Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 6 (1924)
- Issue
- Heft 1770 (19.1.1924)
- Date
- 1924-01-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Wen, Samstag Seit« 8 Wiener MorttenzeituNft. '19. Jänner 1924 tfa. iffif sodann dem Dr. Rode einen V e r w e i 5, wobei er ihm die Wortentziehung für den ftaTI der Fo rt s e tz u u g seines ungebührlichen Benehmens a n d r o h t c. Nach einer längeren Panse, die neuen AusgleicbSverhandlungen gewidmet war, ergriff der zweite Klageanwalt, Doktor Poftelberg, das Wort, um eine Charakteristik Walter Gederns zu liefern und darzutun, daß der ..Oesterrc'^-'' Volkswirt" bei seiner Gründung bloß durch bescheidene Mitt-'l von Personen unterstützt wurdet die keinerlei Interesse an der Wirtschaftsgestaltung hatten. Es gelaugt dann nochmals der Angeklagte zum Wort, der zu den gestellten Beweisanträgeu der Klageanwälte Stellung nimmt. Hierauf wirb die Verhandlung in später Abendstunde abgebrochen. Prinz Bibescu über die amerikanischen Faden and Rumänien. Der rumänische Gesandte in Washington Fürst Anion Bibescu befand sich dieser Tage auf Urlaub in Bukarest. In einer Unterredung mit dem Redakteur der „Dimineata" äußerte er sich über die Beziehungen der amerikanischen Juden zu Rumänien und führte unter anderem aus: Für die Beziehungen Amerikas zu Rumänien ist die Stellung der amerikanischen Juden von besonderer Bedeutung. Für die Lage der Juden in Rumänien hat sich auch Lloyd George während seiner Anwesenheit in Amerika sehr stark interessiert und Volt mir Informationen verlangt. Es ist bekannt, daß ich noch von meiner Jugend her sehr wertvolle freundschaftliche Beziehungen zu den bedeutendsten Juden in* Frankreich, Amerika und Rumänien unterhielt. Ich habe die Judenfrage stets mit voller Objektivität betrachtet. Ich betone das deshalb, weil ich auch in Amerika zu den angesehensten Juden in freundschaftlichen Beziehungen stehe, und ich will hinzirfügen, daß diese wegen der jetzt noch immer sporadisch auftretenben antisemitischen Kundgebungen beunruhigt sind, aber doch lassen sie die Entwicklung der Iu>7enfrage in Rumänien nicht außeracht und vertreten den Standpunkt, daß die rumänische Judenfrage n und durch Rumänien selbst gelöst werden soll. Die amerikanisch-jüdischen Finanzleute ste'hen durchaus nicht übelwollend Rumänien gegenüber und sind sicherlich auch wcht abgeneigt, Rumänien im entsprechenden Moment finanz.ell zur Seite zu treten. In Amerika gibt es etwa 200.000 Inden aus Rumänen, die in einem mächtigen e i n r 1 u tzreichen Verband mit Reick, sverbän den in Kuba. Mexiko und Kanada vereinigt sind. Diese Juden verfolgen die Vorgänge in Rumänien mit großer Aufmerksamkeit und zeiaen sich stets bereit, ihren auf rumänischem Gebiete befindlichen Heimlosen Brüdern hilfreich beizustehen. Ich stehe mit diesem Verbände gleichfalls in engster Fühlung, erteile seiner Leitung immer die gewünschten Informationen und ich kann nur versichern, rß diete aus Rumänien, ausgewander^en Inden von den isn Gefühlen für Rumänien erfüllt sind. Rew -Torker Sensationen. Die Heirat des Grafen Ludwig Salm. Die Sensation der New-Vorker und der ganzen amerikanischen Gesellschaft bildet, wie Universal Telegraph Agency meldet, die erst fetzt bekannt gewordene heimliche Heirat einer der reichsten Erbinnen Amerikas, der Tochter Milli c e n t h des Gründers der Standard Oil Company.Henry S. N o g e r 8, mit dein österreichischen Grafe nLudwig Salm-Hogst r a e t e n. Graf Salm war erst vor einigen Wochen nach Amerika gekommen, um ein Engagement bei einer amerikanischenFilmgesellschaft anzunehmen. Bei einem gesellschaftlichen Ereignis lernte der Graf, der schon in Oesterreich als Filmschauspieler tätig gewesen ist, die Tochter Millicenth des Finanzmagr.aten Rogers kennen, die sich auf der Stelle in den jungen Aristokraten verliebte. Wenige Tage fväter ließ sich Millicenth mit dem Grafen Louis Salm heimlich t r a u e n und kurz darauf wurde die Familie Rogers vor die vollzogeneTatsache derEhe gestellt. Tie Familie bietet nun alles auf, um diese Eheschließung alSungültigerklären zu lassen. Die Familie Rogers bat Vertrauensmönner n a ch W i e n entsendet, um das Vorleben des Grafen Salm erforschen zu lassen und Anhaltspunkte für eine Ungültigkeitserklärung der Ehe zu' gewinnen. Diese Vertrauensmänner sind dieser Tage in Wien eingetroffen. Ein Nachkomme Lineolns als Gattenmövder verhaftet. Die Verhaftung des angesehenen New-Aorker Rechtsanwalts WilliamLineoln, eines Nachkommen Abraham LineolnS, erregt in New-Aork, wie Universal Telegraph Agency meldet, größtes Aufsehen. Der Rechtsanwalt wird beschuldigt, seine Gattin umgebracht zu haben. Er erklärte bei der Einvernahme, er habe inNotwehr gehandelt, da seine Frau vor seinen Augen seinen Bruder getötet habe. Seine Gattin hätte, behauptet Lincoln, auch gegen ihn selbst Mordabsichten gehegt. Die mysteriöse Affäre beschäftig die gesamte New-Aorker Presse. Das anatomische Fnftitut vor der Sperre. Der Wiener Universität, welche in den letzten Jahren durch die von völkischer Seite provozierten Vorfälle in ihrem Ansehen starke Ginlbu-ße erlitten hat, droht, wie -n:r von maßgebender Seite erfahren, ein neuer herber Schlag, der, wenn nicht noch in letzter Stunde radikale Hi 'e kommt, geeignet ist, die berühmte Wiener medizinische Schule ganz zu vernichten. Da3 anatomische Institut steht unmittelbar vor der Gefahr, n .sperrt zu werden, weil das L e i ch e n m a t e r i a l t Studienzwecken fehlt. Vom 1. Oktober 1923 dis in Unser neuer Roman. Morgen Sonntag beginnen wir mit der Veröffentlichung des Romans Die Heimatlosen. Von Wilma v. Vukelich. Dieses Werk, welches vor kurzem erschienen ist und bei Presse und Publikum sofort großes Auiffehen erregt hat, schildert das jüdische Budapest der letzten Vorkriegszeit, das Bemühen der ungarischen Judenhcit um Anrecht und Heimat. Dieses Bemühen hat seither in der rauhen Wirklichkeit tragisch geendet. Die Ursache dieser Tragik ist meisterhaft in diesem Roman schildernd vorgeahnt. Das ausgezeichnete Werk, welches, aus der Perspektive der Gegenwart gesehen, den Wert eines kulturhistorischen Dvlum>nis gewinnt, wird unseren Lesern hoffentlich eine willkommene Gabe sein. den Monat Jänner 1924 sind im ganzen nur sieben Leichen eingeliefert worden. Auf das Jahr umgerechnet ergibt das 28 Leichen für das nächste Studienjahr. Selbstverständlich ist bann jeder Studienbetrieb ausgeschlossen. In einem Jahre studieren rund 1200 Studenten Anatomie. Jeder Stube.<1 sollte im ganzen Jahve mindestens eine Leiche durchliefen. So muß er aber jetzt, wie die Professoren H o ch st e t t e r und Tandler erklären, zur Prüfung antreten, ohne daß er Gelegenheit hätte, eine ganze Leiche zu sezieren. Die Ursache dieser heillosen Misere ist ein Vertrag mit der Leichenbestattungsfirma Payer, S ch m u tz e r u. C o m p.. welche die Leichen in den Fondskrankenanstalten. die bekanntlich dem Minister S ch m i tz unterstehen, zu bestatten hat und aus geschäftlichen Gründen dem anatomi'chen Institut das Material nicht liefert. Minister Schmitz übersieht offenbar ganz die Notlage des Instituts und läßt alle Urgenzen des Professors H o ch st e t t e r unerledigt. In letzter Stunde versuchen nun die Studenten des anatomischen Instituts, die drohende. Katastrophe abzwwehven, indem sie in einer Eingabe an die Regierung urd an die politischen Parteien des Nationalrates um rascheste Hilfe ansuchen. Mitteilungen nur dem Publikum. ßrnsse Okkaston in den neuesten ^Pariser Si/todeiten ‘Gaborstr. 1 'Wien, II. ‘Gaborstr. 1 Gosti Sack Hermann Hirsch Przemysl Rohatyn Verlobte Jänner 1924 Margulies Jagid Moses Lustmann Wien, IX. Wien, II. Verlobte NACH UM LOW beehrt sich, auf diesem Wege alle Verwandten und Freunde zu der morgen Sonntag den 20. Jänner um 5 Uhr nachmittags, im Hause II., Praferstrasse 9/5, stattfindenden Trauung seiner Tochter FRIEDA mit Herrn Alexander HABER höfiichst einzuladen. Jede mondäne Dame besieht ihre Seide vom ezialhaus Richard Leltner Wien, IV. Margaretenstr. 10 Unerreicht billige Dreisel 5008 n AUFRUF! Schützt« Eure Kinder vor Halskrankhelten Sie können das sichpr «■rügen, wenn Sie ihnen Ecii.SchweizerHustenpastillen geben. Unentbehrlich für Jedermann, insbesondere für Kinder. 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Jungstrasse 8 ■■■ > ■ ■ Morgen Sonntag den 20 Jänner 1924 um 8 Uhr abends findet im eigenen Sektionsheim, II. Jungstrasse 8, ein« statt. * Festredner: Herr Dr. Chaira Tartakower. Humoristische Vorlesung: Herr Samuel Schwager (Schatkani). Um 5 Uhr findet ein Fest für die Kinder der hebräischen Schule statt, bei welchem Südfrüchte durch die Frauengruppe verteilt werden. — Eintritt frei Gesinnungsgenossen! Das Sektioneheim ist täglich von 6—lOUbr abends den Gg. zugänglich, Zeitungen liegen au! Lelcht»i Tauwettrr. Der amtliche Wetterbericht. Gestern morgens tvar es in Westösterreich heiter mit Föhn. Int Osten war auf feuchter, kalter Bodenschicht eine Nebeldecke. Semmering meldete morgens wolkenlosen Himmel und plus 3 Grad, Mönnichkirchen plus 4 Grad. In Wien lichtete sich die Nebeldecke mittags ein wenig. Die Temperatur blieb den ganzen Tag o!-n!.»e Zehntelarcud über Null. Voraussage: In der Niederung meist trüb und nebelig. Temperatur nahe dem Nullpunkt, leichtes Tauwetter, auf den Höhen heiter und mild (Tauwetter tagsüber bis über 1000 Meter). Steigende Fleischpreise. In der Großntavkihalle zeigen die Fieifchpvvife int Großhandell steigende Lendenz. So wurden geistern die Preise für KaMfleifch iw Großhandel u>m 3000 K. pro Kilogramm in die Höhe gesetzt Die Zufuhren in der Großmavkthalle waren in dieser Woche schwach ausgefallen, so daß das Angebot auch für heute nur knapp gedeckt ist. Die Grüniwaremnärkte sind gleichfalls schwächer beschickt, doch ist di>e Nachfrage sehr scklwach. Die Kartoffölbauer-n, die in den Frühstunden die Kartoffeln noch zu den bisherigen Höhen Preisen verkamst hatten, mußten im Danse des Bormittags mit den Preisen um 200 bis 400 K. pro Kilogramm herunterigshrn, da sie sanft keine Abnehmer gesunken hätten. G-Äbe KartilBfeln kosteten dann im Großhandel! 1800, rote 1500 und weiße 1700 K. pro KAogramm. Die Preise für Butter und Eier blieiben unverändert. * Zionistisches Lokalkomitee. Morgen Sonntag, 11 Uhr vormittags, im Lokale, 2. Bez.. Taborstraße 20a, Sitzung. * Der unterbliebene Vortrag Nadic. Wie jetzt bekannt wird, ist der Vortrag des bekannten kroatischeit Führers Nadic deshalb unterblieben, weil der ursprünglich auf. ein geladenes Publikum beschränkte Kreis durch Zusendung von Einladungen seitens der den Bortrag veranstaltenden Literaturanstalt an eine große Menge von Personen auffallend groß geworden war und Demonstrationen von serbischer Seite zu befürchten waren. In Graz war gleichfalls ein Vortrag angekündigt, der auf Einschreiten der jugoslawischen Vertretung nt Wien abgesagt wurde. * Ein Alfred Griinfeld-Platz. In der unter diesem Titel gestern erschienenen Notiz ist unter den Namen der Fürsorgeräte der des Herrn Adolf Tacher richtig als Adolf Tarier zu lesen. * Der Garer Nabbi in Wiett. Auf seiner Reise nach Palästina ist der berühmte Nabbi von Gora-Kalwarja (Gorer Rabbi) zu kurzem Aufenthalt in W i e n eingetroffen. In seiner Begleitung befinden sich mehrere jüdische Kaufleute und Industrielle aus Polen.. * Grauenhafter Funeiner Kindesleiche. Gestern wurde irr Schönbrunn die Leiche eines haMerkohuen ueuigelboveuen Knaben im Gesträuch verborgen aufgefundeu. Alle Altzeichen lassen darauf schließen, daß es sich hier um einen gräßlichen Kinde smord handelt, bei dem man zusrist versucht hat,