Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1778 (27.1.1924)
- Date
- 1924-01-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette I Wien. Sonniaq .Das Protokoll betreffend Fiume hat sechs Beilagen, und zwar über die Eisenbahnstation in Fiume, den Hafen, die Fiumara, die Zollstation, die Wasserleitung und die Instand» Haltung der User des Recinaflusses. Der Handelsvertrag wird am Montag zur Erörterung gelangen. Belgrad, 26. Jänner. Wie „Politika" auS Rom berichtet, wurden Ministerpräsident P a s i c und Aichenminister Rineic gestern vom König in feierlicher Audienz empfangen. König Viktor Emanuel überreichte Pasic eine mit seiner Unterschrift versehene Photographie und verlieh Rincic einen hohen Orden. Sie SaMerftändisen. (Eigendienst der Wiener Morgenzeitnng".) Paris, 26. Jänner. Das erste Sachvcrftänd'igenkoniitee der Re'-arationskommission unter Vorsitz des amer konischen Generals Da wes wird am kommenden Dienstag, das zwei» Komitee unter Leitung von Mac Ke n na am Mittwoch in Berlin eintreffen. Das Komitee D a w e s hat beute die Eisenbahnsachverständigen A c w o r t h und 8 e f e r b r e von nettem angehört und sie mit der Ausarbeitung eines Berichtes beauftragt. Sie sind außerdem eingeladen worden, sich mit dem Komitee nach Berlin zu begeben. Die Anerkenn»«« Kow?rtmhlands. O'Gradtzs Mission. London, 26. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen* -eltung".) Ranrsay MacDonald hatte gestern ein« lange Nnterrsd.mg mit O'Gradh. d?r für den englischen Botschaftcrpcsten m Meska-n ansersehen ist und bere'ts in den nächsten Tagen an der Spitze einer großen Mifsi-on nach Moskau ab reisen wirb Es verlautet, daß England nicht die Anerkennung der Brrkriees'-chu'lden als B^pbedinanng für die Wiederaufnahme der diplomati'chen Beziehungen stellen wird. Diese Frage soll erst verstandet werden, nachdem der englische Botschafter für Moskau ernannt ist. Die Frage der Anerkonmrng der Sowjetrepublik wird am 12. Februar, sofort nach dem Wie-derzu-'ammentrltt des Unterhauses, zur parlamentarischen Be-haMung gelangen. Die ZammlimsMetboden de« mazedonischen RedolnUnniknMUees. Erpressungen an der jüdischen Bevölkerung Bulgariens. Bon durchaus vertrauenswürdigen jüdischen und nicht» füdischen Persönlichkeiten die in den letzten Tagen aus Bul» Marien hier eintrafen, erhalten wir Informationen über einen fnstematischen Erpresiunasfeldzug des geheimen mazedonischen Revolutionskomitecs gegen die jüdische Bevölkerung Bulgariens. Nach diesen Informationen erhielten in jüngster Zeit Mische Kauflente in Sofia und in der Provinz Drohbriefe )es mazrdonischen Rwolukionskomitees. in denen die Empfänict aufgesordert werden, bis zu einem bestimmten Termin »inen nach willkürlicher Schätzung vorgeschriebenen Betrag, der ,'ich zwischen 60.600 bis zu einer Million Lewa bewegt, unter Androhung der schwersten Repressalien an eine bestimmte Adresse für die Zwecke des Komitees abzuführen. In 2 o f i a allein beträgt die den Juden auferlegte Gesamtsumme v0 Millionen Lewa. Tie Erpresser gehen bei ihrer Brandschatzung von den unmöglichsten Voraussetzungen aus. denn der größte Teil der Inden, an welche diese Briefe kommen, besaß -riemals auch nur annähernd ein solches Vermögen. Tie Regierung ist ohnmächtig oder nicht gewillt, den jüdischen SwatSbüwer gegen die Bruta>liläten des maztzdonischon Komitees zu schützen und auch die bei den Führern des Komitees direkt unternommenen Schritte blieben erfolglos. Die Fuden stehen nunmehr vor der Alternative, entweder den Erpressungen unter völliger Aufopferung ihres Besitzes Folge zu eisten und ruiniert zu werden, oder ihren Besitz so rasch als möglich zu verschleudern und auszuwandern. Die Juden in Bulgarien empfinden diese Wendung der Dinge auch darum um so schwerer. af§ bis in die letzte Zeit ihre Gleichberechtigung niemals in Frage gestellt wurde und sie bei allen Negierungen und Parteien als verläßliche Stützen des Staates galten. Tie bulgarischen Juden hoffen, daß eine Intervention ans Westeuropa und Amerika bei der bulgarischen Regierung diese veranlaßen werde, ihren jüdischen Büvgcrn den vollen Schutz des Gesetzes und der staatlichen Autorität angedeihen zu lassen. Der envlische Asenbahnerktreik nnveröndert. (Eigendienst du „Wiener Morgenzeitung".) London, 26. Jänner. Die Streiklage rft unverändert. Die Eisenbahngcfcllschaften melden r,wa^ daß eine Anzahl ausständiger Lokomotivführer zur Arbett mrückgekehrt sei. andererseits aber bat Bromley, der Führer der ausständigen Lokomotivführer und Hei'-er, von der Möglichkeit einer weiteren Ausdehnung des Streiks gesprochen. Bromley gibt die Zastl der Ausständigen auf 75.000 an, denen wöchentlich 00.000 Pfund Sterling gezahlt werden müssen. Infolge des Streiks sind 125.000 Bergarbeiter zum Feiern ge'wungen. Wie „Daily Expreß" erfährt, würden die Verluste, die Enaland durch den Streik erlitten habe, auf täglich eine Million Pfund geschätzt. Eine Putschorganisation in Württemberg. Stuttgart, 26. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Im Finanzausschuß dcS württembergischen Landtages teilte der Innenminister zur Begründung eines Nachtragskredits für die politische P o l i z ■: i mit, die Regierung habe in der letzten Zeit erschreckende Einblicke in ein weitreichendes, aus den Umsturz angelegtes System erhalten. In einem Betriebe allein seien 1400 von den Aroeitern hergestellte Handgranaten beschlagnahmt worden. Die den Kommunisten abgenommenen Sprengstvssmengen seien enorm. Wiener MvrvenzeitrrM._27. Jänner 1924 Nr. 1778 Hedschas und HalWU König Husseins Mirationen. (E gendienst der „Wiener Morgenzcstung".) Mi!» kür'lich gemeldet, ist das große Aktionskomitee der Zionistischen Organisati-m s'"r Ende Februar zu einer Sitzung nach Londm einberufen worden. Den Gegenstand der Beratung'n bilden unter anderem die durch den Ncaierunaswechsel in England akuffl gewordenen politisch'n Fragen. Eiw's dieser Probleme b spricht der nachsos«'end!' Bericht unseres Jerusalemer Berich'erstatwrs. I e r n a l e m. 21. Jänner.?lm 18. Jänner ist König Hussein in A m m a n e i nge troffen, wo er vcn zahlreichen Delegationen, darunter den Be r irr lern der palästinensischarabischen Exekutive und der neuen arabisch-nationalen (gemäßigten) Partei begrüßt wurde. Ter Aussnthalt des Königs ist für zehn Tage a-niberaMMt. Bei dom in Auvma« zu Ehren des Königs stajtgefnndenen Bankett waren sechzig führeuld-e arabische Rotabcln Vergmmvlt. Auch der britisch; Resident von Transjovdanien Mr. St. John Philby wohnte der Festlichkeit bei. Am 19. Jänner empfing König Hussein alle in Amman anwest-n'den Delegationen der arabischen Stämme: die Vertreter Tr-ansjordaniens, Palästinas. Syriens und Iraks. Der Bü'vrrmeister von Jerusalem sowie die Bürgevmeist.'r versch'edener anderer palöstineustscher Städte, ferner alle Muft's und die griechischen Patriarchen befi-niden sich auf dem Wege nach der Hawptst-abt Transjordaniens. Der Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel und der ZivAkommlssär Sir Gilbert Elay ton treffen ihre V rbereitungen zur Reise nach Amman, wo sie m't König Hussein Zusammentreffen werden. Auch Colonel K i sh reist als Vertreter der Zionistischen Exekutive nach Amman. In seiner Begleitung befindet sich ein Delegierter der jüdischen Bcvvkevung Palästinas. Tie Zeitung „Meraat el Sherk" berichtet, der oberste muselmanische Rat habe eine Zusammenkunft der Führer der muselmanischen Welt einberufen. um „den Befre'er der Araber. König Hussein, zum Kalifen des arabischen Islams a-nsziuvusen". Husseins S'stn, Enir Abdullah, bemüht sich, die in Amman weilenden arabischen Delegationen für die U e b e r t r a g u n g des Kalifats an die Familie Hussein zu gewinnen. Die arabisch-nationale Partei hat sich in der Frage des Kalifats dahin ausge'pvochen, daß König Hussein, menn er die Würde übernehmen wolle, als Kalis a n z u s e h e n sei. An der Spitze der paläistinenst'ch-arabsschen Erekative ist Mn za K asim Pascha nach TvanLjordan'.en gereist. Der Jerusalemer Vertreten der „Times" gibt, wie aus London gemeldet wird, e'neu Arti'el der ofsir'ellen Zeitung TranSj-r^aniens w'e^er, in welchem sowohl d'e Bewohner als auch die Gäste Transjerdaniens aufgefordert we den, „König Hussein zum Kalifen über den arabischen Islam au'zuru'en, ebenso wie sie ihn zum Ole Herrn über alle Araber gesetzt haken". Dazu schreiben die „Times": Obgleich, soweit festgestellt werden kann, d'e Reise König Hus'eins keinen offiziellen Charak er trägt und nur al; ein privater Besuch bei seinem Sohne Emir Abdullah angesehen werden kann, hat man d'e'em Besuch dennoch verschiedene Zwecke unterschoben, so z. B. die Vorbereitung der Kandidatur König Husseins für das Kalifat und die Einleitung neuer Verhandlungen über den Vertrag zwischen England und Hedschas. Sicher ist. daß dieser Bestich in keinerlei Verbindung mit der Konferenz der a r a b i sch e n S t a at e n steht, die jetzt in Kcweit unter dem Vorsitz des britischen diplomatischen Beamten für den persischen Golf, des Colonel Knox. abgehalten wird U'd deren Zweck die Festsetzung der Grenzen ist. Ter König von Hedschas ist zweimal eingeladen worden, zu d'e'er Konferenz einen Vertreter zu entsenden, er weigerte sich aber, d'esev doppelten Einladung Folge zu leisten. So'l'.e während des Besuches des KLn'gs von Hedschas in A m m a n der Versuch gemacht werden, ihn znm Krisen ausznrnfen, wüche des Grrßkritann'en' in ke'nec Weise beruh en. Es heißt dann in dem Artikel wörtlich: „Mit dem K a l i f a t h a b e n wir nichts zu tun — mag es sich um ein solches in Konstantinopel. Arabien oder so'stvo handeln. D'e Ausstellung von Kandidaten ist ausschließlich Sache der Mohammedaner selbst und hat keincr'ei Bedeutung für Englands Vez'ehungen zu den Mohammedane m. N"'r ze'gt es einen großen Mangel an Takt auf der Se'te derjenigen, die dafür die Verantwortung tragen, daß d'e^e außergewöhnliche Gelegenheit zur Einle tun^ pr.'cktrsßer Zusammen- AB MONTAO OK B€ AS I OlM S- VERKAUF VON ORIOINAL-MODELLEN IN KOSTÜMEN, MÄNTELN U. KLEIDERN (ABENDKLEIDER) C BOJ KO. WIEN, I. KARNTKERSTK. 34 ElNüANO MAY5tDERQ., NUR IM STOCK (Lift) arbeit zwischen den arabischen Staaten durch das Aufwerfen einer so v'el^eiti'en und aufregenden Frage, wie die de- Kalifats, gestört w'rd." Die palästinensisch-arabische Exekutive hat einen „Aufruf an die arabische Natwn" veröffentlicht, in dem diese aufg-e-fordert wird, einig zu sein in der Bewillkommnung König Husseins. In Massen sollten die Araber Palästinas nach Amman pilgern. Ter Kongreß der Vertreter aller arabischen Länder zur Beratung über den Vertrag zwischen G r o ß b r i t a nn i e n und Hedschas wird in Amman oder Jerusalem abgchaltcn wcvde-n. Bisher hat sich Huss.in zu diesem Vertrag und der mit ihm verknüpften Palästina- Foage nicht geäuß:rt. Die in Amman anwesenden D elega t i o n e n hwbnn ein Komitee, bestehend au8 je zwei Vertretern jedes der arabischen Länder, gewählt, das mit Hussein die elnzelmen Punkte des angloarabi'sche-n Vertrages durchib-eraten soll. Aus Palästina. Syrien Irak und Aegypten sind arabische Delegationen unterweas nach Amman. A^s Vertreter der französischen Behörden in Syrien wird sich General Armand einfinden. Keine diSlimMchen Brftreliunqrn zwischen Dir Samuel und Hussein. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 23. Jänner. Wie der Jerusalemer Korre^ spondent der „Times" mitteilt, hat er die Ermächtigung erbalten, str'kte be^anntrugeben. daß Sir Herbert Samuel und Sir Gilbert C l a y t o tt in Amman keinesfalls an Besprechungen über das Kalifat oder sonstige wichtige diplomatische Angelegenheiten teil< nehmen werden. An Ueberfall auf König Huffrin. Paris. 26. Jänner. (I. T. A.) Der Londoner Korre» spondent des ,^Intransigeant" telvoraphiert seinem Blatte, daß laut einer Meldung aus A m m a n. König Hussein von Hodschas in der Mhe von P e t r a von W a h a b i t e n überfallen wurde. Der lieberfall wurde von der Eskorte des Könias abgeschlagen. (Kür-llch war berichtet worden, daß Husseins Sohn Ali in einem Gefecht mit Wah-abiten tödlich verhetzt worden fei. Es ist möglich, daß es sich hierbei um den hier gemeldeten Ueberfall handelte. — Red.) An Straßenkamnf zwischen de« valSstlnensb ° schen Aralierdeiraationen. Jerusalem, 25. Jänner. Zwischen Angehörigen der beiden gegnerischen Parteien d^r palästinensischen Araber, deren Vertreter nach Amman gekommen sind, um König Hussein ihre Wü-uilche in Bezug auf die Araber Pa-lästmaS vori'iuiragen, ist es ln den Straßen Ammans zu einer förmlichen Schlacht gekommen. Im Streit irm das Anrecht aus die Vertretung der Araber in Palästina griffen sowohl die Anh'inger der palästinensisch-arabischen Exekutive als auch der p a l ä st i n e n s i s ch e n gemäßigten Partei w ihren Dolchen und es entwickelte sich eine wilde S t e ch e r e i. Polizei erschien aus dem Platz und verhaftete alle beteiligten Personen. # ch Aus Paris meldet man uns: Der „Temps", das Sprachrohr des Auswärtigen Amtes, bespricht in einem Art'kcl die arabische Frage und führt aus. daß die Lage >n Palästina die A u f m e r k i a m k c i t des Völkerbundes verdiene. Man versichert zwar — hessll es weiter — in London, daß En-oland König Husseins Illusionen nicht b e i p s l i ch t e, doch scheint es. doß entweder England König Hussein zur Kandidatur ermutigt hat. oder aber König Hussein stabe gestört. England wolle^ einen anderen Kandidaten v'r'chlagen und will sich nun selber um d'e Würde bewerben. Wie der König von Ho^chas erklärt, statte Greßbritann'en ihm versprochen, daß ck> d>e a ra b > sch e N n a bhä ng igke i t in Balä st i na anerkennen würde. So versteht er iedenkolls d'e bri'i^chen sa>"en vom Oktober 1915. Wir zweifeln jedoch, d'ß Gv-ßbr'tannien jema'S ein solches Versprechen zu g'ben bea'D'chss.gt bat. Aegypten und Palä't'ma sind zwei Gebiete, von denen aus der Sue'kanal verteidmt — oder Qtrrv'rfcn werden kann. Aegypten hat schon eine arabische Negierung. Es ist deshalb h ö ch st u n w a h r s ch e i n l i ch. daß England jemals ernstlich daran denkt auch in Palästina eine arabische Negierung cinznrichlen. England ist an einem | G'eich"ewicht der Mächte inter-ss'crt. Außerdem tat es die Verantwortung dafür übernommen, P a l ä st i n a i n e i n e j ü d i s ch n a t i o N a l e H e i m st ä tteumz u w a n dein. garohns H. Kann niederlöndischer Kons«! in Zem alem. Aus Jerusalem meldet I. T. A.r Der bekannte Zionisteuführer Herr Iaestns H. Kann, früher Bankier im Haag, ist Mitte des Monats Jänner in Palästina e'mgctrojsen um seinen dauernden Wohnsitz in Jerusalem zu nehmen. Die helländische Negierung hat Herrn Kann znm königlich n > e d e r l ä n d i s ch e n Konsul für Palästina mit dem Sitz in Jerusalem ernannt.