Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1778 (27.1.1924)
- Date
- 1924-01-27
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1778 roten, ©Mtittoiö__ Wiener Morgerrzettung. 27. Jänner 1924 Veit« 17 Vortrag Dr. I. H. Körner. kmmten ziemlich belangreich« Abschlüsse oetattftt werden. DaS russische Offtrt fefjilt und in JrigomaiS wird vornebnulich auf Bcchmv-ave reftMiert. Roggerr wurde in vumän'Wrn und ungarischen Proveuientzeit zu vollst b haup toten Preisen umgeletzt. In Hafer haben sich die Zufuhren torfd-fle des kälteren WetterS der letzten Tage wieder verringert, welcher Umstand um so m-chr eine D rieuernng der Preise 'bewirkte, als die hier basindlicho» Warenmengen für den Bedarf sich als unzureichend botveifen. Prompter MaiS ii't aefuckt. Alter erzielt« 8050 K., neuer bis 8000 K. ab Wien. Die Gevstenpr"i>se verfoligen nunmehr im Einklänge mit der Slowakei Mafia abwärtsst reden de Bewegung. Das Geschäft hiett sich in sehr enst-u Grenzen, wobei slvNwkifche Ware mit M00 K., inländische mit 3500 K. bezahlt wurden. Das Inter sie für Mehle erstreckt sich aus Roggen-, Futtermchl und Kleie, di« leichtest vollste Preise erzielen Der Berklhr in Weizenmehlen dagegen ist von allermäßioistem llmsanae. das Offert ist weitaus pemw»t>, da nebst den gangbaren heimischen und ungarischen Mehlen auch französische, amerikanische und andere Marken znm Ausgsbot gelangen. ES notieren pro Kilogramm ab Men erllustve der Paulckalwarenumsabsieuer: Weiten inländischer 3400 ft., iuaoslawtscher 3650 ft.. Roaaen 8000 bis 6075 ft.. Mais 2705 bis 8075 K.. Cincmontin 8200 bis 3800 ft.. Hafer 2600 bi» 2700 ft., Weizengrieß inländischer 6850 bis 6450 ft., Weizenmehl Nuller inländisches 5850 bis 5950 ft., unaarifchetz 5250 bi« 5550 ft. amerikanische? Vollpatent 6200 bis 6600 ft.. Brotmehl l a 4800 bis 4400 ft., Futtermehl Ia 2500 bis 2800 ft., Rogaenmebl Ia 4600 bis 4700 bis-ft.. Kleie 1600 btS 1650 Kronen. AaumwollmaM. SleV-Dork, 25. Jänner. Bonnovoltzufubren in den atlant. and GolshLfen 16.000, im Innern 8000 Ausfuhr nach Großbritannien —. nach dem Kontinent 12.000. Lokalmarkt ro»ddlinp t 88.45 (letzt. .Kurs 88.75V Tendenz r Stetig. — Terminer Jänner—.—. Februar 32 98 März 88.19. Avril Mai 88.45. Juni Juli 32.85, August 29.85, September 28.91, Oktober 28.03, November 27.90, Dezember 27.55. Sie Devisenkurse. Berlin, 26. Jänner. ^Devisenkurse.-*) Amsterdam 1,566.100 <1,556.100-, Belgien 169.575 (170.573,. Ebristiania 576.056 (578.550,. Kopenhagen 677.803 (677.303,. Stockholm 1,084.283 (1,084.283), Italienische 182.044 (182.044,. London 17,700.625 (17,755.625), Aew-Pork 4.189.500 ,4.189.500). Pari» 188.528 (189.266), Schweiz 728.686 (723.686;, Spanien 528 675 (580.670), Wien 59101 (59101), «Uran 121695 (121.605,, Budapest 144.388 (140 647). Sofia 29.825 (29.925), Belgrad 47.979 (47.979). *) In Millionen von Mark. Berlin, 26. Jänner. (Rolenkiirse.)*) — Mioteu: Dollar 4,189.500 (4,189.600), Pfund 17,705.625 (17.705.625). Italienische 187.031 (187.031), Polnische 409.000 (360.000), Tsckeckoslowakische 120.448 (120.448), Oesterr. gestemvelte 57 865 58.104). *) In Millionen Mark, ausgenommen polnische Mark. . Budapest, 26. Jänner. (Kurse der Tevisenzentrale.) — Amsterdam 11.205 bis 12.305, Bukarest 154.- bis 169.-, ftopen- Hagen 4900 bis 5400. Chriftiania 4200 bis 4700. London 127.800 bi« 140.150, Berlin bis —Italien 1610.- bis 1435.-. Paris 1355.- bis 1*05.-, Prag 876.- bis 976.-, Stockholm 7650 bis 8600. Zürich 5215 bis 5715. Wien 0.4250 bis 0.4750, Sofia 215.— bis 235.-, Belgrad 344.— bis 376.-. New-Rork 80.250 bis 83.250. Warschau bis Brüssel 1230.- bis 1355.-. Warschau, 26. Jänner. (Devisen.) Berlin —, London 41,600.000, New-Pork 9.800.000. Prag 283.500, Men 138.-. New'Borst, 25. Jänner. (Devisen.) London 422.50 Paris 446.60. Berlin 0.23',. für 1 Billion, Mailand 483.50, Zürich 1725.-. Kovenbagen 1622.-, Stockholm 2587.- Cbristimiia 1378, Amsterdam 3706.—, Praq 288.75, Wien 0.14, Budapest 0.35, Bukarest 50.—, Warschau 0.00011, Madrid 1265.—, HelsinqforS 250.—, Brüllel 403.—. Kanada?"/,« unter pari. Brasilien 109.-. Argentinien 3252. — . Belgrad 114.75. Der überaus populäre Präsident der Hakoah, Dr. I. H. Körner, hält Iptt« um halb 10 Uhr vormittags im Zentralkino, 8. Bez., Taborstraße 8, den von den breitesten Schicht« der Wiener Iudenschaft fehnlichst erwarteten Vortrag über Palästina. Dr. Körner veröffentlicht wohl über die Reise der Hakoah in unserem Blatte seine Tagebuchblätter. In ihrer Sachlichkeit vermögen sie'aber das Gesehene nicht genügend anschaulich wiederzugeben. Der Hakoah-Präsident ist nun ein lebendiger Redner, dessen Temperament uns all die Herrlichkeiten Palästinas vor unserem geistigen Auge plastisch erstehen lassen wird. Der Besuch deS Vertrages wird also überaus lohnend sein, da ein berufener Mann über die Entwicklung deS uralten Judenlandes berichten wird. Die zahlreichen Verehrer dieses um den jüdischen Sport so hochverdienten Mannes werden sicherlich die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne Dr. Körner Beweis« der Sympathie, di« er allseits genießt, zu geben. Die restlichen K-arten sind noch an der Tageskasse erhältlich. Was der Tag bringt! Oesterreich—Jugoslawien. Dieser Länderkampf findet am 10. Februar in Agram stabt. Die Jugoslawen halben ihre Mannschaft, die wir in unserer Nummer vom Donnerstag bereits VwoffeiMchten. nominiert. Der in Aqvam erscheinende „Morgen" böspricht wie folgt die jugoslawische ©Pf: „Wie wir kurz gemeldet haben, hat der Verband die Mannschaft für das bevorstehende Ländepfpiol gegen Österreich nominiert und die Namen der Spieler bekannt gegeben. Sechs Spieler sind Za.greber Kreisen entnommen, je .zwei aus Beograd und Split und einer aus Novisad. Wir müssen soickeich bemerken, daß dies heute zweffolloS das beste Tram 'ist, welches der jugoslawische Verband in den Kampf stellen kann. Ueber die Verteidigung, die in den voriShrioen Ländevspiulen Misere Farben verteidigt hat, wären keine Worte zu verlieren. Die beiden Beleidiger sind famos eingespielt uich bildeten mit Vrdsuka selbst den. Tschechen ein beinahe unüberwindliches Hindernis In der Läuferreihe sollen zwei Neulinge debütieren. Es sind das zwei Spliter Läufer. Kurir und Rodin. die momentan in sehr guter ftorrnt sind. Knrirs Posten ist .zwar in der Mitte, doch soll er ob nsogut auch links spielen können. Rodin ift uns als scharfer Draufgänger^ beikanitt, der überdies noch über große Ausdauer verfügt. D'mse beiden im Verein mit Rupec, der sich in den schwersten Spillen immer am besten 'bewährt hat, können wohl a^s unsere stärkste Deckung 'bezeichnet werden. Der Angriff gleicht, außer einem Mann, demienigen. der gegen die Tschocho-Slowakei spielte. D r frühere Linksaußen Persta ist durch den Nausatzer Schaffer erseht worden. In engere Auswahl kamen für das bevorstehende Match Rcvdic vmn Ha-jdnk (Split), und Schaffer. Wer von diesen 'beiden der b ssere ist. ist nicht so leicht M entscheiden gewesen. Wir setzen in diese Mannschaft unser vollstes Vertrauen, und wenn es vielleicht zu einigen Aenderungen kommen sollte, ist in den nominierten Reserven, Vragovic. Binek. Cmd-ric» Zinaia und Suste für guten Ersatz gesorgt. Die Losterreicher werden zu diesem Spiel geitviß dieselbe^ Mannschaft stellen, diiin diesem I",hre zwemlal die Reptlhtik vertreten hat. Der letzte Sieg in Genua ist bereits ein Zeichen, daß das Team ei-ng'spieill ist und mi: Energie und ,Aufopferung zu kämpfen weiß. Wir wollen nicht lere Hoff-, »»»gen hegen, doch glairben wir dessen gewiß zu sein, daß, wenn;bie ernannte Mannschaft komplett auftreien wird, unser Schicksal nicht dasfcn'.ge der Italiener sein wird." Das Agramer Blatt befind t sich auf dem Holzweg, wenn es glaubt, daß die gleiche Mannschaft, die in Nürnberg und Genua spielte. Ooslerreichs Farben gegen Itiaoflawien vertreten wird. Hugo Meisl beabsichtigt nämlich^ schwerwiegende Aenderun-gen vorzunehmen, da die Spieler nicht derart oft Urla-tch bekommen können. Den Grundstock de8 Teams, daS in Agram an treten wird, sollen die Iußballer von Rapid bilden. Eine Gastfreuurschast, die manches zu wünschen übrig läßt. Der Oo'terveichiisck>e FuHball'bnnd bewire-t seine Gäste immer aus das herzlichste, was auch im Ausland entbrechend anerkannt wird. Inklbefondere die Italiener erfreuten sich anläßlich ihres letzten Aufenthaltes in Wien einer prunkvollen. Auifnahm«, die kaum übeNboten werden kann. Dwißig mit Fahnen geschm>ückte ArttoS standen vor de>m Bahnhof bereit, um die Gäste in eines der vornehmsten Wiener Hotels zu führen.' Die Italiener konnten diese Ka-^ftwagen auch weiterhin ständig bsnützen, obwohl die dadurch verursachen Kostenwahrlich nicht gering waren. Die Rundfahrten durch die Stadt, die Ausflüße in die Umgebung von Wien, das Banketit und schlie-ßlich der Empfang im Rathaus darch den alten Bürgermeister Reumann dürnen den Gästen lan-ae in Erinneruuig bleibeu. Der Österreichische Fußballbnnd und so'n-' Funktionäre scheuten w^der Mühe noch Kesten, um den Gästen den Aufentha«lj in Wien so anrenchm wie mörlich §u machen. Schließlich erhielten die italie-nillchLn Sp'eler und Reisebocfeiiter wertvolle Ecinnervugs'geschenke, die mit Dank ent« poaena.e'nom'men wvidm. Nich's war naheliegender, als daß die Oelsterroicher eine ähnliche Aufnaihme in Genua erwarteten. Dom war aber leider nicht, so. nnd es wäre nicht angebracht, wenn man diese Tatsache veuschweiaen wolltc. Vor'allem berührte es die Oeisterreicher sehr peir/ich. daß sich der Bürgermeister von Genna durch seinen Zere-monienime-ister vertreten ließ. Weiter zeime es von Kleinlichker:, daß dst Wiener den Heimwea vom Rachens zu s?uß antreten Mißten, obwohl dl« Aittoslpesen mft Rücksicht anif die geringe Cmtnernernia vom Rathaus zum Ho'ol sehr gering oe-wcken ivärew. Beim Bankett überreichte der Präsildent des italienischen Verbandes unserem VerbouidSvevtreter eine Siphyux. ohne aber unsere Spieler irgendwie zu bodenken. Unsere Fu'baller selsien sich über diese Dak'losiÄeit mit Humor hinlvea. Da benahm sich unstr Verband. der den Italienern in Genua dtirck unseren Bundeskaipi'än eiueii überaus wertvollen Sei'denwimpel und den italienischen Svielern Bberre Medaillen übermitteln ließ, Qantj anders. Der DoUtändigkeit hallber ertvähnen wir nach, HerreNM0<IeIiaU8 SämtlicHe Feinste | A RnrpnQf^in Herrennödeartikel Herrensarderoben r\m EJUl WlldlWUl (Ü81T6iWäscll3, Krawat.ea etc.) «2 nachMass | Wien, 11«, Hollandstr. 10 9Iäs«!ge Preise Kotnf »ktions-Abtellnnir Copyri»hi Hirt by Nachdruck verboten. Deutlch-Oesterrelchischer Verlag, Wien. 6. FonskSUng. Ire Heimatlosen. Roman von Wilma v. Bukelich. Als sich die Bäudler nach de.r Matura in Budapest wieder znsammetrfanden, stellte ihnen Frau Marianne Görgei ihre Gejesischaftsrä>tfme zur Verfügung, wobei sie di« Rolle der Protcktorin mit jener Grazie spielte, die sie in keiner Lebenslage verl'xß. Sie war mütterlich und liebenswürdig und' äußerst interessiert am Treiben des Bundes. Schleppte Bücher und Reprodultionen herbei, versprach ihren Einfluß zugmtsten der Bündle: in jeder Weise geltend zu machen, ja sie verstand es, dabei mit einer berechneten Vorsicht sich im Hintergründe zu halten, um die Jugend nicht kopficheu zu machen. Sie gab nur und forderte niema's Gegenleistungen. Trotzdem fühlte sie die entzückten Blicke, die sich unter einer knabenhaften Scheu verbargen, fühlte das Beben dieser unerschlcssenen Jugend und wußte, daß sie es war, die die'«. Nerven zürn Jitlern brachte und die Wün.sche zum Fiebern . . . wenn dies« Wünsche dann auch weiter schwebten. . . weit über sie hinaus . . . und nur a's dunkler Drang nach einem dünken Ziel empfunden wurdet!. Sie lieh!« diese Atmosphäre voll Glut und Geheimnis. Sie liebte die jungen, bcslaumten Wangen und die suchenden Blicke, die so viel Feuer verhüllten. Sie liebte diese Jugend, wie sie alles liebte, was das Leben ihr bot: als ein Spielzeug. Als ein Instrument, aus dem es sich verlohnte zu improvisieren. Wobei jede Verantwortuug weg,fiel und alles leicht und folgenlos blieb. Der Einsall einer Stttndc mr.b nichlS mehr. Unb die Bünd.'rr waren entzückt, geblendet von der immer noch strahlend schönen Mutter ihres Freundes, die sie als Weib empfanden, jeder isi seltner Meist, weil sie ihnen die Illusion gab. selber Männer zu stin. Bet d.efem Spiel war Tihatner am stävlsten beteiligt» der dm größten Teil seiner freien Zeit in der Görgeischen Villa verbrachte. Zunt Teil bei Alfred ans dessen luftigem Mansardenzimmer, zu dessen Füßen Budapest leg und die Donau wte ein schmaler Sil berstreifen aufblitzle. D.rt lag «r auf Alfreds breiter, türkifchcr Ottomane, wuchte eine Zigarette um die and.re, prahlte mit seinen le'chlen Abenteuern, wobei er die Lebensphiloso.phie e'uteö erfahrenen Asphalthelden entwickelte. Oder aber er marschiert« an Frau Mariannens Seite von Lade» zu Laden, trug Paketchen und Pakete, war stolz daraus, mit dieser stadtbekannten Schönheit von Bekannten gestihen zu werden, und ver'ck'lang kchlieülich bei Gerbeaux zehn Migueubäckereien und zwanzig glasierte Kastanien, welchen Genuß Frau Görgei ihm mit einem mütterlichen Lächeln gerne vergönnte; war er doch der einzige reelle in ihrem sonst platonischen Verhältnisse. Im übrigen besuchte Ti.hamer die Handelsaikade-mie, das heißt, er tat so, als ob er sie besuchte, legte aber weit mehr Wert darauf, das Leben eines freien Gentleman zu führen, vervollkommnete Frisur und Toilette möglichst rasch uns Männliche, soupierte bei Dreher cd^er in vornehmen Bars in der Gesellschaft be'cheidener Demimonde- Tamen und Lebemänner von gleicher Art wie e.r selber, wurde znm Stammgast der Premieren und Kabarotts und war bereits nach vierzehn Tagen aus detr blasierten Ton der Gvoßstadtjugerd eingestellt wie ein Werkes, das seit joher nur das eine Lied aeleiert hat. Die übrigen B'indstr aber kamen zu den wöchentlichen Klubabenden, die in dem angenehm durchheizten Görgeifchen Herpenzimmer abg^halten wurden, wobei die gütige Haussraü große Mengen Süßigkeiten und auch kontvaktere Nahrungsmittel spendete, und wie sehr die Bündler iihren idoalen Zielen auch nachstrobten, tvaren sie doch ke'utessalls unompsindlich für diese mütterli.he Verwöhnung, ja es schien fast, als ob fter Bund ünter dem Protektorat« der schöne» und geistreichen Frau in ein neues Stadium treten würde;. denn nicht nur Tihanter hatte sich ms Weltn'ännifche vervollkommnet, auch Tibor und Lajos machten kranvpshafte Mauserungsvcvsuche, die ihnen aber um so weniger gelangen, als völlige Ebbe in ihrer Kasse.war; denn Lafos hatte ja von vornherein nichts, Tibor aber gab seinen letzten Kreuzer in Antiquariaten und Knnsthand'nngen aus, hungerte sogar, um seinen Neigungen nachgohen zu können; denn soviel Sinn Papa Schwarz auch für die landiäusige Bildung hatte, für Tibors Neberspannthe'iten hatte er nichts übrig, und es rührte ihn keineswe-os, als Tibor den Eltern mittetlte, daß er zwei besondere Raritäten — Rembrandtsche Handzefchnurigen von zweifelloser Echtheit — in einem Trödlerladcn entdeckt habe und diese um joden Preis besitzen müsse, sonst. . .! Papa Schwarz beantwortete diesen Aufschrei seines 'S.h'n«S mit einem/t^eneü>MsWtsbr^>der vva Ziffern strotzte, und erklärte Tibor für einen regelrechten Schlemihl, der sich von jedermann beschwatzen lasse, Rembrandtsche Handzeichnnngen. . . was war das? Melcher vernünftige Mensch zahlte dafür solche Unsummen? Ob Tibor glaube, daß er. Samuel Schwarz, sein Geld gestohlen habe? Und überhaupt, wen» er sich noch um vernünftige Bilder i» Oel und Go^drahmen gehandelt hätte, die sich ein.besserer Mensch in sein Sitzzimmer hängt. . . aber Handzeichnnngen? So galt es denn, die Schätze aus eigener Kraft zu erwerben. Denn Tibor hätte leichter auf sein Leben als ans den Genttß verzichtet, dio-st Bilder sein eigen zu nennen, sie täglich zu betrachten', sich in ihren wavmdunklen Ton zu vertiefen und aus ihnen die geistreiche Handschrift des Meisters zn^entziffern, der sei» Abgott war. Er beschloß, sich d'e nötige Summe am Munde abzusparen. bezog gomcinsam mit Lajos eine Kammer ohne Ofen im vierten Stockwerk einer Jofefsttidter Zinskasern«, aß sein Mittaamahl in der Volksküche, zum Nachtmahl aber aß er gebratene Kastanien oder Aeipfcb, wobei er im Bette lag; den» es war bitterkalt, und durch di« Tachlucken tropfte der Regen. Natürlich sah er nach ntehomonat'gem Aufenthalt in Buda'Pest fleckig/und herab",elommen aus. was ihn sehr genierte; denn er fühlte^ sich noch mehr entstellt und verlor den letzten Rest von Froihoir. Aber auch Lajos. der die Lebensweise Tibors teilte, machte in seinem Austreten keineswegs do» E'ntdruck eines unwiderstehlichen Erob.rers. Im Gegentoil. Er sah ganz elend aus. Verhungert und verbittert. Auch war er wie ei» junger Jagdhund ewig auf Faog au?. Suchte nach einer Arbeit, fcci ber man mitten drinnen steckt im pulsenden Leben. Irgend etwas, wo die Frid.'n zusamtrenlaufen, wo man selber mits^assen kann. Aber er hatte keine Protektion. War ein schmieriger, rctihaarigcr, kleiner Provinzjude. Wer fragte nach ihm? Mer brauchte ihn? So lief er gaßauf, gaßab. klopfte an alle Türen, lungerte herum, immer in der geheimen Hoffnttng. das Glück doch einmal beim Zipstl zu erwischen. Und schrieb sckwungv>olle Artikel, die keiner las. b's auf Tibor. der sich nicht wehren konnte. Tenn er lag im Botte und' sror. Und war ein hilfloses O-v'str. das sich alles gefallen lasse» mußte. Oorffetzulrg folgt.)