Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1771 (20.1.1924)
- Date
- 1924-01-20
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Kr. 1771 Wien, Sormky ...,■ — .—■ Hobe Fröre* LIKÖRE M Punch 41' Ananas Wt Grand Seigneur Grand Mystöre y^L Cordlal Hoböcure WmBESfflkl Hobfctreuse lfcZlSy HobMeur io«? Triple-sec IEcht nur in dieser runden Flasohunform! AUeinisrer Erzeuger Damase Hob6, Gründer der Likörmarke Hob6 u. einziger Träger des Namens Damase Hob^ ZeiMvreai: Wien, I.. firlllparzerstr.M, Tel. 24223 Die Zewih Agevry. Wie das Letzte Bulletin des amerikanischen Keren! Hastsiod berichtet, widmct Dr. Weizm-ann während seiner Anwesenheit m Amerika seine Haupttätigkeit der Frage der Jewish Agency. Ans den Mitteilungen Wei-manns gewinnt man den Eindruck, daß im dieser Frage bedeutende Fortschritte erzielt '.vordem seien. In Cincinnati, Chicago und Philadelphia habe Dr. Weizmann mit den führenden Mitgliedern der dortigen Jndenheit eingehende Verhandlungen über die Jewish Agency geführt. Binnen kurzem soll a«uch eine wichtige Komferenz stattfmden, an der sich die führenden Mischen PersöNlichksiten des Landes beteiligen werden, um über die geplante Gründung eines gwßen Finanzin st reut es sowie 'der ersten formellen Schritte zur Organksier-ung der amerikanischen Abteilung der Jewish Agency zu beraten. Horthh bekommt doch Mts. London, 19. Jänner. In der heutigen Vormittagssitzung -es finanziellen Subkomitees, das die Ergebnisse der technischen Studien der finanziellen Sachverständigen prüfte, schlug ein Vertreter der kleinen Entente vor, die Neparationskommission nröge sich mit dem Problem befassen und ihren Standpunkt formulieren. Das Subkomitee befaßte sich sodann mit der Formulierung des Schreibens an die Reparationskommission. Dadurch wurde den Bestimmungen des Teiles ly des Berichtes (worin vorgesehen ist, daß die Neparationskommission entscheiden solle, was Ungarn gemäß dem Vertrag von Trianon zu zahlen habe) entsprochen. Die Reparationskommission allein raun die Entscheidung über die Aufhebung der Pfandrechte wähxend der Amortisationsperiode der ungarischen Anleihe treffen. Das Subkomitee trat um 6 Uhr nachmittags neuerlich zu einer Sitzung zusammen. Mau nimmt an, daß die Londoner Verhandlungen zu dem Ergebnis führen werden, daß der Reparationskommission ein praktischer Plan für die finanzielle Wiedoraufrichtung Ungarns übermittelt werden wird. Die Konferenz wird, wenn sie heute abends ihre Arbeiten nicht beenden kann, am Montag eine Sitzung abhalten. Graf Bethlen wurde heute vom König in Audienz empfangen. Apponyi für die Selbsthilfe. Budapest, 19. Jänner. <Dsl. der „Wr. Movgenzeitnng".) Gras Mbert Apponhi beschäskigte sich im „Pejster Lloyd" M dem kritischen Stande der Anloihefrage unld meinte, daß allen Anzeichen nach die ungarische Anleihe vereitelt werden wird. Apponyi fragt, ob in Ungarn nicht genug Werte vorhanden seien, die hinreichend sind, u>m die wahrlich wicht Dbermäßige Summe von 230 Millionen Goldkronen zu verschossen,. die nach der Systematik der göplanten Anleihe genügen sollten, um Ungarn über dm Wien Punkt der finanziellen^ Lsvge hinweWcheibfm. Die Budapefter Bombrn. Liste der Verhaftete«. Budapest, 19. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Wie einzelne Blätter melden, stehen die jüngsten Waffenfunde mit dem von der Polizei entdeckten und rechtzeitig vereitelten Plan eines Bombenattentats gegen das Elisabethstädter Kasino in Zusammenhang. Die Polizei hat den Studenten Eugen Landherr, den früheren Leiter der nationalen Schutzabteilung des Vereins der Erwachenden Ungarn Johann Bartha und dessen Maschinschreiberin verhaftet. In der Wohnung des ersteren wurden irr Säcke eingenähte Mannlichergewehre und scharfe Munition gefunden. Weiters wurden verhaftet: Der ehemalige Redakteur des Organs des Vereines der Erwachenden Ungarn Michael G y a° lah, ein Student Eugen Reviczky sowie ein Funktionär deS Verbandes der christlich-intransigenten Hochschuljugend Erwin Mayer, in dessen Wohnung mehrere Kilogramm E k r a s i t und fertige Bomben beschlagnahmt wurden. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Pronab gesivmiMlor. Budapest, 19. Jänner. Heute vormittags wurde das Urteil in dem Prozeß Pronay gesprochen. Von den Angeklagten wurden vier, die Pronay einen Verräter nannten, zu acht bis zehn Tagen Profoßenarrest verurteilt. Drei andere Angeklagte, die behauptet hatten, daß Pronay feinen Standpunkt in der KöniHsfrage geändert _Wiener Morgen,leitnng. bckbe und in seiner Gesinnung nicht immer der e . i & e geblieben sei, wurden freigesprochen, da der Wahrheitsbeweis in diesem Fatmm als erbracht betrachtet wurde. gaglouls Sieg. Kairo, 18. Jänner. (Havas.) Die Regierung hat demissioniert. Man glaubt, daß Zagloul-Pascha das neue ^binett bilden wird. -er Abrüstung entgegen. Das neue amerikanische Rrefenluftschiff fertiggestellt. Friedrichshafen, 19. Jänner. (Tel. der ,Misner Morgenzeitnng".) Das sü«r die amerikanische Marine «erbaute Ricsen- «lrr ft schiff «ist nun so weit fertiggeftellt, daß wahrscheinlich schon Mitte März mit den Probefahrten begonnen tverden kann. Bei dem Bau des 'Luftschiffes sind die neu «esten Errungenschaften der Technik berücksichtigt worden. Nach Wfolvierrmg der Probefahrten, an denen auch die amerikanische Uoberiwachungskonrmission tavlnchmen wird, wird das Luftschiff Ende April oder anfangs Mai fernen Flug über den Ozean ott treten. Die Führung bei diesem Fluge «ist in die Hände eines der ältesten Mitarbeiter des Grafen Zeppelin, de- «bekannten Aeronauten Dr. Eck euer, gelegt worden. Inland. Wie» bleibt «fett. Rück- und Ausblicke. Bon Gemeinderat Dr. Leopold Plaschkes. Als wir vor fünf Jahren irr den Gemeinderat kamen, habe ich in der ersten Rede zun: Voranschlag das Wort vom sterbenden, untergehonden Wien gesprochen und dar-- auf verwiesen, daß alle Parteien Zusammenwirken müssen, um der Bevdorfung Wiens entgegenzutreten, um diese herrliche Stadt zu neuer Blüte zu bringen. Heute können wir von der ungeheuren Widerstandskraft, der beispiellosen Erholungsfähigkeit dieser Stadt erzählen, von dem frohen Wunder, daß Wien aus sich selbst heraus, fast ohne jede fremde Hilfe, wieder aufevstanden ist. Wem: die Wiener Stadtväter beider großen Parteien in de>n stenographischen Sitzungsprotokollen der letzten fünf Jahve blättern wollen, dann werden sie finden, daß die jüdi schen Gemeinde rate ununterbrochen darauf beacht waren, Wege ausfindig zu machen, auf denen diese Stadt aus den schweren Kriegs- und Nachkriegsfolgen gerettet und empovgeführt werden könnte. Wir haben an der Lebensfähigkeit Wiens nie gezweifelt, dessen dürfen wir uns heute freuen. Und wemr jede der beiden Parteien bestrebt ist, diese glückliche Wendung auf ihr Konto zu buchen, wenn die Christlichsozialchr rufen: „Seipels Sanierung!", die Sozialdemokraten: ,Meitners Finanzgenie!", dann sagen wir: „Ihr habt beide recht, aber vergeht auch nicht, daß die Judenschaft Wiens mit ihrem Fleiß, ihrer Treue und ihrer Liebe zu dieser Stadt, ihren großen Anteil hat, wenn dieses vielverschriene Wien wieder lebt." Böse Zeiten haben wir durchgemacht und noch sind wir nicht auf der Höhe des wahren Fviedenszustandes. Aber die Stadt zeigt heute schon ein ganz anderes Bild als in den letzten fünf Jahren, es hat sich viel verändert rings um den „alten Steffel". Was wir immer gepredigt haben, wird wahr! Die Bedeutung Wiens als Zentralpunkt des europäischen Verkehrs, als Bevmittlungs- und Durchgangsstelle des Handels tritt immer deutlicher hervor und muß immer weiter ausgestaltet werden. Die Fremden finden wieder den Weg zu uns. Nicht bloß die Schieber der Nachkriegszeit, sondern die Vertreter des ehrlichen Handels und aufrechten Gewerbes, die Kenner unserer wieder ausblühenden Gefchmacksindustrie, die Liebhaber anmutiger Kunst und alter Kultur, die Schätzer Wiener Naturschönheit. Auch bei den Juden der Welt wird bald die alte Liebe zu dieser StM der Gemütlichkeit wieder erwachen, wenn sie nur gewiß swd, daß hier der Hakenkreuzgeist nicht gedeihen wird.. Gehen wir durch die Straßen, so haben wir an allen Ecken und Enden wichtige Veränderungen. Die Schäden der Nachkriegszeit werdet ausgebessert, die Straßen gepflegt, die Gärten in Ordnung gebracht, die Häuser wieder vielfach in Stand gesetzt. Ja, man merkt nicht bloß, daß die Stadt Wien als Bauherr heuer 60o Milliarden für neue Wohnbauten ausgibt, sogar schon Ansätze einer privaten Bautätigkeit, und darf hoffen, daß eine der böseste nKriegs-- folgen, die kein Fremder sieht, wenn er durch die schon viel heller erleuchteten Straßen wandelt, die entsetzliche Wiener Wohimngsnot, bald schwinden wird. Vielleicht wird die Lösung der Stadtbahnfrage die Tatsache, daß Wien die Schande der Verwahrlosung dieses Verkehrsmittels beenden will, auch das Problem der Wohnungsnot einigermaßen lindern, weil es vielen Wienern möglich werden dürfte, sich außerhalb des Weichbildes der Stadt ansässig zü machen. i Die allgemeine Besserung zeigt sich in der wesentlichen Abnahme der Arbeitslosigkeit, im Wiederaufbau unserer alten Lebensgewohnhelten, in der erhöhten Leistungsfähigkeit der Bevölkerung, in den anhaltend größer werdenden Steuereinnahmen. Wohl ist der Steuerdruck, der auf den Wienern lastet, sehr hart und die Steuerpolitik überaus anfechtbar, aber die Bevölkerung erträgt die schweren, oft ungerechten Lasten tmb sogar die unnötigen Steueverhöhungen der letzten Zeit leichter, weil sie mit eigenen Augen sieht, daß etwas geleistet und das Ziel, die Rettung der Stadt, tatsächlich erreicht wird. Es .darf nur von unseren Finanzministern nicht übersehen -werdet:, 'daß jede Steuerhöhtmg eine Tenerungs- 20. Jänner 1924 Seife K welle herbeiführt, die den Bestand mancher Privatwirtschaft bedroht, und gerade die Hebelsteuerung in Wien kann böse Folgen zeitigen. Sehen wir doch trotz stabiler Währung den von Monat zu Monat steigenden Index, den sichersten Aus- «druck der Teuermtg, den Exponenten der Lohnerhöhungen, den Streikbazillus, den Schädling der wirtschaftlichen tot* ternehmungen, kurz, einen «der gefährlichsten Genossen des Steuerdrucks! Indes nicht bloß auf den Kaufmann, auch auf den armen AMefftäudler wirkt die Verteuerung der Lebenshaltung. Unsere Abhängigkeit vom Ausland in Fragen der Lebensmittelversorgung wuchs in demselben Maße, wie die Abneigung der Länder gegen das „rote Wien" und steigerte die Lebettsmiitelpreise auf das 18.000fache des Vorkriegsstandes. Hier ist für die Wiener Stadtverwaltung noch große Arbeit zu leisten; die Mauern, welche die agrarischen Länder gegen Wien aufgebaut haben, müssen medergerissen werden. Denn erst, wenn die leidige Magensvage bereinigt ist, werden wir uns herzlich darüber freuen dürfen, daß Wien für Wohlfahrtseinrichtungen, Jugendfürsoge und Gesundheitswesen nach fünf Jahren der Qual 410 Milliarden auszugeben vernrag, daß für Kulturzwecke und Kövpevsport 40 Milliarden ansgewendet werden und daß sich die Stadt sogar bereit erklären konnte, die Staatstheater in ihre Verwaltung zu nehmen. Gelingt es noch, die Hochschule::, welche leider in den letztet: fünf . Jahren oft durch antisemitische Kundgebungen die Peinliche Aufmerksamkeit auf sich lenkten, aus den Niederungen der Hakenkreuzlerei zur alten wissenschaftlichen Höhe zu erheben und den Sozialdemokraten beizubringen, daß sie , mit der nunmehr fünf Jahre alten Schande des Sever-Erlasses und dem unleidlichen Heimatsrechtsskandal Schluß machen müssen, dann können alle Juden Wiens mit vollem Herzen bei der Arbeit bleiben und helfen, daß diese StM noch schöner und gesünder werde. Die Wiener Bevölkerung verdient jede Hilfe; sie ist gut und hat allen Unbilden der Kriegs- und Nachkriegszeit, allen Verhetzungen der Verderber unserer Gemeinde tapfer standgehalten. Wien wurde gerettet, weil die Gelaffenheit des Wieners, die sogenannte Wiener Gnnütlichkeit, «den Sieg über die Not davongetragen hat, weil sich das, was man so gerne Wiener Schlamperei nennt, trotz aller Mühsal in Lebensmut und Schaffensfreude gewandelt hat, weil sich alle Gutgesinnten heimlich zugeschworen haben: Men bleibt Wien! Wien muß Wien bleiben! Ne KonmerziaMrrmg drr Bundesbahnen Abbau der jüdischen Eisenbahnbeamten. Bon «unterrichteter Soite wird uns mitgeteÄt, daß sich so« wohl in: Zuge des Personalabbaues bei den österreichischen Bundesbahnen (insbesondere Direktion Nord-Ost) wie auch bei der Schaffung der Gen-eraldircktion der österreichischen Bundesbahnen Strömungen geltend machen, welche durchaus mit der kommerziellen Gebarung und ökonoinischen Ausnützung aller verfügbaren Kräfte nicht in Einklang zu bringet: sind. Betvährtc jüdische Beamte müssen freiwillig oder unstetwillig ifyte Dienstposten verlassen, mitunter ihre gsgenwärirgs Stellung mit einer nnndevtoerkigen Dienstleistung vertauschen, während bei anderen Bediensteten, die mit dem Makel der Geburt nicht behaftet sind, aus Gründen der fachlichen Unentbehrlichkeit «me „Aendertrng" nicht eiwgetreten ist. Die neu geschaffene Äeneraldirektton verzichtet aus jüdische Ingenieure (Techniker), die arvf eine langjährige und erfolgreiche Wirksamkeit Hinweisen können und deren Ruf weit über ihr Amtszimmer hinaus reicht. Die Generaldirektion will anscheinend die Kommerzialisierung mit der ,^Judenreit:>> heit" verknüpfen. Äe gleichet: Wahrnehtnungetr kmmie matt 'bei allen anderen Zweigen (Einnahntett, RüK>crMtmg. im fitmnN-ellen tmfc kommarziellen Dienste) machen.