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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 14

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 27. ftanner 1924 f Nr. me nOP[ß[ R ICH T m Der Sinn der Mode. Es ist sehr lercht, einer Zeiterscheinung ihren Wert abzusprcchen. wenn man achtlos an ihr vorübergeht; wenn man sich nicht die Mühe nimntt, über sie nachzudenken und ihre geschichtliche Notwendigkeit zu ergründen. Die Mode als solche Ijatie immer ihre Gegner und Nörgler, speziell in jenen „Lsthr tischen" Kreisen, die glaubten, zugunsten > ihrer .nneren Sensationen auf den äußeren Schein, auf! die äußere Form verzichten zu dürfen. Dieses Vorurteil j wurdi endlich überwunden. Die gesitteten Menschen bei allen Kulturvölkern weisen der Mode heute jenen Platz an, der ihr gebührt; oenn sie wisien. daß die Mode nicht das Produkt gewerblicher Willkür ist, sondern das Resultat einer jahrtausendelangen Ent-! Wicklung, die nicht stille steht und auch weiterhin lebens- ' fähig ist. Und auch nach einer anderen Richtung hin hat sich , eine Erkenntnis Bahn gebrochen, dahin nämlich, daß die j Mode nicht für einen eng begrenzten Kreis in gewissem Sinne ein zartes Gesetz ist, sondern daß sie die woitesten Gesellschastsschichten umfaßt. Selbstverständlich läßt sich nicht bestreiten, daß eine Modenkreation mit ihren allerletzten Nuancen und Details zunächst von dem finanziell Stärkeren angenommen wird, aber sie dringt allmählich in die Breite, wird praktischen Zwecken unterworfen, so daß ein immer größerer Krers an ihr teilnehmen kann. Letzten Endes streift die Mode ihr ursprünglich auch vom Zufall beeinflußtes Wesen ab und wird zur Ausdrucksform ihrer Zeit. Sitte, Erwerb. Erziehung, Weltanschauung drücken der Mode ihren Stempel auf. Am tiefsten aber hat die Emanzipation, das ist die soziale Entwicklung der Frau neben dem männlichen Herrscher, alles, was mit dem Leben der Frau zusammerchängt. von Grund auf geändert. Kleidung und Heim haben durch die selbsttätige Frau eine grundlegende Wandlung erfahren. Das Zeitalter des Sports duldet keine Krinoline und kein Panzermieder. Ter zum lebenden Rhythmus zurückgekehrte Schritt von Frau und Mädchen hat die ihm angepaßten Kleiderformen erzwungen. Und der Mann — auch er muß diesen Weg gehen. Das Losungswort der hygienischen Erziehung „Anmut und Kraft" und das innerste Verlangen des Kulturmenschen nach Schönheit neben dem grauen Kampf des Alltags haben die Richtlinien für die Mode geschaffen. Ein neues Kleid macht die Gedanken des Trägers und der Trägerin neu und lebendig. Ter Kontrast in den Farben läßt uns eine Bestätigung finden für die Gesetze der Natur. Kleid und Heim, stilvoll gebildet, erhöhen unser Lobensgefühl und führen uns zur Harmonie. Kunstgewerblicher Geschmack, Erfindungsgeist. Sinn für Schönheit und Gewerbefleiß und eine gewisie Kühnheit gegenüber dem Konventionellen, aus diesen Faktoren setzt sich die Mode zusammen. Sie ist ein Kultursaktor geworden und deswegen darf sie auch beanspruchen, in ernsthafter Art betrachtet und behandelt zu werden. Der FrühjahrshuL — eine Ouvertüre. Wien, Ende Jänner. Der erste Hut der Frühjahrssaiison 1924 wird — analog den brochierten Stoffen bei Kleidern — ein Hut aus brochiertem Strohstoff sein. Er wird sich nicht an eine Favbe, an einen Grundbon halten, sondern mehr den Charakter des so oft besprochenen und beschriebenen gestickten Stoffes beibohallen. Die Devise lautet: Buntheit! Was die Form anlangt, kämpft man gegen die schon banal gewordene C l o ch e - F o r m an. aber umsonst: es werden neue, reizende Kombinationen gebracht werden, um die Cloche-Form arn Leben zu erhalten. Eine neuartige Verwendung von Perlenbandeaux wird sich voraussichtlich durchsetzen, da diese die Cloche-Form erheblich beleben können. Paris bringt als Ausputz für die Stirnseite des Hutes plastisch geformte Galalithsteine in diversen Farben, wobei wieder die lebhaften Nuancen in Rot und Grün favorisiert werden. Der Frühjahrshut wird sehr klein sein und einen heiteren Charakter trogen. r. m. * Obenstehende Hutmodelle aus der Mode Georgette, Wien, 1. Bez., Mahlevstraße 13. Bemerkungen zur Kpernrrdmrtr. Die Opernredoute hat gewisse Richtlinien bestärigt, die bezüglich der Mode sich herausgebildct haben; sie hat in anderer Hinsicht wieder erkennen lassen, wie weit sich die Wienerin von ausländischen Kreationen beeinflussen und cmregen läßt. Der Kampf gegen das S1 i l k l e i d hat insow.it Erfolg gehabt, als sich dieses nicht ganz durchsetzen konnte, da es für die puppenhafte, zarte Figur bestimmt war, die man bei der echten Wienerin so selten findet. Aber gerade durch das seltene Austauchen bilde: das Stilkleid immer einen aparten Punkt innerhalb der gangbaren, konventionellen Formen. Der Clou der Opernredoub-.': die g e st i ck t e n Kleider mit Straß- und Perlerverschwend'ung. überaus kostbare B r o k a t st o s f e; reiches Rückendekollete; Farbe von zart.stem Weiß, das sogar zeitw.'ise dominierte, über Orange, Cerise, Kardinalrot, Smaragdgrün bis zu einem ganz vereinzelten Schwarz, das bei weißer Perücke gut aussiehr. Bei Frisuren war Weiß dominierend, farbige Perücken waren seltener zu sehen. Tie Schuhe waren zu den Kleidern abgestimmt, wobei farbiges Leder mit Goldeinfassung und Brokat bevorzugt wurde. Der fleischfarbene D.'idenstrumps hat sich durchgosetzt. Der Handschuh ist ganz in den Hintergrund getreten, hauptsächlich mit Rücksicht darauf, daß der Arm sch muck zur Geltung komme, der heute zur Grcmdtoileste unentbehrlich geworden ist: Perlen, Smaragds, Brillanten und dir ganze Reihe der seltenen Halbedelsteine in reizvoller Fassung bilden ein Reich für sich. Ombrierte Straußfedernfächer in allen Farben, zum Kleide passend, unerhört reicher Kopfputz in Fächerform, Straußfedernarrangements und Paradiesflanken gaben den Köpfen einen orientalischen Charakter. Das aber am meisten faszinierte, waren die unerhörten Phantasien in Pelzmänteln, die anzulegen zum ersten Male endlich in festlichem Rahmen Gelegenheit geboten wurde: weiter HermÄinmantel mir weißem Affenpelz verbrämt, stilg.recht zu weißer Perücke, Chinchilla, das nach wie vor als ed.lstes Pelzwerk geschäht wird, neben den obligaten Nutriamänteln. Als Gesamtwerk bot die Opernredoute ein Bild von anserle'en'7 's' nb: nud edelstem Luxus Die Wienerin ha; sich als internationalen Ranges präsentiert. R. Meuczel. Was der Dame unentbehrlich ist! Auch die illustrierten Modezeitungen verfallen in drei Gruppen: in die informierten, in die angeblich informierten und in die uninformierten. Da die ersteren schwer zu finden sind, müssen wir mit den zweiten vorlieb nehmen, um unsere eigenen Beobachtungen zu überprüfen. Da lesen wir mit einigem Erstaunen, daß wichtige Toilettebehelfe aus dem Reiche der Mode verbannt werden, in dem sie eine wenn auch veränderte Existenz weiterführen. Daß der kleine, aus Holz verfertigte Fächer nicht mehr benützt wird, hat seine unleugbare Richtigkeit. An seiner Stelle erscheint der Fächer aus ganz breiten Straußplatten, der, weich und schmiegsam in seiner Fassung, der gleichen Mode sich rücksichtsvoller.anpaßt. Nicht die Zweckmäßigkeit, der Luxus schreibt die Gesetze vor. Er drückt der reichen Modedame als letzte Neuheit einen Fächer aus echtem Reiher in die Hand. \ Der Schleier ist nie entbehrlich gewesen, wenn er auch seine Rolle als Bedarfsartikel ausgespielt hat. Er hängt wie früher entweder vom Hutrande in die Mitte des Gesichtes herab, oder bedeckt das ganze Antlitz. Nur die Dame im Automobil Harf für sich in Anspruch nehmen, den praktischen Zweck mit der Kleidsamkeit zu verbinden, wenn sie vor Wind und Wetter ihr Gesicht durch einen Schleier schützt. Der Sonnenschirm bildet den hübschesten Bestandteil der Frühjahrsmode. Sein Griff muß aus kostbarem Material hergestellt sein. Besonders Schnitzereien aus Elfenbein oder kunstgewerbliche Verzierungen schmücken ihn. Das Dach des Schirmes ist aus einem zum .Kleid passenden Stoff gearbeitet, so daß die elegante Dame über eine ganze Anzahl Schirme verfügt. In der Form sind die Schirme klein, können kokett unter dem Arme getragen werden oder zwanglos zum Boden baumeln. Aber auch den Regenschirm können weder Gummihut noch Gummimantel verdrängen. Er bleibt ein notwendiges Uebel. An Stelle des Mieders, das vormals wie ein Panzer, eine uneinnehmbare Festung, den Frauenleib umschlang, ist der Gummigürtel getreten, den man nicht schnüren muß. Man schlüpft in ihn bequem hinein, bewegt sich freier in ihm. ohne daß der Zweck, besonders bei SPITZER & MARKUS II. HOLLANDSTRASSE 1 ATELIER lür feine englische vornehme Damenmode Herren,arderobe vornehmsten Genies in ieinstox Auslütirung lau. ...J| II «.■■■" ' " I'.OWMII | ..— i eng anliegenden Abendkleidern,' Figur zu verleihen, beeinträchtigt wird. Wir haben nur einige Fälle herausgegriffen, um zu zeigen, wie auch in der Mode das Wort gilt, daß die Tot» gesagten am lebsten leben. R. Menczol. Drr farbigr Schutz. Die Abkehr vom düsteren Schwarz und Gran hat allmählich ihre Anwendung auch auf den Schuh gefunden. Auch hier bevorzugt man die lebhaften Farben, und zwar in der Art, daß sie durch harmonischen Zusammenklang mit der Kleidfarbe besonders wirkungsvoll werden. Am allerimensivsten kommen die schweren Brokatfarben zur Geltung, wre sie auf der Opernredoute dominierend waren. Der Schuh aus schwerem Brokatstoff oder aus Velourchiffon mit Goldstickerei, ferner aus zartfarbigem Samt mit Goldledrrapplilation als stilvollem Ans- Pud. der sogenannte .,Dubarrv"-Schnh. wie ihn beispielsweise das Schuhmodellhaus Fellwck gegenüber dem Bwkslheater favorisiert. beherrscht di-' Mode. Die Zeit des Konfektionsschuhs für die vornehme Dame ist vorbei: Ebenso wie zu einem stilgerechten Kleid, ist auch zum eleganten Schuh ein Studium erforderlich: man verlangt vom Schuhkünstl-er nicht nur Geschicklichkeit. sondern auch Geschmack, den er durch Vorlage zahlreicher und aparter Entwürfe erweisen muß. Aill der moderne Schuherzenger etwas Gediegenes leisten, dann m-ist er fick auch intensiv mit der Kleidermodc beschäftigen und in seinem Reiche etwas erfinden, das das Kleid harmonisch ergänzt und abschließt. _ r. m. Briefkasten des „Modebericht". Zahlreiche Anfragen. Es ist selbstverständlich, daß wir Ihnen einzelne Firmen nur schriftlich nennen können. — Modejournah werden berücksichtigt. Komplette Brautausstattungen Vollständige Babytrousseaux ■WASCHE-SAS.ON &. sen/eS) Alte Wiese nur I, Kohlmarkt 5. WmM WIEN, I. KARNTNERSTRASSE Nr. 34 Eingang Maysedergasse ias nur im Stock (Lift) C. BOJ KO ABEND- U. BALLKLEIDER TEEKLEIDER, KOSTÜME HOerkstätte für moderne «bamenbekleidun q Abendiz. Strassenkieider- Kostüme Wien, 2. Bezirk, Lütenbrunngasse J6 Telephon Nr. 40-5-76 -JVien, /. JVildpretmarkt 2* Metes. JtostunuisJnaateauq feagorvus et fourrures ^elefon? f^J Die neuesten Modelte in grossen Albend- und Stilkleidern

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