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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-20 · Heft 1771 (20.1.1924) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1771 (20.1.1924)
Date
1924-01-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mtm SeWe 3 Wien, Sonntag Wiener Mornenzeitung. SjeJn^jmmeM^ wenn Sie Ihren Bedarf im WIENER MODENHAUt .ZUR BLUSENKÖNIG1N“ M. WEINSTOCK WIEN IX. ALSERSfRASSE 32 •ee*«n 3*C •'■■ Spezialist in Mänteln, Kleidern blusen. SCHLAFRÖCKEN GEDIEGENSTEN GENRES Vor dem Sturze Vnldwin«. (Eigendienst der „Wiener Morgsn-eitu-ng".) London, 19. Jänner. Die Unterhausdebatte über dzn MißtranenZantrag der Arbeiterpartei ist nach der gestrigen Sitzung ans Akontag vertagt worden. Die Anordnung für diese entscheidende Debatte ist bereits festgesetzt. Die Debatte wird von Sir John Simon eröffnet werden. Vermutlich wird Hierauf Lloyd George und nach chm Premierminister Baldwin das Wort ergreifen. Als letzter Rcgierungsvertreter wird Attorney General Hogg sprechen. Ramsay M a e d o n a l d wird die Debatte beschließen. Tie Abstimmung wird um 11 Uhr abends stattfinden. Nach Annahme des Abän-derungsantroges wird das Unterhaus aus Dienstag vertagt werden. In dieser Sitzung wird Baldwin den Rücktritt der Reaierung verkünden. Darauf erfolgt die Vertagung des Hauses bis zur Bildung des neuen Ministeriums. Bis heute ist cs noch ungewiß, ob die Abstimmung die Annahme des Mißtrauensvotums der Arbeiterpartei ergeben wird. Lebhaft erörtert werden die Pläne der Asguich- Liberalen, über deren Verhalten zum Mißtrauensvotum der Labour Party noch keine völlige Klarheit herrscht. Eine kleine Gruppe der Asquith-Leute, etwa fünf bis sechs Abgeordnete, welche den Konservativen nahe stehen und von ihnen auch bei den Wahlen unterstützt wurden, dürften nicht für das Mißtrauensvotum stimmen. Nach Gerüchten, die in parlamentarischen Kreisen umgehen, soll allerdings die Zahl dieser Dissidenten in der Asquith- Partei erheblich größer sein, man spricht davon, daß etwa 50 Abgeordnete dieser Gruppe sich verpflichtet hatten, gegen das Mißtrauensvotum zu stimmen und so mit Asquith zu brechen. Diese Gerüchte sind freilich schwer zu kontrollieren. Sollten sie sich bewahrheiten, dann könnte »s am Montag zu einer Ueberraschung kommen. Ae englischen kisenboknsührer gegen de« Streik. (Eigendienst der „Wiener Mo rg Anzettlung".) London, 19. Jänner. In einem Rundschreiben an die einzelnen Organisationen haben sich heute die Führer des Nationalverbandes der Eisenbahner gegen den Streik attsgesprochen, der von dem Maschimstenverband für morgen abends angekündigt wurde. Ae SevanMmveviennnn. Beendigung der englischen Untersuchung. iEigendienst der „Wiener Morg.'nzeitung") Frankfurt a. M. 19. Jänner. Die Inspizierung ssahrt kes englischen Generalkonsuls Clive durch die Pfalz ist. beendet. Das in dieser Untersuchung gewonnene Material wird durch den englischen Vertreter der Rhemlandskommission der Verhandlung vorgelegt werden. General de Metz für die Separatisten. Paris, 19. Jänner. (Tel. d. ,Mr. Morgenzeitung".) Die heutigen Abendblätter geben ein Interview wieder, das der kommandierende General de M e tz in Speyer dem Korrespondenten des Brüsseler „Soir" gewährte. General de Metz erklärte, es gebe nur eine Regierung in der. Pfalz, und das sei die autonome Regierung. Für mich existiert die bayrische Regierung nicht, da die autonome Regierung eine de facto-Regierung darstclle. Ich muß sie unterstützen, weil ich die Pflicht habe, die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten. Ae SachverltstMaen. Aeworth in den Ausschuß berufen. Paris, 18. Jänner. Das erste Sachverständigenkomitee veröffentlicht folgendes Communique: Das Sachverständigenkomitee für das deutsche Budget und für bit deutsche Währung hat mehrere Unterausschüsie damit beauftragt, Spezial stu dien vorzunehmen. Diese Unterausschüsie sind heute vormittags zusammengetreten, um dem Komitee im Laufe der Nachmittagssitzung Bericht über ihre Arbeiten zu erstatten. Dieses Verfahren wird b:s Ende der Woche beibehalten. Das erste Komitee hat den englischen Sachverständigen für internationale Eisenbahnsragen, A e w o r t h, sowie den (Generalsekretär des europäischen Eisenbahnverbandes L e Vrrve eingeladen, gemeinsam den Bericht über die d e u t s ch e n E i s e n b a h n f r a-g e n abzusasien. (Aeworth hat bekanntlich auch ein Gutachten über die österreichis ch c n Bahnen erstattet. Die Red.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist heute in Begleitung % : n m anns m Paris angekommen. Er wird Montag vor dem Sachverständigenkomitee erscheinen. SaniernngrakNo» Wr die Reichsbahnen. Aufnahme einer Goldanleihe. Berlin, 19. Jänner. (Tel. der „Wr. Morgenzeitung") Ueber eine Kreditakkion der deutschen Post und Eisenbahnen verlautet, daß der R e i ch 8 p o st- und der R eich 8 v « rkehrsminister demnächst die Ermächtigung erhalten werden, hypothekarisch sichergestellte Anleihen aufzunehmen, um den Geldbedarf der Post und der Eisenbahnen zu decken. Die Neichsbank ist bereits mit einer Gruppe deutscher Hypothekenbanken wegen Gewährung eines Darlehens von 100 Millionen Goldmark, das mit 6 Prozent verzinst und unter Umständen ans 300 Millionen Goldmark erhöht werden soll, in Verhandlungen getreten. ES sollen Pfandbriefe ansgegeben werden, durch die formell das Reich die erste Haftung übernimmt. Kahr-SSmmerung. (Eigendienst der „Wiener Morgonzettiting".) München, 19. Jänner. Die Erklärung deS Innen- Ministers Cchweyer' in der gestrigen Sitzung des Verfassungsausschusses, daß die bayrische Regierung von verschiedenen Verfügungen und Maßnahmen des Generalstaats. Kommissärs v. Kahr bisher leine Kenntnis gehabt habe, da sie ihr nicht vorgelegt worden seien, erregt großes Aufsehen. Es ist damit zu rechnen, daß die Angelegenheit noch weitere Folgen nach sich ziehen wird, da nian es für unmöglich ansieht, daß die bayrische Regierung sich vor dem Generalstaatskommissär beuge. ' Bon Kahr hat gestern zum ersten Male seit dem Bestehen des Generalstaatskommissariates eine Niederlage erlitten. Sämtliche Parteien fanden sich gegen die bayrische Bolkspartei in dem Beschluß zusammen, die bayrische Regierung zu ersuchen, das Verbot der deutsch völkischen Z e i t u u - c n sofort aufzuheben. Im Verlaufe der Ausschußdebatte erklärte der Führer der bayrischen Volkspartei, Held, der Ausnahmezustand könne auch von der Regierung dnrchgeführt, werben, .so daß die Aufrechterhaltung des Generalkommissariats keine Notwendigkeit mehr ist. Man sit nun allgemein gespannt, ob v. Kahr sich dem Beschluß des Ausschusses unterwerfen wird oder nicht. Sollte der Antrag, wie gestern im Ausschuß, auch im Plenum des Landtages angenommen werden, so würde das für die Regierung Knilling eine Niederlage bedeuten, die ihren Sturz hevbeiführen. dürfte. % München, 19. Jänner. (Tel. der „Wiener Morgenzeitung".) Die Landesvorstandschaft der bayrischen Volkspartei hat heute den Antrag auf Ausschreibung. eines Volksbegehrens, betreffend die Auflösung des Landtages und Ausschreibung von Neuwahlen dem Ministerium. des Innern überreicht. Me verlautet, wird hie Staatsragierung. demnächst im Landtag eine Verordnung zur S i ch e r u n g d e r W a h l f r c ih e.i t dorlegen, wonach .das, Ge>nevqlstaats?ommissariat mindestens für.die Wcchlzei-t seinss.Haupt'befugnis.se an das Gesamtministerium zurückgibit. Ieutsche Wer der Kahrschen Anrweisunnen. Berlin, i.9. Jänner. Nach einem Privattelegramm des vorwärts" aus Posen hat die polnische Regierung die Ausweisung von 79 jüdischen Familien aus Bayern mtt Repressalien beantwortet. Das polnische Innenministerium .hat der Poscner Woiwodschaft aufgetragen, für die 14 polnisch-jüdischen Familien, die Bayern bereits verlassen mußten, 14 deutsche Familien aus Posen auszuweisen. Phantasten im Bstrqerbrstnkeller. Ludendorff „macht" Deutschlands neue Epoche. -Ewendienst r-.>-r . „Wiener >i"->i'nzej'un^ . . München, 19. Jänner. Die Münchner Burschenschaft feierte gestern im großen Saal des ■ Büvgerbräus den Tag der Reichsgründung, an derselben Stelle also, wo sich seinerzeit der Hitler-Putsch abgespielt hat. General Ludendorsf hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, in der er aussührte. daß es so, wie es jetzt ist, nicht bleiben kann. Nur die W e h r h a f t i g k e i t kann uns wieder Helsen. Wir brauchen Männer, wie sie das alte, ruhmreiche Heer herangejbildet hat, Männer wie Schlageter. (!) Die Hoffnung, daß von diesem Saale aus eine neue Epoche der deutschen Geschichte ausg-chen wird, hat sich aber leider nicht erMt. Bomben In eine« Fick''mg. Hamburg, 19. Jänner. (Wolfs.) In Itzehoe wurde gestern abends gegen den anläßlich der Feier der Reichsgründung veranstalteten Fackelzug eine Hand-, g r a n a t e geworfen. Hierdurch wurden v i e r z e h n P e rsonen verletzt, darunter zwei Frauen schwer. Außevdem erlitten zwei Reichswehrsoldaten Verletzungen. Mehrere Personen wurden verhaftet. C.BOJKO Äöend-u. Ballkleider Teekleider, Kostüme Wien, I. Kärntnerstrasse 34 Eingang Maysedergassc nur im Siock (Lift) 122 20. Jänner 1924 SK. 1771 noleii tragen keinen Gürtel mehr, der den Magen herausdruckt, sondern nur Leibctien- Giirte-Kombination Modelt „Aftita K ‘. Die neueste Sensation flschbeinlos, auf dom blossen Körper zu tragen, waschbar, wie Jtdes Wäschestück, au» dem AMier für Körperform'n H. IEBOWITSCH Wien, VII., Marlahtlferfttr. 66 1. Stock. 180 Festsetzung der Fiumaner Grenzen. (Eigendi.enst der „Wiener Morgenzeitung".) Rom, 19. Jänner. Die endgültige Festsetzung der itali enisch «s üdslawischen Grenze i m F i n m ögebiet wird nächsten Montag durch eine besondere Kommission erfolgen. Nach Belgrader Meldungen wird die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien folgendermaßen verlaufen: Sie geht aus von dem äußersten Ende d.s Baroß-Hasens, verläuft längs d.s Fiumarer Bassins im Norden desselben,' indem Jugoslawen die ganze Zone von Porto Baroß zufällt, berührt dann die Fiumarer Brücke und weist die eine Hälfte der Insel, die zwischen Fiume und Finmara liegt, Jugoslawien zu, ebenso das Delta und Finmara selbst. Dia Gvenzabsteckungskommifsion wird am 21. d. ihre Arbeiten beginnen. Unterzeichnung des italienisch-tschecho-flowa» tischen Handelsvertrages. Rom, 19. JänNer. (Tel. der ^Wiener Morgenzeit-ung".) Der italienisch-tsch.chische Handelsvertrag wird Morgen im Palazzo Chigi uuvterzeichnet. Die tschcchischeu Delogierten -befinden sich 'bereits seit einigen Tagen in R 0 m. Boytott gegen Praschet. . - Prag, 19. Jänner. (Teil, der ,Wr. Movgenztg/H Wie in politisch gut informierten Kreisen verlautet, haben die Vizepräsidenten des Senats beschlossen, die für den 22, Jänner einberufene Präsidialsitzung des Senats nicht zu besuchen, da sie aus diese Weise dnr Senats- Präsidenten P r a s ch e k zum Rücktritt zwingen wollen^ Da dieser Beschluß dem Senatsprasidenten zu Ohren gekommen ist, hat er die Präsidialsitzung heute auf schriftlichem Wege ab ge sag t. .. Fordernng nach Revision der volnische« Berfastnng. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Warschau, 19. Jänner. In der polnischen Rechtspresse wird gegenwärtig die Frage einer Revision der Verfassung eifrig erwogen. In ebner der letzten Klubsitzungen der Plast-Partei wurde die Frage vom früheren Ministerpräsidenten W i t 0 s erörtert. Anschließend an das Referat stellt die „Gazetta Warszawska" folgende Forderungen: 1. Vervollständigung des in Polen herrschenden Systems der parlamentarischen Regierung. Die Erteilung der Berechtigung cm den Staatspräsidenten den Sejm auszulösen, was nach Ansicht des Blattes die Leistungsfähigkeit der exekutiven Macht erhöhen würde. 2. Die Erteilung des Rechtes der legislativen Initiative an den Senat. 3. Aenderung der Wachl0rdnung» welche in gewissem Grade den Ausweg ans dem gegenwärtigen Zustand der Zersplitterung und des zwischenparteilichen Chaos erleichtern würde. Ae polnische kmisstonrbank gegründet. Warschau, 19. Jänner. (Tel. d. „Wr. Morgenzeitung") -Heute nachmittags fand eine Sitzung des Ministerratcs statt, in -der das Ovganisatiansstatut der polnischen Emissionsbank angenommen wurde. Die wichti-iste Bestimmung des ^Statuts legt den privaten Charakter der Bank fest, an der mit 75 Prozent das Privatkapital und mit 25 Prozent der Staat partizipieren. Aus Grund dieses Statuts wird sofort das Organisationskomitee zum Zwecke der Aufbringung des Anlagekapitals in Tätigkeit treten. Im Laufe des Nachmittags wurde der designierte Präsident des Vcrwaltu.ngsrvtes, Karpinski, zum Präsidenten der Republik berufen. Goldlöhne. Warschau, 19. Jänner. Der Zentralausschuß der Arbeitergewerkschast hat beschlossen, im Sejm für die Valorisierung d'er Arbeitslöhne einzutreten. Die Löhne sollen nunmehr in Goldfvanken berechnet werden. Die * “““ Fasziften. Warschau, 19. Jänner. (Tschecho-slow. Pveßbm.) Wie du Plätter melden, haben die llntersuchungsbchörden.-in Angelegenheit der, faszistischLn Organisation w e i te re Verhaftungen verfügt. Eines der bekanntesten Mitglieder der Organisation in Warschau, Pater. Oraczewski, in dessen Wohnung die Versammlungen der Faszistan stai-dgesundsn baten, ist aus Warschau geflüchtet. Seine Verfolgung wurde angeordnev D5B

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