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Wiener Morgenzeitung · 1924-01-19 · Heft 1770 (19.1.1924) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1770 (19.1.1924)
Date
1924-01-19
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Kr. 1770 Wien, Samswg tote Kind zu verbrennen, und dann erst den toten Körper im Geibüsche vorborgeu niodergele-M hat. Ein Huwd hat Me Leiche auifgestöbevt. * Der Lohnkamps der Versicherungsangestellten. In einer Direktorenkonferenz der Versicherungsanstalten wurden die Vertreter der Anstalten ermächtigt, neuerlich mit den Angestellten in Verhanolnngen einzutreten und die Richtlinien hiefür festgesetzt. Die Ängestelltenvertreter haben beschlossen. falls die' heute stattfindenden Verhandlungen abermals kein positives Ergebnis haben sollten, ein ganz kurz befristetes Ultimatum für die Erfüllung der Forderungen zu stellen. * Freie Bezirksarztstelleu. In der Zentrale des Gesundheitsamtes der Gemeinde Wien sind mehrere Bezirksarztstellen zu besetzen. Zur Anstellung sind die österreichische Staatsbürgerschaft, ein Alter unter 40 Jahren, Unbescholtenheit, Doktorat der gesamten Heilkunde, mindestens zweijährige Praxis als Sp-itÄsarzt nach Erlangung des Doktorgrades, Phvsikatsprüfung und Verzicht auf die Privatpraxis erforderlich. Die Gesuche sind bis 1. März 1924 in der Kanzlei der Verwaltungsgrnppe für Personalangelegenheiten im Neuen Rathaus« einzureichen. * Mtndestgehatte jiir Kandelsanaeskeltte für den Monat Jünner. Nach einer Mitteilung des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft betragen die Mindestberüge für Anaestellte für den Monat Jänner: Während der ersten sechs Monate der Praxis 615.000' K.. nach der Freisvrecbunst im zweiten Hwbfahre der Praxis 676.800 K.. nach einjähriger Praxis 738 4^0 Kronen, nach zweijähriger Praxis 829.500 K.. nach drekjährrger Praxis 922.000 K., nach vierjäbriger Praxis 1,014.400 K., nach einer längeren als fünfiäbrigen Praxi? 1,106.800 K. Angestellte lAnfänaer). welche mindestens einen zweijährigen Tageskurs einer Yandelslebranstalt mit Erfolg absolviert haben, erhalten diese Bezüge nach einer dre'monatigen praktischen Betätigung. Während dieser Zeit erbalten sie ein Entgelt von 553.500 K. Die Mindestbezüge der Lehrlinge betragen für den Monat Jänner: Im ersten Halbsahre der Lehrzeit 101.100 K., im zweiten Halblahre der Lehrzeit 126.300 K., im dritten Halbjahre der Lehrzeit 151.600 K., im vierten Halbjahre der Lehrzeit 176.900 K., im fünften und sechsten Halbjahre der Lehrzeit 202.100 K. Die Mindestlöhne der A r b e i t e r betragen ab 21. d. (erstmalig auszablbar Samstag den 26. d.): Jugendliche unter 17 Jahren 126.000 K., männliche Arbeiter unter 22 Jahren 210.100 K., männliche Arbeiter über 22 Jahre 294.100 K.. männliche Arbeiter über 22 Jahre mit längerer als siebenjähriger ununterrdrochener Beschäftigung bei demselben Dienftoeber 315.100 K., Leibliche Arbeiter unter 22 Jahren 157.000., weibliche Arbeiter über 22 Jahre 210.100 K., Zehrgeld 7878 K. * Obligatorische Anstellung tschecho-slowakischer Kriegsbeschädigter in der Privatindustrie. Die Kriegsbeschädigtenfürsorge in der tschecho-slowakischen Republik soll, wie uns aus Prag gemeldet wird, im Jahre 1924 durch ein Gesetz über die obligatorische Anstellung von Kriegsbeschädigten in Privatbetrieben geregelt werden. Der Aufwand für die staatlichen Bezüge der Kriegsbeschädigten erreichte im Jahre 1923 bei den Invaliden den Betrag von 300 Millionen tschech. K., bei den Hinterbliebenen 343 Millionen tschech. K. Durch das neue Gesetz sollen öffentliche autonome und private Großbetriebe verpflichtet werden, neben Gesunden auch eine bestimmte Anzahl von Invaliden anzustellen. (Nachfolgende Notizen bis zu der Rubrik „Vereine" sind entgeltlich.) * Mikado Goldbaud-Felgenkassee mit Rabattmarke ist die deite Kasfeewürze. * Tanzinstitut Hermann Braun, 14. Bez., Reindorfgasse 42. Vereine, Bortröge und Versammlungen. Volksbibliotbek Zion, 2. Bez., Glockengasse Nr. 80. Heute, V-b Uhr nachmittag?, wichtige Ausschußsitzung. Die Verrechnung der Karten für die morgige Feier findet ab 7 Uhr im Lokale deS Vereins Erez Israel, 'Zirkusgasse Nr. 33, statt. — Schachsektton Hakoah. Heute, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Professor Dr. B a r o n im Klublokal, Cafe Nabel, 1. Bez., Wallnerstraße 4. Thema: Palästina und die Diaspora, ein geschichtlicher Ue-er-lick. — I n g e n dvereinAbawatb Zion, Wien, 2. Bez., Glockengasse Nr. 30. Heute, 7 Uhr abends, Vortrag, anschließend Heimabend. Jugendliche Gäste wikommen. — ZeireMiSrachi. Heute, 7 Uhr abends, Versammlung aller Teilnehmer an der Reise nach Preßburg. Generalpaß besorgt. Erscheinen Pflicht. — Z ionist ischeBezirkssektion Zwischenbrücken, 20. Be;., Allerheiligenplatz 17. Heute, ‘/27 Uhr abends, im Vereinslokale Cbamischa-Asar-Abend. Programm: 1. Vortrag. 2. Musik. 9. Vorlesung. 4. Gesang. Juxpost usw. Gäste willkommen. Hebräische Kurse der Sektion Zwischenbrücken. Einschreibungen für Fortgeschrittene und Anfänger, Erwachsene und Kinder Samstag, Montag, Mittwoch von 7 bis '/29 Uhr abends im Vereinslokal, 20. Bez., Allerheiligenplatz 17. — Verein E r e z I s r a e l. 2. Bez., Zirkusgasse 33. Alle Mitglieder Wörden aufgefordert, die übernommenen Karten für die morgige Feier heute ab 7 Uhr abends zu verrechnen. Um 4 Uhr Mischnab-Seminar, Dr. Goldstein. %8 Uhr Seminar Dr. Kaminka: Psalmen. Gäste willkommen. — S e p h a r d. akademischerVerein Esperanza. Die heutige Zusammenkunft entfällt. — Zionistischer akademischer Landesverband. Die Eröffnung des Seminars findet nicht am 20. d., sondern am 27. d. statt. Der neue Palästina-Film wird heute. 10 Ubr abends, im Schönbrunner Schloßkino, 12. Bez., Schönbrunner Schloßstraße 4—8, vorgeführt. Restliche Karten 15. Bez., Herklotzgasse 21/1, eventuell auch an der Abendkasse. — P alästina-Sektion zionistischer Hörer an d e r H o ch s ch u l e f ü r W e l t h a n d e l, 2. Bez., Taborstraße 1, Mezzanin. Heute, '/a6 Uhr abends, Bortrag von Doktor Chaim Tartakow err „Bedeutung der Bodenreform für den Aufbau Palästinas". Gäste willkommen. — Zionistische Bezirkssektion Brigittenau. Montag den 19. d., '/,8 Uhr abends, Chamischa-Asar-Feier in der Toynbenhalle, 20. Bez., Denisgasse 83. Programm: 1. Begrüßung: Präsident Dr. Waldmann. 2. Vortrag über Palästina, Pflanzungen (mit Lichtbildern): Dr. E. Nubinowiez aus Palästina. 3. Fräulein E. Wühl r Gitarre (Colo). 4. Oberkantor G. MargulieS: Jüdische Lieder. 5. Frau Weintraub-Graf, Dir. I. Deutsch: Jüdische Lieder. —Kulturgruppe der zionistis ch e n B e z i r k s s e k t i o n B r i g i t t e n a ». 20. Bez., Karl Meilststraße 5. Heute, 1/a4 Ubr nachmittags, Vortrag von Dr. I. K l a b e r. Thema Vorbehalten. Montag, '/28 Uhr, jüdischer GeschichtSkurs. Referent M e n z e r. — Akademische Sektion der zionistischen Arb eitSyartei H i t a ch d u t h. Heute, 7a8 Uhr abends, Zusammenkunft im Lokale ditzs akademischen Landesverbandes, 2. Bez., Taborstraße Nr. 20». Heute, '/,4 Uhr nachmittags, Waadsitzung. L e o p o l d st a d t e r V o l k 8 h e i m. 2. Bez., ZirkuS» gasse 48. Heute, 8 Uhr, Dr. Friedrich S ch e m b e r: „Ist der Marv iKU'r'nit r (mit Lichtbildern). Karten zu IM» K * Wiener Mm^enzeitUM. * Kostümball der VtiÄenteiihilfsaktion. Die den notleidender: jüdischen Hochschülern Dentschlands gewidmete Veranstaltung, 'die morgen Sonntag in sämtlichen Olhmpiasälen, 1. Be;.. Rotguss« 6, stattfindet, verspricht nicht bloß «in künstlerisches. sondern auch ein gesellschaftliches Ereignis zu werden. Es erscheinen DaMen in Kostüm oder Abendkleid mit Maske, Herren in Frack, Smocking oder Iagnett. Restliche Karten beim Schalter der „Morgenzeituug", Buchhandlung R. Löwit und in größeren Theaterkartenbureaus erhältlich. * Furchtbares Elend. Eine jüdische Familie mit zwei kleinen Kindern lebt in bitterster Not. Der Mann ist Kriegs» invalide, durch einen im Kriege erworben,rn geistigen DeM arbeitsunfähia: als so>g?ne,unter Ausländer bekommt er nicht einmail eine Jnva!-'»d?rpen>sion. Die Frau ist krank und kann daher keinem Erwerb naHwhen. Di,? Kinder stehen noch nicht im erwer'bsfäihi>en M er. Die Fam-Aie ist heute ans die Mildtätiirife’iit wn^cwiesen. Spenden nimmt die Redaktion mfferes Bla'ites entgegen. * Die Elite - Wohltiitigkeilsakademie mit anschließendem Ball des Jüd'.sck>m FrauetnerÄnes Lank.,straße (Präsid'N'u Frau Erna Schwarz-Hiller) findet am 29. d. um halb 9 Uhr ab.'nds im Ktrrsalon stabt. »Der Mrrtzrl;." Akademietheater Die Leitung des Burgtheaters w?iß, daß ihr Ensemble arge Lücken hat, nicht mehr -ist (nicht mehr sein kann), was es war, und daß inan in aller Welt, ost vrcht vevanwortungs-- los, vom Untergang dieser einst größten deutschen Bühne spricht. Die Direktion weiß das und dürfte daher nicht Ausführungen von Stücken riskieren, die wiederholt in Wiener Theatern hervorragend gespielt wurden. Bei solchen Burgtheater-Aufführungen wird der Ausgleich mit anderswo gesehenen Vorstellungen heransgefordert — nicht zum Vorteil des Burgtheaters. Es war zum Exempel nicht gut, daß man im Akadeinioth'ater Molnars „Der Herr Verteidiger" oder Thomas' „Lokalbahn" ei »studierte. Auch die Aufnahme von Hauptmanns „Biberpelz" in das Repertoire hätte unterbleiben sollen. Hugo Thimig ist nicht mehr da und Else Lehmann noch nicht, Forest spielte seinen unvergleWichen Wulkow erst jüngst i-n der Wasagasse, und fitr einige wichtige Episoden — auch das mußten der Direktor und der Spielleiter der Vorstellung wissen — fehlen zur Zeit, zumal bei Doppalbotrieb, die geeigneten Darsteller. So ergab sich eine mittelmäßige Vorstellung ohne genügende Beherrschung des Dialekts, ohne die unbedingt erforderliche höchstlobendige Färbung der Figuren und Situationen. Einzelne Prachtleistnngen genügen nicht, wenn man das bereits klassisch gewordene Lustspiel Hauptmanns im Burgtheater bringen will. Frau Bleib treu ist tüchtig, nicht mehr. Herr Wawra in seiner Woraus wichtigen Rolle des Amtsgchilfen völlig faMos, der liebenswürdige Herr Bau mg arten setzt sine Leichenbittermiene auf und ivevtet die tragikomische Figur des Amtsdieners sehr zum Nachteil des Gesamterfolges in eine durchaus tragische um, die muntere Frau Seidler hält die jüngere Wolfentochter, dieses hoffnungsvolle Spitzbubenkmd, für eine Naive aus einem Benedikschen Lustspiel, und Herr Heine läßt den Fi schwer Wulkow, der den vierten Akt mit stummem Spiel zu untermalen hat (man denkt an Forest), so ziemlich fallen. Ausgezeichnet Herr Schmöle als Mehrhahn, Hochmut,, Dummheit und Untertanenverstand find auf das ergötzlichste dosiert. Schmäl', ferner Herr Danegger (Motes) und Siebert (Vater Wolfs) wünschten wir in einer „BiberpÄz"-Aufführun-g zu sehen, bei welcher Else Lehmann, Hugo Thimig, Herr Forest und Fräulein Geßner mitttm. O. A. Die AUre des DdeMonsrates der Naatsover Lion. In dieser vielbesprochenen Affäre liegt jetzt eine Resolution des Gesamtbetriebsrates der Oper vor, die wir nachstehend auszugsweise Mitteilen. Kommentar überflüssig! „Der Gesamtbetriebsrat der Staatsoper nimmt zur Kenntnis, daß eine Kommission die gegen Divektionsrai Karl Lion seitens des Vühnenvereins erhobenen Beschwerden geprüft und nach Einvernahme des Zeugen Direktor Paul Flandrak sowie nach Akteneinsicht die lleberzeugung gewonnen hat, daß Direktionsrat Lion sich m keiner Weise gegen die ihm auferlegten Pflichten vergangen hat und daß daher gegen eine Wiederverwendung als Direktivnsrat der Staatsoper keine Bedenken vorliegen. Der Gefamtbetriebörat konstatiert mit Bedauern auf Grund des ihm von Dr. Fürst jun. über den Verlauf der Untersuchung gegen Direktionsrat Lion erstatteten Berichtes, daß die Untersuchungskommission den von Herrn Doktor Fürst jun. im Laufe der Untersuchung wiederholt gestellten Antrag, Herrn Hermann Wiedemann als Zeugen zu vernehmen, nicht stattgegeben hat. Der Gesamtbetriebsrat hält dies für «inen um so größeren Fehler, als Herr Wiedemau:: auf Grund persönlicher Einsichtnahme in die vom Direktionsrat Lion an Frau Frankfurter gerichteten Korrespondenzen über die Provision s beteilig ungen desselben bei der Agent u r Frankfurter orientiert sein soll. Es ist den: Gesamtbetriebsrat. daher nicht möglich, zu dem Beschlüsse der Untersuchungskommission endgültig Stellung zu nehmen, bevor nicht Herr Wiedeinann seinen Standpunkt vor dein Gcsamtbetriebsrat noch:nals dargclegt hat. Einen weiteren Fehler erblickt der Gesamibetriebsrat darin, daß dem Anträge, an der Hand der Bücher der Staatsoperndirektion zu prüfen, ob die vom Direktionsrat Lion für Aüslandsgastfpiele verpflichteten Mitglieder zum Ztvecke der Gastspiele a u ß e r v e r t r a g l i che n U r l a u b erhalten haben, ebenfalls nicht stattgegeben wurde. Im übrigen ist der Gesamtbetriebsrat der Ansicht, daß selbst der von Herrn Lion zngegebene Tatbestand der Beteiligung an Theateragenturen seine Wiederverwendung als Direktionsrat unzulässig erscheinen läßt. 19. .Jauner 1924 Seit« 7 Es ist nach Ansicht des Gesamtbetriebsrates der Staatsoper nur die Berufung einer Person auf den Posten «ims Direktionsrates zulässig, die an keiner Theater- oder Kow zertagentur beteiligt ist." 3um bevorstehenden Konzert des Hakoah- Srchefterr.. Aufführung von Mendelssohns „Lobgesang". Wiedermn hat Meister BraslavÄp feine Gütvciuen mo» bilisievt, diesmal das Hakoah-Orchiestex gemeinsam mit dem Wiener jüdischen Gesangsveroin, wcklche uns mit einem seit vielen Jahren m Wien nicht gehörten Werk, dem ,L o bgesang" von Mendelssohn, Svmphoniökantate für Soli, Ehor, OrgÄ und Orchester, überraschen. Es ist überaus erfreulich, daß sich dies« bsiden Korporationen zusammangefunden haben, um wirkliche künWerische Arbeit zu leisten, und es muß nicht nur die Wiener, sondern die gesamte Juden* schaft mit Stolz erfüllen, eine derartige jüdische künstlerische Bereinigung zu besitzen, di« Zeugnis ablegt von jüdischem Geist imd höchsten künAerischen Streben. Professor S. Braslavsky gebührt in allerevfter Linie das Ve-vdienst, dies« jüdischen Dilleta-nten auf künstlerische Höhe gebracht zu halben. Jedes Inden Pflicht wäre es, di« Mische Künstlerschast auss tattkräftigst« zu unterstützen. Zu der am 31. d. im großen KvMrthaussaal stattsindenden Aufführung, di« sich an die anläßlich der Rückkehr der Hakoah mch Pallästina veranstaltete Festwoche anschliießt, wurden als Solisten Frau Hanni Mihacsak (Staatsoper), Herr Hermann Gallos (Staatsoper) und Herr Prof. Valker (Orgel) verpflichtet. A« Aeaterflandal in Dresden. Hakenkreuzler gegen Ernst Toller. Aus Dresden wird unter dem 18. d. gemoldvt: Bei der gestrigen Dresdener Erstaufführung des stark umstrittenen Dramas von Ernst Doller „H i n k e m a n n" erttstand ein T h e a t e r s k a n d a l, der solchen Umfang annahm, daß die Polizei eine größere Zcchl von Zuschauern verhaften mußte. Die Lärmszenen arteten schließlich in Tätlichkeiten aus, wobei Gegner und Anhänger des Stückes einander regelrecht verprügelten. Es handelt sich in dem Drama um einen im Kriege zum Eunuchen gewordenen Mann, dessen Weib ihn: infolge dieses Umstandes untreu wird. Die Lävmsz:nen wurden von mehreren hundert Studenten veranstaltet, die ganze S'tzreihen aufgekauft hatten, um die Aufführung unmöglich zu machen. Am Schluß der PrügÄszene wurde von den jungen Leuten die ,Macht am Rhein" und das Deutsch' landlied gesungen. ein szenlichovskh-Abeild In Budapest. In Gegenwart des Dichters. — Czernichovskh über die Jude«* frag' in Rußland. AniäUich der Anwesenheit des großen hebräischen Dichters San! Czernichovskh in Budapest fand im großen Koirzertsaal der Musikakademie ein Ezernichovsky-Mend statte Die Interpretation von CzernichovAys Werken hatten ausgezeichnete Künstler übernommen. Es fugten untor anderem ergreifende Lieder zum Bordrag, welche Prof. Jdelsohn (Jenrsalem) vertonte. An diesem Abend evgriff auch der Dichter das Wort. Er führte in feiner bemerkenswerten Rede aus, daß rr aus Rußland flüchten mußte, weil in der Sowjetvepubdik seines Bleibens nicht war. Sowjetrußland, das, was feine Üchebar und seine Leitung betrifft, von aller Wett für „jüdisch" geb"Äen werde, sei nichts weniger als den Juden, der Mischen Religion oder etwa bewußt Mischem Wesen freuMich gesinnt. Das JudentiM und seine Religion seien von seiten der Sowjetmachthaber beispiellos böswilllige» und hartnäckigen Verfolgungen ausgesetzh wie solche selbst in den Tagen des Antiochus Epiphaues nicht vorgskoupmen seien. Es erfüllte ihn mit Freude, zu scher:, daß in dsm in aller Welt zurzeit schlecht betleumuudeüon Ungarn ein dem Mischen Geisteswesen gewidmeten Abend veranstaltet werden kormte. wie an einen solchen Juden gegenwärtig in Sowjetrußland nicht einmal hätten denken können. Czevnich>ovsEy, der vom PublEun: außerorderrtlich gefeiert wurde, betoute, daß die StäK« Mischen Wesens zu großem Teil im Kultus der hebräischen Sprache liege, di« zu neuem, ttrsprünglichem Lckben ausblühvn zu lassen die Herzens' sache eines jeden Juden sei. Erstes Wiederauftreten von Lonis Borüvmeester Louis Botlwmecister, der durch Ällonate in einem Amsterdamer Sanaloriunt krank darniederlag. ist in dem Stück „Freund Fritz" von Erckirtann-Ehat'rian zürn ersten Male nach seiner Äeuc-- sung wieder ausgetreten. Zahllose Kränze und Mmnengeloinde bedeckwu die Bühne. Vortrag Dr. Gronemann. Ueber Einladung des Vereines jüdischer Schriftsteller und Künlstter „Havttach" Mt Donnerstag den 24. i>. »nt 7 Uhr abends im Festsaal« des Inge nie rtrnnd Archiitektenvereims der bekunatt« Schrisssteller und Kritiker Dr. Sammh Grone mann, unser Mitarbeiter, der zur Zeit vorübergehend in Wien WM. einen Vortrag ab. Dbxna: „H eitere Tage im jüd isch cn Rußland." Jüdischer Bolksliederabend. Die Vereittigunig ziou-stischer Bankbeamter veranstaltete, wie uns berichtet wird, am 10. d. in ihren: Mlbheim, 8. Be;., Benn-opsi.tz 1a, einen jüdischen B o l k s l i e d e r a b « n d, der eine zahlreiche Zulchrerschast anlockte. Die von Sbevkanior P o st o l o w geischmackvoll vorgvt-ragen-e:: altjüdischen Dialekiln-der brachten chm sowie dem Chordmgonten D z i m i t r o v s t h reichen Beifall. Bor Beginn der Gesangsrornäg? sprach Dr Siegsrivd Schmitz über Eharak.'er und Eniwickluna des Mischen VokkÄiedes' und ermtete für seine interessanten und lehrreichen Ausführungen dankbar« Anerkennung. Den Schluß des genußreichen Abends bildete das von Fräulein Berta SwerNin vorgetragene „Ejli, Ejli, lama asawihann" von Schallt. Ein tiefdurchfühltrs Lied von Volksleid uüd Bolksschmerz, welches Fräulein Stvertl-in verständnisvoll, unterstützt von Fron Alexo

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