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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-30 · Heft 1781 (30.1.1924) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1781 (30.1.1924)
Date
1924-01-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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\ {fette > Wen, Mittwoch Wiener Mort»enzelt«nft. den Donner des Zeus zu schleudern. Damals wurde auch kein Material angekündigt, es sei denn das hilflose, zuckende Material in den Kriegsspitälern. Damals redeten weder der Professor, noch die fädelnden Gassenbuben, dieweil es vor den Schrapnells keinen Numerus clausus gab. Damals warteten alle auf die „Erscheinungen der Nachkriegszeit". Räumung des RuhroMetes? Der angebliche Inhalt der Unterredung Poincare—Jaspar. Paris, 29. Jänner. (Tel. der ,,Wr.' Moraerizeitu-ng".) Nach einem Brüsseler Telegramm des „Eclair" ist bei den fvanzosrsch^belgische-n Besprechungen m Paris am vergangenen Sonntag von einer Räumung des Nuhrgeb i e t e s dre Rede gewesen, die vcm S a ch v e r st ä ndigenkomitee anempfohlen worden sei. Auch Tardieu stellt dies in seinem heutigen Leitartikel im „Echo National" fest. Paris, 23. Jänner. Der rm allgemein?« gm untervichwie Brüsseler Korrespondent des „Echo de Paris" bestätigt, daß die Besprechung zwischen Poincare und I a s v a r der Erörterung der Lage galt, die durch die Bildung des Kabinetts Mac Donald geschaffen worden ist. Poincare ebenso wie Jaspar seien, dieser durch Mac Kenne, jener durch Massingham. Wer die Absichten des neuen englischen Kabinetts unterrichtet, und beide schein?« sich dahin geäußert zu haben, daß eS durchaus möglich wäre, jede, auch mir die geringste Spannung mit England zu verhüten. Sie hätten daher gut daran getan, daß sie die Schwi-erigkerten beseitigten, die sich mit England infolge der ZwischnfäÜe in der Kölner Eisenbahnfrage und in der pfälzischen Seperatistenfrage ergeben hätten. Sie deutsche Goldnotendsuk. Der Plan der Sachverständigen: Zusammenlegung der Emissionsbank mit der Goldnotenbank. , 29. Järrner. (Tel. der ,Wiener Morgenzeitung".) Das Komitee Da wes hat, wie „New-Pork Herald" mitteilt, den Plan für die neue deutsche Goldnotenbank fertiggestellt. Im Gegensatz zu Doktor Schacht befürwortet das Komitee die Zusammenlegung der Emissionsbank und der Goldnotenbank. Die Reichsbank würde somit aufhören. die offizielle deutsche Emissionsbank zu sein. Auch über die Verwaltung der Goldnotenbank und über die Höhe des Kapitals sei eine Einigung erzielt worden. Die Anhörung der Eisenbahnsachvevständigen habe bei dem Komitee die Uebcrzeugung hervorgerufen, daß die Reichsersenbahnen eine Quelle ungeahnter Einkünfte sein können. Der Wert des Netzes wurde auf 28 bis 30 Milliarden Goldmark geschätzt. Dabei falle besonders ins Gewicht, baß keinerlei Schulden vorhanden seien. Die Sachverständigen in Berlin. Berlin, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Mitglieder des ersten Sachverständigenausschusses der Reparationskommission trafen heute a-brnids aus Paris hier ein. Zur Begrüßung waren vm Bahnhof einige Mitglieder des Auswärtigen Amtes erschienen. Sie Seldmellen der HItlerek. (Eigendienst der .Wiener Morgenzeitung") Berlin, 29. Jänner. In der Angelegenheit Thormann-Dr. Grande! hat eine nochmalige Vernehmung des Vorsitzenden des Alldeutschen Vcrbandes, Justizrates Claß, vor dem Untersuchungsrichter stattgesunden. Sie dauerte drei Stunden und befaßte sich noch einmal eingehend mit den Beziehungen zwi'chrn Claß und Dr. Grande!. Dr. Grandel hatte den Vorsitzenden des Alldeutschen Verbandes zuerst außerordentlich stark belastet und behauptet. er habe von Justizrat Claß 5000 Goldmavk zur Ausführung des Attentats auf General v. S e e ck t erhalten. Nach dieser Aussage brach Grandel vollkommen zusammen, und als er dann mit Justizrat Claß konfrontiert wurde, hielt er diese Darstellung nicht mehr aufrecht, sondern erklärte, daß die genannte Summe für politische Propagandazwecke in Bayern bestimm' gewesen sei. Tatsächlich hat sich Dr. Grandel in seinem süddeutschen Wirkungskreis sehr lebhaft im Sinne der alldeutschen Bewegung betätigt. Aber außerdem hat er sich eifrig bemüht, auf natronalsozialistis ch e Kreise Einfluß zu gewinnen. Schwätzer Ludendorff. Eine merkwürdige Einleitung zum Münchener Prozeß. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeilung".) Berlin, 29. Jänner. Der „Vorwärts" veröffentlicht heute ein Interview, das Ludentdorff dem Vertreter der norwegischen „Aftenposten" gewährt hat. Dieses Interview ist insofern interessant und sicherlich auch für das bayrische Bo-lksgevicht, das sich in den nächsten Tagen mit dem Hitler-Putsch beschäftigen wird, sehr wertvoll, da es das Eingeständnis Luden.dorffs enthält, früher oder später seine hochverräterischen Pläne zu wiederholen. Ludendorsf erzählt die Ereignisse des 8. November und zeiht Kahr, Lossow und Seißer des Wortbruches, den sie unter dem Druck des Kardinals F a u l h a b e r und des Kronprinzen R u p p r e ch t begangen hatten. Wörtlich sagt Ludendorff: „Sie können ihren Landsleuten sagen, daß wir noch Männer und Jünglinge haben, die ihr Leben und Blut für das Vaterland hinizugebcn und die an ihrer Ueberzeugung festzuhalten bereit sind. Trotz Mißerfolg und Niederlage. Wir sind diesmal nicht vorwärts gekcmvmen, aber wir kommen früher oder später wieder." zur Austzebunq der Ammahmsmitmides. Eine sensationelle Abstimmung im preußischen Landtag. Berlin, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgeuzeitung".) Der preußische Landtag hat heute mit den Stimmen der Kommunisten, Sozialdemokraten, Demokraten und eines Zentrumsabgeordneten einen kommunistischen Antrag auf Aufhebung des m i l i t ä r i s ch e n Ausnahms- Zustandes angenommen. Das Mstimnlungsergebnis rief eine außerordentliche Sensation hervor und inan ist in poetischen Kveflcn gespannt. wie sich die Reichsvegierung diesem Be^ch'uß des Preußischen Landtages gegenüber Verhalten werde. Die Abgeordneten waren noch lange nach Schluß der Sitzung in den Wandelgängen des 'Hauses und erörterten eingehend die durch de-n Ueberrafchungsfieg der Kommunisten entstandene Lage und ihre Folgen. Der Anschlag gegen Mar von Baven. Geplante Entführung seines PrivatsekretärS? München, 29. Jänner. Zur seinerzeit gebrockten Mitteilung über einen Anschlag auf eine Person aus der Umgebung des ehemaligen Reichskanzlers Prinzen Max von Baden weiß heute die „Münckener Post" nähere Angaben zu machen. Sie schreibt, Prinz Max van Baden hat seit längerer Zeit öinen Privatsekretär namens Dr. H a h n. Diesem Mann, der Jude sein soll, wird ein Einfluß auf den Prinzen nachgesagi. Dr Hahn war schon zur Zeit der Reichskanzlerschaft des Prinzen desien Privatsekretär. Die Nationalsozialisten haben sich für. diesen Privatsekretär interessiert. In der Nähe des Bodensees, in Sälen, liegt das Schloß des Prinzen Max. Anfangs Dezember des vorigen Jahres trieben sich in dieser Gegend ein angeblicher Ingenieur Holl, ein angeblicher Telegraphenarbeiter Simon und der Student W e i n f u r t e r, alle drei aus München kommend, umher, die, wie sich nun zeigt, den Auftrag hatten, Dr. Hahn lebendig oder t o t nach München zu verschleppen. Einige zu diesem Zwecke Angeworbene bekamen es mit der Angst zu tun, machten Anzeige und die drei Rädelsführer wurden festgenommen. Versuchen Sie unseren 1. TRATTNERHOP 2 (Graben) 3dealstrumpf iiti‘(An Die französische Kammerdevatte. Aufdeckung von Korruptionsfällen. Paris, 29. Jänner. (Tel. der „Wiener Movgenzeitung".) Die Kammer setzte heute nachmittags die Debatte über die Finanzporlage der Regierung fort. Der Abgordnete Pierre Deiris schlug gegenüber der Vorlage der Regierung ein Gegenprojekt vor, wonach alle an Kriegsbeschädigte ausgezahlten Entschädigungen von über 500.000 Franken revidiert werden sollen.. Da Betrügereien fast ausschließlich bei den hohen Entschädigungen vorgekommen seien, erhofft sich der Abgeordnete durch eine solche Revision einen Gewinn von mindestens zwei Milliarden. Der Abgeordnete Ringier erklärte gleichfalls, daß alle Ansprüche der Kriegsbeschädigten gehobelt" werden müßten, welcher originelle Ausdruck in der Folge von allen Abgeordneten aufgegriffen wurde. Abgeordneter I n g h e l s kritisierte die Rechnungsführung des Ministeriums der befreiten Gebiete. Seine Ausführungen erregten großes Aufsehen, da er bestimmte Fälle unrechtmäßiger Kriegsschädenanerkennung anführt und daneben die kompromittierten Pevsonen nennt. Darunter befinden sich ein Senator und mehrere Staatsbeamte. (Rufe: Welch faule Zustände!) Jnghels fordert die Einsetzung einer außerordentlichen Untersuchungskommission. Der Abgeordnete Billa neau erklärte, die Regie-/ rung soll sagen, ob ihre Kammermehrheit bis jetzt Minister unterstützt habe, die Betrüger beschützen. Im Laufe der Debatte trat der Minister für die befreiten Gebiete den erhobenen Anwürfen entgegen und erklärte, daß alle etwa vorgefallenen Unregelmäßigkeiten streng verfolgt werden würden. Wir Wilden sind doch beff're Menschen! Paris, 29. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgcnzeitung") Der Pariser Journalisten verein hat beschlossen, diejenigen seinar Mitglieder, die durch die Enthüllungen der „Humanite" über die Kä>u flich keit der Pariser Presie persönlich kompromittiert sind, aus dem Vevorne auszlisch ließen. Die „Humamte" kündigt neue Beräffe>uiiichungett eu. 30. Jänner 1924 Nr. 17M Emland—Frland. Aussöhnung. — Eine Konferenz in London. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 29. Jänner. Der Präsident des irischen Freistantes Cosgrave teilte beute in Dublin in einer Rede mit, daß seine Regierung die Einladung des neuen englischen Kabinetts angenommen habe, am kommenden Freitag an einer Konferenz in Landen teilzunehmen, die sich »mit der Frage der G r e n z.b e st i m m u n g zwischen dem irischen Freistaat und Ulster befassen soll. Der Patriotismus der Arbeiterpartei. London, 28. .Jänner. (Wölfl.) StaatSsokrotär für die Kolonien Thomas erklärte beim Festessen des Australisch, neuseeländischn\ Klubs, cm dem auch Prinz von Wiles reilnahm, durch die Regierungsübernahme seitens der Arbeiterpartei, h"be eine Art unblutiger Revolution ohne Störung stattgeisunden. Der britische Handel und die britischen Finanzen gingen weiter, als ob nichts geschehen wäre. Eine neue Partei regiere das große britische Reich. An: wenigsten beunruhigt unter allen seien der König und der Prinz von Wales, da sie lange schon erkannt hätten, daß Vaterlandsliebe, Liebe zum britischen Reich, Wichtgefühl und Dienstgefühl nicht d a s M o n o p o I einer K l a s i c oder Ueberzc-ugung seien. Trotz der großen Veränderung würden das Alte und das Me Reich weiterbestehen. England werde alle Veränderungen und Schwierigkeiten überleben. Es sei. zu Hoffon, daß man in fernerer Zeit sagen könne, die Arbeiterpartei habe nichts getan, was dem großen britischen Reick, aus das alle stolz seien, geschadet ha!be. Labour-PolM und Palästina-Arbeit. Eine Konferenz der University Labour Federation. Auf der Jahreskonserenz der University Labour Federation von Großbritannien, die vor kurzem unter Vorsitz von Artur Greenwood stattfand, erstattete Maurice L. Perlzweig, ehemaliger Chairman der Federation, einen Bericht über die Kolonialpolitik im Namen des Cambridge University Labour Club. Mr. Perlzweig führte unter anderem aus, er sei sicher, daß eine Labour-Regierung das P a l ä st i n a- Mandat durchführen werde, sowohl seinem Geist alL seinem Buchstaben nach, und sich gewiß weniger von Repräsentanten der landbesitzenden arabischen Efendis einschüchtern lassen wird, welche befürchten, daß die Anwesenheit einer gut organisierten jüdischen Arbeiterschaft die friedlichen Fellachen dazu bringen könnte, für sich einen höheren Lebensstandard zu erkämpfen. Die Arbeiterbewegung könnte dem Ideal eines jüdischen Palästina gegenüber nicht gleichgültig stehen bleiben, das, wie ihr Führer Ramsay Mac Donald erflärt hat, der Welt in ihrem Kampf für soziale Gerechtigkeit als Muster zu dienen geeignet wäre. Oberst Wedgwood, der die Diskussion über den Bericht eröffnet«, sprach zugunsten der Evakuierung von Aegypten und für die Sicherung des Suezkanals vom Osten her. Selbst die „Morning Post" werde sich mit der Zeit überzeugen lasten müsien, den Wert der neuen Ordnung in Palästina, sowohl für das britische Kaiserreich wie auch für die Juden zuzugeben. Soziale Kämpfe in England. Die Beilegung des Verkehrsstreiks. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 29. Jänner. Der Eisenbahnerstreik ist bei ge legt. Die Lokomotivführer haben den Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses angenommen. 460 Telegramme wurden unverzüglich an die Streiksektionen abgefertigt und man glaubt, daß noch heute abends der Verkehr wieder in fast normalem Umfange ausgenommen werden wird. London, 29. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgengeitung".) Im Abk-onrmen, das zwischen 'be-rn Lokomotivpevsonalverband und den Eifenba-Hnyeselllschaften heute früh unterzeichnet wurde, erkennt der Verband die Lchntaibelle des ■ nationalen Lohnamts an, die von den Gesellschaften bereits früher angenommen worden ist. Das Ende des Lokmnotidheizerstreiks wurde um 5 Uhr 15 Min. früh durch ein Communique mitgeteilt. Nach den Eisenbahner die Dockavberter. Berlin, 29. Jänner. Ueber den bevorstehenden Ausbruch eines neuen großen Ausstandes ln London berichtet der „Vorwärts": Für diese Woche droht bereits wieder der Ausbruch eines neuen großen Ausstandes. Unter den Dockarbeitern ist eine Gärung entstanden infolge der Weigerung der Arbeitgeber, die Mindestlöhne um 2 Schilling täglich zu erhöhen. Eine Konferenz der Hafenarbeitervertreter aU8 dem ganzen Lande ist für heute einberufen. Die allgemeine Stimmung unter den Delegierten ist für den Streik, der allein in London etwa 100.000 Arbeiter berühren würde. Ermordung zweier englischer Soldaten in Fernfalem. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 29. Jänner. Zwei englische Soldaten wurden Montag nachts in der Nähe von Jerusalem durch Bandit e n g e t ö t e t. gagluls Unabhnngigkeitsprogramm. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Kairo, 29. Jänner. Gestern nachmittags verlas Zagluc. Pascha in einer Versammlung seiner Anhänger eine Botschaft, worin er mitteilt, daß er die Bildung der Regierung übernommen habe, und ankündigt, daß seine Politik die Erlangung der völligen Selbständigkeit

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