Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1779 (28.1.1924)
- Date
- 1924-01-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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CWf * ' Men. — neuerdings vermehren: er babe int Gegenteil feine frühere tägliche Ordination seit 1904 auf drei Ördinaiionstage beschrankt. Prof. Hochenegq erwartet von der Acrztekannner, daß sie dis von ilnn gerieten Mißstände prüfen und mit aller Macht daraus Hinorbeiten werde, daß der Aerttestand von jedem Makel befreit w'rd und.sein, ehemaliges Ansehen und Vertrauenzurückgcwinnt. Hochenegg verlanat von der Kammer die Herausgabe eines Verzeichnisses lener Aerzte. die sich ehrenwörtlich verpflichten. Provisionen weder zu geben noch zu nehmen. Sie Raubänfiille der letzten zeit. Auf der Spur der Täter. In Prag war an dem Kassenboten Fleischmann «n 26 d. ein Raub in ähnlicher Weise wie an dem Geschästsdiener Mari sch verübt worden, indem einer der Diebe scheinbar absichtslos den Fleischmann, der eine Ledertasche mit 10.000 Dollar und 29.000 tschechischen Krönen trug, anstieß und ein anderer ihm die Tasche entriß. Es .gelang, einen von ihnen, den angeblichen Kaufmann Anton Censi, festzunehmen. Die Tasche mit dem Gelde hat allerdings der andere Strolch mitgenommen. Die zurückgebliebene Aktentasche enthielt alte russische Zeitungen. Der Verhaftete wurde zur Prager Polizeidirektion gebracht. Es wurde festgestellt, daß die Taler am 84. d. M. abends von Wien nach Prag gekommen sind. Hiezu wird uns noch gemeldet: Aus Prag und Gmünd wurde im Laufe des gestrigen Tages das Wiener Sicherheitsbureau telephonisch in Kenntnis gesetzt, daß auß-r Censi noch zwei weitere Mitglieder der Lande in Gmünd verhaftet wurden und daß man bei ihnen die ganze in Prag geraubte Summe fand. Die Prager Polizeidirektion hatte gleich der Wiener alle Grenzkontrollstellen von der Tat und'der Flucht der Räuber ln Kenntnis gesetzt, und tatsächlich wurden in Gmund )wer Männer angehalten, auf die die Personsbeschreibung »er Flüchtigen paßte. Sie sind ihrer Behauptung nach )er Kaufmann Mario Ferraro und der Private Marstllo Ronche. Man fand bei ihnen die 10.000 Dollars, die 29.000 tscheschischen und die 5 Millionen österr. Kronen. Sie hatten Prag ßffort nach der Tat im Auto verlassen, sind in eine kleinere Ortschaft in der Umgebung Prags gefahren, haben dort Dieder ein Auto bestiegen, um über Gmünd nach Oefter-;eich zu fahren. wurden aber an der Grenze verhaftet. Durch *ie Verhaftung Censis wird der Verdacht bestärkt, daß auch »er Uebersall auf den Geschäftödiener M a r i s ch von derselben Bande ausgesührt worden ist. Durch die Erhebunzen Kriminalbeamter wurde nämlich in Erfahrung gewacht, daß das Zimmer, das Mario Ferraro und Marzelle llonche im Hotel Continental bewohnt haben, rhe sie nach Prag gereist sind, am 25. d. M. von einem »ritten Italiener übernommen worden ist, der sich Egidio Tatelli gemeldet hatte und als Kaufmann auftrat. Er vurde nachmitw^« verhaftet. Bei der Einvernahme aab er gl. Ferraro und Ronche zu kennen und mit ihnen aus gechäftlichen Gründen nach Wien gekommen zu sein. Sie jätten, behauptet er. vordem in Budapest geweilt. Mit dietzr Behauptung stimmen auch die Eintragungen in seinem kaß überein. Catelli lehnt jede Mitwisienschaft an dem Lankraub in Prag ab. Er behauptet, Ferraro und Ronche eien, soweit er wisie, nur zu Dergnügungszwecken nach Prag freist. In seinem Besitze fand man einen Betrag von ungefähr 40 Millionen Kronen, und zwar )60 Banknoten zu K. 10.000, 390 Banknoten zu K. 50.000 Wiener Mar-»eiirestiina. Jede mondäne Dame bexieht Ihre Seide vom Richard Leitner Wien, IV. Margaretenstr 10 Unerreicht billige Preise! und etwas mehr als 100 Banknoten zu K. 100.000 sowie eine kleinere Summe in Banknoten zu 6000 und 1000 K. Dieser Geldbesitz bi'det einen schwerwiegenden Verdachtsgrnnd. daß Eenfi, Ferraro, Ronche und Catelli mit dem Diebstahl an denr Geschäftsdiener M a r i s ch in Zusammenhang stehen. Denn dem Marisch wurden unter anderem 1000 Noten zu 10.000 K. und 400 zu 50.000 K. geraubt. Es ist also sehr tvahrscheinlich. daß das bei Catelli Vorgefundene Geld von dem verwegenen Diebstahl' im Sparkassengobäude herrührt. Ueber die Herkunft des Geldes befragt, behauptete Catelli, daß er sich in einem Wiener Kaffeehaus eine Summe von 15.000 Lire in österreichisches Geld umgewechselt habe und daß er dafür etwa 45 Millionen bekommen habe, wovon die rund 40 Millionen stammen. Es ist in höchstem Grade unwahrscheinlich, daß man beim Geldwechsel im Kaffeehaus bei einer hohen Summe verhältnismäßig so kleine Noten bekommt. remonstratio« der Kleinrentner aus der Rkaqkraße. Die Schutzaktion für Kroneniwerte veranistcktete gestern nachmittags in der Bo'kshalle eine Masienverscrrmnluna, an die sich ein Temo-Er-ationszug der Teilnehmer vom Rathaus bis zur Babenbergerstraße anMoß. In einer Refollutton wird ein wirksamer Rechtsschutz der Gerichte für die Klein-- rentner verlangt und die Veranstaltung von Wohttätiakoitsfosteu und das von Kienböck beabsichtigte ungenügende Kleinrentnergefetz übgolchut. Neunte rionMche Lauderlonserenr in Szernowltz. Am 5. und 6. d. fand in Czernowitz, wie uns von dort berichtet wird, die 9. Landeskonferenz der Zionisten der Bukowina statt. 89 Ortsgruppen waren durch mehr als 100 Delegierte vertreten. In der Eröffnungsrede des Präsidenten der Organisation, Dr. Mäher Ebner, fand W? gegenwärtige Lage der Juden in Rumänien ausführliche Erörterung. Redner hob hervor, daß sie den berechtigten Forderungen der Judenschaft nicht entspreche; eine Wendung zum Besseren könne nur nach Wegfall alles Faulen und Morschen durch festen Zusammenschluß aller Inden zuwege gebracht werden. Ueber die Lage im Zionismus und über die Tätigkeit der Bukowinaer .Organisation referierte der geschäftsführende Vizepräsident Dr. Theodor Meißel berge r. Er wies darauf hin, daß die politischen Verhältnisse in England in ihrer jetzigen Gestaltung dem Aufbau des nationalen Heimes in Palästina günstig seien und daß es daher von intensiver Tätigkeit der Zionisten abhänge, diese Situation auszunützen. Am zweiten Verhandlungstage folgten die Spezialreferate. Prof. Julian S i l b e r b u s ch sprach über „Die Richtlinien in unserer Palästina-Arbeit", Dr. Markus Krämer über die Keren Hajessod- Arbeit in der Bukowina, Dr. Leon Schmelzer über die Keren Kajemeth l'Israel-Arbeit, Prof. Dr. Hermann Glaser 29. Jänner 1924 Nr. 1779. hielt das Kulturrefcrat, Gg. Moritz Geiger daS Jugend, rcfcrat, Gg. Josef Wiznitzer den Finanzbericht der Buko. winaer Zionistischen Organisation, und schließlich sprach noH Dr. Markus Krämer über soziale Fürsorge. Nach cinoehend?r Debatte wurde dent abtr elenden ÄcmdeSkomitee einstimmij das Vertrauen votiert. Der Parteitag nahm ein neues OroanisationSsiatut an, welches das Schwergewicht der Arbeit in eine 17gl!edrige Exekutive verlegt und die Wahl eines Landespartelrates von 54 Mitgliedern vorsiebt. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurdr daS bisherige Präsidium wiedergewählt, und -war -um Präsident«» Dr. Mäher Ebner, -um geschäftsführenden Vizepräsident«, Dr. Th. W e i ß e l b e r g e r und -um -weiten Vi-epr8sid«nte« Dr. Salomon K a ß n e r. In die Exekutive wurden semer gewählt die Herren r med. Dr. Josef Vierer, Direktor Doktor Isidor Drettkchneider, Bankbeamter Moritz Geiger, Prof. Dr. Hermann Glaser, die Advokaten Dr. Mendel KinnSbruuner und Dr. Markus K r ä m e r. Professor Dr. Manfred Reifer, Prokurist Adolf R o s e n w a l d. Ingenieur Michael Schindler, Advokat Dr. Leon Schmelzer. Prof. Julian Silberbusch, Prokurist Benno Sternberg, Direktor Leo W i e n e r und Industrieller Josef W i z. n i tz e r. UeberdieS wurde ein 54gltedr1ger. Parteirat für di, ganze Bukowina gewählt. Der Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Ueber Krampfadern. Bon den verschiedenartigen Erkrankungen der Blutgefäße, die als Arterien, Pulsadern, das Blut vom Herzen wegführen oder als Venen das Blut zum Herzen zurückbringen, sind die Artevios'klerose und die Krampfadern auch von den Laien gut bekannt und gefürchtet. Während die Erkrankung der Arterien in einer Verdickung der Gefäßwände und einer Verengung oder Verstopfung der Gefäßlichtung besteht, die gewöhnlich, z. B. im Gehirn, in Form des Schlaganlalles die gänzliche oder teilweise Ausschaltung dieses lebenswichtigen Orgcmcs zur Folge haben, tritt beim Krampfadernleiden eine Erweiterung der Venen ein, die auf Blutstauungen und Veränderungen der Gefäßwand zurückzuführen iänd. Solche Blutstauungen können überall entstehen, wo ein Hindernis im Abflüsse sich einstellt, so daß tatsächlich an den verschiedensten Körperstellen Venenerweiterungen eintreten. So sind die im Mastdarm bedingten Venenerweiterungen als Hämorrhoiden bekannt, die als Folgeerscheinung von chronischer Leibesverhärtung und sitzender Lebensweise aufgefäßt werden. Wenn man aber von Krampfadern spricht, so meint man die erweiterten Gefäßgeflechte an den Beinen. Ober Henkel, Unterschenkel und Füße können von der Erkrankung betroffen werden und ter Ausdruck einer Blutstauung im großen Beckenvenengebiete fein, für die irgendeine im Becken sich bildende Geschwulst die Ursache abgeben kann. Eine solche Stauung bedingt häufig insbesondere die Schwangerschaft. Erst bildet sich eine Erweiterung der kleinsten und kleinen durch die Haut blau durchschimmevnden Adern und das Leiden schreitet allmählich auf die größeren Gefäßstämme über. Cs kommt bei stärkeren Graden zu rankensörmig gewundenen, über die Haut hervorragenden, erweiterten Strängen, die oberhalb der Knöchel, am Unter- und Oberschenkel förmliche Knäuel und Säcke bilden. Schon mit Rücksicht auf die durch das Gsbärgaschaft bedingte Blutstauung im Unterleibe erkranken viel mehr Frauen als Männer an Krampfadern. Was aber das wirklich auslösende Moment abgibt, ist bisher ungeklärt. Man führt außerdem dauerndes Stehen, wie es viele Berufe erfordern, als be- Musik. .Ans und Galathea" von G. F. Händel im Konzerthaus. Die Händel-Renaiffance, die vor einigen Jahren nnsetzte, ist nun — spät aber doch — bis an das Ende der musikalischen Welt, bis Wien vorgedrnngen. Zuerst versuchte Prof. .Hagen in Göttingen, Händel in zeitgemäßent Gewände aus die Bühne zu bringen, dann kamen die berühmten Ausführungen in Hannover, wo „Cäsar" und F)tto und Teophano" in der Oper und das Oratorium „Saul" in der 6000 Personen fassenden Kuppelhalle zur szenischen Darstellung gelangten. Doch wozu in die Ferne schweifen, selbst die biedere Provinzstadt Graz wagte sich an Handels Oper „Rodelinda", nur die Musikstadt Wien und chre Staatsoper, die mit Theatres pares und Redouten vollauf beschäftigt ist, stand bis heute abseits. Es bedurfte erst des Dreibundes Paul v. K l e n a u, Ellen Teils und Dr. Hugo Bottstieber, dem wir schon im Vorjahr« eine Neubelebung von ,Orpheus und Eurydike" zu danken hatten, um aus einer primitiven Rahmenbühne des großen Konzerthaussaales eine den besten Absichten entsprungene Aufführung von Handels tragischem Pastorale „Acis und Galathea" zustande zu bringen. Freilich war es ein Versuch an einem untauglichen Objekte mit wenig tauglichen Mitteln. Das weltliche Oratorium „Acis und Galathea" — von den Zeitgenossen wurde es bald „a masque", also phantastisches Bühnenspiel, bald wieder „Pastoral" oder „Serenata" genannt — schuf Händel in England im Jahre 1720. Das sosiorale Werk, das in der Hauptsache auf die' gleichnamige von Händel im Jahre 1708 in Neapel vollendete dreistimm'.ge Kammerkantate zurückgeht, behandelt die bukolische Fabel von der Liebe des Hirten Acis zur Meernymphe Galathea und von dem Riesen Polyphcm, der, von Galathea verschmäht, aus Eifersucht den Acis mit einem FKsblock zertrümmert. Bis auf die Tötung des Nebenbuhlers, der daraufhin von Galatha in einen Silberguell verwandelt wird, ereignet sich durchaus nichts, was bühnenmäßig verwertbar wäre, und darum war es ein Mißgriff, gerade dieses Handel-Werk auf die Bühne zu bringen. Die Belebung der Chorpartien — die gewaltigen an der Handlung beteiligten Chöre waren ungünstig außerhalb der Bühne postiert — durch von Ellen Tells einstudierte Tänze wirkt nicht recht organisch, die stereotypen Bewegungen der Tänzerinnen fanden sich mit Rhythmos und Melos der Händelschen Melodik anscheinend nicht recht zusammen. Wenn man heute ein Handel-Werk auf d.ie Buhne bringt — warum nicht die „Rodelinda" oder den ,/Saul"! —, so erfordert es vor allem stimmgewaltige Sänger, die technisch und geistig dem Händelschen Musik.diom gewachsen sind. Wo dies nicht der Fall ist, muß sich bald das Gefühl des nur Historischen und damit die Langeweile einstellen. Dies trotz der wunderschönen, letensfrischen Musik und trotz der Mozartschen Neubearbeitung, d'e dem Orchester in den Bläsern neue Lichter aufsetzt, einige Ritornelle streicht, das Werk in zwei Teilen straffer — freilich noch lange nicht straff genug — zusamrnenzieht und auch sonst manches ändert. Im einzelnen bleibt ja die Musik herrlich wie am ersten Tag: Verweisen wir etwa auf den Hellen Frohsinn des Eingangchores, und überhcmpt auf das dramatische Leben der Chöre, auf den großartigen Vokalsatz im Terzett, auf das Groteske in den musikalischen Sprüngen des schwerfälligen Polyphem und dagegen auf das Schalkhafte im Wesen Galatheas, auf die ganz starke eines Händelwürdige Melodik, welche einst die Bewunderung der Zeitgenossen erregte. Auch Bruno Malter hat in München mit „Acis und Galathea" einen Versuch gemacht, doch die Münchner Oper hatte Sänger zur Verfiigung, während die von Dr. Hugo Bottstieber in Saene. (mM* Hnw Pnul v.\ Kleuau m'.t Umsicht dirigierte Aufführung bis auf den wuchtigen, stimmlich und darstellerisch lebendigen Polyphem des Herrn Eduard Erhard fast wie ein Puppentheater anmutet. Mag sein, daß eine Indisposition die vorteilhaft bekannte Sängerin Joy Mac Arden an der vollen Entfaltung ihrer Mittel hinderte, doch gleich ihr standen auch Marjorie P e r k i n s als „Dämon" und Alfred Wilde als „Acis" nicht auf der Höhe. Sie bewegten sich auf der engen, mit einigen Bäumen und Fclsblöcken umrahmten Bühne wie Figurinen, während gerade diesem an äußerem Geschehen so dürftigen Stück seelisch bewegte Stimmen und starkes Gestalten nottäten. Trotz alledem verdient die Einstudierung als erster Versuch, eine Händel-Renaiffance auch in Wien anznbahnen, Dank und Anerkennung aller Musikfreunde. Hoffen wir, daß diesem Pastorale bald der „Saul" und die „Rodelinda" folgen werden! In der musikalischen Umsturzbewegung unserer Tage ist ja Händel, gleich seinem Zeitgenossen Bach, ein rulender Pol und seine Wiedererweckung ist wohl mehr als ein Zufall. Kürzlich betrachteten wir das farbig kräftige Bildnis, das Romain Rolland von Händel entwirft: „Man nannte ihn den großen Baren . . . Sein langes Gesicht hatte Aehnlichkeit mit dem eines Pferdes, später im Alter mtt einem. Stier und verschwamm in Fett, mit doppelten Wangen, dreifachem Kinn, einer breiten, großen, geraden Nase und roten, aufrecht stehenden Ohren . . . Keine andere Musik strömt eine solche Glaubenskrast aus! Dieser Glaube verhetzt Berge und läßt wie Mosis' Stab aus dein Fels verhärteter Seelen die Quellen der Unendlichkeit strömen.. Man kann diesem gründlichen Kenner deutscher Kunst nur beipflichten und wünschen, daß der frische Quell Händclscher Melodik in immer weitere Schichten des Volkes geleitet werde, Erwin Felbcr. .•>rfS.»23^390U«Q3Mail