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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-22 · Heft 1773 (22.1.1924) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1773 (22.1.1924)
Date
1924-01-22
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 " W-im, DrenZkag stiischen Orgawsarion. der Gosellschaften ,^Orl", „Ose" u. a. Auch Borkrster der linken Mischen ArbeÄerbcweiglimg hielten Nachrufe. Der Sprecher des zionWschen Vartldesverbarrdes hob hervor, daß der Bcrfwrbene. wem: auch nicht zionistisches Parteim-irglied, so dock) cm zionistischer Idoatist gewesen ist. Arif seinem Krankenbett bat er seine Schivoster, ihm die „Hatikwah" vorzusingen. In iüdisch-literarischcn Kreisen besteht der Wan, durch rine Herausgabe deS Geisanrtwerkes des Baal-Machschowoch dem verstorbenen Schriftsteller ein Denkmal! zu setzen. Dr. Israel Eliaschvw wurde im Jahre 1873 als Lohn eines angesehenen und begüterten jüdischen Kaufmannes geboren. Bis zu seinem 13. Lebensjahre lernte er in der Icsck'wah. sodann wandte er sich weltlichen Studien zu. Er studierte in Berlin und Heidelberg Medizin und erhielt den Doktorgrad in Rußland im Jahre 1906. Seine erste literarische Arbeit veröffentlichte er im Jahre 1895. E§ war eine Studie 'rber -das Schafte:: Morris RosottfÄds urib erMen in der Zeitschrift „Der M". Er setzte seine literarisch-kritische Tätigkeit unter dem Pseudonpnr Baal-Machschowoch in der Zeitschrift Mische Familie" fort. 1910 redigierte er die Rigaer Zeitung ..Mische Stimme", in der Kriegszeit war er Leiter der literarischen Abteilung des „Peirograder Tageblatts". Nach dem Kriege wurde er literarischer Mitarbeiter der Kownoer „Mischen Stimme" and ausländischer jüdischer Zeitungen. Bor kurzer Zeit erst kehrte er, ein schwerkranker Man, nach Kowno zurück. Er starb in seinem Geburtshause. Rordau-MamskriptefSr dieRatlonallMlothek tu gerusalem. Wie I. T. A. aus New-Aork meldet, wurden in einer Versammlung des Komitees für die jüdische Nationalbiblioche? in Anwesenheit von Dr. Heinrich Loewe diesem die Manuskripte von Max Nordaus Kongrc ßreden für die mdrsche Nationalbibliothk in Ieriisalem überreicht. — Die Mamrskripte waren durch eine Gruppe amerikanischer Zionisten, unter Amen Nathan Strauß. Frau Marv Fels, Dr. Stephan S. Wise, Julius Simon und Salomo-n Rosenbloom von. der Witwe Max Nordaus erworben "Eden. Operntheater. Der Geschäftsbetrieb der Operettentheater mach: unserer Staatsover gefährliche Konkurrenz. Auch Herr Aagard-Oestvig kann der mit riesenhaften Honoraren lockenden Operette nicht widerstehen und verläßt die Staatsoper, um demnächst zugleich mit unserem heimischen Komponisten Julius Bittner im Earl-Tbeater zu debütieren. Ms Abschiedsrolle im Operntbeater sang er unter rauschenden Ovationen des Publikums den Lobengrin und war wieder in Stimme und Darstellung der strahlende Held, der aus Glanz und Wonne herkommt. Bei der wachsenden Tenoristennot im Operntbeater wird man ihn um so schmerzlicher vermissen. Das Hakoah-Orchester veranstaltet gemeinsam mit dem Wiener Jüdischen Gesangsverein unter Professor S. Braslavskps Leitung und unter Mitwirkung von F^au Felicie Mihacsek-Hüni lStaatsover). Herrn Hermann Gallos lStaatsoperl und Herrn Prosenor Volker (Orgel) im Gronen Konzerthaussaal am 31. d.. 7 Uhr abends, eine Ausfuhr,mg des ..Loöaesana". SnmyüoniKnnta'c für Soli. Chor. Orchester und Ora"l. von F Mendelssobu-Barcholdp. Karten sind erhältlich .u, der Kasse des Konrer'bauses. in der Buchhandlung Lowrt, 1. Bez., Rofenturmstraßt 22. und im Sekretariat der Hakoah, 1. Ber.. 'Wieünaerstrabe 11. Eine spate Erstaufführung. Smetanss symphonische Dichtung „Prager Karneval" kommt zum ersten Male in Deutschland durch Kapellmeister Schulz-Tornburg in Bochum zur Aufführung. ' Eine Ablage an das moderne Bühnenbild. Mozarts ..Zauberflöte" kam unter Blechs Leitung im Deutschen Opernhaus in Berlin neu einstudiert heraus. Die Dekorationen waren nach: den Entwürfen E. F. Schinkels ansaeführt. Ihr ^aftMischer Stil beror: nur leise den ägyptischen Hintergrund. Aus den Theatern. Burgrbeater. Morgen. 6 Uhr abends, ,,D i e ,chworung der FieSko zu Genua". ' A k a d e m i e t h e a t e r. Morgen, V-8 Uhr abends, .Die kleine K o n d i t o r e i". Volksoper. Heute, Vz8 Uhr abends, *3) i c verkaufte Staat". Morgen, 1/iS Uhr abends, „T r av i a t a". Im Theater an der Wien stnbet heute die 26. Aufführung der komischen Over von Johann Strauß „Eine Nackt in V e n e d i g" in der Premiärenbesetzung unter Leitung von E. W. Korngo! d statt. Serichtssaal. Sie Affäre Rowosat. Wie wir hören, soll das Landesgericht in Strafsachen heutin der NowosatMffäre eine endgültige Entfchftdung treffen. Die Sitzung ist für vormittags anberaumt. Nowosai ist' bekanntlich ein Hakenkrenzler, der vor einigen Monaten unter den, Verdachte, einen Kameraden im Walde ermordet zu haben, verhaftet wurde. Er. soll seine Tat deshalb -begangen haben, weil der- Ermordete die Hakenkreuzler verraten wollte. Newosat wird als geistig minderwertig hingestellt. Ae Buvapefter Aüvokateukammer gegen das Horthy'Syftem. Ein aufsehenerregendes Disziplinaruririt. Budapest, 21. Jänner. (Tel. d. „Wiener Morgenzeitung".) Großes Aufsehen erregt hier ein DisziplinarurLeil der Auvokatenkammer. Im Jahre 1921 hatte die Regierung die Abänderung der Statuten des Hilfsvereines der Eisen- und Metallarbeiter mit der Begründung zurückgewiesen, daß auch die ursprünglichen Statuten der Entwicklung der modernen Rechtspflege zutviderlaufen. Aus diesem Grunde könne die Re- ..-irrung die Statuten stlhst noch die. beantragte Aender ' , -- v' -. ''-.-v'che'd.nng .richtete damals Wien«» Mor«e«,«tt«,,«. " _ :!•: aänwc 1924 Sir. 1778 der Anwalt des Vereines, Dr. Eugen Pongracz. eine Eingabe, in der er die Politik der Regierung einer vernichtenden Kritik unterzog. Er sagte unter anderem: „Die Statuten des Vereines stammen aus einer Zeit, in der das Corpus juris noch nicht durch Gesetze über den Numerus clausnS. über die Prügelstrafe, über das beschleunigte Verfahren, über das Inter, lierungsverfahren besudelt war und in der gemeine Mörder nicht nur keine leitende Rolle im politischen Leben spielen konnten, sondern überhaupt nicht frei umhergehen durften^Der Minister möge also vor allem diese Uebelständ? a-stellen, ehe er sich mit den Statuten eines so bescheidenen Vereines befasse." Auf Grund dieser Eingabe klagte die Staatsanwaltschaft den genannten Rechtsanwalt beim Disziplinarausschuß der Abvokatenkammer wegen Anwendung „eines ungebührlichen Tones" gegenüber einer Behörde und wegen Schmähung der öffentlichen Zustände Ungarns. In der am Samstag durchgesührten Disziplinarverhandlung hielt der Kammeranwalt bloß die auf das Disziplinarvergehen bezügliche Anklage des Staatsanwaltes auftecht, weil Dr. Pongracz dem Minister gegenüber tatsächlich einen ungebührlichen Ton gebraucht habe. Hingegen ließ der Kammeranwalt die Anklage auf Schmähung der öffentlichen Zustände fallen, weil die Budapester Advokatenkammer ja selbst die erste war. die sich gegen die Prügelstrafe, den Numerus clausus, das Jntcrnierungsverfahren usw. ver- I wahrt und dagegen Stellung genommen habe. Es sei notorisch, daß eine große Anzahl Verbrechen ungeahndet bleibt. Das Disziplinargericht sprach hierauf den Angeklagten Dr. Pongracz von der Anklage, daß er m seiner Eingabe Unwahrheiten geschrieben und dadurch das Ansehen des Landes bloßgestellt habe, frei und verurteilte ihn nur wegen des ungebührlichen Tones zu einer Geldstrafe von 100.000 K. Die Krematoriumfrage vor dem Verfassungsgerichtshos. Der Verfassungsgerichtshof beschäftigte sich gestern mit den zwei vom Bundeskanzleramt in der Fra^e des K r em a t o r i u m st r e i t e s eingebrachten Anträgen. Der eine verlangt die Feststellung, daß in dieser Angelegenheit ein bejahender Kompetenzkonflikt zwischen dem Bunde und dem Lande Wien vorliege und verlangt eine Entscheidung, dahingehend. daß der Bund zur Erlassung der in Frage stehenden Verfügung. das heißt zum Aufträge, daß der Betrieb des Krematoriums eingestellt werde, berechtigt war. Der andere Antrag ficht, wie bereits mitgeteilt, als ungesetzlich den § 35 der Verfassung der Stadt Wien durch die Bundesregierung an, der bekanntlich dem Bürgermeister das Recht einränmt, mit der Vollziehung ihm gesetzwidrig erscheinender Beschlüsse des Gemeinderates einzuhalten. Das Urteil wird Donnerstag verkündet werden. Mitteilungen aus dem Publilum. Utoöeffßaus (grosse ökknston in den neuesten {Pariser SModetfen %nborstr. 7 Wien, //. %abor$tr* 1 „Wienea“ m 11. OBERE DONA1 STRASSE 91 Gfdsateiitre«K a)VD*BeMaara«it unter Aufsicht de* E*rw Rabhlnats der Sch’ffschut Jede mondäne Dame besieht Ihre Seide vom Soiclenspeggalhaiis Richard Leltner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Preise! 6*08 Reisinger-Ungelin IV., Johann Straussgasse 41 Wiens billigste Bettwaren- und Tapezierer-Werkstätten llniärbeifBin; samt Reinigen rnt Krampeln d. Füllung: 1 Matratze, 3 Teile, 1 Steppdecke K 60 000, Diwans, Ottomanen von K 75.000 aufwärts. GEBRÜDER MEDEK INSTALLATEURE 3. Bez.. Ungargasse 47 Telephon: 1040 n. 1650 Spezialisten für: P Badezimmer, Waschtische u. Klosettanlagen REPARATUREN SOFORT ■■■■■aaaaaaaaaaaaaaaaaBaaaaBaaaaaaaaaa | Zionistische BezlrRneKHon Leopoldstadt 5 j Morsen Mittwoch, 23. d. [ E R I Ihr ohi>nHo ■ a R I Ihr ahanfio m den vlpmplssSIen I. Rotgasse 3 S PROGRAMM! * ■ Festrede: Dr. Tosef Löwenherz — Frl. Berta Swertlln ■ ■ (Siadtheater. Riga): jüdische Lieder — Isak Deutsch S a (Jüdische Volksbühne): Ernstes u. 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Othmargasse, und drückte, nach Einvernahme beider obgenannten Kollegen sein Bedauern aus, daß dieser Konflikt zur Schließung der Schule geführt hat.; Das Ehrengericht trägt dem Kollegen Herzberg auf, den Kollegen Weinstein um Entschuldigung zu bitten und stellt an ihn das Verlangen sein Möglichstes zur Wiedereröffnung der. Hebräischen Schule, Othmargasse, beizutragen. — Diese Entschließung ist in der „Wiener Morgenzeitung" zu veröffentlichen. I. Gelernter Lehrer für Hebräisch am iüdt,chen Realgymnasium I. Kühn M. Angarfeld Tos Urteil im Vukobrankovics-Prozeß. Der Vorsitzende im Schwurgerichtsprozeß gegen Milica Bukobrankovics hat ihr gestern in ihrer Zelle mitgeteiitz, daß die Berufung gegen das auf dreieinhalb Jahren schweren Kerkers lautende Urteil vom Oberlandesgericht abgewiesen wurde. Milica Bukobrankovics hat die Nachricht ganz tetlnahmslos entgegengenommen. Sie lag zu Bette und gab keine Antwort, als man sie fragte, ob sie die Entscheidung verstanden habe. Tie Frontkämpsewereinigung klagt wegen entgangener Gewinne. Emen morkwürdvgen Schadenersatzprozetz hat die Frontßämpfervereinignng gegen die Wiener städtischen Straßenbahnen angestrengt. Für ein Balls st der Frontkämpier im Sosiensaal litten die Veranstalter sieben Slraßen-bahn« Me für den Schluß des Festes bestellt, zum Preise von 3500 Kwnen für die Fahrkarte, während die Festgäste 4000 K. für die Karte hätten zahlen sollen. Zu B gimn des Festes tmute der Komiteeleiking von einem Kontvollor der Straßenbahn mitgeteilt, daß die Direktion „technischer Hindernisse halber" nicht in der Lage sei. die Straßerbahnzüge herzu« stellen. Die teckmischen Schwierigkeiten bestanden in Wirklich« keit 'darin, daß das Personal der Straßenbahn sich geweigert hatte, für die Frontkämpfer auszusahren. Daraufhin hat Dr. Walter Riehl für die Frontkämpferverei-niaung eine Klage auf Zahlung eines Schadenersatzesvon 2.500.000 K. evngebracht mit dem Hinweise darauf, daß das Komii-e.- m jeder Karte 1500 K. verdient hätte. In der gestriflen Verhandlung wurde zunächst über die Berechtigung des Klageonspruchs d m Grunde nach verhandelt. Der Vertreter der besagten Straßenbahnen führte aus, daß die Nichtboistellung der Straßenbahnzüge keineswegs grundlos gewesen, vielmehr auf höhere Gewalt zuvückz-uführen sei. da daß gesamte Personal d.r Straßenbahnen sich geweigert habe, zu diesem Zwecke aus« znfahren. Es konnten aus Gründen der öffentlichen Sicherheit die Wagen nicht auSfahren, da einige Tage vorher ei« Zusammenstoß zwischen Frontkämpfern und A r v e i t e r n st a t t g e f u n d e 11 Hab e, bei welchem der Ar« bMr B i r n -e ck e r von Frontkämpfern erschossen wurde. Mit Rücksicht auif diesen Vorfall habe in der ganzen Arbeiterschaft. auch unter dem Personal der Straßenbahnen, eine erregte Stimmung gegen die Frontkämpfer geherrscht, und hätte es leicht bei der Heimkehr der Frontkämpfer vom Ballfest zu Ausschreitungen kommen können. Der Richter erklärte nach Dernchmung von Zeugen das Beweisverfahren für geschlossen und gab bekannt, daß das Urteil im schriftlichen Wege den Parteien werde zugestellt werden. 125645

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