Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1775 (24.1.1924)
- Date
- 1924-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Gerte S Wien, Donnerstag > ..-.. -..- —.- der Hochschulen. Und die Gesellschaft, die offcntlidjc Meinung, das liebe Publikum? Sie sprechen von begreiflichen Aufwallungen jugendlichen Ungestüms und darmlosen Temperamentsansbrüchen. Alan ist geneigt, die andauernden Exzesse an den Hochschulen als Jungenstreiche zu bagatellisieren, die sozialistisch und bürgerliche Presse belustigt sieb förmlich an den Vorgängen. Die österreichische Gesellschaft abnt nicht, daß sie dieses Amüsement schließlich mit dem höchsten Preise wird bezahlen müssen, mit ihrem Verfalle. Diese so possierlich brüllenden und prügelnden akademischen Bürger von gestern sind die Richter, Staatsanwälte, aerick'tlichen Gutachter und Gesetzeswächter von heute. Wer das bedenkt, wird sich nick», dariiber wundern, daß es in Oesterreich zweierlei Rech> gibt, und daß der Menschenschlächter Nooosat und seine Kumpane straffrei erklärt werden. Zer Tod Lenins. (Eigendienst der „Wiener Morgen-eiümg".) Moskau, §3. Jänner. Die Todesnachricht machte ungeheuren Eindruck. Es fanden fofoiri zahlreiche Versammlungen in den einzelnen Bezirken statt. Die Redaktionen und Aemter wurden um eingehende Nachrichten bestürmt. Es wurde ein Aufruf an die Armee erlassen, worin festgestellt wird, daß die Armee noch mehr wie bisher eine feste und unerschütterliche Harrptstütz« der Sowjets sein solle. Für den Tag der Bestattung ist eine gewaltige Kundgebung zu erwarten. Der Leichnam Lenins wird in einem Eichensarge von Gorka nach Moskau gebracht werden. Als Grabstätte ist die Stelle unter der Gedenktafel für die Opfer der Revolution, die auf dem mittleren Turm des Kreml angebracht ist, vor der Kremlmauer auf dem Roten Platz in Ausstcht genommen. Die Grabstätte Lenins wird sich neben der Swerdlows befinden. Das Beileid des Auslandes. Der österreichische bsvcllmächtigte Vertreter in Moskau, Pohl, wurde telegraphisch beauftragt, der dortigen Regierung anläßlich des Verlustes, den die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken durch das Ableben des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare, Lenin, erlitten hat. das Beileid der österreichischen BundesMierung auszusprechen. Die polnische Regierung hat den Geschäftsträger in Moskau beauftragt, der Sowjetregierung ihr Beileid auszufprechen. Gleichzeitig hat Ministerpräsident G r a b s k i an die Sowjetrogierung ein Kondolenztelegramw gerichtet. Aus der Berliner russischen Botschaft ist heute vornüitaas Staatssekretär Mal t z a hni-rn Aufträge der Reichs-xegierung erschienen, trat das Beileid der Reichsregierung auszufprechen. Samstag, am Tage des Leichenbegängnisses, wird in der. Berliner Bot-' schaft eine große Trauerkundgebung stattfinden, bei der die deutschen Behörden vertreten sein werden. Lenins AnBfolqe. Durch den Tod Lenins ist die Frage der Nachfolgerschaft des Vorsitzenden des Rates der Volkskommissare der Republik Rußland und des Vorsitzenden des Rates der Union, die durch die verschiedenen Republiken gebildet wird, aktuell geworden. Faktisch hat bisher das Zentralkomitee der Partei, bestehend aus Kami new, Sinowjew und Stalin, die Arbeiten geleistet. Die bisherigen Richtlinien der Politik werden, wie wir aus informierten Kreisen erfahren, bekbehalten werden. Für die Wahl des Nachfolg e r s werden rein taktische Momente in Betracht kommen. Im Vordergründe stehen die. Personen der bisherigen Stellvertreter . Lenins, Käme new und R h k o w. Es ist das wahrscheinlichste, daß der Nachfolger sowohl die Stelle des Vorsitzenden des Rates der VoKskommissäre, wie der Union übernehmen wird. Nichtsdesto- ° weniger erscheint es nicht ausgeschlossen, daß eine dritte Persönlichkeit die Stelle übernimmt. Die Entscheidung hängt von dem bereits zusammengetvetenen Kongreß der russischen Republik und von dem Kongreß der Unionab und wird erst in einigen Tagen erfolgen. Sie Beratungen der SachverWndige». Paris, 23. Jänner. (Havas.) Das'zwoite Sachderständigenkomrtee hat heute vormittags den deutschen Staatssekretär a. D. Bergmann der in Begleitung des Präsidenten der Kriegslastentommisiion Mayer erschienen war, angehört. Die Anhörung dauerte eine Stunde. Die Delegierten begannen hierauf mit dem Meinungsaustausch über die vom Staatssekretär Bergmann abgegebenen Erklärungen. Die Berotit-ngen ' des Komitees werden nachmittags fortgesetzt werden. Das erste Sachverständigentomttke trat um 4 Uhr nachmittags zu einer Sitzung zusammen. Rückkehr Dr. Schachts nach Berlin. (Eigendienst der „Wiener Morgen,Zeitung".) Paris, 23. Jänner. Die Pariser Mission des Reichsöankpräsrderiten Dr. Schacht ist nunmehr beendet. Dr. S cha cht wird morgen nachmittags nach Berlin zurückkehren. Staatssekretär Bergmann wird noch einmal vom Ausschüsse, der sich mit der Frage der deutschen 5kapitalsftucht ins Ausland befaßt, gehört werden. Minder««» der deutsche» MilprozeborÄrmng. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Berlin, 23. Jänner. Der Abbau in der Rechtspflege soll nunmehr auch auf den Zivssprozeß ausgedehnt werden. Der Reichsjustizminisier hat bereits die diesbezüglichen Entwürfe jertiggestelUx die -ine MjHneidende Änderung in der ReKts- _ Wiener Moraenzeiluna._ Pflege bedeuten. Die Berufungsfrist soll auf 14 Tage abgekürzt und nicht mehr von der Zustellung des Urteils, sondern von dessen Verkündigung an gerechnet werden. Die Parteien sollen auch Nicht mehr über die Vertagung von Terminen Abmachungen treffen können, vielmehr sollen die Gerichtshöfe das Recht haben, unter Androhung von Strafen die Parteien zum persöylichen Erscheinen zu zwingen Der geplante Abbau der Zivilprozeßordnung kann wegen Fertigstellung ver-' schiedener Ausführungsverordnungen erst etwa in vier Wochen in Kraft treten. Der Mler-Brorek. ' Eine Debatte im bayrischen Landtag. (Eigertdienst der „Wiener Morgenzeitung".') München, 23. Jänner. Im Versaffunasausschuß des Landtages kam heute Abgeordneter Dr. Müller (Demokrat) auf vrn bevorstehenden Hitler-Prozeß zu sprechen, worauf Miniftevialrat Dr. Dürr vom Justizministerium erklärte, daß die Anberaumung des Prozeßtermines unmitelbar bevorstehe. Es sei noch nicht bestimmt, ob die Hauptverhandlung in München^oder auswärts stattfinderr soll. Die Entscheidung darüber liegt ausschließlich in Händen des Vorsitzenden. Die Bedenken, die Verhandlungen in München durchzusühren, bewegen sich nicht in der Richtung. ob es möglich sein wird, die Verhandlung gegen etwaige Störungen zu schützen. Die Staatsregievung ist sich wohl bewußt, über die notwendigen Maßnahmen zum Schutze der Verhandlung zu verfügen. Die Frage ist nur die, ob man nicht unnützes Blutvergießen vermeiden solle, zumal die Gefahr vorliegt, daß Neugierige bei etwaigen Zusammenstößen zu Schaden kommen könnten. Der Mentatsplan »egen Treckt. Augsburg, Ausgangspunkt des Komplotts. München, 23. Jänner. Der verhaftete Augsburger Fabriksbesitzer Dr. Grandel, der beschuldigt wird, <vn dem Attentatskomplott gegen General von Geeckt bettiligt zu sein, ist derselbe, der seinerzeit im Prozeß wegen Ermovdrmg des Studenten Bauer eine große Rolle spielte. Er hat damals den berüchtigten Dr. R u g e zu entlasten versucht. Wie die „Schwäbische Volkszeitung" mitteilt, lauftn die Fäden des ganzen Komplotts nach Augsburg. Die Spaltung in der söchsische« Sozialdemolratie. Dresden, 23. Jänner. (Tel. der „Wiener Movgenzettung".) Die Kluft innerhalb der sächsischen Soziakdomokratie hat sich derart erwei-tevt, daß eine Spaltung wahrscheinlich geworden ist. Bei der gestrigen Beratung des Parbeivorftandes wurde beschlossen, der sozialdemokratischen LandtagSfraVion trotz chrer aiblehnenden Haltung dringend nchezwlogen, den Amvag auf s ofortige Auflösung des sächsischen LandtaeS zu unterstützen. Falls sich die. Frakti-onsmchrheit weigere, dies zu tun, halte sich die Fraktionsm-indechert für verpflichtet, den Willen des Parteitages auszustihren und dessen Politik im Landtage selbständig zu vertreten. Der "radikal« Flügel der sächsischen SoMdemokratie ist also entschlossen, sich unter Umständen von dem GvoS der Partei zu trennen und eine eigene Landtagsfrak- 11 ott zu Hilden. . Gestern ist der Vorsitzende des repMttanischen Richterbundes aus der sozialdemokratischen Partei ausgetreten und mit ihm 14 feiner Kollegen im sächsischen Justizmimsterimn. Der Prozeß gegen Dr. Aelgner. Dresden. 23. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgen zeitnng".) Der Prozeß gegen den ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Dr. Zeigner wird wahrscheinlich anfangs Februar stattfinden. DaS Untersuchungsverfahren steht kurzv or dem Abschluß. Versuchen Sie unseren seidenen üdecdstrumpf 370 I. TRATTNERHOf 2 (Graben) Paste und Ninelc nach Rom gereist. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Belgrad, 23. Jänner. Geste vn kam der Opposittonsblock endgültig zustande. Er verfügt in der Skupschtina über 104 Stimmen, wähvend die RegierungSmchrheit 129 Stimmten awf sich vereinigt. Diese Mchchsit war der Regierung schon honte von Nutzem. In der f-rauften Sitzung der Skuipschtbrva ha'ben rrämlich die Domokmtöit, die Slowenen und die Muselmanen einen, gemeinsamen Beschilußanttag mtterlbreiiet, über dm Vertrag mit Italien eiiire Debatte zu eröffnen. Nach einer kurzen Erklävuing des Mmistevs des Aemßern Dr. Nineie wurde der Beschlußantvag mi-t dem Stimmen der Regierungspartei und der doutschsn Abgeordneten ab gelehnt. Mneie reist heute abends, Pa sie morgen früh nach Rom. Ihre Rückkehr wird für Sonntag oder.Won-, j'tag erwartet, worauf dir'Debatte 'über ' das Nsbereiu- WWMW m LavlauWtt oinfeM wird. 24. Jänner 1924 M. 1776 Braschet demissioniert. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag» 23. Jänner. Gestern abends faßte die agrarl» sch e U n t ersu ch un g8 ko m missi ou über den Fall P r a s ch e k einen Beschluß, in dem sie Praschek „dar volle Vertrauen" aussprach und ihm „b ankt, daß er hie Bereitwilligkeit äußert, auf sv in e Funktionen zu resignieren". Präsident Praschek erklärte, daß er das Amt eines Präsidenten der Senats niederlege. Die Rettung der magyarischen Wissenschaft. Eine mannhafte Erklärung des jüdischen Kulturvereins. Budapest, 23. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Der Präsidialvat des Ungarischen Israelitischen Lamdeskulturvereins (Om'ike) hat gestern unter Vorsitz Dr. Marzell B a r a c s eine Sitzung gehalten, in der er sich mit der Aktion der Notgemeinschaft der ungarischen Wissenschaft beschäftigte. Der Vizepräsident, Generalsekretär Dr. Ernst Weiler, stellte folgenden Antrag: Der Präsidialrat des Omike ist sich dessen bewußt, daß er sich bereits dadurch an der Rettungsaktion der ungarischen Wissenschaft beteiligt, daß er die ungarische studierende Jugend jüdischer Konfession bei ihrem Studium fördert und deren große intellektuelle und moralische Kraft gegen alle von außen konlmenden Unberdrückunasbestrebungen für die ungarische Wissenschaft erhält und entwickelt. Die große Kraftentfaltung, zu der eine feindliche Gesinnung die ungarische jüdische Jugend auf dem Gebiete deS Studiums zwingt, wird in ihver letzten Auswirkung dem ungarischen wissenschaftlichen Niveau zum Vorteile gereichen. Ja, es ist sogar möglich, daß dadurch der Mangel ersetzt werden wird, der dadurch eingetreten ist, daß so viele vorzügliche Jünglinge jüdischer Konfession dem Hochschulstudium durch Zwang ferngehalten werden. Der Präsident sei aber, so heißt eS weiter, auch gern bereit, an der zur Rettung der Wissenschaft eingebeiteten allgemeinen Aktion teilzunehmen, wenn hierzu di «moralische Grundlage geschaffen sei. Diese Möglichkeit werde aber dann gegeben sein, wenn sich die Tore der Hochschulen f ü r die ganze ungarische jüdische Jugend wieder öffnen werden und wenn diese vom Hochschulstudium weder durch Gesetze noch durch Fäuste zurückgedrängt werden. Bis dieser Fall eintrete, werde der Omike die Angelegenheit der ungarischen Wissenschaft mit aller Kraft in der einzigen richtigen Weise fördern, in der sie heut« fördern kann. Der Antrag wurde einstimmig tiw genommen. Ungarn« Anleihegesuch vor der Reparationrkomnüssion. / Paris, 23. Jarmör, (HcvvaS.) Die ReiPavattonKkcmmiifs-ion hcvt den Bericht des Kmmdees für die rrngavische Anleihe echaktM. Sie wich morgen die Art der BelhwndllUW - des Bevichbes festsetzen, die es ermöglicht, rasch zu einei Enbscheidnävg zu gÄanyem. Die Merttanischen Marinemanöver.. (Eigendienst der „Wiener Morgetrzeitung".) New-ffjork, 23. Jänner. Bei dem Flottenmanöver siegtt die „feindliche" Flottr. Damit will di« oberste Leitung der amerikanischen Marine den Beweis als erbracht sehen, daß ohne radikale Aenderung des Dofensivshstems des PanamakanaleS dieser gegen einen feindlichen Slm griff nicht zu verteidigen ist. Der Abrsisinng entgegen. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 23. Jänner. Die Leiden Uebechreadnoüghtö „Nelson" und,Itodneh" werden in den nächsten Tagen vom Stapel gelassen werden. Die Geschütze der Kriegsschiffe sind mit einer ganz neuen Art von Panzer schütz versehen. Znlanü. Kn Begutachter ffit da« österreichische Salz« Monopol. Wie die Amtliche Nachrichtenstelle erfährt, hat der Generalkommlssär des Völkerbundes Dr. Zimmermann einen. hohen Funktionär deS französischen MinsteriumS für öffentliche Arbeiten. Herrn Üeprinee- R i n g u e t, Chefingenieur der Bergwerke, eingeladen, nach Oe st erreich zu kommen, um ein Gutachten über die Gebarung deS österreichischen Salzmonopols abzugeben. Herr Leprinee- R i n g n e t hat die Einladung des GeneralkommissärSangenommen und ist schon t n W i e n e i n g e 11 o f f e n. Sie Rnmönienreise Dr. Seipel«. Budapest, 28. Jänner. (Orieni-Radio.) Der öftsvveichische Bundeskanzler Dr. Seipel und Mnister des Avußern Dr. Gründer gor werden am 3. Feibruar zu'dem mrgekündigten Besuch in Bilkarest eintreffen. Polit-ifche Kreise fassen den Besuch dahin auf, daß er den guten öftevveichiisch-mmäwischen Beziehungen die Weihe gebe und zugleich den Wunsch der^ öfterreichischen Negierung zum Ausdruck bringe, diese Bezichnngen noch zu festigen. Besprechung Anonzieller Frage» mtt Ingaflllwien. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) ‘ Belgrad- -23. Jänner. Der Direktor der Bebgvader ^atwmaLbmvt R o w ajo w i t j ch reift hewte im Aarftray