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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-27 · Heft 1778 (27.1.1924) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1778 (27.1.1924)
Date
1924-01-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, SonntaH Nr. 1778 Wiener MorgenzeiLurifl. 27. Jänner 192J Seite { FRACKHEMDEN BRACKGILEHS direkt beim Erzeuger B ER THOLD SCHMER Ul. Londiiratttr OArtil JO, Limen: 0,1JS, 4 Islam zu fristen. Zur Zeit des Verfalles und der Nation taucht der größte Gelehrte der Juden, Moses Maimun auf, der einen bedeutenden Teil seiner Werke in arabischer Sprache schrieb. Maimun, der arabisch Ihn Amram Musa ben Maimun Obaid?lllah hieß, wurde 1135 in CorLova geboren. Die Familie, aus der er stammte, ivar Generationen hindurch durch hervorragende Gelehrte bekannt, die sich nicht nur mit der hebräischen Wissenschaft, sondern auch mit Mathematik, Astronomie und Naturwissenschaft 'befaßten. Maimun, dessen Wer! und Bedeutung allgemein bekannt ist, war in der arabischen Literatur einer >der besten Kommentatoren der .philosophischen Lehren des Aristoteles. Ein unvergänglicher Ruhm gebührt -der arabischen Nati-on dafür, daß sie zu einer Zeit, als in Europa das geistige Leben noch darniederlag, nicht nur die Schätze der griechischen Wissenschaft hierherbrachte, sondern, diese wesentlich bereicherte und durch neue Wissenschaften weiter entwickelte. So wurden die Araber Faktoren der menschlichen Zivilisation. Um so erschütternder ist ihr späterer Rückfall. Der Sturz des Arabertums wird durch die Tatsache noch ergreifender, das; es nicht von einer höheren Kultur besiegt wurde, im Gegenteil: es wurde als Verbreiter der Kultur von VAken meder-gerungn, die von ihn: die damalige moderne Kultur erlernt hatte:: oder überhaupt noch auf keiner höheren .Kulturstufe gestanden waren. Es sei hier bemerkt, -daß bei der: Kreugzügen nicht die europäischen Ritter von höherer Mtur waren, wie dies die Gesänge europäischer Dichter verkünden. Es ist eine historisch festgestellie Tatsache, daß die Ritter in Olsten keine Kultur verbreiteten, wenn nicht die Niederrnetzelung der Bevölkerung von Jerusalem bis auf den letzter: Mann als ein Akt der Kultur betrachtet wird. In: Gegenteil, die Ritter brachten nach Europa Kultur mit, namerrtlich die Verfeinerung des Begriffes der Ritterlichkeit, die gleichfalls als ein europäisches Produkt betrachtet wird. Der Tod Lenins. Das Alausoleurn auf dem Roten Platz. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Moskau, 26. Jänner. Di^Beifetzung Lenins wird auf dem Roten Platz in Moskau erfolgen, und zwar zunächst in einem pyramidenförmigen, h 5 l!-; e r n e n Mausoleum. Der mit einen: Glasdeckel versehene Sarg wird auf ein Piedeftal gestellt und mit einer Galerie umgeben sein, auf der die Abschrednehmenden an den Sarg herantreten können. Da die zahllosen auf der Reise nach Moskau befindlichen Abordnungen am Samstag nicht mehr rechtzeitig eintrJfen können, wurde die Beisetzung endgültig auf den Sonntag verschoben. Der deutsche Botschafter Graf Bruckdorfs- Rantzau wird im Namen des diplomatischen Korps auf Lenins Sarg einen Kranz nieverlegen. Die Todesursache. Moskau,. 26. Jänner. Professor A b r i k 0 s 0 w, der als Prosektor die Leiche Lenins sezierte und einbalsamierle, äußerte sich in einer Unterredung über die Ergebnisse der Obduktion folgendermaßen: Die Katastrophe trat infolge vorgeschrittener Arteriosklerose bei vorwiegender Zerstörung der Gehirnarterien ein. Sie wurde verursacht durch eine fflerose Verengung der Gefäßlumina, die in einigen Gehirnabteilungen Blntaufstörnng.^ hervorrief. Es entstand infolgedessen eine lokale Geh: r n-- nekrosc, die eine Paralyse fec3 -halben Körpers und Nevestörnngen zur Folge hatte. Obgleich äußere Symptome in letzter Zeit eine Besserung deS Zustandes Lenins vortäuschten, setzte sich die Gefäßzerstörnng ununterbrochen fort, bis zuletzt eine innere Mutung in: verlängertem Rückenmark, welches die wichtigsten Nervenzentreu verbindet, eintrat. Montag nachmittags ließ plötzlich die Sehkraft nach und später setzte auch Infolge einer Gefäßlähmung eine Atemparalyse ein. Die Ueberaustrengung der Nerven Lenins scheint diesen ganzen Krankheitsprozeß beschleunigt zu haben, jedoch kann man nach der Art der Erkrankung und des^Lndes auch auf Vererbung schließen, da Lenins Vater im selben Alter einer ähnlichen Krankheit infolge GchirnschlagßK erlag. Jedenfalls steht fest, daß die Krankheit keineswegs die Folge eines Attentates gewesen ist. Bei der Obduktion wurde die zweite Revolverkugel ans!dem linken Oberarm entfernt, jedoch gleichzeitig fcstgestellt, daß die Kugel keine Veränderung des Organismus verursachte. „Ich begann," so erklärte Professor Aibrikofotv weiter, „die Sezierung am Dienstag um 11 Uhr und beendete sie um 4 Uhr nachmittags. Den Leichnam balsamierte ich Alleiniger Erzeuger Damage Hobe, Gründer der LtfeörmArke Hob6 nnd einziger Träger des Hamens Damase Hobe. Haifand Half Kümmel cristallisd Anisette Fraisette Creme deNoyaux Creme de The Eckt nur in dieser runden Flaschenform! ZeMin:UlieD,l.'ür. U. Tel. 24-2-29 Schuhel mittels einer Formalinspirituslösnng ein. Die anthropometrischen Messungen wurden von Professor Bunak borgenommen. Nach dem Tade war ein Verschwinden der paralythifchen Verschiebungen der Gesichtszüge ststznstellen. Der Körper Lnins ivar voll und wohlgenährt. Sofort nach den: Tode Lenins wurden, der russischen Sitte gemäß, sämtliche Spiegel im .Hause verhängt. Im Schlafzimmer Lenins liegen die letzten Jahrgänge der „Jswestija" und zahlreiche Bücher. Eine Lenin-Feier der Wiener.Kommunisten. Die Wiener kommunistische Partei veranstaltet heute vormittags in der V 0 l k s h a l l e eine Trauerstier für Lenin. Nach der Feier in: Rathaus ist ein Zug über die Ringstraße bis zun: Schwarzenbergplatz beabsichtigt. Von hier aus wird eine Deputation der Versammlungsteilnehrner in die Reisnerstraße zur russischen S 0 w j e i« m i ssi 0 n delegiert werden. Das Beileid des Heiligen Synods und des Vatikans. Der .Heilige Synod richtete an den Präsidenten des Rates der Volkskommissäre Kali ni u folgendes Beileidstelegramm: „Wir wissen, daß das Volk ihn überaus liebte. Große Tote beherrschen das Denken und Fühlen der Lebenden oft jahrhundertelang. Ewiges Andenken und ewiger Friede sind seiner schwergeprüften guten Christ e n s e e l e sicher." Unterzeichnet ist das Telgramm vom Vovsitzenven des Heiligen Synods, dem Metropoliten! E u b 01 i n. Rom, 23. Jänner. „Popolo d'Jtälia" meldet, daß Kardinal G.asparri durch den Prälaten des Staatsstkrctariats der russischen Vertretung in Ron: Vas Beileid anläßlich des Todes Lenins ausgesprochen habe. Militärdiktatur in der Malz? Gemeinsames Vorgehen der Franzosen mit den Separatisten. Berlin, 26. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung"). Nach einem Telegramm des „Berliner Tageblattes" aus Speyer beabsichtigen die Franzosen gemeinsam mit den Separatisten in der nächsten Zeit den allgemeinen Belagerungszustand über die Pfalz zu verhängen und eine Militärdiktatur zu errichten. Der italienisch-jugoslawische Vertrag fettiggestellt. Besteht aus zwei Protokollen. — Ein Handelsvertrag. Rom, 26. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgeuzeitung".) Im Palazzo Chigi wurde heute zwischen Mussolini und Pa sic der italienisch-jugoslawische Vertrag endgültig fertiggestellt. Er besteht aus zwei Protokollen, über Fiume nnd über den Freundschaftsvertrag. Ae Zugend der Zozef Israels. Zum 100, Geburtstage des jüdischen Grvtzmeistcrs. Von Prof. Max Eisler. Jozes Israels ist am 27. Jänner 1824 in der Landstadt Groningen geboren. Seii: Vater >var ein. jüdischer Kleinhändler, recht aufgeklärt und derart belesttt, daß er selbst tvährcnd der Mahlzeiten von der Lektüre, nicht lassen konnte. Bon ihn: erbte' derMnabe die unruhige, nach vielen Seiten hinstrebende geistige Struktur, darunter auch die Neigung für das Verse machen. Die Mutter, die der Sohn noch irr später: Jahren mit seinen: ungelenken Deutsch „sehr liebenswürdig", daß heißt wohl ,^jeder Liebe wert", gerrarlnt hat, wirkte tiefer im Gemüt. Sie sorgte frühzeitig für eine religiöse Erziehung urrd verhall schon dem Kinde zu einer beträchtlichen Vertrautheit mit der hebräischer: Sprache, mit ihrem Wohllaut und ihrer Weisheit. 1 Jüdisches Wesen zog so, künftige Entwicklungen vorbestümnend, die erster: Kreise um denfungen Israels. Es ivar ctite knappe, fast dürftige Häuslichkeit, in der er aufwuchs; gegen die Gaffe lag ein Trödlerladen.und drinnen im Wohnzimmer drängten sich bald acht hungrige Köpfe um der: Tisch, mm: mußte sorgen und rechnen, aber man hütete auch einer: Schatz von gemeinsamen Herzensgütern: Der Knabe erlebte die jüdische Familie. Des 'weliteren sah er, wie sich Verwandte nnd Freunde —- namentlich bei ihrer: rituellen Handhabungen und bei der: gesetzmäßig wiederkehrenden Feste» — zu einer eigenartigen, charaktervollen Welt zusammenschlosser:: Das Geheimnis des gleicher: Blutes, die gebeugte Würde des jüdischen Volkes, -trat ihm feierlich und bedeutsam entgegem Und zuletzt -führte ihn das Studium der hebräischen Sprache in die erhabene Sphäre der Bibel. Familie, Volk und Bibel.-das waren die drei Kreise des Knaben nnd idas sind auch Kreise des Meisters Israels geblieben. Zu diesen Stirl:mur:ger: der Stube, welche die Gesühlsweise des Künstlers grundlegend färbten, kamen nur: draußen mannigfache Erfahrungen des Auges, die späterhin nicht weniger fruchtbar werden sollten. Groningen war eine reiche Stadt, der Hauptmarkt für Getreide, Oelsaat und Tabak, und beherrschte einen iveiten Umkreis, dessen wirtschaftliches Leben auf Land- und Wasserwegen hier zusammenströmte. So bekam Israels, der Landstädter, von Geburt aus den Blick für das einfache, bäuerische Weser4 mit auf den Weg. Und auch die holländische Landschaft unigab ihn seit der ersten Stunde. Auch über Groningen wölbte sich heimatlicher Himmel, feucht verschleiert, flüchtig und lichtgetränkt, fette Kornschwadei: und karge Kartoffelfelder, die dem Maler künftig noch dienen sollten, lagen ringsum, und in dem Heide- und Moorland der naher: Vecukolonien ivar die große Oednis da, die sich in deH Künstlers späteren Tagen mit der Erinnerung an wüste Regenschauer vermischte. Nur eines fehlte noch. Aber wenn das Bürschchen, was jeder Groninger Junge gern und öfters tat, auf den schönen, hohen Martinskirchturm hinanfstieg, dann sah er es schon in der Ferne — das Meerz: die Nordsee. Dieser: tiefen Einwirkungen vor: Haus und Heimat konnte die Kirnst der.Umwelt auch nicht annähernd die Wage Halter:. Zwar fander: sich in der Wohnung der Eltern einige lebhaft beschilderte Tapeten, die der Bilderlust des Knaben anregend entsprachen, zwar konnte er bald in den Sammlungen von Bekannten bis zu höheren Erscheinungen der Malere: altholländischer, italienischer und moderner Herkunft Vordringen. Aber bestimruender blieb vorderhand der lokale Groninger Kunstbetrieb, der in der Werkmeistern schule „Minerva" und in dem Vereine „Pictura" seine führenden Organe hatte. In ihren Preisansschreibungen und Jahresausstellungen dienten beide den: kleinbürgerlichen Geschinack des eingefleischten Provinzlers undbevorzugten deshalb das, was die Zeit ein „Genrebild" nannte, also eine Mischung, von welcher der Betrachter zugleich unterhalten, belehrt und gerührt werden konnte. Damit wurde die freie Entwicklung des Künstlers zum ersten Male eingeschnürt. Merkwürdig früh regte sich der gestaltende Trieb. „Bon Kindheit an war in mir eine unbändige Lust zun: Zeichnen van allerhand unmöglichen Dingen. Es war ein Taumel. Ich hatte alle nur erdeuklicheu Phantasien im- > Kops und alle wollte ich darstellcir." Diese resümierende ‘ Erinnerung des Greises, im Gespräch den: Verfasser mitgeteilt, wird von einer Reihe näherer Nachrichten, -die wir alten Zeitschriften, namentlich aber Jan Veth, .verdanken, undvor: erhaltenen Knabenarbeiten bekräftigt. Seit 1831 stapfte der damals achtjährige Knirps tagtäglich, sobald ihn die Elementarschule freigab, iu den Zeichen'kurs der „Minerva" und erklomm hier allmählich die Lernstufen von der Wiedergabe einer Vorlage und eines Gipsstückes bis zum lebenden Modell. Dann folgten, seit den: Zwölften Lebensjahre, Privatlektionen, zuletzt bei C. 'B. Buys.s bei* mit den: Jungen nicht zurechtkommen konnte und seine Zeichenweise viel zu „schlnddrig" fand. Am 10. Mai brachte dann der „Provinziale Groninger Courant" eine Notiz über die Einsendungen für eine städtische Gewerbeausstellung, tvorin cs unter anderen: hieß: „Bon I. Israels, Lehrling des Herrn Bnys, eine Zeichnung nach Gips." Das war der sehr bescheidene Eintritt eines Genies in die Oesfentlichkeit. Mer schon vor- und nebenher hatte sich der Knabe auf eigene Faust versucht. Die markanten Gestalten, bieder Verkehr in: Vaterhause seiner Beobachtung znführte, ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Im Jahre 1912" konnten wir bei Goupil im Haag ein männliches Bildnis sehen, das von Israels' Handdie Jahreszahl 1837 trug, also von dem damals erst Dreizehnjährigen gemalt worden ist. Eine Talentprobe war es nicht, weder in der tatsächlich „schluddrigen" Zeichnung noch in der stofflich schweren und dumpfen Farbe. Aber bemerkenswert daran erschien schon, wie erregt die Besonderheiten der Physiognomie rnrgepackt, wie nachdrücklich sie dargestellt wurden. Die Aufinerksamkeit verbiß sich in die zuhöchst drastischen Partien des Kopfes,. iu die schief geratene, nach Art der Kinder- Zeichnungen aus dem En sace des Gesichtes fast ins Profil verschobene Nase und in den ganz merkwürdig herausgean beiteten, gepreßten Mund. Eine Ausdruckskuusi schien Ke im Keimen. Diese nnd ähnliche Probei: führten 1840 zur Entscheidung: Der sechzehnjährige Israels geht nach Amsterdam, um unter der Leitung des Jan Adam Kruse man ein Maler zu werden. . . Und er wurde einer — der reichste und tiefste, den die Geschichte der jüdischen Kunst kennt. Sekten-, Futter*. Damenstoffe besondere Wilhelm Langer Pr6ISW6rf! Bl. Schmeixgasse 4 Telephon 41-8-43 ^40072 38623877

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