Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1924-01-19 · Heft 1770 (19.1.1924) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
6 (1924)
Issue
Heft 1770 (19.1.1924)
Date
1924-01-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2979076-2980834-2980853--17482-3004489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Me«, SamZW Wiener MorKnzeMW. m Wrrner 'ISA m* ft Sebent und Stolper gegen Bekessy. SegensrMge Konuptionsbeschuldigunsen. Wie noch smmveMch, hatte am 7. Juli 1923 der Österreichische Volkswirt", den dis Herren Walter Feder« und Dr. Gustav Stolper hevausgclbrn, bi-n-e Reihe schweostee BefHu'lidyKunrgrii gegen den Herausgeber und Ehest vedaltsur der Mütter „Die Bövf-e" und „Die G!>u-n!de" erhoben, in denen sie ihn ÄS korrumpiert dozeichneiten. Die Fvl'ge ^ar zunächst eine Pveß-polsmik, in deren Verlauf Bekessy sÄnen Gegnern die gleichen BsschuWgu-nyen zurückgbb. Beide Par- Kien Aagden einander amif GhvenlbeleiidigU'Ng; Herr Bekessy zog dann auf eine Intervention des Präsidenten der Concordia, Dr. Edmund Wengras, Me Klage zuM, lvähveüd die GeGrurlage der Herren Federn und Stolper gestern vor die Goschwornen Sam. Da die AusgjleichSverhanidliunigen, die gystsm knapp vor Beginn des Prozesses singöleitet wurden, an der Weitzeruntz der Kläger scheiüevten, ihre Beschuldigungen gegen Herrn Bskessy Mückznnchmen. eröffnet« H^rat Jakob nach 11 Uhr Vovmrttags die Verhandlung. Der Saal des SHwuvge-vichtes war von oinem vorwiegend aus Journalisten best-chenden PMAnm gefüllt. Bei der BeeidiMvg der Göschwowen machte es ziemliches Aufsehen, daß Mi Herren, die konfessionslos waren, durch Handschlag vereidigt wurden. Die Bevtoidigung des Angeklagten liegt in den .Händen der Herren Dr. Valentin Rosenfeld Md Dr. Walter Rode, als AnwM der Klüger fungiert Dr. Ruidoff Bienenfeld. Der Vorsitzende, Hofvat Jakob, begann mit der Abnahme der Generalien. Herr Emmerich Bekessy gab an, 36 Jahre abt, evangelisch und nach Men Mündig zu fein. — Präs.: Halben Sie Vermögen? — An ge kl.: Jawohl. — Präs.: Dollen Sie uns ungefäbr sagen, wieviel? — Der Anyoklaa'e zuckte die Achseln. — Präs.: Wie hoch hat die Steuerbehörde Sie in Ihrem Einkommen besteuert? — Angekl.: Mt einigen hundert Millionen. Es folgte sodann die Verlesung der Klageschrift. Diese betrifft insbesondere den JrchaLt eines AriMs in der „Stunde" vom 11. Juli 1933. Es hsrßt -darin: „Die Herren Gustav Stolper und Wailt-er Federn halben gegen mich in ihrer Zertung schanMe und niederträchtigs DeÄsumdungLn erhoben, ohne . . ." Weiter:. „Malter federn und Dr. Gustav Stolper . .. sind geunHens und ansgehaltene Bravos von Kaprtalisten, die sich durch meine journalistische Tätig- Seit in ihren Geschäften gestowt fühlen." Ferner: „Ich er- KLve Walter Federn und Gustav Stoker als ehrlose unniederträchtige Schurken, die ans Rache und aus Brotneid oder gegen Bezahlui^ lügen und verleumden." In der ,>B ö r s e" erschien am 12. JuA 1933 ein Är- Äkl. in dem es unter anderem heißt: „Ist es aber nicht geradezu grotesk, wenn mein einstiger Schüler, der Knabe, der meine Theorie über die Käuftichksit als elfter Wiener Journalist in die Praxis übersetzt, also gerade dieser Gustav StoVper. der sich bekanntLich von der Zeitung des Präsidenten Bosel für drei bis vier Artikel im Monat Äwe Gage bezahlen läßt, die in der Wiener Presse einzig -dasteht, mich der Käuflichkeit zecht? Gott bewahre, daß rH die Mitarbeit an der Zeitung eines GroMnonMs an sich als oin Zeichen der Käuflichkeit betrachten würde! Ich abaube. bewichen zu haben, daß die Bewagungsfreiihoit des büwgrrliichen Iouunalfften gerade bei jenen Zeitungen die größte ist, die nicht von erwerbsmäßigrn Verlegern, sondern von ernem einzelnen Kapitalisten herausgegeben werden, weil bei bissen mit Ausnahme des Sondergebietes, auf welchen die Interessen der Kapitalisten liegen, alle sonstigen Gebiete des öffentlichen Lebens völlig nnbse-imlußt 'betrachtet werden können. Man sage mir aber, ob das Gebiet, auf welchem Gustav Stolper wirkt, von den Int-rresfen des Präsidenten Bosel unbeeinflußt liegt, und ob es möglich ist, die Grenze zu Achen, wo die Bezahlung für drei vis vier LrugweMge AritW aufhört /und dar Lohn für sreunidschaiDiches Berhast wn mr „BoAswirt" cmsäugt. Ich betrachte, wie gesagt, den Gustav Stolper als einen pvMffchen Berfechtie-r meiner Theorie Wer die KäuWchLeft der Journalisten (er läßt sich vom Prüsidertten Boscl wenigstens anständig beiz ah len), ich mache ilnn daher auch keinen Vorwurf. Wenn or aber eine Erklärung unterschreibt, in der die Käuflichkeit als eine der verächMchsten Eiaenschaften bezeichnet wird, dann rufe ich ihm ein freundliches „Selber aner" zu lrvnid gche lachenld weiter." Duvch diese und eine Reihe anderer AuSfühvungeit habe «r die Kläger unehvenhafter und unsittlicher Handlungen beschuldigt, die sie in der iDentlichen Mouwng verächtlich zu machen geeignet sind. In den Gründen erklären. die Kläger, sie hätten ihr« Angriffe am 7. Juli 1633 int öffentlichen Interesse gegen de» DrschMigten dorgchracht. und die inkrimimterten ArtikÄ seien als oin Versuch auzuschen. -die Wirkungen ihrer Angriffe duvch GegenangMe auf ihre persönliche Ehre zu beeiulirachtigen und abzuschwächen. „Es bedürfe wohl keiner be.fonlde.Mn Echärtung, daß die Ansivürst Bokessys dre schwersten Beleidigungen daristellln, die Porsonen des öffetEichen Löbens angetan werden Sotmen^ Hierauf beginnt " das Verhör mit dem Angeklagten Emmerich Bekessy. Er verteidigt sich tu lamgever. sehr temperamentvoller Rede. Er bekennt sich als unWchnldig und erklärt, daß er für jedes Wovt, daß er gejagt oder geschireben habe, voll einstehe. obzwar nicht er es war, der den Kampf gesucht hat, und er nur gezwungen wurde, hier ent eit Abwehrkamps zu führen. Die Ankläger, führt -der Angeklagte aus» haben mit Verdächtigun'gen, Ver- I e um düngen und Beschimpfungen gearbeitet» ohne dett leisesten Versuch, diese zu beweisen. Die Ankläger stellen mich Äs einen einbrechenden Magyaren hm, der die Ruhe dieser Stadt stört. Ich bin mit Wien aber mindestens, so verknüpft wie meine Angreifer, die schon darin einett der äraste« Schulbubenwitze verüben, -indem sie mich immer Jmre stotiEmmerich nennen. Schließlich wäre ich ja für meinen Namen ebensowenig verantwortlich wie die Ankläger, und ich hätte diesen Schnlbnbenwitz schon mit eim' Geste abtun Kn# neu, zumal ich aus der Matrikel -der Wiener israelitischen Kü.lt'usltemvinde s-sstsi-ellen kann, daß Herr Gustav Stolper v?ivntlich Herschel heißt. Ich habe vor 14 Jahren in einer Mühle schwer a-vberien rrr -> Säcke schleppen müssen und -mich schwer zu dem dnrchgea>:*'dv-jrt.. was ich geworden. Herr Federn war Borse-na g e -n i und Herr - Stolper ist der Sohn eines B ö r s e n a g e Uten, sie halben also das Kursblatt schon -mit der Muttermilch eingesogen. Ich bin auch nicht aus Ungarn geflüchtet, sondern ich kam nach Wien, weil mir die Luft des weißen Terrors in Budapest nicht bchagte und ich habe in Men Kitte zweite Heimat gefunden. Der Angeklagte legt nun den Zweck der Gründung des volkswirtichastlichen Blattes „Die Börse" dar und sagt: Während es fvüher die Gepflogenheit war, Banken, Ministerien, I n st i t u t i o 1t r n zu kritisieren, habe ich die Personen, die hinter diesen Institutionen stehen, selbst dafür haftbar gemacht. Aber ich habe mich nicht als Richter aufg^spieli. Das habe ich ben Herren Privatklägern überlassen. Herr Dr. Stolper ist ja allgemein >der Bilanzschreck genannt worden, Lveil er die Bilanzen und nie die verantwortlichen Männer kritisierte. Der „Oesterreichische VoWwivt" hat i-n -seinen besten Zeiten eine Auflage von 3006 Exemplaren gehabt. Ich muß sagen, eigentlich eine gan>z hübsche Zahl. Aber man darf nicht glauben, daß es sich um 3000 Leute handeü, die den festervcichischen Volkswirt" abonnieren. Ein Großteil dieser Auflage wird von den Banken und Unternehntungen, denen die Herett Stolper und Federn von Anbeginn an tr-sue Gefolgschast leisteten, übernommen. 688 Exemplare werden von sechzehn Wiener Banken abonniert. Also 25 Prozent der Gesamtanflage. Ich schätze ja den ^Wissensdrang der Bankdirektvren ungemein, aber so hoch schätze ich ihn ja doch nicht, daß ich mir einreden -lasse, daß die Depositenbank zum Beispiel 136 Exe-tnplare braucht, um ihren Bildungsdrang zu befriedigen. Und ebenso ist es bei dem Wiener Bankverein, der % Exemplare bezie h-t. Während der R-?de des Angeklagten macht Dr. Stolper eine Geste, -als ob er Einspruch erhöben wollte, doch belehrt ihn der Vorsitzende, daß der -Angeklagte in seinen Darlegungen nicht unterbrochen werden dürfe. Der Angeklagte ironisiert das - Abonnement des »Molkswirt" und insbesondere die Inserate, van denen er sagt, es seien dieselben Banken, -die inserieren und abonnieren. Die Inserate würden offenbar zu denr Zweck ausgegeben. damit eine Großbank die Adresse -der anderen ans dem „Volkswirt" erfahre, die ihnen offenbar bis §xum Erscheinen dieser Zeitschrift ein Geheimnis gewesen ist. In heftigem Ton, so daß der Vorsitzende -ihm nahelegt, stch zu mäßigen, erklärt der Angeklagte, daß mit der Aufgabe der Inserate das Wohlwollen des „Oesterreichischen Volkswirtes" erkauft worden sei, daß diese Banken niemals abfällig kritisterä worden sind und daß dies-.'s Idyll jahrelang fort« gedauert habe, bis er als Friedensstörer aufgetaücht ist. Herr Stolper habe sich für eine Leuchte der Wiener Journalistik KehÄtLN, habe sich aber ,dazu herabgelassen, im Blatt des Herrn Bosel, nachdem er diesen vorher maßlos angegrifsen hatte, unbedeutende Arttkel gegen ein Honorar von hundert Goldkronen zu schreiben. Die Angriffe hätten dann vlötzlich -aufgchort und aus dem Großschieber Basel so: ein Erzengel Gabriel geworden. Hundert Goldkronen seien damals dasMontsgehalt emes den ganzen Tag schaffenden rührigen Journalisten gewesen. Der Angeklagte schließt, er wäre nicht zu einer heftigen Abwehr geschrtttert, tvenn sich nicht Herr Dr. Federn angemaßt hatte, einen jungen volkswirtschaftlichen Schriftsteller. Dr. Kaufmann, der außer zerrissenen Schuhen nichts besitze als seine Ehre, wider besseres Wissen der infamnsten Böksenischiebunosn zu, zechen. ' BertEger Dr. Rode stellt die BeweiKaniräg» zur Führung des Wahrheitsbeweises, die sich in erster Linie auf Verlesung aus dem „Volkswirt" beziehen und aus denen Unfehl-- barkert, Eigendünkel der beiden Ankläger bvloiesen werden soll „die von Beruf falsche Propheten sind und sich stets zur Vertiefung der dümmsten Schlagwörter hergsgeben haben". Dr. Stolper habe in den kaiserlichen Zeiten einen ® c r^i l öit ^c,t .Tall gelegt, der vor keiner Lüge zuruckschreckte. Er sei immer ein glühender Anbeter des alten Oesterreich gewesen, aber nach dem Umsturz hat er sofort umgeschwenkt 'und ist hinter der neuen Macht des Tages, hinter der Arbeiterpartei, hergelaufen. Immer hielt tt zwei Eisen im Feuer, indem er mit den Banken kokettterte und bei den Sozialdemokraten in gutem Ansehen bleiben wollte. Er trat gleichzeitig für die Sozialisierung und für die Intereffen des Kapitals ein. Nach dem Ausfall der Wahl i-m Jahre 1919 ging er sogleich mit fliegenden Fahnen zum Sieger über und schrieb, daß die christlichsoziale Partei nun ihre Rolle im politischen Leben Oesterreichs gänzlich ausgefpielt ha-be. Er war ein Abgeordneter ohne Mandat ein Finanzminister ohne Portefeuille, ein Publizist ohne Publizität. Ich stelle schließlich unter Beweis, daß sich Herr Doktor Stolper mit allen Mächten zu verhalten suchte: mit den Inserenten, indem er bürgerliche Wirtschaftspolitik treibt, mit den Sozial demokraten, rndenr er für Gratisaktien Eintritt, mit den Christlichsozialen, indem er die Versammlungen der Sozialdemokraten ironisierte, bei den Großdeutschen wieder, indem er für den Anschlnh an Deutschland Eintritt, bei den Banken, indem er ihnen zuzwmkert, er werde alles bei den Sozialdemokraten richten, bei den Juden, indem er sich als Gegner des Antisemitismus dar Großdeutfchen ausgibt. Bei ihm gibt es mit einen: Wort nur ein politisches Bestreben: Wie werde ich Finanzntinister? Weiters wird unter Beweis gestellt, daß Stolper zugunstet: Bösels geschrieben hat; er hat das Lied dessen gesungen, desien Brot er aß. Nachdem er aber aus dem „Dag" austreten mußte, hat er gegen Bosel Stellung genommen, ittbent er schrieb, daß dieser nach Herkunft und Bildungsgang nicht zur Gesellschaft gehört. Der Beweis über det: Ausdruck „ausgehaltener Bravo", iverde duvch Hinweis darauf geführt, daß Stolpern von Inseraten lebe, sowie durch die Zeugenaussage des Vizepräsidenten der Bosel-Bank, Dr. D a v i d. Die Banken bilden förmlich eine Gesellschaft der Kunstfreunde zur Tragung des Defizits des Lebensunterhaltes der Herren Stolper» und Federn, jedoch nicht bloß durch Inserate, sondern auch durch Znt^ndungen. Als Zeugs wird Herr Siegmund Bergmann geführt. der sich einmal beklagte, daß er von den Ba'nken weniger bekommt als Federn. . legt der Verteidiger die Angelegenheit Wöllersi vors dar. für dessen Verpachtung an die Allgemeine ElerlrizitatSgesellschäft Dr. Stolper eintrat, nachdem er zuvor sich gegen jede Verpachtung ausgesprochen hatte. Bekanntlich war dck Versuch, den Jinanzministrr Dr. Gürtler durch Anbot eines Verwaltungsratspostens bei der A. E. G f;u bestechen, mißglückt. Der verstorbene Genetxtlrat der Anglo öank. Dr. Wilhelm R o s e n b e r g, hat dem Mitarbeiter oe» "dorse". E l y. gegenüber gesagt, er könne dem Dr. Stolpe/ nicht beikommen, es sei für ihn fvaglos. daß Dr. Stolper in de? Angelegenheit Wöllersdorf von der A. E. G. bestochen wurde In dieser Sache wird Herr Elt) als Zeuge geführt. Zu der Beschuldigung ehrlose und niederträchtige Schurkerei wird unter Beweis gestellt, daß Dr. Stolprr den Bekessy auS Konkurrenzneid auswetsen lassen wollt« und während de» Krieges seine eigene Enthebung mit der Notwendigkeit seinrtz ' Anwesenheit in Wien im Int-eoesse der Propaganda für die Kriegsanleihe begründete, weiters alle, die bei den Blättern Bekesshs mitarbeiteten oder inserierten beschimpfte. Verteidiger Dr. Rosenfeld legt das Beweismaterial dafür vor, daß Herr Bekessy nicht von der tschecho-flowakischen Regierung abhängig war. Er befaßt sich weiters mit dem zweiten Kläger, Herrn Dr. Federn, den er als den „kleineren Lügner" und kleineren Publizisten bezeichnet. Er bespricht die Angelegenbett der Coburg-Gesellschaft und bezeichnet es als erlogen, oaß Bekessy tendenztöse Notizen veröffentlicht habe. In Wirklichkeit fei die Niederösterreichische Eskomptegesells ch a f t wegen ihrer Haltung in der Coburg-Frage von Bekessy angegriffen worden, weil sie den Kurs der Coburg-Aktien hinauftrteb, um sie dann als ein faules Geschäft rasch zu den erhöhten Kursen zu verkaufen, zu einer Zeit, wo ihre Direktoren öffentlio^das Unternehmen als ein gutes Geschäft bezeichneten. Gegen ^eorg Günther sei Bekessy nur aus sachlichen Gründen aufgetreten. Oesierreich habe daS Unglück aehabt, daß GünrherPräfidentder Bundesbahnen wurve. In Oesterreich ist es so eingeri^tet, daß der Präsident der Bundesbahnen glerchzeitig Präsident' jener Gesellschaft ist, die oie Bundesbahnen beliefert, und das ist die Steyr-Fabriksgesevschaft. Gegen diese Gesellschaft erschienen in den Blattern Bekessys Angriffe, obwohl sie inserierte, Nach den Angriffen wurden die Jnseratenaufträge storniert. Was C a st i g l i o n r anbelangt, so kann alles als wahr zugegeben werden, was über die Ftnanzierung Bekessys durch Casiiglioni erzählt wird. Im Gegenteil, die Summe von einer Milliarde, die als Finanzierungsunterlage angegeben wurde, ist zu gering angesetzt. Sie ist viel höher. Die Herren Gegner glaubten, Bekessy werde sich fürchten, das geheiligte Wort Castiglioni in den Mund zu nehmen. Bekey gibt getrost zu, in finan« zieller Beziehung von Castiglionr abhängig gewesen zu sein, und fühlt sich durch den Borwurf, von Castiglioni finanziert zu sein, nicht beleidigt. Was die bereits erwähnte Lifte anbelangt, so wird noch hinzugefügt, daß auf der Liste Doktor Federn als einer der von der Kreditanstalt bezahlten Redatteure bezeichnet wird und daß dem Siemtund Bergmann, als er sich beklagte, daß Dr. Federn mehr erhalte als er, geantwortet wurde, die Artikel des Dr. Federn über die Tochtergesellschaften der Kreditanstalt könnten dieser unangenehm werden, weshalb Doktor F e d e r n m e h r e r h a l 1 e. Die Gegenseite möge Vorbringen, was sie wolle, und endlich das geheimnisvolle Material vorleyen, das wahrscheinlich wieder nur auf den Namen Castigl'ioni zurückführen werde. In der Nachmitiagsperhandil'UNig führte der Aägsch'chr Vertreter, Dr. R-uidoff Bienenseld. aus, die angübotenen WcchcheiiMeüveise der Verteidiger lasten sich auis ein Mi-rrmrum Deduzieren. Es werde unter anderem von einer unbökannten Liste bei einer unbeLannien Bank gesprochen, von der Dr. Federn Geilid crfyjfOten Hoden soll. Das ist das Bc-wvrsmaitericll. Den Fall Castiglicn' h-tt die Verbeidigu-ng zugegeben. Um Herrn BeKessy der Alpinen Gäielvschaft und damit auch den Interessen des HauseL Castiolioni dienstbar zu machen, hat Bekessy von Catsbigsiom im Juli 1923 einen Betrag von mehr <As einer Milliarde echaAen. (Bewegung im Auidi-tovium.) Dr. Stolper begmut in auGührl-icher Weise mit der DaÄeigung der Vorgeschichte des KonffÄtes zwischen dem „OestervLichi-schen Voüikswirt" und Bekesty. der auf bk falschen Nachrichten Bekessys Mer die Verlbindmrg von Schneider- Creuzot und Sti-nnes und den Cmtritlt in die Alpine Gesellschas-t zurückz::fü!hren fft. DamÄs habe der ,/OssterretchijchL VMswivt" bloß die Anspielung gemacht, daß Bekessy von CÄstiBion: Gelid bekommen haben rnüste. Daraufhin haben die Boschimipif-unigen durch Bekessy mit dem Artikel ,^Dia Rache des Unialents" begonnen. Dr. Stolper legt mm das Ei nnahmedudgeit des „DoAsmirt" dar. nämlich 1^ Milliarden Mckich von. denen insgesamt nur 200 Millionen. also 15 Prozent, auf BaMnlserate entfallen und nur etwa ein Fünifick davon, also 3 Prozent, aus Jnisevate der Großbanken. Neber seine Bezüge im „Tag" gibt Dr. Stolper au, er habe als Publizist voll hoher Bedeutung (Lachen) nicht mehr verlangt als er im Frieden für Zeitungsart''M bekam. Zn DM stand ich in keinem VeMütms. Ich bin für das Problem „Mitteleuropa" schon früher eingetreten und dafür werde ich in: Jahre der Ruhrbasetzu-ng von diosonl zugereisten Magyaren... (die Ve-rtoidiger und der Angeklagte remonstrievrn erregt geigen diesen Ausfall; im Zuschauerraum werden Ruse laut ,Herschll, HerschL!" Der Boysitzende fordert enemiisch Ruhe.) Bezüglich der tschecho-slowakischen Bankett verliest Doktor Stolper einen Brief der Böhmischen Es ko mp tebank an die Niederösterreichische Eskomptc- Gesellschaft, wo es heißt, daß sich die „Börse" an die Zivnostenska Banka gewendet habe, um votl ihr 300.000 c. K. jährlich für die Publikationen der Zivnostonska zu erhalten, die datrn it: jeder Woche e.ine Seite der „Börse" für stch beanspruchen könnte. Die Zivnostenska habe sich aus der Affäre gezogen, indem sie die „Börse" an den Bankenverband gewiesen habe. Selbstverständlich habe dieser refüsiert. Die Zivnostenska Banka zahle der „Börse" ein Pauschale von 30.000, die Böb mische Uniotl-Bairk von 15.000 tschech. K. Der Privaikläger fügt hinzu, daß mehrere Bläiter auch in der Tschecho-Slowakei, vor allem das „Ceske Slovo", geschrieben haben, e§ sei ein offenes Geheimnis, daß Bekessy Agent der tschecho-slowakischen Regierung se'i und Irotzdem habe Bekessy diese Blätter nicht geklagt, wiewohl er es anaedroyt hat. Während der Rede Stolpers ereignete sich eilt Zwischenfall. Als Dr. Stolper erklärte, er lasse seine Zugehörigkeit Mt deutschen Volke rticht in Frage stellen und die rühmenden Urteile von Blättern über den „Volkswirt" hervorhob, machte Dr. Rode einen abfälligen Z wischen r u s. Der Gerichtsho; zog sich zu einer Beratung zurück und der Vorsitzende erteilr-'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.