Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1778 (27.1.1924)
- Date
- 1924-01-27
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Wien. Sonntag_ Die Kunst in den Wiener Wohnbansbauten. El»« Mtion der Wiener Gemeindeverwaltung. Wer einmal Gelegenheit gehabt hat. d'e Wehnhau spanten der Gemeinde zu besichtigen, oder wer gar selbst e:ne W-Hrmng in diesen Wr-hnhä"sern besitzt, der wird ohne weiters erkennen, das; die Losung des Problems a's recht pettingen gelten kann. Ans verbältnksmäßig k'ein-em Rarmre ill a^es auss zreckmäßiofte hergorrcktet, Dohnranm. Küche und alle N'benr ri^e praktisch gebaut. Neurall Licht und Lust, die berüchtigten Licht- Hofe verschwunden, die Hö'e große Ra'en- und Kinderittieip^ätze. gemeinsame Dirtschafisronm-e, Lesehallen. Bibliothek'n, k rz, Wob-nhanslm't"n. die mit allen modernen b'Eni'chen Behelfen ausgcstott't sind. Aber a"ch mit solchen, welche den g e i st i g e n Bedürfnissen der L ausbewohner vollauf Rechnung tragen. Tios-r Dobnbausbanten haben bisher — ganz natürlich — das praktische, täg'iche Bedürfnis im Auge g-habt. Nun geht die Gemeinde einen Sch'v'tt Weller, >ie beabsichtigt in ihren Wohnbauten auch der Kunst einen breiten Svielroum zu gewähren. Die Gemeindeverwattuna hat nämlich beschlossen, daß bei den zahlroichen, von ibr im I'dre 1924 zu err'chtenden Wobnbausbaut-n und öffentlichen Anstalten, wie Kindorübernahmsstelle, Jugendheime, Kindergartenge'äude, Lehrlingsheim. Schulgebäude für Lehrlinge und Lehrmädchen u'w., auch die Wiener K ü n st l e r; u m Wort kommen sollen. Ganz besonders wird es bei den Wohnhausbanten zntreffen. Die Gemeinde hat bereits dem Architekten Professor Theiß den Ban ein.'r großen Wohnbausau läge in Favoriten übertragen, der 150 mittlere Wohnungen umfassen w'rd und nach allen Geboten der Wohnnngshygiene errichtet werden soll. In diesem C-ebäude werd'n, sowie übrigens auch in den übrigen größeren Wohnhausanlagen der Gemeinde, eigene Kindergärten eingebaut, die den Kleinen nicht nur Unterricht und Erbolnng, sondern auch einen gewissen Kunstsinn vermitteln sollen. Es wurden da^-er Entwürfe des Malers Zer ritsch an gekauft, d'e einen schönen Wandschmuck für dieses Kinderheim bilden. Es handelt sich um Fresken, die spielende Kinder, Blumen und Pslan-en, Tiere usw. darstellen. So wie i-n diesem Kinderheim, wird die Gemeinde Wien überhaupt besonderen Wert darauf legen, daß in allen ihrenWohnhäusern auchdieKunst zurGeltnng kommt, und es werden besonders die Le^-ehallen, die es ebenfalls in den grm'rren W-chnhansbauten geben wird, mit solchem künstlerischen Wandschmuck versehen. Dadurch wvrd einer brS jetzt im Wohnhausbau völlig unbekannten Richtung die schon längst notwendig Geltung verschobt. Hand in Hand mit die'er.Kunstsorderung beim Wohnhcmsbam werden schon in nächster Zeit eigene Preise für die besten Arbeiten auf den Gebieten der darst e l l e n d e n K u n st, der D i ch t k u n st und der M u i i k verliehen werden. Die Begutachtung dieser Arbeiten und die Zuerkennnng der Preise wird durch ein eigenes Pveisvich'erkollegium erfolgen, das sich aus den bekanntesten Künstlern zuifammensetzcn wird. Das Modell einer Wirts-^aftsnische. Der Gemeinderot hat die P^äne für e'n Mittelstands- Wohnhaus genehmigt, das in der Hernalser Haoptstraß«, Ecke Bergsteiagasse, errichtet werden wi>Yd. Das Stadtbanamt hat ein naturgetreues Modell im Arkadenhcife des Rathauses zur freien Besichtigung errichtet. Dieses Modell bringt eine sogenannte W i r ts ch a f t s n i - ch e. die in Verbindung mit einer Badenische die möglichste Berücksichtigung der hauswirschaftlichen Arbeiten im Auge hat. Ein Plan, betitelt „Taylorarbeitsvorgang beim Zubereiten und Fortran men der Mahlzeiten", zeigt das Bestreben, die mit dem Kochen zusammenhängenden Arbeiten möglichst zu vereinigen und dadurch die notwendigen Apparate und Geräte zweckentsprechend anzuordnen. Keine Ilebersicht. kc'ne „Blütenlese", die das Krasseste hervorsncht. Die Fälle, die ich anführe, sind nicht sorgsam ansgewähll, sind nickt zusammengesteNt, um irgend e'was zu „beweisen". Sie sind das Zufallserg^bnis weniger Wochen, die Fälle, die gerade zu meiner Kenn'nis gekommen sind, neben denen es ungezählte Hunderte gibt, mit tllnen andere sich befaßt, und ungezählte tausende, von denen n'emand erfahren hat. Man spricht so viel von der Prunkvill-a des jüdischen Schieber? und Finanzmagnaten, von der Pracht, dem Luxus. der unsinnigen und strafwürdigen Verschwendung, von den handgestickten Tapeten, den hallenartigen Badezimmern, den W. C. Staatstelephon — ich möchte e'nma! von Wohnung-elend des GhelloS erzählen, unseres Ghettos, jensti'S des Donaukanals. Von oTkn Fällen, die ich anführe, ist auch nicht einer schlimmer dargestellt als er sich verhält. Nich!s als Unwesen'lickte Details sind geändert, die nackte Wirklichkeit steht hinter dem Bericht. Das muß besonders betont we-den, sonst kannte die Schilidcvung der Magazins-wchnung leicht als- Phantasie äwgesehen werden. Ehemals diente der große Raum, zu dem man direkt, ohne Stufe, ja ohne Schwelle, aus dem schmutzigen, winkligen Hof gelangt, zur Aufbewahrung irgendwelclwr Maren. Aber Waren sind kostbar. Sie leiden nn er der Feuchtigkeit, die über Manneshöl-e an den Wänden hinaufkriecht. Also mochte man das Magazin zur Wohnung — im glorreichen Herbst d's glorreichen Jahres 1914. Zur Wohnung für Flüchtlinge selbstverständlich. Augenblicklich, das kreißt seit einem Jahre, haust hier ein Talmndisi mir seiner Fa,im-l,'.e. DaS Zimmer mach: den Eindruck c ner H.hle. Draußen lächelt ein Vorfrühlings: ug, einer jener Hellem Tage, deren leiser verhaltener Iuibel das Gemüt mir neuem Vertrauen zum Leben erfüllt. Im Zimmer Wiener Mornenzeitnnft. . . V. Jer Noviftifche Parteirat. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich teilt mit: Heute Sonntag, halb 3 Uhr nachmittaaS, findet im Zionistischen Bureau, 2. Bez, Taborstraße 20 a, die Sitzung des Parteirates statt. Tagesordnung: 1. Konstituierung. 2. Bericht des Landeskomite-8 (Referent Tr. Lowcnherz). 3. Bericht des Keren Hasessod (Referent Dr. Otto Abel es). Jene Delegierten, denen wegen verspäteter Anmeldung die Leg'.tima-ioncn näht zuarschickt werden konnten, können dieselben vor Beginn der Sitzung beheben. Für das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich: Tr. Jcsef L ö w e n h e r z. Ing. Robert Stricker. ist es so dunlrl, daß man im Hin'.crornnd nur mühsam die Gegenstände erkennt und selbst be'm Fenster kann man nicht ohne Schwierigkeit lesen oder eine Nadel einfüdeln. In diesem Lech lebt der Talmudist mit Frau, zwei Kindern und Schwiegermutter. Neben den Beiten steht t.n znsammengeklappt es Gestell. Da „wohnt,, ein „Zimmerherr", b den'et mir die Frau, natürlich auch ein Osljude. Der Mann verdient mit Priva stunden, weil er „kein Organisierter" ist, nicht mehr als 180.000 Kronen wöchentlich. Die Frau erwartet ihr drittes Kind und ist lungenkrank. Bon den Kindern befindet sich das ältere autzenAichl'ich im Spital, wo ihm warmherzige Menjcken den ArrfcMhcck ermögibichon, das jünger« leidet an schwerer Rachitis. Da es sich auf seinen krummen Beinchcn noch nicht recht aufrecht halten kann, schiebt sich das kleine Kerlchen aus 'dem Bauche liegend über den unbeschreiblich schmierigen Bretterboden hin. krabbelt da in einen Hansen Lumpen, purzell dort in ein auf dem Boden stehendes Emailwaschbecken und wird mit unermüdlicher Geduld von der Großmutter immer wieder aus einer neuen Gefahr errettet. So finster es im Zimmer ist. sieht man doch, daß eine beispiellos Unordnung und ein einfach sagenhafter Schmutz herrscht — gute Hausfrauen mögen sich in ihren freundlichen Küchen und hellen Zimmern, die Lust, Licht, Sonne kennen, darüber weidlich entrüsten. Fetzenbinkel. Kochgeschirr, schmutziges Papier, zersetzte, graubraune Wäsche, das alles liegt zwischen den Betten, dem kleinen Eisenofen und einer Kiste (dem gesamten Mobiliar) auf dem Boden, muß sogar dort liegen, da es keinen Kasten gibt und die Feuchtigkeit der Wände jedes Aufhängen von Kleidungsstücken verbie'et. Die Men-schen, di« in dieser Höhl« Hausen, gehören nicht seit jeher zum Lumpenproletariat. „Meine Tochter war die Präsidentin vom jüdiscl>en Damenverein" jammert die Alte „meine Tochter war die erste Dame der Stadt . . Die Tochter lächelt als dächte sie eines Traumes. Gleich in der Nähe ein jüdisches Handwerkerheim. Der Hausflur »eigt hohe Kreuzbogenwölbung, eine Erinnerung an die Glanzzeit des alten Patrizierhauses. Das einzige Fenster des Arbeitsraumes, an den sich nur noch eine winzige Schlaf, und Küchenkammer schließt, geht in diesen hochherrschaftlichen Flur. Auch in der Werkstatt« herrscht tiefes Dunkel, und vom Morgen bis zum Abend sieht man den Regenschirmmachcr mir seiner Frau und seiner Tochter beim Lampenschein über die Arbeit gebückt sitzen. Er hat immer nur Reparaturen zu machen. „Wie ein neuer Regenschirm und wie der freie Himmel auSsieht, weiß ich nur mehr auS der Erinnerung", stuft der Mann. Die Wohnung im ersten Stock eines neueren Hauses wäre nicht so schlimm. Aber in den zwei Zimmern samt Küche wohnen elf erwachsene Personen, drei Familien, Bvüder, Schwestern, Vellern, Cousinen, alles bunt durcheinander. Das ist ganz lustig, wenn es sich auf der Schntzhütte so triftt. Aber Tag um Tag, Nacht um Nacht zu dieser Gemeinschaft gepreßt zu sein, ohne Möglichkeit des Alleinseins, ohne Möglichkeit des EigenlebenS — es ist die Hölle, lind da ist eine kleine, blonde Bnkowinaer Jüdin, die weiß noch ärgeres zu erzählen. Sie wohnt mit ihren beiden Söhnen zur Un'ermiete in einem schmalen, dunklem Kabinett, das Schlaf-, Wohn-, Speisezimmer und Küche ist. Wenn man deS Nach:s in die Kammer «intreten wollte, mußte erst der „Schlafe-Patent", wie die Frau sagt, zusammengeklappt werden. Auf diesem improvisierten Bett schläft sie (wahrscheinlich nicht „patent") im Luftzug, der auch durch daS schlech'jchließende Gangfenst.'r und die klapprige Türe dringt. Ja, die jüdischen' Kriegs, ewinner! Im Zimmer des alten Lstjuden steht ein Bett, ein kleiner Emailwasch isch, zwei Kisten, auf denen allerhand Hans^erät liegt, und etliche wackelige Sessel, nebst einem winziigen Oefchen. Don haust das Ehepaar mit vier Enkelkindern. Tie beiden Kabinette sind angeblich bester möbliert. Aber man kann jetzt nicht ein'.relen, die „Fräuleins" schlafen noch (es ist elf Uhr vormittags). Ter Alte sieht verlegen zur Dene. wenn er von diesen Mieterinnen spricht. In seiner Heimat als angesehener Kaufmann hat er sich Wohl auch nicht träumen lassen, daß er Mädchen dieser Art Unterk:-nft geben wird. . Gleich un'er dem Dach hanst in einer schmalen Kammer ein Ehepaar mit einem en zückenden kleinen Mädchen. Das Zimmerchen ist nicht heizbar, in eisiger Käll-e sitzt die junge Ostjüdin vor der Nähmaschine und näht Schürzen. Sie muß Arbeit für Geschäfte übernehmen, weil der Mann seine Stellung verloren hat. Cs ist schwer, allein den Haushalt aufrecht zu erhalten, aber dennoch gilt die Haup sorge der Frau nicht dem Verdienst, sonde.n ihrer „Wohnung". Dian will sie ihr wegnehmen, di« Hanp'mieterin — auch e'ne Jüdin! — empfindet das Geklapper der Nähmaschine lästig. Wohin soll sie sich wenden, was soll aus ihn'n werden, wenn sie obdachlos werden? Und während sie emsig weirernäht, rinnen T'.änen der Verzweiflung über ihre blasst Wagnem Tie Wohnung des „Wundcrrabbi", düster und feucht wie alle di« Parterrewohnungen des großen Mierhaus s, ist außergewöhnlich nett gel-alten. Das mag nicht so leicht sein, denn _27. Jänner 1924 Nr. 177t in dem mäßig großen Zimmer famt kleiner Äödje trwhnen zeh, Personen. Die munteren Augen der llngen Frau Nabhinneri, lächeln un'er ihrem tief über die Stirne fallenden falsche, Scl>ei:el. wenn man sie fragt, wie sich das eirllellen läßt. „DH beste Einteilung ist der Mtkß" saat sie und und die Töchter, Söhnt und Schwiegersöhne nicken Beistll. Dabei wird der Rabbi na» türlicf) fleißig ausgesucht und bei den Mahlzeiten sitzen W, Männ-r um den großen Tisch, während sich die Frauen, alten Brauch gehorchend, in die Küche zurückziehen. Die Türe diese, Küche, die auf den Gang fahrt, steht fast immer offen. — Leut« die nick's ibr eigen nennen, fürchten sich nicht vor Dieben Man spricht in Wien noch immer von den lästig^ Flüchtlingen, die den Boderständigou die besten Wohnungex wegschnappen und am Wohmmoselend Schuld tragen. Soga, weh wollende und gutherzige Menschen hegen diese Ansicht Vielleicht dächten sie anders, wenn sie einmal, ein einzip-smal die Flüchttings^uartiere besuchen wollten, die das Ghetto birgt um ganz zu schweigen von den Elendswohnungen der „Vor« st^dt". Aber zu diesem Spaziergang werden sich, fürchte ich n-cht einmal die Wohlwollenden und Gn'herzigen entschließen können. Denn cs ist viel beguemer, vom „jüdischen Schielber" gn erzählen, als den Tatsachen ins Gesicht zu sehen. K. M. Lmlettnng ttet Ng^ahns HneAzAge nach dem Sstbahnhof. Tie Generaldirektion der. österreichischen BundeSbahnev teilt nnt: Infolge der Sperre des Wiener Nordwestbabnbofes werden ab 1. Februar d. I. sämtliche Nordwestbabn- Sch n e l l- und P e r s o n e n z n g e über f^loridsdorf- Zedlecsdorf von nnd nach Wie,l-Nordbahnbof ic?r^flJen' ^'o:u laichen Zeitpunkte an werden zur Entlastung des Wiener NordbabnbofeS nnd zur Erreichung günmger Lüdbahnanschlüsse alle N o r d b a h n . S ch n e I l. Züge über Sußenbrunn von und nach W i e n - O st. b a h n h o f u m q e l e i t e t. mm zwar: Zug D 20g (Wien- Nordba'mhof ab 12 Ubr 25 Min.) ab 1. Febnwr von Wien-Ostbahnbof ab 12 ttbr 20 Min. Zug.v 205 lWien-Nordbahnbos ab H Uhr) ab t. Februar von Wien-Ostbahnhof ab 13 Ubr 55 Min. ^ug D 204 lWien-Nordbabnhof an 16 Ubr 50 Min.) ab t Februar in Wien-Ostbccknhof an 17 Ubr. Zug D 206 (Wien- Nordbahnbof an 14 Uhr 25 Min.) ab 1. Februar Men-Ostbahnfcof an 14 Uhr 35 Min. _ Die öumanUären Einrichtungen der Wiener Polizei. Unter den vielen Institutionen, welche Wien aufzuweisen hat, gereicht dieser Stadt eine besonders zur Ehre: ihre Polizei. Tie Polizeibcamteu, stets liebenswürdig gegen Fremde und Anskunftsuchende, sind jederzeit bereit, im Rahmen -ihres Berufes das Wohl ihrer Mitbürger zu fördern. Die unbedingte Pflichttreue dieses Korps ist aber auch dem Staat in feiner Gesamtheit zustatten gekommen. Der Diener Sicherheitswache war es zu verdanken, wenn das vom Fieberschauer der Revolution geschüttelte Oesterreich nicht in die Klauen dieser oder jener Partei gefallen ist, welche ihre Diktatur proklamiere» wollte. AuS dem Gefühle der Anerkennung heraus hat seinerzeit eine Anzahl von Wiener Bürgern eine Anregung des Polizeipräsidenten Schober ausgeführt und durch Sammlungen dazu beigetragen, daß ein Institut geschaffen wurde, welches in der ganzen Welt einzig dafteht. Es ist dies das Wiener Pol izeispital. Es sollte erreicht werden, daß man mit einem im Dienst verunglückten Sicherheitsbeamten nicht mehr wie früher alle Spitäler abgrasen muß, um ein leeres Bett zu suchen und schließlich keines zu finden. Aus diesem Gedanken entstand das Polizeispital. Dem Besucher bietet sich in der Boerhavegasse ein Spital dar, welches sozusagen Sanatoriumscharakter trägt. Es ist in den Räumen der früheren Landwehrkadettenschule untcrgebracht und in der Verpflegung dem Rudolfsspitale angegliedert: die Behandlung der Kranken ist hervorragenden Aerzten anvertraut, welche dem Stande der Wiener Polizeidirektion angehörcn. Ein freundliches Wartezimmer, als Wintergarten hergerichtet, empfängt den Besucher und trennt die interne Abteilung des Spitales von der chirurgischen. Die Chirurgie ist mit den modernsten Hilfsmitteln ausgerüstet und besitzt zwei Operationssäle, einen für aseptische und einen anderen für septische Operationen. Der Chirurgie ist eine gynäkologische Abteilung und ein Zimmer für Wöchnerinnen angegliedcrt. Die interne Abteilung besitzt wunderschöne Räume, sonnscitig gelegen, und einen ganz besonderen Saal für Leichtlnngenkranke. Selbstverständlich ist auch diese Abteilung mit allen modernen Errungenschaften der Medizin versehen und kann in ihrer Leitung als erstklassig bezeichnet werden. Ein hervorragendes Pflegepersonal steht den Aerzten zur Seite und man kann sagen, daß hier für die Sicherheitsbcamtcnschaft und ihre Angehörigen in einer Weise gesorgt ist, die allen Anforderungen der Humanität Rechnung trägt. Mrt berechtigtem Stolz kann Wien ans dieses Institut blicken: das Polizeis p i t a l, das Jugendheim der Wiener Polizei mtb das Prostituiertenspital in Klosternenburg, sämtlich Schöpfungen des Präsidenten Schober und des Ehefarztcs der Wiener Polizei Dr. Merter, sind mustergültige Eillrichtungen. Dr. H. H. Der Konsiitt KieOW Mt der Polizei beseitigt. Tie Wiener S i ch e r h e i t 8 w a ch e harre in zwei Versammlungen die Verdreifachung oer U e be r ltu n denge b ü h r e n in d e r s c l b e n Weise wie bei den Ange st eilten der Post, des Telegraphen- und des Telephon wesen 3 verlangt und die Forderungen mit dem 12. Februar befristet. Finanzministcr Kienböck wollte die Forderung nicht bewilligen, so daß Polizeipräsident Schober, wie verlaule.e, fcoar mit .seiner Demission drohen mußte. Ein M i n i st e r r a t hat nun in Anwesenheit Schobers die strittige G c b >"> h r e n f r a g e in einer alle Beteiligten befriedigenden Weise gelöst, so daß der Konflikt mit der Sicherhei'.swache beigelegt ist