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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-30 · Heft 1781 (30.1.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1781 (30.1.1924)
Date
1924-01-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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M. 1781 Wien, Mittwoch' FRACKHEMDEN ' FRACKGILETS direUbemEfgeugw BERTHOLD SCKEER Hl. la*dttran*r Oürttl J9, font«»: 0,118,4 »■ 11 .. '■■■'■ 1 .. — —---—--- Aegyptens und des Sudans zum Ziele haben werde. Der König hat dieses Programm angenommen. Gestern abends wurde bereits die Liste der neuen Minister veröffentlicht. Z a g l u l Pascha hat das Ministerium des Innern übernommen. Finanzminister wird Tewfik Pascha, Kriegsminister Hassan Pascha, Mnister des Neuster,i Wassefvei. Lenin» Nachfolger. Tschitscherin Kandidat. Londou, 38. Jänner. Das Reutersche Bureau meldet aus Moskau: Der zweite Kongreß der Union der Sowjetrepubliken hat am Samstag beschlossen, Petrograd in Leningrad nmzubeMnuen (siehe ,Mr. Morgonzeitung" von: 26. Jänner), in jeder Hauptstadt der Sowjetrepublik sind Lenindenken 8ler zu errichten. Tischitscheriin kandidiert füir die Stslikie AenlinS. Italien und Rnbland einig. Unterzeichnung des Handelsvertrages am 4. Februar. Mailand, 29. Jänner. (Tel. der Wiener MovgMzeitmitz".) Nach MättermMarngen ist zwischen Mussolini und dem russischen Delegierten ülber die italiemsch-russischen Vertrüge vollkommenes Einverständnis erzielt worden. Die Verträge sollen am 4. Februar unterzeichnet werden und auch die AnerkenMng Rußlands d e j u r e vovftihen. Mn Kredittommissar in Polen. Die Organisation des Anleihewesens. Warschau, 28. Jänner. (P. T.-A.) Der Ntinisterrat Hat zwecks Entfaltung der staatlichen Kreditaktion und Vereinheitlichung der Tätigkeit der staatlichen und vom Staate subventionierten Kreditinstitute die Berufung eines außerordentlichen Kommissärs M öffentliche Kredite und für öffentliche Sparsamkeit beschlossen, dessen Wirksanckeit folgendermaßen umgrenzt fein soll: 1. Ausarbeitung von Anträgen betreffend die Emission kurz- und langfristiger staatlicher Anleihen, Ausarbeitung der Grundsätze und der Bedingungen der Kreditaktionen der staatlichen und vom Staate subventionierten Kreditinstitute und Organisation, bezw. Fusion dieser Institute, 2. Leitung des Verkaufes bereits emittierter^A-^Hesthen, 3. Kontrolle der Tätigkeit der obengenannten Kreditinstitute durch besondere Delegierte, 4. Entwicklung dvs Sparsamkeitssinnes der Bevölkerung, 6. Propaganda für Kapitalseinlagen in verzinsten Staatspapieren. Der außerordentliche Kommiffär kann zur Mitarbeit Vertreter der Wirtschaft heranzichen. Die Emissionsbank. Die Subskription auf die Aktien der neuen Notenbank hat bereits begonnen. Die Aktien der Bank lauten auf N a m e n., Die Zuteilung der Stücke wird von einem Organisatiouskomitee vorgenomnren, dessen Mitglieder von der Regierung ernannt werden. Der Zloty. Älach Einführung des Zloty wird, wie Min Per- Präsident Grabski in einer Unterredung mit Abgeordneten erklärte, die polnische Mark nicht sofort aus ttem Verkehr verschwinden, sondern noch eine gewisse Zeit im Umlauf bleiben, so lange, bis die nottvendige Deckung für die spätere Einziehung der Mark durch eine innere Anleihe beschafft sei, Konflikt zwischen Boung «nd der Regierung. (Eigcndienst der „Wiener Morgenzeitung".) Warschau, 29. Jänner. Warschauer Blätter bringen heute die Meldung, daß zwischen dem Finanzberater o u n g und den: Ministerpräsidenten Meignungsverschredeniherten aufgetaucht sind. Äsung soll nach seiner Rückkehr aus London dein Mniisterpräsidentelr vorgeschliagen «haben, die Mitglieder der engliUen Finan^kom- .mission als I n st r u k t o r e n in den enMiren Gebieten der Staatswirtschaft aufzunohmen. Der Ministerpräsident b»»«te sich mit diesem Vorschläge n.i ch t einverstanden erklären, worauf Ajoung eMärte, daß er Polzrn verlassen tverde, da er hier nicht die richtigen Bedrngungen für seine Tätigkeit gefunden habe. r« Verzicht Rumäniens an? die französische Anleihe. Paris, 29. Jänner. (Tal. der „Wr. Morgenzeitung".) cho National" stellt entgegen englischen Meldungen,^ wonach die r u m ä n i s ch e Regierung aus Uuznfrieldenlheit über die Verzögerung der zugesagten Anleihe von 100 Millionen auf diese verzichtet habe, fest, Gesandter Antoneseo habe den: Quai d'Orsay erklärt, daß angesichts der finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich Frankreich augeEcklich befinde, fei,re Regiernng den Kreditanfpruch zurü^kziehe. Wiener Morgenzeitttttg. König Alexander und die gndea in Inga« flawirn. Belgrad, 27. Jänner. (I. T. A.) Bekanntlich ist der mmrnannte Landesrabbiner ftir Jugoflawicn, Dr. Alcalay, persönlich beim König Alexander von Jugoslawien erschien, um in seine Hände den Eid zu leisten. Der Kultusminister Dr. Janic las den Text der Eidesformel vor. Der König bat sodann Dr. Alcalay, ihm über die Lage der Juden im jugoslawischen Reich Aufklärung zu geben. Der König gab seiner Verwunderung Ausdruck, daß nicht mehr als etwa 100.000 Juden im Lande wohnen. Er wisse, daß sie alle ihren Pflichten dem Staate gegenüber Nachkommen. Der König interessierte sich auch für die politische Tätigkeit der Juden im Lande, worauf Dr. Alealay den: König versicherte, daß die Juden in den neuerworbenen Geboten keine Jrredentisten seien, es sei aber begreiflich, daß die Juden in Kroatien sich nicht so leicht von der kroatischen Landespolitik losreißen könnten. Der König informierte sich auch über die Bestrebungen der jugoslawischen Zionisten und der zionistischen Meltorganisa-, tion im allgemeinen. Ae Hetzrede einer Hotthtz-MMerr. Was sich Rakovszky zu sagen erlaubt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Budapest, 29. Jänner. In der Nationalversammlung gab heute die Rede des Ministers des Innern, Ivan Rakovszky, Anlaß zu scharfen Auseinandersetzungen Zwischen dem Minister und der Linksopposition. Nachdem Minister Graf Klebelsberg ein ausführliches kulturelles Programm, dessen einzelne Punkte sich hauptsächlich auf das Landwirtschaftliche und Bolksschübweftn bezog, entwickelt hatte, ergriff Rakovszky das Wort zu einer längeren Rede, in der er unter anderem ausführte: Es ntutft ein Unterschied gemacht werden zwischen Atrozitäten vor und nach der Kommune; die evsteren sind als Ursache, die letzteren als Wirkung auzusehen. Jene haben die Seelenverfassung hevvorgeruftn, aus welcher diese hervovgegangen sind, oder in kürzester Fassung, ohne Szanluely hätte es kein Orgovany gegeben. Diese Theorie erregte auf seiten der Opposittou vielfach Protest. Der weitere Teil der Rede des Ministers des Innern, in welcher er ausführte, daß nrit der zunehmenden Konsolidierung und der Erstarkung der Regierungsgowalt die geheimen Kräfte sich immer nrehr und mehr verkriechen müßten und ihnen immer schärfte zugefttzt werde, konnte die Erregung der Opposition nicht abschwächen, und so kam es am Schlüsse der Rede, in der Rakovszky sich über die Ausweisung der aus Galizien und Ostpreußen eingewanderten unerwünschten Elemente aussprach, zu lauten Zusammenstößen. Der Minister verwahrte sich dagegen, daß mau daraus eine Judenfrage mach:. Die sich einschmnagelnden Elemente seien zum größten Teile Ostjuden, doch meinte der Minister, die niMrläudischen Juden dürsten in dieser Frage nicht den konfessionellen Gesichtspunkt vor Augen haben, sondern die allgemeinen Interessen des Landes, denen ein solches Zuströmen unerwünschter Elemente keinesfalls zuträglich sein könnte. Gegenüber den von den Sostaldenwtraten bemängel-- ten angehlichu Einschränkungen der Koalitions- 'und Or° ganifationsfreiheit vertue ist der Minister darauf, daß die Zahl der organisierten Arbeiter, die hu Jahre 1919 268.000 berug, sich im Jahre 1W3 auf 323.000 erhöht hat, obwohl die Zahl der Arbeiter im Lande nicht zugenommen haben dürfte. In der Älbendsitzung taut es sodann zur Abstimmung über die endlose Rech von Resolulionsanträgen, die znm Budgetprovisoruml eingebracht wordensind. Am W i d e rstand der Mehrheit sind alle 'bedeutenden Anregnngen der Opposition gescheitert. So wurde ein Antrag abgelehnt, wonach die Regierung lrcitte verpflichtet werden sollen, über das allgemeine, geheinte und gleiche Wahlrecht der Nationalversammlung unverzüglich einen Eurnutrs vorzulegen, während ein anderer die Auflösung des Internierungslagers in Zalaegerszeg zum (Gegenstand hatte. Die Anträge zur Aufhebung des Numerus clansus, di« Liquidierung der Emigration sowie die Einstellung der Verfolgung der r e p u b l i k a u i s ch e u Propaganda hat die Mehrheit ebenfalls - abgelehnt. Freilassung der Csongrader Bombenwerser. Der „DiSktswerser" Gaghi hastet. Budapest, 29. Jänner. (Lr-l. der „Wr. Morgen.zeituug".) Der Anklagasenat des Szeged irrer Strafgerichtes hat Sie Freilassung von v!ier Dardächtigten str der Csou grober Bombenaffaire verfügt. Es sind dies Johann Piroska, Johann Sa gh i, Rochrrs S agh i und Franz Ford o. Nunmehr werden im Szegediner Sterngefängnis nur noch Ladislaus Simko, Nikolaus Böiöny, Georg PiroSka und Altdor Fülöp gefangengehalten. Die Untersuchung hat ergeben, daß Anbor Fülöp der Anstifter zu dent Attentat war und daß nach denk nrsprünglichm Plan Georg Piroska die Handgralkate schleudern sollte und diese Aufgabe erst im ' letzten Ku-mbück ^m LadislM Simk» Müll, 30. Jänner 1924 r Sette ö Zionistische Besirksorganisation Brigittenau Heute, 30.d.; 7Uhrabd«., in derToynbeehalle, XX. Denisg. 3 Crosse Volksversammlung Gemeinderat Dr. Piaschkes, Dr. I. Waidmann Dr. Josef Löwenherz u. Redakteur Prof. Freut sprechen über: Aktuelle Jüdische Prägen Jeden Montag im Vereinslokale, XX Karl Meisslstrasse 5. populiir-wisseo » ,ctl<t^1>che Vortr&ge; jeden Dienstag unentgeltlicher Rechtschut* Sie ungarisch-jüdischen Studenten in Italien. Rom, 28. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie „Giornale d'Jtalia" berichtet, erschien dieser Tage Frau Glemi Jaffe mit ihrem Gatten Cavatterc Marco Jaffa beim italienischen Nnterrichtsminister Gentile in Audienz, »m ihm den Dank für den Beistand und Schutz für die vom Numerus clansus betroffenen jüdischen Studenten aus Ungarit auszu^ sprechen. Der Minister erklärte, daß seine Schulpolitik immer von dem Wohlwollen geleitet sein werde, Vas die R-egieruuZ den «isländischen Studenten stets entgegen gebracht habe. Interessant ist nun, daß nach dem Berichte des genannten Blattes Nnterrichtsminister Gentile zum Schluffe seiner persönlichen Freude darüber Ausdruck gegeben habe, daß unter den ausländischen Studenten viele Ungarn seien, denn das ungarische Bcckk habe viel Gemeinsames nrit Italien. Diese Bemerkung des Ministers ist sicherlich nur an das ungarllche Volk, nicht aber auch an die gegenwärtigen Lenker des Schicksals dieses Volkes gerichtet. Diese Machthaber Ungarns, bereit Treiben es die jüdischen Studenten zu danken haben, daß sic jetzt mkter anderem auch die Gastfreundschaft und die Unterstützung Italiens in Anspruch zu nehmen gezwungen [iiib, haben nichts gemein mit den freiheitlichen, von Antisemitismus freien Traditioneir des italieikischen Volkes. Znland. Re albernen SchlMe. PräfiÄeti-k Hainisch in feilt«» Gespräch ntu dem Ver« treter des „Pester Lloyd": , „Ich stamnie aus einer dewifchen arischen Familie, aber dcr Uiinfdand, daß m»m Großvater/m Tyrnan lebte und dort hmratere, kann natürlich die Rasstnschiißlcr zu Mernen Schlüssen veranlassen." Die tägliche Haken!krenzlerzeitu.ng .gefter-n: Ma-n war ju bei Dr. Hainisck, der d«n Judemmn s ch o n a u f G r fit n ö je i n e r A b st a m nt« n g s e b r n ahe steh: und dessen Gattin ebenfalls eine Jüdin ist, auf i\m philostmitische Anschauung von vornherein gefaßt." Natürlich! Sie haben ihn schon! Reise öfterreichMer FunMouSre »ach Rumänien. Wie verlautet, werdetl in der nächsten Zeit vom Mitkiste-- rium des Acnßern bk Seklionschefs Pete r, Schüller und Ministerialrat Junker nach Bukarest reisen. Zweck der Reise ist in Erster Linie ein Höflichkeitsckkt, da bereits der Verkehr mit -allen Nachfolgestawik anfgeummnen worden ist tni-d auch mit Rnmänien die Beziehungen wieder angeknüpst werden sollen. Bei dieser Gelegenheit soll auch über verschkdetke aus dem Friedensvertrage entfpring-rnde Fragen das Einvernehmen gepflogen werden. Hierher gehört in erster Linie die Frage der Segne strationen und Restitutionen. Was die BisumsebWre« trage». . Die unterschiedlichen Anregungen, die Paßvisa int Lkrkhre mit den Rachbarstaatey aufzulasftn. l)aben bisher bei der österreichischen Retzierullg wohl theoretische Anerkennung gesunden, doch scheint der Fiskus auf die Visumgebühren nicht verzichten zu wollen. Die Paß- und Visu Inge bühren iicfuu nämlich so bedeutende Erträgnisie, daß 'beispielsweise der Etat Außenamtcs. der mit eineur Defizit vor: 26 Milliarden im Voranschläge ansgewiest.n ist, 'noch rn i iK einem Ueberschuß von 8 M? U H cv v b e u adschrießen würde, wenn diese i^eonhren als E'mnahmepost de-.- "Aiks-wärtigen Amtes zu Buch Hunde!,. Sr Unterzeichnung der SfterrelchM-türMchen Verträge. Konstaiüinopel, 29. Jänner. Gestern abends hoben der österreichische Gesandte Kral und die Delegierten der Regierung die drei Verträge nnterzeichnet. über die schon längere Zeit nnterhandelt worden war, und zwar den Freund s ch a f t s v e r t r a g. die N i e d e r l a ss n n g s k o n v e u t i on unb den H andelsverira g. ' der zweck der Heimwehreri. Salzburg, 29. Jänner. Gestern fand in Seetirchen ein von mehr als 600 Vertrauensmännern aus 50 Gemeinden des Landes beschickter Heimwehr-Gankag des Flachganes statt. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, die sich entschieden gegen jeden Kllilsen>kompf ansspricht, der Regierung und ihrer Arbeit für den Wiederaufstieg unseres Volkes und für den Wiederaufbau der Heimat treu e, s e l b st l o s e M i t a r b c i i gelobt. Qu* ans parteipolitischen Gründen inszenierten Streiks verurteilt und den ^Lilleik betont, die Heinttvehrorganisationen so ansznbanen, daß in Hinkunft alle der-- artigen v o l k s schädig e n d e n U n t e r n c h m n ngen unmöglich gemacht -werden. Roch immer die WgabenteilungsnoveLe. Die innerpolirische Entwicklung der nächsten Zeit ist noch immer aus beit Streit um die Abgadcnteilungsnovclle eingc stellt, die die Bedeckung für die den Beamten im Dezember , gewährten Mehrbezüge bringen soll, Der Umstand, daß gestern

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