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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-31 · Heft 1782 (31.1.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1782 (31.1.1924)
Date
1924-01-31
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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L *&. im Men, Donnerstag IltS «au tni-4 Ihnen übörihaup t nicht Z :u fyr«ch«n" Tn diefam niedsrschvre-tternidLrt Urwil dsr gssamten eng- «Wen SffeMichen Mi-nmug ändern weder^der teMnM-e. amtflfa Nachrichtendienst der Buldapeister Regiemn-g, noch die!y<«i-«Ligkeit, mit welcher der riWarilsche Gssanldte m Mbott, Gvaf Sgapary, für die Presftvertvster allein bis- H« mehr als hundert Bankette und prunkhafte Soireen veranstaltet hat. In London lacht man bereits über diese BanDeckte. „Ich war nicht in Budapest, und es ist eine Lüge, wenn behauptet wird, daß ich mit de» Bert-vanansmännern der ungavischerr Regierung unterhandÄit hätte. Hingegen ist es wahr, daß nran mich wiederholt nach Budapest geru>fen hat. Als ich mein Vaterland verließ, wuM ich an der ungarischen Grenze von einem hohen migarischeu Polizeideamten eviva-vdet, der mir im Auftrag der ungarischen Regiermvg das Anerbieten stellte, sofort nqch Budapest zu kommen. Die ungariirsche Regiorung würde mich als ihren Gast betrachten, mir Geld und einen ordmmgsmäßigon Reisepaß, sogar einen ungarischen Diplomatenpaß für meine weitere Reise zur Devfügung stellen. Ich habe all diese Angebote entschieden zurückgewiesen." Zum Schluß «Märte Radic: ,Mn Kroate, der sich an vi« Magyaren um HMse gegsrr die Serbe u wendet, ist ent.-- wsder ein Verrückter oder ein Lump. Meine Ueber- Mgung ist, daß es für ganz Mitteleuropa und auch für Ungarn das größte Glück wäre, wenn das heutige ungarische Regime verschwände. Dir Zeit ist nicht «mehr fern, da dies der Fall sein Wird." Bethlen über seine „erfolge". Aue stürmische Nationalversammlungssitzuug. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 3V. Jänner. In der Mtwnalvevsammlung wurde die Wstrmmung über die Interpellationen, deren 80 eingebracht wurden, fortgesetzt. Nach kurzer Debatte wurde das vorläufige Budget auch in Oveiter Lesung angenommen. Bei der Unterbreitung der Interpellationen führt Abgeordneter Eöry-Szabo die Affäre des wegen verschiedener Exportpanamas unter Anklage stehenden ehemaligen Privatsekretärs des Ackerbauministers Esküb zur Sprache. ' Unter stürmischen Entrüstuugs- und Pfuirufen verliest er eine Erklärung Esküts, der semerferts gegen verschieidene Persönlichkeiten, darunter gegen Grasen Stephan Bethlen jun. schwere Anklage erhebt. Justizurinister Dr. Nagy erklärt, er habe dom Interpellanten bereits heute vormittags mitgeteilt, daß die von ihm urgierte Verhandlung im Esküt-Prozeß ans den 25. Februar angesttzt worden sei, so daß er sich nicht w-eiter darüber äußern Knne. Am Schlüsse der Sitzung brachte Abgeordneter Biro folgende Interpellation -ein: 1. Ist der Ministerpräsident geneigt, der Nationalverfammlnng den Inhalt der L o n d o n e x B e v h a n &-• tun ge« bekanntzugeben? ' Wiener Vtorgenzeituns. ZionMibe «Mltftfetttot Leovoldftadt Heute Dornter8tag, 31. d., präzise 8 ltbr abend», im Wiener Bürger-Cafä, Ii. Taboiistraße 11 Lortrag Sr. Nr«! Waldmann: ' „Mische PolitV Jeden Donnerstag zwanglose Zusammenkünfte mit Vorträgen 2. Sind in dem Bericht des Finanzausschusses des Völkerbundes vom 2. Dezember 1923, namentlich in der Reparationsfrage gewisse Aenderungen vorgenommen worben? Wenn ja, tvelcher Natur sind diese Aenderungen? 3. Welche Schritte beabsichtigt die Regierung zur Abwicklung der Anleiheaktion zu unttk'» nehmen? i. Ist der '.Ministerpräsident geneigt, die Nationalversammlung über die auit dem Königreich der Serben, Kroaten und Slorvenen oinzugehende Vereinbarung zu informiere«? Die Anttvort Bethlens deckte sich nüt dörr Jnsornratione«, die Bethlen Montag Presievertretem gegeben hat. Bezüglich der sogenannten Restitutionen für Jugoslawien sagte er, daß Ungarn auch laut Frredensvertrag gezwungen sei. die durch die österreichisch-ungarischen Truppen aus Serbien verschleppten Maschinen, die Einrichtung des Arsenals von Kragujevac, Remorköre, Waggons und Lokomotiven zu ersetzen. Aars Grirnd des Restitutionövertrages soll Jugoslawien von Ungarn mrßerdem hundert neue Lokomotiven, und hundert Eisenbahn- Waggons erhalten. Ae Ersatzwahl in Sebrerrin. Budapest, 30. Jänner. lUng. Tel.-.Korr.-Blir.) Bei der im dritten Wahlbezirk der Stadt Debbec; in notwendig gewordenen Ersatzwahl erhielt keiner der .Kandidaten die absolute Mehrheit. Der ehemalige Ministcr des Innern unter dem Karolyi-Regime, Vinzenz Nagy, und der Kandidat der Nassenschützler, Dr. Händel, kommen in die Stich w a b l. 8m „demokrattschea" HoNhtz-Uugam darf man nicht Iritlfieten. Budapest, 30. Jänner. (Tel. der' „Wiener MorgenzeÄung".s Der Direktor der Waitzner Bürgerschule. Ferdinand S ze ke ly, "kritisierte'kürzlich in der Zeitschrift „Vergan^uheit und Zukunft" das neue ungarische Ordnuugsgesttz. In dem?lrtikel twindte er sick gegen die Atrozitälen der Rechtsradikalen, weKhalb er den Gesetzen der! ungarischen „Denrokratie" gemäß sich gestern vor de>« Budapester Strafsenat wegen Beleidigung des ungarischen 31. Jänner 1921- Seite 8 ^Staates und der ungarischen Nation zu verantworten Wie. Im Lause des Verhörs stellte der Vorsitzende an den Angeklagten folgende Frage: „Sie behaupten, daß hier Mörder vorgefallen sind. Hat man Sie auch getötet?" Auf die-Bemerkung des Angeklagten, -daß der Erwachende Gyalai, der in das Bombeuattentqt auf den' Elisab q t h st ä b t e v Klub verwickelt ist, ein „Schlüserl" sei, erklärte d'er Vorsitzende, -bafe er wegen dieses Ausdruckes ein besonderes Verfahren gegen ^ekely anstrenge. Schließlich wurde BürgevschMirektor Szekelp lvrgen Beleidigung des ungarischen Staates und der Nation zu zehn Monaten Gefängnis und 300.000 Ärotten Geldstrafe verurteilt. reUweise Freigabe der Devisenverkehrer i« Pole«. Warschau, 30. Jänner. (Tel. der „Wiener ALovgen' zoitnng".) In den nächsten'Tagen wird eine Verordnung des Finanzministeriums erscheinen, auf Grund welcher in gewissen Grenzen eine Freigabe des Umsatzes in fremden Valuten erfolgt. Auf Grund dieser Verordnung wird der Besitz von Auslandsvaluten nicht mehr strasgerrchtlich verfolgt. Weiters wird den Banken erlaubt, lausende Rechnungen in Auslandsvaluten zu eröffnen. Operationen in fremden Balltten werden legalisiert. Diese Verordnung wird aber nur diejenigen Banken betreffen, -denen das Finanzministerium die Führtrng und RechMNgsleguug in Anslandsvaluten, Einnahme und "Auszahlung derselben sowie die Erteilung von Krediten in ausländischer Währung erlaubt. Es wird auch die Mitnahme von polnischer! Mark über die Grenze bis zur Höhe von 1000 Zloty gestattet. krschwrnmg der Studium» an den rumänischen Universitäten. Bukarest, 30. Jänner. (I. T. A.) Das neue Gesetz- Projekt über Reorganisation der runtänischen Hochschule« sieht eine e i n j ä h r i g e V orüereitungsklasse als Bindeglied zwischen der Rlittelschule und der Hochschule vor. Diese neue Einrichtnng ist eine Konzession an die a n- : i s e m itis ch e Student e n s ch a f t, indem mit dieser Zwischenklasse ein Instrument gschaffen werden soll, um den jüdischen Mittlschuläbsolvcnten den Weg zum Universitätsstudium nach Belieben versperren zu köntren. 8i« Welt-Kirchenkongretz. Lofts. 30. Jänner. (Tel. der „Wie,rer Mvrgeltzeiiuug".> Ein-e Konserevz kirchlicher Würdenträger aus Bulgarien und Rumänien in Sofia beschloß, demnächst nach Bukarest einen Kirchenkongreß cirrzuberusen, der -über die Beroinignng beider Kirchen verhandeln soll. Außerdem wurde die Idee einer allgemeinen Kirchenuuion der Welt erorlert, üinr die ein Kongreß in.Now-Aork beraten soll. „Re rote Mühle." Deutsche Uraufführung im Burgtheater. Ein verteufelt umständliches Stück. Es spielt auch in der Hülle. Alle angenehmen Molnar-Jngrediettzien sind' angewendet und die unangenehmen: Operettenlaittilene a la Kalmar, die süße, blauäugige Herzenseinsalt, wie sie in modernen Operettenlibretüs, so zwischen, zwei Nackttänzetl, «ns rein und schuldlos angülächeln beliebt, sind in verschwindender Dosis 'beigemengt und erst gegen beit Schluß hin zu schmecken. Alles in allenr: Willkommene Abcnduntevhaltung. Angenehmer Dialog, vornehm gedättipfte Satire, eine Handvoll vortreMcher Beobachtungen, bvillatne, diesntal freilich überladene Bühnentechnik und ein Endchen Humor. Dies zusammen ergibt viel —. aber selbstverständlich nicht das große literarische Ereignis, das nran vor und nach der Budapester Premiere ausposaunte. Und an die -Dichtung „Liliom" wird mau nicht im entferntesten erinnert. Franz Molnars Teufel — jener elegante redegewandte Herr mit dent Pferdefuß, dteu man aus Molnars gleichnamiger Kornödie kennt — verlegt sein Werk der Seelenzerstörung aus den Salons der Oberwelt diesmal in beit t-tqi'tcn Höllenschlund. Dort oben gelang es dem schivarz befrackten Mephisto, die Probe auf das Crentpel mit Gradezza vorzuführen und in der letzten Szene „voila!" zu rufen. Hier unten setzt er eine überaus komplizierte, für das aus Kurzweiliges Molnar-Amüsement dressierte Publikum, fürchte ich, allzu langwierig arbeitende Maschine iu Bewegung. Die „rote Mühle", ein in einer halben Million Jahren korrftruierter ,Deelenkorruptor" wird in Anivoseuheit des Allerhöchsten Höllenhofes ausprobiert. Sehr gelungen der Vortrag' des diesmal rot befrackten Teufels über die Konstruktion der gewaltigen Höllenntaschine, sehrlustig das Suchen mit dem Höllenspiegel nach einem geeigneten Menschenexemplar, das natürlich die Unverderbt-- lteit in Person fein muß und — ihr begreift — nicht leicht zu finden ist. Der Teufel erweist sich bei der Auswahl rrtenschlicher Objekte, die ihm geeignet dnn>ken, erfreulich naiv, woraus man schließen könnte, daß die Söhne der Hölle noch manche Million von Jahren benötigen wew den, mn der^ Vevstellttugskttnst und Perfidie göttlicher Oberweltgeschichte gewachsen zu sein. Schließlich gelingt es, einen braven Förster ohne Harm, einen unbedingt getreuen Ehegatten, bieder, fleißig und gefräßig, mit Zustimmung Seiner Majestät des Beherrschers der Hölle in das Inferno zlt schleppen. Darüber nämlich daß nur ein Man u von makelloser Seele sein kann itr> daß man von vornherein verzichlen müsse, noch/ein «ttverderbtes weibliches LebewZen aufzutreiben, sind sich auch die Höllei^öbne einig. Ter wichtigste Bestandteil der Alaschiuerie. eine weibliche Puppe, die alle löblichen Eigenschaften von Eva über Mcssalina und Lukretia Borgia bis Milica Pukobrankovics aufwcist, wird in Tätigkeit gesetzt. Mit infernalischem Vergnügen läßt der unterirdische Edison zunächst dieses Prachtexemplar seiner Konstntkticusknnst vor dem vergnüglich grttnzenden Höllenhos tausend Stücklein spie-en. Sie kann verführen und frömmeln, beten und morden, brünstig locken und nonueuhafl ablveiseu und noch manches andere mehr, alles in einem Atemzug. Diese Dame, Mima genannt, zum Mißvergnügen der T'heaterbesncher'innen könnte sie aber auch einfach „Weib" heißen, wird nun aus den bestürzten Förster losgelasseit. Und nun geschieh: es etwa wie in „Jeticheu Gebert", da jedes Kapitel mit den Worten beginnt: ..Alles kam. wie es kommen mußt:". Der unbefleckte Förster wird Lügner. Dieb, Ehebrecher, Abgeordneter, Börsenspekula uh kaltschnautziger Verführer. Der Höllenmagistrr läßt jede geglückte Impfung mit den diverselt Giften seines Höllenapparates durch ein Glockenzeichen begleiten und fungiert leider mit der nämlichen Aufdrmgl'ichkeit und Ueberftüssigkei!. wie es seine irdischen Kabarettkollegeu zu tun Pflegen, als Conferencier. Keinesfalls aber ist man bisnuu einem Ansager begegnet, der mit solch virtuoser Technik, Zungenfertigkeit mtb Kunst der Wortfärbnng seines Amtes lvaltet, wie Herr Schmäle, der insbesondere im ersten Lllt wirklich Nrterhörtes lefftet> v Natürlich — die Geschichte muß doch ihre Moral haben und keiner hat es anders erwcrrtet — scheitert schließlich die Kunst des höllischen D!agisters. Hier nitn konrmt der Augenblick, wo Kalnrar und feine Librettisten in ihre Rechte treten, Es siegt die stärkere Liebe des Erdensohnes zu seiner Mutter über den .Hvlle'nspnk, alle Gegenmaßnahmen bleiben fruchtlos. Er vergibt der dämonischen Mma. weil sie seiner Mutter ein getrocknetes Veilchen schickte, die ge-- tvaltigc Maschlnerie berstet nnd hinter den aussteigenden Flammen und Rauchschwaden ertönen fromme Glocken . .. Das weibliche Höllenwerkzeug wird von Frau Jda Roland, wenn' man-so sagen darf, „verkörpert". Man weiß mir welcher Genauigkeit und Zuverläffigkeit diese Künstlertu Afsefte bringt, Kontraste herausavbeitet, Toilettenkünste spielen läßt. Tie leistet Moluar und seinem Teufelsmagisker unvergleichliche Dienste. Herr Höbling ist für den von des Gedankens Blässe nicht angekränkelten, mit den löblichstert Herz-cuseigenschaften und dein frömmsten Appetit. gesegneten Förster Jane» insolange sehr geeignet, als die gertannteü guten Eigenschaften ihre Wirkung zi^iuu haben. Später hingegen und ganz besonders dort, wo aus Janos Engelszungen sprechen sollen, geht's minder gut. Einem deutschen - Mädchen, kapitalskräftig, anspruchsvoll und von gediegener Dummheit werden von Frl. Wall ergötzliche parodiftische Lichter aufaesetzi. In Episodenrollen tun sich die Herren K a r st e n, B a u m g a r t n e r und Wawra, die Damen Wilke und Mell hervor und Frau Pünkösdy, herzhaft und lieblich, sorgt in dem Höllen-spiel für den himmlischen Kontrapunkt. Soweit es Molnar gestattet, der sich diesmal als Ileber-Striudberg erweist: denn diese Gute, Reine, hat den braven unverderbten Gatten rascher erkannt als der Teufel und packt ihn mit ergötzlicher Sicherheit bei seiner schwachen Softe — bei der Gefräßigkeit. Der Höllenapparat. gewaltig, präzise und, dem Zeitalter des Techuismus entsprechend, äußerlich überraschend einfach, füllt die ganze Bühne des Burgtheaters aus. Elektrische Starkströme krtistern, bunte Lichter blitzen aus. bei Höchstleistungen rumort cs itt dem Bauch des Ungetümes. Herr Direktor He rt er ich, der Spielleiter, uud Re-nrrgnts Gryling. der Schöpfer des BüHiterrbrldes. habctt ganze Arbeit getan. Das Publittmt freute sich über das Höllenspiel weit mehr, als wohl der Darsteller des Beherrschers der Unterlvell , der stundenlang wortlos und würdevoll aus eine nt feuerroten Thronsessel im Orchesterraum sitzen mußte, vermutlich erwägend, wie viele Abende ihm diese ehrende, aber leider stmnme Rolle Zufällen wird. Schon nach dem ersten Akt muß Franz Molnar erscheinen, nach dem zweiten brachte er ungezählte Male Frau R o l a n d mit — u»d nach' dem dritter mengte sich Widerspritch in die Beifalls- -stürme. Sri" b e!? s. kutt«-., vsmenttokkeÄ!.T langer

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