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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1778 Wien, Sonntag Wiener Moraenzertung. Seite 7, 27. Jänner 1924 Die Juden in KarpathömMndi Mre wirtschaftliche und kulturelle Lase. Wer denkt an die Mische Naticnak' bibliothek? Die Liste dev unentbehrlichen Werke. Di« Tatsache, daß wir w Jerusalem eine j üd i s che Kationalbibliothek besitzen ist bis heute der Judenhsit eigentlich viel zu wenig zum Bewußtsein gekommen. Das Vvlck oes Buches, wie dir Juden genannt werden, müßte feinen Stolz dareinsetzen, seine NationaMbli-othelt zur schönsten und größten der ganzen Welt zu gestalten. Kein Volk iist so befesen in so vielen Sprachen wie das Misäx, kein Volk hat so vie>^ — manchmal überlrivbene — Achtung vor dem Buche und seines verfügt über so reiche Dücherschätze. Und doch umfaßt bisher der gesamte Bestand der NationaGMochek nicht mehr als 60.826 Werke mit 72.059 Bänden. Dieser Bestand wurde durch mühsame Arbeit ciuzÄncr zustande gebracht. Erst im letzten Jahre konnte die BMiothok größere Neuerwerbungen vornehmen; sie erwarb 9517 Werke mit 12.250 Bänden. Die Abteilung für j ü d i s ch c W i s s e n s ch a s i und Litera-- t u t umsaßt etwa 34.000 Bänd e, davon in hebräischer Sprache 22.775. in Mischer 1515 un> in anderen Sprachen 9036. DedeM man, daß das Gebiet, welches diese Abteilungen ersaßt, ein ungehouer großes ist und daß eine fast unübersehbare Zahl von Publikationen ans diosoni Gebiet erfolgt ist, so ist dieser Bestand der Nationalbibliothek, welche gerade auf bent Gehieie jüdischer Wissenschaf- und Literatur in der ganzen Weilt die vollständigste Sammlung von Publikationen haben müßte, geradezu be>chc»mend Kern Schuld daran trägt die Judenheit. welche sich nicht bewußt ist. was es bedeutet, eine Mische Nationalbiblimhek in Jerusalem zu besitzen. Die Bibliothek braucht aber gerade deshalb, weil sie dazu ansersehen ist, die Stndimbibliothok für die neue Universität in Jerusalem zu werden, eine Ausfüllung ihrer Bestände aus allen Gebieten der Wissenschaft. Der gegenwärtige Bestand ans diesen Gebieten ist folgender: Bibliographie und Zeitungswissenschaft 969 Werke mit 1301 Bänden; Geographie 399 Werke in 685 Bänden; 1836 GeschichtSwerke in 2803 Bänder:; Soziologie, Wirtschaftspolitik und'Gesetzeskinde 2280 Werke in 2728 Bänden; Philologie 791 Werke in 921 Banden; Literatur und Dichtkunst 4490 Werke m 6037 Bänden; Dl>eologie 545 Werke in 729 Bänden; Philosophie und Pädagogik 2354 Werke in 2518 Bänden; Technische Literatur 265 Werke in 514 Bänden; Werke über Kunst 710 in 989 Bänden; Mathematik und Astronomie 357 Werke in 419 Bänden; allgemeine Naturwissenschaften 188 Werke in 268 Bänden; Mineralogie, Zoologie und Botanik 278 Werke in 307 Bänden; Land- und Forstwirtschaft 238 Werke in 912 Bänden; Phiffik 395 Werke in 519 Bänden; Chemie 396 Werke in 448 Bänden; 1914 medizinische Werke in 2969 Bänden. Die Bibliothek besitzt eine verhältnismäßig große Zahl von Unika, wertvolle Handschriften und dergleichen. Es seien nur ertväbnt, daß sie noch zur Zeit ihrer ersten Anfänge vor etwa dreißig Jahren, lange bevor Prof. Schächter seine große Entdeckung von Dokumenten in der G e n i s a in Kairo gemacht hat, aus dieser Genisa eine Anzahl von Dokumenten erwerben konnte, die von großer kulturhistorischer und literarischer Bedeniung sind Die Genisa-Fra gniente. die sich in der NationalbMiothek befinden — darunter Bruchstücke aus Saadja Gaon. Maimonides und andererr —' stellen eine kleine, aber geschlossene Uebersicht über alle Arten der Genisa-Fragmente dar. Unter den Dokumenten befinden sich einige zwischen 1050 und 1150 geschriebene Briefe, die aus die Geschichte der Jttden in Aegypten, Palästina und Syrien ein ganz neues Lich>t werfen. Besonders interessant ist ein Brief der karaitifchen Gemeinde in Jerusalem an ihre Glaubensgenossen in Kairo. Alle diese Sckiätze könnten noch um ein Vielfaches vermehrt werden, wenn das jüdische Volk stets daran dächte, daß eS seine geistigen Schätze an dc>m Ort, der sein geistiges Zentrum bildm soll, konzentrieren Miß. Andere Völker sind sich über die Bedeutung der jüdischen NationaiMbliochek völlig im •»nrr»n jn**nfs i'i ren pni'’! MENORAH [LLV5TR ATED MONTHLY FOR THE JEWtfH HOME Ilumtr MomatochriftFOr Die Jüdische Familie DARF IN KEINEM JÜDISCHEN HAUSE FEHLEN BEGÜNSTIGTER BEZUGSPREIS FÜRABONNENTEN DER WIENER MORGENZEITUNGJÄHRLICH 100.000 KRONEN * BESTELLUNGEN AN DIE ADMINISTRA¬ TION DER „MENORAH“, WIEN, IX. BEZIRK, BERGGASSE 31 ODER AN DIE ADMINI¬ STRATION DER WIENER MORGENZEITUNQ WIEN, II. BEZIRK, TABORSTRASSE NR. 1 In den Bergen zwischen den Poloninakarpathen u-nd der Theißebene einevfoits, dem Flusse Uz mtfo dem Howavva-GebirgSstock andererseits, in jenem jetzt der Dschecho-Slowakei zugeihörigen Gebiet, welches Karpaihorußland genannt wird, wohnen etwa 120.000 Juden. Sie bilden etwa 20 Prozent der Gesamtbevölkernng. Ihrer wirtschaftlichen Struktur nach unterscheiden sie sich wesentlich von den Juden der angrenzenden Gebiete. In ihrer überwiegenidM Mehrheit sind diese Kvrpathenjnden Handwerker und 35 bis 40 Prozent von ihnen sind in der Laudwivkschaft tätig. Unter dem ackerbautreibenden Toll der kavpächomssischen Juden gibt es zwei Kategorien: Landwirte mit eigenen: Bodenbesitz u-nd landwirtschcvftiliche Lohnarbeiter. Das Erträgnis der landwirtschaftlichen Tätigkeit der Kavpothenj-uden ist gering, wie denn überhaupt die wirtschaftlichen Verhältnisse der Juden in Kavpathovußland durchaus nicht die basten sind. Der handwerktveibende und ackevöautreilb-onde Teil der jüdischen Bevölkerung, welcher 60 Prozent der gesamten Judenlschaft in diesem Gebiete mnfaßt, lebt in sehr dürftigen Verhältnissen. Die Bodenbesitzer könnten von ihrem Ackerland noch ihre Exikstenz finden, würde nicht mangels entsprechender landwirtschaftlicher Ausbildung ihre Mechode der Bodenbearbeitung noch -ganz primitiv sein, ähnlich der der umwohnenden ruthenischen Bauern. Die Lage der jüdischen Landarbeiter und Taglöhner könnte sich im Rahmen der gegenwärtig in Karpathorußland in Durchführung befindlichen Bodenreform bessern. Von der Regierung wurde bereits zugesagt, daß die .Juden in KarPaiho-- vußland elb-entso mit Boden beteilt werden sollen wie die anderen Bevölkevunysschichten. Außerdem soA die Möglichkeit gegeben werden, aus einem großen Bodemkoanplex die SiM-ung eines eigenen jüdrschenDorfes aus den Reihen der jüdischen Landarbeiter durchzufühven. Die erste Sorge zur wirtschaftlichen Hebung der jüdischen Landbevölkerung in Kavpathorutzlaikd nmß naturgemäß darin bestehen, ihre Avbeitsmethodsn zu verbessern und dadurch die Landivirtschaft rentabler zu gestalten. Die Regierrmg hat sich bereit erklärt, für zwei landwirtschaftliche Schule« den Grund und die Gebäude boiKustellen. Die Einrichtung und die Betriebskosten für das erste Jahr müssen aufgebracht werden. Wichtig für die jüdische Landwirtschaft in Kavpachovußlanid ist gerade im Zusammenhang mit der durch die Agrarreform zu gewäriigendsn Bodenzuteilung an jüdische Landwirte die Schaffung einer Organisation für landwirtschaftlichen Kredit. Ein Teil der notwendigen Kapitalien wird Wohl in der Tschecho-Sl-owakei, ein Teil auch durch die Opfevwillieike'it der in ärmlichen Verhältnissen lebenden Kavpachenjudon aufgebracht werden können, der überwiegende Teil jedoch müßte vorn Ausland kommen. Für die „Jca" und andere Mische Organisationen, deren Ziel aus die Schaffung uüd KonsvlidiertUtg jüdischer Landwirtschaft gerichtet ist, wäre gerade hier ein reiches und lohnendes Betätigungsfeld für sine Bevölkemng, die bsveits feit Jahrhunderten in der Landwirtschaft arbeitet. klaren, dafür sprechen die Schenkungen, welche ihr vom französischen Staate, von der spanischen Regierung, von Italien gemacht wurden. Die Bedeutung der Nat>ionalbibiliothek muß auch den Juden voll und ganz klar werden. Die jüdische Nation ailbibliothck in Jrrusalem stellt jetzt ein Verzeichnis derjenigen Werke zusammen, welche sie als unentbehrlich braucht. Die „Wiener Morgenzeitung" wird diese Des ideratenliste, in regelmäßigen Abständen, nab einzelnen Wissensgebieten geordnet, zum AbdMck bringen. Hoffentlich wird durch die Veröffentlichung dieser Desideratenliste der Bibliothek das, was sie unumgänglich nötig hat. zur Verfügung gestellt werden. Diese Büchenspenden sind an Dr. Nathan Korn, Wien, 16 Bez., Brunne ngasse 34» der von der Nartonalllbibliochek zu ihrer Entgegennahme bevollmächtigt ist, zu übermitteln. Horvte veröffentlichen wir ein- Reihe von Zeitschriften für Medizin und Naturwissenschaften, deren die Bibliothek dringend bedarf; dabei richten wir gleichzeitig im Namen der NationalbMiothek an alle jüdischen Aerzte die Aufforderung, ihre gelesenen medizinischen Zeitschriften der Nati-onalbiAiothek zur Verfügung zu stellen. Die Desideria der NationaGMothek an medizinischen Zeitschriften sind: Die Naturwissenschaiften, Wochenschrift für die Fortschritt« der reinen und angewandten Naturwitenfchaft, herauögsgeben von Berliner und E. Braus, Wüvzllmrg. Zentralblati für di« gesamte Hygiene und Grenzgebiote, herausgegoben von Rnbncr, Berlin. Zeitschrift für die gesamte Physikal-ischc Therapie, herausgegeben von GoDschneider, Berlin, und Dtrotzer, Wien. Birchows Archiv für pathaloaische Anatomie, herausgrgeben von Lubanton. Die Errichtung landwirtschaftlicher Schulen steht in engem Zusammenhang mit der für die Besserung des Kulturstandard der Karpathenjuden so notwendigen Fragen des Schulwesens. Die Juden in den kleinen Orten und auf dem Lande Karpathorußlands lassen ihre Kinder nicht die Schule besuchen, vielfach deshalb, weil es gar keine öffentlichen Schulen gibt und andererseits auch aus den traditionell religiösen Gründen. Die Kinder gehen in den Eheder. aber es sind nicht einmal amüaend Ehcdarim vorhanden. So ist eigentlich Karpathorußland, wo der Analphabetismus noch sehr verbreitet ist. sozusagen das klassische Land der jüdischen Analphabeten; 80 Prozent der jüdischen Bevölkerung können weder lesen noch schreiben. Nun hat sich der jüdische Schulverein für Karpathorußland die Arlfgabe gestellt, ein Schulsystem zu sckxiffen, welches sowohl den religiös traditionellen Bedürfnissen der Juden als auch ihren allgemein kulturellen Bedürfnissen entspricht und die Abneigung gegen die Schule aus der Welt schafft. Schon die Volksschule soll die Jugend ist Handwerk und Landwirtschaft praktisch vorbereiten. In den bereits bestehenden neuen Volksschulen des Schulvereins, die von zirka 1200 Kindern besucht werden, ist dies zum Teile auch schon durchgesührt. Im Zusammenhang mit der Volksschule in Tirnava besteht eine Lehrwerkstätte für Korbflechterei, der Schule in M u n k a e z e v o ist eine Schlosserei und eine Lehranstalt für Feinmechanik angegliedert. Anschließend an die Volksschulen sollen vorläufig drei Mittelschulen errichtet werden, welche ihr Hauptaugenmerk aus den Unterrricht in praktisch gewerblichen Fächern richten. Die oben erwähnten zwei landwrrtschasMchen Schulen sollen in Verbindung mit dem ganzen Schulsystem eingerichtet sein. Das Joint DiftrrbutionS Komitee hat die Lehrwerkstätte zum Teil« subventioniert. Die Verhältnisse in Karpathorußland erfordern eine weitgehende Ausgestaltung des Schulwerkes; es würden mindestens 100 Volksschulen notwendig sein, um eine durchgreifende Hebung des Kulturniveaus herbeizirsühren. Die Bevölkerung selbst wünscht dies« Ausgestaltung des Schulwesens, und trotz ihrer geringen Mittel hat sie «8 unternommen, einen großen Teil, mehr als die Hälfte der für Aufbau des Schulwerkes notwendigen Kosten auZ eigenem aufzubringen. Die tschecho-slowakische Regierung hat dem Schulweg eine Subvention von 60.009 tschechischen Kronen, Präsident Masaryk aus seiner Privatkasse eine solche von 10.000 tschechischen Kronen ausgesetzt. Wegen der ungeregelten politischen Verhältnisse in Karpathorußland kann im Schulbudget des Staates wohl erst in zwei bis drei Jahren eine entsprechende Subventionierung des jüdischen Schulwerkrs und eine staatliche Anteilnahme an dessen Aufbau erfolgen. Bis dahin sind die Juden in Karpathorußland auf sich selbst angewiesen. Allein aber können sie die so notwendige Aufgabe nicht durchführen und müssen daher an das A u s l a n d um Unterstützung ihrer zur Konsolidierung der Verhältnisse so notwendigen Arbeit hcrantveten. Me wir erfahren, begibt sich auch gegenwärtig ein Delegierter des Jüdischen Schulvereins, Herr G u tm a n n, nach Berlin, Paris und London, um mit den maßgebenden Organisationen Verhandlungen zu pflegen, damit die Arbeit für die wirtschaftliche und kulturelle Festigung des so wertvollen Karpathenjudentmns gesichert werde. Berlin. Pflügers Archiv für die gesamte Phystolvgides Müschen und Tieres, heran sgegeben von MderhM und Nolle. Zeitschrift für Anatomie und Entwicklungsgeschichte von Braus. ZentraMM für Häls-, Nasen« und OhvenheMunde von C. V. Ricken, Berlin. Archiv für Laryngologie, Otologie und Rhinologic. AeÄschviist für Mnwd- und Kieserchirurgi« und Grenz« Aediete, herausgegeben von Höherer, JnnÄbvuck. Zeitschrift für unologische Chirurgie, herausye-geben von Israel Kümmel. Archiv für klinische Chivurgie, heransgogeben von Körte, EisÄNberg und anderen. Jahresberichr über die Fortschritte ans dem Gebiet der Chirurgie (letzter Jahrgang). Archiv für Derniatologie und Syphilis. Archiv für Gynäkologie, herausgegeben von Bnns, Dörfern usw. Archiv für Psychiatric und MrvenkranDheiten. Zeitschrift für Kinde rheiMnde. herauSgegtzbcn von PinikaMein. Klinische Wochenschrift. Zeitschrift für die gesamte experiinvntelle Medizin. Biblliogvaphi« der gesamten inneren Medizin und ihrer Grenzgäbier- (letzirr Jahrgang). Archiv für orthopädische und Unfallchirurgie. Archiv für AugenheMunde, herausge-goben von Fleisch' ner (Erlan.o.'u> Frankfurter Zeitschrift für Pathologie. Beschauliche Zeitschrift, herausgegsben von vcoutem,

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