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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1778 Men, Sümiliag tttm keinen Halt macheir. Dafür sorgen, übrigens auch die Lehren des Berliner Philosophen Moses Mendelssohns und feiner Jünger, deren Tendenzen der völligen Assimilation Vorschub leisten. Denselben Zweck verfolgen auch die Regierungsmetboden des „aufgeklärten" Josef II., der beit Juden und dein Judentum wohl wenig Achtung entgegenbringt, seinen jüdischen Untertanen gegenüber aber trotzdem eine gewisse Milde walten läßt, da er hofft, auf diese Weise die Auslösung deö Judentums leichter herbeiführen zu können, als durch die brutale, herzlose Strenge seiner Vorfahren. Schließlich kommt noch ein Moment hinzu: die franzö-' fische Revolution, die, inr Grunde genommen, die soziale Ergänzung und Krönung des durch den geistigen Umsturz begonnenen Werkes darftellt. Sie vollendet die Umwälzung in der Denkungsart des 18. Jahrhunderts, sie spricht zum ersten Male die völlige Gleichstellung der Juden mit den übrigen Bürgern des Staates aus und tritt für die Assimilation in die Bresche. Die Summe all dieser Umstände wirkt bestinunend auf die LeLensgestaltung der Wiener Judenschaft. Ihre gebesserte soziale Stellung läßt sich mit dem alten Judentum nicht mehr in Einklang bringen. Der Verfall ihres Judentums, das jeder inneren Stütze entbehrt, geht Hand in Hand mit ihrem sozialen Aufstieg. Die einst so eisrig besuchten Betstuben der Familien Oppenheimer, Wertheimer und anderer vornehmer Juden stehen nun vereinsamt und verlassen da, die wenigen Airdächtigen — meist sind es erst vor kurzem zum Aufenthalt zugelassene oder nur vorübergehend in Wien weilende Volksgenossen — versammeln sich in einem Bethanse, das in dem armseligen Zinshaus zum „weißen Stern." eingerichtet wird. Die Wiener Juden, des schirmenden Daches der jüdischer: Gemeinde durch die Staatsgewalt beraubt, sind allen Stürmen schutzlos preisgegeben. Sie entbehren m diesen Zeitläuften mehr denn je des engen Zusammenlebens in der Gemeinschaft, der jüdischen Schule und der lenkenden Hand des geistigen Führers. Der seinerzeitige Verzicht ans das jüdische Gemeinwesen erweist sich als ein viel zu hoher Kreis für das Recht des Aufenthaltes in Wien. Mitteilunsen aus dem Publikum. %Jeppichhau$ Sftobelhaüs e/e/ekeux» 9itefbn:63-5-30Jerie fWlenX $}auemmarkM2r'M Keine Filialen in Wien} Wäsel&esalon Augenfeld Telephon 6*944 idtrt gtoc*k, *i.m Genia Lazarowicz Willy Monaster Boryslaw Boiyslaw Verlobte Jänner 1424 Steffi Lichtenstern Max Diamant Wien, II. Wien, X. Verlobte Wien, im Jänner 1424 aSteite* Jede mondäne Dame bezieht ihre Seide vom ~ Richard LeBtner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Preisei TEPPICHHAUS DRACH & Co. 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Leo Hofer Verlobte Wien, Im Jänner 1424 i—-- Zur Vermählung unserer Nichte Fräulein Dora Karliner mit Herrn Samuel Zlrler In Stanislau gratulieren wirherzlichst Upa Schärf und Frau Wolf Karliner Chemnitz Chemnitz Meier Karliner und Frau« Wien Möbelfabrik J. Spira Wien, fit, SltMenmie 1—3 IKcdr* Cflhwatghnl.foraca^ m. KAI S E RSTRAS SE-111 -113 -115 GROSSE) KODEU.OKKASION VORNEHME KLEIDER / KOSTÜME / MANTEL / PELZE 50 PROZENT ERM AESSIGTE PREISE Wien, 7. Bezirk, Neubaugasse Nr. 26, Schwächeres Froftwetter. Gestern morgens war es in Oesterreich meist trüb, nur am Ostrande der Alpen heiter. Der Frost hat weiter abgenommen. Die Morgentemperaturen erreichten nur im Grazer und Klagenfurter Becken minus 10 Grad. Mittags stieg die Temperatur nahe an null. (Wien minus 1 Grad.) Voraussage: Im allgemeinen heiter, mit Neigung zu Morgennebel oder niedriger Wolkendecke, morgens starker Frost, bei Tage stark gemäßigt, vielleicht ein wenig über Null. 27. Jänner 192-1 Seite. 9 Die amerikanische AnMandrrnngRmote. Auch Pogromwaisen zurückgewiesen. New'Aork, 25. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen- Leitung".) Um jüdischen Kriegs- und Pogromwaisen aus Rußland den Aufenthalt und die Erziehung bei jüdischen Familien in Amerika zu ermöglichen, wurde in vielen Fällen die Adoption der Waisenkinder durch amerikanische Bürger vorgenommen. Nim ist aber die Eintvcmdsrungsquote für Rußland bereits erschöpft. Letztens sind 13 solcher adoptierter Waisenkinder in Ellis Island angekommen. Wie I. T. A. ans Mw-tzork meldet, wurde die Abweisung dieser eingewanderten Kinder verfügt, miit der Begründung, daß ihre Adoption tarnt) amerikanische Bürger erst nach ihrer Einschiffung nach den Vereinigten Staaten erfolgt sei, sie somit der russischen Quote zncpzählt werden müßten. Bon Anfang Juli bis Ende September 1923 find laut den Mittieilnugen der eben erschienenen offiMlen „Labonr- Review" 22.479 jüdische Immigranten in Amerika eingetroffen. In der gleichen Zeit wanderten etwa 50 jüdische Immigranten wieder cm8. Es wird festgestellt, daß die Zahl der jüdischen Rückwanderer im Vergleich zn anderen Nation-' äußerst minimal ist. Die Banken gegen die Einwarrdeuungsbeschränkungen. Rew-Aork, 25. Jänner. (Tel. der „Wiener iNorgen' jiiiuucj".) Irin Bericht des amerikanischen Baukierv e r e i n s sprich: sich gegen die Beschränkung der Einwanderung ans. Dadurch würden die Löhne und somit uncy die Preise der anrer: konischen JndustneerPUgnisse ") ö I) t und die Konkurrenzfähigkeit der Vereinigten Staatel beeinträchtigt. In dem Berichte wird außerdem gefordert, daß Yie Einwanderungsbeschränkmdgen für die Landwirtschaft salleo gelassen werden, da in den Vereinigten Staaten an gelernten Landwirten kein Ileberfluß besteche. Die Zndenmission. Die Seelensängerei in Palästina und Polen. Ans London meldet I. T. A.: Der Sekretär der Kirchenmission unter den Juden, Pfarrer A. I. Culwick, sprach iu der Jahresversammlung einer Londoner Mission?- gruppe über die Mi ss i0 n st ät i gkeii in Palästina. Wie er erzählte, wird iti der Cchristkirche zu Jerusalem jede Woche ein Gottesdienst in hebräischer Sprache abgehalteu, dem angeblich vierzig bis fünfzig Juden beiwohnen. Man versucht auch, die Missionstätigkeit in I a s s a, das durch seinen Häuser- und Hafenausbau immer mehr an Bedeutung gewinnt, auszubreiten, indem dortselbst Schulen errichtet werden. Der Redner wies auch noch aus die Arbeit in Polen mit seiner ungeheuren jüdischen Bevölkerung hin, wohin, wie er sagte, alle zur Verfügung stehenden Missionäre und Gelder geschickt werden müßten. Antisemitische tzxzesse in rumänischen Dörfern. Klausenburg. 25. Jänner. (I. T. A.) In den letzten Tagen ereigneten sich in der Umgebung von Klausenünrg antisemitische Un ruhest. Die Dorsjugend wurde von Klauseubu rger Studeuteu;,u Exzessen gegen die jüdischen Dorfbewohner aufgehetzt. Im Dorfe Egeresch drangen die Burschen in zahlreiche jüdische Häuser ein und richteten g r 0 ß e n Schade n an. Die Wirr wurden diesmal nicht von einem Militärgericht abgeurteilt, obwohl für solche Verbrechen der Ausnahme zustand besteht, sondern vor ein Zivilgericht gestellt, das sie auf freien Fuß gesetzt hat. Ser Pogrom in der Ukraine. Ein Dementi der ukrainischen Regierung. Airs eine -Anfrage bei der Berliner Sowjetgesandi« schasr über die Unruhen, welche nach den Meldungen der Presse in mehreren Städten stattgefunden und mehr als' hindert Opfer gefordert haben sollen, wird dem Berlinei I. T. A.-Vertreter mitgeteilt: Es liegen offiziell« Berichte der NegiertrrgZ-behörden in der Ukraine vor, die. erklären, alle Meldungen über stattgefundene Un-' ruhen rr-nd Pogrome seien von Anfang bis gu Ende e r> sunden. Der Kamps gegen die Univerfitöt Fronkfnrt. Berlin, 25. Jänner. (I. T. A.) In der letzten Sitzung des preußischen Landtags wurde die Frage der F i« nanziernng der im Jahre 1913 gegründeten Frank» furter Universität erörtert. Die den Rechtspar«, teien angehövigen.Abgeordneten Professor Kahler uni Professor Br 0 dt traten für die A u s l ö s u n g der Frank i furter Universität ein, die ihnen zu liberal fei. DeL ehemalige Ku-ltuSministe.r Haenisch (Sozialist) führt,, aus. die Universität Frankfurt sei keineswegs antiuationa^ sie sei den Rechten mir unbequem, wett sie re pst' blikanisch sei. Die Frankfurter Universität sei eiif Kulturwerk ersten Ranges. Der Finanzierungsantrag' tourde chieraitf angenommen. Der Mörder Rovosat. Neberstellung nach Steinhof. Ter wegen Mordes an Karger in der Hast des Landes« geeichtes befindliche Rudolf Novosad, gegen den das Strafverfahren wegen Geisteskrankheit eingestellt worden ist, wurde vorgestern in die Landesheilansialt Steinbof Überführt.

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