Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1774 (23.1.1924)
- Date
- 1924-01-23
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1774 Wien, Mittwoch Hn Wimersendöster hat er sich aus alter Vovlwbe mcvchemattschen Studien ßetoübmet und sich an der Philosophischen FaMtat inskribiett. Er war mit großem Elser bei der Sache. Am 18. d.. früh, hat er sich nun nm haW 7 Uhr vom Hache enitfevnt. Spater fanden seine Wern in einer Zeitschrift einige flüchtige Zeilen von seiner Hand, in denen er bekannt Mt, daß er nicht länger in Wien bleiben könne. Seither fehlt von ihm jede Spur. Die Mer.v sind in größter Besorgnis. Sie bitten. Nachrichten über seinen Verbleib an die Adresse: E. Jergitsch. Kasernengasse 1. zu senden. * Zahlungsschwierigkeiten einer Modefirma. Dag bekannte Modellhaus Renee G o l d s ch m i d t ist in Zahlunas- Schwierigkeiten geraten und strebt einen Ausgleich an. Die Zahlungsschwierigkeiten sollen durch große Aufwendungen iür nue Karlsbader Filiale verursacht sein. Da in d"n letzten Zähren das Geschäft in Karlsbad sehr schwach war und auch im Wiener Absatz eine Stagnation eintrat, kann die Firma ihren Verpflichtungen niüp Nachkommen. * Die Milliardenschulden des Bankhauses Roth u. Komp. Die Angelegenheit des Bankhauses Roth u. Komp. m Budapest und Wien erregt hier und in Budapest nachhaltiges Aufsehen. Armin Roth hatte in Budapest seine Hauptniederlassung und in Wien. 1. Bez., Ho Heustaufengasse 2 eine Filiale. In Budaipest war sein Kompagnon Kormos tätig, während stoth hier die Geschäfte leitete. Schon im Oktober v. I. war )as Bankhaus dem Zusammenbruch nahe. Hauptilänbiger war ein Berliner Bankier, der die Aufgabe übernahm. die Verbindlichkeiten des Hauses Roth u. Komp. zu irdnen. Er übernahm auch in der Folge, alle Schulden des Hauses, die insgesamt neun Milliarden österreichische Kronen ansmachten, und war nun in der Folge Alleingläubiger. ilnf dieses kolossale Guthaben war seither bloß 1,8 Milliarden ibgczahlt. Außerdem waren dem Gläubiger die Einrichtungen >es Budapester und Wiener Hauses und fünf Automobile rotariell verpfändet, so daß, wenn diese Werte mit 200 Millionen angeseht sind, noch etwa sieben Milliarden schulden bestehen blieben. D i e F i r m a hat sich aber >urch diese Maßnahme nicht rangiert, sondern neue Schul- >en gemacht. Durch Kostgeschäfte gelangte sie in den Besitz lrößever Aktienpakete, die als Deckung für Bargeld gegeben varen. Die Firma Farago in Budapest hat aus solchen Gekästen eine Forderung von sieben Millionen österreichische Kranen. Eine Wiener Firma hat eine Milliarde zu fordern. Außerdem sollen noch ein Börsenkommissär und eine Wiener hirma hohe Buchforderungen haben. Die Gesamtverbindlich- Äten werden mit 16 Milliarden angesetzt. * Das Haustorschlüffelgeld. Die Organisation der christlichen, HausbHorger hat die Forderung auf ein H a u s t o rchlüsselgeld von 10.000 K. monatlich für jeden Besitzer nnes Schlüssels aufgestellt, worüber Verhandlungen im Rathause schweben. Der sozialdemokratische Zentralserein der Hausbesorger hat sich gegen diese Forderung aufgelehnt, verlangt dagegen nicht weniger als folgendes: 160prozentige Erhöhung des Reiniaunasaeldes, ZOProsentigen Zuschlag zu dieser Erhöhung von November bis März ftr Gehsteigreinigung, ein Sperrgcld von 2000 K. vor Mitternacht und 5000 K. nach Mitternacht, für jeden Untermieter 2000 K., für jeden Hund ebensoviel, für die Klosettreinigung 2000 K., ferner eine menschenwürdige Wohnung und freies Licht. Die Mieter dürfen auch verlangen — die Reinigung im Hause. Ob sie das aber durchsetzen werden, ist eine andere Frage. Gerechtfertigte Forderungen werden bei der Mieterschaft gewiß Entgegenkommen finden, zu überspannte Forderungen vorznlegen erscheint jedoch nicht klug und zeitgemäß. * Samariterknrse der Rettungsgesellschaft. Der SamariterlurS für Frauen und Mädchen beginnt am Montag den 88. b. um 5 Uhr nachmittags und wird an jedem Montag und Donnerstag von 6 bis 7 Uhr nachmittags fortgesetzt. Persönliche Vormerkungen für diesen Samariterknrs werden in der Zentralkanzlei der Rettungsgefellschaft, 3. Bez., Radetzkhstraße 1, 1. Stock, cntgegengenommen. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Alke Sausfrauen rufen im Cftor r „Die beste Seife ist Kagor." * Tanzinstitnt Hermann Braun. 14. Bez.. Reindorfgaffe 42. * Sensationelles, unerreichtes Angebot im Seidenhaus stichard Leitner, 4. Bez., Margaretenstraße 10. Crepe de Chine, Satin de Chine, Ponais nsw. in feinster Qualität zu 52.000 bis 98.000 K. pro Meter. Seidenstoffe für Lampenschirme usw. spottbillig. _ Vereine Vortröge md Versammlungen. Zionistische Frauenorganisation. Die jctttiflc Sitzung entfällt. — Zionistische Bezirks- 'ektion Brigittenau. Morgen Donnerstag, 7,8 Uhr abends, dringende Sitzung de? erweiterten Ausschusses. — Kulturgruppe der zionistischen Bezirk 8- 'ektipn Brigittenau, 20. Bez., Karl Meißlstraße 5. Heute, 7 Ilhr abends, dringende AuSschußsttzung bei Koll. Robinsohn, 2. Bez., FSrstergasse 6. Morgen, l,,8 Ubr abends, LiteraturürrS (Mendele Mocher Ssorim). SomStag, 6 Uhr abends, jüdischer GeschichtskurS. — IüdischerHilfSverein Prater. Zn der letzten Generalversammlung, in der der bisherige Ausschuß viedergewählt wurde, wurden die Herren Heinrich E d e l st e i n. Ludwig Spira und Fletschmann einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. — Jüdische Tischgesellschaft L a n d st r a ß e. Heute, 7-9 Uhr abends, im Cafe Ilion Vortrag Dr. N. M. G e l b e r r Vorkämpfer der Haskala-Bewegung ln Osteurova. Gäste willkommen. — Verein Tikwath I e h u d a, 8. Bez., Bennoplatz 1. Heute, präzise 7,9 Uhr abends, Popper-LvnkeuS-Abend: Herr A. P v r k e r über das Schaffen Povper-LynkeuS; Herr Anton Amon (Deutsches VoikStheatsr) liest aus dessen Werke. Anschließend geselliger Abend. — Beth Waad Laiwrim. Heute, 7,8 Uhr abends, Chamischab-Assar-Feier im Saale der Lese- und Redehalle, 9. Bez., Türkenstraße 9. Gäste willkommen. — Jugendverein Ahawath Zion, 2. Be,.. Glockengasse 30. Heute. 7,8 Uhr abends, Vortrag Prof. Dr. W. S t e i n. Jugendliche Gäste willkommen. — Der Verein zur AuSsveisung armerSchulkinderfürden 16. und 17 B e z i r k, 16. Bez., Wmlitzergasse IS. begeht demnächst daS Jubiläum seines 25jälirigen Bestandes. Derzeit werden in dem Heim des Vereines täglich achtzig Wiener Schulkinder unentgeltlich auSgeweist, überdies erhalten jetzt täglich fünfzig Kinder au? dem Deutschen Reich unentgeltlich Mittagessen. Arme, hungernde Schulkinder sind es, die durch den Vereinsausschuß ihre Freunde bitten, anläßlich des 25jährigen Jubiläums ihrer zu gedenken. Ausstellung im Oe st er r. Museu nt. Im Oesterr. Mu'rmn (neues Gebäude, 1. Bez., Wollzeile 45) wird nwrgen eine Ausstellung von Modezeichnungen der Schule des OberbaurateS Prof. Dr. H o f f m a n n (Kunstgewerbeschule' eröffnet. Diese AuSstellnng ist bis Anfang Februar an allen Wochentagen (ausgenommen Montag' von 9 bis 2 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 Uhr bei freiem Eintritte zugänglich. Morgen, 7 Uhr abends, Vortrag des Untv.-Prof. Hofrat Dr. Josef Strzygowski: „Die Krisis der Geisteswissenschaften, voraeführt am Beispiele der Forschung über bildende Kunst". Karten beim Portier, 1. Bez., Stubenring 5, und abends an der Kassa. » _ Wiener Mornenzettung._ FRACKHEMDEN ERACKGILE'TS dtreMbeimBrseuger BERTHOLD SCHEER 1IL Land»irasrtr Qürttl 19, Linttn: 0,118,4 Mhne und Kunst. Nillkttultur. Von Erwin Felder. An einem Frühjahrsnachmittag erlebte das Mysterium „Adam und Eva" von Frau Lanik-Laval im Carl-Theater seine Uraufführung. Zu der frischen Musik von H. E. Heller agierten als paradiesisches Paar Frau Lanik-Laval im Schmucke von Efeuschurz und Busenhalter und Herr Zeska jun. in einer Schwimmhose. In den letzten Wochen sollte das Mysterium in der Volksoper wiederholt werden und Direktor Weingartner hatte in einem Briefwechsel, mit der Autorin ein würdiges Kostüm zur Vorbedingung gemacht: Doch sie erschien, wie Eingeweihte erzählen, in der Probe splitternackt, ohne Efeuschurz und ohne Bufenhalter auf der Bühne; Weingartner, dessen' in der indischen Philosophie geläuterter Schönheitssinn dadurch verletzt wncke, kommandierte „Vorhang herunter!" und Probe und Aufführung unterblieb, trotz des Protestes der Frau Lanik, sie könne die Eva nicht im Frack spielen. Der gutsitzende Frack konnte ihr natürlich nicht passen, solange Edmonde de Guy in hüllenloser Nacktheit austritt und der Schiedsrichter Paris in den Nelson-Spielen derjenigen unter den „Damen vom Olymp" den goldenen Apfel als Schönheits- Preis zuerkennt, die am wenigsten anhat! Der Zuschauer freilich, der nicht um der Laszivität, sondern um des Kunstgenusses willen eine Stätte der Nacktkultur betritt, muß meist mit Bedauern feststellen, daß „ohne" Gürtel „ohne" Schleier der holde Wahn entzwei reiße: Wir erinnern uns der vielbesprochenen Tanzabende der Anitta Berber; Tänze des Lasters, des Grauens und der Ekstase, bei denen von Ekstase nicht viel zu spüren war, jedoch ob der Lasterhaftigkeit einen das Grauen überkommen konnte. Diese Tänze haben Schule gemacht; die Nacktkultur hat Bühne und Tanzabende erobert; nur selten ist der Genuß ein ästhetischer — etwa in den lebendigen Plastiken von Claire Bauroff —, oft ist es nicht Nacktkultur, sondern Nachtlokalunkultur, der durch die frühere abendliche Stunde und das vornehmere Milieu der Bühne oder des Konzertkales ein Mäntelchen der Wohlanständigkeit statt einer wohlanständigen Bekleidung umgehängt ° wird. Die fortschreitende Nacktkultur ist wohl ein Zug unserer geschäftstüchtigen Zeit, die in allen Branchen darauf sinnt, wie man mit neuen skrupellosen Mitteln Männer und Frauen fesseln könne, und in dem Maße als sich das erotische Fluidum durch gemeinsamen Körpersport u.' dgl. abgeschwächt hat, wird es auf künstliche Art wieder gesteigert. Die Tänzv unseres Diesseitskünstlers Richard Strauß — etwa in der „Salome" oder in der „Josefs-Legende" — würden auch, wenn sie in dem von Frau Lanik zitierten Frack getanzt würden, Phallus-Tänze bleiben und nicht mit Unrecht beruft sich Frau Lanik auf die „sogenannten" Kostüme der Josefs-Legende, deren in der Musik begründete Dürftigkeit einer altösterreichischen Erzherzogin wohl die Schamröte in die Wangen getrieben hätte. In der künstlerischen Praxis zeigt sich leider, daß Tanzkultur undd Nacktkultur wen'g Berührungspunkte haben. Unsere Nackttänzerinnen können selten tanzen und unsere wirklichen Tanzkünstlerinnen können allenfalls erotisch wirken, ohne die letzte Hülle fallen zu lassen; denn die künstlerische Täuschung ist stärker als die nackte Wirttichlichkeit. Freilich nimmt man auch oft wahr, daß die geschulte Tänzerin nicht die reine Schöuheitslirne hat, die den'Nackttanz gestattet und daß es andererseits der Nackttänzerin nichb um Tanz, sondern mn Schaustellung ihrer nackten Formenschönheit zu tun ist. Eine Dame mit Rubentzschen Fleischrnaffen, mit Makartscher Fülle oder Lovis Corinthschen Formen wird wohl nur selten ihre Reize dem Auge und dem Urteil der Oeffentlich*eit preisgeben; man sieht vielmehr meist Formen, die unserer Zeit entsprechen, schlanke, jünglingshafte. biegsame Frauenleiber, die erst in der Sinnlichkeit des Tanzes erotisch wirken. : Zionistische BezirKsseKtion leopoldstadt \ ■ Heute Mittwoch, 23. d. H 8 Uhr abends , ] in den Oiympiasälen j e PROGRAMME o Festrede: Dr. Josef Löwenherz — Fr! Berta Swertlin ■ (Stadtheater, Riga): Jüdische Ueder — Isak Deutsch i (Jüdische Volksbühne): Ernstes u. Heiteres — Martha ■ Blank (Volksoper) — Hans Kolischer Le^poldf.Wlesen- ■ thal) — Kammerschauspielerin Lotte Witt , Max ßrod (S rauss-Theater) ■ Kapelle Seiger — Tanzarrangement > Prof. ■ Singer — Serpentinen« u. KorlandoiKschlacht b Restliche Karten an der Abendkasse _23. Jänner 1D24 ’ ©eit« 7 Wie steht es nun mit dem Schamgefühl, das naä Ott und Zeit, nach Ländern und Anschauungen so mannigfach differenziert ist? Wie erklärt es sich, daß die Frau, die im dezenten Morgenanzug einem Fremden gegenüber verschämt tut, einige Stunden später in großer Abendtoilette ihre Reize stolz und freigebig öffentlich zur Schau trägt? Was gab es für ein moralisches Getue, als das erste Wiener Familienbad auf dem Gänsehäufel eröffnet wurde und mit welch' natürlicher Selbstverständlichkeit baden in Schweden die Geschlechter völlig unbekleidet gemeinsam! .Eigenartig berührt auch die „Lokalisierung" unseres Schamgefühls: Unser« Kultur schrieb den Frauen durch Jahrhunderte das Korsett vor und hob damtt Brust und Hüften hervor, welche in unserer Zeit der männlich-weiblichen Angleichung immer schwächer werden, s'e verhüllt jedoch bei noch so dürftiger Bekleidung die Geschlechtsorgane selbst. Die ursprünglichere Orientalin hingegen, welche notdürftig bekleidet von einem fremden Manne überrascht wird, verhüllt in richtiger Erkenntnis chr Persönlichstes, das Gesicht, mit dem Hemde und gibt das nur Typische, den Körper, dem Anblick preis. Die Wege des Schamgefühls sind eben dunkel und mannigfach. Einen bedeutsamen Wegweiser bieten uns vielleicht die Hottentotten, für die eine absonderlich fette Ste'ßbildung charakteristisch ist. Da zeigt sich nun der merkwürdige Fall einer „Verlagemng" des Schamgefühls. Es erstreckt sich nicht auf die Vorderseite des Körpers, sondern auf den fetten Steiß, der 4>ie besondere Aufmerksamkeit des anderen Geschlechtes erregt. Da erkennt man, daß das Schamyesühl keinem einheitlichen angeborenen Instinkte der Sittlichkeit entspringt, sondern daß es im Widerstreit zwischen Schön und Häßlich, wie auch zwischen Aesthetischem und Ethischem eine zeitgemäß zweckmäßige Entscheidung trifft. Aber kehren wir zu unserem Ausgangspunkt der Nacktkultur zurück! ES wird immer oder doch noch lange Lebeknaben, ältliche Junggesellen und Lebegreise, sehnsüchtige Mädchen und lüsterne Frauen geben, welche gegenüber dem pseudokünstlerischen Angebot der Nacktunkultur die Nachfrage liefern werden. Doch nicht die Nacktheit ist zu Le« kämpfen, die ja im Ausnahmsfalle für ein Kunstwerk unentbehrlich sein mag, sondern ihre Aufmachung, mit der sie der Lüsternhett dient und voll Verlogenheit ästhettsche Motive vorschützt. Mag sich auch Sitte, Herkommen und Mode noch weiter verschieben, so bestehen doch mysteriöse Zusammenhänge zwischen dem Körper und der Seele, welche durch bewußte uAd gewollte Hüllenlosigkeit in Mitleidenschaft gezogen wird. Ohne Gürtel, ohne Schleier, reißt eben der holde Wahn entzwei, auf den es im Leben und in der Kunst so oft ankommt. Srchesterkonzert Fritz Stiedry. Der Diriymt, der Mcht an leitender Stelle an der Ber» Kner StMSoiper wirkte, ist ein geibüttiger Wiener und daher in Wien so gut wie undekamvt. So beduvf.be eS erst einer Einladung zur L-eÄung eines ArHeiwr-SymphomeLonizeris, um den ebenso energrschen wie seSMichsren Kapellmeister den Menern voryuisttllen. Same Begeisterung Kr Gustav Mchler, dessen Wertschätzung er genoß, klang im „Sieib von der Erde" wieder, das ich schon lange nicht in so exotisch phaniasttscher Wiedergabe gehört habe. Dieses „AbschiedMied eines oinsamon WmideverS", dessen Solii von Frau Emilie Bitiner mit tiefer Innigkeit und von Dr. Fraitz Szekeiehidy mit großer Virtuosität gesungen wurde, wirkte unter Stiedrys fe'iu- Mliyer Führung wie ein« freie Improvisation. Das glleichc Kvnzett brachte die Umufführung von Karl Horwitz' shmphonischem LiedWluL ,Mom Tode". Da8 Vorspiel und die drei Gesänge für Baröton und großes Orchester sind dem Andenken Gustav Mahlers gewidmet. Das Vorspiel ,Totenfeier" tragt den Vermerk,Lmn 33. Mai 1911" (Mchlers Todestag) und bringt überdies einen AMang an das Auserstehunpsmotiv aus Mahlers ,Lrweider". Twtz mancher anderer Mahler- Erinnerung und protz der Tristan-CIHromatük des von Der- Awoislung erfüllten Vorspiels ist das mit starker musikalischer Plastik geformte Wert reich an Eigenart, seine JenseiltZsehnfucht Mißt in eigenien düsteren Farben und namentlich daS Lied ,£tex Tod", das schon früher «emnal von Frau Gutheil- Schoder gesungen wunde, bezwingt mit seiner Wuchtigkeit den Hörer. Ueberrafchend an dam Werk des Schönberg-Schülers P das vornehme MaßhMen; zeitgemäß empfunden, zeigen die Lieder doch keine Spur von atonaler Experimeniiermusik, die Melodie kommt zu ihrem Recht, die motivische Klarheit ist durchaus geiwcchvj. D^eichnend, daß das unverbilldtte Publikum der ArbeÄer-SymPhoniekonzevte an diesem kurzen, feierl'ichen Reguiem für Mahler — ivotz der nicht durchaus stKgerechten Wiedergabe — Gefallen fand und den Komponisten und seinen eindringlichen Liadimerpvoten Pros. Eduard Erhard wiederholt harvorries. fvb. Me böse AmeaukrMe. Das nordische Museum beteiligt sich nicht an der Ausstellung von StrindbergS Gemälden. Wie wir bereits gemeldet haben, findet in Stockholm anläßlich der 7 6. Wiederkehr von StrindbergS Geburtstag eine znsammenfassende Ausstellung von Strindbergschen Malereien statt. Ungefähr 30 Gemälde StrindbergS sind in dieser Ausstellung vereinigt, welche gestern, am Geburtstage deS toten Dichters (22. Jänner), eröffnet wmde. Höchst bedauerlich ist eS, daß diese Ausstellung ein Torso ist. weil das nordische Museum die in seinem Besitze befindliche Kollektion von Strindberg-Gemälden, ungefähr 16 an der Zahl, dem Aussteller der Grummesonschen Kunsthandlung, vor enthalten hat. So wurde durch ein« kunstfeindliche bureaukratische Tat verhindert, daß die Verehrer StrindbergS einen Ueberblick über sein Schaffen als Maler gewinnen. 7934^1697533