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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-24 · Heft 1775 (24.1.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1775 (24.1.1924)
Date
1924-01-24
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Wien. Donnerstag Galgenhumor: veu grcßartiZe.r UeLerlcaenheit. der andere von unerschütterlicher Ru-be des Gemüts. Ein Kabiuett-- stück die Episodenf'.pur eines du-mm^fvechen Advokaten, davgestellt von Hern Deutsch. Alle anderen Mitlvirkenden durchaus vortrefflich/ganz besonders der sehr begabte .Herr Waldberg. Der Komödie geht als Vorspiel eine Kabarettszene voran. Es ift ein veritables Kabarett mit einem allzu benrühten Conferencier, mit Sch^agerrmmmern und mit einem ungezooemn Publikum. Wahrscheinlich lain es mir nur so vor, daß sich die heroisch kämpfenden Künstler der jüdischen Volksbühne in diesem Prolog Luft machten und auf ihre Art zeigten, wohin das jüdische Publikum in Hellen Scharen strömt — und wo es ausblerbt . . . _ Otto Abeles. Aufführung von Mendelssohns „Lobgrsang". sKonzert des Mener jüdischen ^e^anesvereines und des Hakoah-Orchesters.) Am 31. d. wird Mendelssohns „L o b g e s a n g" unter Leitung Professor Braslavskhs im Größen Konzerthaus faale auf-gäfirhrt. Es wirten dasHakoah- Orchester und der Wiener jüdische Gesangs- Verein mit. Dieser künstlerischen Veranstaltung wird großes Inte reffe entgegengebracht. Sie „Mirakel"-A«fführ«ng ln Rew-Dork. . Aus London wird gemeldet: Die unter Leitung von Max Reinhardt erfolgt« amerikanisch« Urauffi'chvung des „Mirakel" im Century-Theater in New-Dork brachte Max Reinhardt und Morris Geest einen ungeahnten Erfolg. Dreihundert Arbeiter hatten fünf Monate hindurch an. der Umwandlung des Centn ry-Theaters zu einer stilvollen Kathedrale gearbeitet, die am Eröffnungstage in herrlicher Pracht erstrahlte. Der Besucher befand sich beim Eintritt ms Theater in einem wundervollen Kirchen- La u. wo dem Publikum durch Nonnen (!) die Plä'e .zugewiesen wurden. Hunderte von Figuranten wirkten bei der Aufführung mit; von allen Seiten r«v>en mittelalterliche Scharen auf die Bübue: schwan-weiße Nonnen und alle kirchliche Pracht des katholischen Mittelalters war aufgebmen worden, um dem Stück einen stilvollen Rahmen zu geben. Di« Leistungen waren großartig und durchwegs stimmungsvoll.' Reinhardt arbeitete mit 22 Hilfsregisseuren, die sieben Wochen lang mit den Schauspielern intensiv probten. Während der letzten zwei Wochen leitete Reinhardt die Schlußproben persönlich. Die amerikanische Presie ist voll Lob und Anerkennung für die künstlerische Leistung Max Reinhardts und bezeichnet d'.e Aiwfführung selbst als einen Triumph für die amerikanische Bühnenweit. Die Kosten der „Mirakel"--Äuffichrung haben mehr als 100.060 Pfund Sterling betragen. Johann Strauß rebivivus. „Tausendundeine Nacht", dir erste Operette von Johann St rauh, wurde im Münchener Lust'piechcrus aufgeführt. Ihr musikasrscher Reichtum fand begeisterte Höver. Die Uvaufführuna dieses Werkes fand bekanntlich am 10. Februar 1871 im Theater an der Wien unter dem Ti-ei „Indigo und die vierzig Räuber" statt. Lehar und Jeritza. Im Aufträge der Metropolitan-Oper in New-Aork arbeitet Franz Lehar zurzeit „Die Romanze". eines der populärsten amerikanischen Melodramen zu «irrer lyrischen Oper nm, die nach ihrer Vollendung Mit Marie Jeritza in New-Aork in Szene gchen soll. Raonl Aslan als Kaiser Josef. Im Johann Strauß- Theater finden am 2. und 3. Februar nachmittags aus Anlaß der 700. Aufführung der Operette „Die Försterchristl". die seit dem Jahre 1910 regelmäßig im Spielplan dieser Bühne erscheint. zwei Festvorstellungen srait. in denen Raoul ASlan mit Zustimmung der Direktion des Burgtheaters als Kaiser Josef gastieren wird. „Das Rein« Wunder." Mt diesem Beinamen benennen die Par-ffer-und Londoner Blä'.ter den sechsjährigen Be-ethoven» Pianisten Marchese Piet.ro Mazzini, deffen llaffifche Konzerte, die der WnnderinaHe cmf dem Fbügeil Chopins spielte, in Paris und London die größte Bewunderung hervorgerusen haben. Die vreliacheu Bemühungen, den Wunlderknaben nach Men zu bringen, haben, wie wir erfahren, mrwm-chr den ErfÄ-q gehabt, daß Pie-tro Mazzini am 19 Februar im großen KouzevthcmssaaLe ein klassisches Klavierkonzert gibt. Zu 'Mem bat der Vorverkauf bereits begonnen. Eine iutereffante Opernpremiere in Frankfurt. Mussorg-' jkys „Fürstin Howansky" kommt im Februar im Frankfurts Overnbaus zur deutschen Uraufführung. Ednard Kapralik gestorben. Der bekannte Wiener Kunstschriftsteller Eduard Kapralik, Redakteur der „Volkszeitung" ist gestern im 59. Lebensjahre gestorben. Mit einer eigenartigen Arbeit trat er vor Jahresfrist hervor. Es waren die „Geschichten aus dem Trödlerladen" die eins überaus freundliche Aufnahme fanden. Jüdisches Theater Habimah. Aus K a f ch a u wird uns geschrieben: Seit einigen Tagen weilt in unserer Stadt die Bei kannte Truppe des Direktors S. Strammer, die von einer erfolgreichen Tournee durch Karpalhorußland zurüügekehrt ist. Bisher konnte sich das zahlreiche jüdische Publikum an fünf glänzenden Vorstellungen erfreuen, unter welchen „Die Mode" von Kobrm. „Chanel«, die Näherin" von Za'tsinrc, „Chask«le Kalbojnik". „Der Golem von P-rag" und „Der Idiot" von Gordin den Mitgliedern der Hahimah Gelegenheit boten, ihre Vielseitigkeit im besten Lichte zu zeigen. Hier müssen wir in erster Linie des Ehepaares Strammer erwähnen. Als würdige Partner erwiesen sich Herr und Frau Rabinovics. Das prächtige Ensemble wird ergänzt von dem talentierten Fräulein Avanka Blind und dem zu großen Hoffnungen berechtigenden jungen Sigall. Auch die Herren Preis, Tunis und Franzus wirken voll Verdienst. (Die Schauspieler Sigall und Preis gehörten früher der Wiener Freien jüdischen Volksbühne an. mg. Ei» künstlerisches Hochzeitsgrschenk für de» japanischen Prinzregenten. Der Reichspräsident wird namens des Deutschen Reiches am Hochzeitstage des japanischen Prinzregenten durch den deutschen Botschafter in Tokio ein Hochzeitsgeschenk überreichen lassen, das aus den: kostbaren Lrppmanschen Dürerwerk besteht, das in fünf Bande:'' sämtliche Handzei-tv;<• >.■■* -n,-ist.'.-dnst!.- Wi-v-:- Ggbs wsb&U Wiener Wvtnemeifnna. Aus dm Theatern. Operntlleater. Morgen, */s7 Uhr abends, „M a rgarethe" lFaust). Burgtheater. Morgen, 7 Uhr abends, „Einen Jux will er sich machen". A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen, V*8 Uhr abends. „Wölfe in der Nacht". In der V o lk 8 o p e r mußte die Premiere der komischen Oper „Fürstin T a n a g r a". die für diesen Samstao anqeletzt war, wegen Erkrankung der Kammersängerin Frau Berta K i u r i n a um eine Woche verschoben werden. Die Uraufführung ist nunmebr für SamStag den 2. Februar angeletzt. Die für die Premiere gelösten Karten bereiten ihre Gültigkeit. — Heute gelangt „t o 8 c a", morgen (Freitag) „DieStummevon P o * i i c l" zur Aufführung. Mitteilungen aus dem Publikum. ■i----—-— Ruzia Scheiner Jakob Halpern Sniatyn Wien Verlobte Jänner 1924 TftoöefWaus V ff rosse ökkaston in den neuesten Pariser 31(öderen k Gaborstr. 7 cWien. //. Gaborstr. 1 «d yimn iMMSamm-a Steppdecken, Olo- MalfiAlüJjH manen, Diwans, PoIstermQbel Relsinger-Ungelin IV., Johann Straossgasse 41 Wiens billigste Bettwaren« und Tapezierer-Werkstä« ten Umarbeitung samt Reinigen *n t Krampein 4 FüUunp: 1 Matratze, 3 Teile, 1 Steppdecke K 60 000, Diwans, Ottomanen von K 75.000 aufwärts. Kunerol billiger and ausgiebiger als jedes andere Fett Streng *1^3 erzeugt unter der Aufsicht Seiner Ehrwurden des Herrn Rabbiners S. B. EHR EN FELD, MATTERSDORF Jede mondäne Dame bezieht Ihre Seide vom ‘eidensDezialhaus Richard Lettner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Dreisel BOOS 24. 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Hen-tr vormittag gelonyt vor dem DerfaffungLgerichtshos ein« interessante W<ch>?beschwerde der So^Eemokrmen wegen AiffechtuniZ der Wahlen der Großinlbulstrtellen Doktor Weidenhoser und Streeruwitz zur Dechcmdllunig, worin die NichtigerAärunig der Wahl verlangt wird. In der Deischwerde Wird ausqafiühvt, daß das Mandat des Dr. Weidenhoser von der Industrie gerÄdeKu gekauft wurde. BMtdcsk>a>ntzler Seipel habe der steirischen DundeSlestung den Au>s:rag eweivt, den Dr. Weidenhoser auf die Lfft« an aussichtsreicher Stelle zu setzen. In Graz werde?rnau die Kaufsumme genannt —zwei-einhalb Miliarden Kronen. In der Ge-genschrist der C h r i st >l i ch 11 g 1 «4 e n wucd eEärr, daß stür die Kandrdatntr des Dr. Weidenhoser nicht der geringste Betrag bezahlt woüd.'n sei. Es wirs jedoch zutzsgpben. daß der Hauptverband der Industrie auch anläßlich der letzten sJlationalra:swahlei: bemüht war, den beiden Regierungsparteien Geldmittel zur Verfügung z'i stellen, weil sie den Standpunkt der BMSäomeinfchaft und des Parreioigentums vertreten Dai.r it habe er, he'ßt es in her Gegenschobst. nurseinePslichterfüllt! Die Fovpevumy ' auf Nichti>äckeltSerk!äru'N!g der Wahl Streeruwitz' wird damit beigründet. daß Streeruwitz nur durch MandatSver^ich: zweier Vordermänner Mvählt wurde, daß er niomiails Angchöriger der christli.Asozialen Partei war, memols in eiiver christtichsozialen Wählervevsa-mmlung erschien. weSHM die Behauptung gerechtisertigt erscheint, daß die christlichsoziale Partei fiür die Ansstellung des Streeruiwih Vermögensvorteille seitens der indnstriellen Kreise erhielt. Lttüichkettrwkchtrr mit Stinkbombe« und Snmmlknütteln. Der leitende Ausschuß der Frontkämpfervereimgung ersucht uns um folgende Richtigstellung unserer im Anschluß an die am 16. d. gebrachten Berichtigung gemachte Bemerkung, „daß die Zugehörigkeit dieses Schwander zur Frontkämpfervereinigung durch den Gang der Verhandlung nachgewiesen wurde": „Dies ist unwahr. Wahr ist vielmehr, daß die Zugehörigkeit dieser Schwander zur Frontkämpservereinigung durch den Gang der Verhandlung nicht nachgewiesen würde." Schwere Borwürfe gegen den Letter des Wohnungsamtes Dr. Mayer. Der Leiter des Wohnungsamtes, Obermagistratsrat Dr. Mayer, und der Sekretär des Stadtrates Weber, Wanierka, hatten eine Ehrenbeleidigungsklage gegen den Juwelier Michael Guttmann, der sich beim Wohnungsamt wegen Anforderung eines Teiles der Wohnung der Frau Herzfelder auf dem Getreidemarkt eingefunden hatte, eingebracht, weil Guttmann von Lausbüberei und Lumperei des Dr. Mayer gesprochen hatte, da dieser, trotz der Weisung Webers, anzufordern, wenn etwas zu machen sei, einer Unterredung mit Guttmann ausgewichen war und ihn stundenlang warten ließ. Den Sekretär Wanierka hatte Guttmann der Anklage zufolge einen Mistkerl genannt und ihn der Frechheit geziehen. Bei der gestrigen Verhandlung gab der Angeklagte an, er habe die inkriminierten Worte nicht gebraucht, dagegen habe er von einer Protektlonswirtschaft gesprochen, und für diese Behauptungwolle erden WahrheitSbeweis antrelen. Er habe sich beim Sekretär des Stadtrates Weber darüber beschwert, daß er bis halb 4 Uhr nachmittags auf Dr. Mayer, der erklärt hatte, er werde sich nur für einige Minuten entfernen, warten mußte Ein Diener habe gesagt, Dr. Mayer sei mit Benützung eines rückwärtigen Ausganges weggegangcn, den Hut unter dem Rock versteck t. Der Sekretär habe ihm auf seine Beschwerde barsch zugerufen: „Schauen Sie, daß Sie hinauskommen, Sie frecher Jude!" und ihm einen Stoß versetzt. Der Verteidiger erklärte, daß die inkriminierten Ansdrücke, selbst wenn sie gefallen wären, eine berechtigte Kritik darstellen und beantragte die Vorladung des Stadtrates Weber. Dem Antrag wurde Folge gegeben und die Verhandlung vertagt.

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