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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 11

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 1778 Wien. Sonnlafl Die Bislimsrage. Prag, 26. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Bei den neuen tschecho-slowakisch-österreichischen Handelsvertragsverhandlnngen im Februar wird, wie dys „Prager Tagblatt" erfährt, das Prager Handelsministerium die Frage der beiderseitigen Aufhebung des Pastvisums zur Erörterung bringen und seinen Standpunkt nachdrücklich st vertreten. Der Lee Lichtes". Persien verkauft seine Kronjuwelen. Um sich die Mittel zum Ausbau des Eisenbahnnetzes zu verschaffen, hat die persische Negierung, wie von uns bereits berichtet, beschlossen, einen Teil der Kronjuwelen zu verkaufen. Es handelt sich nm eine der reichsten Sammlungen, deren Prunkstück ein „Darya-in-Noor" („Ozean des Lichts") genannter R iese ndi a ma nt und ein goldener Weltglobus bilden. Dieser Globus hat einen Durchmesser von etwa einem halben Meter und die 50.600 in das Gold eingelassenen Edelsteine stellen ein Bild der Welt dar, in dem durch Smaragde die Meere bezeichnet sind. Der „Darya-in-Noor" wiegt 186 Karat und soll ein Teil des berühmten „Großmogul", des Riesendiamanten aus dem Besitz des Schahs von Persien, sein. Der „Großmogul" soll einst 780 Karat gewogen haben. Die jetzt zum Verkauf gestellte Sammlung wurde vor mehreren Jahren auf einen Wert von 7 Millionen Pfund Sterling abgeschätzt. „Absurd und verdrrbliih." Präsident Hai,risch über die antisemitische Hetze. „Im „Pesler Liovd" berichtet Julian Weiß, dessen Interview mit dem Bundeskanzler Seipel wir wiedergegeben haben, über eine Audienz bet dem österreichischen Bundespräsidenten Harnisch Wir entnehmen seinen Mitteilungen die folgende Stelle: „... Von einer Animosität in den leitenden politischen Kreisen Wrens (gegen Ungarn) ist und kann keine Rede sein. Wenn sich da und dort Verstimmungen noch zeigen, so sind sie auf gewisse Erscheinungen im öffentlichen Leben Ungarns zurückzuführen, die, wie ich weiß, die Regierungskreise in Budapest und die hervorragendsten ungarischen Politiker, ja das Gros der Bevölkerung ebenso verurteilen, wie das ganze gesittete Ausland. Die sogenannte Nassenschuhtheorie ist wissenschaftlich ebenso falsch, wie Ire im praktischen Leben töricht ist. Ich stamme ans einer deutschen, arischen Familie, aber der Umstand, daß mein Großvater in T y r n o u lebte und dort heiratete, kann natürlich die Rassenschützler zu albernen Schlüssen veranlassen. Und in fast jeder alten Familie werden ähnliche Einschläge zu entdecken sein, so daß die absolute Rassenreinheit in den seltensten Fällen auffindbar sein dürfte. Und welchen Nutzen hätten Staat und Gesellschaft davon? Ich erblicke in der ganzen rassenschützlerischen Bewegung nur eine antisemitische Hetze, und eine solche halte ich in einem Kulturstaat für absurd und verderblich. Die Juden, die ehrlich arbeiten, ihren Platz im wirtschaftlichen und geistigen Leben honorig ausfüllen, mit Gewalt in den Hintergrund drängen, ihnen Rechte nehmen, sie zu Bürgern zweiten Grades degradieren zu wollen, ist ein unstatthaftes Beginnen, denn in einem modernen Staat müssen alle Bürger die gleichen Pflichten und die gleichen Rechte haben. In Oesterreich gab es und Mt es Antis e m i f c n, aber so borniert sind sic nicht, daß sie die jüdischen Begabungen nicht anerkennen und die Mitwirkung der Juden am politischen und kommerziellen Leben ablehnen würden." Die in diesem Interview dem Bundespräsidenten des weiteren in den Mund gelegten Aenßerungen dürften wohl mehr sinngemäß als wörtlich wiedergegeben fein. Der Interviewer läßt Dr. H a i n i s ch in einer Art sprechen, die der Jovialität des Bundespräsidenten durchaus widerspricht. Sätze, wie zum Beispiel: „Ich darf wohl erwähnen daß ich einen Israeliten zum Finanzminister machen wollte" und „Auf das Talent und den Charakter der Bürger des Staates lege ich das Schwergewicht", dürften kaum vom Bundespräsidenten wirklich gesprochen worden sein, da sie mit den verfassungsmäßigen Kam- Petenzeu des Bundespräsidenten nicht zu vereinbaren sind. Gerade Dr. H a i n i s ch beobachtet die Einhaltung dieser Kompetenzen mit peinlichster Sorgfalt. Im übrigen entsprechen aber seine vorstehenden Aeußerungen durchaus seiner Gesinnung, ans der er auch niemals ein Hehl gemacht hat. D?e MßMnde km Mweten. Die Schikanierung der Kaufmannschaft. Ueber die Mißstände, die im Zollwesen herrschen, wird uns mitgeteili: Die Zollbehörde kommt der Kaufmannschaft in keiner Weise entgegen und bereitet ihr bei der Ein- und Ausfuhr große Schwierigkeiten. Die Behandlung der „Vormerkwaren" — das sind die zur Veredlung oder auch zum Transitverkehr eingehenden Waren, deren Zoll nnr sicherzustellen ist, da er bei Wiederausfuhr unter Zollkontrolle wieder frei wird — leidet infolge des vollständigen Versagens der „Vormerkabtciluug" der Zollabtei'.ung A. Infolge der Kapitalsknappheit machen naturgemäß die Parteien von dem Rechte Gebrauch, Gencralhastungen von Großbanken m Anspruch zu nehmen. Die Z o l l a b t e i l n n g braucht sechs b i 8> a ch t Wochen, bis diese Generalhastnng überhaupt angenommen wird. Sie verlangt ohne Berechtigung die Vorlage eines besonderen Gesuches um Bewilligung einer solchen General- Haftung, so daß die Partei zweimal auf die Erledigung warten muß. Zollrückvcrgütungen wiederum dauern sechs bis acht Wochen. Die z a h l l o s e n K a l k u l a t i o n s f e h l e r, besonders bei der Warenumsatzsteuer, müssen innerhalb Wiener Morftenzeltuna._ 30 Tagen von der Partei reklamiert werden, da sich sonst der Staat die betreffenden Geldbeträge einfach behält, die diesbezüglichen ReklamationSansnchen werden aber erst nach vielen Monaten erledigt. Mit Pfändungen wird sehr rasch vorgegangen, ohne Rücksichtnahme auf vorhandene Rechte. Es wird uns folgender krasse Fall mitgeteilt: DaS Zollamt hatte 848.400 K. zu bekommen, während der Parier 46.400 K. rückzuerstatten waren. Run wurde die Partei wegen der 348.400 K. gepfändet, wobei der auf demselben Schein angegebene Betrag von 46.400 K-, der der Partei gebührt, überhaupt nicht berücksichtigt wurde. Der Vorstand des Zollamtes ist Hofrat Jakubicek, Leiter der Bormerkabteilung ist der Beamte Blak. Die beiden Herren dürften leicht in der Lage sein, diese Mißstände abzustellen. Der Wein- und SPlrktuSschmuggel im Burgenland. Derzeit schwebt die Untersuchung wegen verschiedener Zollschmuggelassären, doch wird sie sehr langsam geführt und daS größte Stillschweigen über den bisherigen Erfolg bewahrt. Im Vordergründe steht der von einem Wiener Blatte bereits besprochene Wein- und Spiritusschmuggel im B u r g e n l a n d, wobei der Wein auf der Donau transportiert und nach Oesterreich eingeschmuggelt wurde, während der Spiritus die Grenzzollbehörden in Wagenladungen passierte, ohnedaßsichdieGrenzbehördenumdenTranS- Port kümmerten. Im Zusammenhangs mit der Angelegenheit sind bereits Verhaftungen von Kanfleuten und Zollbeamten erfolgt. Das Zolloberamt führt bereits eine eingehende Untersuchung, doch will man sich dort über die Namen der beteiligten Wein-, und Spiritusschmuggler nicht äußern. Jedenfalls erscheint eine Klarstellung des Sachverhaltes dringend geboten. Dke keltischen Amte gegen Provisionen. Die steirische A-erztekanmier hat, wie uns Graz gemeldet wird, den im Jahre 1908 gefaßten Beschluß, wonach das Geben oder Nehmen von Provisionen standeswidrig ist, einhellig erneuert. Dke Lebenrmlttelmsirkte. Der Besuch der Markte ließ diesmal viel au wünschen übrig, so daß die Nachfrage sebr gering war. Dies gilt vor allem für Geflügel, Fische und Butter, aber auch grüne? Gemüse und Eier wurden nur in sehr beschränktem Maße gekauft. Auf den Gninwarenmärkten haben sich trotzdem wieder nahem alle Gemüselorteu verteuert. Butter ist -war unverändert, aber auf den Märkten nahezu unverkäuflich. Beste Teebntter kostet 60.000 K. vro Kilogramm, in Bezirksgeschäften werden für heimische Teebutter Preise von 70.000 bis 80.000 K., ja sogar 88.000 K. vro Kilogramm verlangt. ES ist ganz unverständlich, daß diese Butter überhaupt Käufer findet. Auf den Märkten kommt ausländische Butter derzeit überhaupt nicht zum Verkaufe. Die Fleischpreise haben sich nur. für Rindfleisch und Kalbfleisch um 1000 bis 2000 K. pro Kilogramm ermäßigt, alle übrigen Fleischpreise blieben unverändert. Speck und Filz stellt sich um 2000 K. pro Kilogramm teurer. * Zionistisches Lekalkomitee. Das Zionistische Lokalkomitee reist mit: Die häutige Sitzung entfällt. * Die Austrittsbewegung aus den Religionsaenossenschäften. Der Magistrat veröffentlicht die in den letzten neun Monaten des Jahres 1963 angemeldeten Konfessionsänderungen. Insgesamt haben 28.205 Personen den Austritt aus Religionsgenossenschasten angemeldet, eine Zahl, die in vergangenen Jahren niemals auch nur annähernd erreicht worden ist. Hiervon waren 13.299 Männer und 9906 Frauen. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf die katholische Kirche. 20.798 Austritten stehen nnr 542 Eintritte gegenüber, so daß ein Gesamtabfall von 20.251 Katholiken resultiert. Ein absolutes Minus ergibt sich auch bei den Juden durch 967 Austritte und 183 Eintritte. Hingegen haben die beiden cvangelischeu Bekenntnisse einen Zuwachs erlangt, der bei dem Augsburger Bekenntnis 923 Personen, beim Helvetischen Bekenntnis 69 Personen umfaßt. Das gleiche gilt für die Altkatholiken, die Wohl 273 Austrittsfälle, hingegen aber 1603 Eintrittssälle zu verzeichnen haben. Der weitaus größte Teil aller jener aber, die den Austritt aus einer Religionsgemeinschaft abmeldeten, wurde k c n f e s s 1 o n § l o s. Ihre Zahl beträgt in den ersten drei Quartalen des verflossenen Jahres 18.836. Davon 11 348 Mäuner und 7487 Frauen. Bemerkenswert ist. daß auch sehr bejahrte Personen sich zu diesem Schritte entschlossen haben, sind doch 92 von ocn Aus.betretenen bereits über 70 Jahre alt. * Die Affäre Mlcoch. Die Anhänger des wegen Betrügereien in Untersuchung stehenden nnd derzeit suspendierten Präsidenten des Allgemeinen Pensionistenvereincs Mlöoch beabsichtigten gestern unter Führung Mlcochs vor das Dereinslokal auf dem Fleischmarkt zu ziehen, um den jetzt die Geschäfte führenden Ausschuß abznsetzen und Mlcoch wieder einzusetzen. Mlcoch wurde gestern der Polizei vovgeführt. so daß seine Anhänger — etwa 80 an der Zahl — ohne ihn vor dem Lokal erscheinen mußten. Sie wurden von der Wache zerstreut. Der provisorische Zentralausschuß hat die Anzeige erstattet, daß durch das Vorg-Hen von Vereinsfunktionären arme Staatspensionisten. Wjtwen und Waisen um einige hundert Millionen Kronen geschädigt wurden, und verlangt rasche Durchführung der Untersuchung gegen Mlcoch. der derzeit gegen eine Kaution von zehn Millionen Kronen auf freiem Fuß gesetzt ist. * Der Ueberfall im Sparkaffengebaude. Trotz der öffentlichen Aulfsorderung an Zeugen des UeiberfalleS auif den Dianer Ad-ikbert Mariisch haben sich rm Laufe drS gestrigen Tages keine weiteren Zeugen gemeldet. Aus die, Znstan>dc'brin.^un.g des geraubten Gelobe.'rages von 92 Millionen Kronen ist eine Bolohrmug in der Höhe von 20 Prozent von dem bei den Tätern im Arvha'ltungssaÜ>e vor-gesirnden geraubten Geldbetrag ansgeisetzt. * Die Sperrstundenbegünftigunqen an Berguffaungs« etabliffements. Der Zen-tralverband der Kriegsbeschädigten teilt mit: Die PÄigelldireätio-n v-vserdete eine Mitteilung, nach w-.l.'cher die Errrä-flnisse für die Erteilung anßergawöhulcher Sperrstun.denibegünistigungen an Bevgnüigun^KetMissemeuts nur zum geringen Teile dom Jn-vaiideniands des Ministeriums für soziale Verwali'Mg zuftießcn. Die Polizeidirok.tion teilt jedoch die Höhe dieser Zuüve: toimft?« nicht ntvt. In der Resolution, die von den Vertr>e'«rn des Lantdcsverbaudrs Wien der Kriegs'.nualiden dem Bürgermeister Seitz überreicht und dem PMeiipräsidenten Tr. Schober und dem Minister''S ch m i tz übermittelt wurde, verlangt der Landesvevdanid Wien jüdoch Ausülävung über d're Höhe der Beträge, 87. Jänner 1924 Seite li die von der Polizeidirektian für die Verlän-qeruna von Kino» lizeuzen aufgebracht und dem gleichen J-nvalidenfonds überwiesen wurden. Die Polsteidirektion müßte daher auch zifernmäßig über die Erträgnisse aus den Wiener Kinos beuchten. * Die Bande der Travellercheckdiebe. DaS Wiener Sicherhcitsbureau bat festgestellt, daß em in Berlin wegen Betruges verhafteter Mann namens Engen Neumann identisch ist mit einem Mitgliede der Travellerscheckdiebe, die den reichen Amerikanern die sogenannten Travellerscheckß stehlen. Es handelt sich hiebei nm Schecks auf den Namen des Kontoinhabers, die den Amerikanern von ihrer Bank mitgegeben werden Diese Schecks werden von den Dieben gefälscht und die Verwertung erfolgt in der Weise, daß Hochstapler die vornehm ouftreten können, mit falschen Dokumenten in " otelS absteigen nnd als reiche Amerikaner Juwelen und andere Wertgegenstände kaufen, di« sie mit den gefälschten Schecks bezahlen. Das SjcherheitSburean bat auch festgestellt, daß Mitglieder de, Bande viel in Hochstaplerkreisen in Wien und Baden verkehren, daß sie auch in Zusammenhang mit dem König der Sckieckfällcher. Melchior Horvath, dem falschen brasilianischen Militärattache, stehen und mit einem Netz von Schleppern arbeiten. * Eine Affistentenstelle hn Rothschild-Spital. Im Spital« der Israelitischen 'Kultusgemeinde, Wien. 18. Bez. Währingergnrtel 97, gelangt an der internen Abteilung eine A s s i st e n t e n st e l l e zur Besetzung. Zur Anstellung ist erforderlich: Die österreichische Bundesbürgerschaft. lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde in der österreichischen Republik, die körperliche Eignung, nachgewiesen durch ein amtsärztliches Zeugnis, und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit dieser Stelle ist nebst den Barbezügen freie Wohnung und Verpflegung in der Anstalt verbunden. Mit den Personaldokumenten belegte Gesuche sind an den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, Wien, 1. Bez. Seitenstettengasse 4, bis längstens 15. Februar d. I., mittags, zu überreichen. * Freie Facharztinstelle. Für das Berufsberatungsamt der Stadt Wien wird die Stelle einer Fachärztin besetzt werden. Di« Gesuche sind bis 1. März d. I. bei der Magistratsabteilung 12 (Gesundheitsamt) einzubringen. Die Bewerberinnen müssen österreichische Staatsbürger sein und das Doktorat für die gesamte Heilkunde besitzen. Außerdem werden besondere Vorkenntnisse in Berufshygiene und Berusskunde oder die praktische Betätigung in der Berufsberatung verlangt. * Flugdienst Wien—Triest. Aus Triest wird berichtet: Für das Frühjahr wird die Einrichtung einer Fluglinie Triest —Turin, beziehungsweise Mailand mit vierstündiger Fahrtdauer und die Organisation eines Flugdienstes Triest — Wien und Triest — Aegypten erwogen. Mitte Februar soll die erste direkte Dampferverbindung Triest—Kanada hergestellt werden. * Jüdische Kindersürsorge. Aus Lemberg wird unS geschrieben: Die bisher im Rahmen eines Komitees dank der Initiative von Frau Fran-iska Urich geführte Aktion zugunsten der im jüdischen Blindeninstitut in Wien nntergebrachten Kinder aus Polen hat durch die Gründung des Hilfsvereines für blinde jüdische Kinder einen stabilen Charakter angenommen. Nach Genehmigung des Vereinsstatutes seitens der Behörde fand vorgestern unter Vorsitz des Senators B o d e k die gründende Generalversammlung statt. Der Verein wird in Zukunft außer der weiteren Fürsorge für die im Wiener Institut weilenden Kinder an den Bau eines Internates für die bereits erwerbsfähigen Zöglinge schreiten. Zwecks Aufbringung eines Teiles der Geldmittel weilt, wie bereits berichtet, die Sejmdeputierte Rosa Melzer in Amerika. In das Präsidium des Vereines, der seine Tätigkeit über ganz Polen ausdehnen will, wurden Primarius Doktor Zion. Direktor Ora lisch und Frau Urich gewählt. * Eine sephardische Erinnerungsshnagoge in Paris. Zur Erinnerung an die im Weltkriege gefallenen sephardischen Juden wird in Paris die Errichtmtg einer großen Erinnernngssynagoge geplant. Das Patronat über den Tempelban' haben der Präsident der Republik Millerand, Ministerpräsident P o i n c a r e, Marschall Fach und die Großrabbiner von Frankreich und Paris übernommen. Der bekannte spanische Senator Pulido (zurzeit Vizepräsident des spanischen'Senats und durch seine jahrelangen Bestrebungen, wischen den sephardischen Juden und den Spaniern wirtschaftiche und politische Beziehungen herzustellen, bekannt), hu. an Herrn Rozanos, dem Präsidenten der jüdisch-orie"talsi^>'n Kultnsveremignng Paris, ein warmes Glückwunschschreiben erichtet, in dem er den Plan dieses Synagogenbaues warm egrüßt und sich selbst mit einem namhaften Geldbetrag beteiligt. (I. T. A.) * Der Tod in der Großstadt. Charles Dickens fragt in seinem Roman „Di > 'Pickwickier" bei einer Beschreibung deß Landleibens: „Wer könnte Tag für Tag gesund aus Ziegel- und Schieferdächer s brn — im der Stadt leben, wenn'er die gesundheitlichen Vorzüge des Landlebens erkannt bar? An diese Worie knüpft eine Genindheitsstatsitik an, die die L'bensverhältnrff« Londons beleuchtet. Als spezielle Todesfälle der Großstadt sind in einem' J^hre zn verz ickmen gewesen: 47 Todesfälle durch di« Eleftriis'cklk. 1795 twrdi das Automobil nnd 14 durch Verhungern. Es könnt« nactzoewieseu werden, daß der Monat Mai ste's dr« hockst' Selbstmord Ziffer sowohl bei Mninern wie bei Frauen aufweist. Di« ansteckenden üblichen MassenerkrankuMen stufen sich nach ihrem Gesährlichkeirsgrad für die Großstadt f.olgend«rm"^n a>b: Maiern stnd afährlicher als Scharlach, di« Grippe schlimmer als Dwh'chcritis. Nur in einer Hinsicht ist der Gesundheitszustand der Großstadt besser als ans dem Lande, bei den Nm geborenen sind nämlich die Todesfälle aus dem Lan.de zahlreicher als in der Großstadt. Das linst aber nnr an der besseren Gobur'shilfe und Sä'io>llngSfürsorge de« Großstaw. die ans dem Lande noch ara im Rückstand ist. * Das Jubiläum deö amerikanisch-jüdischen KantorenverbandeS. Am 3. Februar beginnt in New-Pork, wie unS von dort berichtet wird, aus Anlatz des 30jährigen Jubiläums dcS amerikanisch-jüdischen Kantorenverbandes eine Serie von Festlichkeiten. Schon jetzt erhält das Präsidium des Versandes von den Spitzen der Behörde der Republik Glückwunschschreiben. Präsident C o o l i d g e begrüßt den Verband in einem sehr herzlich gehaltenen Schreiben. Staatssekretär Charles E. Hughes schreibt unter anderem: Ich begrüße den Kantorenverband von Amerika und will gerne hoffen, daß Sie mit Ihrer Bemühung zur Schaffung eines Fonds für stellenlose und arbeitsunfähtg gewordene Mitglieder Ihres sehr geschätzten Berufes erfolgreich sein werden. Ihr Stand hat sich ein großes Verdienst erworben, indem er die w e r t v o l l st e n, unschätzbaren Traditionen a l 1 j ü d i s ch e r Musik und der Ethik des iüdischen Glaubens verewigt hat. Louis B r a n d e i s drückt in seinem Begrüßungsschreiben die Zltvcrsicht aus, daß auch die Chasanim, die jüdischen Kantoren, ihren Anteil an dem Ausbau Palästinas haben werden. * Phosphoreszierendes Haar, die neueste Damenmrde. Eine italienische Gräfin, die zu vorübergehendem Aufenthalt in London weilt, darf sich rühmen, den Engländerinnen zu einer ireuen Modetorheit den Weg geebnet zu buben Sie erschien kürzlich auf einem Ball, und mit Staunen sahen die Anwesenden, daß, während sie tanzte, auf ihrem Kopfe ein heller Silber-

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