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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-28 · Heft 1779 (28.1.1924) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1779 (28.1.1924)
Date
1924-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Elnzelnninm er K12 00 Wien' ‘Zum Ahliolen in der Expedition, M n Tabor str. 1-3, oder in einer Verschleisstelle (Trafik^ monatl. K 35.000 Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Goldschmiedt, I. Bet., Wollzeile 11. Mit Postversand für Wien u. Oesterr. monatl. K 85.000 Tschech o-8 I owakei: Mon. K 18 lueoslawien: Mon. Dinar 60. P o len: Mon. osterreich. Kronen 30.000, Deutsch!.• Mon. Goldmark 4.—, Fr an k r., Belgien: Mon. Frcs. 12 MP Naehtahluoren 'MW bei ' Preiierhohunffeo vorbehaHeo teuer i Märtyrerin Po!8n:pott:200-00{ Italien: Monatl. 12 Üre, Rumänien Mon. 130 Lei, Bulgarien Mon. 80 Lewa, Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 4 Redaktion u. Administration Wien, II., Taborstrasse 1—’3 Telephone: 44-0-38,43*3-19, ab6Uhrabds.l9*42L25“282 Tel.-Adr.:„Morgenzeittmgtt Wien Oesterreichisches PostSpar» kassen-Konto Nr. 150.693 pwwm twmmmmmm »r. 1779 Wien. Montag. 28. Miner 1924 6. Mrgang Poincare in Bedrängnis Der Stmmlauf gegen feine Rnhrvolitil. — kngland» Briand. der kommende Mann? Paris, 28. Jänner. (Tel. der „Wiener Modenzeitung".) Die Schwierigkeiten Poincares haben in den letzten 24 Stunden derart zugenommen, daß man in politischen Kreisen dem Ausgang der Generaldebatte, die heute zu Ende geführt werden soll, sehr gespannt entgegensicht. Samstag war die Situation für Poincare schon äußerst verzweifelt, zumal nicht nur von der Linken, sondern auch von seinen intimsten Parteifreunden ein S t u r m l a u f gegen die Politik Poincares eingesetzt hat. In politischen Kreisen wird die Meinung immer mehr laut, daß die Ruhrpolitik Poincares eine gänzlich verfehlte ist, und daß angesichts der Regierungsänderung in England unbedingt auch eine U m st c l l u n g d e r f r a n z ö s i s ch e n Politik notwendig geworden ist. Es darf daher nicht wunder nehmen, wenn bei einer der vielen Abstimmungen, die Poincare zu stellen beabsichtigt — und man glaubt auch bereits den Grund zu kennen, warum Poincare so viele Vertrauensfragen stellt —, die Regierung in der Minderheit bleiben wird. Die erste Niederlage dürfte Poincare zu seinem Rückzuge benützen mit der großen Geste, daß er, da er das Vertrauen der Kammer nun nicht mehr habe, einem anderen Platz mache. Die gestrigen Blätter kommentieren die Samstagdebatte in äußerst ausführlicher Weise und es ist interessant, festzustellen, daß auch jene Blätter, die bisher fest hinter Poincare gestanden sind, der Meinung Ausdruck geben, daß Frankreich heute unter Englands Gegnerschaft stark leiden müsse, und man, um aus dieser schwippst,: Situation zu kommen, Poincare opfern müsse. Bei einem Regime Mac Donalds könne unmöglich Poincare Frankreich weiter lenken. Und man nennt auch schon den Nachfolger: Briand. Man zählt seine Vorzüge aus und erklärt, er sei heute wie kein anderer berufen, Poincare zu ersetzen und mit England wieder herzliche Beziehungen herzustellen. Nach alledem läßt sich seststellen, daß Poincare höchstwahrscheinlich noch von dieser Kammer gestürzt werden wird und so vor den Wahlen bereits ein Regimewechsel in Frankreich eintreten wird. London, 28. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Die Blätter berichten, daß Mac Donald in den letzten Tagen wiederholt Drohbriefe erhalten habe. Die Polizei hat die Untersuchung gegen die unbekannten Täter eingeleitet und umfassende Schutzmaßnahmen im Downing Street getroffen. , Die Unterzeichnung des Freundschaftspaktes zwischen Italien und Jugoslawien. R o m, 27. Jänner. (Stesani.) Die zwischen Italien und Jugoslawien Unterzeichneten Verträge sind ein Freundschaftspakt und ein Abkommen bezüglich Fiumes. Morgen wird ein Zusatzabkommen zum Fiumaner Abkommen unterzeichnet werden. Die Veröffentlichung der Protokolle erfolgt Dienstag abends. Ein offiziöser Belgrader Koümentar. Belgrad, 27. Immer. lAvalda.) In Besprechung der heute in Rom erfolgten Unterzeichnung des italienischjugoslawischen Abkommens verweist die offiziöse „Samouprawa" auf die durch die englischen Wahlen und die Eventualität einer Zersetzung der großen Entente geschaffene neue Lage. Die Regierung P a s i e, sagt das Blatt der Politik, die sich an die große Entente anlehnt, ist sich des Ernstes der Lage bewußt und hat die Notwendigkeit begriffen, die Beziehungen mit Italien zu regeln. Ein Bruch der würde verwirrungea Hervorrufe», Mar Donalds Beschwerden gegen Poincare. Paris, 27. Jänner. (Havas.) Das sozialistisch-radikale Blatt „Le Quotidien" veröffentlicht ein Interview mit-dem Premierminister Macdonald, worin dieser erklärt, die h a u p t s ä ch l i ch st e n Beschwerden Englands gegen die französische Politik beträfen die Ruhrbesetzung und die moralische und finanzielle Hilfe, die Frankreich einigen kleineren Nationen gewähre. Indessen, sagte Macdonald, hegen Frankreich und England für einander Gefühle der Freundschaft und hoher Achtung. Wir dürfen niemals in gegenseitigen Aufklärungen erlahmen, um alle Mißverständnisse zu beseitigen. Wir mästen alles Mögliche tun, um zu einer gerechten Vereinbarung zu gelangen. Der Premierminister sagte, er habe Vertrauen zu-dem gesunden Menschenverstand und den friedlichen Absichten des französischen Volkes. Was die Sicherheit Frankreichs anlange, so glaub« er nicht, daß diese durch Rüstungen und Bündnisse gewährleistet werden konnte, wohl aber durch den Völkerbund. England werde sofort sich bemühen, daß Deutschland und Rußland iU denselben ausgenommen werden. . Mäedonald erklärte v^iterF, per wevde nicht zulasten, daß die Frage der französischen Schuld an England und jene der allgemeinen europäischen Regelung voneinander getrennt werden. Auf die Frage des Berichterstatters, ob, wenn Frankreich die deutsche. Schuld herabsetzte, England die französische Schuld anfrechterhalten oder annullieren würde, erwiderte Macdonald, er könne sich in diesem Punkte nicht festlegen, da England für die bevorstehenden Verhandlungen mit Frankreich freie Hand haben müsse. Konferenz Palmare-gasvar. Paris, 28. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung".) Heute nachmittags fand arn Quai d'Orsay eine Zusamruenkunft Poincares mit dem belgischen Außenminister J a spar statt. Urheber dieser Aussprache war Jaspar, der mit Poincare zunächst die .S e p a r a t i st e n b e w e g n n g und die im Anschluß daran entstandenen Gegensätze mit England besprach. Es verlautet, daß zwischen beiden Ministern auch das Reparationsproblem besprochen wurde. deren Folgen von größter Tragweite sein könnten. Unsere Freundschaft mit Frankreich, sagt das Blatt, zwingt uns, einer solchen Möglichkeit auf uiöglichst gefestigten Grundlagen entg egen zu sehen. Italien ist voll ähnlichen Gefühlen beseelt; denn cs ist gleichfalls gewissen Rückwirkungen ausgesetzt, f al l s die Entente s i ch g 8 n z l i ch a u f l ö st. Mussolini und Pasic haben daher gesunden, daß die gegenseitigen Interessen ihrer Lander eine Politik des Einvernehmens vorschreiben, in der die höchsten Interessen jedes Landes den Sieg über Interessen zweiten Ranges davontragen. Dies ist die Atmosphäre, in der der Vertrag von Rom zustande kam, den wir herzlich begrüßen mit dem Wunsche, daß er eine neue Aera in den Beziehungen der beiden Länder einleite und Me Keime eines Konfliktes zum höchsten Wohle der beiden Länder beseitige. In Wien. Verhinderte Kundgebung vor der russischen Gesandtschaft. In der Volkshalle des Rathauses fand gestern vormittags die Trauerkundgebung der Kommunistischen Partei für Lenin statt. Der Andrang war so stark, daß eine zweite Versammlung auf den: freien Platze vor dem Rat- Hause, abgehalten werden mußte. Die Teilnehtner kamen in geschlossenen . Zügen aus den verschiedenen Bezirken. Auf der Rednertribüne tvaren schwarz umflorte rote Fahnen mit dem Sowjetstern aufgestellt. Die Kundgebung wurde mit der Absingung des russischen Trauermarsches für die gefallenen Revolutionäre eröffnet. Neu rat aus Prag £enm (man länaeren Nachruf Der Vorsitzende brachte zum Schlüsse der Versäume lung zur Kenntnis, daß die ursprünglich geplante Kundgebung vor den: Gebäude der russischenBotschaft, von d Polizei verboten wurde. Er forderte dis Teilnehmer auf, an einem Zuge bis zum Schwarzenbergplatz teilzunehmen. Zugleich erbat er sich die Ermächtigung, eine Abordnung im Namen der Partei zur Botschaft zu entsenden. Einige tausend Mann stark zogen die Kommunisten um 12 Uhr, unter Führung der Fahnenträger, zumi Schwarzenbergplatz. Ein sehr starkes Wacheaufgebot, darunter auch viele Berittene, hatte dis Straßen in der Umgebung des Schwarzenbergplatzes abgeriegelt, um einen Aufmarsch in der Reisnerstraßc zu vereiteln. Das Gros der Zugsteilnebmer löste sich beim! Schwarzenbergplall auf. Als die Gruppen aus den Bezirken Landstraße und Simmering, die man unbehelligt die Lothringerftraße passieren ließ, den Weg über den Rennwcg fortsetzen wollten, stellte sich ihnen eine starke WacheabteilunH entgegen. Die Zugsteilnehmer demonstrierte« lärmend gegen d i e W a ch e, eine Abteilung Beritt:::::' eilte zur Verstärkung herbei. Es hatte den Anschein, als-ob es zu einem Zusammenstoß kommen würde. Dck schritte.: .uhtzeitig einige Ordner ein und erwirkten es, daß die auf einige hundert Mann angewachsenen Gruppen in die Prinz Eugenstraße abschwenkten. In Berlin. Berlin, 27. Jänner. Hier fanden drei Trauer« feiern für Lenin statt, die unter.starker Beteiligung und ohne Zwischenfall verliefen. Vor dem Schauspielhaus, in dem eme-Feier stattfaii-d, hatte-sichcmgroße - Menschenimenge angefammM, die gegen die Schupo mt') den Kapitalismus demonstrierte. Die Polizei räumte den Plaß. Der PaMino-Bortrag Lr. Körners. Im Ecntral-K'nw hielt gestern der Präsident der Hakoah, Dr. I. H. U örne r, einen Vortrag über die große Ovientfahrt des Vereines, die über Aegypten nach Palästina führte. Die Reife war, wie Dr. Körner betonte, nebst ihrem sportlichen Werte von großer und bleibender Bedeutung für die Palästma-Propaganda. Die fesselnden Darlegungen des Vortragenden wurden durch hochinicressame Lichtbilder wirksam unterstützt und machten auf die überaus zahlreich erschienenen Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck. Dr. Körner wurde für seine lebendigen Ausführungen, deren eingehende Besprechung noch folgt, durch reichen Beifall belohn,. Hocheneggs Antwort an die Aerzteknmmer. Wie uns mitgeteilt wird, beabsichtigt Professor Hochenegg, heute sein Memorandum der Aerztekammer vorznlcgen. Prof. Hochenegg erklärt in seiner Antwort, biß sich seine Beschuldigung nicht gegen die Gesamtheit der Aerzte, sondern nur gegen jene. Gruppen der Wiener Aerste richte, die ans dieser Art ihres Betriebes für sich Nutzen ziehen. Prof. Hochenegg schildert in ausführlicher Weise das Provisionsunwesen und beruft sich ans ein Rundschreiben des seinerzeitigen Präsidenten der Aerztekammer Professor Ewald an die Vertreter der operativen Fächer, in dem der Genannte schon tut Jahre l 008 gegen das Provifions« rm-wcsen ankämpfte 'und ans seit: damaliges Scparatvoinm, in dem eine ganze Reiche von Anträgen zur Ansvotmng dieses standeswidrigen und die Patienten schwer schädigenden Unwesens gestellt wurde. Die damalige Aktion sei leider im Sande bctlaufcn. Prof. Hochenegg macht der Aerztekammer den Borwurf, daß sie gegen alle offenkundigen Verfehlungen gegen die Standesordnung bischer nichts unternommen habe, und lehnt es ab, jene Aerzte z-u n e u n en, die i h m f e I b ft P r . > v i s i o n s anträge gemacht haben. Hochenegg empfiehlt, die Fachärzte zu einer Bcspre- .chung einzuberufon, die Drohung mit Disziplinierung von Gebern und Rechnern, die jebeit Erfolg von vornherein unmöglich mache, fallen zu lassen, über die Vergangenheit hinwegzugehen und für die Zukunft klare u n d würdige V e r o r d n ungen z u erlassen. Die Aenderung znm Schlechteren sei eine Erscheinung der Nachkriegszeit und minder geeignete Operateure haben den Schauplatz ihrer gerügten. Tätigkeit in die als Kriegsfolge entstandenen Mittelsta ndsfanatoricrr verlegt. In scharfer Weise wendet sich Pros. Hochenegg gegen die seine Arbeitsfähigkeit herabsetzenden böswilliger: Gerüchte, und die Behauptung, er wolle mit seiner Aktion sein« Privat« [<>>?*?■

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