Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-24 · Heft 1775 (24.1.1924) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1775 (24.1.1924)
Date
1924-01-24
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980858--17555-3004567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

m. i-l lv Men, DonEAv-g Wiener MovAenzeitung. U. Jänner 1904 Seite 7 Alle Arten von Komtnandite der Kroatischen Eskomptebank, Agram Kredituna Bankgeschäften Wien, I. SaitZergaff O 4 'EbeÄb£)” Warengeschäfte Telephone: 60-4-82, 60-4-93. 63-4-85, 64-4-42. 68-4 78. 69-4-82 10465 Telegrammadresse, Frapobank Volkswirt. Gestempelte Krone — 0.0f!81V2 Sentlmer. Nnszvhlvng Wen ----- 0.0981 ‘/4 Centimes. In Zürich notierte 28./1. 22./1. iie ösierr. peslemvelte Krone . » . . 0.0081 ll; 0.008I % die ösierreiMche Krone . . . . . . 0.0081V* 0.0081 V4 die tschechische Krone. . . 16.80 16.80 die Mark . . . . pro Milliarde —.— Holland . .. . . 214.90 214.40 New-?'ork.. . . . . . 579.50 680.50 London.. . 24.42 Paris »»,,»»«»>»« . . 26 50 25.80 Mailand. '25.07 Kelyrad.......... . . 6.60 6.62'/, Bukarest ........... . . 2.87 290 Sofia . . . 4.15 4.12 Budapest.«... 0.0202 Warschau. Sie Anrflchten der Rentenmark. Der „Parteienhammer" schreibt über diese Frage: Zwar existiert die Rentenmark für die Devisenahteilung unserer Nationaibank noch nicht. Sie wi^d im Devisenclearing nicht gehandelt, man kann sie bei unseren Banken weder kaufen noch verkaufen. Dennoch spielt sie im österreichischdeutschen Waren« und Leistungsverkehr bereits eine große Rolle; man vereinbart Zahlungen lieber tn Renten« als in Papiermark. Denn es ist eine sichere Größe. 1 Rentenmark ist gleich 1,17 Goldkronen, und da die Goldkrone mit 14.400 Papierkronen notiert, so kommt eine Rentenmark ungesähr 16.800 Papierkronen gleich. Auch macht die Gleichwertigkeit mit'der Friedensmark die Rechnung und die Uebersicht leichter. Viele Oesterreicher haben bereits Forderungen oder Verpflichtungen, die auf Rentenmark lauten, und es ift daher begreiflich, daß man sich hierzulande gern ein Urteil darüber bilden möchte, ob die Stabilität der Rentenmark gesichert ist oder nicht. . .. .. Derzeit kann man diese Frage keineswegs mit Bestimmt« heit bejahen. Die Besserung in den deutschen Währungsverhältnissen ist nicht so sehr deshalb emgetreten, weil die Rentenmark durch eine in verzinslichen Pfandbriefen mobilisierbare Hypothek auf den deutschen Grundbesitz und die deutsche Industrie fundiert, sondern vielmehr deshalb, weil die Umlaufshöhe der Rentenmark gesetzlich begrenzt und seit ihrer Emission auch der Druck von Papiermarknoten für die deutsche Reichsregierung eingestellt ist. Und sie kann ihren Wert nur behaupten, ivenn an der Umlaufsgrenze festgehalten wird, wenn die Emission von Rentenmark nicht über den gesetzlichen Betrag von 2,4 Milliarden ausgedehnt und wenn in der Zukunft nicht wieder auf den Druck von Papiermark für Rechnung des Reiches zurückgegriffen wird. Ist dies gewiß? Das läßt sich schwer sagen. Wozu war denn die Schaffung der Rentenmark, die doch nur einen provisorischen Charakter tragen soll, überhaupt nötig? Mit der Papiermark, die vollkommen diskreditiert war, sollte ein Ende gemacht werden. Das Deutsche Reich sollte künftig der Inflation entsagen und seine Ausgaben ausschließlich durch seine Einnahmen decken. Nun war dies aber..auch bei der energischesten Erhöhung der Einnahmen und Einschränkung der Ausgaben nicht sofort möglich. Darum ließ sich das Reich von der Rentenbank einen fünfprozentigen Kredit von 1,2 Milliarden in Rentenmark einräumen, der für die Uebergangszeit ausreichen sollte. Nun hat es sich bald gezeigt, daß dieser Kredit zu niedrig gegriffen war. Das R?ich konnte nicht einfach, wie es ursprünglich gedacht hatte, die Ruhrarbeiter und Ruhrbeamten im Stiche lasten. Wenn auch der Passive Widerstand eingestellt wurde und die Arbeiter nicht mehr expreß dafür bezahlt wurden, daß sie nichts arbeiteten, so konnte doch die Arbeit noch nicht im vollen Umfange ausgenommen werden, zumal die Franzosen der Wiederanstellung der Eisenbahnbeamten die allergrößten Schwierigkeiten in den Weg legten. So gibt es im Ruhrgebiet eine Unzahl Arbeitsloser, und das Reich kann sich, wenn es nicht die Sache der Separatisten geradezu fördern will, der Verpflichtung nicht entziehen, den Arbeitslosen des Ruhr« gebietes die Arbeitslosenunterstützung auszubezahlen, wiewohl e§ gar keine Einnahmen aus dem Ruhrgebiet erzielt. Diese Ausgaben gehen ins Ungemessene, zumal auch die Arbeitslosigkeit im unbesetzten Gebiet sehr groß ist, und so kommt eS, daß der Kredit der R'entenbcmk!, von dem man glaubte, daß er für das Defizit eines oder wenigstens, eines halben Jahres ansreichen werde, schon in wenigen Wochen erschöpft sein wird. Was dann? Die deutsche Reichsvcgiernng hat zwar sehr hohe und sehr drückende Steuern ausgeschrieben, und, da sie auch für die Steuern die Goldrechnung eingeführt hat, sich dagegen gesichert, daß diese Steuern vor der Zahlung entwerte^werpen. Sie hat gleichzeitig den Beamteuabbau rücksichtslos in Angriff genommen. Trotzdem ist es schon mit Rücksicht auf die Abschließung des industriereichsten und steuerkräftigsten Gebietes, eben der Nuhrgcgend, sowie auf die schlechte Konjunktur und die große Arbeitslosigkeit völlig ausgeschlossen, daß^ das Gleichgewicht im deutschen Staatshaushalt in wenigen Monaten hergestellt werden kann, auch wenn keine Reparationen gezahlt werden. Wie soll nun das Defizit gedeckt werden? Es gibt nur drei Wege: Aufnahnre von Anleihen, Rückkehr zur Inflation oder Provisorischer Staatsbankrott. Der beste Weg wäre die Aufnahme vo-n Anleihen, und zwar von entsprechend großen Anleihen im Auslände. DaS ist ja auch zweifellos der ins Auge gefaßte Weg, es ist der Weg der Sanierung nach österreichischem Muster. Aber nicht nur die große Völkerbundanleihesondern - überhaupt größere Anleil>en im Auslande sind erst zu bekommen, wenn die Reparationspflicht geordnet ist. Und hiezu braucht es Zeit. Sehen wir doch, wie die kleine Anleihe von 70 Millionen Dollar, die das Reich für den Import von Nahrungsmitteln in Amerika aufnehmen will, verschleppt wird. Die Amerikaner haben cs als eine Voraussetzung der Anleihe erklärt, daß ihr dl« Priorität vor den Repavationsverpflichtungen eingeräumt wird. Das Reich hat sich deshalb an die Reparationskommission gewendet. Tiefe erklärte, daß sie hiefür nicht kompetent sei, sondern daß das Ansuchen den alliierten Regierung gen zv überweisen sei', die darüber zu entscheiden hätten, gleichzeitig erklärte die Rcparationskommistion dennoch gewisse Voruntersuchungen für wünschenswert. Aber nehmen wir selbst an, daß die Ententemächte die angesuchte Priorität in kurzer Zeit bewilligen werden; mit 70 Millionen Dollar ist nicht viel getan. Die Hauptfrage bleibt, zu welchen Beschlüsten das Sachverstäudigenkomitee der Reparationskvmmistion in der Angelegenheit der deutschen Sanierung kom- Budapest, 83. Jänner. (Telegramm der „Wiener MovgenZeitung".) Die ungarischen Unte.rsuchuMsbehorden versuchen krampfhaft den Standpunkt des Iustizmin-isters Nagh zu rechtfertigen und unbedingt den Wiener Banken Delikte in der Frage des Handels der ungarischen Inlandskrone nach-U'weisen. Es verlautet, daß folgende Wiener Banken unter verdeckten Kontis solche verbotene Kronenmanipulat'wnen durchgesiührt haben: Depositenbank, Kompaß b a n k, K r e d i t a n st a l t,. L ä n d e r b a n k und Verkehrsbank. All diesen Banken wird nunmehr das Vergehen der Kronenschiebung zur Last gelegt, wobei auch der Versuch gemacht wird, diese Banken zu größeren Abfindungssummen zu veranlassen. Die Stellung der Länderbank wird insoifevne als günstiger beurteilt, als sie als französisches Institut eine diplomatische Intervention des französischen Gesandten anrusen dürfte. Auf alle Fälle ist die Situation, in., welche die ungarische Devisenzentrale sich und die ungarischen Justizbehörden Hinei ngerannt hat, eine selbst für die ungarischen Behörden äußerst ungemütliche und es wird nunm-chr versucht, irgendwie die Angelegenheit zum Abschlüße M bringen. Es haben sich maßgebende Finanzßrößen der Budapester Im Eröffnuugsstadinm der Wiener Börse war noch eine trostlose, zur weiteren Reserve neigende Stimmung vorherrschend, doch trat alsbald eine entschieden freundlichere Tendenz in die Erscheinung, welche von einzelnen Spezialwerten ihren Ausgang nahm. Hierzu gehörten ElektrizitätSwerte, denen Kaufe im Hinblick auf die bevorstehenden ElektrifizierunoSarbeiten bei der Stadtbahn zu einer Avance derhalfen. Auch Deckungsverkäufe in den Alpinenaktien übten günstigen Einfluß auf die Haltung «des Marktes. Erhöhtem Interesse begegneten ferner Südbahu-Prioritäten und Krupp- Aktien. Im vorgerücktem Verkehr wurden auch Bankenwerte mit Erhöhungen bedacht, so daß der Schluß in entschieden gebesterter Haltung erfolgte.. Von den Kulissenwerten gewannen gegenüber dem letztgenanmen Stand Süidbahn- Prioritäten 5500 K., Bankverein und österreichische» Kredit fe 6000 K., ungarische' Kredit 28.000 K., Anglobank 6000 K., Länderbänk 7000 K., Unionbank 18.000 K., Staatsbcchn 18.500 Kronen, Alpine 8000 K., Krupp 9000 K., A. E. G. Union 2000 K., Siemens 15.500 K., Drmlber HoiÜding 13.000K. Lediglich Zivnostenska wurden um 7000 K. billiger abgegeben. Im Schranken wurden nur wenige Schlüffe getätigt-' Etwas regeres Interesse zeigte sich für Petrrleumwerte, von denen Gailieia 200.000 K. profdtievten, fe-erner stiege«. Fanto nur 6st,000 A Auch einzelne Aktien der Papierfabriken wiesen Besterungen auf. Bon den TranSportwerten gewannen Dampf-, schiff 65.000 K., wogegen Nordbcchn um 400.000 K. billiger erhältlich waren. Der' Gesamtvevkehr im Schranken nahm bis zum Schluffe keinen größeren Umfang an.. B e z n g s r e ch t e : Ungarische Hofherr 62.600 bis? 65.000 K. men wird, ob diese Beschlüste von der französischen Regierung nicht desavouiert werden, und in welcher Zeit sie ausgeführt werden können. Daß dies bestenfalls viele Monate erfordern wird, ist selbstverständlich. Wie wird Deutschland sein Defizit in der Zwischenzeit decken? Auf dem Wege innerer Anleihen, seien es nun, freiwillme oder Znangsanleihen, wird dies schwer sein. Denn wenngleich die Einführung der Goldrechnung beide erleichtert wird me B'.eitwill'gkcit des d'.ut'chen Kapitals, der Reaierunq Kredite zu ert'ilen, vor der San 'rung Deutschlands doch nicht-groß fein. Immerhin liegt bei dem großen Reichtum Deutschlands auf diesem Gebiete die einzige Möglichkeit. Wenn dies aber nicht möglich sein sollte, was dann? Zwar hat der neue Leiter der Reichsbank, Dr. Hjalmar Schacht, erklärt, daß er m gar keinem Fall für die Rückkehr zur Inflation zu haben sei, daß er der Regierung reine Kreeit« in Reichsmark mehr erteilen werde, und die Rentenbank hat ihre Unabhängigkeit von der Regierung bereits erwiesen, indem sie ein im Rentenbankgesetz nicht begründetes Kreditansuchen der Regierung abgelehnt hat. Wensi beide Noteninstitute unerschütterlich an diesem Standpunkt festhalten. dann ist wohl die Inflation nicht möglich, und dann wird auch die Rentenmark stabil bleiben. Aber was bliebe dann dem Reiche übrig, als einfach einem großen Teil seiner Verpflichtungen nicht nachzukommen, seinen Beamten nur einen Teil der ohnehin so ärmlichen Gehalte zu bezahlen, die Arbeitslosenunterstützungen vorübergehend einzustellen, seine Zinsenzahlungen zu reduzieren oder zu sistieren? Die Rentenmark wäre gevett«t. Vielleicht mag auch in der Tat der ehrliche Bankrott, beziehungsweise die ehrliche provisorische Zahlungseinstellung, dem maskierten Bankrott, der in der Inflation liegt, in einer Zeit, wo große Kraftleistungen der Nation ohnehin nicht möglich sind, theoretisch vorzuziehen sein. Aber praktisch dürste der Unterschied nicht sehr groß sein, ob dos Wirtschaftsleben des Reiches und die soziale Ordnung durch die Entwertung der Geldes oder den provisorischen Staatsbankrott erschüttert wird. Soffen wir. daß es zu keiner dieser Eventualitäten kommen wird. Aber das wird sich wohl nur dann vermeiden lasten, wenn die Regelung der Reparationsfrage nicht allzulange auf sich warten lasten wird. Banken ins Mittel gelegt, um hier, einen gütlichen -AuStvetz zu finden, da das.Prestige.der ungarischen FinanKverwal« tung durch die bisherigen Aktionen der ungarischen Beerben stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Zusammenbruch einer Budapester Antisemitenbank. Budapest, 23. Jänner. Wie die Matter melden, find in den letzten Tagen gegen die christlich-antisemitische Lehrerbank- und Handels-A.-G. nahezu hundert Strafanzeigen, zumeist von kleinen Leuten, erstattet worden. Der Schatze soll sich auf Milliarden von Kronen belaufen. Die Direktoren Apseh und Schißler sind schon gestern in Berwahrungs- Haft genommen worden. Heute wurde der Direktor der Bank, der gewesene Obergespan und Budapester Gomeinderat V a s e k von der Polizei erndernommen. Er wird beschuldigt, als Direktor und Rechtsanwalt des Institutes ohne Deckung riesige Engagements eingegangen zu sein und dadurch den Zusammenbruch des Institutes beschleunig zu haben. Auf dem Anlagemarkte waren österreichische Renten, ausgenommen der Mairente, billiger. Ungarische Kategorien waren wenig verändert. Von den Exoten notierten: Effeff 86.000 LlS 37.500 K., Erdöl 40.000 bis 40.500 K., Uraznica 193.000 bis 201.000 K., Tepege 97.000 bis 99.000 K., Universale 58.000 biS 59.000 K. Wiener Waffen 20.060 K. Bor einem Streik in der Lodzer Textilindustrie. Aus Lodz wird, uns berichtet: Der Metallarbeiterstreik ist nach dreiwöchiger. Dauer beendet worden und schon droht der Ausbruch eines Streiks der Arbeiter in der Textilindustrie, weil die Fabrikanten den Arbeitern die valorisierten Löhne nur r» jenem Ausmaße zu bewilligen geneigt sind, das dem Lohntarif der Vorkriegszeit entspricht. Demgegenüber vertreten die Arbeitnehmer 'dm Standpunkt, daß infolge der gegenwärtigen Teuerung in Polen die Steigerung der Preise aller lebensnotwendigen Waren die Goldparität der Vorkriegszeit schon längst überschritten habe. Der Zusammenbruch des Bankhauses Roth. Die Wiener Börsenkammer teilt mit: Das Bankgeschäft Roth u. Komp., 1. Bez.. Hohenstausengaste 2, gehört zu jenen Firmen, welche keinen Zutritt zur Börse haben. Meder die Firma selbst, noch die Herren Armin Roth und Geza Kormos persönlich besitzen, eine Börsenkarle oder haben eine solche jemals ftüyer besessen. Allgemeine Depositen-vank. Der Berwaltungsrat der Allgemeinen Depositen-Bank hat Herrn S. Ritscher, Vorstandsmitglied der Dresdner Bank, Berlin, kooptiert und ihn als leitenden BerwaltmigSrat in den Vorstand des Instituts entsendet. Der aeschäfisführende Vorstand besteht, nunmehr aus dem leitenden Verwaltungsrat S. Ritscher und den Mitgliedern des Verwaltungsvates Viktor Muntend orf und Hilbert Pick. Herr Ritscher, der sich auf einige Tage, in Aus land begibt, hat seine. Tätigkeit bereits ausgenommen. fßisstApJin i'i'' Der ungarische Kronenflunda! md dir Muer Nansen. Fünf Sanken verdächügt. - Beilegungrversuche. Wiener Urse. Befestigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.