Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1771 (20.1.1924)
- Date
- 1924-01-20
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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y Nr. 1771_ Wien, Sonntag die wirr hier am Pflug older An Bauger-ülst arbeiteu iuti> das; wir sicheckich sieget! und zum erhabenen Endziell des Wieiberaufl Mülhens unseres Landes und der Wiledechovstellung der Ehre uirvseres VMes gelangen werden. Uutd ihr Touristen, ihr Brüder, die ihr hierher gekommen seid uns zu besuchen und das Lund zu besicht!igen; willkoininan heiße ich euch nun und gesegnet sei eurer-Kommen! Wir sind Mckbich, miiit so fernen Teilen uniseres BEes, die uns oder nahe sind im Gedi«te, in Berüihrmug zu kommen. Denn Mr durch gemeinschaftMches Arbeiten des ganzen Volkes und durch rege Mitarbeii, durch G eld u n d Tat. durch Körper und Geist, wird dieses Land ansgebaut werden können. Ihr seid noch jung, meine Freunde, und das ist eurer erstes Kommen in daS Land unserer Vergangenheit und Zukunft. Ich wünsche euch, daß dieser, euer Besuich, in Palästina in eurem Herzen für ewige Zeiten oiuigegraben »leiden soll, ails ein Kaurzvoller Lichtstralhl und eine angenehme Erinnerung eines herrllickM Traumes, eines jugndlüchen Sieoeskiedes, die euch fürs ganze Leiden überallhin begleiten sollen. Und wenn ihr in eure jetzige Hoimat zurückkchvt, so sollt chr Mlseren Brüdern in den Diasporaländern sagen, daß hier ein neues Leben sich zu en'wickeln beginnt, ein Leben des SÄibslbewußffeius unseres Volkes und der ErkenNnis seiner Ehre, ein Leben der Aribeit für die VertwMichwng der Ideale unserer Auferstehung und der Hoffnung einer restlosen Er- Nfrmg Zions. Nochmals WMommen und Friede mit euch!" Meine Korresvondem. Die ziemlich zahlreichen Briefe, die ich außer meiner Hrivatkorrestzondenz erhalte, rühren fast immer von Menschen her, die ich nicht kenne. Sie lassen sich mühelos in zwei Gruppen einteilen: Briefe von Menschen, die Hilfe von mir wollen, und Briefe von Menschen, die mir „nur so" schreiben. Damit die Zeit vergeht, pflegt man in diesen Fällen zu sagen, obwohl ich überzeugt davon bin, daß sie auch ohne diese Maßregel nicht stehen bliebe. Die Hilfesuchenden wollen immer dasselbe: Geld oder Arbeit. Der erste Fall ist unvergleichlich leichter als der zweite, denn man findet viel rascher zwanzig Leute, die für wirkliches Elend Geld geben, als einen einzigen, der Arbeit bietet. Um wirkliches Elend handelt es sich fast immer. Ich bekomme Briefe von Lungenkranken und von Blinden, von Witwen, die für eine . Kvnderschar zu sorgen haben, und von Abgebauten. Manche sind in trockenstem Geschäftsstil gehalten und b-egrnen etwa: „In höflicher Beziehung auf Ihren geschätzten Artikel vom andere heben mit einem drei Seiten langen Hymnus auf meine jüdischen Tugenden an (der mir einen um so größeren Eindruck macht, als mich der Briefschreiber nicht kennt), es wird Schiller zitiert oder die Bibel, die letzte rücksichtsvollerweise in liebersetzung. Mitunter wünscht mein Korrespondent — gesegnet sei er! — durch Kürze zu wirken: „Ich bin 82 Jahre alt, mosaisch, verheiratet, Kaufmann . . oder er läßt eine leise Drohung hören: „Wenn ich keine Anstellung bekomme, dann muß ich verhungern, und das wird Ihre Schuld sein." Die allermeisten aber lassen ihrer Feder freien Lauf und schildern durch lange, lange Seiten ihre Verhältnisse, ihre Not, ihren Jammer. Natürlich ist diese Schilderung ganz zwecklos, beim selbst meine unbekannten Briefschreiber wissen recht gut, daß ich ohne persönliche Prüfung eines Falles keinen Versuch einer Hilfe mache. Aber das Schreiben erleichtert offenbar und es ist rührend, zu wären, daß sie ihren Namen von der Lilie Sarons haben, daß sie also durch ihren Namen mit dem Boden Palästinas verknüpft seien. Und wie erst ist das Aequivalent von Susanna, das englische Lily, auf der ganzen Welt verbreitet! Das alles gibt es zu erforschen, und L ö w hat es reichlich getan, mit dem Licht seines Wissens leuchtet er in alle Ecken und Enden hinein, bis nicht nur die Botanik, sondern auch die Sprachengeschichte und Kulturgeschichte erhellt ist. Denn das bibilische s ch o s ch a n hat nicht nur als Pflanze, sondern auch als Wort und als Gegenstand der Kunst seine Vorläufer bei Phöniziern, Aegyptern und Assyrern, gelangt nachher bei Griechen und Römern, bei Arabern und anderen Völkern bei neuem Klima zu neuenr Leben, und seine Ausläufer, das haben wir gesehen, leben auch bei uns und leben bis auf den heutigen Tag. Dabei ist nicht zu vergessen, daß fast jede Pflanze entweder zur menschlichen oder tierischen Nahrung dient, daß sie Gegenstand des Handelns, der Kunst, der Poesie sein kann, daß sie Drogen und Arzneinrittel ergibt usw. usw., und das alles erfordert einen sprachlichen Ausdruck, der erst zu erklären ist, das alles hat eine Geschichte, die sich auf Jahrtausende erstreckt, das alles gestaltet sich bei einer Anzahl von Völkern je anders, und.erst, wenn wir das alles vor Augen halten, haben wir einen Begriff von Löws Leistung. Oder nehmen wir ein anderes Beispiel. Der biblische Ysop ist eine unscheinbare Pflanze; sie wurde im israelitischen Opferkultus als Wedel benützt, um das Blut der Opfertiere §u sprengen. Schon die bloße Erwähnung in der Bibel muß dieser Pflanze eine Bedeutung verleihen; die Verwendung im hochheiligen Opferwesen gibt ihr nur noch höhere Bedeutung, und dann kommen die Nabibner des Talmud, setzen eine Menge Erklärungen, sehen eine Menge Fälle, sprechen von verschiedenen Arten des Ysop, nennen seine Stengel, seine Blätter, seine Blüten, schreiben vor, wie der „Bündel" Ysok, der als Wedel dienen kann, aussehen muß, und zum Ueberfluß wird der Ysop auch bei der Kreuzigung Jesu erwähnt — wahrlich, ein überreicher Stoff, der geordnet und begriffen werden will. Wie viele Pflanzen wurden für den biblischen Ysop in Anspruch genommen! Noch erinnere ich mich, wie ich als Knabe, in einem ungarischen Dorfe lebend, mit Interesse und heiliger Scheu eine winzige Pflanze betrachtet habe, die als der biblische Ysop bezeichnet wurde, als der Ysop, der am Fuße der Hausmauer Wiener Moraenzeitima.__ _ Gewinnende Erscheinung. „Du bist wabrb affig eine Zauberin. Gisi! In dem einfachsten Kleidchen machst Du einen eleganten Eindruck!" — »Weißt Du Hedi. eine Freundin bat mir einmal gesagt: es kommt nicht darauf an. was man trägt, sondern wie man es trägt!" — „Und wie trägt man so ein billiges Kleidchen, daß es doch so reizend wirkt?" — „Indem man einen „Gemma"-Schlankformer anzieht. Daran; sitzt jedes Kleid, als wäre es ans dem ersten Salon!" — „Ah, das ist ein guter Rat! So einen „Gemma" muß ich mir auch anfchaffen! Wo bekommt man die'es Modell?" — „Nur in Tanzpaar - Mieder-Verkaufsstellen I" (Kärntnerstraße 9, Taborstr. 45, Landstr. Hauptstraße 9 PIlgramq. 8, Schönbrunnerstraße ' 88, Mariabilferstraße 47, X.. Favoritenstraße 91. XVIII., Währinger- „Gtmma". flks hlich "1-schNtzt. der Cchlnnkstraße 117 19, XIX., Gatterformer olme Ruck.-,,Verschluß. burggasse 18.* „Gemma" kostet K 830.000, 380.000, 400.000 und 460.000. Wir empfehlen auch, die weiteren Schöpfungen der Tanzpaar-Mieder- Kunstwerkstätte: „Exzelsior" X 170.000 und '< 200.000, „Hera" (Lanaschluß) K 320.000, „Schlüpfer" X 190.000, Büstenhalter „Xenia" aus Trikot K 80.000 und K 45.000, „Aida" aus Tüll K 40.000. Briefliche Anfragen unter Berufung auf die „Wiener Morgenzeitung" an die Wiener Tanzpaar-Mieder-Zentrale, Wien 9/1, Tanzpaarhof. AUFRUF! Schützet Eure Kinder vor Hal&krankhelten Sie können das sicher m-beugen, wenn Sie ihnen MAUS Echt» Schwe izer H uste n past i Ile n geben. Unentbehrlich für Jedermann, insbesondere für Kinder. Verlangen Sie in allen einschlägigen Geschärten Gratisproben 1 Generalrepräsenfanz und Grosserer Karniol & GBüek g mim mm Wien, V., Zentagasse 3, Tel. 57-2-30 ■anal BRBiiBRBBBBiiRflsaDBaiBaciaHDBagaaiiiaiiBa Rituelles Bad (fflikwah) nach Weisungen Sr. Ehrw. Herrn Oberrabbtiier Mayersohn im Favoriten-Bad Wien, X. Gudrunstr. 105 fcliw.mm .Warnenu. Dampfbäder für Damen und Herren Auch Sonntag geöffnet Auch Sonntag geöffnet Kaltwasserkuren Grosse Schwimmhalle (B n ■ b B BBRBBBBBBBBBBVBBBBBBIBBIIBBIBBBBBBBBB Für Arbeitslose 50% Ermässigung hervorsprießt. Aber die Gelehrten machen es anders; sie erwägen eine Menge Merkmale, bis sie zum Entschlüsse kommen. Erst über die Bemühungen von Sch egg, Post und Fonck hinaus ist es L ö w gelungen, den biblischen Ysop endgültig festzustellen, und zwar in dem Origanum Maru &, das sämtliche bei dem Ysop notwendigen Merkmale in sich vereinigt. Es ist eine Pflanze, die unserem Majoran ähnlich ist und deren haarige Blätter eine Flüssigkeit ebenso leicht aufnehmen wie auch wieder abgeben. Dies nur zwei Beispiele aus der Pflanzenwelt der Bibel; wie erst im großen Gebiet vom Talmud und Midrasch, das wahrlich kein Paradies ist, das eher einem Urwald gleicht, in welchen! es ein Gewirr von Stimmen gibt und in welchem man vor Gestrüpp, Buschwerk und Dornen kaum weitergehen kann! Und derselbe hatakhische Stoff verästelt und verzweigt sich noch unendlich, je weiter die Zeit fortschreitet und je größer die Diaspora der Juden wird. Und ist es nicht heute noch von wesentlicher Bedeutung, die Pflanzen, die unsere Nahrung ausmachen, naher.kennen zu lernen? Knüpfen sich nicht eine Menge ritueller Fragen an sie, und haben wir nicht noch heute in unserem Ritus zu rechnen mit der Laubhütte, mit dem Feststrauß am Sukkoth, mit dem Brennöl am Sabbat und Chanukkah, mit der Myrte als Wohlgeruch am Sabbatausgang usw. usw.? Dieses große und gewaltige Gebiet liegt nun in Löws „Flora" erschlossen und kultiviert vor uns. Noch ist erst der erste Band da; hoffen wir, daß auch die versprochenen zwei weiteren Bände bald folgen werden, hoffen wir, daß es unserem Jubilar noch vergönnt sein wird, andere Werke von gleich hoher Bedeutung zu schaffen und uns zu schenken. Aber wir haben eine viel größere und allgemeinere Hoffnung zu hegen; die Hoffnung, die sich auf die neuere größere Besiedelung des Landes der Väter bezieht. Da wird es Tausende von Brüdern und Schwestern geben, die die schaffende Natur beobachten und, innig mit dem Boden verknüpft, auch deren Gewächse und Erzeugnisse kennen lernen werden. Wir haben die frohe Aussicht, daß nicht nur eine Schar neuer Forscher und Beobachter der palästinensischen Flora erstehen wird, sondern daß die Erkenntnisse, die ans diesem Gebiete gewonnen werden, auch praktisch verwertet werden, und der Nutzen wird unser sein, unser allein! _SO, gfartet 1924_ sehen, mit welcher Mühe die unbeholfene Hand oft sechs oder gar acht Seiten durchstolpert, um der Seele diese Erleichterung zu bieten. Beiden Stellensuchenden erlebt man mitunter Erstaunliches. Sie haben alle ein Ziel: die Empfehlung. Kaufmännisch Angestellte, Mathematiklchrer, Maler, Stickerinnen, Möbel-, Packer, lyrische Dichter, Krankenpflegerinnen, alle stellen sich an, als wäre eine „Empfehlung" von mir ein Dach, unter das man sich flüchten könne, wenn der Hagel niederprasselt. Sie sagen nicht einmal, bei wem ich ein Mort für sie einlegen soll — ich soll ein „Empfehlung" geben an irgend jemanden, ein Empfehlung ins Blaue, eine Empfehlung an das große Wunder. Besonderen Eindruck hat mir die Zumutung einer jungen Dame aus dem Osten gemacht. Sie schrieb mir nämlich anonym und verlangte meine Befürwortung in einem Chiffvebrief, postlagernd. Als ich mich diesem Ansinnen stillschweigend, aber beharrlich widersetz'e, erschien die „schöne Unbekannte" eines Tages bei mir. Ich möchte nicht gerne übertreiben, also will ich nicht behaupten, daß sie tief verschleiert kam. Aber ihre Personalien hielt sie dicht verschleiert. Weder Namen noch Mer, noch Heimatsort wollte sie mir pveisgeben. Nach längerem Winden und Wenden verriet sie mir, daß sie aus „sehr feinem Hause" sei, aus einer Stadt in Ostgalizien stamme und „leider durch die Verhältnisse genötigt sei . . ." Was sie eigentlich gelernt habe und könne, erfuhr ich nicht. Aber ein „Empfehlung" wollte sie. Andere sind ganz klar in ihren Wünschen. Ein Abgebauter will „eine Arbeit", damit er mit seiner Familie nicht verhungern muß, auch wenn der letzte Kasten verkauft sein wird", und eine 64jährige Jüdin bittet mich „mit aufgehobenen Händen", ich soll ihr „Gründlich-Tage" verschaffen (Uneingeweihten diene zur Aufklärung, daß das häusliche Räum- und Scheuerarbeit bedeutet), sie würde überall den Boden bürsten, „daß sich die Kerzen darin spiegeln". Ja, die „arbeitsscheuen" Jüdinnen äußern mitunter sonderbare Wünsche. Viele, sehr viele bitten um warme Kleider, um Wäsche für die Kinder und singen immer wieder das Lied von der Kriegsnot: Wir können die alten Stücke ja nicht mehr flicken, sie zerfallen, wenn man sie nur anrührt. Da schreibt eine junge Frau, die ihr drittes Kind erwartet: „Ich habe zwei Leintücher und drei Hemden. Woraus soll ich Windeln machen? Und eine Taubstumme verlangt mit der ganzen Beharrlichkeit, die ihr Gebrechen mit sich zu bringen Pflegt, immer wieder: einen Mantel, einen Hut, einen Muff. Aber so einfach und leicht verständlich dieser Teil »reiner Korrespondenz ist, so kompliziert ist die Abteilung der Briefschreiber, die nichts von mir wollen. Sie verfassen ihre in der Regel endlos langen Epistel hauptsächlich zu dem Zweck, mir zu beweisen, daß sie außerordentliche Menschen sind, was den meisten anscheinend viel wichtiger ist, als ordentliche Menschen zu sein. Aber alle, alle „fühlen", daß ich sie verstehen werde. Es ist ein entsetzliches Gefühl, von drei Dutzend Menschen als absolut kongenial angefprochen zu werden. Daun sind die Leute da, die einen Rat haben wollen. Wenn ich noch nicht der Krankheit des Ratschlägeerteilens rettungslos verfallen bin, habe ich das entschieden nur meiner guten Konstitution zu verdanken. Niemand wird es mir glauben, in welchen Fragen man von mir einen Rat will! Ein Student erkundigt sich, welchem Spezialgebiet der Chemie ich den Vorzug gebe (als ob ich die leiseste Ahnung von Spezialgebieten der Chemie hätte!), eine Komponistin bittet um Rat, ob sie bei einer bestimmten Stelle ihres ersten Werkes A cappella- Chor oder Chor mit Orchester einsetzen soll, junge Fürsorgerinnen verlangen Anweisungen: wie werde ich energisch?, eine jungverheiratete (wohl zu unterscheiden von junge) Frau fragt an, ob ich dafür bin, daß sie schon im ersten Jahr ein Kind bekommt, eine andere erkundigt sich, ob sie sich scheiden lassen oder ob sie ihren Mann lieber einfach betrügen soll, und so geht das fort. In die intimsten Angelegenheiten ihres Lebens weihen mich wildfremde Menschen vertrauensvoll ein und sagen treuherzig, tveun sie mir ungebeten ihre nicht immer edlen Seelenregungen beichten: Ich weiß, daß Sie mit verstehen werden. Uebrigeus will ich auch nicht verhehlen, daß mich einmal ein junger Schriftsteller frug,- ob er Schiller oder Goethe zum Helden seines Romanes machen solle. Ich habe ihm zu Goethe geraten. Es schien mir so originell. Biel angenehmer als die Ratsucher sind die Diskussionsmeier. Sie haben an dem. was ich schreibe, mancherlei auszusetzen, sie bekämpfen es, sie zerpflücken mich in der Luft, und, nachdem sie meine Verworfenheit so gründlich beleuchtet, daß kein Hund einen Knochen von mir nehmen würde, schließen sie mit einem verbindlichen: nichts für ungut in ganz vorzüglicher Hochachtung. Einer dieser Briese begann aber etwa so: „Was Sie da geschrieben haben, war natürlich ganz sinnlos, um nicht zu sagen . . . Na, lieber nicht. Mer vielleicht haben Sie es gut gemeint. Daher schicke ich Ihnen 200 tschechische Kronen für . . ." Die Tschecheukronen haben mich versöhnt. Wer etwas hergeben will, darf auch ein bißchen schimpfen. Uebrigens sind diese Briefschreiber fast immer Männer. Aber so sehr ich auch gegen Briefe abgestumpft bin, kommen doch immer noch manche, die mich erschüttern. Da schreibt mir ein Kriegskrüppel, ein kleiner Beamter, er werde mir an jedem Monatsersten einen kleinen Betrag für eine Gelähmte schicken, „weil ich weiß, wie das ist". Eine überlastete Geschäftsfrau fordert mich auf, ihr Hilfsbedürftige anzugeben, und eine Angestellte, die selbst ihre Wirtschaft samt Mann und Kind betreut, findet in der Hast ihrer Tage Zeit, mir ihre abgelegten Kleider für arme alte Frauen anzubieten. Diese Briefe sind immer kurz. Wahrscheinlich, weil sie reich an Inhalt sind. Und ich kann von ihnen nicht genug bekommen, beweisen sie doch stets von neuem die Güte und die Kraft der Mühseligen und Beladenen. Klara Mautner.