Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-23 · Heft 1774 (23.1.1924) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1774 (23.1.1924)
Date
1924-01-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980857--17538-3004549
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

, m. fffi Ält, Mikiwoch ggtcnft; MörKevMküW. " 23. Jfmmet 1924 Sexte 3 Sie Krsützwahl in Sebreczin. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Vir-apest. 22. Februar. Nächste Äoche findet in D es re ezin eine Ersatzwahl in die N a t i o n a l versa tt m l u n g statt, für welche schon jetzt eine überaus heftigeWahlagitation im Gange ist. Als Kandidaten treten der gewesene Staatssekretär für Inneres im Kabinette K a r o l y i, Vinzenz Na gy, ferner Georg Ma goß und Dr. Wilhelm H a e n d e l auf. N a g y kandidiert mit einem demokratisch-radikalen Programm, M a g o ß bezeichnet sich als unabhängigen O p p os i t i o «e k l e n, Dr. H a e n d e l ist R a s s e n s ch ü tz l e r. Bemerkenswert ist, daß die E i n h e i t 8 p (t 11 e t in diesem wichtigen Wahlbezirk überhaupt keinen Kandidaten aufstellt. MM glMbt, daß der erste Wahlgang keine Entscheidung bringen, sondern daß eine Stichwahl zwischen den beiden demokratischenKandidatenNagy undMagoß stattfinden wird. Wenzel Böhm - Prascheks Bruder. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Prag, 22. Jänner. „Pravo Lidu" veröffentlicht ein dom Brüder des Präsidenten des Senates Praschek, Wenzel Praschek, am 14. August 1914 an die l l Kabinettskanzlei gerichtetes Schreiben, worin sich Wenzel Pra-' schek unter Hinweis auf die Patriot! fche Tätig keit seines Bruders erbötigt macht, unter dem Pseudonym Wenzel Böhm vertrauliche Berichte an die Kabinettskanzlei gelangen zu lassen. Das Blatt benützt diesen Brief zu einem heftigen Angriff gegen den Präsidenten Praschek, dem es vorwirft, er habe seinen politisch bedeutungslosen Bruder nur als Strohmann benützt und selbst Konfidentendienste für die Habsburger-Monarchie geleistet. Der Brief an den Chef der Kabinettskanzlei Dr. .Freiherr» v. Schießl lautete: Mein jüngerer Bruder, der geheime Rat und k. k. Minister a. D. Karl Praschek, hat mir öfter über die erhabenen Eigenschaften Eurer Exzellenz erzählt und das eben ermutigt mich, im vollen Berttauen zu Eurer Exzellenz die hier beigeschlossene Mitteilung höflichst zu unterbreiten. Ich erlaube mir kurz zu erwähnen, daß ich als Fabrikant und Oekonam, ferner als Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums der königlichen Hauptstadt Prag usw. usw. ziemlich reiche Erfahrungen erworben habe. Sollte ich hie und da besonders wichtige Sachen ersah ren, dann werde ich niemals unterlassen. Eure Exzellenz darüber sofort in Kenntnis zu setzen. Dergleichen Mitteilungen werde ich immer schreiben unter dem Pseudonym „W. Böhm". Mich Eurer Exzellenz bestens empfehlend, zeichne ich mich mit. dem Ausdruck besonderer Hochachtung Wenzel Pvaschek, Realitätenbesitzer und Oekonom in Prag, 336/11. Prag, am 11. August 1914." Amerika anueMert de« Nordpol. Berlin. 22. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Neber die Absicht Amerikas, den Nordpol zu annektieren, berichtet ein Londoner Telegramm des „Berliner Tageblattes": Nach Erklärungen des amerikanischen Marineministers haben die Vereinigten Staaten die Absicht, den Äiordpol zu annektieren. Zu diesem Zwecke werde das Luftschiff „Shenandoah" eine Fahrt nach dem Nordpol unternehmen. Die Vereinigten Staaten könnten nicht zulassen, daß das ungeheure Gebiet von. einer Million Quadratmeilen, das den Vereinigten Staaten so nahe sei, in die Hände einer anderen Macht fiele. Wenn Amerika die Expedition nicht in diesem Sommer unternehme, dann werde das arktische Gebiet innerhalb eines Jahres von einer anderen Macht beansprucht werden. Sine arabische Fellachenpartei. Der I e r u s a l e m e r Korrespondent de§ „I e w i s h Chronicle" schreibt: In Anwesenheit von etwa 3 0 0 Delegierten fand vor kurzem eine Konferenz der Fell^a ch e n in N a b l n S statt. Die Konferenz beschloß, eine Fellachenpartei im ganzen Lande zu bilden; zu diesem Zwecke wurde eine Exekutive von zehn Mitgliedern ge-- wählt. >)N den Reden wurde daraus hingewiesen, daß d i e Bedrück e r d e rF e l l a ch e n die Effendi seien, die sich durch Lrnndverkäufean dieJuden bereicherten und diese dann wegen ihrer zionistischen Politik Mgriffen. ES kam die Meinung zum Ausdruck, daß in Wirklichkeit die I ud e n die Fellachen bei ihrer Befrei ring Don der Sklaverei durch die Efsendis unterst ü tz e n würden. In der Konferenz wurde beschlossen, der Negierung mitzuteilen, daß der M u s e l m a n i s ch -- ch r i stl i ch e B e r b a n b und Me Arabische Exekutive nicht das Recht hätteu, im Namen der arabischen Nation zu sprechen und zu Unrecht behaupten, daß sie die arabischen Ansichten vertreten. Ser neue Hafen vo« Haisa. Laisa, ia Samt«. (I. L. A.). Mit dem Ban drS Haisaer Hafens wird noch in diesem Frühjahr bestinnnt begonnen werde». Die Baukosten werden auf 1,000.000 P s n n d veranschlagt. Die Finanzierung der Arbeiten lvird jetzt in London vor* bereitet. Prinz Artnr of llommught in Fernfalem. Aus Jerusalem berichtet I. T. A.: Zu Ehren des Prinzen Artur os Connaught, des bisherigen Gouverneurs von Südafrika, der auf seiner Rückreise nach England nt Palästina eingetrofsen ist, hat Sir Herbert Samuel am 14. d. im Negierungsgebäude einen Cmpsangscibcud ver ««stattet, zu welchem aM die Oberrabbiner der beiden Mi- Zentrum und Zudenfrage. Reichrkanzler Marx gegen die völkisch.antifemWche Propaganda. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeituug".) Berlin, 22. Jänner. Reichskanzler Dr. Marx empfing einen Vertreter der Berliner jüdischen Telegraphenagentur, dem er ans die Frage nach seiner Stellung zum Judenproblem unter anderem folgendes erklärte: Die Rechte der Juden sind, soweit sie deutsche, Staatsangehörige sind, durch die Verfassung gewährleistet. Dementsprechend Mt auch die Reichsregierung an dem Grundsatz fest, daß niemand deshalb, weil er ein Jude ist, eine andere Behandlung erfahren dürfe als ein Nichtjude. Wie der'Genuß aller bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte sowie die Zulassung zu öffentlichen Aemtern unabhängig von dem religiösen Bekenntnis sind, so legt die Reichsregierung auch darauf Gewicht, daß eine Differenzierung der Staatsbürger nach Raffe oder Religion nicht in sozialer und gesellschaftlicher Beziehung erfolge. Analog wird bei de.r Behandlung der Ausländer dahin gewirkt, daß dieses Prinzip durchgeführt wird, so daß eine SonderbeHandlung von Juden nicht stattfindet und nicht geduldet Lverden wurde. Wenn nun von gewisser Seite versucht lvird, die große Not des deutschenBolkes zu antisemitischer Hetze auszunützen, so findet diese Bewegung nicht nur 'keine U n t e r st ü tz u n g von seiten der Reichsveg-iemntz und der einzelnen Landesregierungen, sondern sie wird auch als für das allgemeine Interesse überaus schädlich auf das entschiedenste bekämpft. Was meine persönliche Stellung zur Judenfrage betrifft, möchte ich auf meinen Brief an den Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens aus dem Jahve 1922 Hinweisen, der kürzlich von dem parlamentarischen Dienst der Zentrumspartei veröffentlicht wurde. Darin heißt es unter anderem: Wir Katholiken lehnen bei aller Betonung des Deutschtums und der Eigenart der deutschen Voliksstämme die durchaus verkehrten und zur Zersplitterung des Volksganzen führenden Bestrebungen der deutschvölkischen Bewegung ab. . . Ich glaube nicht, daß zu befürchten ist, daß weitere katholische Kreise der anttsemitischen Agitation Folge geben werden. Sie würden damit de',. Grundgebot des Christentums ivenigstens durch die Dal entgegenhaudeln. Die vaterländisch gesinnten Juden dürfen im Kampf gegen die antisemitische .Hetze auf die Unterstützung des kathoWen Volkes und auch der Zentrums. Partei rechnen. Diese Erklärung eines strenggläubigen Kacheltten ist auch für Oesterreich bedeutungsvoll, und zwar deshalb, weil hier einmal von konfessionell und „rassisch" einwandsrei-er Seite nichts Geringeres festgestellt wird, als daß die Partei, die hierzulande auf dem Boden des Katholizismus zu stehen dorgibt und sich als die patentierte Schützern, des Christentums ausgibt, ,^>em Grundgebot des Christentums entgegenhandel't". Denn die antisemitische Hetze wird in Oesterreich gerade von den Klerikalen intensiv betrieben und bei ihnen finden die Juden nicht nur keine Unterstützung in ihrem Ärteidigungskanipfe, sie sollen es vielmehr noch als eine besondere Begünstigung ansehen, daß sie ihrerseits den chvistlichsozialen KreuWug gegen alles MchtchrisÄiche unterstützen dürfen. Diese Erlaubnis wird ihnen allerdings um so häufiger gewährt. Sie dürfen nicht nur die Budge-tsorgen des christlichfoziastn Finanz- und Unterrichtsminlsbers lindern Helsen, sondern auch den antisemitischen Wahlfonds stärken. Und wenn sie von dieser Begünstigung' keinen allzu begeisterten Gebrauch machen, dann zeiht sie das Regierungsorgan sofort der größten UndaMarLeit. Wohl gibt es auch unter den österreichischen Klerikalen Politt^r, die Pas geschilderte Verhältnis als paradox empfinden. Leider bringen sie aber nicht den Mut auf, ihren Standpunkt so klar zu präzisieren wie ihr reichsdeutscher Parteigenosse Marx. Vielleicht liest ihnen dieser deshalb einmal gehörig die Leviten. Denn schließlich hat das Zentrum ein Interesse daran, daß die katholische Politik nicht als unaufrichtig gebvandnlarkt erscheint. Diese Gefahr erscheint aber sehr hr die Mhe gerückt, wenn es sich zeigt, daß die Katholiken dort, wo sie eine Minorität repräsentieren, für Duldung und Versöhnung einlreten, dagegen, dort, wo sie selbst die Macht haben, sich als die. Vorkämpfer der Unterdrückung und Unduldsanrkeit entpuppen. . raBfl>WMIEIOIII!H»llffllII scheu Gemeinden und sämtliche Notabeln eingeladen waren. (Der Prinz ist bekanntlich ein Vetter des Königs von England und steht'gegenwärtig im Zusammenhang mit Gerüchten über'die Besetzung des ungarischen Thrones im Vordergrund des Interesses.) Ausweisungen aus Rumänien. Bukarest, 21. Jänner. (Tel. der „Wiener MorgenZeitnucst.) Nach einer Verfügung des Ministeriums des Innern sollen sämtliche Ausländer, die nach bient Jahre 1910 nach Rumänien gekommen sind und ohne gerechtfertigte Besch äftßgung im Lande leben, ans gewiesen werden. Auch alle Personen, deren Ansenthaltsbewilligung abläuft, tverdeu von dieser Maßregel betroffen. Allein aus Oradea Mar: (Arad) wunden bisher 4QQ Personen ausgewiesen, Auch ans anderen rumänischen Großstädten wn.rden zahlreiche Personen, darunter auch Familien, von den Behörden im Sinne dieser Verfügung zum sofortigen Verlassen deS Landes verhalten. Alan schätzt, daß die Zahl der Ausgewüstuen wchrere Tausend erreichen wird. Eine Denkschrift des Generals Körner. Jur .Heeresausschuß des Ikationalrates brachte, gestern Abgeordneter Dr. Deutsch eine Denkschrift des vom Heeresmimster Vaugoin abgesägten, Heeresinfpektors Generalmajor Körner zur Verlosung, worin dieser — ein zweiter Franz S ch ö n a i ch — den Verfall der österrcichifchen Wehrmacht beklagt. In der Denkschrift heißt es unter anderem: Als Amtsstiter des Bundesrninisteviums für HeereIwestn habe ich sehr viele Versuche gesehen, gegen den Sinn des Wehrgesetzes zu handeln und das Bundes Heer zum Verlaufen zu bringen, ja sogar Versuche, die Auflösung des Bunde sh e er es durch ausländische Einflüsse zu fördern. Was nun in der letzten Zeit mit dem Bundesheere geschieht, ist die Verwirklichung dieser Zerstörunasvevsuche. Vom Generalkommiffär Dr. Zimmerman wirksam. unterstützt, wird diese Zerstörung des -Heerloesens allmählich erzwungen werden. Die steten finanziellen Drosselungen müssen nach und nach die Verringerung des Standes des Bunde shecres, eine vollkmurmne organische Veränderung erzwingen, die urilitärfachlich die Auflösung des 30.090 Mann starken Heeres der Republik überhaupt bedeuten. Zum Teil verläuft sich das Bundes Heer, z u m T e i l w i r d e s 'a b g e b a n t, der Rest wird in Arbeiter-, Wach- und Pserdervartabteilungen verlvandc-lt. Aus einem militärischen Organismus wird e-in verkleinerter BerwaltungsaPParat für die Reparatur, Konfevoie-ruug und Beuxlchung.von Kriegsntaterial, Kasernen und Depots. Der für 1924 eing-cbrachte Hee-reHvoran-Wag weist n u r m e!j r 550 Nl i 11 i a r d e u .P a p i e r k r o >l e n . aus. Das langt für ettoa 15,000 Atenschou, Zivilbeamre und Arbeiter inbegriffen; doch auch das 550 Milliavden- Budget für 1924 scheint unsicher, denn nach dent Bericht des Gemralkommiffärs scheint ein abermaliger Abstrich von 50.Milliarden bevorzusteheist. Sehr scharf kritisiert Generalntajor Körner die dermaligen Zustände des Bundesheeres. Die inneren Reibungen seien noch immer nicht überwunden, sondern im Gegenteil gegenüber früher noch verschärft. Das Ministe-' rium selbst vermeide das Wort Republik. In dem zürn größten Teile monarchischerzogenen und gegen die Demokratie überhaupt eingestellten Offizierskorps werden unmerklich, aber planmäßig ■ wieder die volksfeind.l i chen Ges.ühl c der Vergangenheit geweckt. Die. jetzige Richtung, die reaktionäre Traditionen begünstigt, sei auch deshalb schädlich, losil sie dert Gegensatz zwischen Offizier und Mann verewigt. Vom zulässigen Stand von 30.000 Mann fehlten Ende Oktober schon 91 Offiziere, 380 Unteroffiziere und 7543 W e h r m ä n n e r, das sind 7 Prozent Offiziere, 19 Prozent Unteroffiziere und 28 Prozent Wehrmänner. Es schien Waffen. Die Waffen sind zrtm großen Teil alt. Das MuMonsquantum ist nicht vollständig vorhanden, es fchlt vor allem Gewchrmunitiou. Eine Ausbildung im Schießen ist fast ausgeschlossen. Was schließlich zurückbleibt und Bundesheer heißt, ist e.in für Parade und Ausrückungen vorbereiteter Verein, der in der Tradition der Vergangenheit lebt, sich Luftschlössern hingibt und die Oeffentlichke.it über die trauris« Wirklichkeit hinwegtäufcht. Die Einvückilngstevnrine verschoben. Der feinet^ett für die Einrückung der Neu»- an geworbenen verlaut barte Haupteinr n ck u n g 8 t e r m i n v o m 4. Februar mrd der Termin für Nachzügler vom 1. März sind verschoben worden. Die E i n r ü ck u n g s t a g e werden in den Zeitungen bekcmntgegeüen werde». Wieder ei« Rededuell Kienböck-ZMec. Die Sozialdemokraten haben als Antwort aus die nn«r* sch redlichen Liebenswürdigkeiten des Finanzmimsters -gegen die Gemeinde Wien bekanntlich den Dr. Kienböck in ein arges Gedränggebracht, indem sie ihm seine ALgabentcilnngsnovelle obstrnierten, die jetzt in einem Subkomitee hoffnungslos begraben liegt. Da ihm die Herren Dr. Bauer und Konsorten and) sonst hart zusetzen, ist es kein Wunder, daß er sich seiltcr! Haut wehrt. Gestern griff der Finanzmirrister darum nochmals in die Genemldebatte über den Bnndesvoranschlag im Bnndesansschnsse mit einer sehr 'langen Rede ein, die. eine nicht ungeschickte Polemik gegen Dr. Bauer 'darstellte. Dr. Kienböck verwehrte sich Vornehmlich gegen die Be-. ■ Häuptling B a u e r §, als ob das Budget od-ev die Erläniermlgen oder die Grll.ppierurigeu von Ziffern, die sich ht. den Crläuternngen befinden, irgendwie von einer Ttnbenz getragen seien. ' Hinsichtlich der Zölle ist die Prälimmiernng tatsächlich verhältnismäßig hach. Dies ist jedoch keineswegs daraus zurück-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.