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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 13 Men, Sonntag Wiener Morgenzettun^ schein ergänzte, der ein sanftes, mildverklärtes Licht über die Dame und deren Tänzer verbreitete. Das tanzende Paar ließ sich durch die allgemeine Aufmerksamkeit, die cs erregte, nicht in seinem Tanzvergnügen stören. Den englischen Damen war aber beim Anblick des leuchtenden Haares der Italienerin ein Licht aufgegangen, wie sie sich durch Uebernahme der neuen Mode in eine neue schmeichelnde Beleuchtung rücken tonnten. * Ein norwegisches Institut für vergleichende Kultur» forschung. In Christi an ia ist ein Institut für vergleichende Kulturforschung ins Leben getreten. Vorsitzender ist Professor Friedrich S t a n g, und unter den Mitgliedern des Direktoriums befindet sich auch der ehemalige langjährige Ministerpräsident Gunnar K n u d s e n. Die Aufgabe des Instituts besteht in Forschungen auf den Gebieten der vergleichenden Sprachwissenschaft, der Recht s-, der R eligions- und der V o l k s k lt n d c. Die Tätigkeit wird sich zunächst auf, eine Reihe von Vorlesungen e i n b e i m i s ch e r und ausländischer Gelehrter beschränken Mit den Zinsen des Fonds hofft man einige größere wissenschaftliche Aufgaben bewältigen zu können, so das Studium arktischer Völker wie der Lappen und das der kaukasischen Sprachen. * Tiere als Seismographen. In dem „Journal vf complative Psychology" berichtet Hans v. Hcnting über das Verhalten von Tieren bei Erdbeben. Hunde, Katzen, Schafe, Kaninchen und Meerschweinchen haben eine Vorahnung der Erdbeben. Bekannt ist das Verhalten der Hunde vor dem Erdbeben von Mesisna. Die Seismographen hatten noch keinerlei Alarmzeichen gegeben, da singen die Hunde schon an. jämmerlich zu heulen, und zwar so furchtbar, daß die Bewohner Messinas, die eine plötzlich ausgebrochene Hundeseuche annahmen, zahlreiche Hunde totschlugen. In den Erdbebenzonen Sud- und Mittelamerikas gelten auch die wilden Papageien als Erdbebenpropheten. * Radiodienst zwischen Frankreich und Jndochina. Aus Paris wird uns berrchtet: Letzt«,n Sonntag wupde in Anwesenheit des Kplon'iemninOers Mbert Sarraut und der DÄegierten der übrigen Ministerien der mbiowlegraphische Verkehr Zwischen Poris und Ditgon m Jndochina eröffnet. Durch diese sich auf 10.000 Kilometer w treck ende radio t ele graphische Verbindung ist der ständig Kowi-akt zwischen Frankreich und Jndochina auf kürzestem Wege heraestellr. In der Eröffuuniasrcde stellte Minister S a r r a u t fest, daß Frankreich der erste Avst sei. der an den Grenzen Wiens d>as höchste Instrument der technischen Wissenschaft errichtet habe. Sammlungen der „Wiener Morgenzeitnng". Für Jüdisches Blindenheim, 19. Bez. lbisber 2,209,356 K.). Fritzi Operer 100.000 K., E. H. 50.000 K. Für Jüdische Kinderfreunde (bisher 2,202.470 K., 72 tfchech. K., 1 holl. Gulden, 2520 deutlche Mark.). Ein IvMflawe 225.470 K. Für Leopold SÜlfner (bisher 30.000 K.). E. H. 30.000 K. Für avNeidende Jude« Deutschlands (bisher 4,760.000 K., 500.000 poln. Mark., 6 Rentenmark.) H. F. IH. 100.000 K., Ing. Leo Böhm VL 100.000 K. Isaak Werber IH. 500.000 poln. Mark und 6 Rentenmark. Für Kleine Esther, ad. Notiz vom 30. November 1923 (bisher 2,534.000 K., 10 tschech. St., 3, 7, 7 Pfund.) AlS Samme^ergebniS E. L., Graz 335.000 K., Sidonie Süß II. 125.000 K. Für Bitte um SNfe (bisher 150.000 K.) Brüder Klein, Schuhfabrik „Beka", Mödling 100.000 K., R. H. 50.000 K. Für Aekonvaleszeulenheim Philanthropia. „Faule Fische und Schläge" 50.000 St. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) Beachten Re die Preise für Leinenwaren im Warenhaus Brüder Schiffmann, 2. Bez., Tabor st raße 48. Webe.pro Meter 10.500 K. 8.500 K. Chiffon.pro Meter 13.500, 11.000 K. 9.800 „ Streifgradl..pro Meter 19.800 K. 17.500 „ Damast.. . . pro Meter 22.800 K. 18.500 „ Jnlet.... . . , .pro M:-;er 14.800 „ Molino ............ - ... pro Meter 6.500 „ Bettzeugs ... ....... pro Meter 15.800 K. 12.800 „ Datistchiffon ............. pro Meter 15.109 „ Matratzengradl........ pro Meter 30.000 K. 24.000 0 Bettüch . 26.500 Ä. 19.800 . Tischtücher.48.000 . Kaffeegarnituren ..98.000 „ Gläsertücher. 8.000 „ * Alke Hausfrauen rufen im Chor: „Die beste Seife ist Kagor." * Das Tanzmstitut Braun ist nach der Renovierung der Schnlräume wieder eröffnet worden. Modernste Unterrrchtsmethode. Täglich Unterricht und Uebung unter persönlicher Leitung des Tanzmeisters Hermann Braun. Einschreibungen täglich, 14. Bez., Reindorfgasse 42. * Enorme Auswahl bei spottbilligen Preisen in Strümpfen, Westen und Socken im Strümps- und Wirkwarenhaus Felix K a tz, 7. Bez., Kaiserstraße 5. Die in meiner Anzeige lTheatersekte) angeführten Preise sollen Ihnen als Beispiel meiner Konkurrenzfähigkeit dienen. * Die Firma Spirmanu u. Horowitz, Gummiwaren- Fabriksniederlage, teilt ihren P. T. Kunden hoslichst mit, daß sich ihre Bureaus und Lagerräume (bisher 2. Bez., Fischergasse 4) ab 29. Jänner 1924 im Hause 2. Bez., Tabor- Itraße 11b — Gredlerstraße 11, befinden werden. Telephon 47-0-86. r Sensationelles, unerreichtes Angebot im Seidenhaus Richard Leitner, 4. Bez., Margaretenstraße 10. Ereve de Chine, Satin de Chine, Ponais usw. in feinster Qualität zu 62.000 bis 98.000 K. pro Meter. Seidenreste für Lampenschirme usw. spottbillig. Vereine Bortröge und Versammlungen. Zionistische B e z i r k s s e k t i o n Leopoldstadt. Morgen Montag, 8 Uhr abends, 2. Bez., Taborstraße Nr. 20a, dringende Aussämßsitznirg. — Zionistische Bezirk S s e l t i o u P r a t e r s p r c n g e l. Heuce, 7 Uhr abends, im eigenen Heim, 2. B«z., Jungstraße 8, Versammlung, -ttferent Dr. Israel Wald«»««. Themar Die jvtrttchaü» lichen und sozialen Voraussetzungen des Zionismus. Juden erscheinet in Masten! — Zionistische Bezirk S sektion Brigittenau. Morgen Montag, V,8 Mr abend», im Lokale der Sektion, 20. Bez., Karl Meißlstraße 6/1, Vortrag von Dr. S. B e e r: Die Nervenkrankheiten bei den Juden. Gäste willkommen. Mittwoch den 90. d., V»8 Uhr abends, in der Toynbeehalle, 20. Bez., Denisgasse 33. große jüdische Massenversammlung. Redner r Dr. L o w e n h e r z, Gemeinderat Dr. P l a s ch k e s, Prof. A. F r e u d, Dr. I. W a l dmann. — Zeirei Misrachi, 2. Bez.^ Praterstraße Nr. 4311. Heute, 6 Uhr abends, Sitzung des Finanzausschusses. Die Herren Engelmann, Fiedler, Stupfermann, Katzenelnbogen Md Teitelbaum haben pünktlich zu erscheinen. — MiSrachi- Wien,BezirkSgruppeLeopoldstadt, Sprengel H. Heute, */»6 Uhr abends, im BetbauS Osch Cheseb, 3. Bez., SchiffamtSgasfe Nr. 5, Nidrachi-Propandaversammlung. Redner: Zentralrat Herr M. D. Groß. Gäste willkommen. Heute, >/,6 Uhr, findet im Bethause de» Vereines Oeieb Chesed, 2. Bez., SchiffamtSgaste 5. ein Vortrag über Binjan Haarez statt. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Gäste willkommen. -—Zionistische BezirkSsektion X/Xl. Dienstag den 29. d.. 10 Uhr abends, in Edhofers Mno. 10. Bez.. Keplerplatz 13, Pal 8st i n a - F i l m in fünf Akten und dar Fußballwettspiel Hakoah Westham United. Leopold st adterVolksheim, 2. Bez., Zirkusgaffe 49. Konzertmäßige Opernaufführung „Hoffmanns Erzählungen", phantastische Oper von Jules Barbier. Musik von JacqueS Offenbach. Musilalische Leitung Dr. Leo Fischer. Karten bis 7000 K. Wiener veichmmdrasch. Men. 2. Bez., Fevdinandstraße Nr. 23. N o r l e s u n g e n i tu Wintersemester 1923/24 : jeden Sonntag 5 bis 6 Uhr: Rabbiner Lektor Doktor Gelbbaus. Mechilta. 6 bis 7 Uhr r Lektor Dr. Rubin, Midrasch; Montag 6 bis 7 Uhr: Lektor Dr. Rübirr, Talmud, Prstachim, 7 bis 8 Ubr: Rabbiner Lektor Dr. Gelbhous, Psalmen: Dienstag 6 bis 7 Ubr: Rabbiner Dr. Kaminka. Jesaja, 7 bis 8 Uhr: Rabbiner Dr. Kaminka, More Nebochim; Mittwoch 6 bis 7 Uhr: Rabbiner Lektor Dr. Gelbbaus, Psalmen, 7 bis 8 Uhr r Rabbiner Dr. Kaminka, Tulmub, Sanhedrin; Donnerstag 6 bis 7 Uhr r Rektor Dr. Schwarz, Mischna, Pessachim, 7 bis 8 Uhr; Rabinner Dr. Kaminka, More Nebuchim; Samstag von 11 bis 13 Uhr: Lektor Dr. Rubin, Parascka der Woche, 8 bis 4 Uhr: Rabbiner Dr. Kaminka, Talmud, Sanhedrin. Sämtliche Vorträge sind öffentlich und für die Hörer unentgeltlich. Zionistisch« Sektion für den 6., 7. und 8. Bezirk, Wien, 8. Bez., Bennoplatz 1. Dienstag den 20. d. um 8 Uhr äben-ds findet im Vereinsbeim eine Konzertakademie statt. Mitwirkende r Oskar Beregi (Deutsches Volkstheater), Rezitationen; Hugo Breuer. Gelang; Frau Prof. Edi Jonietz Burgstaller, Violine; Frl. Nana Krieger, Klavier; Frau Johanna Thullner-Herzog, Liedervorträge; Herr Franz Mittler, Klavier. Anschließend Tanz. * Das jiwische Kind für das jüdische Kirw. Unter dieser Devise fand am Sonntag den 20. d im FMaale des Cafe Reichshof eine Chamischa-Asar-Feier stM, die die Frauen- und MÄdchengvuppe des Msvachi für dre van ihr nach Wien gebrachten Kinder aus Dsutschilmid Vevanjstaltete. Zur Feier waren die unter Obhut der Sozialen HUsgememschaft (Anitta Müller) stehenden Kinder güladen. Die Festrede hielt Sr. Ehrw-ürden Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang. Sein ausgezeichneter Vortrag, der bic Bedeutung des Chamitscha-Asar« Festes für das jüdische Volk daÄd>gie, toutfoe mit großer Begefftemng ausgenommen. Dann folgten Gedichte, -ein interessanter Boxkampf von den kaum über den Lisch vcvger^en Weltmefftern. Ms letzter ProgramrnpuE ivurlde der Emakter „Das Acht" von Borges durch die gewesenen Schüler der Schwccpzinger-Schule zu Ehren ihres Lehrers, Hem Rudolf Müller, dem die gelungene technische Vorbereitung des Festes m verdanken ist, vorgeführt. Wahrend der Paus« gesaugten durch die Damen der Zeirych Msvachi Chamischa-Äsar-Obst zur Verteilung. Allen MitlmÄenden. besonders Herm Doktor Morgenstern, gebührt der Dank für ihre BenÄhung, den Kindern aus Deutschland chren hiesigen Aufewchvl-t <i^ angenehm als möglich /pr gastalten. w Bühne und Kunst. Me Soldmarl» „Königin von Inda" in die Hofover kam. Sieben Jahre im Theaterarchiv vergrabe«. — Liszt interveniert. — Was Goldmarks Mutter bei der Premiere sagte. In Altofen, einem Bezirke von Budapest, lebt noch die einzige Schwester Karl Goldmarks, des Komponisten der „Königin von Saba", die 87jahrige Witwe Frau Armin Nobel, geb. Rosa Goldmark. Ein Sohn der Frau Nobel, Fritz Ferenczy, ist der Oberregisseur der königlich-ungarischen Oper in Budapest. Anläßlich der Neueinstudierung der „Königin von Saba" an der Budapester Oper besuchte ein Mitarbeiter des „Egyenlöseg" den Neffen des großen Konrponisten und bat ihn um einige weniger bekannte Mitteilungen über die Entstehung und den Triumphzug der „Königin von Saba". Ferenczy erzählt«: Die „Königin von Saba" wurde drei Jahre früher fertiggestellt als die „Aida". Karl Goldmark war der erste, der die Glut des Orients, seine flammenden Farben und leidenschaftlichen Stürme auf die Opernbühne brachte. Bekanntlich wurde der Vorläufer der „Saba", die Introduktion „Sacuntala", bereits im Jahre 1865 zur Aufführung gebracht, und vorhandene Dokumente bestätigen einwandfrei, daß mein Onkel die Partitur der „Königin von Saba" bereits im Jahre 1868 bei der Wiener Oper eingereicht hat. Die „Aida" hatte ihre Uraufführung erst im Jahre 1671 in Kairo. Sie wurde später fertiggestellt, jedoch früher aufgesührt. Ohne das Dazwischentreten der schönen Frau Gomperz hätte wahrscheinlich die Premiere der „Saba" auch im Jahre 1875 nicht stattgesunden. Denn das Werk lag sieben Jahre lang unbeachtet und ohne einer Durchsicht gewürdigt zu werden in der Kanzlei der Wiener Hofoper. Erst uach sieben Jahren intervenierte die schöne Frau des Bankiers Gomperz, eine geborene Betteiheillr, die in Oedenburg die Schülerin meines Onkels war. Goldmark nahnr nun die Protektion dieser Dame in Anspruch, um wenigstens die Durchsicht seines Werkes dnrchzusetzen. Es war bei einer Soiree. Frau Gomperz übergab einem ihrer Verehrer, Franz Liszt, den Einzugsmarsch der „.Königin von Saba", den Liszt sofort vom Blatt spielte. Er begann sich für den Tondichter zu interessieren. . „Wenn die Oper halb so gut ist wie dieser Dcarsch, _27. Jänner 192‘4 Nr. 1778 am nächsten Tag lenkte er die Aufmerksamkeit des damaliges Jntendanteir der Hofoper, Priitzen v. Hohenlohe, auf daß Opus. Hohenlohe beschied den Direktor Johann Herbeck zu sich, „Was ist eigentlich mit der Oper, die bereits seit vielen Jahren in der Schublade des Direktors ruht?" fragte er. Herbeck wurde verlegen. „Es ist keine bedeutende Arbeit," antwortete er. „Wir verlieren nichts." „Das werde ich entscheiden," antwortete der Prinz. Der Intendant ließ nun das Manuskript kommen und sich die Tondichtitng durch eitlen jungen Korrepetitor der Oper Vorspielen. Dieser Korrepetitor war Hans Richter, der gleichfalls aus Ungarn stammt. Prinz Hohenlohe war ein Mann von gründlicher musikalischer Bildung und sicherem Instinkt. Die Musik der „Saba" hatte ihn hingerissen. Er stellte nrm dem Direktor die Partitur mit dem Auftrag zurück, dafür zu sorgen, daß binnen sechs bis sieben Wochen die Premiere stattfinde. Man arbeitete nun mit allen Kräften an der Vorbereitung. Die gesteckte Frist von höchstens sieben Wochen hatte sich jedoch als zu kurz erwiesen. Am Ende der fünften Woche ging die Sache noch so schlecht, daß Goldrnark bei einer der Proben ohnmächtig wurde. Wie sollte aber der vom Intendanten angesetzte Termin hinausgeschoben werden? Wild, die Darstellerin der Sulamith, war die erste, die sich diesem Zweck opferte. Knapp vor dem angesetzten Termin meldete sie sich krank. Die Premiere wurde um acht Tage verschoben. Acht Tage später wurde wieder die Darstellerin der Königin, die berühmte Josefina Materna, verabredungsgemäß krank. So nntßte das Datum der Premiere wieder um' acht Tage hinausgeschoben werden. Dan»t allerdings ging alles glänzeitd. Es war ein riesiger Erfolg. Sämtliche Mitglieder der Familie erzählFerenczp weiter — fuhren zur Premiere nach Wien, bloß zwei blieben zn Hause: Meine Großmutter, die Mutier Karl Goldmarks, und ich, der ich damals vier Jahre alt war. Aufgeregt warteten wir auf das Telegraurm, das über den Erfolg des dlbends berichten sollte. Nach 11 Uhr kam endlich die Botschaft. Wir trugen das Telegramm in die Nachbarschaft, um es uns vorlesen zu lassen. Die Großmutter war bereits so kurzsichtig, daß sie es nicht lesen konnte, und mir, obgleich ich schon damals leseir konnte, schenkte sie keinen Glauben. Unsere Nachbarin war. Louise Meszlenyi, eine Schwester Ludwig Kossuths. Wir weckten sie aus dem Schlaf und baten sie, uns das Telegramm vorzulesen. Es lautete: Großer Erfolg. Nach dem ersten Akt siebzehnmal gerufen. Mit Gruß Karl. Bei der zweiten Vorstellung erschien Kaiser Franz I o s e f mit ganzem Gefolge. Ms die Oper dann in Budapest die Uraufführung erlebte, ließ es sich auch die 80jährige Mutter Karl Goldmarks nicht nehmen, ihr anzuwohnen. Andächtig lauschte sie der Musik ihres Sohires, plötzlich drangen Tränen aus ihren Augen und leise sagte sie zn mir: „Mir ist, als m^cht ich wieder mei' Simche Rüben singen hör'n"... Dieser Reb „Simche Rüben" war nämlich jüdischer Kan-, tor in Deutsch-Kreuz und war wegen seiner zu Herzen gehenden, jüdischen Melodien und alten hebräischen Weisen weit und breit bekannt. An diese ergreifenden Melodien, die der kleine Chasan von Deutsch-Kreuz an Sabbatnachmittagen beim Schalosch Seudoth, von seinem Jungen Karl begleitet, zn singen pflegte, erinnerte sich die alte Frau, als sie diese Melodien von ihrem Sohn zum Teil verarbeitet in der Budapester Oper tvieder hörte. Ae uöchfte« Aufführungen des Burgtheaters Mittwoch den 30. d. findet im Burgtheater die deutsche Urauffühnrng von Franz Molnars „Die rote Mühle" statt. Der Dichter wird der Generalprobe und der Premiere beiwohnen. Freitag den 1. Februar wird im Akad-mietheater (Kammerspiele deö Burgtheaters) Slobodas in Wien wiederholt gegebenes Lustspiel „A m T e e t i s ch" in den Spielplan ausgenommen. Am nämlichen Abend geht im Burgtheater aus Anlaß des 50. Geburtstages Hugo Hofmannsthals fein Drama „Elektra" in Szene. Schnitzlers Drama „Der junge Medard ns", welches anläßlich des 60. Geburtstages des Dichters in den Spielplan ausgenommen wurde und wegen des Ausscheidens Werner Schotts aus dem Verbände deS Burgtheaters längere Zeit nicht gegeben werden konnte, wird anfangs Februar mit Philipp Zeska in der Titelrolle gespielt werdem Auch das Drama Georg Hirschfel d S „Agnes I o r d a u", welches lange Jahre nicht mehr auf dem Spielplan erschien, wird im Burgtheater neu einstudiert. Die Direktion deS Burgtheaters hat Rudolf EgerS Lustspiel „Die rechte und die linke Hand" ^ur Aulführung im Mademietheater angenommen. Sie Krise in der Staatsoper. Allgemein weiß man, daß es im Operrrtheater kriselt; nur Direktor Schalk meint, daß bis auf einige bei dem rauhen Wetter rmvermeidlicho katarrhalische Erkrankungen alles in Ordnung sei. Keinem Opernfreunde gefällt es, daß in einer Zeit, da der Spielplan völlig daniederliegt, die Operndirektion Theatres pares und Opernredouten veranstaltet: doch Herr Schalk meint beschwichtigend, man müsse mit solchen Festen die Geschäftswelt unterstützen, so hätten zum Beispiel von den 4000 Redoutenbesuchern — auch den weiblichen? — etwa die 'Hälfte neue Zylinderhüte gekauft! Die Oper hilft der Geschäftswelt, doch die neuen Reichen wollen nicht der Oper Helsen, wie aus den Beratungen beim Nnterrichtsminister hervorgeht! Direktor Schalk meint auch, er könne die Solisten der Oper an ihrem vertraglichen Urlaub nicht hindern, wogegen wir meinen, die sechs- bis achtwöchigen Urlaube von ein bis zwei Dutzend prominenten Sängern könnten innerhalb der MWvz^tiaut Syielsett derart einvernehmlich verteilt MW

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