vorstand der Wiener Aerztelammer hat oaher den Beschluß gefaßt, die Angelegenheit dem Ehrenrate abzu treten, damit dieser auf Grund einer formellen, ordnungsgemäß durchge'ührten Untersuchung zur Feststellung der für eine Entscheidung notwendigen Beweismatcrials gelangen zu können. In diesem Sinne hat der Vorstand der Wiener Aerztekammer Professor HNchenegg in einem motivierten Schreiben in Kenntnis g(fttzt. Der Raub in s*r Postsva»*assa. Die Derdachtsgrlinde gegen Cartilli. Auch die in Gmünd verhafteten Italiener Ferraro und Ronci, bei denen die in Prag gemachte Beute an amerika-- nischem und tschechischem (Me gefunden wurde, leugnen, an der Beraubung des Geschästsdieners Mansch teilgenommen 5« haben. Cartilli, der in Wien Verhaftete, konnte allerdings bei dem Handstreich in Prag nicht umnnttelbar beteiligt gewesen sein, da er am 26. d. in Wien geweilt hat. Es ist erwiesen, daß sich Cartilli bei der Lombard-u. Eskompteba nk acht Pfund Sterling in österreichisches Geld um ge wechselt hat. Der Tag stand nicht fest. Nun wurde bei einer Hausdurchsuchung eine Bestätigung gefunden, die beweist, oaß die englischen Banknoten am 23. d. um etwa halb elf Uhr vormittags bei der Lombard- und Eskomptebank eingereicht worden sind. Es ist dies der näml'iche Tag und dft nämliche Stunde, zu der Mak ulaturpapier bei der Lombard- und Eskomptebank von der Papierfirma Bunzl und Brach abgeholt worden ist. In oem Sack war auch Maknlaturpapier dieser Bank, und darnach ist es sehr wahrscheinlich, daß. sich Cartilli bei diesem Besuch in der Bank irgendwie in den Besitz des Makulatu rpapiers gesetzt hat. Die Person oder Firma, bei der der Jutesack gekauft wurde, hat sich noch immer nicht gemeldet. ___ Die Miftbräuche bei Wohnurmanfokdernnqeri. Die Mietkommissionett heben die Anforderungen auf. Das Wohnungsamt der Stadt Wien führt zum Beweise dafür, daß die Z a h l d e r W o h n u n g e n, die infolge rechts, kräftig gewordener Anforderung zugewiesen werden können, immer geringer ivird, und daß die Mietkommisfionen bei Auslegung des § 19 des Anforderungsgesetzes, der von persönlichen Rücksichten sprich, nur Rücksicht auf Parteien nehmen/ die einen gewissen Wohnungsluxus verzeichnen, eine Reihe vost Fällen an, die unter anderem besagen: Ein bekannter Geschäftsmann besitzt in der Inneren Stadt zwei große Mahnungen. Außerdem hat seine Familie nach eigener Angabe eine ständige Wohnung in einer Vöslauer VillK wo sie sich einen großen Teil des Jahres aufhält. Die Mietkommission beim Bezirksgerichte Innere Stadt hat die A n f o r d e r u n g der beiden Wiener Wohnungen uvter Zuhilfenahme des § 19 des Anforderungsgesetzes aufgehoben. Eine Dreizimmerwohnung wird durch d^n Tod des Hauptmieters f r e i, da aber die W i r t s ch a f t e r i n des Hauptmieters alle Teile der Wohnung mitbenützt hat, wird die Anforderung von der ÄUetkommission beim Bezirksgerichte Margareten aufgehoben, obwohl selbst bei der größten persönlichen Rücksichtnahme der Wirtschafterin nur zwei Wohnräume hätten zngesplvchen werden sollen. Eine Reihe von Wohnungen würde angefordert, weil sie in Untermiete gegeben waren und von den Wohnungsinhabern nicht bewohnt wurden. Auf die Angabe der Wohnungsinhaber, daß sie nie die Absicht hatten, die Wohnungen aufzugeben, wurden die Anforderungen von den Mietkommissionen aufgehoben. Eine Wohnung, bestehend aus sechs Wohnräumen, wurde teilweise angefordert, da sie ungenügend benützt wurde. Die Mietkommission beim Bezirksgerichte Margareten hat die Anforderung aufgehoben, weil zwei Gafsenzimmer infolge ihrer künstlerischen Ausschmückung für normte Wohnzwecke nicht geeignet sind. Diese Entscheidung wurde Übrigens vom Oberlandosgericht aufgehoben und ausdrücklich festgestellt, daß sie das Gesetz verletzt. Eine sehr große Wohnung wird von der Hauptmieterin am 31. Dezember 1922 verlassen und von dem Untermieter, der erst am 1, I ä n n e r 1923 einzog, b e a ns p r u ch t. Die Wohnung wurde als zur Gänze untervermietet an gefordert, jedoch von der Mietkommission beim Bezirksgerichte Hernals wurdv die Anforderung aufgehoben. Diese Beispiele können beliebig vermehrt werden, da der § 19 des WohnungLansorderungßgesetzes jedem Richter es ermöglicht, unter Berücksichtigung der beruflichen, persönlichen und Familienverhältnisse deStEinspruchswerbers die Anforderung aufzuheben. Das Wohnungsamt der Stadt Wien erklärt, daß eungenügend benützte Wohnungen entsprechend den Bestimmungen des Anforderungsgesetzes anzufordern habe. Solche Wohnungen sind besonders in den inneren Bezirken sehr zahlreich. Wenn sie trotz erfolgter Anforderung nicht den Wohnungssuchenden zur Verfügung gestellt werden können, so ist dies ausschließlich der Spruchpraxis einzelner Mietkommissipnen zuzuschreiben. BMwohnhäuser. Der große Wektvewerb für Bclkswohnungen in Ottakring. Die Gemeinde Wien ladet neuerlich die besten Wiener Architekten zu einem öffentlichen Wettbewerb ein. ES handelt sich diesmal um ein besonders großes Bauprogramm, da daS Gebiet, das mm verbaut werden soll, ungefähr 100.008 Quadratmeter groß ist. In das Bauprogramm einbezogen wurde aber ein viermal größeres Gebiet, für das jedoch erst später ein Preisausschreiben veranstaltet werden soll. Die Baufläche liegt im Zwickel zwischen der Ottakringerstraße und der Hernalser Hauptstraße, westlich der äußeren Gürtellinie und wird durch die Sandleitengasse, Oberwiedenstraße und Wilhelminenstraße begrenzt. Nach Norden steigt das Gelände gegen die Giselaalpe an, nach Westen gegen den Predigtstuhl. Rund 1200 Wohnungen sollen auf diesem Grundstück errichtet werden, davon noch 788 in diesem Jahre Der BerbauungsmoduS ist derart gedacht, daß von Ost nach West und Nord eine allmähliche Auflockerung der Verbauungsfläche stattfindet; der nördlichste Baublock soll durch Besetzung mit einzelstehenden oder gekuppelten kleineren Wohngebäuden oder Gruppenbauten mit mäßiger Frontlänge, Vorgärten und Anordnung von bloß zwei bis drei bewohnbaren Geschossen landhausartigen Charakter haben. In der Hauptsache sollen Kleinwohnungen entworfen werden, wobei eine große Mannigfaltigkeit von Typen gewünscht wird. Die Kleinwohnungen sollen in der Mehrzahl Zimmer, WohnkücheundKammer, oder Kochküche mitzwei Zimmern samt den notwendigen Nebenräumen, in der Minderzahl Wohn- oder Kochkkche und einen Wohnraum mit Nebenräumen umfassen. Für die erstgenannten Wohnungen sind einschließlich des Anteiles der Stiegen und de- Ganges 76 bis 85 Quadrötmeter Bodenfläche zulässig. Fünf Prozent aller Wohnungen sind als Mittelstandswohnungen mit Kochküche, drei Zimmern, Dienerztmmeh eventuell Baderaum gedacht. Auch eine größere Anzahl von Einzelzimmern mit Kochnische soll in das Projekt einbezogen werden. Besondere Aufmerksamkeit ist den WohfahrtSeinrichtungen und Wirtschaftsanlagen zu widmen. Der Wettbewerb verlangt ausdrücklich, daß ein Kinderhort samt zugehörigen Spielplätzen, Nebenräumen und Werkstätten, Spielplätze und Kinderplanschbecken in den gärtnerisch ausgestalteten Binnen- und Straßenhöfen, eine größere Zahl zentraler Dampfwäschereien, eine zentrale Badeanlage mit Wannen und Brausen, ein Kindergarten mit vier Spielsalen, acht Beschästigungszimmern und den erforderlichen Nebenräumen, ein Werkstättengebäude mit motorischem Betrieb, Ga stwirtschaft und Kleinbäckerei untergebracht werden sollen. Schließlich soll eine Volksschule für 1200 Kinder, mit zwei Turnsälen, in baulicher Anlage und Einrichtung dem modernen Schulbetrieb entsprechend, errichtet werden. Die Jury ist zusammengesetzt aus dem amtsführenden Stadtrat Siegel, dem Stadtbaudirektor F i e b i g e r, Senatsrat Hafner, Baurat B i t t n e r und den Architekten G e ßner, Oerley und Schmid. Jeder Bewerber und jede Bewerbergruppe erhält für das diesen Bedingungen entsprechende Projekt eine Vergütung von 40 Millionen K r o n e n. Die Wettbewerbsarbeiten sind binnen zwei Monaten abzuliefern. Die Gemeinde plant, den zur Ausführung geeigneten Entwurf dem Verfasser zur Ausarbeitung der Baupläne vollständig zu übertragen. Eventuell wird die Gemeinde geschlossene Baublöcke getrennt in Auftrag geben. Die Einladungen für den Wettbewerb erfolgten an sieben Gruppen, die sich insgesamt aus 21 Architekten zusammensetzen. Heiteres Wetter. Die Bewölkung hat in Mitteleuropa allgemein abgenommen. Ein Hochdruckgürtel-zieht quer über den Kontinent. Ueber dem Mittelmeer wehen stärkere nördliche Winde. Voraussage: Heiter, stellenweise Morgennebel, Ausstrahlmigssrost, schwache Winde. Die Ledensmlttelmürkte. \ Auf den Lebensmittelmärkten tritt die geringe Kauftraft der breiten Schichten der Bevölkerung von Tag zu Tag deutlicher in Erscheinung. Der Verkebr »st auf allen Gebieten sehr schwach, die Zufuhren reichlich, die Preise bleiben aber trotzdem ziemlich unverändert auf ihrer Höhe. Zn der Großmarkthalle waren große Mengen von F l e i s ch aller Art angeüoten, ebenso ist auf dem Fisch- und Gestügelmarkte das Angebot reichlich, der Absatz jedoch gering. Auf dem Naschmarkt war gestern Spinat aus Italien zu haben, der sich auf 7500 bis 8000 K. pro Kilogramm trotz der hohen Spesen stellte, während der heimische Spinat sich zuletzt auf 20.000 K. pro Kilogramm gestellt hat. rnläm

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